zerknicken,
verb.,
ein verstärktes knicken (
th. 5, 1417), 1)
trans., a)
knickend zerbrechen, zerdrücken, zertreten; z. b. läuse: Eyering
prov. (1601) 1, 809; Th. Abbt
verm. w. 4, 239; das aufkeimende genie wie ein insekt zu z. Lavater
phys. fragm. 2, 222;
N. Lenau
s. w. 371
B.; eier, nüsse: Stieler 991;
theat. d. Deutsch. (1768) 12, 365;
im barock geläufig für das luthersche zertreten
der bibelstelle 1. Mos. 3, 15: desz weibes samen soll der schlange den kopff z. Nigrinus
v. zäuberern (1592) 24; Joh. Heermann
bei Fischer-T.
kirchenl. 1, 287; A. Gryphius
ged. 456
P.; trauersp. 162
P.; Lohenstein
Arm. 1, 954
a;
auch baulichkeiten: J. Prätorius
winterflucht 410; b)
einknicken, einbrechen, wobei nur an sprödem stoff voller bruch einzutreten braucht, z. b. rohr, zweig, stengel, junger baumstamm: dort in der fremden welt stehst du allein, ein schwankes rohr, das jeder sturm zerknickt Schiller 14, 313 (
W. Tell 2, 1)
G.; wenn der frost die blth erstickt, hagelschlag die saat zerknickt Bürger 297
b Bohtz; häufig genug von der knospe, ähre oder blüte, wenn nur der stengel dicht unterhalb davon gemeint ist: die knospen waren zerknickt Miller
Siegwart 3, 769; Iffland
theatr. w. 5, 175;
degen: v. Schönaich
Herm. 191;
knochen, genick, flügel (
vgl. einen hasen, vögel knicken
th. 5, 1419): der vogel ... auf dem vogelherde in das garn gelocket und mit mOerderischer hand zerknicket (
d. h. die schädeldecke) Sonnenfels
ges. schr. 4, 157; Tieck
schr. 6, 5;
steifes papier, kleid: eine recht zerknickte karte Göthe II 2, 243
W.; sie z. die kleider Bauernfeld
ges. schr. 4, 102; c) wasser z.
dem wasser die kälte nehmen (1725) Bauer-C. 184; d)
bildlich wird das partic. perf. gebraucht, ein verstärktes geknickt (
s. knicken 3
c, th. 5, 1418),
gebrochen: Chamisso
w. 1, 7; geistig elend, zerknickt in meinem kühnsten aufschwunge Gutzkow
ges. w. 3, 136; Herder 26, 174
S.; zerknickte hoffnungen: Fr. L. Jahn 1, 440
E.; auch andere verbformen begegnen: hat er ... ihre macht zerknickt Ritter
erdkde 7, 126; Klinger
w. 12, 10; 2)
intrans.: fhren sies (
die krähen eine nusz) in die hOehe und lassens auff einen stein herab fallen, so vil und dick, bisz sie zerknicket Heyden
Plinius (1565) 419; an der luft gestehet es (
das glas) ... und wird im klofen abgederret, das es gleich zeher wird und nicht so leichtlich zuknickt oder zuspringt Mathesius
Sar. (1571) 34
a; die (
lanze) zerknickte wie ein strohhalm
khm. 1, 380;
zu 1
und 2
vgl. Adelung2 4, 1688
und Campe 5, 844
a; —
sonstige zss.: auf- (
th. 1, 383), ein- (3, 216). —