kneten ,
depsere. II.
Form und verwandtschaft. I@aa)
es ist eigentlich ablautend wie treten,
ahd. chnëtan,
mhd. knëten,
praet. knat,
pl. knâten,
part. praet. geknëten.
ags. cnedan,
engl. knead,
nl. kneden,
mnd. kneden
pistare, pastare Dief. 415
a. 438
a (
nrh. 15.
jh. kneiden
das.),
nnd. knëen Schambach 105
b,
auch kneien;
auch dän. knede,
unter deutschem einflusz (
gewöhnlich älte),
schwed. aber knda. I@bb)
altn. hiesz es nämlich vielmehr knoða (
noch norw. knoda,
isl. hnoda),
gleichwie treten
da troða
heiszt. daraus vermutete J. Grimm
goth. starkes knudan
mit ablautreihe u a ô u,
s. gesch. d. d. spr. 848,
vergl. myth. 574.
bestätigt wird das durch ein nordengl. part. praet. knodden,
kneaded Halliwell 498
b,
das auf starkes ags. cnodan
oder cnudan
depsere deutet, vielleicht auch durch westf. märkisch knuden (
für knoden
oder knuden)
festtreten Kuhns
zeitschr. 2, 100,
vgl. II, 2;
ja man kann wol nicht umhin, selbst folg. hd. geknoten
als für gekneten
aufzufassen: ir hern, schlotfegen ist mein ampt. wem sich
im hintern het gesampt (
gesammelt) des alten rusz (
ruszes)
mit langen zotten, das ein geselzt wer und geknoten, als der im ein bech daruber het goszen, dem kann ich esz seuberlich aber stoszen (
abher, herabst.).
fastnachtsp. 789, 7,
der harte kot ist wie ein teig behandelt, '
eingesalzt und eingeknetet'
; danach ist ein mhd. knëten,
das wie stechen, brechen
gieng, anzunehmen, als übergangsform zwischen den beiden ablautsreihen. I@cc)
nach noch anderm ablaut geht die fries. form auf Wangeroge, knîde,
praet. kneid,
part. kniðin Ehrentraut
fries. arch. 1, 45,
es stimmt zu ags. cnîdan, forcnîdan
zermalmen u. ä. (Ettm. 397)
und nähert sich dem ahd. gnîtan
reiben, zerreiben, ags. gnîdan,
dän. gnide
u. s. w. I@dd)
als auswärtige verwandte vergleicht Diefenbach
goth. wb. 1, 315
poln. gnieść
kneten, drücken, russ., sloven. gnesti (
slov. auch gnetiti),
böhm. hnísti (hnětu),
ferner lett. gnaudu, gnaust
zerreiben, altsl. gnet, gnesti
zerdrücken Miklosich 131
b u. s. w. I@ee)
erwähnenswert ist noch ein heimischer anklang. kneten
heiszt ditm. knojen (Groth
vertelln 2, 161),
brem. u. a. grobe arbeit thun Fromm. 5, 152,
nl. knoejen.
es ist das altn. knŷja
pressen, stoszen, norw. knöyve,
das Aasen 228
a auch als kneten gibt, und lehnt sich an altn. knûi
knöchel an, dän. knoe,
auch ditm. knoern
pl. (
s. unter knochen),
denn mit der faust wird ja geknetet, geschlagen (
s.knöbeln kneten von knöbel
knöchel).
ist es ein zufall, dasz auch kneten
eine solche zutreffende anlehnung finden könnte in knoten 1,
knöchel, finger? I@ff)
die starken formen von kneten
zeigt noch das 16.
jh., ich knete, er knitt
für knitet,
praet. knat,
part. gekneten,
imper. knit,
den ablaut des praet. zeigt vielleicht noch bair. dreckknatel
f., unreinliches weib Schm. 2, 376 (
s. II, 4,
b).
doch gehören die schwachen, wenigstens knetete,
auch schon dem 16.
jh. an, aber gekneten
hat sich bis jetzt erhalten (
s. z. b. II, 4,
c a. e.)
und ist volksmäszig noch vorherschend. viele schrieben knäten,
noch Lessing, Voss, J. Paul,
wie Maaler knätten;
das tt,
zur bezeichnung der kürze, gilt auch noch jetzt oberd. (
wie tretten),
z. b. pflaster knetten Hebel 3, 28. IIII.
Gebrauch und bedeutung. II@11)
mit den händen, kneten,
den teig mischen, pastare, pistare, pistrire, pinsere. voc. inc. teut. n 3
a, knetten Dief. 438, kneden
das., 415
b,
voc. opt. Lpz. 1501 T 5
a, knetten
gemma gemm. S 2
b. II@1@aa)
starke formen: dann wer do drischet vor dem schnit und ee wil pachen dann er knit ... des schaden niemant klagen sol.
fastn. 130, 27; an der heiligen drei künig tag bacht ein ieder vatter ein guoten leckkuochen oder letzelten ... und knidt in dem knetten ein pfenning darein. S.
Frank weltbuch 1534 50
b (
leseb. 3, 1, 338), knitt
wie tritt;
ein andres beispiel unter 4,
b. im imperativ: nim gut weizen melb, das knit mit kaltem wasser.
küchenmeisterei c 4; knit es in einem rohen ei. a 4. b 4. 5; knits mit rohen eiren. b 6; das knit durch einander. c 2; verknit si mit einem rohen ei. c 1,
vgl. mit einem rohen ei verkneten, gewurzt, gesalzen c 3, einkneten mit loem (
lauem) wasser.
das. praet. (
vergl. 3): si knat und machet küchlach (
küchlein).
reime von 1562
bei Schmeller 2, 376.
im partic. (
wolbemerkt, mit kurzem vocal urspr.): ee der taig gekneten ward. Steinhöwel (1487) 94
b; nimmet man zu kütt (
kitt) kalch, mel und ochsenblut, wol durch einander geknetten. Mathesius
Sar. 72
a; gerstenmeel mit ein wenig honigs durch einander geknetten. Tabernaemont. 625: wol geknätten brot,
depsiticus panis. Maaler 164
d; ich hab das meel geknetten ietzt. J. Ayrer 433
a; ist es (
das brot) auch von reinen saubern händen geknetten worden?
Lazar. de Tormes 73; ich wette drüm, er hat bereits gekneten.
neueröffn. musencabinet 1183. II@1@bb)
schwache formen: Abraham eilet in die hütten zu Sara und sprach 'eile und menge drei masz semelmelh, knete und backe kuchen. Luther
1 Mos. 18, 6; nam melh und knettets und buchs ungeseurt.
1 Sam. 28, 24.
2 Sam. 13, 8; da sie bei ihrer gevatterin den teig knettet (
für knettete), brot zu bachen. Fischart
bien. (1588) 66
b; wo das mehl nicht recht geknetet wird, verdirbt das brot. Stieler 995. Steinbach 1, 885; stille kneteten wir salpeter, kohlen und schwefel, bohrten röhren; gefall nun auch das feuerwerk euch.
xenien nr. 29; dasz helden gekneteter lehm sind. Platen 258. II@1@cc)
es heiszt auch blosz kneten
gleich teig kneten zum backen, ferner mehreres durch
oder in einander, zusammen kneten, verkneten,
etwas in den teig kneten, einkneten,
s. auch auskneten,
durchkneten. lehm, thon kneten,
mit wasser anmachen und weich kneten, häcksel in den lehm kneten. II@1@dd)
dann intr. kneten in
einer masse, knetend darin arbeiten, greifen, wühlen, vgl. unter 4. II@1@ee)
trans., knetend bilden: die r. kirch knett ausz dem deig der schrift aller hand küchlin. Fischart
bien. 1588 39
a randgl.; vor einem erdengott aus leim (
lehm) geknetet hab ich mich nie gebeugt. Schubart (1825) 2, 290. II@22)
mit den füszen, tretend kneten: calcare, knätten. Fris. 177
b; sie liept mir mer denn laimen kneten.
fastnachtsp. 633, 11; öfters muszte er im frühling und im herbste barfusz den lehm treten und durcheinander kneten, über den eine eishaut gefroren war. Fr. X. Bronner
leben 1, 5. II@33)
daher als kraftwort des 15. 16.
jh. für tanzen, von dem schweren auftreten und heben der füsze beim lehmtreten, wie eʒ walken
MSH. 2, 80
a (
vgl. 4,
b): so wil ich den vorraien treten und wil so hoflich umbher kneten, als keiner hie auf dieser pan.
fastn. sp. 390, 8; der schäfer von der Newenstatt mit seiner Elsen umbher knat, er het vil lieber koren droschen. H. Sachs 1, 531
a (1590 397
d); ein bawr war frat ... mit ir frei umbher knat.
Ambras. lb. 129, 13 (
wunderh. 4, 313),
in der älteren fassung bei Uhland 654 trat.
vergl. im Renner: als ob einer den virlei (
ein tanz) trete und (
dabei) in eim tiefen horwe (
kot) knete. 205
a (
oder træte, knæte?). II@44)
andere übertragungen des knetens
auf ähnliches thun II@4@aa)
intrans., wie arbeiten: do sasz er zwischen mir und ir, do hett er mit den knien ein kneten, und mit den fueszen ein solchs kneten und treten, dasz ich kein rue bei im het.
fastn. sp. 544, 15; der .. hat mir in mein guten rubacker geschissen. do wolt mein frau die ruben geten und hat mit allen fünfen drinn kneten. 609, 19
ff., es kann darein
oder darin
meinen. im dreck kneten,
wühlen. II@4@bb)
treten (
vergl. 3), im kote kneten,
schwerfällig, mühsam schreiten, waten: im kot herein (
einher) kneten.
Petr. 29
b.
völlern, schlemmern wird vorgeworfen: und das ist üwer gmeiner sitt, füllen, das man mit stiflen drinn knitt. Utz Eckstein
reichstag (
kloster 8, 840). disz ist der pfad zum himmelthor, den gott selbst vorgetretten, wolan soldat, heb dich empor, du must auch nachhin knetten, wo dein furier dich leitet an, durch distel und durch hecken. Mezler
odaeum (
Freib. i. Br. 1641) 331. II@4@cc)
auch trans., zerarbeiten, zerwalken, zertreten: mit ir knien si in knat, mit ir füeʒen si in trat (
den unten liegenden).
des münches not Haupt 5, 439.
ein im grabe liegender beklagt sich dasz man rosse darauf weiden läszt: wer hütet mein grab? wer knetet mein grab? wer hütet mir all meine gräslein ab?
wunderh. 4, 96.
etwas mit
oder in den händen kneten,
durcharbeiten, zerwühlen, zerknittern u. a. (
vgl.knetschen).
die unterdrückte frau Wahrheit erzählt u. a.: und (
das hofgesinde) mir mein nasen krümbten, mir (
gedr. mit) brief und sigel knaten. H. Sachs 1, 291
a; sie (
Mignon) konnte nicht sein ohne einen bindfaden in den händen zu drehen, ein tuch zu kneten, papier oder hölzchen zu kauen (
vor unruhe). Göthe 19, 103,
vgl.hutkneten 57, 151; der schulmeister (der da sieht dasz Barthel .. seine perrücke anfängt zu kneten, wie man teig zu brote knetet). ach du lieber himmel! meine perrücke! ...
vater Märten. he ha ha! zugekneten, Barthel, frisch zugekneten!
Barthel. thus schon, thus schon. (er knetet und walkt die p. hin und her ...). J. B. Michaelis (1791) 4, 109; immer besser und besser gekneten! 110,
vgl. 115. II@4@dd) sich durchkneten (
vergl. 2, 1634),
knetend durcharbeiten: steige nur weiter, knäte dich nur mehr durch. J. Paul
Tit. 3, 172,
hier bildlich. II@55)
bildlich, durcharbeiten. II@5@aa)
besonders zu einem zwecke zurichten, durch oder in einander arbeiten, umarbeiten u. dgl., vgl. durchkneten.
oft mit verächtlichem anklang: art läszt jedoch nicht von art ... die natur läszt sich nicht knetten, drehen um wie hafnerletten. Abele
selts. gerichtsh. (1684) 1, 96;
Mephist. was hilfts, nur grade zu genieszen? die freud ist lange nicht so grosz, als wenn ihr erst herauf, herum ... das püppchen geknetet und zugericht. Göthe 12, 135,
wie ein gericht, Faust antwortet hab appetit auch ohne das; der geistreiche mensch knetet seinen wortstoff, ohne sich zu kümmern aus was für elementen er bestehe. 45, 143; alles dieses, seine erfindungen und die historischen materialien, knätet er denn in einen fein langen, fein schwer zu fassenden roman zusammen. und wenn er es so gut zusammen geknätet hat, als sich nur immer hecksel und mehl zusammen knäten lassen ... Lessing 7, 144; der den Matthäus .. so unbesonnen zwei verschiedne begebenheiten in eine kneten läszt. 10, 81; der leser ... bemerke das zusammenkneten dynamischer und atomistischer ausdrücke. Göthe 59, 214; er knätete also lob und tadel nach einer horazischen mischung untereinander. J. Paul
Hesp. 2, 18; wirklichkeit in die kunst zu knäten.
flegelj. 2, 89. II@5@bb)
für durchschütteln (
vgl. die mhd. stelle unter 4,
c): (
dasz) bleiches zagen ihn verfolg, ergreife, knäte. Fr. Stolberg 5, 92.