verzappeln,
vb. ,
von zappeln,
vgl., auch bezügl. d. versch. formen, teil 15,
sp. 275. 11)
allg. '
auszappeln', '
bis zu ende zappeln' (
vgl. auch ver III 4,
teil 12,
sp. 54),
wobei die partikel auf got. fra-
mit perfektiv-resultativer aktionsbildung zurückgeführt werden mag, vgl. Leopold
die vorsilbe ver- (1907) 225; 228. 1@aa)
bis zur erschöpfung zappeln, und aufhören zu zappeln Campe 5 (1811) 405
b.
auch, mit hervorhebung des resultativen moments, '
ruhig werden'
; schon vereinzelt mhd.: durch sîn gemach und durch ir klagen Gyburc den marcrâven dan fuorte, den strîtes müeden man, dô daz uzer her verzabelt was und daz inre wol genas Wolfram v. Eschenbach
Willehalm 99, 11
L. doch ist die bedeutung dann erst wieder seit dem frühnhd. und zwar im ganzen nur sporadisch nachweisbar: der aber dauon etwas gefordert wirt, wer des zornigen zorn verachtet, sagt mit leichtem muot: lass yhn verzabeln, es wyrt yhm wol vergehen Agricola 750
teutsche sprichw. (1534) l 1
b; lasz jn verzabeln, lasz jm die sporen vertrieffen
sprichw., schöne weise klugreden (1548) 92
a;
deferbuit adolescentia die hitz oder geile der jugend ist vergangen oder erlägen, hat schon verneüwgäret oder verzablet Frisius
dict. (1556) 375
b; aber der artzt der eusserlich ist, geht erst an, wann der angeboren erligt, verzablet, ermdt ist, so befilcht ir sein ampt den eussern Paracelsus
opera 1, 275
Huser; ich verzappele
elanguesco Steinbach
dt. wb. (1734) 2, 1071; lass ihn verzabeln Wille
sittenlehre (1781) 107; nach ausgestandenem paroxysmo hat sie müssen auf die arme genommen werden, da man sie mit händen und füssen verzappeln lassen und hernach wieder aufs bett legen müssen Widmann
Fausts leben 252
Keller. mundartlich: sich verzabeln
sich durch zappeln ermüden Schmidt
elsäss. 406
a. 1@bb)
vor angst, sorge, ungeduld etc. verzweifeln, wobei ver-
die nebenbedeutung des zugrundegehens, verderbens mit entwickelt (ver III 7
nahestehend),
doch mit humoristischer färbung im ganzen: gesetzt, das weibgen solte säumen, sie dächte selbst an keinen kusz, so folgt nicht, dasz der mann auch träumen und neben ihr verzappeln musz Henrici
ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 4, 440; er möchte verzappeln
vor hoffnung, vor ungeduld, vor ungewiszheit auszer sich geraten Adelung
wb. 4 (1780) 1574; Sami ... verzappelte vor angst, nichts verdienen zu können J. Gotthelf
ges. schr. (1855) 4, 45; man musz nicht gleich verzappeln und alle hoffnung fahren lassen
ebda 4, 359.
mundartlich noch heute geläufig: ferzable for angst Seiler
Basel 115
a;
vor ungeduld vergehen: Hertel
Thür. 262; er ist schier verzapplet Fischer
schwäb. 2, 1422; er isch ganz verzibbelt Follmann
Lothr. 157
a. 1@cc)
verstärkt im sinne von '
sich zu tode zappeln': der Eycinger liesz ... etlich in ein brennenden bachofen werffen vnd darin verzablen S. Franck
Germ. chron. (1538) 154
a; geht, thut in seinem hauss in fangen und heist ihn an ein palcken hangen. wen er verzabelt den in jammer, so pringt sein barschafft in mein kamer Hans Sachs 13, 163
lit. ver.; der lies sie alle fünff ... an ein galgen hencken und verzablen Megiser
annales Carinthiae (1612) 658; o du lausigter hund, ich wolte dasz ich dich nur unter den Frantzosen hätte verzappeln lassen Chr. Reuter
ehrl. frau 33
ndr.; der puls schlägt überaus schwach! der patient dürffte bald verzappeln und crepiren Schultes
wohlmeinende erinn. (1730) 64; schneidet ... seiner gattin den hals ab und lässt sie verzappeln Gervinus
gesch. d. dt. dichtg. (1853) 3, 117; wer die insecten nicht mit spitzer nadel aufsteckt und nicht ausharren kann, bis sie sich verzappelt haben, ... das ist kein satyriker Gutzkow
ges. w. (1872) 5, 150; der helle schwarm deutscher singvögel muszte in den dohnenstiegen verzappeln
qu. v. j. 1927.
auch vereinzelt mundartlich: verzable
n auszappeln (
von einem verendenden tier) Martin-Lienhart
elsäss. 2, 890
a. 22) '
verwirrt, konfus sein',
wobei die perfektivierende bedeutung des präfixes zugunsten der bedeutung '
fort, hinweg, auseinander' (
s. auch ver III 11 a)
zurücktritt; nur vereinzelt bezeugt: das Clärchen, welches jeden augenblick einen besuch ... erwartete und deshalb angezogen sein wollte, um ihren brief mit ruhe vorlesen ... zu können, verzappelte sich sehr (1847) Mörike
br. u. ged. an Marg. v. Speeth (o. j.) 20; du weiszt nimmer recht, was du voreh gesagt, verzappelst dich wie die fliegen im web Rosegger
schr. (1895) I 13, 325; sich verzappeln
in der rede stocken, konfus werden Frischbier
pr. 2, 485
a.
auch: verzabeln
etwas durch zappeln oder hast verlieren Stalder
schweiz. id. 2, 462; v
ərzepp
ərn,
moselfr. v
ərzepp
əln
hin und wieder verlieren Kisch
vergl. wb. 240. 33)
das präfixkompositum rückt in die nähe des simplex (
vgl. auch ver III 9,
teil 12,
sp. 55); verzappeln lassen
im sinne von '
zappeln, sich abmühen, gewähren, im stich lassen' (
vgl.zappeln teil 15,
sp. 277; 278): über das thuot er (
Luther) witter har jagen die kugel über alles bot, hat ann sych ghenckt etlych rott. wellent wir ain zitlanng lassen ston vnnd sy wol damit verzablen lon bysz es fuog hat inn rechtter massen, wellent wir inn wytter verhören lassen
reformationsflugschr. 3, 249
Clemen; ich war länger denn drei jahr ganz verlassen und reichet mir niemands die hand, sondern jdermann liesz mich alleine verzappeln mit den papisten Luther
tischr. 4, 477
W.; der diner märkte wohl ..., dasz er sich zu unterschiedlichen mahlen entfärbete, und gahr klein-laut dahrüber (
über dem lesen eines briefes) ward; darum wolt' er ihn nicht langer verzaplen lahssen, sondern reicht' ihm das (
richtige) schreibe Zesen
adriat. Rosemund 84
ndr.; einen in der noth lassen verzappelen
aliquem in necessitate destituere Aler
dict. (1727) 2, 2036
b.
hierher auch: darunter (
unter dem persischen joch) es (
Ägypten) so lange verzaplen muste, bis es Alexander der Grosze ... unter seine gewalt brachte
O. Dapper Africa (1670) 147.
in heutiger mundart trans. '
etwas sehr eilig arbeiten, um noch fertig zu werden': ich habe es nur so verzapplen müssen Fischer
schwäb. 2, 1422;
refl., verzable
n '
sich durch schnelles arbeiten oder bewegen abmühen' Martin-Lienhart
elsäss. 2, 890
a; sich verzawwele
sich abmühen durch schnelles arbeiten oder bewegen Schmidt
Straszburg 112.