weltweisheit,
f. ,
wie das adj. weltweise (
s. dort)
erst seit dem mhd. belegt (werltwîsheit),
mit parallelen im ndl. (wereldwijsheid)
und schwed. (världsvishet);
vgl. auch dän. verdensvisdom. 11) '
irdische weisheit, erkenntnis aus menschlichem bemühen und vermögen im ausdrücklichen gegensatz zur weisheit gottes' (
zu weisheit G 2 e;
s. dort u. vgl. weltweise,
adj., 2
und weltweise,
m., 2);
so in der sprache der mystik: so denne die götteliche erlúhtete wisheit wúrde kummende zuo siner (
des '
weltweisen'
mannes) weltwisheit, so wúrde er alse gar wise das er uf eine stunde me wises götteliches rates gegeben kunde denne er vor geton hette in eime gantzen jare Nicolaus v. Basel 254
K. Schmidt; danach besonders in der ersten hälfte des 16.
jhs. belegt: dise (
die hl. apostel) hand durch den helgen geist vnd die wort Christi den glouben gemert, die anderen (
die '
wysen vnd verstendigen') hand durch ir wAeltweiszheit den glouben zerstOert Gengenbach 200
Gödeke; denn weltweisheit kan und weis nicht mehr, denn wie man mag fried auff erden haben, aber gott wil haben, das du ein Christe seiest und wissest, wie du ... das ewige leben haben mögest Luther 16, 261
W.; von dieser kunst, so die weltweisheit fur eitel narrheit, ja fur nichts ansiehet und hält, sagt S. Paulus (1531)
ders., tischr. 2, 8
W.; vereinzelt noch späterhin bis zum beginn des 19.
jhs.: denn denen ungeduldigen ... wird vermuthlich diese schreibens-art (
in Lohensteins '
Arminius') zu weitlAeufftig, den ungelehrten zu hoch und historisch, den scheinheiligen zu frey, denen weltgesinnten mit zu vieler weltweiszheit und geistlichen sachen angefüllet ... seyn Lohenstein
Arminius (1689) 1, d 1
a; mit allem diesem konnte ich mich ber den unvergleichlichen vorzug der christlichen lehre vor aller heidnischen weltweysheit nicht genugsam verwundern Drollinger
ged. (1743) 54; Christus und die welt-weisheit sind nicht parthie egal
M. Claudius
s. w. (1775) 4, 224; ich berblickte mit erstaunen die einfachen mittel, die ... der pAepstliche glaube dem dnkel der weltweisheit entgegen setzt Thümmel
reise (1791) 5, 221; diesz lehrte von jeher die weltweisheit, und die gottweisheit fügt hinzu, dasz uns alsdann alles ... zum glück dienen werde Hegner
ges. schr. 5 (1830) 382. 22)
im frühen nhd. wird weltweisheit,
wie die lexikographen des 17.
jhs. durchgängig bestätigen (
s. Hulsius, Widerhold, Kramer, Stieler)
die geläufige dt. bezeichnung für '
philosophia'
; dabei verliert sich der abschätzige beisinn, je weniger die philosophischen anschauungen der alten und zeitgenossen ausschlieszlich an der lehre der kirche gemessen und im kontrast zur '
gottesweisheit'
gesehen werden und je mehr die philosophie aus ihrer mittelalterlichen stellung als '
ancilla theologiae' (
vgl. Eisler
hdwb. d. philos. [1913] 489)
zu selbständigkeit und ansehen emporwächst. 2@aa)
seit dem 16.
jh. ausdrücklich für und neben philosophie: 'es ist nit müglich, die gschrift ze verstan keim menschen, der nit philosophy kan' ... 'eintweder Paulus odér ir hand glogen ... hörend, wie er die philosophy lopt, die so hoch ist gschetzt in üwrem hopt: ''luogend, dass ir nit werdind verfiert, da man menschlich wisheit under riert, die da nit ist us gottes gsatz, sunder falscher menschen gschwatz!'' sehend, was nützt ein Christ philosophy? Paulus redt, dass es ein verfüerung si; was nit nach Christi satzung lut ... ... wo sind all wisen und gschriftglert? all ir wisheit ist in torheit kert ... fleisch ist gotts wisheit vil zuo schwach. wo sind ir nun mit der weltwisheit? ...'
N. Manuel 183
Bächtold; jhn einer fragte, was er von der philosophia oder weltweisheit vor nutzung hette J. Barth
weiberspiegel (1565) h 6
b; Socrates, wie er wegen seiner weltweyszheit, die er aufrichtig unnd mit allen treen gelehret, zum tode verurtheilet
Reinicke Fuchs (1650) 97; dieselbigen (
Deutschen) ... seyn nun so weit kommen, ... das sie, ... ber die Grichen in der welt weisheit, ... angesehen werden Butschky
Pathmos (1677) 540; Protagoras die lehre des Democritus anhörte und darin so trefflich zunahm, dasz er in der philosophia und welt-weiszheit seinem lehrer nicht viel bevor gab Abraham a
s. Clara
etwas f. alle (1699) 2, 49;
ein gebrauch, der besonders im 18.
jh. üblich wird. allerdings —
und dies deutet bereits an, weshalb sich philosophia
letztlich gegenüber der verdeutschung weltweisheit
behauptet —
über die zweckmäszigkeit des ausdruckes wird von zeitgenossen in zweierlei hinsicht diskutiert; es wird erstens der ursprünglich abschätzige charakter dieser prägung als anstöszig empfunden, vgl. etwa: '
es ist gar gewöhnlich, dasz wir Teutschen einen philosophum
einen weltweisen
und die philosophie
die weltweisheit
nennen, welche benennung, weil sie einen geistlichen hochmuth zum vater und eine verachtung dieses theils der gelehrsamkeit zur mutter habe, einige gern abgeschafft wissen wollen ... es sey derselbige (
name)
von den kirchenlehrern eingeführet worden, die eine verachtung gegen die philosophie
gehabt, denn diese hätten die philosophie
genennet »
sapientiam secularem«,
wie aus dem Tertulliano, Hieronymo, Sidonio Apollinari, Casziodoro und Lactantio zu ersehen, welcher letztere die philosophos »
sapientes huius seculi«
und die philosophie »
terrenam philosophiam«
geheissen. bey solchen umständen sey nicht zu rathen, dasz man den nahmen der welt-weisheit
behalte, weil der concept, den das wort welt
mache, nicht leicht auszurotten und doch der philosophie
sehr nachtheilig. es sey am besten, dasz man sich dieser nahmen welt-weiser
und welt-weisheit
gar enthalte und sich mit gleicher freyheit, wie vor zeiten die Römer des griechischen nahmens philosophus
und philosophia
bediene' Joh. Georg Walch
philos. lex. (1726) 2888
f.; zweitens wird die bildung als sprachlich ungünstig angesehen: '
beyde ausdrücke, so wohl der griechische, philosophie,
eigentlich »
liebe zur weisheit und gelehrsamkeit, d. i. zu deutlichen begriffen«,
als der deutsche, weltweisheit,
sind freylich sehr unbestimmt; allein in dem deutschen ist das unbestimmte merklicher und auffallender als in dem ausländischen, und diesz ist vermuthlich die ursache, warum philosoph
und philosophie
noch immer gewöhnlicher sind, als weltweiser
und weltweisheit. philosoph
hat über diesz noch den vortheil, dasz sich davon das adjectivum philosophisch
bilden lässet, welches von weltweisheit
nicht angehet; indem weltweise,
wenn es auch als ein adjectivum üblich wäre, sich nur selten für philosophisch
würde brauchen lassen' Adelung 5 (1786) 164 (
vgl. auch Campe 5 [1811] 676,
der für '
philosophie' vernunftwissenschaft
vorschlägt);
trotzdem ist sie sowohl lexikalisch (
s Kramer
t.-ital. 2 [1702] 1316; Frisch
t.-lat. [1741] 2, 438; Schwan
nouv. dict. 2 [1784] 1033)
als auch literarisch, besonders nach ihrer anwendung durch Thomasius (dass er [
Petrus Rasmus] zuerst das hauptstück der weltweisheit, welches einen menschen anweiset, wie er seine vernunfft recht gebrauchen soll, von dem unflat und narrenpossen derer schullehrer in Franckreich gesaubert
kl. dt. schr. 93
Opel)
und Christian Wolff (die weltweiszheit ist eine wissenschafft aller möglichen dinge, wie und warumb sie möglich sind
vern. ged. v. d. kräfften d. menschl. verstandes [1719] 1
u. ö.) —
vor allem im 18.
jh. —
äuszerst reich belegt: Boetii ii bcher de consol. philos. oder trOestung aus der weltweisheit; aus dem lateinischen ins deutsche ... übersetzt (1724)
in: beytr. z. crit. hist. (1732) 1, 10
Gottsched, vgl. auch: erste gründe der gesamten weltweisheit Gottsched (1733-34)
titel; die abhandlung ... beweiszt, ... dasz die ... barbarische philosophie keinen theil der geschichte der weltweisheit ausmacht
allg. dt. bibl. (1765) 109, 155; hat Athen nicht ... dem Sokrates den giftbecher zugesprochen, dem ersten mann, der die weltweisheit zur befOerderung der tugend angewandt hatte A. v. Haller
Alfred (1773) 173; grundrisz der geschichte der weltweisheit Chr. Meiners (1786)
titel; wir lassen ... das trügliche bild (
die substanz ein spiegel der welt bei Leibniz) weg, weil bilder in die weltweisheit nicht gehören Herder 16, 545
S.; deszwegen hat auch dieser mit göttlichem scharfsinn begabte philosoph (
Newton) mehr geleistet als alle die erfindsamsten männer von den ersten anfängen der weltweisheit her zusammen Göthe II 4, 111
W.; die weltweisheit selbst bekam in der eleatischen oder italischen schule ... eher als unter anderen Griechen eine methodische form Winckelmann
s. w. (1825) 4, 25; Kant hat den begriff des negativen in die weltweisheit eingeführt. sollte es nicht ein nützlicher versuch seyn, nun auch den begriff des positiven in die philosophie einzuführen? Fr. Schlegel in:
Athenäum (1798) 1, 2, 3; in der künftigen kulturgeschichte unseres helden wird es zweifelhaft werden, ob er nicht vielleicht mehr der philosophie als der dichtkunst zugeboren war. in frühester zeit war das wort weltweisheit ... mir (
d. h. dem helden) wie eine offne himmelspforte, durch welche ich hineinsah in lange, lange freudengärten Jean Paul
w. 48, 328
Hempel; aber ernsten männern von leidlicher bildung ..., die sich abgegeben mit griechischer weltweisheit ..., was soll denen das ächzen und klimpern? E. T. A. Hoffmann
s. w. 10, 51
Gr.; weltweisheit
so viel als philosophie Krünitz
encycl. 238 (1856) 355; der priesterstaat zog in die wohnung der griechischen weltweisheit ein Schäfer
seele (1925) 184;
insbesondere auch in der sprache Kant
s und nachkantischer philosophie nachweisbar: daher ist die transscendental-philosophie eine weltweisheit der reinen, blosz speculativen vernunft Kant I 3, 45
akad.; so musz man ... die hellenische weltweisheit, zumal die nach dem monotheismus strebende, ebenfalls dahin rechnen Schleiermacher
s. w. (1834) I 3, 79; jene durchdringung wäre die wahre reale weltweisheit, der eigentlich gesuchte begriff der philosophie
ebda. III 4, 2, 142; er gehört ... durch seinen gegenstand der besonderen geschichte der weltweisheit an Schelling
s. w. (1856) I 8, 21; auf diese bestimmung (
die grundbestimmung) sich beschränkend, kann sie (
die wissenschaftslehre) jede andere philosophie seyn lassen, was sie irgend will, liebhaberei an der weisheit, weisheit, weltweisheit, lebensweisheit, und was es noch sonst für weisheiten geben mag Fichte
s. w. (1845) 2, 355; nicht ohne grund hat man die philosophie weltweisheit genannt Hegel
w. (1832) 9, 440; philosophie ist keine weltweisheit, wie man sie genannt hat
ebda. 11, 15; uebrigens ist die philosophie wesentlich weltweisheit Schopenhauer
w. 2, 218
Gr.; auch im sinne von '
persönliche weltanschauung': (
mein vater) sprach zu mir beim abschied wie ein philosoph, ... indem er mir noch einmal all die hauptlehren seiner herben weltweiszheit in's gedächtnisz rief Spielhagen
s. w. (1877) 2, 11; bei der vornehmen darlegung seiner weltweisheit passirt ihm das malheur, dasz er unsinn schwatzt Rosegger
schr. (1895) I 3, 382. 2@bb) '
philosophie als universitätsdisziplin'
; in dieser bedeutung im 18.
jh. reich vertreten (
vgl. weltweise,
m., 1 c)
und vereinzelt auch im 17.
u. 19.
jh. belegt: endlich ist nicht unwahrscheinlich, dasz man schon in diesem jahrhundert
(zur zeit Ottos III.) eine gewisse art der promotionen, wenigstens in der welt-weisheit, gehabt Hahn
staats-hist. (1721) 2, 168; ich ... sahe, wie schon manche, die kurz vor mir die universitAet bezohen hatten, bereits den hOechsten grad der weltweisheit mit ruhm erhalten
Leipziger avanturieur (1756) 1, 168; wie stark ich in der weltweisheit bin, bezeugt die höchste würde, die ich schon vor drey jahren darinn erhalten habe Lessing 1, 341
L.-M.; für jeder zunft auch, und der geformelten weltweisheit lehrstuhl, jünger zur meisterschaft mit brief und stolzem siegel weihend J. H. Voss
s. ged. (1802) 3, 203;
besonders in den titeln magister, doktor, lehrer, professor der weltweisheit: auf herren ... Gottsched, bey dessen ... nach verdienst erlangten wrde eines lehrers in der weltweisheit (
überschrift eines gedichtes) Pietsch
geb. schr. (1740) 286; zwischen völlig ungleichartigen dingen läuft eine blosze rangordnung auf einen so schülerhaften wettstreit hinaus, als vor einigen jahren die malerei, musik, poesie und schauspielkunst, unter der aufsicht eines magisters der weltweisheit, förmlich und feierlich haben eingehen müssen Herder 3, 159
S.; hr. Wieland ist gestern bey mir gewesen und reiszt als regierungsrath und erster professor der weltweisheit nach Erfurth (1769) Schubart
br. in: Strausz
ges. schr. 8 (1878) 134; weltverstand haben nun freylich nicht alle magister der weltweisheit Zimmermann
einsamkeit (1784) 3, 43; ein doctor der weltweisheit, griechisch genannt: philosophie, und (wo ich nicht irre,) auch des rechts! K. Fr. Cramer
Neseggab (1791) 1, 182; 'dieses ist fürchterlich und keiner meiner voraussetzungen entsprechend', ächzte der professor der weltweisheit Reihenschlager (
erschöpft durch die mühseligkeit eines fuszmarsches) W. Raabe
s. w. II 1, 397
Klemm; sie sind doktor der weltweisheit B. Auerbach
schr. (1892) 5, 136;
in der wendung weltweisheit lernen, studieren: und dann ein paar jahre die nöthigsten theile der weltweisheit ... zu lernen
vernünft. tadlerinnen (1725) 1, 171
Gottsched; in seinem 13. jahr konnte er (
Justus Jonas) dann bereits zu Erfurt die weltweisheit und rechtswissenschaft studiren E. E. Koch
gesch. d. kirchenlieds 1 (
31866) 260;
häufig der theologie gegenübergestellt, wobei '
in manchen fällen auch noch jetzt alle übrige wissenschaften zur weltweisheit
oder philosophie
im weitesten verstande gerechnet werden' (Adelung 4 [1801] 1484): so werden verständige ... zur gnüge sehen, wiewohl die welt-weiszheit mit den lehrsätzen der gottes-gelehrtheit zusammen stimmet Chr. Wolff
vern. ged. v. d. menschen thun (1720) 32; so philosophisch auch unser jahrhundert ist, so treten doch ... wenige zur weltweisheit und theologie gehOerige schriften ans licht, welche ... der angezeigten gleich kAemen
allg. dt. bibl. 1, 1 (1766) 131; diese meister der weltweisheit (
studenten des theologischen stiftes in Tübingen, die magister geworden sind) werden nunmehro schler der gottesgelahrtheit Nicolai
reise d. Deutschland 11 (1796) 72; ich bin ... gekommen, um ihm zu sagen, dasz ich ... das studium der heiligen theologie gegen das der weltweisheit vertauscht habe Rosegger
schr. (1895) II 15, 305; schrifftmässige gedancken von der verbindung der weltweisheit ... mit der theologie
hdwb. d. staatsw. (
21898) 5, 883.
auch neben andern disciplinen genannt: bisz ich eines bessern bin ... versichert worden, durch die freyen knste und weltweiszheit Prätorius
anthrop. pluton. (1666) 1, 34 (
ähnlich Schwabe
belust. [1741] 1, 12); die critik hat seither der weltweisheit ... ja allen wissenschaften insgesammt ... grosze dienste gethan Scheibe
musicus (1745) 10; er ist wirklich ein Jude, ein mensch von etlichen zwanzig jahren, welcher ohne alle anweisung, in sprachen, in der mathematik, in der weltweisheit, in der poesie eine grosse stärke erlangt hat Lessing 17, 40
L.-M.; staatskunst, weltweisheit, geschichte, ... alles liegt im kreisze Schubart
leben 1 (1791) 240; die mathematik ist eine wissenschaft der grOessen ..., und die weltweisheit berhaupt eine wissenschaft der beschaffenheiten ... der dinge Mendelssohn
ges. schr. (1843) 2, 20; nun hab' ich jede wissenschaft durchgrübelt, auch weltweisheit, die kräfte der natur erforscht Heine
s. w. 2, 223
E. 33) '
lebensweisheit', '
weltverstand', '
lebensklugheit'.
so nach vereinzeltem auftreten im frühen nhd. im 19.
u. 20.
jh. mehr und mehr gegenüber der zurücktretenden bedeutung 2
durchdringend, von Campe,
der vernunftwissenschaft
für '
philosophie'
empfiehlt, ausdrücklich in diesem sinne propagiert ('
man könnte aber, und sollte vielleicht, die weisheit in der welt, d. h. im umgange mit menschen erworben, und die wissenschaft sich in der welt, im umgang mit menschen weise zu betragen, also so viel als lebensweisheit, allein darunter verstehen' 5 [1811] 676): darinn er frey bekennet, das nach der heyligen schrifft die feinste weltweyszheyt in vernnfftigen fabeln zu finden ist Mathesius
ausgew. w. 3, 139
L. (
vgl. auch: nach der heiligen schrifft die feinste welt-weisheit in vernnfftigen fabuln zu finden ist Schupp
schr. [1663] 829); ... und in der bürgerlichen gesellschafft zu leben wissen, und dieses heisset man eigendlich die prudentiam civilem, politic und weltweiszheit, oder den verstand, um in der welt fortzukommen J. J. Becher
psychosophia (
31707) 85; was man ... mit aller weltweisheit, allem gelde nicht so dauernd, mehrend und vollkommen hervorbringen kann Brentano
ges. schr. (1852) 4, 367; der sohn gewann in dem rückhaltlosen aussprechen (
mit dem vater) über alles, was ihm das herz bewegte und seinen geist beschäftigte, vielleicht mehr weltweisheit als durch die vorträge der professoren G. Freytag
ges. w. 12 (1887) 223; so ist das schonen und aufrichten des gebeugten gegners mehr sache der allgemeinen weltweisheit G. Keller
ges. w. (1889) 1, 39; (
Louis Schneiders) Berliner weltweisheit, seine burleske, mitunter stark ins zynische gehende unverfrorenheit hat mich oft erquickt, auch gefördert Fontane
ges. w. (1920) II 2, 285; meine sätze über das leben und die menschen machte er häufig ... durch ein grausam ausdrucksvolles grinsen mir selber zweifelhaft, und manchmal wagte er es direkt, jede art von weltweisheit für etwas lächerliches zu erklären H. Hesse
diesseits (1908) 68; den fortschrittspreis hatte ich verdient: ich erhielt ihn nicht; den religionspreis hatte ich nicht verdient: ich erhielt ihn. weltweisheit jedoch begann in die unschuldige kinderseele einzutropfen Chamberlain
lebenswege (1919) 52; er überragt an weltweisheit und wirklicher vaterlandsliebe alle seine landsleute v. Mackensen
br. u. aufzeichn. (1938) 331;
als vereinzelt belegte bedeutungsnuance: die verbreitung
s. g. welt-weisheit,
d. i. artigen, geselligen benehmens Prutz
vorlesungen üb. d. gesch. d. dt. theaters (1847) 227;
auch im sinne von '
staatsklugheit, politik' (
s. auch weltweise,
m., unter 3): weltweiszheit
la politique, et la philosophie, ou la sagesse du monde, sapientia mundi, politica, et philosophia Duez
dict. (1664) 2, 668; sie (
zeitungen) handeln von der weltweisheit
zeitungs lust und nutz (1697) 50.