wintermonat,
wintermond,
m. ,
auch n.; seit ahd. zeit bezeugt; zunächst als monatsname und als solcher schriftsprachlich noch bis in den beginn des 19.
jhs. verwendet, mundartlich z. t. alem. und nordfries. bewahrt; vom mhd. ab auch allgemeiner für einen in die winterzeit fallenden monat belegt (
s. u. 2). 11)
als monatsname, vgl. die nachweise bei K.
Weinhold die deutschen monatnamen (1869) 61
f. 1@aa)
zufrühest für den januar als wintarmanoth
in der monatsliste bei Einhart
vita Caroli magni cap. 29,
vgl.den januarium hat er (
Karl der grosze) genennet den wintermonat Schill
teutsch. sprach ehrenkr. (1644) 74;
so bis in die glossare des 12.
jhs. hinein: wintermanoth
januarius ahd. gl. 3, 205 (
summarium Heinrici),
vgl.manot des hindrosten winters (
januar, v. j. 1459)
der geschichtfreund, mittheil. d. hist. ver. d. fünf orte 6, 244;
erhalten im nordfries. und wohl noch bis ins 19.
jh. auch im holstein., vgl. wintermuun '
januar' (
Keitum auf Sylt) Weinhold 21; '
der wintermonat,
dieser name scheint in unsern gegenden eher dem januar als dem november zu gehören' Soltau
beyträge (1806) 81
a; wintermonat
Eutiner kalender v. 1869;
künstlich eingeführt dagegen im almanach der deutschen belletristen (1782)
von J. Chr. Fr. Schulz
und im kalender des Gustav-Adolf-vereins aus Darmstadt. 1@bb)
als name des ersten monats im winter, des november, tritt wintarmanoth
in glossarien des 12.
jhs. zunächst im Elsasz neben wintermonat
für januar auf, vgl. wintermanoth
november ahd. gl. 3, 205 (
summ. Heinrici),
s. Weinhold 7,
ist aber wahrscheinlich schon älter; für den november gilt wintermonat
in der gemeindeutschen monatsreihe des 14.-18.
jhs., deren gebrauch sich, von einem westl. streifen abgesehen (
s. u.c),
die bair., alem., fränk., md. und nd. sprachgebiete anschlieszen, so auch schwed. wintermnad
unter nd. einflusz; die mehrzahl aller zeugnisse des 15.-19.
jhs. meint daher den november, vgl. wintermont
november (
gloss. des 15.
jhs.) Diefenbach
gl. 383
c; der wintermonat
november Alberus
nov. dict. (1540) mm 1
a, der wintermonat
november Frisius (1556) 879
a, wintermonat
november Rädlein
sprachschatz (1711) 1, 1065
a: wintermânde, dis ist von dem aller heiligen tag (
überschrift) Herman von Fritslar in:
myst. 1, 230
Pfeiffer; alse do hof zugangin was an dem sechstin tage des wintirmandin, do bestunt den ediln furstin di groze krankheit Ködiz v. Saalfeld
leben des hl. Ludwig 40
Rückert; an deme sesten tage des wintermans, den man nennet zu latine november (
v. j. 1467,
Hessen)
weisth. 3, 352; der wyntermonde er och heyszt von der rolczen aller meyst. in diesem monden hebt sich an der liebe winter unde kan kule seyn ap her mag an sinte Clementen tag
Bresl. ged. bei Weinhold 62; die juden heben das jar an ym mertzen, umb yhre ostern darnach zu rechen, so ist der neunde mond bey yhn, den wir den wintermond heiszen Luther 23, 589
W.; in dem andern jar im wintermon, aht tag nach sant Merteins tag, an einem mitwoch vor mitternacht, da ist si nider kumen (
Nürnberg)
städtechron. 11, 627; der wintermon ist in der zal der aylfft ... H. Sachs 4, 70
K.; des sibenden tags des monatz november, wintermonet genant G. Oheim
Reichenauer chron. 85
Bar.; darnach zuo unsern zeyten anno 1530 im november oder wintermonat, do erstuond auff dem möre ein grosz ungestüme Seb. Münster
cosm. (1550) 143; de twelff maende (
im) jar heiszen: jenner, ... wintermaent, christmaent Husemann
spruchsamml. 21
Weink.; s. a. o. ist im 1644. jahre am 1. tage des schlacht- oder wintermohndes ... einverleibet Zesen
helikon. rosentahl (1669) 68; gleichwie in dem calender auf das weinmonath das wintermonath folget Abraham a
s. Clara
Judas (1686) 1, 4; Rinteln, den 5. wintermonats 1764 Th. Abbt
verm. w. (1768) 3, 292; o du stürmischer und trüber trauriger novembermond! oder hörst du, unser landsmann, lieber schlachtmond, windmond, wintermond? J. Arn. Ebert
episteln (1789) 305; im ... spätherbst vom wintermond an werden die zu bau- und nutzholz tüchtigen stämme gefällt H. Zschokke
s. ausgew. schr. 12, 230; kalt wie der wintermond, des eisger hauch der erde schoosz verschlieszt ... E. Raupach
dram. w. ernster gatt. 6, 226;
alem. noch im 19.
jh. mundartlich bezeugt, vgl. Fischer schwäb. 6, 1, 865, Martin-Lienhart
elsäss. 1, 691, Seiler
Basler ma. 316, Staub-Tobler 4, 238;
ebenso in volkstümlichen kalendern neuerer zeit oft neben der römischen bezeichnung verwendet, vgl. Weinhold 62.
zur unterscheidung vom december (
s.u. c)
in älterer sprache auch als der erste wintermonat,
vgl. der erste winterman
november (
gloss. v. 1394) Diefenbach
gl. 383
c, erst wintermonat (15.
jh.)
in: Schweiz. arch. f. volkskunde 1, 164, der erste wintermonet
geschichtfreund 6, 176: den ersten wintermonats wendet sich Fridrich zur Lignitz mit ihr wenigen zu haus sein eigen land wider die Polen zu schützen Rätel
Curaei chron. (1607) 332. 1@cc) wintermonat
als name des december tritt erst im 14.
jh. zu tage; zunächst neben wintermonat
für november im elsäss. Kopenhagener kalender, vgl. Weinhold 62;
dann allein im pergamentkalender von 1431,
im Straszburger kalender v. 1513
u. anderen, bleibt aber unhäufig; für december galt wintermonat
namentlich im westen des deutschen sprachgebiets, im Elsasz, am Main (
neben november),
im Westerwald und am Niederrhein, in Flamland, den Niederlanden und Westfriesland; vielleicht in älterer zeit auch schweiz., vgl. Staub-Tobler 4, 238.
vermutlich liegt in dieser anwendung auf den december eine verkürzung aus der gleichzeitig auftretenden bezeichnung der andere (
zweite) wintermonat
vor, vgl. der ander wintermaneid
in: cod. germ. mon. 3384
bei Weinhold 62, der andere winterman (
gloss. v. 1394) Diefenbach
gl. 383
c, ander wintermonat (15.
jh.)
in: Schweiz. archiv f. volkskunde 1, 164,
auch der leczt wintermon
Ehing. spitalb. (15.
jh.)
bei Weinhold 62;
lexikalisch wenig häufig bezeugt, vgl. wyntermaynt
december v.
d. Schueren
Teuthonista 165
b Clignett, wintermaend
december Kilian (1605) 674
b, wintermonat
december Kramer
t.-ital. 2, 1356
b;
noch seltener literarisch: die beste zeit (
ist) die winterische sonnewendung im wintermon Sebiz
feldbau (
Straszburg 1579) 137;
Dillenburger kellereirechnung v. 1455
in: Arnold
miscellaneen (1758) 6;
künstlich eingeführt im jahre 1781
von Boie
für das '
Deutsche Museum'
und Wieland
für den '
Teutschen Merkur'
und von da in andere almanache und kalender übergegangen, vgl. Weinhold 10;
mundartlich ebenfalls selten, vgl. Frischbier preusz. wb. 2, 473,
wohl von westdeutschen siedlern mitgeführt; schriftsprachlich in nl. wintermaand
erhalten. 1@dd)
ganz selten tritt wintermonat
für den october auf; in der Münchener und Wiener handschrift des summarium Heinrici ist auszer januar und november auch der october mit wintermanot
bezeichnet, was vielleicht nur entstellung oder umdeutung von älterem windemmanoth (
s. Blasier handschr.)
ist, doch kann auch übertragung auf den october als monat des winteranfangs (
vgl. sp. 418)
vorliegen; auf dieser lexikographischen tradition ruht wohl das niederalem. glossar v. 1420
mit wyntermande
october, november, december Diefenbach
gl. 393
a;
für october auch vereinzelt bei Luther: so hat Secharja (
Sacharja) ym achten mond, das ist ym wintermond, fast umb die weinernd, nach dem kalender ym weinmond, angefangen diese erste predigt 23, 509
W. 22)
seit dem späten mhd. allgemein für einen monat der winterzeit oder des winterhalbjahrs; die zahl der wintermonate
schwankt je nach der dauer des unter winter verstandenen zeitabschnittes zwischen vier, drei oder sechs monaten: hin sind die winttermon
liederb. d. Hätzlerin 264
Halth.; uf sant Dorothen tag im hindersten wintermanot (
d. h. im februar)
Stretlinger chron. 153
Bächt.; murenen ... (
die) in den wintermonden ... gefangen (
werden) Micraelius
Pommerland (1640) 6, 388; Pelopidas belägerte ... Patana, in welcher Apollo durch die sechs wintermonathe wahrsagen soll Lohenstein
Arminius (1689) 1, 935
b; die arbeit hat die sechs wintermonate gedauert Göthe III 3, 340
W.; dagegen die drei wintermonate der bakchischen religion geweiht waren K. O. Müller
die Dorier (1824) 1, 328; die ritterburg war eben nicht der freundlichste aufenthalt für die langen wintermonde Uhland
schr. 5, 121; das gesellige leben ..., das er schon während der wintermonate geführt hatte Fontane
ges. w. I 6, 408. —