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gischen

ahd. bis Dial. · 15 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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23 in 15 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gischen vb.

Bd. 7, Sp. 7561
gischen, vb. , fermentare, spumare. seit frühnhd. zeit belegt, vgl. gyschen spumare (v. j. 1470) Diefenbach ml.-nd.-böhm. wb. 256 und auch später ziemlich selten. den übrigen germ. dialekten, auch dem nd. und nl., ist eine entsprechende form fremd; irrtümlicher ansatz ist ergischen 'aufschäumen' mhd. wb. 1, 536a. eng verwandtes geschen 'spumare' erscheint etwas früher, vgl. gesschende buch von guter speise (md., 14. jh.) in d. zeitschr. f. dtsch. altert. 5, 13 (s. hierzu nhd. gäschen teil 4, 1, 1, 1431, geschen teil 4, 1, 2, 3853), wozu auch das subst. geschikeit Frauenlob 136 Ettm. gestellt wird. gischen gehört zur idg. wurzel es- 'wallen, schäumen', s. Walde-Pokorny 1, 208, doch bleibt seine vorgeschichte und bildung im einzelnen dunkel; Pauls erklärung, dasz gischen aus gischt retrograd gebildet ist (Paul-Euling 216), hat gegen sich, dasz kein muster für die neubildung zu finden und gischt später als gischen belegt ist; so liegt es am nächsten, mit Moser (beiträge 41, 479) in gischen eine onomatopoetische umgestaltung von mhd. jësen (gisen mit g und i aus der 3. sg. gist) unter gleichzeitiger anlehnung an zischen zu sehen; vgl. auch mnl. (15. jh.) ghissen als most ocht jonc bier bilbire Hoffmann v. Fallersleben horae belg. 7 (1845) 16. wie bei gisch (sp. 7560) finden sich formen mit langem stammvokal, vgl. gieschen Conradinus ungerisch sucht (1574) 109, gieschend Heermann unsch. Christmärtyrer (um 1675) c 1b, giescht (: erwischt) ebda b 2b; dazu mundartlich gîschen 'zischend aufbrausen' luxemb. ma. 146b. 11) in älterem sprachgebrauch synonym mit gären, vor allem von der fermentation alkoholischer stoffe: der most ... gischet, scheumet, prodelt, gieret, praust und saust im fasse Mathesius Syrach (1586) 1, 55b: wann man so unsern saft vermischt, dasz er wol in der böden gischt, so wird er denn das bier genandt Tharäus erberml. klage d. l. frau Gerste 50b Bolte (v. j. 1609); diese gemänge (aus gesottener hirse) wissen sie dick und dünn, auch gischen zu machen Dapper Africa (1671) 481a; so vereinzelt noch mundartlich, vgl. 'gischen und giren, gären vom weine' Birlinger schwäb.-augsb. wb. 196b; bildlich: so sehr auch bei dem ersten zuflusse protestantischer elemente das bisher ruhige katholische Fulda gor und gischte H. König leben (1840) 1, 35 (König stammte aus Hessen). 22) in der allgemeineren bedeutung 'brodeln, schäumen, aufbrausen', wobei häufig das akustische vorstellungselement heraustritt; als landschaftliches und poetisches wort in dieser bedeutung bis in die gegenwart lebendig, doch nicht eigentlich schriftsprachlich, vgl. mundartlich noch gischen, gisten schäumen Schöpf tirol. 191. 2@aa) als aufwallen von flüssigkeiten, vor allem das von einem gemenge widerstrebender stoffe verursachte: solchen laim greifen die spiritus nicht an, den andern aber, der sonst zum verlutiren gebraucht wird, den greifen sie an, gischt immer und helt dann nicht sehr wol Ercker mineral. ertzt (1580) 68a; dieweil es (das gold) dem gift von natur zuwider ist und dasselbige, so es in einem güldinen becher were, durch sein bräuseln und gischen gleichsamb verrätet Flitner Sphinx (1624) 576; braun gemachte gischende butter Amaranthes frauenz.-lex. 986; (gutes salz musz) im wasser sich leicht, geschwind und ohne gischen zerlassen Chomels öcon. lex. 8, 594b. vom schäumenden wasser häufiger erst seit dem ende des 18. jhs., vorzüglich in gehobener sprache: das wasser ... drewet sich in einen wirbel, es scheumet und gischet J. Agricola sprichw. (1534) z 8a; dasz (bei der meerfahrt) wind und strom um uns pfiffen und gischeten Kosegarten rhapsodien (1790) 2, 62; das heult, gepeitscht vom sturm der angst, und schäumt und gischt dem offnen weltmeer gleich H. v. Kleist 1, 170 E. Schmidt; ein guszregen war herniedergerauscht, wallend und gischend schosz das sonst so ruhige wässerlein ... dahin L. Anzengruber ges. w. (1890) 1, 1; die see, die see! wie gischt und schäumt sie! sie kocht! Gorch Fock seefahrt ist not (1914) 195. 2@bb) in speziellerer anwendung, meist poetisch; von schäumendem blut: (fechterblut,) das einer sauft, wann noch desselben gischen aus dem verletzten schaumt Andreas Scultetus bei Lessing 11, 198 M.; tiefgebohrt gischt unter der brust ihr die wunde Voss Virgil (1799) 2, 260. von schäumender milch: es gischt die milch der gäulen kuh so weisz als flockenschnee darzu Zesen verm. Helikon (1656) 1, 202; ich bring einen milchasch (-topf) mit, der von fetter sahne gischet Triller poet. betracht. 1, 622. 2@cc) vor anstrengung, schmerz oder seelischer erregung wie neid, zorn schäumen oder geifern: sie habens alles trotziglich verachtet, unser gespott, und wie die bösen kettenhunde und gischende eber umb sich gebissen und gehauwen theatr. diabol. (1587) 2, 247b; ach, wie geiferts und gischet es (mein töchterlein) mit seinem mündlein Herberger hertzpost. (1613) 1, 281; das maul gischet ihm vor zorn Stieler stammb. (1691) 610; fort, klepper, bis der schaum um zaum und zügel gischt Chr. Günther 2, 164 Kr.; so magst du denn vor neid und ärger gischen, philisterpack Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. 6, 178; was nicht die mildeste mahnung hätte vollbringen können, der gischende eifer hatte es vollbracht L. v. François frau Erdmuthens zwillingssöhne 231. 33) bisweilen drängt das akustische bedeutungselement so entscheidend in den vordergrund, dasz gischen synonym mit zischen wird: unwillig, wie sich feuer gegen wasser im kampfe wehrt und gischend seinen feind zu tilgen sucht, so wehret sich der zorn in meinem busen gegen deine worte Göthe 10, 86 W.; raketen rauschten auf, kanonenschläge donnerten, leuchtkugeln stiegen, schwärmer schlängelten und platzten, räder gischten 20, 161. schon seit früher zeit tritt daher gischen gern zusammen mit reimenden schallverben auf, z. b.: da pfitscht und gischts und laut so fein Scheit Grobianus 105 ndr.; zischet, gischet bei Fischer-Tümpel 5, 31b; es zischte und gischte in ihren adern W. Hauff s. w. (1890) 2, 2, 25; deshalb irrig als schallwort aufgefaszt: gäschen oder gischen ... ist ursprünglich blosz nachahmung des lautes, den eine gischende (d. h. schäumende) flüssigkeit hören läszt Maasz-Eberhard synon. (1818) 2, 162.
6238 Zeichen · 122 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    gischen

    Althochdeutsches Wörterbuch

    gischen s. geschen.

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    gischenswv.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +8 Parallelbelege

    gischen swv. BMZ schäumen, spumare Dfg. 549 a . mit er-.

  3. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    gischenN.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +4 Parallelbelege

    gischen , N. nhd. Schlucken (N.) ÜG.: lat. singultus Hw.: vgl. mhd. geschen (2) E.: s. gischen (1) L.: MndHwb 1/2, 116 (…

  4. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Gíschen

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Gíschen , S. Adelung Gäschen .

  5. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    gischen

    Goethe-Wörterbuch

    gischen a vom Wasser: wallen, schäumen, sprühen [ Wasserfall ] Die luftigen schäumenden Wellen .. wenn sie g-d und flüch…

  6. modern
    Dialekt
    gischen

    Mecklenburgisches Wb. · +2 Parallelbelege

    gischen schäumen wie eben: dat gischt un gärt all' Wo. Seem. 2, 177; ältere Lautform gissen, girsen: wenn de Wind so dul…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gischen

6 Bildungen · 2 Erstglied · 2 Zweitglied · 2 Ableitungen

Ableitung von gischen

gis + -chen

gischen leitet sich vom Lemma gis ab mit Suffix -chen.

gischen‑ als Erstglied (2 von 2)

gischen II

RhWBN

gischen II schw.: zischen, auch vom Feuer Trier-Thomm , Simm verbr.

gischen als Zweitglied (2 von 2)

ergischen

Lexer

er-gischen swv. BMZ aufschäumen Diem.

vördǖdigischen

KöblerMnd

vördǖdigischen , sw. V. nhd. verdeutschen, ins Deutsche übersetzen (V.) (2) Hw.: s. vördǖdischen E.: s. vördǖdischen L.: Lü 498b (vordudesch…

Ableitungen von gischen (2 von 2)

ergischen

Lexer

er-gischen swv. BMZ aufschäumen Diem.

vergischen

DWB

vergischen , verb. 1) zischend sich verbreiten Heinsius 4, 2, 1294. 2 ) aufhören zu gischen.

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „gischen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 15. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/gischen/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „gischen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/gischen/dwb. Abgerufen 15. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „gischen". lautwandel.de. Zugegriffen 15. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/gischen/dwb.
BibTeX
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