seltsamlich,
adj. ,
weiterbildung zu seltsam,
gleicher bedeutung, mhd. seltsænlich,
verkürzt selzenlich,
adv. seltsænlîche Lexer
mhd. hdwb. 2, 872,
frühnhd. als adv. seltzamlich,
raro, rarenter Dasypodius, gar seltzamlich,
perraro Maaler 370
a, sältzamlich, vast wenig,
insolenter 340
d,
als adj. und adv. seltsamlich,
id. quod seltsam,
novus, admirandus, inexspectatus, morosus. Stieler 2007,
anscheinend im 18.
jahrh. veraltet, dann aber wol durch die romantiker neu belebt, auch von Göthe
im alter und neueren dichtern gebraucht. 11)
im sinne von seltsam II, 1,
adverbial, raro Dasypodius. Maaler. Stieler (
s. oben): Maria hâtte gewennet sich. daʒ si niemer alder selzenlich erlachte. Walther von Rheinau 28, 53. 22)
im sinne von seltsam II, 2,
admirandus Stieler (
s. oben): seht, mein könig, das seltsamliche rosz. Tieck 1, 360 (
vgl. den beleg unter seltsamkeit 1,
b). 33)
im sinne von seltsam II, 3,
inexspectatus Stieler (
s. oben).
nach a: Huldbrand empfing einen kleinen schauer bei dieser erinnerung, und blickte unwillkührlich nach dem fenster, weil es ihm zu muthe war, als müsse eine von den seltsamlichen gestalten, die ihm im forste begegnet waren, von dort herein grinzen. Fouqué 8, 12 (
Undine 1); sowohl in skizzen als ausgeführten blättern nach der natur offenbarte sich ein glücklich künstlerischer blick in die welt, und das interesse an diesen blättern war durch fremdartige seltsamliche localität erhöht. Göthe 32, 67 (
tag- u. jahreshefte 1811); aber kaum, dasz sie allein beisammen waren, da riefs mit einer seltsamlichen stimme drauszen vor der burg: Kunz, komm herab Ludwig 2 (1891), 567; die seltsamlichen stillen pflanzen im nassen (
auf dem meeresboden) deckt die kläre (
die klarheit, das sonnenlicht) blosz. Immermann 13, 242
Boxberger; als ihr herzblut auf den stern fiel, auf den heil'gen stern des abends, war des zaubers macht gebrochen, war der seltsamliche machtlos. Freiligrath 6 (1886), 104.
nach b: seltsamlich (
ist) der ganze handel. Tieck
Octavian 371; liebesabenteuer; seltsamlich: mädchen im garten. Göthe 46, 315; wenn man auch ihren (
der deutschen sprache) autoren bei selbsteignen productionen eine seltsamliche kühnheit vorwerfen möchte. 322.
adverbial: auf den gesichtern (
der gemälde) schwebte ein etwas, das den blick zugleich anzog und zurückstiesz, bei vielen sprach aus den augen eine heiterkeit, die man wohl grausam hätte nennen können, andre waren seltsamlich entzückt, und erschreckten durch ihre furchtbare miene. Tieck
Sternb. (1798) 2, 1, 5.