stroh,
n. ,
stramen. ahd. strao, strô,
mhd. strô;
anfr. mnl. mnd. strô,
nl. stroo;
afries. strê;
ags. strēaw,
me. strāu,
ne. straw;
an. strā,
dän. straa,
schwed. str (
zur bedeutung s. u. 1).
germ. grundform *strawa,
n., die von der zur idg. verbalwurzel *ster- (
dazu lat. sternere '
hinbreiten, hinstreuen')
gebildeten erweiterung *streu- (
dazu lat. struere '
aufschichten, aufbauen')
herzuleiten ist, vgl. Walde-Pokorny 2, 638;
über den zusammenhang mit got. straujan
s. o. streuen
sp. 1483.
zu den germ. formen auch got. *strawa (
s. u.),
das auf eine vorstufe *strawō,
f., weist; dem entspricht im genus (
und letztlich auch in der bedeutung, s. u.)
noch frühmhd. strowe,
f., Windb. ps. 16
Gr.; 612;
auch legerstrowe,
f., ebda 282 (
doch neu tr. 180);
mundartlich auch mask., vgl. schweiz. id. 11, 2419.
form. im deutschen ist die lautliche entwicklung des wortes durch abfall und verdrängung des stammauslautenden w
gekennzeichnet, für das seit dem 16.
jh. in der schreibung, bei den flektierten formen z. t. auch in der aussprache ein h
eintritt. schon in den ahd. schreibformen fehlt in- und auslautendes w
fast ganz (
nur bei formen wie gestrǒwe
ahd. gl. 3, 625, 19);
es erscheint vokalisiert in den ältesten quellen als o: strao (8./9.
jh.)
ahd. gl. 1, 64, 41; 65, 41; 243, 21;
in dieser form wird es mit dem stammvokal später kontrahiert zu ô,
dessen länge in manchen hss. bezeichnet ist, z. b. ahd. gl. 1, 613, 61; 3, 112, 4.
das in den flektionsformen zu erwartende inlautende w
ist schon früh durch ausgleich beseitigt nach dem nom. akk.; gen.: strōs
Lipsiussche gl. nr. 656
v. Helten; stroes (
nd., 11.
jh.)
ahd. gl. 2, 564, 7;
dat.: stroe (
neben frauue '
frohe')
Murbacher hymnen 4, 3
S.; stroe (
bair., 11.
jh.)
ahd. gl. 2, 663, 59.
ob inlautendes aw
zu auw, ouw
diphthongiert wurde (Braune
ahd. gr. § 114
a. 3)
ist sehr zweifelhaft; der im auslaut begegnende diphthong: strau, strou (
alem., 9.
jh.)
ahd. gl. 1, 286, 27
sowie bettistrou
ebda 3, 620, 11 (13.
jh.)
könnte aus dem inlaut eingeführtes vokalisiertes w
enthalten. ausgleichsmöglichkeiten und landschaftliche sonderentwicklung haben zu zahlreichen wortformen geführt, die bis ins frühnhd. z. t. nebeneinander bestehen. besonders im alemannischen sprachgebiet wirken die flektierten formen auf den nom. u. akk. ein, wobei bisweilen das w
wieder auslautend antritt, vgl. strou Steinmar
in: schweiz. [] minnesänger 180
B.; strouw Boner
edelstein 16, 32
Pf.; Thurneysser
alchymia (1583) 54; strauw Stumpf
Schweizer chron. (1606) 82
a;
gen.: strouwes Heinrich v.
d. Türlin
crône 245
b Sch.; städtechron. 8, 79 (
Straszburg, 14.
jh.);
dat.: strouwe Boner
a. a. o. 16, 27;
städtechron. 8, 54.
die häufigen schreibungen mit -aw, -ow
sind wohl in den meisten fällen als diphthonge (au, ou)
anzusehen: strow (15.
jh.)
österr. weisth. 4, 358; straw, strow (1515)
Eulenspiegel 136
ndr.; vereinzeltes -b
im auslaut setzt jedoch auch konsonantische lautung voraus: strab (15.
jh.) Diefenbach
nov. gl. 276
b;
vgl.strob-, strabsack (
md., 15.
jh.) Diefenbach
gl. 555
a.
auf nd. und meist auch auf md. sprachgebiet ist die form des nom. akk. (strô)
für das ganze paradigma gültig geworden; gen.: stros (
nd., 15.
jh.) Diefenbach
nov. gl. 79
a; stroesz
bei Luther
br. 10, 612
W. doch begegnen formen mit ô
wie im ahd. (
s. o.)
auch im mhd. u. frühnhd. auf obd. gebiet, z. t. mit erhaltung des w
in flektionsformen; gen.: strôwes Wolfram v. Eschenbach
Willehalm 256, 27
L.; stroes Arigo
decameron 220
lit. ver.; dat.: strôwe Burkart v. Hohenfels 7, 2, 9
bei Kraus
liederd. schriftsprachlich verdrängen die ō-
formen seit ende des 16.
jhs. auch im alem. die diphthongischen schreibungen, vgl.: strauw Frisius
dict. (1556) 1246
a,
dagegen stro Steph.-Frisius (1590) DDDd 4
a;
ebenso: strow Calepinus
VII ling. (1579) 912
b; stro
XI ling. (1598) 1499
a;
doch in mundartlich gefärbter rede noch strau
bei Pestalozzi
s. w. 5, 325
B.-Spr. im 16.
jh. erlangt auch die vereinzelt schon früher auftretende schreibung mit h (stroh
gloss. zu Notker 3, 2, 582
S.-St.; s. auch strohen)
weitere verbreitung: stroh Er. Alberus
fabeln 146
ndr.; Gäbelkover
artzneyb. (1596) 2, 58; Steph.-Frisius (1590) FFff 1
a;
dat.: strohe Frey
gartenges. 85
lit. ver.; im 17.
jh. überwiegt bereits die h-
schreibung, seit dem 18.
jh. ist sie allgemein üblich. im nd. und md. ist in älterer zeit auch das e
als längezeichen gebräuchlich: stroe Tortellius
voc. gemma (
Köln 1495) X 3
b;
gemma gemm. (
Köln 1512) X 1
b; Luther 9, 594
W. (
nachschr.);
formen dieser art sind jedoch nicht immer eindeutig, da an den nom. und akk. auch ein auslautendes e
treten kann, vgl.: strowe (1321)
bei Grimm
weist. 2, 3; Dasypodius (1537) 233
b; strohe
bei Luther
tischr. 6, 217;
w. 54, 493
W. in den heutigen mundarten lebt das wort in mannigfachen lautformen. friesisch: stre Johansen
nordfries. 128; straî Jensen
Wiedingharde 587; stri Siebs
Helgoland 290; stree
südl. v. Aurich (
neben nd. hd. stroh) Stürenburg
ostfries. 268; strie
friesch woordenboek 3, 220 (
hierzu afries. strê Richthofen 1052).
im nd. überwiegt ō
als stammvokal, doch begegnen im westnd. auch diphthongische lautungen: strou Furcht
spr. d. Alten Landes 25; sträo Schmoeckel-Blesken
Soester Börde 291; strüa Leithäuser
Barmen 153; strȳúə Leihener
Cronenberg 118; ströa
Elberf. ma. 158; strau Böger
Schwalenberg 164; štrau Bauer-Collitz
Waldeck 100
a.
die belege aus dem md. sprachgebiet lassen im westen z. t. eine aufhellung des stammvokals, im osten dagegen eine verdunkelung erkennen: ströh Müller-Schlösser
Düsseldorf 256; strüh Hönig
Köln 177
b; strüe Rovenhagen
Aachen 143; štre
i-
lux. ma. 429; sdri Christa
Trier 202; sdrói Hertel
Thür. 238; strû Crecelius
Oberhessen 819; strû- Jecht
Mansfeld 109; stroh, struh Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 578; strū Blumer
nordwestböhm. 88.
im obd. überwiegt diphthongische lautung des stammvokals: straü, stroü, stro
h Martin-Lienhart
elsäss. 2, 621; štr, -, -ə, -ao, -ou Fischer
schwäb. 5, 1870; strau(w), strou(w)
schweiz. id. 11, 2419; stroa Ruckert
Unterfranken 177; strôu, strau, straə Schmeller-Frommann
bayer. 2, 802; štra Bacher
Lusern 397; stroa Lexer
Kärnten 244.
bedeutung und gebrauch. das wort bezeichnet eine gesamtheit von halmen des reifen getreides, '
besonders die halme, welche von dem ausgedroschenen getreide übrig bleiben, und in weiterem verstande auch die übrig bleibenden halme anderer feldfrüchte'
[] Adelung 4 (1780) 832;
s. auch bohnenstroh
teil 2,
sp. 227, erbsenstroh
teil 3,
sp. 740.
die bedeutungsentwicklung von der zugrunde liegenden wurzel *ster- '
ausbreiten' (
s. o.)
zur bloszen materialbezeichnung ist bereits vor beginn der ahd. überlieferung im wesentlichen abgeschlossen. aufschlusz über die vorangehende entwicklung vermittelt das nur im lat. context überlieferte, wahrscheinlich got. *strawa (stravam super tumulum eius [
Attilas] quam appellant ipsi ingenti commessatione concelebrant [
Hunnen und Goten]
bei Jordanes
cap. 49),
nach J. Grimm
kl. schr. 3, 135 '
das auf dem hügel errichtete, aufgestellte gerüste, eine streu, wenn man will, ein bette (
lectisternium)';
ähnlich auch Müllenhoff
progr. d. univ. Kiel (1847) 27
anm., der darunter die gesamte handlung (
totenfeier),
nicht nur den aufgebauten haufen versteht; dazu zuletzt E. Rooth
ann. acad. scient. Fennicae 84 (1954) 37; E. Schwarz
südostforschungen 15 (1956) 98;
vgl.streu c.
auch einige der frühen deutschen zeugnisse lassen noch einen von der heutigen verwendung abweichenden gebrauch erkennen; mit abh. genitiv: stramen spicarum strac (
lies strao
wie die samanunga hat) speltono
ahd. gl. 1, 64, 41
St -S. (8./9.
jh., Pariser hs. d. Abrogans; dagegen kistrauui speltono
i. d. St. Galler hs.);
für lat. foenum '
heu': (
sarmenta mixtim subdita et)
foeni (
struem spargens) stro, stroes
ahd. gl. 2, 564, 7 (
mfrk. nach alem. vorlage, 11.
jh., zu Prudentius);
so auch ags. strēaw
foenum Bosworth-Toller 927.
in frühen belegen bezeichnet stroh
als übersetzung von lat. stratum wohl noch die lagerstatt schlechthin, das bett (
erst später das '
strohlager'
in engerem sinne, vgl. 1 c
α): giu stroe frauue arstames dancha singante inti dine (
iam strato lęti surgimus grates canentes et tuos)
Murbacher hymnen 4, 3
Sievers; so gehugdig uuas thīn ouir strō mīn (
si memor fui tui super stratum meum)
altostnfrk. psalmenfragm. 28
v. Helten (uf legerstrowe minere [
fem.!]
Windb. ps., lagerstat
Trierer ps., bete
Millst. ps. 62, 7);
ähnlich in einer nfrk. glosse: (
si ascendero in lectum)
strati (
mei) strōs
Lipsiussche gl. nr. 656
v. Helten (bette strowe miner [
fem.!]
Windb. ps., strowes mines
Millst. ps., bett meines strosz
erste dt. bibel, ps. 131, 3
); weitere zeugnisse aus dem mhd.: mit zaheren minen strowe mine (fem.!) ih gefuhte Windb. ps. 16 Gr. (stratum meum, daz stro min Millst. ps., min leger Wegeleb. ps., mein stro Mentel, mein bOett Zainer, ps. 6, 7
); hierzu vgl. auch ags. übersetzungen dieser psalmentexte durch das verwandte streowen, strēn, f., 'lager', s. Bosworth-Toller 928
, und die zss. bettistro, -strou lectisternium (d. i. 'bett, bettdecke') (12./13. jh.) ahd. gl. 3, 619, 12; 620, 11. dieser wortgebrauch kann als letzter nachklang einer auch in got. *strawa (s. o.) vertretenen bedeutungsrichtung ('das zum lager aufgeschichtete') aufgefaszt werden. meist ist stroh aber schon im ahd. eindeutige materialbezeichnung. seit dem 9. jh. steht es für lat. 'palea' meist in bibelglossen (ahd. gl. 1, 286, 27; 318, 26; 333, 10; 504, 8; 507, 66; 643, 66; 3, 16, 23; 4, 251, 15), als übersetzung von lat. 'stramen' meist in alphab. und sachglossaren (ahd. gl. 1, 65, 41; 243, 21; 3, 112, 4; 200, 52; 358, 27; 400, 59; 625, 20; 5, 37, 41); seltenere glossierungen: (et turbo quasi) stipulam (auferet eos) stro ahd. gl. 1, 611, 47 (zu Jes. 40, 24); (facti sunt quasi) stipula, (ignis combussit eos) stro, strô ahd. gl. 1, 613, 61 (zu Jes. 47, 14); (horrebat regia) culmo stroe vel scoupe vel halme ahd. gl. 2, 663, 59 (zu Vergil Än. 8, 654); farago stro ahd. gl. 3, 376, 41 (Id). in späteren glossaren übersetzt stroh meist 'stramen' (Diefenbach
gl. 554
c), nur noch selten 'palea' (strab vel vesen ab dem trayd Diefenbach
nov. gl. 276
b). 1
1) im eigentlichen sinne als materialbezeichnung schlechthin. in der regel als kollektivum aufgefaszt (s. auch geströh, geströhde teil 4, 1, 2, sp. 4258), aber in älterer sprache auch in der bedeutung 'strohhalm' (vgl. 3 a α): [] mich hât ein halm gemachet frô:
er giht, ich sül genâde finden.
ich maz daz selbe kleine strô,
als ich hie vor gesach von kinden
Walther v.
d. Vogelweide 66, 7
Kraus; die bes. im mhd. auch beim kollektivum auftretende verbindung mit dem unbestimmten artikel (ein stroh, vgl. Behaghel
syntax 1, 416
; belege s. u. b—c) erschwert in manchen fällen eine scheidung zwischen kollektiv- und einzelbezeichnung, vgl.: ich wart gewar daz im ein strô
ragete uz beiden schuohen dô
des zuctich im her ûz ein teil
Reinhart Fuchs, bihte v. 109
Grimm; swâ die halme ein herren welnt,
unt si ir hoehstez künne zelnt,
sô mac der schoup wol wesen vrô:
erst tiurer denne ein ander strô
Freidank
bescheidenheit 77
Gr.; noch nhd.: tirannen, ... dass euch ein ... raschelnd stroh ... erschrecket Lohenstein
Cleopatra (1680) 66
; aber man sieht auch nirgend ein untergeackert stroh Göthe III
1, 318 W. rechtssprachlich als halmsymbol (vadium) bei der verzichtserklärung und lehnsübertragung (vgl.strohhalm
u. mnl. stro Verwijs-Verdam 7, 2329/30
): mit stro man guot uf git;
ez sì ho ader nider,
mit stro liht man ez in wider
König v. Odenwald 5, 152
Schröder. die im hd. nur in resten nachweisbare bedeutung '(stroh-) halm' ist in den verwandten germ. sprachen (nl., engl., dän.) noch durchaus lebendig, im schwed. sogar vorherrschend (demgegenüber schwed. halm 'stroh', vgl. auch schwed. halmstr 'strohhalm'). 1@a
a) bedeutungsabgrenzung. 1@a@a
α) in gegenüberstellung oder verbindung mit ähnlichen bezeichnungen wie holz, gras, heu usw.: die-dir zímberont uber fundiment holzir hóuue stroh die neuuerdint ferlórin (qvi edificant svper fvndamentvm ligna, fęnvm, stipvlam, non perevnt) glossierung zu Notker 3, 2, 582
S.-St.; und do er (Husz) kam zuo dem usser veld und er ersach das für, holtz und strov, do viel er drymaul uff sin knie Ulrich v. Richental
chron. d. Constanzer conzils 81
lit. ver.; so wissen wir wol, das du nichts bedarft zeren, dann umb hau und stro, nagel und eysen, sunder man gibt dir sunst (umsonst) kost und futer (1469) bei Steinhausen
privatbr. d. mittelalters 1, 89
; tuben mist ..., mach den rein, daz kein holtz oder stro oder grund oder federen dorinn ligen Gersdorff
wundarzney (1517) 34
a; (es soll) auch sonst keiner ... den wirten vberdrang anthun mit öl, saltz, heuw, stro, liecht Fronsperger
kriegsb. 1 (1578) 31
b; das man gewarsam mit dem feur umbgehe, hei, stro, schaiter und dergleichen so weit es müglich von den feurstöten hindan löge (17. jh.) österr. weisth. 2, 30; im mistbeet kann er schon salat und zwiebeln säen;
doch deckt er es mit stroh und schilf noch fleissig zu
Brockes
ird. vergnügen (1721) 2, 471;
der boden war mit binsen und stroh bestreut Hauff
s. w. (1890) 1, 167
. in der verbindung heu und stroh (seltener stroh und heu) sich formelhaftem gebrauch nähernd: ach heu und stroh ist viel zu schlecht
Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
kirchenl. 3, 332;
das kind, das dort in heu und stroh verstecket lieget
Canitz
ged. (1727) 20;
ein wiederkauend rind, ein pferd bey stroh und heu
sind klüger als der mensch?
Neukirch
ged. (1744) 168.
redensartlich: er ... eilte (wie er schreibt) über stroh und heu nach hause Liscow
slg. sat. u. ernsth. schr. (1739) 394
. 1@a@b
β) stroh in gegenüberstellung zu ähre, korn u. dgl., sowohl von gedroschenem als von nicht gedroschenem getreide: [] Cain was ein achirman, ein garbe er nam,
die wolde er opheren do mit agenen und in dem stro
genesis 24, 11
Diemer; uf stro wehset weizze
da werden wizze semeln
...
uf stro wahsen rispen
König v. Odenwald 5, 34
Schr.; daz strǒ ist umbe kornes willen und nit me Tauler
pred. 20
Vetter; wie reimen sich stro vnd weitzen zusamen (paleis ad triticum) Luther
Jer. 23, 28
; dasz ... die leute weder des korns noch des strohes geniessen konten Binhardus
thür. chron. (1613) 163
; wenn man reinen weitzen auszsäet, so bekömt man denselben mit kaff, rahte, auch wohl brand und stroh wieder Butschky
Pathmos (1677) 10
; zu dem ende liesz er einen sack weizen holen, der allererst aus dem stroh war ausgedröschet worden Bodmer
abh. v. d. wunderbaren (1740) 268
; der roggen ist schon zu hause, drei fuder, die körner etwas klein, das stroh sehr lang (1846) A. v. Droste-Hülshoff
br. 2, 506
Schulte-K. stroh von hülsenfrüchten; 'erbsstroh': wen wir dem widerstehen vnd die arbisz aus der schut getroschen haben verbo, fide, oratione, so wollen wir mit der hulse vnd stro wol handeln bei Luther
tischr. 3, 634
W. 'bohnenstroh': nim rote bonen mit dem stroh, brenns zu puluer Gäbelkover
artzneyb. (1596) 1, 344
. stroh als gereiftes und getrocknetes material im gegensatz zu nicht getrockneten, grünen halmen und gräsern: was heut kräuter vnd grasz ist, das kan morgen heu vnd stro sein Albertinus
zeitkürtzer (1603) 10
b. in ähnlichem zusammenhang, doch gleichzeitig mit dem nebensinn 'strohlager': von grase wirdet halm ze strô
er machet manic herze frô
Walther v.
d. Vogelweide 17, 35
Kraus. 1@b
b) von den ältesten quellen bis in neuere zeit ohne merkliche bedeutungsveränderung (ältere gebrauchsweisen s. o.); meist in zusammenhängen, die den mannigfaltigen und wechselnden verwendungen der sache entsprechen: sie parch sie (
sc. hûsgote) under daz strô
unde saz dâr ubere uile unurô
altdt. (
Wiener)
genesis 2921
Dollm.; dâ sint diu müeden ors vil vrô
der wirfet undrs ein trucken strô
Wolfram v. Eschenbach
Willehalm 393, 12
L.; wan sich hete vil snelle
des dürren strouwes welle
ûz einander gelâzen
Heinrich v.
d. Türlin
diu crône 245
b Sch. ob man einen torheit lerte, daz er ...
... stro alsam ein rint fvr semeln ezze
jüng. Titurel 208
Hahn; vom stro kummet auch der mist
man tünget ecker, garten
König v. Odenwald 5, 24
Schr.; mit stro man stuben hitzet,
man lit druf unde sitzet
ebda 5, 21;
mit stro lühtet man nahtes hein
daz ieman stoze sine bein
ebda 5, 87;
ein mensche was von disem fúre also grOeslichen enbrant inwendig und och uswendig, das er niergent engetorste zu keime strǒwe komen Tauler
pred. 227
Vetter; sie stroweten pulver vnd stro jn die graben Stolle
thür. chron. 81
lit. ver.; die ersten XV. tage sol man die jungen lassen gan in vil loser erden oder strauwe, daz sie ire schnebel nit verwuosten Petrus de Crescentiis, de agricolatione (1500) 175a; wen du die vOegel wilt betriegen,
das sy dir zuo dem garn ynfliegen,
so muostu es mit stro verdecken
Murner
narrenbeschwörung 54
ndr.; nun hatt er nach der hirten art
eyn pfeiff genommen zuo der fart,
die war gemacht von weychem stro
Wickram
w. 7, 51
Bolte; [] es wird stroh vmb die bAeume gebunden, dass die frucht bewahret werde Nigrinus
von zäuberern (1592) 98
; endlich wird es schöne klingen,
wenn die kinderfrau wird singen:
Proye Nine sause was raschelt im stroh
Henrici
ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 2, 417;
haben statt strümpfe stroh in den stiefeln J. G. Forster
s. schr. (1843) 7, 306
; nur kurze zeit werden das zertretene stroh und die eingegrabenen kochlöcher noch eine spur (des lagers) zeigen Göthe I
22, 3 W.; sie hörten nur noch schritte und ein knistern im stroh Fontane
ges. w. (1905) I 1, 303
; das stroh stach und kratzte Feuchtwanger
geschw. Oppermann (1948) 318
. 1@c
c) besondere verwendungen der sache, die sich auch sprachlich ausprägen und zu kompositionsbildungen geführt haben. 1@c@a
α) stroh als lagerstätte, vornehmlich als das gewohnte, zubereitete ruhelager (vgl.strohlager); oft mit dem nebensinn 'ärmliches lager': ûf eime strowe was ir baz,
dâ sî bî im lac ode saz,
dan mit al der rîcheit,
diu ûf keisers bette was geleit
Otte
Eraclius 4163
Maszm.; daz strou daz muost er rûmen
unt von der lieben varn
Steinmar
in: schweiz. minnesänger 180
Bartsch; diz fuir machet ouch hart di fore alse wech waren daz in nicht gnugite an senften betten: den gnugit sider wol an deme stro Thomas v. Apolda in:
paradisus animae intell. 21
Str.; sy ... lag nun auff einem stro vnd het wúlline tcher dar auff summerteil d. heyligen leben (1472) L 81a; vnd so im glauben sanfft vnd fro,
auff meinem bettlein oder stroh,
aus diesem elend fahre
Ringwaldt
handbüchl. (1586) D 3
b;
... ihn wirfft die sanffte nacht
auf ein geringes stroh, bis Titan ist erwacht
Gryphius
trauersp. 72
lit. ver.; die betten sind zu gut, und stroh ist gar zu schlecht
J. E. Schlegel
w. (1761) 3, 529;
übrigens hat sie unendlich viel erlebt, ... ihr erstes kind in einer elenden hütte auf stroh geboren (1842) A. v. Droste-Hülshoff
br. 2, 34
Schulte-K.; die staatsraison ... sagt: es findet schon eine ausgleichung statt. ja, sie findet statt, auf dem siechbette, dem stroh der armuth, der todtenbahre Gutzkow
ges. w. (1872) 7, 273
. das behelfsmäszig zugerichtete lager, das als lager dienende stroh: zugedeckt mit längst durchgebluteten kotzen lagen (in den lazarettzügen) die leute auf stroh oder den harten tragbahren Stefan Zweig
welt v. gestern (1947) 286
; der schaffner holte sie jovial zurück; ob sie denn auf stroh übernachten wollten H. Mann
d. untertan (1949) 87
; s. auch 3 f. 1@c@b
β) stroh für die lagerstätte, das material für das ruhebett (vgl.strohsack
, strohmatratze
usw.): da warff sie (die jungfrau) im (Gawan) wisze cleider und schlafflachen und ein schön kolter und stro gnug Lancelot 1, 568 Kluge; das auch das stro im bette nicht bleiben kan, solch rauben ist vnter den Walen bei Luther
tischr. 5, 509
W.; darinn (in den scheuern) finden sie strows gnug zu betten Endinger judenspiel 92 ndr.; ein sack mit stroh gestopfft, war das bett vnd die bettstatt zusammen Moscherosch
gesichte (1650) 2, 62
; seine madrazzen sind alle mit stroh gestopfft Ollapatrida 77 Wiener ndr.; er ... zeigte mir, wie die bettbezüge nur mit stroh angefüllt waren Bettine
dies buch (1843) 2, 572
; alle woche aber holte er vom schlosse sich frisches stroh zur lagerstatt Immermann
w. 1, 78
Hempel. 1@c@g
γ) stroh als baustoff, oft mit anderen baumaterialien zusammen genannt (vgl.strohlehm): in armen httleyn, mit stro vnnd reyser gemacht bei O. Clemen
reform. flugschr. 1, 155
; [] allda vor jaren stund veracht,
ein dorff ausz holtz vnd stroh gemacht
Spreng
Äneis (1610) 12
a;
wo leim und stroh vor stand, gläntzt nunmehr marmelstein
Lohenstein
Arminius (1689) 2, 953
b;
wer näher kam, sah deutlich ... hütten aufgerichtet, zierliche von stroh und rohere von kiefergebüsch Alexis
hosen (1846) 1, 4
. 1@c@d
δ) stroh als material zur bedachung (vgl.strohdach
, strohgedeckt): daz (
hûs) was nider unt niht hô
gedaht mit schoube unt mit strô
Otte
Eraclius 2062
Maszm.; es seind andere die decken mit strou, das ist ein bösz thach, es verbrennet bald Keisersberg
brösamlin (1517) 2, 22
b; tecken den thurn mit lauter stro Zimmer. chron. 23, 102 Barack; musz lyden wie strow vff dem dach
das duldet alles wetters vngmach
Aal
tragödia Johannis d. Täufers 3035
ndr.; da kunst und kostbarkeit und himmelhohe mauren
nicht länger, als ein dach von stroh und stoppeln, dauren
bei Weichmann
poesie d. Niedersachsen (1721) 3, 267;
sämtliche kinder des dorfes geleiteten ihn ... nach der niederen, mit stroh gedeckten hütte W. Raabe
s. w. I 3, 45
. 1@c@e
ε) stroh als material zur herstellung von flechtwerk verschiedener art (vgl.strohhut
, strohkranz
, strohteller
usw.); fiscella korb von stro (15. jh.) Diefenbach
gl. 236
b; cesticillus ein hauptring von tuoch, strouw oder anderen dingen gemacht, darauff man etwas tregt Frisius
dict. (1556) 215
b; mirst von strôwe ein schapel und mîn frîer muot
lieber danne ein rosenkranz, so ich bin behuot
Burkart v. Hohenfels 7, 2, 9
bei Kraus
liederd. 39;
borten clar von siden
die wölt ich lieber miden,
denne die vom stro
König v. Odenwald 5, 7
Schr.; von stro badehüte
geben guot gemüte
ebda 5, 59;
ich flechte hier von stroh die allerschönsten hüte
Gottsched
dt. schaubühne (1741) 3, 370;
man sitzt da auf stühlen von stroh Zimmermann
einsamkeit (1784) 4, 87
; er flocht mit geschick seine körbe und spielereien aus stroh W. Raabe
s. w. I 6, 68
. 1@c@z
ζ) stroh als zeichen (vgl. strohwisch, strohzeichen): mit stro kan man zeichen
saten, die man sauwet
König v. Odenwald 5, 76
Schr.; auf dasz nun auch gesamte nachbarschaft wisse, weliches felt zu haien sei, sollen die dorfmaister alldorten aus stro ein zaichen ausstöcken (1609) österr. weisth. 2, 69. als zeichen, das die verkaufbarkeit eines gegenstandes anzeigen soll: wie nun der bawr auff die Hallerwysen kam, sahe er den dieb in seinem kittel sitzen, unnd hette der dieb ein wenig stro daran gebunden, dann er feyl ware (1559) Schumann
nachtbüchl. 232
Bolte. 1@c@h
η) stroh als packmaterial (vgl. 2): in daz stro machet man
bükinge, der ez kan
König v. Odenwald 5, 99
Schr.; item 2 tOeppe rosynen, d haben gwegen 12 steyn thornisscher gwicht myt dem stro handelsrechn. d. dt. ordens 126 Sattler; (der auflader) verrichtung besteht ... darin ... die waren ... mit stroh oder ander materi einzumachen Abr. a
s. Clara
etw. f. alle (1699) 2, 50
; für das einpacken bitte gleichfalls wohl zu sorgen und wäre die kiste mit stroh auszen zum emballiren Göthe IV
39, 268 W.; händigte dem boten die geschmackvoll in stroh gebundene packung ein Kluge
Kortüm (1938) 657
. 1@d
d) stroh als materialbezeichnung in verbindung mit mengenbezeichnungen u. dgl.; in älterer sprache noch im genitiv: eine bürde strouwes (14. jh., Straszb.) städtechron. [] 8, 79; huffen strosz oder gestrosz tritura, voc. inc. teut. (um 1495) k 4a; i fuder hawesz, iii schock stroesz bei Luther
br. 10, 612
W. in präpositionaler verbindung: garben von stro Fischart
Garg. 199
ndr. meist jedoch im nominativ: ain fueder stro (1515) österr. weisth. 5, 14; ein bürden stroh J. Grimm
weist. 1, 759
; ein büschel stro Hans Sachs 17, 426
lit. ver.; ein grosse garben (akk.) stro ebda 1, 63; auff einem bündel stro volksb. v. doctor Faust 85 Petsch; 10 bund stroh Riese
rechenb. (1581) 28
b; ein schütte stro J. Mathesius
Sarepta (1571) 29
b; in einem schaub stroh Abr. a
s. Clara
w. 2, 159
Strigl; eine lage stroh Kramer
t.-ital. (1678) 1026
a. 2
2) als mengenbezeichnung, meist von der verwendung des strohs als packmaterial bzw. -gefäsz ausgehend (a, b). 2@a
a) ein stroh bück(l)ing(s) 'eine bestimmte menge in einem strohgefäsz verpackter bücklinge' (vgl. strohbückling): ein strô bückings (um 1390) bei Lexer 2, 1246
; ein strôe bucking ist tausent (um 1490) ebda; wer ein stro bückinges kofft oder verkofft (1401) bei Eheberg
Straszburg 1, 8
; es sal auch kein portener ... platisen oder ein stro bucking ... usz der stat furen haiszen (1425) Frankf. amtsurk. (1915) 202; (sie) sollen von einer thon herings zu besichtigen zwen hering nemen, ... vonn einem stro bugkingk zwen bugkingk stadtr. v. Eisenbach 267 v. Str.-Devr.; bückinge ... 15 stroh 28 paar, 500 paar in ein stroh gerechnet Dilich
kriegsb. (1607) 218
; ein stroh englische bücklinge (1711) bei Mensing
schlesw.-holst. 897
; zwanzig englische stroh oder 10 000 stücke werden für eine last gerechnet Krünitz
öcon. encycl. 176 (1841) 53
; s. auch 1 c η und vgl. Schiller-Lübben 4, 439
. 2@b
b) entsprechend ein stroh wachs(es): do schindeden se de waghen unde nemen dar uppe 4 stro wasses (14. jh., Braunschweig) städtechron. 6, 50; ein strowe wachs (um 1450) Frankf. amtsurk. (1915) 251; item vom gantczen stro wachs (soll man nehmen) eine geringe margk, item von einem halben stro wachs eine halbe geringe margk (1469) acten d. ständetage Preuszens 5, 253; stroe behältnisz für rohes wachs (14. u. 15. jh., Danzig) Frischbier
pr. 2, 382
; vgl. auch engl. strawe of wax (1540) bei Murray 9, 1, 1092
a. 2@c
c) für eine bestimmte menge stroh; 'zum andern werden 5 oder 6 vorgeschlagene garben eine neben die ander aufgebreitet und zu beiden seiten abgedroschen, und das heist ein stroh abtreschen' schles. wirthschafftbuch (1712) 18; ein stroh garben fünf bis sechs garben, vermuthlich so fern ihrer so viel mit einem strohseile zusammen gebunden und zum vorschlagen auf die tenne getragen werden Adelung 4
(1780) 832: werden allenthalben eyn lehr stroe gedroschen (1523) bei Diefenbach-Wülcker 868
(redensartl. wie 3 a δ). mundartlich: struo lage auf einmal zu treschender garben Knothe
Markersdorfer mundart 113
; Lenz
Handschuhsh. 69
b. mit zahlbestimmung, im sinne von 'strohbund': ein halbhundert stro qu. v. 1468 schweiz. id. 11, 2430; hier auch in pluralformen: 400 ströer in den renthoff geliffert (16./17. jh.) bei Vilmar
Kurhessen 404
; stroeher 'gilt im Hanauischen noch heute' Vilmar-Pfister
Hessen 290
; strîer Crecelius
Oberhessen 819
. ohne pluralendung: das du aber lere stro tröschist Murner
dt. schr. 8, 25
Pf.-B. (redensartl. wie 3 a δ). vgl. auch strohlein. 3
3) in übertragenem und bildlichem gebrauch, in vergleichen, redensarten und sprichwörtern, vgl. hierzu Wander
sprichw. 4, 913
; meist in anlehnung an bestimmte vorstellungsbereiche, die dem wort einen wertakzent oder auch einen gewissen gefühlswert verleihen können. 3@a
a) am häufigsten verbindet sich mit stroh die vorstellung des nichtigen, eitlen, leeren, wertlosen in mannigfachen schattierungen. 3@a@a
α) bes. im mhd. in der wendung niht ein stro 'nicht das geringste', hier noch an die bedeutung 'strohhalm' (s. 1 oben) anknüpfend: [] wan ern gæbe drumbe niht ein strô
Hartmann v. Aue
Iwein 1440
B.-L.; 7257;
und vürhte iuch alle niht ein stro
Gottfried v. Straszburg
Tristan 8869
R.; umb trauren gäb ich nicht ain stro,
wil si mir wol, so fürcht ich niemands dro
Oswald v. Wolkenstein 65, 71
Sch.; dat halp one nicht eyn stro (1514, Braunschweig) städtechron. 16, 309. in ähnlichen wendungen: Georgius der gute
des trostes wart so rechte vro,
daz er minner dan ein stro
uf sinen lib do achte
passional 260, 82
Köpke; alsô waren sie alle unvrô:
er aht es niht umb ein strô,
want im was wol ze muote
gesammtabenteuer 3, 228
v. d. Hagen. mit konkreterem vorstellungsgehalt: in spotez wys si sprach also
ez frOet mich alz am herloschen stro
in: liedersaal 3, 182, 295
Laszb.; on yn (gott) vermögen wir nit ein halm strow vffheben von der erden Eberlin v. Günzburg
s. schr. 1, 144
ndr. in der wendung (zu) stroh werden 'zunichte werden': wir fürhten niht der heiden drô,
ir hôhgewalt ist worden strô
Ulrich v.
d. Türlin
Willehalm 187, 31
Singer; ... und was träumst du so?
du siehst es ja: dein hoffen wird zu stroh
Hoffmannswaldau
u. a. Deutschen ged. (1697) 4, 338.
3@a@b
β) ausgehend von der relativen wertlosigkeit des strohs, vgl. auch: weil dann kaum einmal das wörtl stroh in göttlicher schrifft anzutreffen, darff ich schier muthmassen, dasz selbiges sehr für verächtlich gehalten seye Abr. a
s. Clara
mercks Wien (1680) 76
: dar umb bedenk sich yederman
waz ym daz beste si getan,
und pfleg rechter liebe also
daz er sich geliche nit dem stro,
daz uff der erden sich verlit
mhd. minnereden I 5, 288
Matthaei; darumb haben sie den glauben verworffen als hew unnd stro Luther 10, 3, 398
W.; also thond auch all Cains brder, so sie sich solten Christus ryemen, so suchen sie jre werck, die vor gott nichts seind dann stro, wie Cains opffer Eberlin v. Günzburg
s. schr. 3, 124
ndr. sinnbildlich für die fruchtlosigkeit: mit stroh gehet jr schwanger, stoppeln geberet jr Luther
Jes. 33, 11
. so auch im vergleich: nit weniger ziehet gott der herr an sich den sünder, welcher dem vnfruchtbaren stroh gantz gleich Abr. a
s. Clara
Judas (1686) 1, 11
. im geistigen bereich für 'gehaltlosigkeit, unechtheit': ist aber etwa stoppeln oder stroh in der predigt, so saugt er (der gottlose) daraus die eitelkeit J. Böhme
s. w. 1, 121
Schiebler; auch im geistigen soll uns das ungenieszbare anekeln; nicht sollen wir stroh kauen und wieder kauen, es aus gefälligkeit mitspeisen und lobpreisen Herder 22, 34
S. in gegenüberstellung zum wertvollen gold, silber u. dgl.: etlich bawen stro, etlich holtz, ettlich hew auff dissenn grund, etlich aber golt, silber und eddel gesteyne Luther 8, 387
W.; ob aber denselben guten treüwen lerern unnd forschern der schrifft zuweilen auch mit underfiel hew, strow, holtz und nit eittel silber, gold und edel gsteyn bawten ebda 54, 3; golt wird darumb nicht stro, obs ein dieb stelet und misbraucht ebda 26, 161 W.; ungewöhnlich: zusammengehalten mit einem klassiker oder sonst grossen schriftsteller ists stroh gegen marzipan J. v. Müller
s. w. (1810) 6, 436
. als sinnbild der armut: furcht schwebt sowohl um stroh und leinwand, als scarlat
Gryphius
trauersp. 35
Palm. ähnlich in der redensart: einen palast mit stroh decken coprire un palazzo di paglia, met. far' un attione sproportionata, sconcia; cominciar colle magnificenze, e finire con sordidezze e miserie Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1014
c. [] mit der wertlosigkeit kann sich die vorstellung des wirren, ungeordneten verbinden: unsere modischen kunstrichter, die selten durch das stroh der fehler hindurch sehen Gerstenberg
schlesw. lit.-br. 89
lit.-denkm.; wegen einer Münchner papierhandschrift könnte ich den Dr. M. angehen, aber wenn man etwas verlangt, erhält man einen ganzen kehrhaufen von notizengerümpel, stroh, spinneweben, reisig und alte lumpen, in einander gefetzt und geknüllt (1827) W. Grimm in:
briefw. 2, 830
Leitzmann. doch im unterschied zu spreu vereinzelt auch das wertvolle, echte bezeichnend: wenn ein geschickter und impassionirter componist sich über die composition machte, die spreu von dem stroh trennte Heinichen
generalbass (1728) 89
. 3@a@g
γ) redensartlich mit attributen, die die wertlosigkeit des strohs bezeichnen, leer(es), eitel, ledig stroh: szo ... die armen menschen noch hungerich sind, ja eyttel sprew und stro fur das wortt gotts gehört haben Luther 8, 523
W.; wenn ... er sein korn einbracht und im bapstumb nichts mehr denn sprew und ledig stroh wird finden ebda 51, 40; gleich wie hingegen vom schOenen Absolonischen leib seines erstgedachten jngers Alcibiadis gesagt ward, dasz welcher in dasselb samatkszlin hett ein plick thun mOegen, eitel lAer stro ... befunden hette Fischart
Garg. 20
ndr. leeres stroh, vereinzelt mit bildlichkonkretem vorstellungsinhalt: ein halm, der früchte trägt, muss insgemein sich neigen;
da weit das leere stroh in feldern überragt
Besser
schr. 1, 315
König; die musen haben ihn mit leerem stroh gespeiset, drum ist seine gelehrsamkeit so mager blieben Chr. Weise
polit. redner (1677) 69
. meist aber abgeblaszt in der anwendung auf ergebnisse geistiger tätigkeit: ein einziges werk wie Ovids metamorphosen ... wär hinreichend, dem neuen bardiete feste mythologie zu geben: aber welcher schöpferische geist wird sich dieser arbeit unterziehen, wenn unsere kunstrichter das publikum schon im voraus mit dem gedanken anstecken, dass es leeres stroh sey? Kretschmann
s. w. (1784) 1, 30
; doch ist das alberne zeug von der Hahn-Hahn und das leere stroh von Zschokke — keine gute lectüre Ruge
briefw. u. tageb. (1886) 2, 122
Nerrlich; des Aristoteles logika sei eitel leeres stroh Scheffel
ges. w. (1907) 2, 156
; von bestimmten ideen: die menschen achtet sie ... nicht — es sind bestien ... an ideen glaubt sie nicht — freiheit, vaterland das hat keine natur und ist leeres stroh Th. Mann
Lotte in Weimar (1946) 107
. 3@a@d
δ) häufig in der wendung ledig, leer(es) stroh dreschen 'etwas fruchtloses, sinnloses, vergebliches tun'; 'vergebliche arbeit thun ..., davon man keinen gewinn hat' Zedler
univ.-lex. 40 (1744) 1015
. sprichwörtlich noch mit konkretem vorstellungsgehalt: ledig stro dreschen, dem wind das wehen verbieten, einer vnkeuschen frawen hten ... ist alles verlohren arbeit Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) 2, Z 2
b; es ist nur mühe, das ledig stro dreschen Henisch (1616) 750
. übertragen: ich meyn dich, unvernunfft:
du hast dick manch ler stro gedroschenn
mhd. minnereden II
nr. 13, 385
Thiele; mein liecht ist schier erloschen
vnd waisz nit, wǎ ich gee,
lärs stro hab ich getroschen
das tuot meinem hertzen wee
liederbuch d. Hätzlerin 49
a Haltaus; geet es alsoich trisch ler stro
musz offt vergebens faren
Forster
fr. teutsche liedlein 37
ndr.; die da wOellen goldt und silber machen, das ist nicht gerecht ... darumb dreschen sie leer stroh Paracelsus
opera 2, 377
Huser; wer ohne der lieb wircket, der drischet nur lär stro Albertinus
zeitkürtzer (1603) 36
b; will ich (
das glück) mich nicht mit dir verbinden,
so drischt dein wissen lehres stroh
J. C. Günther
ged. (1735) 220;
[] auch verkürzt stroh dreschen: die liebe giebt mir alles und wo die nicht ist, dresch ich stroh Göthe IV
3, 89 W. in neuerer zeit meist im sinne 'unnützes, unsinniges zeug schwätzen': so gerathen sie unvermerkt in lauter spitzfindigkeiten und dreschen ewig stroh J. G. Forster
s. schr. (1843) 7, 157
; übrigens wird noch in 99 hunderttheilen der verhandlung ... leeres stroh gedroschen (1847) Bismarck
br. an s. braut u. gattin 101
H. v. Bism.; asz und fuhr in die sitzung, stroh gedroschen bis nach 5 uhr (1890) G. Freytag
br. an s. gattin (1912) 566
. in ähnlichen wendungen, z. t. mit konkreterem vorstellungsgehalt: soll ... das ampt mit nutz verwaltet werden, so gehören je qualiteten darzu, die man nicht ausz ledigem stroh dreschen, noch von den bäumen schütteln kan Walther
erl. d. proph. Daniel 1 (1645) 835
; an gott ist es gelegen, solt ihr recht werden froh,
dann ohne seinen segen, all hAende dreschen stroh
bei Morhof
unterr. v. d. dt. spr. (1682) 1, 386;
was heisst das für ein leben führen,
sich und die jungens ennuyiren?
lasz du das dem herrn nachbar wanst!
was willst du dich das stroh zu dreschen plagen?
Göthe I 14, 87
W. (
Faust I);
aber stroh ist das einzige, was man drischt, und mit dem korn stehts dürftig br. von u. an Herwegh (1896) 43. 3@b
b) vorwiegend in älterer sprache mit der vorstellung geringer widerstandsfähigkeit, geringer haltbarkeit verbunden: man sach die ringe rîsen
sam sî wæren von strô
Hartmann v. Aue
Iwein 5381
B.-L.; 6729;
die schilde von den handen vlugen
rehte alsam ein dürrez strô
Dietrichs flucht 9483
Martin; si riten sie dâ nidere
reht alsam ein strô
Rabenschlacht 598
M.; das sper im durch das hirn wüt
und durch den helm als durch ain stro
Heinrich v. Neustadt
Apollonius 6341
Singer; er achtet eisen wie stro (quasi paleas) vnd ertz wie faul holtz Luther
Hiob 41, 18
; den der herr Christus hat sie (die kirche) nicht auff stro noch auff peltzermmel gebauet, sondern auff einen festen grund ders. 47, 288 W.; der die scepter knickt wie ruthen,
und wie stroh das schwert der degen
Fr. W. Weber
Dreizehnlinden (1907) 227.
in vergleichen auch von der leichtigkeit des im winde fortgewehten strohs ausgehend: der sturm der letzten zeit wird sie (
die feinde) wie stroh verwehn
Stoppe
Parnasz (1735) 140;
schieszen kann ich, dasz die spatzen
fliegen fort wie spreu und stroh
Hoffmann v. Fallersleben
ges. schr. (1890) 2, 141.
3@c
c) vereinzelt geben auch trockenheit und saftlosigkeit des strohs zu vergleichen anlasz: sy blieent ein teil oder sind ein teil als dirr, als ain strou (1478) bei Steinhausen
privatbr. d. mittelalters 1 (1899) 193
; wie galle schmecket mir mein trank,
wie dürres stroh das fetste futter
Pfeffel
poet. vers. (1802) 5, 165;
dasz ihre (der wollust) freuden bald welken und gelb wie stroh werden Schopenhauer
w. 1, 317
Gr.; unter den aufgestellten maschinen arbeitete eine zuckerrohrpresse. das rohr kam trocken wie stroh heraus Moltke
schr. u. denkw. (1892) 6, 256
; s. auch strohtrocken. 3@d
d) in der wendung von stroh sein meist auf den menschen übertragen (s. auch strohmann); dabei treten je nach der situation die unter a—c behandelten vorstellungen hervor. 'ohne saft und kraft': er müste denn ein tummer teuffel,
ein kerl von stroh und holtze seyn
Henrici
ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 1, 371;
[] ... lasz lieber, statt zu klagen,
mir deine augen sehn — scheust du sie aufzuschlagen,
weil sie zu feurig sind? ich bin ja nicht von stroh!
Thümmel
reise (1791) 10, 118;
sie lügt! ein mann von stroh wär ich! da seht ihr mich,
ihr herren, hat er denn so waden stehn wie ich
Göthe I 9, 478
W. mehr im sinne von a β ('ärmlich'): wie lebten doch die heiden
so herrlich und so froh!
das war ein volk von seiden,
wir sind ein volk von stroh
Herwegh
ged. e. lebendigen (1843) 2, 68.
seltener von sachen für häufigeres 'nicht von pappe' (vulg.): die Johanniskirche kenne ich wohl und habe mich noch vor neun jahren ... über diese königliche rokokopracht gefreut, die allerdings nicht von stroh ist (1884) G. Keller
br. u. tageb. 3, 468
Ermat. diesem vorstellungskreis steht auch die wendung stroh im kopf nahe, hier mehr im sinne 'leeres, wirres zeug im kopf' (vgl.strohkopf
, strohdumm): vnd wann schon sein hausz mit stroh bedeckt war, so befande sich doch kein stroh in seinem hirn, sondern sein reiffer verstand Abr. a
s. Clara
Judas (1686) 1, 109
; ähnlich: das stroh bring ich auf der welt nicht mehr aus'n kopf Nestroy
ges. w. (1890) 3, 114
; hat man in dem kopf kein stroh,
kann man vieles sehen
Hoffmann v. Fallersleben
ges. schr. (1890) 7, 21.
3@e
e) besonders in redensarten und sprichwörtern an die leichte brennbarkeit des strohs anknüpfend: swâ viur ist bî dem strô,
daz brinnet lîhte, kumt ez sô
Freidank
bescheidenheit 121
Gr.; swaz sich ze ferre trôstet siner künste
und strô zu fiuwer mischet.
von kleinen funken sicht man grôze brünste
(
um 1335) Hadamar v. Laber
jagd 439
lit. ver.; vnd wie sich offt ein fewr empfengt
von einem funcken, das wie stroh
ein gantze stadt brennt liechter loh
Alberus
fabeln 146
ndr.; darauff des papsts legat strauw ins fewr warff vnd den alten keyser verbannet und verfluchet Stumpf
Schweizerchron. (1606) 82
a; wer sich zwischen stro vnd fewer leget, der brennet sich gern Lehmann
floril. polit. (1662) 3, 474
; ich schreibe dir kalt, weil ich kein feuer zum stroh legen will Lavater
verm. schr. (1774) 2, 140
; glücklich, glücklich, das stroh der republik ist in flammen. das feuer hat schon häuser und thürme gefaszt Schiller 3, 56
G.; mir ein wackerer mann ist der schultheisz, aber pressieren
tut ihm nichts, und wenn ihm das stroh im eigenen bett brennt
Mörike
ges. schr. 1, 259
G. anders gewendet: solche, die das was vor 20 ... jahren über diese materien schon gestritten, ... nicht gelesen haben, und sich wunder einbilden, was sie der welt für ein licht anzünden, wenn sie ihr nasses stroh vorwerfen, welches weder licht noch flammen fasset anmuth. gelehrsamk. 4 (1754) 478 Gottsched; will keiner trinken? keiner lachen?
ich will euch lehren gesichter machen!
ihr seid ja heute wie nasses stroh
und brennt sonst immer lichterloh
Göthe I 14, 98
W. (
Faust I);
von der entzündenden wirkung der liebe: wan so sie (männer u. weiber) zusamen kumen, ist es nichtz anders, dan wie straw vnd feüer Gebweiler
beschirmung d. lobs Marie (1523) 32
b; von einem jungen gesellen nimmt michs nicht wunder, denn wo feuer und stroh bey einander liegt, da ists gar bald entbrannt Luther
tischr. 5, 118
W.; Phebus als er die schOen erblickt
sein hertz sich inn seim leib erquickt.
er brann inn grosser fewresglut,
gleich so man strow zu gluten thut
Wickram
w. 7, 38
Bolte; [] stroh entbrennet bey dem feuer;
fürwitz macht die jungfern theuer
Kern
sprichw. (1718) 48.
scherzhaft mit stroh löschen: da hieng der weg uber die weiden, da brandt der bach unnd löschten die bauwren mit stro volksbuch vom Finkenritter (um 1560) A 4a Zwick. facs.; Fischart
binenkorb (1588) 200
b; das feuer mit stroh leschen wollen spegnere il fuoco con paglia, met. far' un gran male maggiore Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1014
c. 3@f
f) redensartlich im anschlusz an 1 c α 'strohlager': deponere aliquem uino einen truncken und voll machen, einen ins strouw trincken Frisius
dict. (1556) 393
a; noctem in stramentis pernoctare perpetem das stro drücken Faber
thes. (1587) 804
a. stroh als totenlager in wendungen wie auf dem stroh sterben, liegen (vgl.strohtod): auf da strah liegen auf dem todbette liegen Zaupser
baier.-oberpf. id. (1789) 74
; trew vnd glauben ist geschlagen todt,
gerechtigkeit ligt in grosser not,
gottesforcht ligt in stroh,
demuth schreyt mordio
Lehmann
floril. polit. (1662) 3, 351;
wer zu lange zu hofe lebet, stirbet auf dem stro Winckler 2000
gutte gedancken (1685) H 6b; seine mutter, wenn sie gesehen, was ich heut sah, sie läge schon auf dem stroh maler Müller
w. (1811) 2, 134
; wenn einer so auf dem letzten stroh liegt, ist man zu nichts mehr aufgelegt Rosegger
schr. (1895) I 10, 283
; er hatte zuletzt bettelbrod gegessen und war in einem fremden schuppen auf dem stroh gestorben A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1879) 2, 307
. in ein stroh fallen 'niederkommen' (vgl. engl. in the straw in childbed Murray 9, 1, 1089
c): der hat ein junge dirn geefft
und hat ir iren pauch geswelt,
das sie schir in ein stro velt
fastnachtsp. 2, 851
Keller. mundartlich: d'frau im strau hân die frau im wochenbett haben Bühler
Davos 1, 338
. jem. aufs stroh bringen 'arm machen': den selben gredt (
Grete) so hefftig trybt,
das im ein herly nit belybt:
o gott, wie scheren sie so gnow,
bisz sie dich bringen vff das strow
Murner
dt. schr. 4, 21
Beberm.; vom bett aufs stroh kommen verarmen Klein
provinzialwb. 2, 177
; däm hanntse vam bett op et strüa geholpen arm gemacht Leithäuser
Barmen 153
; he liggt mit de stęrt in't stroh hat kaum das nackte leben Mensing
schlesw.-holst. 4, 897
; uf s stroh leien oder bringen jem. unter den boden bringen, auch bildlich, z. b. hereinlegen beim kartenspiel Martin-Lienhart
elsäss. 2, 262
. anklingend an strohwitwe (s. d.): gott verzeih's meinem lieben mann,
er hat an mir nicht wohl gethan!
geht da stracks in die welt hinein,
und läszt mich auf dem stroh allein
Göthe I 14, 141
W. (
Faust I).
3@g
g) in weiteren unterschiedlichen bildlichen verwendungen und redensarten. von der matten auf das stroh 'vom regen in die traufe': da lacht der fuchsz vnd sprach also:
kumpst von der matten auf das stro.
da ich gewest bin, kumstu wider:
so geht die welt jetzt auff vnd nider
Burkard Waldis
Esopus 2, 34
Kurz. einen bart von stroh machen u. ähnl. wendungen (vgl.strohbart): 'wann jemand von eim andern auff ein wohn gefhrt wirt, vnd eins dings beredt, dem wird ein bart von stro gemacht, das ist, mit sichtigen augen blind, dieweil er das glaubet, so nit zu glauben ist' schöne, weise klugreden (1545) 263b; er macht jme einen barth von stro Friedrich Wilhelm
sprichw.-reg. (1577)
nr. 244; einem stroh in den bart flechten Harsdörffer
frauenz.-gesprächsp. 1 (1644) 210
; [] es ist ietz nym, alsz es was vor,
das nein was nein, vnd io was io,
man flecht eyn bart ietzundt vsz stro
Murner
schelmenzunft 13
ndr.