strohen,
adj. ,
stramineus. mhd. stroewîn,
s. Lexer 2, 1250.
die ältere form der ableitungssilbe (-în)
führt häufig zum umlaut des stammvokals, der jedoch in neuerer sprache aufgegeben wird; strOehen-
zuletzt bei Hohberg
georg. cur. (1682) 1, 475;
wie bei den flektierten formen von stroh (
s. d.)
hält sich inlautendes w (
bes. alem.)
bis ins 16.
jh.: strowin- Wickram
w. 2, 9
lit. ver.; strOewin Gengenbach 290
Goedeke; strouwen- Keisersberg
brösamlin (1517) 108
b; strewin- Th. Platter
d. j.
Englandfahrt 36
H.; im obd. auch mit inlautendem verschluszlaut: ein strOebeiner Peyer Suchenwirt 45, 112
Prim.; so noch mundartlich: ströben Schmeller
cimbr. 175; strebein
bei Schöpf
Tirol 721; štrabɐn Bacher
Lusern 397;
s. auch Fischer
schwäb. 5, 1874.
seit dem 15.
jh. begegnen formen ohne inlautenden konsonant: stroen Brack
voc. rer. (1489) f 8
a; Diefenbach
gl. 554
c; ströen Hans Sachs 5, 294
lit. ver.; strOein Luther 10, 3, 231
W.; daneben treten frühzeitig formen mit inl. h
auf, die seit dem 17.
jh. allgemein üblich sind: strohen
Teuthonista 263
a B.-Cl.; strohenn (1483)
bei Röhricht-Meisner
pilgerreisen 133; strOehen Nas
eins vnd hundert (1567) 2, 236
b.
in neuerer zeit wird das wort meist durch zusammensetzungen oder die jüngere bildung strohern (
s. d.)
ersetzt. 11)
aus stroh: strOewin schapel unde ring, daz ist auch ein guot ding König v. Odenwald 5, 65
Schröder. ein ströuwîn bette machterm dô
St. Alexius 1023
Maszm.; im eynem ströen pett da schlaffens inn die wett Hans Sachs 5, 294
lit. ver.; Patrix, welche vormalen ire kindbetten in armen strowinnem hütlein hat auszbringen mssen Wickram
w. 2, 9
lit. ver.; es steht mit dem vbel, der einen strohen harnisch vor hawen vnd stechen anlegt Lehmann
floril. polit. (1662) 1, 83; unter ihren strohenen hut Ettner v. Eiteritz
mediz. maulaffe (1719) 968; das strohene dach Arndt
w. 3, 314
R.-M. in der redensart einen strohenen bart flechten '
etwas weismachen, zum narren halten' (
vgl.strohbart): einen stroin bart flechten J. Agricola
sprichw. (1558) 17
b; manchem flicht ich ein ströen part und lob in trogenhaffter art Hans Sachs 5, 329
lit. ver.; ich hor ouch an der schelmen rott, das ich kan thn eyn gferbten spott und dir eyn sach frhalten do, du schwierst eyn eid, im wer also: wen du die sach beshest recht, eyn stroen bart hab ich dir geflecht Murner
schelmenzunft 12
ndr.; du hast by allen dinen tagen, die narren grosz vnd klein beschworen vnd schelmen gmolcken by den oren manchem ein strOewin bart geflochten Gengenbach 290
Goedeke. ungewöhnlich im sinne von '
strohbringend': der strOeen sommer will alsbald nach ostern kommen Fischart
practick (1607) A 7
a. 22)
in übertragenem gebrauch (
vgl.stroh 3
und strohern 3);
vom menschen '
hölzern, kraftlos, unvermögend': waz sol ein strOewine riter und ein tchine man? Seuse
dt. schr. 152
Bihlm.; und ist doch ie ein man ein man, und wenn er schon gleich stroen wer, noch solt er euch so nit ummer gehalten sein, als ir in habt
fastnachtspiele 1, 49
Keller; siben stroen Sachssenkerles Fischart
Garg. 334
ndr.; besser ein strohener juncker, denn zween stehelene bürger oder vier eiserne bawren vnnd knechte Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) Rrr 4
b.
substantiviert: aber auch ... die besseren, die uns Deutsche, welche sie häufig die matten und strohenen schelten, mit wälscher lebendigkeit erquicken ... wollen, was schaffen sie Arndt
schr. (1845) 3, 314.
von sachen (
anklingend an das folgende): wöllen er (
der papst) und seine ströine und wormstichige seulen (
die geistlichkeit) mit herrlichem tittel herfür gezogen ... sein Kirchhof
wendunmuth 1, 489
lit. ver. besonders in polemischen schriften der reformationszeit '
haltlos, nicht stichhaltig': aber der andern unglaubigen werck seind ströin, dann sy seind nit gebauwen auff den glauben Luther 10, 3, 231
W.; zum letzsten will ich vff lOesen die strewin argument Lonicerus
berichtbüchl. (1523) d 3
b;
in deutlicherer bildlichkeit (
vgl.stroh 3 e): sihe, wie moge beston bey disen fewrin worten Sancti Pauli das stroin gaistlich recht, dar in man bannet ..., beraubt das arm volck von der pfaffen zcinss wegen Eberlin v. Günzburg 1, 182
ndr.; ob diser strOein grundt vor der feürigen warheit müg besteen, frage Danielem und Paulum radts umb S. Franck
chron. (1531) 257
a.