zappeln,
verb. ,
dem hd. sprachgebiet eigen, grundform ahd. zabalôn,
welche in der volkssprache als zawweln
[] (zabbeln)
fast überall fortlebt. die form zappeln
in schwäb., els. und rheinfrk. bezirken scheint vom intensivum zappen (
s. d.)
beeinfluszt zu sein; von diesem zappen
ist die umgelautete bildung zäppeln,
wie die bedeutung lehrt, abgeleitet. Obersachsen hat zapeln,
die nd. grenzstriche noch zabbeln (-ww-).
umlaut ist md. häufig. Luther
und H. Sachs
verwenden bereits zappeln
neben häufigerem zabbeln
oder zabeln.
eine überhd. form zapffeln
bei Ringwaldt
evang. T 3
a. etymologisch zur weitverzweigten wurzel tab-,
wozu u. a. zapfen
gehört. II.
im perfectum mit haben
verbunden. I@11)
sinnfällig: mit händen und füszen oder auch mit den füszen allein rasche, kurze bewegungen hin und her machen, aber auch von ganzen körpern, namentlich bei thieren, z. b. fischen. I@1@aa)
subject ist ein mensch oder thier: ... hörete sie ... Piramum an dem schwert zabeln Steinhöwel
Bocc. de cl. mul. 56
Dr.; die frembden kinder ... zabbeln in iren banden
2. Sam. 22, 46; wie die todten unter einander zabelten und grabelten Fischart
Garg. 410
ndr.; wie die seelen (
im fegefeuer) schrigen, loufen, grinen, zablen
N. Manuel 123
Bächt.; vor edelleüte ist es doch eine heszliche sage (
sache) ahm galgen zu zaplen Elis. Charlotte
br. 290
Menzel; vergeblich zappelt sie (
die jungfrau) in seinen (
des räubers) arm geschlossen Wieland
ges. schr. I 7, 45
ak.; zappeln wie ein nasser budel Schiller 2, 85
G.; hier schwing ich ihn (
den kleinen knaben) am beine hoch, du siehst ihn zappeln maler Müller
w. 3, 254; eener der that so zappeln wie a sperling, dem man a kopp wegreiszt G. Hauptmann
weber 115;
mit zusatz der sich bewegenden glieder: Egg zablet mit füessen und händen
N. Manuel 207
Bächt.; diese verbindung sehr üblich, vgl. Cl. Brentano
ges. schr. 4, 130; Fouqué
alts. bilders. 448; mit den füszen W. Hauff
s. w. 4, 171; mit (den) gliedmaszen H. Seidel
Leberecht Hühnchen 265; mit allen vieren Pfeffel
poet. vers. 4, 93;
von fischen: und er zog in (
den fisch) auffs land, da zappelt er fur seinen fssen
Tob. 6, 5; als der krebs im wasser zu seyn empfunde, zabelt er
grillenvertreiber 146; wann die fisch gefangen sind, so ist besser, das sie ein wile zabeln in eynem frischen wasser, ee man sie bereytet Hier. Braunschweig
liber pestilentialis 10
a; der fisch sasz an der angel und zappelte erbärmlich H. Seidel
vorstadtgesch. 180;
gern in vergleichen von menschen: er ... zappelte wie ein fisch G. Keller
ges. werke 4, 158;
von anderen thieren: sahe er einen pracken angebunden und auss der massen sehr zabelen und whten
buch der liebe 92
a; das thier ... röchelte und zappelte zu den füszen des ritters Chph. v. Schmid
ges. schr. 2, 138 und wer (
kann) verbieten zu zappeln den schafen unter der schur? Göthe 6, 61
W.; so zappelt das kaninchen in dem netz (
York wird zum gefangenen gemacht)
Skakespeare 8, 215;
häufig von vögeln, vgl. Ramler
fabellese 2, 444; die netze ..., unter denen ihre ... kameraden (
birkenzeisige) zappeln J. A. Naumann
naturgesch. d. vögel Deutschl. 5, 186;
auch hier mit zufügung der bewegten gliedmaszen: sie (
die mäuschen) ... setzten sich auf die hinterbeine und zappelten mit den vorderpfötchen Cl. Brentano
ges. schr. 5, 37. I@1@bb)
die bewegten glieder sind subject: ... die zunge ... an dem gaumen herum zappelt Chr. Weise
erznarren (1704) 305; den zappelnden fusz Herder 26, 105
S.; tausend hände zappelten augenblicklich in die höhe Göthe 26, 324
W.; ... es zappelt der hals in der schlinge Platen
ges. w. (1839) 316; ... das scharfe schwerdt durchdringet des säuglings zappelnd herz Weichmann
poesie d. Nieders. 1, 5; Gryphius
ged. 573
lit. ver.; nicht nach vorurtheilen handeln musz der edle, dem ein herz an dem rechten flecke zappelt Tieck
schrift. 1, 392;
[] ungewöhnlich: der puls zappelt Musäus
volksmärch. 1, 108; das junge blut zappelt ihm durch alle glieder U. Bräker
s. schr. 2, 134. I@1@cc)
collective und abstracte subjecte: da zappelt und kriebelt alles vor unterthanen Chr. Weise
comöd.-probe (1695) 299; ... die ... erdennatur ... zappeln zu sehen Göthe IV 30, 90
W.; ... wenn ihr vaterland so zappelnd ... da liegt Klinger
w. 10, 237;
vom heldenmuth Neumark
neuspross. teutsch. palmb. 22; galgen ..., an dem ihre genuesische freiheit sich zu todt zappeln soll Schiller 3, 20
G.; von der einbildungskraft Börne
ges. schr. 4, 14. I@22)
übertragen: in unruhe, verlegenheit sein, vor angst oder erwartung innerlich erregt sein. I@2@aa)
persönliche subjecte: als übergang vom anschaulich-körperlichen zappeln zu seelischer bewegung, vgl. es zappelt alles an ihm nach etwas auszer ihm Lavater
phys. frgm. 1, 73;
bei Luther
voll entwickelter gebrauch: (
beim gedanken an den tod) mus er zappeln und zagen 14, 43
W.; yhnen schlottert das gehirn; sie zapplen und wissen nicht wohyn 20, 522; ... ainen trost ..., das Christus auch hie zapplet (
hat) 10, 3, 76; die glaublosen in der angst hin und her pamplen, zapplen und wollen verzagen Dannhawer
catechismusmilch 1, 134; ... die ... im glauben ... zweifelhafftig gezapelt hab S. Franck
chronica zeytb. 393
b; er hat meinem rath ... nicht gefolgt, nun wird er zappeln Göthe IV 8, 167
W.; die sollte zappeln (
vor eifersucht) Fontane
ges. w. I 6, 25;
häufig wird der anlasz angegeben: die frembden kinder elendiglich verschmachten in der rach mit schanden und zappeln in gefencknuss-banden H. Sachs 18, 87
lit. ver.; er mag in seinen flammen ein wenig zappelen Neumark
poet. u. musik. lustw. 156;
in der schlinge (
bildlich) z. Kotzebue
s. dram. w. 5, 140;
in einem netze z. G. Keller
ges. w. 5, 93; er zappelt schon (
vor eifersucht) an der leimruten Nestroy
ges. w. 11, 247;
vor liebe z. Rabener
s. w. 4, 207;
vor lust Holtei
erz. schr. 13, 151;
stark entwickelt und verbreitet ist die verbindung zappeln lassen: ist kein ander radt noch zuflucht denn zu dem, der uns lesset zappeln Luther 24, 571
W.; auch 8, 178; die zwen füren in mit gewalt dahin, lasen in zabeln und schreyen H. Sachs 14, 303
lit. ver.; lasset in (
den feind im kampf) nur fechten und zablen, biss er wol md werd
buch der liebe 134
a;
noch von rein körperlichen bewegungen: liesse ihn so lange zappeln (
in der heiszen asche) Chr. Weise
erznarren 128
ndr.; womit seelische affection verbunden ist: den betretenen ... in verwahrung zappeln zu lassen Göthe 31, 209
W.: wie 'nen maikäfer euch z. lassen am faden W. Alexis
hosen 1, 92;
meist aufs seelische bezogen: in unwissenheit z. lassen A. U. v. Braunschweig
Octavia 3, 513; unter dem joch der ... kriegsinsolentz ... z. zu lassen Chemnitz
schwed. krieg 2, 275; in der angst
deutsche erzähler d. 18.
jh. 63
Fürst; sehr häufig mit zeitangabe oder modalem adverb.: ein wenig z. l. Lessing 1, 357
L.-M.; tüchtig Cl. Brentano 5, 42; eine zeitlang Knigge
umgang 1, 150; nicht lange Holtei
erz. schr. 4, 246;
als übertragen gefühlt: oder willst du mich 'zappeln' lassen und dich an meiner unruhe weiden, tigresse? Bismarck
br. a. s. braut 74;
sehr frei: Oesterreich läszt uns ganz anders zappeln, wenn wir von ihm etwas fordern Bismarck
an Gerlach 85. I@2@bb)
sächliche subjecte: zunächst vom herzen, z. th. noch wird die körperliche bewegung mitgefühlt (
s. o. 1
b)
; in reformationsschriften stark verbreitete wendung: si es peccator, wird das cor zappeln Luther 34
I, 204
W.; das ist ein hohe temptation, wen einer dohyn kumpt, das yhm seynn hertz zcappelt 11, 27; 8, 483; 16, 72. 186
u. ö.; in erwartung guter botschaft: dann mein hertz im leib zappeln thut, wie ein lausz in eim filtzhut J. Ayrer 3, 2067
lit. ver.; da zappelt und bebet das hertz Spener
d. geistl. friede 9; (
die schmeichelei) wird ... das hertz also treffen, dasz es zappelt und zittert wie der fisch Abr. a S. Clara
[] etw. f. alle 2, 363; Eberl. v. Günzb.
s. schr. 3, 239
ndr.; G. Keller
ges. w. 6, 92;
vom gewissen: ... Carlstads gewissen ... zappelt und ungewis ist Luther 18, 161
W., vgl. 10
II, 262; 8, 525; als denn so zappelt ihr gewissen und wird mit grosser angst gebissen H. Sachs 15, 203
lit. ver.; seyn gewissen zappelt allweg fur gott Eberl. v. Günzb. 3, 207
ndr.; vom schwachen glauben: der unglaube ..., der zappelt, zaget und spricht Luther 24, 246
W.; ir kleiner glaube fehet an zu zappeln und wancken Joh. Mathesius
Sarepta 3
b;
mit fragesatz: sein glaube beginnet ... zu zapeln, ob gottes wort war sey
ders. ausgew. w. 2, 76
Lösche;
auf anderes bezogen: mein' sel, was leist fur laid nider, warum zaplest in mir doch? P. Schede
psalm. 164
ndr.; vgl. Heinse
s. w. 4, 51
Schüdd.; vom geist Hamann
schr. 5, 288;
von der natur Tauler
sermones (1508) 82
b; denck, wie die hoffnung alzeit zabelt, in sorg und forcht auf- und ab-wabelt H. Sachs 22, 239
G.; meine trauer zappelte an widerhaken Cl. Brentano 5, 15; die zappelnde angst Mommsen
röm. gesch. 4 3, 376. I@33)
unruhig, hastig arbeiten, streben: darumb jedermann ... zabelt und grabelt Fischart
Garg. 20
ndr.; er nagel, zabel, fredt und schab H. Sachs 5, 253
lit. ver.; vertrauwen gott nitt, maynen, wann sy nitt zableten ..., das koren wyechss nitt Urb. Regius
kurtze erkl. f 2; denn wer nicht in dem heumond fleiszig gappelt, und wer nicht in der erndte tüchtig zappelt, ... Cl. Brentano 2, 590;
volksläufige fassungen dieses alten spruches u. a. bei Seiler 321, Schmeller
wb. 2, 1072, Fischer 6, 1022, Martin-L. 2, 890
a; liesz überall den vater sorgen und zappeln U. Bräker
s. schr. 2, 283; er (
Faust) soll mir zappeln, starren, kleben Göthe 14, 88
W.; streben nach: weller geistlicher man zablet also nach ewigen dingen Keisersberg
bei Martin-L.; (
mehr im eigentlichen sinne:) die hände ausstrecken und darnach zappeln v. Droste-H.
an L. Schücking 333; z. gegen etwas Klopstock
an Ebert bei Lappenberg briefe 245. I@44)
verbalnomina. I@4@aa)
partic. präs., sowohl in verbalem gebrauch: das (
täubchen) zappelnd da lag Thümmel
reise 7, 127; ... dreytaussent (
juden zu pfingsten) ... tzappelnd (
unruhig) zu den aposteln sprachen Luther 2, 137
W.; als auch häufig in rein adjectivischer verwendung, wobei sämtliche oben aufgewiesenen bedeutungen erscheinen; zunächst prädicativ: der teüfel ... macht dich zappelnd und zagend Luther 10
III, 52
W.; sein flug ist ... z. J. A. Naumann
naturgesch. d. vög. 2
II, 897;
am meisten attributiv: der zappelnden lämmer schaar Freiligrath
ges. dicht. 4, 92; von hundert in der luft zappelnden händen G. Keller 3, 117; des ... in den maschen häuslicher sorgen zappelnden künstlers Börne
ges. schr. 2, 52;
in älterer sprache: mit zappeldem (
ungläubigem) hertzen C. Schwenckfeldt
apologie der Schlesier D 3 a; des zaplenden gwissens S. Franck
chronica zeytbuch (1531)
vorr. a 4
a;
neu bei ausdrücken des affectes u. ä.: zappelnde lebhaftigkeit J. v. Müller
s. w. 4, 18, in zappelnder erwartung Jean Paul
w. 1, 69
Hempel; auch substantivisch: der in selbstgelegten schlingen zappelnde Holtei
erz. schr. 36, 265; sein sprung ... (
bekommt) etwas zappelndes (
von einem fisch) Brehm
thierleben 8, 305
P.-L. I@4@bb)
substant. infinitiv: das lange zappeln in den schmertzen Gryphius
trauersp. 197
lit. ver.; das schnellende z. eines rebhuhns J. A. Naumann
naturg. d. vögel 6, 491; z. ihrer glieder (
der opferthiere) Ritter
erdk. 11, 313;
im sinne von tumult, durcheinanderlaufen: ein zabeln, lauffen und löschen (
bei einer feuersbrunst) Fischart
binenkorb 22
b,
vgl. H. Sachs 4, 265
lit. ver.; unruhige arbeit: vor wunder gleich mein hertz thet grüntzen, ob diesem grossen arbeyten und zabeln H. Sachs 3, 480
lit. ver.; [] vgl. A. a S. Clara
etw. f. alle 1, 432;
für seelische unruhe: durch z. machst du's wahrlich nur ärger U. Bräker
s. schr. 1, 137;
in älterer sprache meist in verbindung mit synonymen: eyttel z. und zagen Luther 12, 682
W.; ein grosz zagen und z. kam sie an S. Franck
chron. Germ. (1538) 136
b; dieses z. und zagen und hoffen v. Platen
tageb. 2, 245; ein z. und zittern Luther 19, 142
W. I@55)
besonderes: I@5@aa)
reflexiv; nur in verbindung mit tot
oder zu tode: an dem ihre ... freiheit sich zu todt z. soll Schiller 3, 20
G.; H. Heine
w. 2, 65
E.; die insecten zappeln ... sich ... todt Fr. Th. Vischer
ästhet. 2, 124. I@5@bb)
mit innerem object: zum tanze gehen, ... cancan z. Gutzkow
ges. w. 7, 368. I@5@cc)
technisch vom matten gang des pendels oder der unruhe einer uhr Poppe
encyklop. d. ges. maschinenwes. 5, 594, Campe 5, 814
a. I@5@dd)
lexikalisches und orthographisches: Dief.
nov. gl. 277
b palpitare; voc. theut. 1482
pp 4
a (-pp-); Maaler 510
b; aus zabbeln,
2. Sam. 22, 46, (
wird) zappeln in den neuen bibeln C. Gueintz
rechtschr. (1666) 21; Stieler 2591; Kramer (-pp-); Duez
germ.-gall.-lat. nov. (1642) 467
a (-b-); Frisch 2, 462
b (-b-), 464
c (-pp-); Steinbach 2, 1071; Adel., Campe; Schmeller
2 2, 1072 (-b-), Seiler 321 (-b-), Stalder 2, 462 (-b-), Tobler 452 (-b-), Fischer 6, 1021 (-b-), Martin-L. 2, 890 (-ww-
u. -pp-), Follmann 553 (-ww-), Pfister 344 (-bb-), Crecelius 931 (-ww-),
lux. wb. 495
a (-bb-), Hönig 206
a (-bb-), Bauer-C.
wald. 286 (-ww-), Müller - Fr.
obers. 2, 691
a (-p-). IIII.
im perfectum mit sein
verbunden: mit kurzen, schnellen schritten gehn: passibus angustis et minutis incedere Stieler 2591; er ist fort gezappelt Adelung
wb. 4, 1655; da kömmt er gezappelt Campe
wb. 5, 814
a; menlein, das ... daher zappelt Vogelgesang
heiml. gespräch 5
ndr.; hinauf (
auf den berg) zappeln B. Mayr
päckch. satiren 70,
und so vielfach in der umgangssprache; obd. volkssprachlich dafür zäppeln (
als nebenform auch bei Stieler): mit iren füszen zepplende häreyn gond
composito gradu incedebant Zürcher bibel (1530)
Jesaias 3, 16; du zeppelst um wie a jung's reh Anzengruber
ges. w. 5, 152; Schmeller 2, 1141, Unger-Kh. 644
b, Hertel
Thür. 262.