weltweise,
adj. ,
erst mhd., in anschlusz an die ahd. —
als wiedergabe von '
philosophus'
erwachsene —
substantivische prägung weraltwîso (
s. weltweise,
m.)
aufkommend, mit frühen parallelen im engl. (
ae. weoroldwîs;
ne. world-wise)
und im ndl. (
mndl. wereltwijs)
sowie mit entsprechungen in den nord. sprachen (
dän. verdensviis;
schwed. världsvis). 11)
als personencharakterisierendes beiwort '
gelehrt in bezug auf weltliche dinge, philosophisch gebildet' (
s. weltweise,
m., 1
sowie weltweisheit 2
und vgl. weise,
adj., C 1 d); werlt-wise '
sapiens' (15.
jh., obd. Diefenbach
gloss. 511); welt-weisz '
philosophicus' (Frisch
teutsch-lat. [1741] 2, 438): ob schon ein vermeinter hochgelerter vnd weltweiser münch, pfaff oder ley dich anders vnderstat zuo weisen Gebweiler
lob Marie (1523) 26
a; welche die weltweisen philosophi durch grosse bcher erkleret haben J. Barth
weiberspiegel (1565) p 1
b; so haben die welt weisen philosophen solche menschliche seele wiederumb zur zause genommen Wolfh. Spangenberg
ausgew. dicht. 6
M.; dasselbige buch ... hat ein gelerter scharffsinniger weltweiser Sachse gemacht Rollenhagen
froschmeuseler (1595) B 3
b; indem mir also nichts gemein mit wanckelmühtigen verkehrten, noch mit welt-weysen hochgelehrten, befleisz ich mich einfach zu sein Weckherlin
ged. 2, 93
Fischer; wer hat nun ... dieses gesetz gegeben? ... kein weltweiser philosophus Dannhawer
catech. (1657) 1, 39; bey hochgelehrten weltweisen geistern ... kan er allezeit was vorsuchen vnd finden, jhnen den eyffer gegen geistliche dinge zu benehmen Moscherosch
insomnia cura par. 109
ndr.; besonders in der wendung weltweiser meister
oder weltweiser mann '
philosoph', '
gelehrter',
dass. wie weltweiser 1
oder pluralisch weltweise leute: (
je weniger der mensch bedarf) so vil mer nAeheret er sich der natur vnd der volkomenhayt, auff disen grund seind gangen alle weltweisen haidnischen maister, namlich Stoici Keisersberg
granatapfel (1510) ee 2
d; nu ist aber diser bischoff zu Bergamo ... in lateinischer sprachen sehr gelert vnd ein weltweiser beredter verstendiger man C. Spangenberg
wider die böse sieben (1562) J 4
b; es hat das land Schlesien ... in kurtzer zeit etliche gelehrte, gottesfrchtige vnd darzu weltweise, bermbte mAenner verlohren Rätel
Curaei chron. (1607) 400; denn der Alexander hat auf eine sonderliche gnade gottes in dieser arbeit den Aristotelem und der Aristoteles den Alexandrum genutzet ... wer wird (
heutzutage) zu einer zeit einen so freygebigen kOenig und zugleich so einen frtreflichen weltweisen mann finden? Prätorius
winterflucht (1678) 106; dieser weltweise mann (
Aristoteles) Breitinger
crit. dichtk. (1740) 1, 71. 22)
dass. wie weltklug 1 (
zu weise,
adj., C 3 b;
s. dort u. vgl. weltweise,
m., 2
sowie weltweisheit 1);
personen charakterisierend: ich meine, die wider ir schepfer ungehôrsam sint und übel und guot erkennent. die sullent sich alle hüeten vor der tiuvele stricke, wan sie habent manigen werltwîsen man gevangen. sie viengen Nêrô in einem stricke, sie viengen Jûdas Berthold v. Regensburg
pred. 2, 138
Pfeiffer; die weltwîsen liute. die sprechent ze guoten liuten: 'waz künnent ir, ald waz ist iuwers gewerbes?' sô sprechent siu: 'wir können ûf klimmen an daz kriuze unsers herren Jêsu Kristi.' — 'ach' sprechent die weltwîsen liute der kunst: ... 'entriuwen, wir künnen alle liste die zuo der welte hœrent und haben noch denne einen sag vol kunst: sô wir den enbinden, sô kan uns nieman gelîchen' Nicolaus v. Straszburg in:
dt. mystiker 1, 293
Pfeiffer; lieben cristen menschen, ich wil úch sagen, ich bin ein man der welte gesin, und was ein alse gar weltwiser weltseliger man, alse men under tusent mannen in den ziten einen funden möhte haben. und alse mich dozuomole duhte, so was mir gar wol mit der welte Nicolaus v. Basel 194
K. Schmidt; so erzeigt sich aller gewalt der fynsternusz (das ist der weltweisen, der hochfertigen, gewaltigen, gyttigen, vnküschen, erdichten geystlichen, vnd der teüfel selbs) Judas Nazarei
v. alten u. neuen gott 2
ndr.; ich, wann ich einn weltweisen menschen sehe (der allein auff die erden gescheid, wie man ehr, gelt vnd guot gewinnen vnd dem bOefel einn strOein bart soll flechten vnd Aeffen) suoch ich weniger geyst vnd gots weiszheyt bey jm, dann federn bei einer saw Seb. Franck
sprichw. (1541) 2, 211
a; weltliche ehr vnd gunst, darauff fleischliche vnd weltweise leut gemeinlich jr gedancken richten Pape
bettel- und garteteuffel (1586) R 1
a; weltweise leut sind ehren voll, ein Christ das creutz wol tragen sol Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) 1, F 7 a; hingegen wirt der, so welt-weisz auff ein und andre falsche weisz den unflat seines geists verhälet, mit angst vil ärger dan der tod, auch offt mit leibs und lebens noht (trostlosz) gemartert und gequälet Weckherlin
ged. 2, 120
Fischer; auch zur charakterisierung weltkluger art und haltung: am himelszlauff ist uns nit glegen, ir mszt die sach gar anders wegen mit pracht und weltweiser klugheit desz hapt ihr gwisz vom bapst bescheit
newe zeitung (1545) 1 1 a; weil diese beide pfeiler nun durch ewer welt-weise und creutz-feindliche lehre und leben auffgehaben, daher ist das gantze Christentumb gefallen Fr. Breckling
Christus triumphans (1661) 139; nur darin bin ich nicht mit ihm einig, dasz ich es vor nOethig achten sollte, die wahrheiten und pflichten der christlichen religion solchen leuten, die sich ... mit dem lieben catechismo nicht widerlegen, noch mit einem rechtschafnen seelensorger ins gesprAeche einlassen, mit einer weltweisen art vor die augen zu legen Zinzendorf
Socrates (1726) 73. 33) '
lebensklug, in den dingen der welt erfahren'
ohne jeden abschätzigen beisinn (
zu weise,
adj., B,
s. dort u. vgl. weltweise,
m., 3, weltweisheit 3
sowie weltklug 2
und 3);
meist auf personen bezogen: frâget iemen mære ob ez (
ein pferd) schœner wære dan daz se unz her geriten hât? ... ein werltwîser man der aller dinge ahte kan niht bezzers betrahte ... Hartmann v. Aue
Erec 7367
Haupt; der burgermaister oder regirer einer statt sol erstlich in im haben funf: als das er sei trew, weltweysz (
fidelis et prudens), schemig, barmhertzig vnd wol vorbedacht Raymundus v. Wiener-Neustadt
summa legum 222
Gál; die obgemelten leuft zu Nurenberg machten die burger von tag zu tag leuftiger und weltweiser, wann Carolus sie zu groszen und manichen sachen prauchet in dem gantzen reich (1488)
städtechron. 3, 163 (
Nürnberg); als Vlysses ain exempel gibt aines weldt weysen gescheyden vil erfarens tapfferen mans Schaidenreiszer
Odyssea (1537)
vorr. 3 b; Franciscus, der reich goldschmidt, als ein weltweiser mann, hett ob dem imbis gar eben wargenumen, das Lasarus mit dem Ferdinando schon in kundtschafft kummen gewesen Wickram
w. 2, 233
Bolte; man seit von im, dasz er ein glerter man were. was aber nit sonders weltweis J. v. Watt
chron. d. äbte v. St. Gallen 1, 515
Götzinger; erfahrne weltweise persohnen J. Furttenbach
architectura recreationis (1640) 91; ein kluger weltweiser mann vnd alter hOefling sagt ... Zinkgref-Weidner
weisheit 3.
theil (1653) 72; die ber handthierungen gesetzet sind, mssen weltweise sein, geschAeftig und ordentlich
beschr. u. zuverlszige nachr. v. Herrnhut (1735) 19; weltweise ...
weisheit im umgange mit menschen habend und zeigend Campe 5 (1811) 676;
häufig auch im besonderen sinne von '
staatsklug': etliche weltweise, vernnfftige vnd weltfromme keiser, die mit guter vernunfft regieren Mathesius
Sarepta (1571) 86
b; (
herzog Albrecht v. Oesterreich) sonst ain verstendiger, kluger und weltweiser fürst
Zimmer. chron. 21, 133
Barack; kOe. majestAet vicecantzler, gar weltweise Stumpf
Schweizer chron. (1606) 404
b; sein vater wäre zwar ein weltweiser staatsmann (14.-24. 2. 1648)
urk. u. aktenst. z. gesch. d. kurf. Friedr. Wilhelm v. Brandenburg 4, 672
Erdmannsdörffer; vereinzelt abgeblaszt im sinne von '
klug', '
gescheit'
schlechthin: er ist net recht weltweis (
neben -weisheitisch) Fischer
schwäb. 6, 1, 674;
ähnlich zuweilen auch sonst: weltweise, hOeffliche, gesaltzene rede haben an jhrem orth jhren lob vnd danck bey ehrlichen leuten Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) 2, Aaa 2
b; dann er wuste, dasz er ihn, mit dem befehl in Arsinoe gelassen hatte, etliche galeren, mehr m weltweiser ursachen (
aus kluger vorsicht), als argwohn und betrugs wegen, fertig zu halten Dietrich v.
d. Werder
Dianea (1671) 101; mag er sie (
die oden des Horaz) immer vergessen den worten nach, ihre weltweisen aussprüche werden ihm häufig zu rechter zeit in den sinn kommen Holtei
erz. schr. 28 (1862) 98.