strohdach,
n. ,
dach aus stroh (
oder schilf);
culmus strodach (15.
jh., obd.) Diefenbach
nov. gl. 123
a; strotach
culmen Dasypodius (1536) 433
b;
tugurium ein hütten, purenhusz mit strowtach Cholinus-Frisius
dict. (1541) 873
b.
vereinzelt auch zur bezeichnung von dächern anderer art: strohdach, lehmdach der hallischen salzkoten
dieses dach besteht aus einer masse von lehm und stroh, die untereinander getreten und hernach auf ... stangen ... aufgetragen und glatt gestrichen wird Jacobsson
technol. wb. (1793) 7, 477
a;
vgl.lehmstrohdach Karmarsch-Heeren
techn. wb. (1876) 2, 498; es waren blosze strohdächer von palmblättern, die auf etlichen pfosten ruhten J. G. Forster
s. schr. (1843) 2, 172. 11)
das aus einer oder mehreren stroh- bzw. schilflagen hergestellte dach: wo er (
der böse geist) aber gewar wurd, das wir disz gebet wolten uben, wen es gleich were vnter einem strodach odder sew stal, wurd er es furwar nit lassen gehn Luther 6, 239
W.; er funcklet mit den augen, dasz er kondt darmit ein stroh-tach anznden Abraham a
s. Clara
Judas (1686) 1, 49; auf diese säulen werden ... balcken, und darauf ein strohdach gebauet Döbel
jägerpractica (1754) 1, 126; ein regen hat das strohdach auf der hünerkammer eingeworfen Petrasch
s. lustsp. (1765) 1, 5; es fuhr ein strahl herab aus den schwarzen wolken, zündete in Stahle ein strohdach an W. Raabe
s. w. I 3, 47; (
er) sah einen hasen dahinhoppeln und in der ferne die strohdächer eines dorfs A. Zweig
einsetzung e. königs (1950) 115.
in neuerer sprache kann sich mit dem wort die vorstellung des idyllischen, anheimelnden, geborgenen verbinden: lieblich ist's, ... wenn des strohdachs ... halme schimmern
allg. dt. bibl. (1765) 106, 145; beglückt, wer wenn des winters stürme schnauben, ... froh flüchten darf und heimlich unterducken wohl unter eines strohdachs warme schauben Rückert
ges. poet. w. (1867) 1, 304;
[] zwischen den pflanzungen blühender obstbäume ragten die strohdächer geselliger dörfer hervor, aus deren schlot friedlicher hausrauch in die luft wirbelte Musäus
volksmärchen 1, 6
Hempel; wehmütig zitterten sanfte klänge auf lauem winde getragen über das bemooste strohdach Holtei
erz. schr. (1861) 10, 9; unter linde, unter ulmen und des strohdachs warmen schwingen Fr. W. Weber
Dreizehnlinden (1907) 21. 22)
in der literatursprache sinnbildlich für eine ärmliche behausung (
in dieser verwendung z. t. auf lateinische schriftsteller zurückgehend, s. u.);
oft in der wendung unter einem strohdach: nicht alles stroh im kopf hat, was unter dem strohdach gebohren Abr. a
s. Clara
etwas f. alle 2 (1711) 452; o schlecht logirte gelehrsamkeit! schlechter als Jupiter unter einem strohdach! (
in a thatch'd house)
Shakespeare 4 (1799) 244; ich ... rannte auf mein zimmer, dem geliebten zu schreiben, dasz ich die seinige sei und bleibe, müszten wir auch als bettler hinausziehen und unter einem strohdache zuflucht suchen, wenn ich ihn nur hätte Holtei
erz. schr. (1861) 7, 83.
mit attribut: er (
der baum) beschattet eine hütte, die verschämt sich in der erde halb versteckt; wie furchtsam flehend schaut dich an das arme strohdach H. Heine
s. w. 2, 386
Elster. besonders in gegenüberstellung oder gleichsetzung mit prunkvollen wohnstätten, palästen usw.: wisse, das der mensch eben so gutt ... unter einem strohdache als goldangestrichenem dach ruhe Butschky
Pathmos (1677) 700; wo ietzt der leim ein strohdach trägt, wird gold und marmel seyn zu schauen Lohenstein
Arminius (1689) 2, 425; mir, dem theil der besten welt, konnte von dem gut der erden, weder thron, noch strohdach werden
anmuth. gelehrsamk. 3 (1753) 235
Gottsched; eine hölzerne hütte, oder wohl gar ein strohdach, ist ihm ein pallast Gottsched
versuch (1751) 583; auf dasz kein armer erdensohn sich seines glückes überhebe, und unzufriedenheit, vom strohdach bis zum thron, nach unerfüllten wünschen strebe Gotter
ged. (1787) 1, 332; schmerz und freude liegt in einer schale; ihre mischung ist der menschen loos, von dem strohdach bis zum marmorsaale, bis zur bahre von der amme schoosz Seume
ged. (1804) 28; (
ein mann,) der sich freut, wen er in irgend einem gehäuse, strohdach oder marmor, einen gentleman antrift Claudius
s. w. (1775) 3, 40.
mehr in hinsicht auf die wertschätzung: den alle stedte in der welt sind nicht werdth, das sie ein strodach heissen gegen Jherusalem, den keine stad ist so hoch geacht gewesen Luther 47, 531
W. als der ort aufgefaszt, wo tugend, redlichkeit und glück wohnen (
vgl. culmus liberos texit, sub marmore atque auro servitus habitat, Seneca, epist. 90, 10): offt vnterm strodach liegt vmb sonst, die edlest tugendt, witz vnd kunst, niemand suchts, niemand finds, also verschwinds, bleibt wie ein schatz verborgen Th. Höck
schönes blumenfeld 25
ndr.; die goldne zeit entfloh, da man durch nichts gehindert, die nackte redlichkeit noch unterm strohdach plündert Löwen
schr. (1765) 1, 18; wir werden leicht so viel verdienen, als die mäszigkeit verlangt, und so unter einem strohdache beneidenswürdig glücklich seyn Knigge
roman m. lebens (1781) 2, 62; ... verbärge ein schlechtes strohdach unser glück dem neide der grossen welt Wieland
w. 3, 178
akad.; die einfachen gefühle, der werth, der edelsinn, welche unter dem strohdach wohnen, sind lieb und ehrwürdig seinem herzen Göthe I 42, 1, 201
W. [] 33)
vereinzelt für andere aus stroh hergestellte gegenstände; zur bezeichnung einer perückenart: der kerl führt alle möglichen perücken im sack: struppkopf, bonvivant, pastor, zopf, strohdach Immermann
w. 6, 115
Hempel. vgl. auch: alle strohdächer, ich meine damit die damen und deren strohhüte, alle strohköpfe stehen in lichterlohen flammen Gaudy
s. w. (1844) 10, 81.