gewerren,
verb. ,
verstärktes werren (
s. d.).
mehr als das einfache unterliegt das zusammengesetzte verbum der anziehungskraft formelhafter verbindungen. die ursprüngliche bedeutungsenergie, die sich in den althochdeutschen parallelen (giwerran,
dividere, versare, excindere vgl. Graff 1, 945)
ausprägt, ist in mittelhochdeutschen lieblingsformeln wie waz gewirret dir? mir ne mac niht gewerren
zu der vorstellung eines hemmnisses, einer störung des behagens, verblaszt. von diesen formeln sind einige restverwendungen auch in die ältere periode der neuhochdeutschen sprache übergedrungen. 11)
die bedeutungskraft von gewerren
in den älteren belegen zeigt sich schon darin, dasz als subject des verbums fast immer eine person vorausgesetzt wird. 1@aa)
refragatur, wantolot kiwirrit (
an anderer stelle refragatur, dissentit aut demutat).
Oxforder glossen des 9.
jahrh. Steinmeyer-Sievers 4, 17;
dividere (
inter semet ipsos studuit), giwerran
Freisinger glossen des 9.
jahrh. Steinmeyer-Sievers 2, 173; (
populos)
exscindere, giwerran.
Tegernseer glossen des 11.
jahrh. zu Vergil (
Aeneis 7, 316) Steinmeyer-Sievers 2, 659;
das gleiche ebenda (
Aeneis 7, 336)
für (
odiis)
versare (
domus);
ebenso vertisse, giwerran (
Aeneis 7, 407) 2, 660; Voss
hat in seiner übersetzung hiefür die verba vertilgen, zerrütten. 1@bb)
die verbindung mit unpersönlichen subjecten zeigt sich zuerst bei Notker
und ist dort noch auf das einfache verbum beschränkt (waz tir wirret,
quibus perturbaris, vgl. Graff 1, 904);
das zusammengesetzte verbum wird erst von der sprache der dichtung in solche verbindungen gezogen: der herre ist aller tugende, da von uns niht mage gewerren nahen noch verre, wedir daʒ swert noch der tot noch des hungeres not noch deheinerslahte schaden.
genesis u. exodus 147, 30
Diemer. 22)
in der ungewöhnlichen fülle der mittelhochdeutschen belege (
vgl. mhd. wb. 3, 745
a Lexer 1, 988)
ist es nun gerade die letzt besprochene verbindung mit einem unpersönlichen subject —
fast ausschlieszlich einem unpersönlichen pronomen —
die weiterblüht und gedeiht. die wenigen ausnahmen, die verbindungen mit einem persönlichen subject, ja auch die mit einem sächlichen nomen, machen weniger den eindruck alter überlieferung als späterer neu- und umbildung. wie weit in solch formelhafter verwendung das gefühl für die eigentliche bedeutung des verbums verloren ging, zeigt das schwanken der überlieferung in den lesarten. die kürzungen, denen das verbum in einzelnen flexionssilben unterliegt (gewar, gewirt,
vielfach auch gewern),
führten mehrfach zu einer formengemeinschaft mit gewerden
und gewern, (geweren),
vgl.gewern Meier Helmbrecht 1406 (
Ambras. handschr.); die Mâze 84 Bartsch; Rubin 22, 3
Zupitza; Aventin 4, 2, 1140 (
var.); geweren Enikel
fürstenbuch 4091;
leben der schwestern zu Tösz 63, 7; gewehren Aventin 4, 2, 1140 (
var.); gewerden Heinr. v. Veldeke
Eneit 628
Apollonius 13629.
ganz vereinzelt ist die erhöhung des stammvokals gewierren R. v. Ems
Willehalm 1703. 2@aa)
beziehung auf ein persönliches subject: wan sînen (
Hiobs) stâdigen moet enmochte he niet vererren, (
der teufel) noch ter sêlen gewerren. Heinrich von Veldeke
Servatius 2, 360
bei Piper höf. ep. 1, 173; ir fürsten, die des küneges gerne waeren âne ... ir vînde, ir sult in sîne strâsʒe varen lân: waʒ ob er hie heime iu niemer mêre niht gewirret? belîbe er dort, des got niht gebe, sô lachent ir; kom er uns friunden wider hein, sô lachen wir. Walther v.
d. Vogelweide 29, 21
Lachmann. 2@bb)
die von der verbalhandlung betroffene person ist dem verbum im dativ angegliedert; als subject erscheint unpersönliches, meist indefinites pronomen. 2@b@aα)
das verbum im infinitiv, in formelhafter abhängigkeit von hilfsverben. 2@b@a@11))
am zahlreichsten ist mugen
vertreten. 2@b@a@1@aa)) waʒ maht uns nû gewerren?
kaiserchron. 12860
Schröder. ob wir werben wellendie hêrlîchen meit'. 'waʒ mag uns gewerren?'sprach dô Sîfrit. 'swaʒ ich friuntlîcheniht ab in erbit, daʒ mac sus erwerbenmit ellen dâ mîn hant.
Nibelungen 56, 1
Lachmann (
var. waʒ mag uns daʒ gew.); sus fuor gegen Sâlerne frœlîch unde gerne diu maget mit ir herren. waʒ möht ir nû gewerren, wan daʒ der wec sô verre was, daʒ sî sô lange genâ
s. Hartmann v. Aue
armer Heinrich 1052;
ebenso 490;
ganz ähnl. Iwein 3544;
ähnl. meister Rumezlant
v. d. Hagen 3, 56
b (waz mak uns daz gewerren);
die Mâze 59
Bartsch (wie meht im iht gewerren);
vgl. auch Weinschwelg (
Germania 3, 220); des babstes gebotten schlt ir dar umme luogen, so tOetet ir mit fuogen disen jungen herren. nu was mag iu gewerren daʒ ir zuo im sendet vor? Joh. v. Würzburg
Wilhelm von Österreich 5518
Regel. 2@b@a@1@bb)) ir sît niht wîse liute, daʒ ir sô vil hiute gefrâget von mîm herren: eʒ mac iu wol gewerren. wil dû daʒ ich dichs erlâʒe, sô rît dîne strâʒe. Hartmann v. Aue
Erec 91;
ähnl. Rudolf v. Ems
Willehalm 9705
Junk; ebenso die Mâʒe 84
Bartsch (
Germania 8, 99); enpfiengen sî der rede haʒ, eʒ möhte in umbe ir herren vil harte wol gewerren.
armer Heinrich 898
; vgl. auch 1151 (iu enmac ... an mir niht gewerren); 'daʒ mac vil wol gewerren den liuten algelîche ze disem künicrîche'. Rudolf v. Ems
Barlaam 201, 2
Pfeiffer. swer rehte wirt innen frumer wîbe minne, ist er siech, er wirt gesunt, ... im nemac niht gewerren.
kaiserchron. 4615
Schröder; ebenso Rolandslied 6563; Heinrich v. Veldeke
Eneit 628
Behaghel; Salman und Morolf 2111
Vogt; Hartmann v. Aue
Iwein 3753. 4267; H. v.
d. Türlin
krone 20885
Scholl; Ebern. v. Erfurt
Heinrich u. Kunigunde 1318
Bechstein; Jansen Enikel
weltchron. 18621
Strauch; salic ist der der sich an in laʒʒit, der in minnet, der in uor sînen ovgin hat. deme mac niht gewerrin, der ist behuotet in allin stetin.
spec. ecclesiae Kelle
s. 94; der stain hatt so grosse kraft, ... in wasser oder in fewre mag euch nicht gewerden (
Wiener handschr. gewerren) ungelucke must von ew verren, di weil ir den stain habet. H. v. Neustadt
Apollonius 13629
Singer. 2@b@a@22))
nur vereinzelt tritt kann
für mag
ein: han ich anen man verlorn, da wider ist mir ain sun geborn, an dem ich ergeʒʒet bin; nach verlust han ich gewin. was kann mir nu gewerren? (
handschr. gewierren) Rudolf v. Ems
Willehalm von Orlens 1703
Junk. nu habet ir eʒ gar erkant, daʒ mir an ime gewerren kan. Gottfried von Strassburg
Tristan 14203
Bechstein; wis an die vînt niht ʒe ger: dû hâst vor dîner starken wamp gesoten hanifâkamp, daʒ dir niht gewerren kan. Seifried helbling 15, 277
Seemüller s. 166; so kan dir gewerren niht hinevür immer mêre: sô hâstû guot und êre mê danne dehein dîn genôʒ.
Dietrichsflucht 2574
Martin; ebenso Rabenschlacht 584
Martin; Mariengrüsze 485
Pfeiffer; swer daʒ gerne hœre unde singe deme wnsche ich, daʒ im liebe noch gelinge. wil er mir alleʒ herzeleit geverren, sô spreche ir wol, so enkan mir leides niht gewerren. (
var. geweren) Rubin 22, 3
Zupitza. 2@b@a@33)) werdent mir die secke drî, sô bin ich armüete frî. sô hân ich ze ezzen und ze hül (sich waz mir gewerren [
var. gewern] sül!) sô bin ich alles des gewert des ein wîp an manne gert.
Meier Helmbrecht 1406; dâ wârn die tempelherren: 'uns schol hiut niht gewerren', sprâchen si, 'wenn unser got ist sterker denn ir abgot'. Jansen Enikel
fürstenbuch 1216
Strauch 22;
ebenso 4091;
weltchron. 15015. 2@b@a@44)) der guot unde der gehiur sant einen engel mit in dar, der fuor in der kinde schar und lieʒ in dâ gewerren niht, wan got hêt mit in dâ pfliht. Jansen Enikel
weltchron. 17309
Strauch, ebenso Rabenschlacht 295
Martin; zur erklärung dieser fügung vgl. unter c)
α) 3)). 2@b@bβ) gewerren
als verbum finitum. 2@b@b@11))
im präsens. 2@b@b@1@aa)) Hagene Hildeburgen mit armen umbeslôʒ. er sprach: 'nu phlic Hilden durch dîne triuwe grôʒ. ez gewirret lîhte vrouwen an sô grôʒem ingesinde. nu tuo genædiclîchen, daʒ man dîne zuht an ir bevinde', Gudrun 555, 3
Symons, wâ von ir man sît ungemuot: eʒ ist mîn pet daʒ ir eʒ tuot. und gwirrt iu an uns frowen iht, des sult ir mich verswîgen niht. Ulrich von Lichtenstein
frauenbuch 597, 3
Lachmann; ähnlich Enikel
weltchron. 14928
Strauch; er sprach 'vil werdes magetein, ich sag bei den trúwen mein: was immer gewirt deinem lib und guot, darumb bin ich ungemuot. dinen gebrechen wil ich wennden'.
Friedrich von Schwaben 4371
Jellinek. 2@b@b@1@bb)) alleʒ daʒ si dir gechlaget, daʒ mir iemer gewerre, ia gedruwe ich dir uerre, himelisgiu chuniginne. ... daʒ heil miner sele.
loblied auf Maria bei Diemer
d. ged. 296, 1; ich bin ouch nicht sô klagelîch: sô ist er edel unde rîch, mîn lieber herre. ê im iht gewerre sô wil ich kiesen den tôt. Hartmann v. Aue
Erec 3990;
ähnlich 476 (daʒ eʒ mir iht gewerre); diu muoter ist unde maget, ze der gnâden sî geklaget, ob der sêle iht gewerre. H. v.
d. türlin
krone 2390
Scholl. 2@b@b@22))
im präteritum: swaʒ im dâ leides ie gewar, daʒ kam von simonîe gar. Walther v.
d. Vogelweide 6, 38
Lachmann; genau so Hartmann
Erec 1831; Wirnt v. Grafenberg
Wigalois 7529. 8388; Stricker
das bloch 305; Walther v. Rheinau
marienleben 193, 12; Enikel
weltchron. 27352; dem wart herze und ougen vol von ir anblicke. er gedâhte vil dicke: 'owê! swaʒ dir ie gewar, daʒ ist von mir komen gar'.
Mai u. Beaflor 236, 3; owe, vrouwe, und wis ich das, mir wurdi wol und so vil bas das ich miner laider gar vergAes und swas mir ie gewar! genade, vrouwe! vrouwe min, Rudolf v. Ems
Willehalm von Orlens 4940
Junk; 2@cc)
die formelhaften verbindungen nehmen als subject ein sächliches nomen auf: 2@c@aα)
verbindung mit hilfsverben: 2@c@a@11)) er machet im einen rukke, von dem gent dei rippe, diu piugent sich furhor dem herzzen ze wer daʒ im stoʒ noch slach niht wol gewerren mach.
genesis u. exodus 6, 24 Diemer daʒ uns gewerren ne mege nhen noch verren des vîantes lâge in disem wadligen ellente.
das himelrîche 338
Schmeller zsch. d. a. 8, 154 sît ir niht welt erwinden,so besendet iwer man, die besten die ir vindetoder indert muget hâ
n. sô wel ich ûʒ in allentûsent rîter guot sone mag iu niht gewerrender argen Kriemhilte muot.
Nibelungen 1412, 4
Lachmann; 'ich pflige ir (
der thiere), und sî vürhtent mich. als ir meister unde ir herren'. 'sage, waʒ mac in gewerren dîn meisterschaft und dîn huote, sîne loufen nâch ir muote ze walde und ze gevilde? Hartmann v. Aue
Iwein 496; waʒ möhte mir gewerren bœser liute klage? Reinmar der Alte
minnes. frühl. 203, 3; ú mOehte wol gewerren dú vart, als úwer dinc stat; da von ist únser aller rat das ir der vart erwindit. Rudolf v. Ems
Willehalm von Orlens 1736
Junk; waʒ möhte ein üppeclicher troum mir gewerren danne? (geverren
Straszb. handschr.) Konrad v. Würzburg
troj. krieg 5689
Keller; in welchem dinge sich ein man verschamet, dem hat er an gesiget, kein laster dem gewerren kan, (gewerret) sint er eʒ alleʒ ringe wiget. Frauenlob 8, 15
bei v. d. Hagen 3, 380
b. 2@c@a@22)) ein gemeiner muot jiht. daʒ man gerne bœsen herren nie gewan: der tot mueze si von den biderben verren! ir dornic herze, ir durchel rat, ir gellik munt hat verhouwen, da man was gesunt: daʒ muoʒ lange ir after kunst gewerren. Meister Sigeher (5)
bei v. d. Hagen 2, 362
b. 2@c@a@33)) herzin scowere, uor deme des mutis sagirere sinir tougen nieman nemah besperren, ne la mir herre nit gewerren mine manicfalden missetat: so ne mohte min niemer werden rat. Heinrich's
litanei 4
bei Massmann
d. ged. 1, 43; dô sprach der herre Keiî 'nû enlânt disen herren mîne schulde niht gewerren: wan dien hânt wider iuch niht getân ...' Hartmann v. Aue
Iwein 224. 2@c@bβ) gewerren
als verbum finitum: Îsôt diu muoʒ iemer in Tristandes herzen sî
n. nu sehet, herzefriundîn, daʒ mir fremde und verre iemer hin z'iu gewerre! vergeʒʒet mîn durch keine nôt. Gottfried v. Straszburg
Tristan 18286
Bechstein; sîn guot er gern teilen wil, der lieb künic, mîn herre. dhein leit im gewerre! des bite ich teglîch mîn abgot, daʒ ist vreudenrîch. Jansen Enikel
weltchron. 7610
Strauch s. 145. 33)
die ausläufer der mittelhochdeutschen formeln im übergang zur neuhochdeutschen sprache. 3@aa)
zur verbindung mit einem persönlichen subject liegen neben der fortführung alter fügungen auch zeugnisse vor für die auffrischung des verbums vom substantiv her: 3@a@aα) , daʒ her iʒ began widher buwen, mit sinen herren. dhes kundh im do nicht gewerren dher vurste, herzoge Heinrich.
Braunschweigische reimchron. 3035
Weiland; mine vil liben, des uns unser herre bittet und manet tegeliche, daʒ en tut er duorch daʒ niht, daʒ wir ime sine herschaft oder sine heilicheit geminnern oder gemeren muogin, wir ne muogin ime weder gehelfin noch gewerren, gevruomen noch geschaden,
pred. der Leipz. handschr. (111:
de die dominico)
bei Schönbach
altd. pred. 1, 211; der tuvel ne mach uns niht gewerren als wir daʒ zeichen des heiligen cruocis vor uns getuon.
predigt des 14.
jahrhs. bei Leyser 105, 23. 3@a@bβ) und gap im ouch diz netze, daz ich für die strâze setze. es enwart nie tier sô freissam, ez waere wilt oder zam, daz iemer dâfür gefüere swenn ez sich drin gewürre (
var. gewirre, verwurre)
der Stricker
Daniel v. blüh. tal 4312
Rosenhagen. domine labia mea aperies et os meum annuntiabit laudem tuam. ab ich iʒ hen un her gewerre so sprîchet iʒ zu duʒe: herre tu uf mine lippen zu desir stunt ... Brun v. Schonebeck
hohes lied 1148
Fischer. 3@bb)
unter den verbindungen mit unpersönlichem subject schrumpft die beziehung auf sächliche vorstellungen früh zusammen: wolt ir nu daʒ vuoer und daʒ ungewitere entflihn, daʒ iʒ uch niht muoge gewerren, so reiniget uch von aller slachte bosheit.
pred. d. Leipz. hdschr. (74:
in adventu domini)
bei Schönbach
altd. pred. 1, 148: tu es Petrus. du bist Petrus. daz spricht. ein stein. ein vlins und uffe den vlins wil ich buowen mine cristenheit. und die hellephorten diene muogen ir niht gewerren. und dir wil ich geben die sluoʒʒele des himelriches.
predigt des 14.
jahrhs. bei Leyser 85, 9; di selbe wurtz ist ouch gut den vrowen, so si ze kemenaten gen; habent si di wurtz bi in, in gewirret nimmer kein twalm unde habent doch gute rue.
heilmittelkunde a. d. 14.
jahrh. s. fundgruben 1, 327.
viel länger halten sich die verwendungen, die von einer unpersönlichen construction ausgehen: 3@b@aα)
in der formelhaften abhängigkeit von hilfsverben: und ich die kruck vast an mich zuck, freuntlichen under das üechsen smuck; ich gib ir manchen herten druck, das si muess kerren. wie möcht mir gen der vasennacht noch pas gewerren? Oswald v. Wolkenstein 86, 14
Schatz 202; du (
gott) gib mir die sapiencia, damit das ich dein gotleich chunst hab pei mir und deine gunst, so mag mir zwar gewerren nicht, als das her Salomon spricht: ...... Vinteler
blumen der tugend 17
Zingerle; der in minnet, der in vorchtet. der in vor sinen ougen hat —
timentibus deum nihil deest ... deme nemach niht gewerren, der ist behuotet an allin steten, deme ne gebrichet ouch nichtis.
pred. d. Leipz. hdschr. bei Schönbach 1, 217; 'schwester Mezzi, du solt dir nit fúrchten: dir mag nútz gewerren. gang mir nach geturstiklich un alle furcht!' Elsbet Stagel
leben der schwestern zu Tösz (24)
Vetter s. 63, 7; die von Paris wolten mit weib und kind ir stat verlassen haben, in ander stet, [von] den si vermeinten, es würd inen in disem krieg nichts gewerren, geflohen sein (
var. gewern, gewehren.
quas intactas hoc bello fore sperabant). Aventin (
baier. chron. 2, 413) 4, 2, 1140
Lexer. 3@b@bβ)
in selbständiger stellung hält sich der gebrauch unseres verbums am zähesten: 3@b@b@11)) in nomine patris ... so begrabe ich mit disem toten des menschen sichtum, unde disem menschen nimmer mer gewerre biʒ daʒ dirre lichnam an dem iungisten tage erstê.
heilmittelkunde a. d. 14.
jahrh. s. fundgruben 1, 325; noch ist sein vil, das mir gewirt von ainem kindlin, so es kirt und mich verirt mein singen und erschellet durch mange valsche disonanz, falseten gross, dapei kain freuntlich concordanz, der resonanz hat mich so dick verdrossen. Oswald v. Wolkenstein 102, 16
Schatz 236; mir ist recht, ob ich sei verirrt, und weisʒ selbs nit, was mir gewirt; wann ich bedenck, es sei beschert, erst nëwes laid sich zu mir richt. Hätzlerin 1, 7, 42
Haltaus s. 7; 'kum an sorgen zu mir morgen'. frau, ich enmag. 'waʒ gewirt dir pei dem tag?' pœser falscher klaffer sag.
lied des 15. jahrs. s. fundgruben 1, 334; do sein bruder sulchen jamer sahen, do wurden sie ... fragen: was wirret dir (
Heidelberger handschr. gewirt), hertzenliber vater? Joh. v. Neumarkt
übers. des lebens des heil. Hieronymus 137 (
quid habes pater; wat schelt di
ndd. druck von 1482); hertzenliben kint, habet lib einander! nimant sal sich an dem andern rechen, was im auch gewirret (
cap. 45)
s. 45 (wes eme ok ghewerret
ndd. druck); wer allraun gepulvert ... ainer junkfrawen für die nasen habt ... ist sie nicht maid, so besaicht sie sich, ist sie aber maid, so gewirt ir nicht.
Münchner handschr. 15.
jahrh. s. 210. Schmeller 2
2, 978; herr Tristrant sprach: 'das wer mir nit guot. was solt ich do thuon?' diser aber der bat fleissigklich, und sprach: 'dir gewirrt nit; ich wil dich gar schon von dannen bringen (
Wormser druck: dir sol nichts widerfaren).
prosaroman von Tristrant u. Isalde. Pfaff s. 166; als der nun kam, sprach si zuo Piloys: 'ich klagt dir gern was mir gewirret, und wolt dich auch darbei bitten, west ich, das du das zuo guot auff nemst und verschwigenlich bei dir behieltest'.
s. 154 (
Wormser druck: gebrist); wuert er (
der leichnam Christi) uns nu verstolen und aus dem dem grab verholen, so macht er zu unserem spot gehalten werden für einen got dar nach wuert das volck verirt, das uns juden allen sambt gebiert (
var. gewirt).
Pfarrkircher passion 121
bei Wackernell
altd. passionssp. aus Tirol s. 187; doch mügt ir für all sorg und schrecken, eh ir ausʒgeht, ein geweicht saltz lecken und mit weich wasser euch besprengen, so kan kein gespenst sich darein mengen. auch nembt mit euch ein gweicht wachsʒliecht, als denn gewirt euch warlich nicht. H. Sachs (
die wunderl. mänder und unhäusl. weiber) 17, 135
Götze; thu nur ein ding und folge mir, mein gott sein engel sendt mit dir, der seine sach wol fOerdern wirt, auff das dir nichts hieran gewirt, darauff ich hab gethan die rheis. Hans Tirolff
Isaak u. Rebecca (1539) E 2
a. 3@b@b@22)) swaʒ liuten arges ie gewar, daʒ kumt von cleinen sachen dar.
meisterlieder der Kolmarer handschr. 121, 38
Bartsch s. 485; da geschach das, da der gantz halb tail in der stat verpran, da belaib das haus mitten jm feuwer das im nichtz gewar. (
domus in medio ignis illesa permansit) Andreas v. Regensburg
chron. v. d. fürsten zu Bayern 650
Leidinger. und gewurre dir niemer nüt, do dir nuo steteclichen muos gewerren und in trucke sin und liden. Tauler
predigten (
nach Straszburger handschr.)
bei Charles Schmidt 144; etlich mainten, man möht fliehen in der verfolgung, die andern warn darwider, mainten, man solt's got walten lassen: wölt derselbig, das aim nichts gewüer (
var. wider füer), dörft man nit fliehen; wölt aber got, das ainer gemartert solt werden, hülf kain fliehen nit, er müest wol dran. Aventin
baier. chron. 2, 179) 4, 2, 897
Lexer.