vorfechten,
verb. ,
mhd. vorfehten
mhd. wb. 3, 311
a; Lexer 3, 484.
propugnare vorfechten, -föchten Diefenbach
gl. 466
b; vorfächten, ein vorgefächt, vorgängle oder versuochspil thuon,
proludere, praeludere Maaler 475
a; vorfechten
quasi est ac verfechten (!),
propugnare, tueri, armis defendere Stieler 455; für- und vorgefochten, ich fechte vor,
praeludo; fürfechten, das,
proludium Steinbach 1, 475. 11)
die ehre, einen ernsthaften kampf zu beginnen, war das vorfechten,
wobei vor-
sowohl zeitlich wie räumlich aufgefaszt werden kann. diese ehre genossen die Schwaben im alten deutschen reich: er (
Karl) verlêch ouch den Swâben, swâ man umbe des rîches nôt strîten solte, dâ suln die Swâbe vor allen sprâchen strîten
Schwabenspiegel c. 31
Gengler; den selben guoten knehten (
den Schwaben) geburet daz vorvehten Ebernand v. Erfurt
Heinrich u. Kunigunde 658; Swâben und Etscher hetten stôz, daz war umb daz vorvehten Suchenwirt 20, 202; do wolt der hertzog von Burgunt in der eeren nit gönnen und wolt v.
dt. städtechron. 22, 43 (
Augsburg); das recht, in reichskriegen vorzufechten verlieh könig Karl dem schwäbischen herzoge Gerold Uhland
schr. 2, 98.
dann freier und auch von einzelnen: '
im fechten vorangehen, in der vordersten oder ersten reihe fechten Campe; die zwêne heten sich bewegen, si wolten vorvehtens pflegen Wolfram v. Eschenbach
Willehalm 328, 26; ob, wann gefahr, wann kriegsgetümmel andrängt, ... vielheit der fürsten wie ein mann dann vorficht E.
M. Arndt 5, 151
R.-M.; übertragen: ein tapfrer kämpe wars (
Metternich), ein kühner führer, der vorfocht in der finsterlinge schar Grillparzer 2, 126
Sauer. 22)
das v.
kann dann als minder ernsthaft und nicht entscheidend dem eigentlichen kampfe gegenübergestellt und in diesem sinne auch übertragen gebraucht werden, den anfang gegenüber einer gesteigerten folge, ersten versuch gegenüber der ausführung bezeichnen: praeludium das vorfächten, versuochstück, versuochspil Frisius
dict. (1556) 1041
b;
prolusit [] dolor per ista noster es ist nüt denn ein anfang und vorfächten meines schmertzens 444
a;
proludo, vorspielen, versuchung thun vor dem rechten kampff, v. Calepinus
XI ling. (1598) 1168
b; als wer das nuon gewesen ein vörfechten, aber yetz ein krieg
Terenz deutsch (1499) 121
a; dienen sy wol zuo ainem v. und parat, aber zuo dem ernst und kampff und wunder seynd sy zuo schwache Carlstadt
welche bücher heilig u. biblisch sind (1521) b 1
a; ich hör wol, in der gschrifft sind sy noch im v., aber in der vernunfft der natürlichen wisen, do gilts erst ein bluotruor Judas Nazarei
v. alt. u. n. gott 65
ndr. wenn v.
in dieser weise ernsthaftem kampf gegenübergestellt wird, kann v.
natürlich auch in dem unter 3
behandelten sinne gemeint sein. 33)
fechten im sinne der übung, schulung oder des kampfspiels (
vgl. auch vorfechter,
m.); er ficht vor,
praeludit in palaestra gladiatoria Steinbach 1, 475; einem v., '
in seiner gegenwart zum muster der nachahmung fechten, damit er nachfechten lerne' Adelung. 44)
vereinzeltes; übertragen in dem sinne, durch beispiel, vorbild zwingen wollen, s. schweiz. idiot. 1, 666: item wir wellend ouch hie nieman vorgefochten han Zwingli
dt. schr. (1828
ff.) 1, 51. —
in eigenthümlicher übertragung mit innerem object: um meine leser wegen der rede schadlos zu halten, bin ich bereit, einem jeden der hören will, eine von andrer art vorzufechten Hippel
lebensl. (1778
ff.) 1, 225. 55) vorféchten
für verfechten,
s. zu anfang die glossierung bei Stieler: ewer lieb und gunst wolle sie ... fur den unfletigen, schentlichen, hessigen affterkösern getrewlichen helffen vorfechten, beschützen und handhaben Agricola
musica instrum. deutsch 7
Eitner; got soltu loben und dancken, der wirt noch helfen dir, die gerechtigkeit vorfechten Soltau
histor. volksl. 257.