strohsack,
m. ,
mit stroh gefüllter, meist als liegestatt benutzter sack. zur form vgl. stroh sp. 1636.
lexikalische belege: stramentum strosack Diefenbach
gl. 554
c;
strapolita, stropedium stro-, stru-, strouw-, strow-, strohe-, strob-, strabsack (14.
u. 15.
jh.)
ebda 555
a;
nov. gl. 350
a;
strapolitanus strozag
lat.-dt. voc. (1420)
nr. 2884
Schröer; stramentum ein sattelkussen oder ein strawsacke
gemma gemm. (1508) A 3
b;
matta ein strohsack
nomencl. lat.-germ. (1634) 454; einen strohsack stopfen
remplir une paillasse Schwan
nouv. dict. (1783) 2, 736
b. 11)
als liegestatt: sô klage ich mîne swære, die mir tuot ein dirne sældenbære, daz si mich niht zuo zir ûf den strousac lât Steinmar
in: schweiz. minnesänger 183
Bartsch; dar nâch si slâfen began: ûf ir strousak leit si sich dô Boner
edelstein 48, 129
Pf.; und so mir heint auch unverholn das federbetth gar würd gestoln, so müst ich mich erst gar zam-schmiegen und forthin auff dem strosack ligen Hans Sachs 17, 352
lit. ver.; und dasz in sterbensnoth die ordenliche stAett ein strohsack iergend sey und weyches fAederbett Rompler v. Löwenhalt
erstes geb. s. reimgetichte (1647) 77; sie warf sich auf den strohsack und seufzte tief und starb H. Heine
s. w. 2, 122
Elster; der andere knecht lag lang hingestreckt auf dem strohsack und schnarchte Rosegger
schr. (1895) I 1, 191.
besonders als schlafunterlage im bettgestell (
statt der heute üblichen matratze): item in derselben kamer ein spünbet, dorinnen ein strosack (
vor 1475) Tucher
baumeisterbuch 298
lit. ver.; (
du hast) bettstatten vnnd hast keim ein strosack darein zulegen Guarinonius
grewel d. verwüstung (1610) 505; die grosse lagerstätte ... war bald ausgeräumt, bis auf den strohsack, der die unterlage bildete Holtei
erz. schr. (1861) 1, 234.
in sonstiger verwendung: die wandrer besahen lange mit grossen augen die massiven räder, den strohsack, welcher auf ihrem sitz lag Zachariä
poet. schr. (1763) 2, 196; nach einem comfortabeln frühstück ... bestieg ich einen sehr niedrigen leiterwagen mit strohsäcken und 3 steppenpferden davor (1852) O. v. Bismarck
br. an s. braut u. gattin 346
H. v. Bism.; die herren hotelinhaber hätten sich längst genöthiget gesehen, ... (
den schall) durch doppelthüren und transportable isolatoren, in form schützender strohsäcke, dämpfen zu lassen Holtei
erz. schr. (1861) 3, 41. 22)
in sinnbildlicher verwendung, in sprichwörtern und redensarten. wendungen, die die armut des besitzers versinnbildlichen: dann die liebe feyret nicht, ist blind, macht toll und unsinnig, ... felt ebenso bald auff ein strosack als auff ein federbett oder seydin küssen Schumann
nachtbüchlein 205
Bolte; ain strosack ist sein (
des armen) pett
liederbuch d. Hätzlerin 43
Haltaus; ar hat nit amal 'n stroasok
von einem ganz armen Ruckert
unterfränk. 177.
in gegenüberstellung zum bett: wer schlechte bett verachten thut, billich auff einem strosack ruht Eyering
proverb. copia (1601) 1, 233; auf betten, die voll federn stecken, kan man die glieder sanffte strecken, ein strohsack macht den rücken wund Henrici
ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 2, 429; auf dem strohsack liegen,
redensartlich für '
ausschweifendes leben': mancher kOent daheim auffm weichen guten bett ligen vnd ligt doch anderswo lieber auffm strosack Lehmann
floril. polit. (1662) 1, 435.
sinnbildlich für den handwerker: ein ungewanderter strohsack der ist kein teufel wert
bei Schade
handwerkslieder 118.
in festeren wendungen; von der aufnahmefähigkeit des strohsacks ausgehend: dä hett e g'wüsse wie ne strausak
ein weites gewissen Seiler
Basel 281; Düringsfeld
sprichw. (1875) 1, 309
a.
in der verwünschung: ein vbeler wundsch, das dich der haan hack auff eim strosack Moscherosch
gesichte (1650) 2, 24; aber, aber, aber, dasz dich der han hacke im strohsacke! der freytag, der freytag, der macht lose hAendel J. G. Schmidt
rockenphilos. (1706) 2, 142. einem den strohsack vor die tür werfen
für die aufkündigung der freundschaft oder des dienstverhältnisses: so bald der reych nur sawer sicht oder ein halbes wörtlein spricht, so thut der arm von hertzn erschrecken, ihm werd abgehn sein tellerlecken. mag auch leicht thun ein krommen tritt, so verschütt er sein freundtschafft mit, das ihm denn der reych wirffet für den bschissen strosack für die thür Hans Sachs 9, 204
lit. ver.; und wann man ihrer (
der schäfer) am hOechsten bedOerfftig, werffen sie den strohsack für die thr, gehen ohne kundschafft ... davon Hohberg
georg. cur. (1682) 2, 287.
in ähnlicher wendung: hat er dann ein reiche (
frau), so ist sie jm pein und muosz sie und jr freüntschafft zu herren haben, und tAeglich hOeren, si hab den betler zum herren gemacht, dem ligt der strosack vor der thr S. Franck
chronica (1531) 94
a.
vor allem mundartlich im ausruf 'du gerechter (allmächtiger, heiliger) strohsack!',
als ausdruck der verwunderung oder unangenehmer überraschung: ach du gerechter strohsack! Betcke
Königsberg 60; Brendicke
Berlin 179
b; e du allmächtiger strausak! Seiler
Basel 281; o heiliger strohsack, ... wahrhaftig, ich bin dir ein jämmerlich armer kerl und wirklicher stiller dulder, wie ich da sitz Cornelius
lit. w. (1904) 1, 692.
in spielerischer weiterbildung: du heiliger strohsackzipfel! grüszte lächelnd die heitere frau Emil Strausz
freund Hein (1921) 109; 268.