weise,
adj. herkunft und form. gemeingermanisches wort: got. weis
in fullaweis
τέλειος, unweis
ἰδιώτης,
anord. víss;
dän. schwed. vis;
ags. wîs,
engl. wise;
afries., as., mnd. wîs;
mnl., nl. wijs;
ahd. wîs, wîsi;
mhd. wîs, wîse;
nhd. weise, weis. to-
partizip aktivischer bedeutung (
s. Brugmann
idg. forsch. 5, 119)
zum idg. verbum *eid- '
sehen, wissen',
grundform īdto- (
oder eid-to?) >
*īsso (
bzw. eisso-) >
germ. *wīsa;
vgl. Walde-Pokorny 1, 239, Falk-Torp 1387, Hellquist 1134, Kluge-Götze (1934) 682.
die möglicherweise in lat. visus
wiederkehrende auffällige länge des wurzelvokals müszte dann mit Brugmann
grundrisz 2, 1
2, 397
als analogisch nach anderen formen des verbalparadigmas erklärt werden oder als o-
ableitung von einem ai. vedas '
kenntnis'
usw. entsprechenden s-
stamm, grundform also *eidso-;
aus dem germanischen (
urgermanischen?)
entlehnt ist finn. viisas '
weise',
s. Thomsen
einflusz der germ. spr. auf die finn.-lapp. 184.
als grundbedeutung ergibt sich '
wissend',
die in den heutigen gebrauchsweisen noch erkennbar ist. ahd. und mhd. zwei formen nebeneinander, wîsi, wîs; wîse, wîs,
die bedeutungsmäszig nicht geschieden sind. im nhd. hat sich im wesentlichen nur weise
gehalten; im 16.
jh. ist weis
noch verhältnism äszig häufig; im 17.
jh. seltener. im späteren nhd. findet sich die kürzere form nur noch in naseweis
und in den formelhaften wendungen weis sein (
s. u.A 1 a), weis(e) werden A 1 b
und weis machen, weismachen A 1 c;
vgl. H. Paul
dt. gr. 2, 165.
die heutigen maa, denen im allgem. weise
nur in diesen wendungen geläufig ist (weis sein, werden, machen)
kennen fast nur die kurze form, nd. md. alem. wîs,
im übrigen obd. weis.
bedeutung und gebrauch. weise
bedeutet seiner herkunft nach '
wissend',
und zwar zunächst '
wissend um eine sache, erfahren, kundig, gnarus' (A);
westgerm. ist weise
unter dem einflusz des christentums bereits ganz entfaltet und umfaszt gnarus, peritus, doctus; prudens und sapiens in einer einheit, die theoretisches und praktisches, seinsmäsziges und ethisch-religiöses einschlieszt. so ist auch mhd. wîse
in einem anderen masze als nhd. weise '
einsichtig, wissend'
auf allen gebieten, dem praktischen, ständischen, intellektuellen und religiösen in gradualistischer ordnung (
vgl. J. Trier
d. dtsche wortschatz [1931]
und Th. Schneider
d. intell. wortschatz Meister Eckharts [1935]).
heute ist weise
in verschiedene bezirke auseinandergefallen, die sich gegenseitig ausschlieszen. diese gegensätzlichen spannungen (C 1: C 2
u. 3; A : C 1; C 1: D; C 1 : C 3 c)
geben dem heutigen wort seine besondere art. sie lassen sich im wesentlichen zurückführen auf das auseinanderfallen von weise und wissend, von leben und lehre. im hintergrund stehen verwickelte vorgänge im geistesleben des abendlandes: die loslösung der wissenschaft vom leben, die trennung von weisheit und wissenschaft, die es möglich macht, dasz der '
philosoph', der weise,
nicht mehr weise
im eigentlichen sinne zu sein braucht, die scheidung von weltlicher und göttlicher weisheit (
bibel).
die gleichen vorgänge lassen sich bei weisheit
beobachten, das immer mit zu vergleichen ist, zumal manche bedeutungen dort deutlicher entwickelt sind. AA.
von einer sache wissen, '
wissend, kundig, erfahren, gelehrt'
; gnarus, peritus, doctus, vgl. weisheit C.
das auf eine sache bezogene weise
stellt den ältesten bestand des wortgebrauchs dar. dafür spricht im anord. víss
als beiwort für die Vanen (
die kundigen, wissenden, vor allem in geheimem wissen erfahrenen, bei denen rat zu holen ist);
im westgerm. wīs
als stehendes beiwort für fürsten und helden (
die durch erfahrung und wissen, späterhin klugheit ausgezeichneten, s. unter B 3
und C 2 d);
im got. der gebrauch von unweis
ἰδιώτης '
unwissend, nicht wissend, nicht unterrichtet',
z. b. 2. Kor. 1, 8: unti ni wileima izwis unweisans
οὐ θέλομεν ὑμᾶς ἀγνοεῖν;
1. Kor. 14, 2 ƕas ungalaubjands aiþþau unweis
ἰδιώτης;
ferner die ins nord. und westgerm. herabreichenden festen wendungen weis sein, werden, machen.
später, erst unter einflusz christlich-antiker bildung entsteht die zugespitzte bedeutung '
gelehrt, doctus'.
heute ist weise
in der bedeutung '
wissend, gelehrt'
nicht mehr bezeichnend und, von der anwendung auf künstlerischem gebiet und dem mundartlichen gebrauch abgesehen, verhältnismäszig selten; dem eigentlichen sinn '
einsichtig' (C 1)
und ethisch, religiös (C 2
u. 3)
ist dieser gebrauch entgegengesetzt, da das wissend- und gelehrtsein dem '
wahren' weisesein
hinderlich ist oder sein kann; vgl. weisheit A 2 d
und C
und die einleitung vor weise A.
lexikalisch: wis, kunstich
famosus Diefenbach
nov. gl. 166
a; wyse, wiszhaftig, kunstreicher, gelerter
gnarus gl. 266
c; wys, herfarn, wissende, chundig chunstig
peritus 427
c; weys
vel gelart
scies (
für sciens) 518
b; wise, clug, wissende, sinrich
sagax 507
a; wysz, synrich, fyndig
sagax it. ingeniosus, velox vel sapiens gemma gemmarum (1508) Y 3
b. A@11) '
um etwas wissen, etwas kennen, etwas erfahren und kennen lernen',
in festen wendungen, die zum ältesten bestand des gebrauchs von weise
gehören: weis sein, weis werden, weis machen, von denen in der schriftsprache einzig noch weis machen
lebendig ist, wogegen weis sein
und weis werden
in nd. und md. maa. noch erhalten sind. objekte dieser wendungen können sein dingliche gegenstände, tatsachen und vorkommnisse, gegenstände und zustände des höheren erfahrungsbereiches. A@1@aa)
weis sein eines dinges '
einer sache gewisz sein, sie wissen, kennen'
; auch mundartlich nur noch vereinzelt (
mit acc.);
ahd. wîsi
und wîs sîn (Otfrid),
mhd. wîse
und wîs sîn,
nhd. weis sein: thu ni bist es, wan ih, wis,thaz lant, thaz heizit paradis Otfrid I 18, 3; ni bin ih ouh thes wisi,oba er thes libes scolo si IV 22, 7; der tavelrunder hôhster prîs Gâwân was solher nœte al wîs: er het se unsanfte erkant, do er mit dem mezer durh die hant stach Wolfram v. Eschenbach
Parzival 301, 8; ûf daz sie gotes allein wîse sîn
mystiker 2, 368
Pf.; die aller boszheyt waren wysz H. R. Manuel
weinspiel 3008
ndr.; häufig einer sache weis sein: hie bin ich gefragt worden auff meinen eyd umb ein raht, bin ich der sach allein nicht weiz gnug L. Fronsperger
kriegsbuch (1573) 1, 22
b; nun hören, liebster pfarrer min, ich (
der meszner) bin der sach nit weisz genug P. Gengenbach 16, 618
Gödeke; ach gott, ich (
Adam) was der sach nit wysz, ich meint nit, das die wyber liegen kündten und unz man betriegen Murner
geuchmatt 2313
Uhl; wer ainer sach nit wiesz ist, der soll der wieszern rat haben Steinhausen
privatbr. d. mittelalters 1, 78;
mit acc.: he es dat nitt anners wis Woeste
grafsch. Mark 112;
frühnhd. vereinzelt weise auf: aber vylicht wirt do von sagen einer usz unsz, der uff die ding wiser ist dann ich Eberlin v. Günzburg
s. schr. 1, 33
ndr. A@1@bb)
weis(e) werden '
einer sache gewisz werden, etwas erfahren, gewahr werden, kennen lernen',
bis in heutige maa. und volkssprache hinein verwendet; zunächst mit genetiv, später mit erstarrtem es
oder abhängigem satz, vgl. anord.: þar vard ek þess víss, er œk vildigak, at þau vélto mik í verfangi!
helreið Brynhildar 13, 5; (
Maria zum engel:)
ne ic gio mannes ni warð wîs an mînera weroldi
Heliand 273 (
Luc. 1, 34); dat ich sus wîse worden bin, des ich ê so domp was Heinrich v. Veldeke
Eneit 10 192; du wirst der buoche wîse, sô bin ich der jâre grîse Hartmann v. Aue
Gregorius 1465
Paul; wenn aber der bergmann schürfft ... und trifft ein mechtigen gang, der glantz oder wiszmat füret, da fehet er an stercker zu hoffen, und folget nach, bisz gott was bessers beschert, welches er durch stetigs sichern und probieren weisze wird Joh. Mathesius
Sarepta (1571) 37
a; aber ich ward dessen mit meinem schaden zeitlich weisz Moscherosch
gesichte 2, 517; (
die gelehrten) muoszen wider hindersich geen und zuo idioten werden, wöllen sie genesen, gots weysz werden und soll sich gott sie zu lernen irer annemen Seb. Franck
baum des wissens (Ulm o. j.) 137
a;
mit erstarrtem es: ind si hadden ... den koufman bedrogen damit. ind man wart is wis ind veink die zwene man
städtechron. 13, 157; der duvel brach ein deil herren de helsze, de stat van Coelne wart it wise 13, 128; er warts wol inne in seiner not ... der gute meister wurds wol weis, da du (
Petrus) ihn stecken list allein wol in der grösten marter sein Hayneccius
Hans Pfriem 2042
ndr.; ingeheim, dasz es nieman werde weisz, ich will dir helffen mit allem fleisz (
v. j. 1671)
in: zs. d. Harzvereins 35, 166; er wurds nicht weis, nicht gewahr Ludwig
t.-engl. lex. (1716) 2432; etwas weis werden, inne werden Schwan
nouv. dict. (1783) 2, 1025
b; als hättens sies vergessen gehabt oder gar nicht gewuszt, ... und sie würdens nun erst weis O. Ludwig
ges. chr. (1891) 2, 381;
mit abhängigem satz: was für schwerer unkost auff die groszen unnötigen cantoreyen pflege zu gehen ... wird man in den rechnungen weis Milichius
schrapteufel (1567)
J 1
b; damit sie (
die belagerten in Wien) innen würden, wo die Türcken ... weren, sollen sie eine drommel auff die erden gesetzt und bey nacht da sie sich rüret, weise worden sein, wo sie ir gesenck anstellen sollen Mathesius
Sarepta (1578) 16
b;
heute noch in nd. und md. maa. '
erfahren, merken, gewahren': wies warrn Mensing 5, 639, Schumann
Lübeck 86; jy schölt et wys warden Richey
idiot. hamburg. 341; wis wärn Danneil
altmärk. 248
b; wiis waare Hertel
Thür. 31
b; Spiesz
henneberg. 279; ich bins zuerst jar nich weise geworden; bis ersch (
er es) endlich weise werd '
bis er es endlich begreift' Bruns
volkswörter d. prov. Sachsen (1916)
2 74;
vereinzelt: wies blieben
und wies kriegen '
gewahr werden, bemerken' Mensing 5, 639. A@1@cc)
weis machen, auch weismachen
geschrieben; bis ins 19.
jh. auch mit sz = weisz machen,
was auf eine verwechslung mit weisz
hindeutet, die umso eher möglich ist, da die heutige sprache für weise
auszer in weis machen
nur noch die vollere form weise
kennt. die vereinzelten fälle von weise machen
sind wohl von wendungen wie jemanden weise (
sapiens) machen
her bestimmt und stellen keine eigentliche nebenform zu weis machen
dar: einem etwas weise machen Rädlein 1, 1042; ich will ihn weise machen '
ihm etwas vorreden' Crecelius
oberhess. 877; ist es sitte bei euch zu hause, dasz man einem ordentlichen mädchen weise macht, man sei ihr gut W. O. v. Horn
Schmiedjacob (1852) 2, 86;
dazu weisemacherisch (
beleg s. dort)
bei Hegel
w. (1877) 19, 1; 401.
nicht so weit zurückreichend wie weis sein
u. werden.
mhd. mit acc. der person und genetiv der sache einen eines dinges wîs machen (
daneben einen eines dinges wîs tuon,
vgl. bei Lexer 3, 936;
schon bei Otfrid wîs, wîsi duan,
z. b. IV 28, 21; II 14, 55);
im nhd. mit acc. der sache. der acc. der person hält sich bis zum 17.
jh.; seit dem 17.
jh. überwiegt im allgemeinen der dativ, doch begegnen einzelne frühere fälle (
z. b. bei Veghe 15.
jh.).
das passiv wird gewöhnlich mit lassen
umschrieben: sich etwas weis machen lassen,
oder man hat mir etwas weis gemacht;
vereinzelt: nun ich weisz gemachet bin, wie lieb du mich vor geschätzet H. Voigtländer
oden u. lieder (1642) 76, 8; (
es) war ihr weis gemacht, dasz ... Thümmel
reise i. d. mittl. prov. v. Frankr. (1791) 7, 344.
ebenso vereinzelt weisgemacht: seine uns weiszgemachte wunderthaten und Simsonstärke schreckten uns davon ab
d. Leipz. avanturieur (1756) 1, 77. A@1@c@aα)
ursprünglich in der bedeutung '
wissend machen, belehren, kund tun, bekannt machen, beibringen'
mit dativ (
mhd. frühnhd. acc.)
der person und acc. (
mhd. genetiv)
der sache oder abhängigem satz; diese bedeutung hält sich vereinzelt bis ins 18.
und 19.
jh.: mir wære ie liep bi ir ze sine, danne bi gote in paradis: got herre, machet mich ir minne wis! Wachsmuot v. Mülnhusen
in: minnesinger 1, 327a
v. d. Hagen; dat he so verhardet und verblyndet sal werden, dat he de sunde voer nine sunde holden en sal unde dat he oick der sunde nicht laten en wil ... unde dat mens em oick nicht wijs maken en kan, dat heet ovele ghemaket heft unde dat he ovele steit, unde dat sijn leven nicht guet en is Johannes Veghe 30, 34
Jostes; er machet auch die schiffleut weis, wie des helds schifflein gestalt was
Teuerdank 153; fragen die schultzen, macht uns weis, ir scheffen, wie man meinen gn. herren und den junckern ir gerechtigkeit weist
weisth. 2, 136; der from Joseph war auch ein knecht in Egypten, er hielt sich recht, und liesz sich gottes wort machen weisz, und dient seim herrn mit allem fleisz Er. Alberus
fabeln 38, 69
ndr.; das kanstu wol dencken, das ich ihne das nicht werde weismachen H. Jul. v. Braunschweig 413
Holland; das müsse man die pfaffen nicht weis machen, dasz sie grosze herren also tractieren dörffen Schupp
schr. (1663) 244; wenn er das gesinde erwählet, mus er ihnen zwar nicht zu vil weis machen, aber doch wohl begegnen Butschky
Pathmos (1677) 623; wenn schon unterthanen befugt wären, sich ihrer herrscher zu entladen ... solten doch andere fürsten dieses ihnen nicht weis ... machen Lohenstein
Arminius (1689) 2, 1299
b; es ist freilich wahr, dasz wir weiber nicht wohl ohne sie leben können; aber das müssen wir ihnen nicht weisz machen Wieland
s. w. (1794) 8, 196; nur wird — unter uns gesagt — vielleicht bei keinem kunstwerk dieser art so nöthig sein, die ersten abdrücke zu besitzen als hier (
bei steinabdrücken nach zeichnungen). wir wollen das nicht gerade dem publikum weisz machen, das immer noch gott danken kann, wenn es den schwachen abdruck von etwas gutem erhält Göthe IV 21, 53
W. A@1@c@bβ)
heute fast nur in der bedeutung '
einem etwas vormachen, ihn anführen, ihm unwahres sagen'
; so seit dem 16.
jh.; in nd. und md. maa.; häufig beschränkt sich der mundartliche gebrauch von weise
auf diese redensart. einem etwas weis machen,
mit acc. der sache, häufig mit etwas, was, das, nichts: drumb seyn es in warheit nur kindische sachen, damit uns die jungfern was wollen weisz machen G. Voigtländer
oden u. lieder (1642) 82, 16; ich glaube, sie werden diesen (
sing.) narren etwas weisz gemacht haben
schausp. engl. comöd. 182, 21
Cr.; kerl, bist du rasend, dasz du mir solch zeug weisz machest? J. E. Schlegel
w. (1761) 3, 573; ich spreche nicht aus, wie glücklich ich bin, dasz ich da zu sehen anfange, wo ich zeitlebens nur getappt habe ... keiner, der mir nun aus Rom nach norden kommt, kann mir imponieren oder etwas weisz machen ... so bin ich wenigstens ganzer geworden als ich war Göthe IV 8, 324
W.; macht das kindern weisz, die den Rübezahl glauben. es stecken andere sachen dahinter I 8, 66; weisz hat Newton gemacht aus allen farben. gar manches hat er euch weis gemacht, das ihr ein säculum glaubt 1, 325; wenns dunkel ist, kann man sich allerlei weismachen Bettine
die Günderode (1840) 2, 144; das machen sie wem anders weisz Joh. Nestroy
ges. w. (1890) 2, 102; wenn du ... mich so durcheinander klappern ... hörst, so meinst du ... ich wollte dir was weis machen mit allerlei dummem einfältigen gewäsche E. T. A. Hoffmann
s. w. 11, 87
Gr.; er soll aber ein groszer redner sein, der den wählern alles mögliche weismacht Moltke
ges. schr. u. denkw. (1892) 4, 314; unser schulmeister hat ihnen wohl schön was weisgemacht, er gehört zu den aufklärern Storm
s. w. (1899) 7, 280. sich etwas weis machen, sich etwas weis machen lassen: ich habe mir sogar weisz gemacht, dasz ich in dem possess wäre, ihnen wegen ihres langen stillschweigens vorwürfe zu machen Rabener
s. w. (1777) 6, 131; vierzehn tage musz ich doch noch hier bleiben, und dann habe ich mir weisz gemacht, dasz ich die bergwerke im
*schen besuchen wollte; ist aber im grunde nichts dran, ich will nur Lotten wieder näher, das ist alles Göthe 19, 112
W.; (
wir müssen) jedem menschen das recht zugestehen, lieber das zu glauben, was er sich selbst, als was andere ihm weisz gemacht Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 1, 65; warum tutt ma sich immer wieder was weiszmachen, wo ma alt genug is und verständig is G. Hauptmann
Rose Bernd (1904) 118. o neyn, neyn, wir wöllen uns das in ewigkeyt nicht lassen weysz machen Fischart
binenkorb (1581) 96
b; auf die art würde er eine ganze menge andächtiger nach seinem urtheile stimmen, welche, ohne zu untersuchen, treuherzig nachglauben und ihren eignen gesunden sinnen alles mögliche weisz machen lassen Bürger
w. 135
a Bohtz; wir alle, ... soviel wir unser sind, ... haben uns von der welt doch irgend etwas und von irgend einer seite weismachen lassen Göthe
gespräche 4, 339
Biedermann; man musz allem ehrlich ins gesicht sehen und sich nichts weisz machen lassen, und vor allem sich selbst nichts weisz machen Fontane
ges. w. I 5, 151.
mit abhängigem satz: die diese uffruor hon erdacht und den buren weisz gemacht, dartzu bericht die gantze gemein, so iedem möcht der (
bundschuh) werden ein ... der würd kein mangel haben fürt Murner
v. luth. narren 2602
Kurz; he ... maket den lüden wysz, he vorlöse de zelen dar medde Rotmann
restitution (1534) 72
ndr.; so wil ich meiner frauen weismachen, ich wil verreisen, und wil dann auff den abent unversehner weise ... wieder zu hausz kommen H. Jul. v. Braunschweig
w. 410
Holland; denn da kommen sie aufgezogen und wollen die unschuldige hochteutsche jugend weisz machen, es gehöre niemals ein sch vor einen mitlauter, sondern nur ein s Neumark
neuspr. t. palmbaum (1668) 88; allein die curiositet ... machet ihm (
dem menschen) weisz, die ... vernunfft seye geschickt, alles ohne fehl zu entscheiden
discourse der mahlern (1721) 2, 61; man kann uns nicht mehr, was man will von ihren (
der planeten) wirkungen weisz machen Kant
w. (1838) 9, 68
Hartenst.; das mag Corneille sonst jemanden weisz machen, dasz Aristoteles diese manier nicht gekannt habe Lessing 10, 133
M.; indessen freut michs, dasz hof und stadt sich weisz machen, es sey eine art von genusz vorhanden Göthe IV 23, 189
W.; weil ich mich edel nicht erweise, nicht erweisen will, machst du mir weisz, ich seis H. v. Kleist
w. 1, 52
E. Schmidt; begangenes unrecht aber machen sie (
die menschen) sich weisz, allmählich vergessen zu können, während es in der that nicht so ist G. Keller
ges. w. 2, 68; kommt ... obendrein die landläufige anschauung und will einem weiszmachen, dasz man, wenn einen die ganze welt verläszt, und keinen trost mehr giebt, denselbigen immer noch am busen seines treuen weibes finde W. Raabe
Horacker (1876) 56. A@22) '
wissend, unterrichtet, sachkundig, verständig'
in dem, was man tut; weise
ist, wer seinen beruf versteht; im besonderen heben sich heraus die gebiete des kriegs- und heerwesens, der heilkunde und der kunst, vgl. weisheit C;
schon wgm. ist wîs
auszeichnendes beiwort für fürsten, helden und frauen, zur bezeichnung des tüchtigseins, kundigseins in dem, was ein fürst zu tun hat, damit zusammenhängend auch wohl schon die '
klugheit'
der fürsten (
s.B 3)
meinend. im Beowulf ist der fürst sē wīsa: þā sē wīsa (
Hroðgar) spræc 1698; Hygd swīðe geong, wīs, welþungen 1927,
vgl. noch: (
Hrōðgar zu Beowulf) þū eart mægenes strang, od on mōde frōd, wīs wordcwida
Beowulf 1845
Klaeber; swaz man eht haben solte von ûz erwelter spîse, daz hiez der meister wîse dâ sieden unde brâten Konrad v. Würzburg
Trojanerkrieg 13 672; elc is wijs in sijn ambocht
holländ. Sachsenspiegel (
v. j. 1763)
bei Graf u. Dietherr (1864) 33; darumb ain weiser valckner, so er den valcken ätzet, sol sich fleiszen, ... das er der natur nachvolge Mynsinger
v. d. falken 9
lit. ver.; dorumb ein ieglicher, der do hört dise meine wort und sy thuot, der wirt geleicht dem weysen manne (
viro sapienti) der sein haus bawet auf den stain
erste dtsche bibel (
Matth. 7, 24) 1, 27
Kurr.; (
wir) begern, das uns u. g. h. ein vogkt geb und war er nit weysz gnugk sy, das er zu u. g. h. rät kum und radt von in beger (
v. j. 1514)
d. dtsche bauernkrieg aktenbd. 107
Franz; (
die frau des landmanns) kent nicht was ostern sein, weisz gar nichts von lampreten, die erst der weise koch in malvasier musz tödten Opitz
teutsche poemata (1624) 30
ndr. der meister kann die form zerbrechen mit weiser hand zur rechten zeit Schiller 11, 317
G.;
in kriegs- und heerwesen, hauptsächlich mhd. (
mit genetiv oder präposition): (
Jesus zu Petrus bei der gefangennahme:) than manodi ik thene mâreonmahtîgne god, ... that he mi sô managan engil herodobana sandi wîges sô wîsen
Heliand 4889
B.; er wart ouch sît an strîte wîs Wolfram v. Eschenbach
Parzival 175, 6,
vgl. kampfwîse Hartmann v. Aue
Iwein 7262; die burgær manheite wîs behielten frum und den prîs
Parzival 208, 21; ze kampfe sît ir wol sô wîs daz iuwer lop dâ wirt bewart Konrad v. Würzburg
Trojanerkrieg 26 898; ain weiser hauptman zuo der schlacht, so er sein spitz und hauffen macht, am nächsten ordent zuo dem streyt, den er guot weer und harnisch geyt J. v. Schwarzenberg
teutsch Cicero (1535) 131; herr Tristrant, der weise und küene heldt
buch d. liebe (1587) 102
a; einer rohen plumpen riesenkraft schlaue klugheit und muthiges erkühnen gegenüber. soll dieser gegenstand wahr und treffend dargestellt werden, so musz der künstler ahnden lassen, oder bedeuten: dasz der ungeschlachte riese dem weisen helden unterliegen müsse Göthe 48, 68
W. in der heilkunde, vom arzt gesagt: swaz die wîsen arzt dâ für bejagent mit fisiken list an würzen Wolfram v. Eschenbach
Parzival 481, 14; diu wise küniginne diu kerte alle ir sinne und all ir witze dar an, wie si generte einen man Gottfried v. Straszburg
Tristan 7911
R.; ein wiser artzat der berürt niemer den siechen vinger des menschen, umb daz er dem menschen we tuo meister Eckhart
buch d. göttl. tröstung 30, 33
Str.; die wisen arzede alle lesen, daz der siche si genesen, so er slafen moge wol
schausp. d. mittelalters 1, 92
Mone; durch die weise kunst meines arztes Pfeffel
poes. vers. (1810) 5, 60; der arzt, der sich in der kräuterkunde weiser dünkte als ein holzhauer Musäus
volksmärchen 1, 34
Hempel; wie einem zum tode siechen sollte arzenei, ... die im paroxismus kein weiser arzt scheuen darf, dir den tod bereiten E. T. A. Hoffmann
s. w. 10, 22
Gr. im gebiete künstlerischer tätigkeit; in bildender kunst, kunsthandwerk, dichtung; für das mhd. gehört auch lesen und schreiben dazu, vgl. auch weisheit C 2: Kyôt der meister wîs diz mære begunde suochen in latînschen buochen Wolfram v. Eschenbach
Parzival 455, 1; do wart nah potten umb gesant, potten die wurden gewunnen die wol waren versunnen, die chunden der schrift genuc, die waren wis und chluc Gundacker v. Judenburg
Christi hort 3492; ôwê daz sô fruo erstarp von Veldeke der wîse man! der kunde se (
Antikonîe) baz gelobet hân Wolfram v. Eschenbach
Parzival 404, 29; wan Trebuchet der wîse man der worht zwei mezzer, diu ez sniten, ûz silber, diu ez niht versmiten
Parzival 490, 20; und seite im daz, wie Vulkân der wîse, der mære, der guote listmachære Tristande sînen halsperc ... durch sîne hende lieze gân schône und nâch meisterlîchen site Gottfried v. Straszburg
Tristan 4933
R.; gelîstet und gebuochstabet was ez (
das gewand) von wîsen henden an orten und an enden mit hôher künste ruoche Konrad v. Würzburg
Trojanerkr. 20 127; darumb wa weis mäler sind, die malen sy (
die Minne) in chinds genosz
liederbuch d. Hätzlerin 269; sihe da die ordenung der priester und leviten zu allen emptern im hause gottes, sind mit dir zu allem geschefft und sind willig und weise zu allen emptern (
beim tempelbau)
1. chron. 29, 21; (
der herr) hat in erfüllet mit dem geist gottes, das er weise, verstendig, geschickt sey zu allerley werck, künstlich zu erbeiten an gold, silber und ertz
2. Mos. 35, 31; Sophokles war also derselbe weise meister in seinem Philoktet, wie Polydorus in seinem Laokoon, und bei beiden zeigt sich, nur nach der verschiedenheit des vorwurfs, einerlei weisheit, den stillen, den prägnantesten ausdruck zu suchen und dem übertriebenen ausdruck zu entweichen Herder 3, 17
S.; grosze künstler sind eben auch in ihren nachlässigkeiten weise, sie können nicht fehlen, ohne zugleich zu unterrichten Winckelmann
s. w. (1825) 1, 9; Shakespeare war sehr bescheiden und weise, dasz er nur zwei solche repräsentanten (
Rosenkranz und Güldenstern im Hamlet) auftreten liesz Göthe 22, 165
W.; zu sächlichem substantiv: von Straszburg, hettent ir des gunst so wol so Tristram und Ysot, der liep, der triuwe und ir not er so wol kunde wæhin, mit wisen worten spæhen Rudolf v. Ems
Willehalm 2190
Junk; tihten, singen und sagen kund ez und wiser künst gnuoc, ez wart in artibus so cluoc und in philosophie kunst Johann v. Würzburg
Wilhelm v. Österr. 645
R.; die übereinstimmung des ganzen und die weise abstufung der lichter in diesem bilde ist bewunderungswürdig A. Stifter
s. w. 14, 179
S. weise hand, die das, was der handelnde zu tun hat, ganz im sinne seiner aufgabe und bestimmung tut; in besonderer bedeutung auch von gott, dem erhalter der welt (
s. auch unten C 4 b): und du, der helden preis, der du mit weiser hand den kaum entstandnen streit aus gottes haus gebannt Gottsched
d. neueste (1751) 3, 160; es glückt des künstlers weisen händen Gellert
w. 1, 264; ihr seyd reife bäume, die ihre last zu tragen nicht mehr stark genug sind, und von der weisen hand des sorgfältigen landmannes mit einer stütze versehen werden B. Mayr
päckchen satiren (1769) 79; sie schien, mit ihrer weisen und maszvollen hand am herde stehend, täglich das sprüchwort zu verkörpern: der mensch iszt, um zu leben, und lebt nicht, um zu essen G. Keller
ges. w. 1, 42. indessen will ich stille ruhn und deiner weisen hände thun mit meinem munde preisen Paul Gerhard
bei Fischer-Tümpel
kirchenl. 3, 365; schauet doch, wie wunderherrlich theilet gottes weise hand J. Grob
dichter. versuchgabe (1678) 31; gott hat in diesem erdenball so mancher erze reichen fall mit weiser hand verborgen A. v. Arnim
w. 13, 253
Gr.; mein wirken über haus und kind, das ruht in treuen, weisen händen und was mit deinem (
Gottes) preis beginnt, das musz zu deinem ruhm sich enden A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1878) 3, 190; A@33)
kundig und erfahren im wahrsagen, zauberischen wissen und tun, traumdeuten; weise
ist, wer mit geheimem wissen und können begabt ist. so werden schon im anord. die Vanen als víss
bezeichnet; vgl. gauckler, warsager,
die wisen kunig, swartzkunster, kunder zukunftiger ding, wyser
magus Diefenbach
gl. 343
c: 'wiser mo (
weiser mann),
wahrsager, der im krystall oder in seinem gehirn sieht, wer der dieb einer weggekommenen sache sey. ist gewöhnlich ein schäfer oder scharfrichter' Reinwald
henneberg. id. (1793) 2, 143; bist thu ênig therothe hêr êr wâri wîsaro wârsagono?
Heliand 924
S.; nu sagt mir, sældehaftez wîp, um wunder, daz hie was unt ist, durch waz sô strengeclîchen list der wîse Clinschor het erkorn Wolfram v. Eschenbach
Parzival 656, 1; und alse ez nahten began, diu wîse vrâgete unde sprach umbe ir tohter ungemach ir tougenlîche liste, dazs in ir troume gesach daz ez niht alsô geschach als der lantschal sagete Gottfried v. Straszburg
Tristan 9299; er (
Hagen) hôrte wazzer giezen:losen er began. in einem schœnen brunnentâten daz wîsiu wîp
Nibelungen 1473, 3
L.; verslizzen het er sîne tage als ein prophête künste wîs Konrad v. Würzburg
Troj. 4537; weil dir gott solches alles hat kund gethan, ist keiner so verstendig und weise als du
1. Mos. 41, 39; aber der leidige teufel, der unruhige geist ... erreget er als ein tausentkünstiger und weise teufel viel secten, spaltung, ergernusz und ketzerei in beiden reichen Mathesius
Sarepta (1578) 86
b; da erstand ein weiser seher unter uns Bürger
w. 146
Bohtz; ein unterirdischer weiser zwerg, wie in der mythologie unserer voreltern Niebuhr
röm. gesch. 1, 93;
auch die magier der bibel (
Matth. 2, 1
ff.)
werden gelegentlich weise männer
genannt (
gewöhnlich aber einfach die weisen,
vgl. weise,
m. 1 b): endi the cuning selbo gibôd swîðo hardlico hêrro Judeono, them wîsun mannun
Heliand 641
S.; zi imo er ouh tho ladotathie wisun man theih sageta Otfrid I 17, 41; sind von orient kommen etliche wysze menner Caspar Hedio
chron. Germ. (1530) A 4
b;
von frauen die
weise frau '
wahrsagerin, zauberin',
vgl.ne weise fruge
eine frau, die prophezeien, besprechen und das fieber messen kann Bauer-Collitz
waldeck. 113
a; weise frau, weissagerinn
lingulata, auguratrix Alberus
dict. (1540) 106
b; die der evangelist hie (
Matth. 2, 1
ff.) nennet magos, heyszen wyr auff deutsche die weyssager, nitt wie die propheten weyssagen, sondern durch schwartze kunst, wie die Thattern odder Tzigeuner pflegen. daher man nennet die weyszen menner und weyszen frawen, die den leutten allerley ding sagen künnen, viell heymlicher kunst wissen und ebentheur treyben Luther 10, 1, 1, 559
W.; die eyn weise fraw was und in der kunst die man augurium nennet, hoch berumpt Carbach
Livius (1551) 13
b; daher liest der rohe und unwissende pöbel die ... erzehlungen von hexen, zauberern, weisen frauen ... mit dem grösten ergetzen Breitinger
crit. dichtkunst (1740) 1, 140; ich sagte ihr darauf einige artigkeiten, indem ich versetzte, dasz sie sich, wie es damit stehe, am ersten überzeugen könne, wenn sie die weise frau (
die kartenschlägerin) gleichfalls befragte Göthe 27, 284
W.; er ladete nicht blos seine verwandte, freunde und bekannte, sondern auch die weisen frauen dazu (
zu dem fest) ein, damit sie dem kind hold und gewogen würden brüder Grimm
kinder- u. hausmärchen (1843) 1, 299;
besonders für die hebamme (
franz. sage femme);
vgl. auch weisemutter, weis(e)frau (
s. d.),
nd. wiszmoar, wiesfrau,
vgl. wijse moder, wijsmuter, bademuter, hebmuter, hebamme
obstetrix Diefenbach
gl. 390
a; wyse moor Strodtmann
osnabr. (1756) 139; jetzt kömpt herausz die weise muhme, hat ein junges schwartzes kindt im arm
schausp. engl. comödianten 39
Cr.; darumb sie (
die hebammen) denn auch an etlichen örtern weise frauwen oder weisemümen genennet werden Schnurr
kunst- und wunderbuch (1631) 520; nie war die wöchnerin so leicht abgekommen. die weise frau bediente sich des merkwürdigen ausdrucks, sie nähme diesmal das honorarium mit sünden Hippel
s. w. (1828) 8, 34; sprich auch wiederholt mit der weisen frau und schreibe mir gleich was sie sagt Bismarck
br. a. s. braut u. gattin 337
B.; noch deutlich stand ihm die stunde vor augen, in der das Josefchen geboren worden. aber da hatte die weise frau am lager gesessen, ein strom der beruhigung ging von ihrer gewichtigen, geheimnisvollen persönlichkeit aus Cl. Viebig
weiberdorf (1905)
17 113. A@44) '
wissend, gelehrt, kundig'
im bereich wissenschaftlicher erkenntnis; erst westgerm. unter einflusz christlich-antiker bildung zu bemerken. gelegentliche berührungen mit weise '
klug' (=
prudens, s. unter B),
das die voraussetzung zum gelehrtsein darstellt. in älterer zeit nicht immer streng zu trennen von weise '
philosophisch geschult' (C 1 d)
und weise '
kundig im bereich der kunst' (A 2),
namentlich wenn es um lesen, schreiben oder auch sprechen geht; ursprünglich greifen diese bezirke ineinander, vgl. die einleitung vor A: ein wîse dîerna ist edelis keslahtis. chundiu dien ze parnaso gesezenen. musis unde poetis
est igitur prisci generis doctissima virgo. conscia parnasio coetui Notker 1, 715, 11
Piper; fundun ina (
Jesum) sittean thar an them wîha innan, thar the wîsa man swîðo glauwa gumon an godes êwa lâsun ende lînodun
Heliand 808
B.; er wart von natur wis, daz er kand von rehter part alle stain und ouch ir art und ir natur besunder Johann v. Würzburg
Wilhelm v. Österr. 632
R.; der edel und der klâre zuo der schule wart geleit, und hæte in sîner kintheit enphangen schiere die vernunst daz er von götlicher kunst wart vil unmâzen wîse Konrad v. Würzburg
Alexius 135
G.; vrume rîter und guote vrouwen und wîse phaffen suln dich (
d. welschen gast) schouwen Thomasin v. Zirclaere
d. welsche gast 14 696; er ist diser leer gantz voll. er hat weise meister daheim gehabt, von denen ers lernet Boltz
Terenz deutsch (1539) 95
a; ohn arithmeticam ... niemandt weise mög genandt werden A. i Rese
rechenbuch (1581) 2
a; ich han vernomen, wie du in götlichen gescheften ein weise und wissen man seyest Arigo
decamerone 33
Keller; die obern zimmer sind einer büchersammlung gewidmet, ... sie glauben in dem reinlichen hause eines weisen, begüterten privatmannes zu sein H. P. Sturz
schr. (1779) 1, 44; der weinmond? ja, nur noch vom weisen volke soll sich fortan der schöne mond oktobern lassen Klamer Schmidt
poet. briefe (1782) 129; auch ist aufm ganzen erdenstrich kein mensch so weis und klug als ich, ich kenn die kräuter ohne zahl, der sterne namen allzumal Göthe 16, 86
W.; auch hier (
in den wissenschaften) gebühret ihnen (
den Engländern) noch immer der ruhm ... des aufgeklärtesten weisesten volkes, den man ihnen in rücksicht auf ihre handlungen und ihre ganze übrige existenz bereits hat zuerkennen müssen G. Forster
s. schr. (1843) 6, 8.
mit gelehrt
verbunden: ir meistere wise und wol gelart, wo hat ir den sin nu hene gekart
Katharinenspiel 233; herr doctor, ir sind glert und wis
N. Manuel
todtentanz 20
Bächtold; 'tiefgelehrter, weiser herr', sprach sie lächelnd, 'zieh ruhig deine strasze
dtsche erzähler d. 18.
jhs. 11
Fürst; ein bote grosz des herrn mit himmelshof ist Abdul Hassan Chan, gelehrt und weise Göthe 7, 247
W.; zu dinglichem substantiv: Jesus im tempel: endi frâgoda sie firiwitlîco wîsera wordo
Heliand 816
B.; ich bin seicht gelehrt und kan von hohen wichtigen und weisen sachen nit vil reden Albertinus
Gusman v. Alfarche (1615) 369. BB. weise
als verstandesmäszige begabung '
klug, prudens',
mit dem vorigen gebrauch verwandt; das '
wissend-, erfahrensein'
setzt im allgemeinen ein bestimmtes masz an klugheit voraus. schon nord. und westgerm. faszbar; in der westgerm. bezeichnung wîs
für den fürsten ist sicherlich die '
klugheit'
neben dem '
tüchtigsein'
mitgemeint (
s. oben A 2).
im ahd. und mhd. gab es kein eigenes wort für '
klug'
; der 'weise'
und der 'kluge'
mensch waren im sprachbewusztsein nicht geschieden, sodasz wîse
beide bedeutungen umfaszte, vgl. die in der geistlichen ahd. literatur z. t. mechanische scheidung der begriffe '
sapiens'
und '
prudens',
wobei wîs
sowohl '
sapiens'
wie '
prudens'
übersetzen kann: Tatian sapiens spâhi,
prudens wîs; Notker
sapiens wîs,
prudens fruot.
die benennung der intellektuellen begabung mit dem eigenen wort 'klug'
geschah erst im spätmhd. (
darüber vgl. die arbeiten von J. Trier,
besonders: der deutsche wortschatz im sinnbezirk des verstandes 1 [1931] 78
f., 303;
und: die idee der klugheit in ihrer sprachlichen entfaltung zs. f. deutschkde 46 [1932] 625
ff.);
nach der neuaufnahme von klug
sind beide wörter in ihrem kern geschieden, weise '
sapiens' (
s.C)
und klug '
prudens',
gehen aber noch vielfach ineinander über, sodasz weise
das mitbenennt, was eigentlich '
klug'
ist, und umgekehrt; ähnlich ist die vermengung von weisheit
und klugheit (
s. unter klug, klugheit,
teil 5,
und weisheit B).
die maa. kennen weise, wise
auszer in den festen wendungen weis sein, werden, machen (
s.A 1)
nur in dieser bedeutung '
klug, gescheit',
auch in geringschätziger betonung. vgl. in älteren glossen und wbb.: für prudens wise, kluck, (15.
jh. md.), clug (Brack
voc. rer. 1495), vernunftig
vel bescheiden (15.
jh. obd.), listig (1470), fursichtig (15.
jh.), froet, wiszende, konde (15.
jh. md.)
bei Diefenbach
gloss. 496
a;
für sollers cloyk, wis, vorstendich (1417
nd.)
nov. gl. 342
b; fursychtig oder wysz
providus, wysz
prudens gemma gemmarum (1508), v 3
a; weisz, verstendig, kluog, fürsichtig, scharpfsinnig
prudens Alberus
nov. dict. (1540) V 3
a; hat ein guten verstand, ist weysz und witzig
sapit ille puer Frisius
dict. (1556) 1180
a; weisz, verstendig und wolerfaren
prudens Calepinus
XI ling. (1598) 1185
a, weisz '
scharfsinnig, conspicuus' 319
b;
sowie in heutigen maa.: wiss
adj. '
weise, verständig, gescheit, bei gesunder vernunft' Schmidt-Petersen 164
a; Schambach
Götting. 300
b; weise
klug Th. Laven
ged. i. Treierer ma. 285; du wers weis sin '
ich hoffe, du wirst nicht unverständig handeln'
luxemb. ma. 481.
entsprechend bezeichnet unwîs
im nd. einen unklugen, nicht gescheiten menschen. B@11) weise
von verstand und urteil, '
klug', '
erfahren',
auf die näherliegenden wirklichkeiten und zwecke des lebens bezogen, gelegentlich bis auf die geringere ebene von '
schlau'
und '
gerissen'
hinabgehend. in älteren glossaren findet sich weise
in der bedeutung '
schlau, listig, betrügerisch',
vgl. die wiedergabe von formidus mit ein weyser, kluger, hochfertiger, arglistiger, geswinder gescheider
voc. theut. 1482
bei Diefenbach
gl. 243
b; weyser listig, behende
vafer 604
c;
sophista eyn wyze betriger (
a. d. j. 1420)
nov. gl. 343
a.
nicht selten steht klug
neben weise: wer wanis ist getriuwi scalc inti wis spenteri (
quis, putas, est fidelis servus et prudens dispensator)
Tatian 147, 10 (
Luc. 12, 42); dô ez ir halbez wart gesagt, do erkante wol diu wîse magt daz er ir vrouwen meinde, als si im sît bescheinde Hartmann v. Aue
Iwein 1758; er (
Rüdiger) weste sich so wîse,ob ez iemer kunde ergân daz si (
Kriemhild) sich den reckenüberreden müese lân
Nibel. 1163, 3
B.; das weib antwortet und sprach: mein herr (
der könig) ist weise, wie die weisheit eines engels gottes, dasz er merckt alles auff erden (
er durchschaut den plan Joabs, der Absalom aus der verbannung befreien möchte)
2. Sam. 14, 20; drumb wer was redt, der sey wol weis und seh sich erstlich umb mit fleisz, weil holtz und stauden ohren han Eyering
prov. cop. (1601) 1, 5; mit ihm fiel auch der ruf seiner landsleute, der Cherusker, ... dasz man sie zu des Tacitus zeiten für feig und albern, ihre sieger hingegen für weise und tapfer hielt
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 1, 82; wer die absichten dergestalt einzurichten geschickt ist, dasz immer eine ein mittel der andern wird, und die mittel seine absichten zu erreichen entdecken kan, derselbe ist weise Chr. Wolff
vernünft. gedanken v. gott (1720) 502; das unter tausenden ein weiser mann kein gutes weibchen finden kann: das wundert mich recht sehr Lessing 1, 12
M.; sie halten mich doch für zu weise und sich selbst zu gering, da sie mir fragen vorlegen, die ich ihnen weder deutlich noch kurz, ihre erfahrung und eigene empfindung aber sehr leicht beantworten kann Göthe IV 1, 238
W.; er murmelte, weise die akustische distanz berechnend, dasz die worte nicht bis zu den ohren seiner gemahlin gelangen konnten S.
Brunner erz. u. schr. (1864) 1, 194; da sah ich den haufen in dumpfer resignation herumtaumeln, mehrere weise mienen achselzuckend zur schau tragen, als steckten wohl ganz andere pläne dahinter Eichendorff
w. 2, 250
Dietze. sonder sein (
Ulysses) klueg und weises hertz, hett ubergangen layd und schmertz Spreng
Ilias (1610) 16
b; dis war von einer so weisen und klugen jungfrau auch recht weislich geantwortet Ph. Zesen
verm. hochdeutscher Helikon (1656) 1, 211; leb er so, mit jünglingskräften immer herrlich und vermögsam, in den wichtigsten geschäften heiter klug und weise regsam Göthe 2, 155
W.; (
der schulmeister) zeigte uns die wohnungen, wo berühmte männer hausten, deren wohlgeordnete saubere hofstätten die weise klugheit ihrer besitzer verkündeten G. Keller
ges. w. 2, 35; 'der (
Karthäuserorden) gott sei dank für frauen nicht gestiftet wurde'. 'vermutlich, weil seine begründer klug und weise genug waren, das unmögliche nicht anzustreben' Fontane
ges. w. I 4, 318.
ursprünglich religiös gemeint ist weise
als beiwort für Salomon; im allgemeinen bedeutet es jedoch '
klug im erkennen und urteilen'
; vgl. auch die weisheit Salomons
unter weisheit G 2 c
; redensartlich weise wie Salomon,
auch mit spöttischem nebenton: ich hab dir (
Salomon) ein weises und verstendigs hertz gegeben, das deines gleichen vor dir nicht gewesen ist und nach dir nicht aufkommen wird
1. kön. 3, 12; solch wort haben got wolgefalen das Salomon solche dinge hat gepeten, und got hat zu yhm gesagt: weyl du das bittest und bittest nit umb langes leben ... szondern bittest umb vorstand, das du mugist horen was du richten sollist, sihe da, szo thu ich wie du gepeten hast: sihe da, ich gebe dir eyn weysz und vorständig hertz, das fur dir dein gleich nit gewest und nach dir dein gleich nit kummen wirt Luther 7, 604
W.; die minne bedwanc Salomône: dê was der alre wîste man dê ie gedrûg koninges krône Heinrich v. Veldeke
in: minnesangs frühl. 66, 17; die beide wurden dâ enein ... daz si den wîsen Salomôn wolden wîhen dâ vil schôn Jansen Enikel
weltchron. 11 971
Str.; beredt wie priester Aaron, so weise als könig Salomon Martin Hayneccius
Hans Pfriem 9
ndr.; es will aber darumb der weise könig (
Salomon) nicht alle zeitsorg auffgehoben und verbotten haben Dannhauer
catechismusmilch (1657) 1, 515; wenn ich mich vergesse unter der cypresse, hält er nichts davon; und im stillen kreise bin ich doch so weise, klug wie Salomon Göthe 6, 174
W.; er ist so weise wie Salomo, sagten diejenigen, welche ihn heute am meisten verschimpft und verspottet hatten Stifter
s. w. (1901) 3, 33. B@22)
mit deutlicherer beziehung auf das praktische handeln und tun zur erreichung oft naheliegender zwecke, so dasz weise
als attribut gelegentlich geradezu '
zweckentsprechend'
bedeuten kann: swâ guoter hande wurzen sint in einem grüenen garten bekliben, die sol ein wîser man niht lâzen unbehuot Walther v.
d. Vogelweide 103, 15; und vuort ouch liehten harnasch an, als noch ain wiser wartman ze so gewanten dingen tuot Rudolf v. Ems
Willehalm 774
Junk; 'ich wil so weisz sein, uff daz sein wort war bleiben (
soll)' und (
Eulenspiegel) brach daz ein (
brathuhn) vom spiesz und asz es on brot
Eulenspiegel 15
ndr.; heitere dich auf, Roderiko, und sey weise; denn wisse nur immer, die hand des mörders deines lieblings wird von einem solchen kühnen geiste geleitet, der auch des vaters nicht schonen würde, wenn er es wagen sollte, den schleyer aufzuheben, der diese nöthige that verbirgt Klinger
w. (1809) 3, 232; Isabella: hätt ich sie früher an das licht gezogen, wie mich des herzens stimme mächtig trieb! Diego: die klugheit wehrte dirs, du thatest weise, doch der erfolg ruht in des himmels hand Schiller 14, 95
G.; (
der bauer) liefert alles erworbene getreulich in ihre (
der frau) hände, sie kennt daher stets die ganzen umstände aufs allergenaueste und verteilt mit weisestem sinne alle ausgaben H. Allmers
marschenbuch 1/2; 381.
zahlreiche sprichwörter in den älteren sammlungen (
schöne weise
klugreden [1548], Petri
d. Teutschen weisheit [1604], Lehman
florilegium pol. [1662]
und andere)
beziehen weise
auf den schlauen, gewitzten, praktischen menschen; diese stufe stellt eine völlige entwertung des eigentlichen wortinhaltes dar, nach ursprung und haltung verwandt mit dem negativen gebrauch unter D;
im einzelnen vgl. die sprichwörtersammlungen, z. b.: auch acht man für ein weisen man welcher abbrechen machen kan aus holder der sonst wenig nutz, damit man die lichte abbutz Eyering
prov. cop. (1601) 1, 413. '
zweckentsprechend': eine tugend, die in einem weisen gebrauche unserer kenntnisse ... besteht J. A. Cramer
nord. aufseher (1758) 1, 35; in weisem gebrauch neuer spielsachen ... suchte er sie (
die kinder) einzuweihen Holtei
erz. schr. 5, 155; (
das hebräische) ist eine kindheitssprache, die sich nicht fortgebildet hat, ... aber ihre anlage war grosz, bestimmt und weise Herder 12, 31
S. B@33)
im besonderen von fürsten, königen, regierenden, und übertragen von regierungen, verfassungen, überhaupt von allem, was zum umkreis des herrschens und verwaltens gehört, um deren klugheit, richtiges und gerechtes urteil in allem, was ihr amt angeht, zu bezeichnen; die grenze zu weise
als '
einsichtig' (
in höherem sinne)
ist nicht scharf und bestimmt. seit ahd. ags. zeit geläufig als beiwort für fürsten, helden, vgl. oben A 2;
im mhd. ist der begriff weitschichtiger und ständisch gebunden und meint das ganze des fürstlichen und ritterlichen daseins; häufig sinkt es zum leeren füllwort, (
namentlich im reim)
herab; die belege dafür s. unten unter C 2 d: das werck lobet den meister und einen weisen fürsten seine hendel
Sirach 9, 24; (
Salomon) wand sich zuo gott selber und batt yhn umb eyn weyszes hertz, das volck zu regirn Luther 11, 272
W.; Fridericus II, graff zu Zöllern, ein weiser, hochverstendiger, wolberedter herr Chr. Entzelt
altmärk. chron. (1579) 209
Bohm; from, weise, klug und mild gehöret in des adels schild Bas. Faber
thes. (1587) 548
a; markgraff Georgen zu Brandenburg, einen frummen und verstendigen weisen fürsten Rätel
Joach. Curäi chron. (1607) 255; desselben jars ... starb der wise herr ertzbischoff Anno von Cöln Tschudi
chron. helv. (1734) 1, 26; wir haben einen weisen fürsten, der fromm, gerecht und tapffer ist Hoffmannswaldau
u. a. Deutschen ged. (1697) 2, 102
Neukirch; so soll man niemanden zu einem würcklichen rathe machen, als der die sachen wohl verstehet und zu expediren geschickt ist, die ihm anvertrauet werden ... und diese heiszen verständige und weise räthe Chr. Wolff
vern. ged. v. d. gesellsch. leben (1721) 591; du gabst, du geber! uns, dem glücklichen volk, in deinen gnaden einen weisen beherrscher ... dasz er die ehre der menschlichkeit sey Klopstock
oden 1, 114
M.-P.; Dianas heilge priesterin verfügt auf dies gesuch sich in den tempel Mars', und trägt, am altar hingestreckt, dem gott den wunsch der weisen völkermutter vor (
der Amazonenkönigin) H. v. Kleist
w. 2, 116
E. Schmidt; weil wir alle nicht nur die königin, den glanz und die weise beratherin des staates (
mit der königin Luise) ... verloren haben Fouqué
gefühle (1819) 1, 15; die alten sind voll von dem lobe jener weisen gesetzgeber, welche besonders in den dorischen staaten streng über die aufrechterhaltung der musik gewacht haben Fr. Schlegel
s. w. (1846) 3, 237; gütig heiszt man euern könig, besser wärs, man hiesz ihn weise Fr. W. Weber
Dreizehnlinden (1907) 138; ew. hochwohlgeboren habe ungesäumt im namen unseres trefflichen fürsten mit seinen eigenen worten 'recht viel schönes zu sagen, dasz sie ihn so sorgsam und so weise aus dem fatalen heuhandel herausgezogen' Göthe IV 29, 39
W.; er ... meint, Spanien insbesondere werde weise thun, sich auf eine gänzlich veränderte colonialpolitik zu rüsten Dahlmann
gesch. d. franz. revol. (145) 64; sie sagten,
s. maj. habe bisher wohl und weise regiert Ranke
s. w. 1, 110.
in diesem zusammenhang spricht man von weiser regierung, weisen gesetzen, weisem recht
u. ä.: aber Heinrichs edle seele war von diesem schlummer frey, er erkannte, was die absicht einer weisen herrschkunst sey Chr. O. v. Schönaich
Heinrich d. Vogler (1757) 5; sie (
die herrschende meinung) ist eine fügung, die gott zugelassen hat. er (
der könig) soll sie verklären und durch weise leitung beherrschen H. Steffens
was ich erlebte (1843) 8, 260; ich mag nicht weiter von diesen leuten reden, die sich eher rippenstösze, als ihrem vaterlande weise gesetze zu geben verstehen Kerner
bilderbuch (1849) 63; wo, unter dem schutze weiser gesetze und freier institutionen, alle blüthen der cultur sich kräftig entfalten A. v. Humboldt
kosmos 1, 36; heilvoll ergänzt des naturtriebs wildheit das weise gesetz, das der blüte des menschengeistes herbere frucht ist Platen
ges. w. (1839) 129. betrachtungen ... über die weise ordnung des römischen beamtenwesens Mommsen
röm. gesch. (1854) 2, 417; euer (
der bienen) blühendes geschlecht möge jährlich sich vermehren, und das weise bürgerrecht nie ein falscher fremdling stören Chr.
F. Weisze
lieder f. kinder (1767) 56.
als fester beiname für fürsten: Friedrich der weise, churfürst von Sachsen Zinkgref-Weidner
t. nation weish. (1653) 3, 22; Wilhelm der weise, landgraff zu Hessen, hat pflegen zu sagen Schupp
schr. (1663) 5; worinnen mag könig Alphons des weisen gotteslästerung bestanden haben? A. G. Kästner
verm. schr. (1772) 155.
erstarrt als beiwort für rat und bürgermeister der städte, seit dem 15.
jahrh.; verstärkt auch wohlweise
oder hochwohlweise;
vgl. auch weisheit
als amtstitel unter weisheit B 3: die weisesten und auszerlesznen rhatsherren Calepinus
XI ling. (1598) 103
b; weise, sapiens, prudens, wolweise, prudentissimus, (
dieser titel gebührt) bürgermeistern, stadtvögten, schultheiszen in städten und anderen ampt- und regimentspersonen Cyr. Spangenberg
adelspiegel (1571) 1, 413; den fürsichtigen, ersamen und weisen burgermaister, rate und gemainglich den schieszgesellen der stat Augspurg (
v. j. 1457)
städtechron. 10, 231; dan ein ersamen weisen rat und der gantzen gemein ungezweifelt ist Hieron. Gebweiler
beschirm. d. lobs Marie (1523) 16
b; dem strengen, treuesten, fursichtigen und weysen meister und rat der stat Strasburg U. v. Hutten
opera 2, 86
Böcking. B@44)
übertragen als attribut zur bezeichnung menschlicher tätigkeiten und handlungen, besonders innerhalb der gesellschaftlichen ordnung, denen ein klares erkennen und entscheiden zugrunde liegt (tat, rat, fürsorge, urteil, entscheidung
u. s. w.),
seltener von menschlichen eigenschaften, die das handeln betreffen (tapferkeit, geschicklichkeit);
vgl. noch weise regierung, gesetze
u. s. w. unter B 3
und weiter oben A 2;
vereinzelter wird der weise
zugeordnete begriff durch einen abhängigen infinitiv ausgedrückt: die beste und weiseste that seines lebens war seine heirat gewesen W. v. Polenz
Grabenhäger 1, 315; ein guter und weyser radt
catum consilium Frisius
dict. (1556) 199
b; da ... die letztere (
schrift) zum theil als weiser rath für despoten in der groszen krisis von Europa von groszer wirkung sein musz Kant
w. (1838) 10, 534
Hartenst.; (
ihr werdet) dieses mein vorhaben durch eure weise fürsorge ... befördern ... helfen A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 12; voll weiser sorg ist dieser euer rath
Shakespeare 9, 139; es ist der zweck einer weisen mildthätigkeit, ihre almosen an arme, die es ohne ihre schuld sind, in einem richtigen und heilsamen verhältnisse zu ihren bedürfnissen zu verwenden Leisewitz
s. schr. 36
Schw.; sein weises urteil ward zwar manchem reich gefällt Heräus
ged. u. inschr. (1721) 54;
mit leicht spöttischer betonung: 'das urtheil ... dürfte uns bald amtlich zukommen. es musz höchst weise sein', sagte der freischulze, 'wenigstens haben sichs die gelehrten herren am grünen tisch lange genug überlegt' Holtei
erz. schr. 4, 23; und nun setzen die richter sich hin und richten den schatten, weiser entscheidungen voll Klopstock
oden 2, 39
M.-P.; euer gnaden haben das rechte getroffen mit diesem weisen beschlusz
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. 5, 75; der gegenwärtig redende hat es immer als eine weise anordnung betrachtet, jährlich das andenken erlauchter männer zu erneuern Göthe 41, 1, 6
W.; Luther verdrängte aus den weisesten gründen die lateinischen gesänge ganz und gar aus der deutschen kirche Schubart
ästhetik d. tonkunst 35; 'auch fräulein Sabine hat es gewünscht', fügte er hinzu, indem er in weiser steigerung den stärksten überredungsgrund zuletzt aus seinem bewegten gemüth heraufholte G. Freytag
ges. w. 4, 395; — so sihet man ... dasz die ungehöbelten ... drücken, anfeinden und zerzerren diejenigen, die es ihnen an weyser geschicklichkeit und geschicklicher weyszheit weit zuvorthun
Reinicke fuchs (1650) 27; (
die statue der Pallas) ist ein vollkommenes bild weiser tapferkeit Fr. Schlegel in:
Athenäum (1799) 2, 23. — weiser ists, bei nachbarsleuten als beim wolf herberge suchen Fr. W. Weber
Dreizehnlinden (1907) 31; wir ziehen es immer vor, den feind nicht zu unterschätzen; es ist weiser, nicht allzu optimistisch zu sein kronprinz Rupprecht in:
Frankf. zeitg. v. 7.
juli 1915, 1.
morgenbl.; nun zeigte es sich, wie weise es gewesen wäre, der sitzung bei zeiten ein ende zu machen Dahlmann
gesch. d. frz. revolution (1845) 288. B@55) weise
wird dadurch näher bestimmt, dasz es als attribut zu verhaltungsweisen tritt, die ein besonderes kennzeichen weiser
menschen überhaupt sind, oder unter besonderen umständen weisen
menschen zuerkannt werden: soweit hätte Agathon gehen können, ohne die grenzen der weisen mäszigung zu überschreiten Wieland
Agathon (1766) 2, 274; sustine et abstine, ist die vorbereitung zu einer weisen mäszigkeit Kant
w. (1838) 10, 436
Hartenst.; aber der dichter erregt hoffnungen durch die tiefe seiner empfindungen und das weise maasz seines ausdrucks Hebbel
w. 12, 139
Werner; das edlere schauspiel der Griechen hatte zum zweck, zwischen beiden extremen (
von den menschen gut oder schlimm zu denken) eine weise und tugendhafte mitte im menschen zu bevestigen Herder 17, 190
S.; die weise ökonomie, womit er seine einkünfte verwaltete Pfeffel
pros. vers. (1810) 5, 169; doch erhielt sie sich biszher noch immer durch die weise ökonomie des magistrats aufrecht Schubart
leb. u. gesinn. 1, 11; jene strenge unbefangenheit der forschung aber ... ist nur eine weise enthaltsamkeit H. Lotze
mikrokosmus (1856) 1, 7; die behutsamkeit ist nicht weniger weise als delikat Archenholz
England u. Italien (1785) 1, 1, 112; weisere fassung ziemet dem alter, ich, der vernünftige, grüsze zuerst Schiller 14, 21
G.; und (
ich) warf die schlüssel weiser vorsicht weg 12, 309; wohlthat ists und weise vorsicht, in diesen schweren zeiten der partheiung sich anzuschlieszen an ein mächtig haupt 14, 312; die bürgerschaft hatte die weise vorsicht, sich in nichts zu mischen G. Forster
briefe 43
Leitzm.; Europas bildung erhebt sich mit adlerschwunge, durch weise zögerung des blutvergusses, durch weisere meidung, durch göttliche schonung, in stunden, da den bruder tödtend, der erhabene mensch zum ungeheuer werden musz Klopstock
oden 2, 20
M.-P.; weises nachgeben von beiden seiten ... kann alsdann eine dauerhafte wiederherstellung bewirken G. Forster
s. schr. (1843) 3, 94; gewöhnlich aber ist hinreiszende kraft mit weiser schonung aufs glücklichste vereinigt Fr. Schlegel
s. w. (1846) 5, 64; (
ich sollte) es wohl mit ansehn, dasz verschwendung aus der weisen milde sonst nie leeren scheuern so lange borgt und borgt und borgt, bis auch die armen eingebornen mäuschen drinnen verhungern Lessing 3, 70
M.; ich sehe rings in weiter schöpfung kreisen und finde übrall weise nöthigung Grillparzer
w. 6, 194
S.; B@66)
hierher gehört auch weise
als seltenere bezeichnung für die jungfrauen der biblischen parabel (
Matth. 25, 2),
die gewöhnlich die fünf klugen
gegenüber den fünf törichten jungfrauen
genannt werden (Luther: und fünff waren klug): fimvi fon then warun dumbo inti fimvi wiso (
quinque autem ex eis erant fatuę et quinque prudentes)
Tatian 148, 2
S.; van den wijsen junfferen J. Veghe
pred. 195, 18
Jostes; wi (
törichten jungfrauen) sullen zu den wisen gan und mit gutlichen seten sul wi in flelichen beten
spiel von den zehn jungfrauen 134
Beckers; den zehen jungfrawen ..., deren fünff weysz und fünff töricht waren Joh. Diettemberger
wider d. unchristl. buch Mart. Luthers (1526)
G 2
b; also thun die weisen jungfrawen nicht Joh. Bugenhagen
braunschw. kirchenordn. (1531) S 2
a. B@77)
selten von tieren gesagt, für die klug
bevorzugt wird: weset wise samaso natrun (
estote ergo prudentes sicut serpentes)
Tatian 44, 11
S.; ir süllent wise sin also der slange Tauler
pred. 95, 3
V.; alle thier und vögelein seind so weysz, sie ruhen ein stundlein auff ihre speisz Lehman
flor. pol. (1662) 1, 328; geht zuon weisen omeisen hin, die auch wie ihr seind klein und dünn Fischart
flöhhaz 1041
ndr.; Plutarchus sagt, dasz dieser alcyon der weysest und fürnemst seye ausz allen meerthieren Heuszlin
Geszners vogelbuch (1557) 15
a; die pflanze ging dem thier voran, das ohne sie nicht leben konnte: der krokodill und kaiman schlich eher daher, als der weise elephant kräuter las und seinen rüssel schwenkte Herder 13, 401
S. CC.
mit dem eindringen christlich-antiker gesinnung und bildung entwickelt sich auf der grundlage der bedeutung '
kundig, erfahren, um eine sache wissend' (A)
die bedeutung '
einsichtig, vernünftig, verständig in einem höheren sinne',
sapiens. in diesem sinn bezeichnet weise
eine über die rein verstandesmäszige begabung ('
klug, prudens')
hinausgehende geistige verfassung. weise
ist, wer dem ganzen des lebens wissend gegenübersteht, dessen sinn und zweck erkennt, seine zustände, einrichtungen, seine wechselnden gesichter durchschaut und richtig beurteilt; wer also nicht nur das naheliegende, praktische und nützliche (klug),
sondern das hintergründige, notwendige sieht, nicht nur das einzelne, sondern den zusammenhang. in heutiger sprache ist dies die dem worte weise
eigentlich zugehörige bedeutung, durch die es in seiner mitte von anderen verstandeswörtern, besonders klug,
unterschieden ist; s. oben die einleitung zu B.
vgl. wise, wisz, weise
sapiens Diefenbach
gl. 511
c, wis, vornunftich
sapiens nov. gl. 326
b, wysze
sophus, sapiens gemma gemmarum (1508) z 8
b, wysz
klug sollers, sapiens z 8
a, weisz, verstendig
sapiens Calepinus
XI ling. (1598) 1297
a. C@11)
erkenntnismäszig; im gegensatz zu 2
u. 3
liegt hier der ton mehr auf dem wissen und erkennen als auf dem tun und handeln. vgl. weisheit A. C@1@aa)
allgemein, ohne scharfe prägung, '
einsichtig'
in höherem und '
klug'
im praktischen sinn gleicherweise umfassend, als auszeichnende eigenschaft des menschen. eine verdeutlichung erfährt weise
zuweilen durch danebenstehende verwandte wörter wie vernünftig, verständig, umsichtig
u. s. w.: at si quem videres preditum sapientia, num posses putare eum non dignum. vel reverentia, vel ea sapientia, qua est preditus? ten du aber sahist wisen, mahtist tu den ahton unwirdigen erhafti. unde selbes sines wistuomes? Notker 1, 146
P.; der minne natûre ist sô getân: si machet wîser wîsen man, und gît dem tôren mêr närrischeit Thomasin v. Zirclaere
d. welsche gast 1180;
vgl. 1675; o das sie weise weren und vernemen solchs, das sie verstünden, was inen hernach begegen wird (
utinam saperent et intelligerent ...)
5. Mos. 32, 29; man merkt an dem urheber der Odyssee den alternden, obgleich ungemeinen geist, man merkt den weisen mann, aber nicht mehr den dichter der Ilias Gerstenberg
schlesw. lit.-br. 231
lit.-dkm.; ein geheimnisvoller thor wird oft für weise gehalten und in den rath der verständigen gesetzt Lessing 8, 55
M.; wie heiligtümer wird eine weisere nachkommenschaft jede nachricht, die von den begebenheiten der vergangenheit handelt, aufnehmen Novalis
schr. 4, 136
Minor; dasz es (
das buch) ... den jünglingen meines vaterlandes zuweilen die ernste weisung geben möchte, was sie zu vermeiden haben, wenn sie weise und glückliche menschen ... werden wollen Schubart
leben u. gesinn. 1, XI; denn die eltern zu ehren war früh mein liebstes, und niemand schien mir klüger zu sein und weiser, als die mich erzeugten Göthe 50, 218
W.; nun wurde sie erst recht fröhlich, nannte ihn (
Ariost) einen klugen und weisen mann und las die gesänge mit verdoppelter lust, da sie wuszte, dasz diesen so heiteren und so tiefsinnigen wechselgeschichten eine heitere absicht zu grunde lag, ein wollen, schaffen und gestalten, eine einsicht und ein wissen, das ihr in seiner neuheit wie ein stern aus dunkler nacht erglänzte G. Keller
ges. w. (1889) 2, 70; wie jeder gottbegnadete, war er (
Grillparzer) kühn und weise zugleich
jahrbuch d. Grillparzerges. 2, 328; auch war die gesellschaft eher als der einzelne mensch, wie Aristoteles weise sagt Niebuhr
röm. gesch. (1811) 1, 122; — kere ietz die selbigen (
die ohren) und zühe sie uff ernstliches zuo losen des gotz wort ... ouch den heilsamen reten der wysen, vernünfftigen gotzförchtigen erfarnen lüten Geiler v. Keisersberg
christl. pilgersch. (1512) B 2
d; sollen sich alle fruchtbr. gesellschafter ... erbar, verständig und weise, tugendhaft und höfflich ... erweisen Neumark
neuspr. t. palmb. (1668) 25; hätte Prometheus, als ein weiser vorsichtiger vater, statt des so sehr beneideten flämmchens, seinen menschen flügel gegeben, weit einen gröszern schaden hätt er seinen göttern gethan Göthe 17, 105
W.; Minna war ... sehr rot geworden. sie war viel schmaler und sah älter und ernsthafter aus. ordentlich überlegen und weise kam sie Eva vor H. v. Kahlenberg
Eva Sehring (1901) 71; du hast ... bei der auswahl der ... gegenstände dich in einem hohen grade umsichtig und weise erwiesen
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 4, 85; es sind uralte lehren, uns von mund zu mund überkommen, aus einer zeit, in der die menschen noch weise waren, nicht nur gescheit K. H. Waggerl
mütter (1935) 82. C@1@bb)
abgeleitet werden mit weise
menschliche handlungen und bemühungen und deren ergebnisse bezeichnet, wenn sie zu weisen
menschen gehören oder von ihnen ausgehen; s. auch die gleichlaufende verwendung unter B 4: viel guter, lustiger und weiser fabeln und historien der poeten, als von Mida, Pithio Mathesius
Sarepta (1571)
vorrede 2
b; in den weisesten büchern findet man unzählige traumgeschichten von glaubhaften menschen Novalis
schr. 1, 104
Kluckh.; die rechte erbauung quillt uns nur in unsern dichtern aus der zweiten periode, ... deren weisen und holden gesängen ... zu lauschen wir billig kein ende finden D. Fr. Strausz
schr. 6, 203; wie weise ist doch auch hier (
in den wendungen: gewinn machen
gegen erfolg haben) die deutsche sprache W. H. Riehl
d. dtsche arbeit (1861) 226; kein weise red oder sprichwort, dasz die Griechen und Latini gefürt und celebriert haben, ist, dasz nit die Teutschen eins oder mehr der gleichen ... füren und haben Seb. Franck
Germ. chron. (1539)
vorr. a 2
b; mit bunten wappenschildern ists (
das haus) bemahlt und weisen sprüchen Schiller 14, 282
G.; ich werde mir ... angelegen seyn lassen, alles ... dazu beyzutragen, dasz eine weise und edle erziehung als eines von den unentbehrlichsten mitteln zur erhaltung und fortpflanzung unseres glücks betrachtet werden möge J. A. Cramer
nord. aufseher (1758) 1, 12; er weisz gewisz ihnen ort und umstände zu bezeichnen, wie sie ihren knaben getrost vertrauen und von einer weisen leitung das beste hoffen können Göthe 24, 216
W.; wer die weiseste und würdigste mühe nehmen mag, die schicksale seines lebens, von seiner frühesten jugend an, durchzugehen, der wird tausend beweise statt eines finden, von einer väterlichen, für ihn sorgenden fürsehung, einer immer wohlthätigen vaterhand J. C. Lavater
pred. üb. d. brief an Philemon (1785) 1, 174; ... zu weit getrieben verfehlt die strenge ihres weisen zwecks Schiller 14, 362
G.; C@1@cc)
in einem besonderen sinne ist weise,
wer menschliche zustände und beziehungen versteht; mit dem nebenton des gütigen, wohltätigen, helfenden: es haben gute, weise menschen sich dazu gebildet, dasz sie den gefallnen mit leichter hand erheben, irrende dem rechten wege leitend näher bringen Göthe 11, 298
W.; doch wird der weise menschenkenner und warme freund des guten sich dadurch nicht abschrecken lassen, groszmüthig zu handeln Knigge
umgang m. menschen (1796) 1, 168; keinen so treuen und weisen führer meiner jugend S. v. Laroche
frl. v. Sternheim (1771) 1, 43; der schmerz (oft auch der phisische) ist ein weiser engel für das menschliche herz (1852) A. Stifter
briefw. (1918) 2, 114;
als beiwort zu freund: ich habe noch manchen weisen und treuen freund in der welt gefunden Bahrdt
gesch. s. lebens (1790) 2, 176; tausend barbaren, die über unsern jammer mit spöttischem lächeln hinwegsehen, verdrängt ein einziger weiser freund, der menschlich genug ist, über unsern kummer zu weinen Schubart
in: D. Fr. Strausz
w. 8, 56; weisen freundes goldne worte lispelten am schaffensorte Göthe 4, 20
W.; ein junger mann, der mit hohen begriffen von liebe und freundschaft durch die unempfindlichkeit der meisten menschen von dem glauben an die menschheit abgewandt worden wäre, und von weisen freunden auf den rechten weg gebracht würde Solger
nachgel. schr. (1826) 1, 16. C@1@dd) weise
in der bedeutung '
philosophisch denkend und geschult'
ist im ahd. und mhd. von der allgemeineren bedeutung '
gelehrt, wissend, kundig' (
s. oben A 2, 3
u. 4)
nicht unterschieden und ist in ihr mitenthalten; so bezeichnet der folgende Wolfram
-beleg eigentlich den sternkundigen, weniger den philosophen Pythagoras. als beiwort für die philosophen, weisen,
des altertums begegnet weise
vereinzelt in der mhd. lehrhaften literatur; geläufig wird es erst seit dem beginn der neuzeit. so ist auch der weise
als ausdruck für die philosophen des altertums erst nhd. geläufig; s. unter weise,
m. 3 b.
in der geistlichen und theologischen (
mystischen)
literatur werden die philosophen, väter und theologen gewöhnlich meister (meister Aristoteles, der groz meister Origines), lerer
oder einfach sant (sant Augustinus)
genannt: questio est inter philosophos, mundus iste casu an consilio regatur tie wisen vrageton, ube diu werelt habe rihtare. i. ube iro ding stande in skaffe, alde ane skaff Notker 1, 613, 25;
res publicas beatas fore, si vel regerent eas studiosi sapientie, vel si contigisset rectores earum studere sapientie. alliu riche unde alle andere gewalta danne wesen salige, ube iro vlagin wise, alde die sih pegondin heften ze wistuome 1, 25, 8; der wîse Pictagoras, der ein astronomierre was, unt sô wîse âne strît, niemen sît Adâmes zît möhte im glîchen sin getragen Wolfram v. Eschenbach
Parzival 773, 25; Seneca der meister wîs der Teichner 40
Kar. vgl. noch: ein wîser meister 296; Seneca der wiser, fromer lerer Johannes Rothe
ritterspiegel 1029
Neumann; dieses (
Thales und Solon) sind zwen die weisten mender, so icz durch alle morgenlender haben den aller hochsten rümb Hans Sachs
s. fastnachtsspiele 6, 114
Götze; also wer auch der weisest lerer Socrat ... von gestalt gering Fischart
Gargantua 19
ndr.; Plato ist hiebevor auff allen schulen und universitäten für den weisesten mann gehalten worden, und wird noch von vielen philosophis vor einen weisen politicum gehalten J. B. Schupp
schr. (1663) 6; und wie vom geistigen wein des weisen Anakreon trunken und wie im lyrischen ton lächelnder lieder gelehrt, fieng er poetisch so an, Klopstock
oden 1, 37
M.-P.; der weise Thales Mommsen
röm. gesch. (1854) 1, 92; das gantze weise alterthum hat ihn (
den Homer) ... verehret J. Breitinger
crit. dichtkunst (1740) 1, 34; daher haben die weisen alten ihrer Pallas ... auch die kriegscapitänschafft zugeeignet S. v. Birken
ostländ. lorbeerhayn (1657) 161; das die alten hochberümbten weiszen heyden und philosophi ebensowol als fürneme verstendige und berümbte lehrer in der Christenheit ... geschrieben haben J. Ayrer
dram. 3
lit. ver.; in maniges weisen meisters geschrifte findet man, das one weibes steure niemant mag mit selden gesteuret werden Joh. v. Saaz
ackermann a. Böhmen 29, 5
B.; wie auch philosophos, die man die weise meister nennen kan
M. Mangold
marckschiffer gespräch (1596) E 1a; die sieben weisen meister aus Griechenland Kramer
t.-ital. (1702) 2, 1301
c; Bias von Priena, einer aus den sieben weisen meistern
M. Hayneccius
Hans Pfriem 8
ndr.; mit solicher warheit hat den trostlichen Romer Boecium hin geleget philosophia, die weise meisterin Joh. v. Saaz
ackermann a. Böhmen 29, 9
B. gelegentlich wird weise
als gegensatz zu philosophischer und wissenschaftlicher haltung empfunden (
vgl. dazu den negativen gebrauch weise D
und weisheit A 1 d): ich hatte gelesen, dasz die philosophi die weiseste leute sein solten; befande aber im werk, dasz sie offt die gröszeste narren waren Moscherosch
gesichte (1650) 1, 6; inzwischen gestehe ich gern, dasz auch diese kundschaften (
des erdbodens natural- und zivilkundschaft) nöthig und befördernswürdig seyn; man kann aber diejenigen, so sie allein besitzen, nicht vor verständig und noch weniger für weise, am allerwenigsten für glückselig halten Leibniz
dtsche schr. 2, 40; (
sie kommen) aus der schönen welt der imagination, wo jeder berühmte mann viel verdienste hat, ... wo ein lehrer der tugend auch allemal tugendhaft und ein lehrer der weisheit weise ist Nicolai
Seb. Nothanker (1773) 1, 105; sey vernünftig und weise, der du ein philosoph zu seyn vorgiebst Ramler
einl. i. d. schön. wiss. (1758) 4, 37; unsere nation hat den leidigen ruhm, nicht gerade die weise, — sondern die gelahrte zu heiszen Bürger
w. 319
b Bohtz. C@22) '
wissend, einsichtig im sittlichen sein und handeln'
; oft einfach '
gut'
im edlen sinne meinend, besonders im komparativ, der dann '
besser, edler'
bedeutet: C@2@aa)
allgemein: rainer tugende wiser rat von edeles herzen lere gat Rudolf v. Ems
Willehalm 1
Junk; si (
die minne) blendet wîses mannes muot und schendet sêl, lîp, êre und guot Thomasin v. Zirclaere
d. welsche gast 1197; ich was wilde, sunder zucht und ane wiplichen pris. min muter was harte wis an zuchtigen eren. des began sie mich leren nach muterlicher gute
väterbuch 34 436
Reiszenberger; gute strafunge gutlich aufnemen, darnach tun sol weiser man! hore ich die clugen jehen Joh. v. Saaz
ackermann aus Böhmen 21, 1
B.; bistu eyn wisir mensche nu und vorstehist bose und gud und hastu rechte vornunfte darczu Johannes Rothe
ritterspiegel 297
Neumann; dasz wir weise, wie ihr, und der erinnerung eures todes getreu, leben, zwar fröhlich seyn; Klopstock
oden 1, 93
M.-P.; beispiele aus der biblischen geschichte, warum wollen wir sie aus einer so lehrreichen und ernsthaften schrift verweisen, als Abbts verdienst ist? haben beide nicht einen zweck, den menschen weiser zur tugend zu machen? Herder 2, 285
S.; der gewinn unseres studieren ist, wenn wir dadurch besser und weiser geworden sind J. Chr. Bode
Michael Montaignes ged. (1793) 1, 296; klüger wohl bestellt ich meine sachen, frömmer, weiser könnt ichs auch wohl machen Ulr. Hegner
ges. schr. 137; diese hoffnung ist vielleicht läppisch, ... aber wenn meine ansicht von der jetzigen lage der sachen nicht grundfalsch ist, so bleibt sie der einzige haltbare grund, auf welchem das gefühl eines unbefangenen, weise und gut wollenden menschen ruhen kann G. Forster
sämtl. schr. (1843) 9, 12. — sie jauchzen wohl ... wenn ihre drommel klingt, nicht aber, wenn Homer von weisen sitten singt B. Neukirch
ged. (1744) 142; um sittlich zu heiszen, müssen empfindungen nicht blosz schön, sondern auch weise ... seyn Fr. Schlegel im
Athenäum (1798) 1, 126. C@2@bb) weise
ist im besonderen der mensch, dessen sein und handeln '
maszvoll, besonnen'
ist; in volkstümlicher betrachtung gilt vor allem das maszhalten im zorn, reden und trinken für weise,
häufig in sprichwörtern, von der bibel beeinfluszt. dieser gebrauch nähert sich stark der bedeutung '
klug, lebensklug',
s. weise B: glückseelig ist der mann, welcher bekombt, was er liebet! aber ein weiser mann liebet, was er bekombt Moscherosch
ges. (1650) 2, 270; gedultiger mann ist ein weiser mann, ungedultig ist thörechtig Lehman
flor. pol. (1662) 1, 266; (
Christi gnade) kann ... trunkene wüstlinge nüchtern und weise machen Schubart
leb. u. gesinn. 1, 176; den eigenen ungezügelten wunsch zu beherrschen, ziemte dem weisen mann G. Freytag
ges. w. 17, 195. — der ist fürwar ein weiser man, der zorn und rach kan fahren lan Petri
d. Teutsch. weiszh. (1604) 2, O 3
a; wolt gott, ir schwiget, so würdet ir weise
Hiob 13, 5; ein narr, wenn er schwiege, würde auch weise gerechnet und verstendig, wenn er das maul hielte
spr. Sal. 17, 28; ein narr schütt seinen geist gar aus, aber ein weiser helt an sich 29, 11; ein weiser man schweiget, bis er seine zeit ersihet
Sirach 20, 7; der ist fürwar ein weiser man, der seiner zung wol stewren kan und seinen dingen rathen Petri
d. Teutsch. weiszh. (1604) 2, O 3
a; der wein macht lose leute und starck getrenck macht wilde, wer dazu lust hat, wird nimmer weise
spr. Salom. 20, 1; im nächsten zimmer fand sich an einer kleineren tafel Anna neben ihrem vater sitzen, welcher im kreise einiger klugen und frommen die weise und fröhliche ergebung in das unvermeidliche mit ausgezeichneter kunst übte G. Keller
ges. w. (1889) 1, 257. C@2@cc)
als ritterlich-höfische bezeichnung ist mhd. wîs(e)
in seinem kern ein ethischer standesbegriff, der aber die anderen lebensgebiete bis zum religiösen hinauf mit umfaszt; vgl. Trier
wortschatz 1, 322
ff. schon westgerm. ist wîs
ein auszeichnendes beiwort für fürsten und helden, dort meint es aber wohl das '
kundigsein, erfahrensein, tüchtigsein'
in herrschaft und kriegswesen (
s. oben A 3). C@2@c@aα)
im umkreis der tugenden des ritterlichen tugendspiegels rîch, schœne, edel;
zuweilen ist die bedeutung auf ein ganz bestimmtes gebiet höfischen wesens eingeengt. bei Hartmann
vor allem mit hövesch
formelhaft verbunden als zusammenfassung ritterlicher art; bei Wolfram
besonders neben triuwe, getriuwe
und zuht.
in diesem begriff ist auch die eigenschaft des herrschers mitbenannt (
s. oben B 3): mir hât getroumet michel tugent: ich hete geburt unde jugent, ich was schœne unde rîch und diseme lîbe vil unglîch, ich was hövesch unde wîs und hân vil manegen herten prîs ze rîterschefte bejagt Hartmann v. Aue
Iwein 3521,
vgl. 6467; dar nâch als ein wîser man der sîne rîterschaft wol kan 5317; sô sprach Gahmuretes suon 'frouwe, ir welt gewalt mir tuon. sô wîse erkenne ich mînen lîp: der mîdet spottes elliu wîp Wolfram v. Eschenbach
Parzival 697, 23; wie wise und wie êrbære und wie getriuwe er wære Gottfried v. Straszburg
Tristan 4321; er was ain bluome ganzer tugent, stæter triuwe ein adamas, milte und zuhte ain spiegelglas, kusch und demüete, mit manlicher güete, wîs, beschaidenlichen guot ellenthaft und hochgemuot Rudolf v. Ems
Willehalm 12 555;
der erläuternde nebenbegriff mit präposition oder im genetiv: sîn herze an zühten wîse ... riet im benamn daz beste, swâ man nâch wîbes minne mit ellenthaftem sinne solt erzeigen mannes triuwe Wolfram v. Eschenbach
Parzival 160, 18; er was mit sæliclicher kraft an allen sælden sigehaft, mit zühten wis und guot, werhaft, kunsche und hohgemuot Rudolf v. Ems
Willehalm 15 457; so wart er ouch der mter balt, beschaiden und tugenthaft und wise gar uf ritterschaft Johann v. Würzburg
Wilh. v. Österreich 548
Regel; unt daz iwer vater wære manlîcher triuwe wîse Wolfram v. Eschenbach
Parzival 317, 23. C@2@c@bβ)
allgemein als stehendes beiwort für fürsten, ritter, höfische frauen ohne bestimmt begrenzten sinn: aus dem westgerm. gebrauch für fürsten, helden und frauen (A 3)
erklärt sich, dasz weise
schon früh allgemein auszeichnendes wort für vornehme oder irgendwie herausgehobene personen wird: bei Otfrid III 10, 39
für die reichen: thar hereron thie wisesizzent zi iro muase;
im Heliand werden die jünger und Joseph wîs
genannt: stôdun wîsa man 1281; bigan im the wîso man ... Joseph an is môda 312;
im mhd. allgemein für höfische personen: sprach aber der wîse Tristan Gottfried v. Straszburg
Tristan 6260; sô sah der marcrâve wîs Wolfram v. Eschenbach
Willehalm 74, 6,
vgl. 141, 16; der ellenthafte wîse degen Konrad v. Würzburg
Troj. 30 328; diu gevüege Isot, diu wîse, diu junge, süeze künigin Gottfried v. Straszburg
Tristan 8106; ie mitten kam Brangæne diu stolze, diu wîse lachende unde lîse 10 359; die frouwen edel unde wîs Konrad v. Würzburg
Partonopier 14 522;
ähnlich im mhd. geistlicher dichtung von Maria u. den engeln: swaz man ir (
Maria) gap ze spîse, daz îlte diu maget wîse armen ellenden in die stat senden priester Wernher
Maria 1396
Wesle; die magt wise die wil ich für dich kronen Muskatblut 5, 62
Groote; ein engel wise kam zuo dir uff den anger 7, 35. C@33) weise
als religiöser begriff stellt eine besondere ausprägung der allgemeinen bedeutung '
einsichtig, sapiens' (C 1)
dar. was weise
in religiöser sphäre in seiner fülle meint, wird deutlicher, wenn weisheit
in ihrer religiösen ausprägung (
s. weisheit G)
mitbeachtet wird. C@3@aa) weise
ist, wer weisheit
als erkenntnis gottes als des letzten zieles (
vgl. weisheit G 1)
und weisheit
als religiöse disciplina und tugend (weisheit G 2 b
und d)
hat, wer das richtige und allein notwendige erkennt und danach sein leben einrichtet: thie ungiloubigegekerit er zi libe thie dumbon duat ouh thannezi wisemo manne (
ad prudentiam justorum Luc. 1, 17) Otfrid I 4, 44; ein wîse man nimmer lât, ern denke an sîne kristenheit (
die verbundenheit mit Christus in der taufe) Wolfram v. Eschenbach
Willehalm 48, 20; ez enhât nieman wîsen muot niuwan der gotes willen tuot Freidank 78, 9
Gr.; von got kumt aller sin: swer sînen muot verlæt an in, der muoz wîse werden gar Thomasin v. Zirclaere
d. welsche gast 8761; als nu der hailig gaist schnel machet, also machet er ôch wîse. wîshait ist daz er sîner weg war nimet, wie si sint und war si in tragent
st. Georgener pred. 12, 7; das der mensche also selig und also wise were das er sich liesze und gotz geist volgete, ..., do wúrde ein wunneklich ding us Tauler
pred. 184, 17
V.; kinder, fliehent aber nút die wisen, seligen menschen den nút ensmacket wan got und götteliche ding, die ein ware got meinen hant in dem grunde 105, 18; ein gottselig leben machet einen menschen weise in gott Johann Arnd
Thomas a Kempis (1631) 7; erstlich spricht unser hayler: wer meine wort hOert und darnach thuot, der wirt zuoegleicht aynem weysen mann Berthold v. Chiemsee
t. theologey 25
Reithm.; wer ist weise und klug unter euch? der erzeige mit seinem guten wandel seine werck (
quis sapiens et disciplinatus inter vos)
Jacob. 3, 13; ich wil aber, das ir weise seid auffs gute, aber einfeltig auffs böse
Röm. 16, 19; das gesetz des herrn ist on wandel und erquickt die seele, das zeugnis des herrn ist gewis und macht die albern weise
ps. 19, 8; das gesetz des hern ... machet den unwissenden weis Schede-Melissus
psalmen 70
ndr.; die heylig schrifft sey ... gantz vollkommen und bequem, den menschen weisz und täuglich zu machen zur seligkeit und allen guten wercken Fischart
binenkorb (1588) 18
a; sie (
die gottesfürchtige frau) öffnet ihren weisen mund, thut kindern und gesinde kund des höchsten wort und lehrt sie fein, fromm, erbar und gehorsam seyn Paul Gerhard
bei Fischer-Tümpel
kirchenl. 3, 376; ich gebe ihnen demnach zu, dasz man in der christenheit von keinen satyren wissen würde, wenn es den aposteln gelungen wäre, alle welt so weise zu machen, als sie es selbst waren Liscow
samml. satir. u. ernsth. schr. (1739) 49; bey wem willst du den herrn der welt verklagen? bethörte seele, schäme dich zu zagen. sey weise, so entspringt dir aus dem leiden ein quell der freuden Pfeffel
poet. vers. (1812) 1, 9. C@3@bb)
negative betonung vom religiösen her. was im weltlichen erkenntnis- und seinsbereich weise
ist, kann im religiösen bezirk, vor gott als töricht gelten, demgegenüber ist wahrhaft weise,
was vor der welt als töricht gilt. näheres unter weisheit G 2 f: swenner von der vreude wunne unde von des sinnes brunne (
von gott) ie verrer und ie verrer gêt, sîns sinnes ie minner bî im bestêt, unz er wirt zeinem tôren gar. sô wænet er dan alrêrst vur wâr daz er sî ein wîse man; der vînt uns alsô triegen kan Thomasin v. Zirclaere
d. welsche gast 8773; nu ist der lúte harte vil die disen weg nit gand; won ir ist vil die wise sint von der schrift und von nature, und ist an in doch nit tugend. man liset von mAengen haiden der groz wishait hatte, und waz doch an im nit tugend. dú wisshait ist allain ain tugend dú daz best erwelt und daz minnet uber Aellú ding
st. Georgener pred. 188, 1; sú wellent gotte zuo wise sin und in leren und in meistern, und enkunnent nit die ding von ime genemen Tauler
pred. 19, 23
V.; düncke dich nicht weise sein, sondern fürchte den herrn und weiche vom bösen
spr. Sal. 3, 7; der herr weis der weisen gedancken, das sie eitel sind
1. Cor. 3, 20; darumb, das ir got nit als ainen got preyset und im nitt danckt, seind ewere unverstendige hertzen verfinstert, da ir euch für weysz hielt, seyt ir zuo narren worden Güttel
v. evang. warheyt (1523) A 4
a; ain tugentreicher mann ist höher zu achten dann ain weyser G. Mayr
sprüchw. (1567) A 8
a.
demgegenüber: welcher sich unter euch düncket weise sein, der werde ein narr in dieser welt, das er möge weise sein
1. Cor. 3, 18; eines rechten Christen art ist, das er in der höchsten schwachheit am stärckesten und in der gröszesteu torheit am weisesten ist Petri
d. Teutsch. weiszh. (1604) 1, C 1
a. C@44) weise
als attribut gottes; vgl. auch weisheit H. C@4@aa) weise
als kennzeichen des göttlichen seins, gott, der alles weisz und erkennt; neben anderen göttlichen eigenschaften (
vgl. weisheit H 1): das wir in lieben umb sein selbs willen, das er der aller richlichst ist, der aller best und wysest Geiler v. Keisersberg
bilgersch. (1512) B 5
a; er (
gott) ist weise und mächtig, wem ists je gelungen, der sich wider in gelegt hat?
Hiob 9, 4; demselbigen gott, der alleine weise ist, sey ehre
Röm. 16, 27; doch ob er (
der teufel) wol ein so gewaltiger herr ist und so viel listiger, böser geister hat, ... so haben wir dennoch dagegen das vorteil, das unser herr auch mechtig, dazu weise und klug genug ist Luther 34, 2, 392
W.; dan deine (
gottes) art und all dein weeg und weisz sind so getrew als du gerecht, gut, weysz Weckherlin
ged. 2, 87
F.; du bist weis und voll verstandes, was geheim ist, ist dir kunt Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
kirchenl. 3, 311; mit unbekandten wegen ist er uns überlegen, sein rath kömpt uns nicht bey. doch bleibt sein (
gottes) weiser handel und unerforschter wandel von allem tadel frey Simon Dach
bei Fischer-Tümpel
kirchenl. 3, 64; gedanken gottes, welche der ewige, der weis itzt denket! wenn ihr den menschlichen gedanken zürnet, o wo sollen sie vor euch, gottes gedanken, hinfliehn? Klopstock
oden 1, 71
M.-P.; der geist des herrn ist mächtig, an weisheit reich, an verstand weise Jung-Stilling
w. 3, 120
Grollmann; (
gebet an die göttin): weise bist du und siehest das künftige, nicht vorüber ist dir das vergangene, und dein blick ruht über den deinen, wie dein licht, das leben der nächte über der erde ruhet und waltet Göthe 10, 24
W.; die alles weisz was einstens war, Erda, die weiszlich weiseste wala rieth mir ab von dem ring, warnte vor ewigem ende Richard Wagner
ges. w. 6, 53. C@4@bb)
im besonderen sinne ist gott weise
als schöpfer, erhalter und lenker der welt (
vgl. weisheit H 3
und 4): ich weiz wol, ist got wîse, so lônt er ir mit güete, hât er sîn alt gemüete Wolfram v. Eschenbach
Willehalm 66, 18; das ist ein jomer das wening ieman ist, die disem wisen guoten ratgeben (
dem hl. geist) wellen volgen oder in gehören wellen, sunder menlich blibt uf sinen eigenen ufsetzen und uf sinen eigenen angenomenen wisen Tauler
pred. 181, 21
V.; ihn (
gott), ihn lasz thun und walten, er ist ein weiser fürst und wird sich so verhalten, dasz du dich wundern wirst Paul Gerhard
bei Fischer-Tümpel
kirchenl. 3, 373; daher dieser unruhe nicht besser gesteuret werden kann als mit vorstellung, wie es einmahl gewisz seye, gott seye so weisz und gut, dasz sein wille ohne ausznahm immer das beste seye Ph. J. Spener
d. innerliche u. geistl. friede (1686) 134; die herrliche ordnung, schönheit und vorsorge, die allerwärts in der natur hervorblickt, (
hat) allein den glauben an einen weisen und groszen welturheber ... bewirken müssen Kant 3, 20
akad.; in diesem scheinbaren widerspruch theilt gleichwohl der oberste beherrscher einem jeden das loos seines schicksals mit weiser hand aus
w. (1838) 10, 464
Hartenst.; die ganze welt, das werk des weisesten schöpfers A. G. Kästner
verm. schr. (1755) 1, 7; so hat kein weises wesen unsere pflichten nach unsern kräften abgemessen Lessing
w. 2, 276
M.; so spricht man von gottes weisem rat =
ratschlusz: dîn (
gottes) hôhiu kunst, dîn wîser rât beslozzen und bestricket hât daz angenge und daz ende Rudolf v. Ems
Barlaam 1, 7
Pf.; ja vater, weil dein weiser rath all ding je so beschlossen hat so bleib es also für und für B. Krüger
v. d. anf. u. ende d. welt (1580) B 5a; und nach dem der allmechtige gott ... nach seinem weisen rhate mitlerweil den wolgedachten herrn, e. g. vater aus diesem elend in sein reich genommen B. Ringwaldt
evangelia (1581) A 4
a; gedult ist wol zu frieden mit gottes weisem rath Paul Gerhard
bei Fischer-Tümpel
kirchenl. 3, 421; nach seinem weisen rathe grünt und welkt ... glück und unglück in der welt Stoppe
Parnasz (1735) 472;
ähnlich: gottes weises fügen soll mich nur vergnügen J. G. Neukirch
anfangsgr. z. t. poesie (1724) 65; gott aber geht gerade fort auf seinen weisen wegen Paul Gerhard
bei Fischer-Tümpel 3, 369; geben nicht sogar die unflätigen Hottentotten ... die deutlichsten merkmale, dasz es wider alle menschlichkeit ist, ... sich nicht der vergnügungen zu bedienen, die die weise vorsicht eines gütigen schöpfers von anfang her uns geschenket hat? J. A. Scheibe
d. crit. musicus (1745) 52; preis dir, unendlicher für deine weise führung Schubart
s. ged. (1825) 1, 9;
im gleichen zusammenhang: so kennt man euch, ihr götter, an gesparten, lang und weise zubereiteten geschenken. denn ihr allein wiszt was uns frommen kann, und schaut der zukunft ausgedehntes reich, wenn jedes abends stern- und nebelhülle die aussicht uns verdeckt Göthe 10, 48
W. im anschlusz an die vorstellung des weisen
weltenschöpfers und ordners werden auch die vorsehung, das schicksal, die natur weise
genannt: die demüthige entsagung unserer eigenen wünsche, wenn es der weisesten vorsehung gefällt, ein anderes zu beschlieszen Kant
w. (1838) 10, 467
Hartenst.; er (
ein franz. philosoph) beweiset die würklichkeit des ohngefährs mit voraussetzung einer höchst gütigen und höchst weisen vorsehung Lessing 7, 12
M.; die vollkommene ordnung (
am himmelsgewölbe) ... zeigt uns die waltung einer weisen vorsehung, die für jedes einzelne ihrer werke sorgt Fr. Th. v. Schubert
verm. schr. (1823) 1, 6; verehre demuthsvoll des weisen schicksals huld, die dir durch diesen held gerathen Gottsched
ged. (1751) 1, 34; welch eine that von dir! und welch ein weises glück, dasz eine solche that zum besten eines solchen mannes ausschlug Lessing 3, 124
M.; in der welt finden sich deutliche spuren, anzeigen einer weisen einrichtung nach zwecken Hegel
w. (1832) 12, 28; erhabene vernunft, lichthelle tochter des göttlichen hauptes, weise gründerin des weltgebäudes Schiller 13, 272
G.; dahero hat die weise natur, als sie die menschen in eine gesellschaft zusammen verbinden wollen, des einen wohlseyn an das glücke des andern gebunden
discourse der mahlern (1721) 2, 31; sage, was dachtest du da? mütterliche natur? sonst immer weise, mir aber hier nicht weise genug, hier nicht zärtlich genug Klopstock
oden 1, 76
M.-P.; wie weise diese veranstaltung der natur sey (
dasz man die gesundheit nicht fühlt), sieht man aus dem zustande der wissenschaften Schleiermacher in:
Athenäum (1798) 1, 76; (
kaum) des kindes antwort ihn erreicht, das, auf sein stückchen brot gebeugt, natur, nach deinem weisen walten das schwache leben zu erhalten, gefahr zu fliehn, die es nicht sieht, aus allen kräften ist bemüht A. v. Droste-Hülshoff
w. 2 (1878) 42; nur dasz in der schöpfung die allmählichkeit (
der entwicklung) immer rein und weise ist, in der kunst aber, die der freiheit des menschen anheim gegeben ist, oft zerrissenheit, oft stillstand, oft rückschritt erscheint A. Stifter
s. w. 6, 322
Sauer; ein schwaches flöten von zerpflücktem aste verkündet dir dasz letzte güte weise das land (eh es im nahen sturm vereise) noch hülle mit beglänzendem damaste Stefan George
jahr der seele 19; wie nach einem weisen plan, von gütiger hand geleitet, ist in notwendigen stufen ihr (
der brüder Grimm) weg zum ziel geführt worden Arthur Hübner
Jac. Grimm Berl. sitzungsber. (1935) 28. DD.
negative betonung vom weltlichen her. abschätzige bewertung dessen, was sonst als weise
gilt oder sich anmaszt, als weise
zu gelten, ohne es wirklich zu sein. daher bekommt weise
den unterton '
anmaszend, überheblich'.
anderer betrachtung erscheinen die weisen
als diejenigen, die trotz ihrer weisheit
am eigentlichen leben vorbeigehen; dann ist weise
nahezu gleich '
lebensfern, lebensfremd' (
über die negative betonung im religiösen bereich s. oben C 3 b;
vgl. die entsprechenden abschnitte unter weisheit F
und G);
mit bitterer ironie oder gutmütigem spott: lasz hin flieszen liebe, lasz hin flieszen leit! lasz rinnen den Rein als ander wasser, von Eseldorf weiser gotling Joh. v. Saaz
ackermann aus Böhmen 24, 30
B.; so soll nicht alsobald ein jeder klügling die weyse nase darüber haben
Reinicke Fuchs (1650) 270; aber niemand versteht hier unter diesem namen (
elegische poesie) jenen hinkenden affen, der sich nach unsern weisen lehrbüchern der poesie blosz im sylbenmaas unterscheiden soll: sondern elegie sei hier die klagende dichtkunst Herder 3, 23
S.; Friedrich bemerkte, dasz er von mehreren sehr weise belächelt wurde, als könne er sich nicht zu ihrer freien ansicht erheben Eichendorff
s. w. (1864) 2, 162.
lebensfremd: aber diesen leuten, deren weises blut so gelassen durch die trägen adern dahinschleicht, glühet jeder affect zu stark Wieland I 3, 35
akad.; die leute ... sind nur womöglich noch weiser und doktrinärer geworden
briefe von u. an Herwegh 293; (
professoren,) die ihr euch weise meister im stolzen wahn genannt, auf regeln für die geister, für die gedanken sannt Schenkendorf
ged. (1815) 11; dann hat der alte herr, der diesen weisen wahlspruch ausheckte, über einer dummheit gebrütet Holtei
erz. schr. 2, 262; hat euch die schule ganz bemeistert, ihr weisen herrn, und wähnet ihr zusammen sei die welt gekleistert aus pappendeckel und papier? Platen
ges. w. (1839) 60;
in einem gewissen abstand gehört auch folgende stelle hierher: (
Cynthia zu den ärzten:) bemüht euch nicht, ihr guten, weisen männer, — ihr bringt es nicht heraus! es gehört schon zu ihrem (
der mutter) geschick, dasz ihr für sich selber nichts, aber auch gar nichts gelingt, nicht einmal eine winzige rote blutzelle; ihrem kindchen dagegen vermag sie alles zu geben, was es braucht H. Carossa
d. arzt Gion 210.
in sprichwörtlichen redensarten ist der weise
mensch oft der, der dem wirklichen und seinen forderungen nicht gewachsen ist (
zur verdeutlichung vgl. weisheit F 2): allzu weise und from dienet oder taugt nicht Petri
d. Teutsch. weiszh. (1604) 2, H 8
a; weise seyn ist nit allzeit gut Lehman
flor. pol. (1662) 3, 409; weise herzen tragen oft kinderschuhe 1, 16; zu vil weise ist ein narr
sprichw. (1548) 123
b;
in nd. mundarten bedeutet wîs
in verurteilendem sinn '
überkluges, überschlaues wesen zeigend': dat es en wîsen, dä hört et gras wassen un die flöe hausten Woeste
westf. 326
b; sau wise sin as Salomon sine katte
von den afterweisen, hei kan sau wise spreken Schambach
Gött. 300
b; wis '
überklug'
ma. v. Aldenrade bei Wrede
dtsch. dialektgeogr. 8, 99. EE. weise,
in seinen verschiedenen abtönungen ('
wissend, klug, einsichtig')
wird man durch erfahrung und bemühung. weise-sein
ist ein ausdruck gereiften lebens, wobei es sich im allgemeinen um die höhere ebene des inneren reifseins handelt. E@11) weise
wird man durch arbeit und fleisz, durch erfahrung, schaden und not; häufig sprichwörtlich auf geringerer ebene: lernunge muoter ist emzikeit, nieman wirt wîse âne arbeit Hugo v. Trimberg
renner 17 488
Ehrism.; Hans on fleisz wirt nimmer weisz
sprichwörter (1548) 24
b; dann klug on trug und weisz on fleisz erlangt sehr selten seinen preisz Fischart
Eulenspiegel 57
Hauffen; hab frü und spat viel mühe und fleis, so du wilt werden klug und weisz Friedrich Wilhelms
sprichw.-reg. (1577) D 2
b; wer nicht stets mit leuten umgehet, der hat kein erfahrung, wer kein erfahrung hat, der ist nicht weisz Lehman
flor. pol. (1662) 1, 206; das ist ein weiser man der sich an eins andern unfall bessern kan Petri
d. Teutsch. weiszh. (1604) 2, M 4
b; selich is, de dorch eins andern schaden wys wert Tunnicius
sprichw. 604
Hoffmann; da werde ein jeder mit frembdem schaden witzig und weisz, dieser höllgöttin Circe, der heillosen sünd niemals zu trauen Selhamer
tuba trag. (1696) 1, 31; es wird niemands weise, dann mit seinem schaden
sprichw. (1548) 8
b;
dasselbe wie das bekanntere durch schaden wird man klug: noch werd ihr nicht ausz schaden weisz, sonder bleibt ihn zuo trutz mit fleisz Fischart
flöhhatz 965
ndr.; auszer der noth ist gut weise seyn Petri
d. Teutsch. weiszh. (1604) 2, K 2
b; nun verstehe ich erst die klagen der dichter, der aus noth weise gewordenen traurigen Göthe 21, 132
W. E@22)
darum ist weise-sein
ein kennzeichen des alters im gegensatz zur jugend; vgl. senatus vel senectus weys rat (15.
jh. obd.), sampnung der alten oder weysen (
voc. theut., Nürnberg 1482), alt wise man (
voc. rer. 15.
jh. md.)
bei Diefenbach
gl. 526
b;
sempecca, alt wise man (
voc. rer. 15.
jh. md.), weys man (
anf. d. 15.
jhs. obd.),
senipectus alt und wisze (15.
jh. md.)
ebda 526
a: the thar sô gefrôdod sitit wîs an is wînsell
Heliand 229; er hæte sîne mâze an rede und an gelâze so wol daz es die wîsen, die getageten und die grîsen ze grôzen sælden jehen Gottfried v. Straszburg
Tristan 2741; so dich ein grâ wîse man zuht wil lêrn als er wol kan, dem soltu gerne volgen Wolfram v. Eschenbach
Parzival 127, 21; der jung ist starck, der alt ist weisz, ein andrer hat sonsten den preisz, der jungen that, der mitlen rath, und alten wundsch sind selten umbsonst Eyering
prov. cop. (1601) 1, 500; wie sehr in dem charakter den knaben das kindisch rührende, wiewohl spielende raisonnement in der diction selbst ... gegen den weichen ausdruck der geprüften, itzt schwächeren und zugleich weiseren seele des greises absticht Gerstenberg
schlesw. lit.-briefe 134
lit.-dkm.; wir waren weiland schön und jung, jetzt laszt uns weise sein und glücklich Bürger
w. 110
b Bohtz; doch solches ist des weisen alters recht, wenn sich die rasche jugend kühn vergiszt Schiller 14, 45
G.; ja ich kenne vielleicht den mann, ... er begeht lauter dinge, die ohne ziel und zweck sind und strebt nach unerreichbarem. er hat manchmal wollen den sonnenschein auf seinen hut stecken und die abendröte umarmen; — es regnet viele tropfen, ehe man einsicht gewinnt, und jahre vergehen, ehe man weise wird Stifter
s. w. 1, 274
Sauer; da ist der alte lehrer unsres nachbardorfes, den ich sehr verehre, aber er ist schon weise geworden in einem langen leben, und ich bin noch so weit von aller weisheit entfernt Ernst Wiechert
wälder u. menschen (1936) 224.
selten und in beabsichtigtem gegensatz zu dem mit weise
sich sonst verbindenden nebensinn des reifseins durch erfahrung wird auch die jugend weise
genannt: ein arm kind, das weise ist, ist besser denn ein alter könig, der ein narr ist und weis sich nicht zu hüten
pred. 4, 13; Evander (
ein jüngling) ist der schönste weit umher, ... er ist weise, wie sonst männer sind von viel mehr jahren und erfahrung Sal. Geszner
w. (1778) 2, 104; oft auch geben die götter dem jüngern weisen sinn Fr.
M. Klinger
neues theater (1790) 1, 5; sei du so alt und klug wie ich, lasz mich so jung und weise sein wie du Bettine
Göthes briefw. mit ein. kinde (1835) 83.
einmalig mit neuem, mehrschichtigen sinngehalt gefüllt, der auch den gegensatz zwischen der weisheit der welt und der vor gott einfältigen (
s. oben C 3 b)
mit einbezieht: wer dagegen auf seine kosten (
bei der frühjahrsdult) kam, das waren die kinder, die lachenden weisen beginner der welt H. Carossa
d. arzt Gion (1931) 101. E@33) weise
ist, wer raten und belehren kann, gewöhnlich in höherem sinne von führen, vgl. auch oben A 3,
vgl. consultus weisz, verstendig, bei dem man rhat finden mag Calepinus
XI ling. (1598) 317
a: ich hân in mînem lande einen harte wîsen man der uns wol gerâten kan Hartmann v. Aue
Gregorius 491
Paul; der werde künec Prîant des selben mâles sich beriet mit sîner wîsen hovediet, waz im daz beste wære Konrad v. Würzburg
Troj. 26 460; ein weises herz redet klüglich und leret wol
spr. Salom. 16, 21; ein weiser man bringet sich selbs zu ehren durch seine weise rede
Sirach 20, 29; wir muszten ... im palaste der fee bleiben, wurden von weisen lehrern unterrichtet und zu besseren menschen gebildet Langbein
s. schr. 31, 23; auch ist gut bescheidenheit, spricht ein weiser mann, der von zeit und ewigkeit mich belehren kann Göthe 6, 24
W.; in diesem zusammenhang spricht man auf verschiedenen ebenen von weisem rat
und weiser lehre: triuwe unde wîser rât daz zieret wol den alten Spervogel
in minnes. frühl. 31, 5; daz ist der nütze wîse rat und ûz erwelten bîschaft, die beide mit ir lêre kraft ze bezzerunge bringent die, die willeclîchen merkent hie swaz man singet oder seit Konrad v. Würzburg
Partonopier 62; so gibt er im den geist der weisheit reichlich, das er weisen rat und leer geben kan gewaltiglich
Sirach 39, 9; der folgt furwar nicht weysem rath, der sich all ding bekümmern lath Petri
d. Teutsch. weiszh. (1604) 2, N 7
a; solichs allmuosen sol mit wisem rat under arme lüt die wuchen getailt werden Eberlin v. Günzburg
s. schr. 1, 110
ndr.; nach des altem römischen dichters weisem rat E. T. A. Hoffmann
s. w. 12, 5
Gr.; ich sol gerne wesen vro siner wisen lere Rudolf v. Ems
Willehalm 14 971; zu dem ende hat der ehrenhafft und wolgelährte herr Reinhardus Lorichius ... etliche weise lehren zusammen gelesen
bei R. Lorichius
pädag. principium (1595)
vorr. A 3
a; wie er nun was ein weil daran, gefiel er am hof jedermann, viel besser, dann so er fürgeb gut weise lehr, darnach man leb Fischart
Eulenspiegel 1884
Hauffen; er (
der schlüssel) leit so wol verschlossen, er leit in guoter huot, der knab darf weiser lere, der mir den garten auftuot Uhland
volkslieder (1844) 104;
ähnlich: weise sprüche, gute lehren soll man thun und nicht blosz hören Binder
sprichwörterschatz 187; wie hat er diesen weisen spruch des Seneca hier anbringen können maler Müller
w. (1811) 1, 256; mit bunten wappenschildern ists bemalt, und weisen sprüchen, die der wandersmann verweilend liest Schiller 14, 282
G.; E@44)
der weise
mensch als ein durch erfahrung und alter geistig überlegener, einsichtiger und kluger ist der gegensatz zum törichten
oder närrischen,
wobei unter dem toren
und narren
ein in seinem urteil nicht ernst zu nehmender, wenig weitblickender, seltener ein eigentlich dummer mensch verstanden wird (
vgl. unter narr 4 c
und d,
teil 7, 857; närrisch 3,
teil 7, 390;
ferner tor
und töricht,
teil 11, 1, 1, 392
und 401;
weitere beispiele s. dort und unter weise,
m. 5 c);
zu dem anders gewerteten gegensatz weise : töricht
im religiösen bereich s. oben C 3 b: ir sit verkeret alle wîs: iu sint die tumben alle wîs, iu sint die wîsen alle tump Gottfried v. Straszburg
Tristan 9874; ist er ein narr, als er das schrybt, so weisz ich nit, wer wysz belybt Murner
narrenbeschwörung 1, 30
ndr.; wen die weisen leuthe anfangen zu narren, so begehet ein weiser mann keine kleine torheit, sondern sie werden mit ihrem toben und wuthen je lenger je sehrer unsinniger Luther 33, 475
W.; er wil ein weiser narr seyn Eyering
prov. cop. (1601) 2, 460; o wer doch recht weise seyn wolte und kein törichter Galater! oder noch ärger als ein ochse Prätorius
winterflucht (1678)
vorr. B 6
b; ich observiere endlich, dasz die kenntnisz seiner selbst und die weiszheit synonyma sind, und dasz weise leute von den narren allein dadurch abgesöndert werden: der narr flattiret sich selbst er seye weisz, der weise hingegen weisz, dasz er ein narr ist
discourse der mahlern (1721) N 4 a; der thor ist nicht weise, der narr ist nicht klug Kant
w. (1838) 10, 11
Hartenst.; mag er (
mein geist) doch die erste idee verfolgen, sie sei weise oder thöricht Göthe 45, 3
W.