[]warze,
f. kleiner hautauswuchs. II.
verwandtschaft und form. I@11) warze
ist ein gemeingerm. wort, ahd. warza,
mhd. warze,
and. warta (
belegt warte Steinmeyer-Sievers
gl. 2, 728, 8 = Wadstein 111, 28, e
statt a
in den Oxforder gl.),
mnd. warte,
ndl. wrat (
s. u. 3) Franck
2 805
a,
mundartlich warte De Bo
2 1215
b, woert, woort Boekenoogen 1227, woat, wood, woard Molema 477;
afries. warte (
daneben worte) Richthofen 1128
a,
westfries. wart Dijkstra 3, 409
b,
ags. wearte Bosworth-Toller 1178
b,
mengl. warte Stratmann-Bradley 670
b,
engl. wart,
anord. varta Fritzner 3, 876,
dän. vorte,
schwed. vrta,
mundartlich varta Rietz 798;
im got. ist das wort nicht belegt. I@22)
es ist sehr wahrscheinlich, dasz warze
auch etymologisch verwandt ist mit den bedeutungsverwandten (
vgl. varix, warza
vel werna Steinmeyer-Sievers
gl. 2, 7, 35;
s. auch unten II, 2,
d und e)
worten vläm. warre '
schwiele' De Bo
2 1183
a,
ags. wearr '
schwiele',
mit anderer ablautstufe ahd. werra (
daneben warra '
emorroida'
gl. 4, 56, 39), werna '
krampfader' (
auch werr
gl. 3, 291, 58, wern
gl. 4, 210, 29),
nhd. mundartlich werr(e), wern(e) '
gerstenkorn am augenlid'.
indog. *vers,
germ. *verz,
ablautend *varz,
wird angesetzt für die formen mit rr,
mit diesen ist verwandt lit. virszùs '
das obere',
aslav. vrĭchŭ '
gipfel',
lat. verruca <
*versūca '
warze',
älter '
erdhöcker',
aind. varṣīyān '
der höhere', varṣman- '
spitze',
die grundbedeutung der sippe scheint also '
erhöhung'
zu sein, s. Bugge,
Bezzenb. beitr. 3, 113
und Weyhe,
Paul u. Braune beitr. 30, 62
f.; Weyhe
führt weiter ahd. werna
mit afries. wersene, wirsene '
runzel'
auf die n-
erweiterung von *vers,
germ. *verznō-
zurück und schlieszlich (
unter hinweis auf ahd. runza
aus *wrunk(a)tōn-
neben mhd. runke)
ahd. warza
über *warz(a)tōn-
auf *warzatōn-
zurück. doch ist eher mit Torp
bei Fick
4 3, 397
von der indog. wurzel *ver
auszugehen, auf die ahd. wer-na,
holl. weer '
schwiele',
norw. dial. vere,
schw. dial. verna, vare, '
hautgeschwulst der kühe',
und lat. varus '
finne', varulus '
gerstenkorn', varix '
krampfader'
führen; als wurzelerweiterung erscheint dann *vers
und *verd,
wozu warze,
ferner aslav. vrědŭ '
ausschlag'
und nach P. Horn (
bei Kluge
7 483)
pers. bālū '
warze'
aus iran. *varda
gehört; warze
steht so im ablautverhältnis zu wurz(e) '
wurzel'
und ist weiter verwandt mit ῥίζα,
lat. rādix;
wenn man als dritte wurzelerweiterung *verdh
betrachten will, so kann auch aind. vardhate '
erhebt sich'
hierher gezogen werden (
vgl. Persson
wurzelerweiterung 86). I@33)
im mnd. erscheint mit umstellung neben warte
auch wratte Schiller-Lübben 5, 778
a. Diefenbach
gl. 614
a,
diese form ist in neueren ndd. mundarten erhalten: wratt Danneil 250, wratə (
neumärkisch)
zeitschr. f. d. mda. 1910, 41, wratte (
neben warte) Dähnert 558, wratt Frischbier 2, 481;
verhochdeutscht wratze Dähnert 558 (
als erklärung von wratte). Brendicke 194;
ndrhein. frat
deutsche dialektgeographie 8, 88,
ebenso im südwestl. Westpreuszen zeitschr. f. d. mda. 1915, 190,
in Putzig in Posen 1913, 11;
auch im ndl. wrat,
älter wratte
Teuthonista 507
b Verdam. Kilian 682;
ähnlich mengl. wrete (
s. 5) Stratmann - Bradley 670
b,
in nengl. mda. wrat, wret, writ Wright 6, 552
a. I@44)
in den mundarten wird das a
häufig zu o
verdumpft; in einigen fällt das r,
mit oder ohne dehnung des vocals, aus: wā(r)tsə Berger
mda. des St. Galler Rheintals 87; waatsə Meisinger
Rappenauer mda. 224
b; waats Lenz
vgl. wb. 76; waaz Hönig
2 195.
auch ohne den wegfall des r
tritt in weiten gebieten dehnung ein. die kürze ist bezeugt aus dem Münsterthal wàrts Martin-Lienhart 2, 860
a;
ostfränkisch in Bamberg wadsn
zeitschr. f. d. mda. 1912, 13 (
vgl. bei Rückert
werke 8, 252
den reim schwarze: warze);
in Nürnberg warze Gebhardt 336;
in Köln wats
neben wāts W. Müller
vokalismus der stadt- und der landkölnischen mda. 12;
auf nd. gebiete watə
in Mühlheim a. d. Ruhr Maurmann 40,
in Cronenberg Leihener 131, watte
neben wâte Woeste 317 (
aber waarte
brem. wb. 5, 199; wârte, wârt ten Doornkaat Koolman 3, 119).
in der umgangssprache der gebildeten heiszt es in einem groszen theile Norddeutschlands wărze (
auch Sanders
gibt nur die kürze an),
dementsprechend die bühnenaussprache (35
Siebs)
auf die kürze festgelegt ist. Adelung
hat die [] länge, die in der md. und obd. umgangssprache als herrschend angesehen werden kann. I@55)
neben ahd. warza
steht werza Steinmeyer-Sievers
gl. 3, 480, 2, werze 3, 263, 71. 4, 106, 16,
neben mhd. warze, werze (wercen Pfeiffer
zwei arzneibücher, Wiener sitz.-ber. 42, 149,
bairisch 13.
jahrh.);
nhd. wärze
bis ins 17.
jahrh., jetzt noch mundartlich; auch in nfr. mundarten werte
neben wratte Kilian 682, wert(e) Franck
2 805
a, wö(r)t, we(r)t Cornelissen
en Vervliet 1459,
mengl. werte, wrete Stratmann-Bradley 670
b.
die e-
form geht auf einen stamm *wartjôn-
zurück; die qualität des vocals der 1.
silbe ist (
da der umlaut vor rz
in einigen mundarten früher, in andern später erfolgte)
schwankend; auf altes umlauts-e
weist ahd. werza (
vgl. die schreibung wairza
gl. 3, 697, 44, waerza 4, 56, 38, Braune
ahd. gr. § 26, 4),
dagegen führen die schreibung wärze
im älteren nhd. und die meisten heutigen mundarten auf jüngeren umlaut. die e-
form zeigen im älteren nhd. schweizerische, schwäbische (
nicht elsässische, die häufig warzel,
s. d., haben),
bairisch-österreichische und rheinfränkische quellen: ein wärtzen (1502) Diefenbach
nov. gl. 118
b, tuttenwercz 279
a (
beide '
streng hd. oder alem.'),
schweiz. die wärtzen (
sg.) Maaler 482
b,
schwäb. bey der wärtzen Spreng
Ilias 212
b (
aber Keller,
Augsb. 1468, warcz Diefenbach
nov. gl. 279
a);
bair.-österr. (
s. auch oben Pfeiffer
arzneibücher) ein wertz, ein wertzen Diefenbach
nov. gl. 231
b. 279
b. 308
a (
alle drei Hall 1429), ein werczen ('
ostlechisch' 1432) Frommann 4, 305, werczn
Sterzinger spiele 4, 227, wärtzen (15.
jahrh.) Schmeller 2, 1064, wärtz Schönsleder
prompt. Kk 6
c, wärtzen Abr. a S. Clara
Judas (
Salzburg 1689) 2, 274;
auch erzgebirg. wertzen
bei Mathesius
Sarepta (1598) 195
b;
rheinfr. brustwercz (
Landau 1466) Diefenbach
nov. gl. 279
a, wärtzen Becher
chymischer glückshafen (1682) 765.
entsprechend (
nur aus dem rheinfränk. nicht zu belegen)
in den heutigen mundarten: schweiz. wärze Seiler 311
a. Hunziker 287; wǣrtsa Wipf
mda. v. Visperterminen im Wallis 79; wärze
nchrut
schweiz. id. 3, 915 (
nur in St. Gallen u. Schaffhausen warze
nchrut,
ebenso wārtsə
in Appenzell Vetsch 21,
St. Gallen J. Berger 87,
Keszwil im Oberthurgau Enderlin 69), waerza
in Vorarlberg Frommann 4, 2,
schwäb. wäz (
in Währingen) Birlinger 427
b;
bair. wárz.n Schmeller 2, 1014,
ebenso kärntisch (
neben wérz.n) Lexer 250,
tirol. wartsə Schatz
mda. v. Imst 43;
ferner werz Zingerle
Lusern. wb. 58, wrz Bacher 226, berza Schmeller
cimbr. wb. 173;
auch westböhm. wártsn, wärtsn Gradl 39,
nordböhm. (
Eger 1823) wärze
zeitschr. f. österr. volksk. 6, 111,
erzgeb. wards (a < ä) Lang
Zschorlauer mda. 12,
vogtländ. wards Gerbet 239. I@66)
wie im nordthür., obersächs. und in angrenzenden nd. mundarten wanzche, wanzke
neben wanze
steht (
sp. 1927,
vgl. über die obersächs. fem. auf -che
zeitschr. f. d. mda. 1907, 31),
so warzche, warzke
neben warze;
auf ahd. warzihha
weist vielleicht warchzun (
für warz(i)chun?) Steinmeyer-Sievers
gl. 3, 291, 68;
der Anhalter Trochus (
prompt. 1517)
hat wartzke,
verruca N 1
b,
papilla N 3
a, Luther
jedoch hat zwar wanzke,
aber warze (wartzen 11, 384, 5
Weim. ausg., wartzlin 36, 474, 16);
der in der Altmark geborene J. Praetorius
hat wartschcke
philosophia colus (1662) 166, wartsgen 188;
die zweite stelle übernommen von dem Arnstädter J. G. Schmidt
rockenphilosophia (1706) 2, 250; wartzke
auch bei Comenius
portael (
Amsterd. 1673)
im register; warzgenkraut
bei Frisch 2, 424
c.
jetzt ist mundartlich, meist mit länge, bezeugt ostthür., altenburg. wārz
γe Hertel 254, wārdsΧe Kürsten
u. Bremer 76,
so auch in Leipzig und sonst obersächs. Müller-Fraureuth 2, 641
; mansfeld. warzke (
neben wartsə
zeitschr. f. hd. mda. 2, 192);
im Harz wórzke Hertel 254. I@77)
die declination war im ahd. schwach und stark: warchzun (
s. o.) Steinmeyer-Sievers
gl. 3, 291, 68; warzun 2, 174, 42. 2, 236, 38,
aber pl. warza 2, 240, 49. 3, 310, 56;
mhd. sind nur schw. formen belegt. IIII.
bedeutung und gebrauch. die aus den indogerm. verwandten zu erschlieszende grundbedeutung '
erhöhung'
wurde in den germ. bildungen verengt zu '
kleine (
krankhafte oder nicht krankhafte)
hauterhöhung bei mensch und thier': von mangerley wärtzen, oder urschlechten, knorren oder herten J. Khüffner
Celsus (
Mainz 1531) 87
a.
[] II@11)
am häufigsten wird warze
gebraucht für die rundlichen, ziemlich harten auswüchse, die durch wucherung der hautpapillen entstehen; für sie genügt auch stets das alleinstehende wort, während für die übrigen arten häufig zusätze (
s. u. wilde, rote warze,
ferner feigwarze, brustwarze
usw.)
nötig sind, wenn sie nicht der zusammenhang überflüssig macht. II@1@aa)
die gewöhnliche warze,
verruca Steinmeyer-Sievers
gl. 2, 360, 7. 3, 6, 23. 291, 68. 310, 56. 661, 47. 697, 44. 4, 226, 12. Diefenbach
gl. 614
a.
voc. inc. teut. C 2
b. Dasypodius 452
b. Stieler 2440
usw.; wartzen oder wartzeln Bas-Faber
thesaurus 924
b.
sie sind besonders häufig an den händen: wartz,
porro, che nasce nelle mani Hulsius 273. Hübner
5 2065.
doch auch am übrigen körper erscheinen sie; sie werden oft als besonderes kennzeichen, im gesicht meist als etwas entstellendes, zu beseitigendes erwähnt: Thietmarus ... locum emit a Wolberone cum verruca (warcin) et suis heredibus
Kölner schreinsurkunden des 12.
jahrh. 1, 294
Höniger; dasz sie hinden im nacken ein grosze wartzen gehabt
volksbuch von Faust 76
neudr.; an der groszen wartze, die der baur ... auff der stirn stehen hatte, ward ich eigentlich versichert, dasz es mein knän ... war
Simpl. 2, 36
Kurz; dasz sie so viel wartzen im gesicht möge bekommen, wie viel scheerhauffen auff einer wiesen Abr. a S. Clara
etwas für alle 2, 362; wollen sie (
die alten weiber) die säu-borsten aus ihren glucker-groszen wartzen zupffen, so schauen sie in spiegel Stranitzky
Fuchsmundi 91, 11
neudr.; um eine übrigens ganz wohlgebildete menschengestalt durch eine von warzen, flecken, borsten und unrath entstellte oberhaut durchzusehen Göthe 40, 329
Weim. ausg.; eine lange, höckerige nase, mit einer haarigen, roten warze Heine 3, 255
Elster; da hab ich gesehen mit lust deim weib unter der lincken brust ein wartzen, darumb stunden klar fünff oder sechs goldfarbe har. H. Sachs 12, 49, 21
Keller; sonst wirst du ... vergeblich dich bestreben, die warzen im gesicht mit pflastern zu bekleben. Dusch
verm. werke 207; ach, du gott! die warze hat er auf der nase von dem vater! Brentano (1852
ff.) 7, 336. II@1@bb)
eine abart der gewöhnlichen hautwarzen bilden die bei jungen leuten häufigen gestielten warzen: die ligatur ist nur bei gestielten warzen anwendbar Hauszmann
über warzen (1840) 27.
sie hieszen hangende wartzen,
acrochordonium Kirsch 1, 18
b.
onomat. medica (
arzneywiss. 1772) 21;
vgl.: ein gattung der wärtzen, oben dick unden tünn, gleych ob sy hangind, kinden wärtzen Frisius
dict. (1556) 25
b;
hierher vielleicht auch acrochordines, die weychen wartzen Diefenbach
gl. 636
b (
von Höfler 782
b als condylome bestimmt). II@1@cc)
auch das erhabene muttermal, eine angeborne dunklere flache ausgedehntere hauterhebung, wird zuweilen als warze
bezeichnet (
vgl.warzenmal):
nevum (
si in nostro corpore naevus apparuerit Hieronymus opera (1716) 1, 582), warza Steinmeyer-Sievers
gl. 2, 325, 4;
lenticula, ein wertzen (
Hall 1429) Diefenbach
nov. gl. 231
b.
hierher können einige schon angeführte stellen und die folgende gehören (
vgl. auch unter wärzchen
geharnschte Venus, unter wärzlein Guarinonius): das fleckchen an der wang' ist eine zier, das schwarze, doch wenn zu grosz es wird, so ist es eine warze. Rückert
werke 8, 252 (
weish. des brahm. 5, 268). II@1@dd)
die leichdorne, hühneraugen, durch druck entstehende verdickungen der oberhaut an den füszen, werden meist nicht zu den warzen
gerechnet, vgl.: die preun thet an der zungen schwartzen, gflecht, gwechs, hüneraugen und wartzen. H. Sachs 4, 407, 39
Keller; die hühneraugen waren fort, doch sproszten warzen an dem ort. Pfeffel
poet. versuche 1, 149.
doch auch für die zurechnung finden sich belege: wer da hiet werczn auf dem fues, den kan ersz (
der arzt) woll machn puesz.
Sterzinger spiele 4, 227
Zingerle; [] huneraugen ader sunst schlecht wartzen Heinrich v. Pfolspeundt (15.
jahrh.)
bei Gurlt
gesch. d. chirurgie 2, 196; leget es (
das hühneraugenpflaster) auf die wartzen ..., so dörren sie darunter v. Hohberg
Georgica 3 (1715) 212
b; wartze,
quibusdam hühnerauge Steinbach 2, 945; die hünnerwärzen oder andere wärzen zu vertreiben
zeitschr. f. österr. volksk. 6, 111 (
Eger 1823). II@1@ee)
bei der häufigkeit der warzen
werden die mannigfachsten beseitigungsarten versucht. II@1@e@aα)
sie werden abgebunden, geschnitten: eine wartze abbinden, mit einem seidenfaden absetzen,
eene wen afbinden Kramer
holl.-dtsch. 514; ich hatte eine kleine warze am untern augenlied, man hat mir sie glücklich abgebunden Göthe 23, 40
Weim. ausg.; der tod hält es vielmehr für einen nicht geringen sieg, wenn er die grösten lichter der welt ... durch eine übel-geschnittene warze ... auslescht Lohenstein
Arminius 1, 1199. II@1@e@bβ)
sie werden weggeätzt: wie aus diesem jungfräulichen gesicht die warzen ... sich wegbeizen lieszen K. Fr. Cramer
Neseggab 1, 63.
vor allem versuchte man es mit dem saft der verschiedensten pflanzen, manche erhielten davon den namen warzenkraut (
s. d.): recipe die milch oder safft von springwurtz - kraut, schmier damit die wärtzen, so dorren sie und fallen hinweg Becher
chymischer glückshafen (
Frankf. 1682) 765.
der gebräuchlichste ausdruck dafür ist eine wartze vertreiben Ludwig 2387: wil dû wercen vertrîben, sô nim einen halm und brenne die wercen mit des halms lide Pfeiffer 2
deutsche arzneibücher, Wiener sitz.-ber. 42, 149. II@1@e@gγ)
ganz besonders aber werden sympathiekuren gegen die warzen
angewendet; auch hierfür heiszt es vertreiben: ein altes weib, das warzen und sommerflecken vertreibt, verstehe mehr von der sympathie als ich Göthe 8, 56 (
Götz 1)
Weim. ausg. die warzen
werden in sympathetische beziehung zu verwesendem gebracht: mit diesem (
speck) schmieret in abnehmenden mond die wartzen, und vergrabet ihn hernach ins erdreich v. Fleming
der vollk. teutsche soldat (1726) 336
b,
vgl. Germania 29, 87.
totenhand vertreibt warzen: auf warzen-vertreiben verstehen sich ... die todten besser als die lebendigen Lichtenberg
Hogarthische kupferstiche 2, 344; dasz das berühren mit einer todtenhand von warzen befreit J. Paul
herbstblumine 3, 12; noch bestrich er dreimal eine warze über seinem auge mit der kalten hand der todten v. Arnim (1857) 17, 317.
die warzen
werden besprochen, gebüszt: besprechungsformeln gegen warzen: mond nimmt zu, warze nimmt ab, ... glocken gehn toten nach warzen gehn mit Wuttke
volksaberglaube 3 168; etz läuts zu der leich, will i mei warzn verstreich. Flügel
volksmedizin im Frankenwalde 43;
ähnlich Seyfarth
aberglaube in der volksmedizin Sachsens 213. II@1@ff)
die warze
hat eine wurzel: das corium ... schickt in die verdickte epidermis verlängerungen, welche man die wurzel der warze nennt Hauszmann
über warzen (1840) 5. II@1@gg)
verrucosus, vol wartzen Diefenbach
gl. 614
a; voller warzen Stieler 2440. II@22)
die übrigen als warzen
bezeichneten hautausschläge und hauterhöhungen lassen sich nicht immer genau als bestimmte krankheitsformen der neueren heilkunde deuten. II@2@aa)
impetigo '
krätze'
der vulgata wird mit warze
wieder gegeben: warza Steinmeyer-Sievers
gl. 1, 351, 49; warce 4, 257, 1; ob es (
das opfer) hat ein mase, oder blattern, ob grinde, oder ein wartzen Mentels
bibel, 3. Mos. 22, 22;
impetigo, sicca scabies voc. ex quo (1490) i 1
b;
vgl. Diefenbach
gl. 288
c,
auch unter impetiginosus; auch bei Mendelssohn 7, 285 was wartzen hat (
bei Luther 3.
Mos. 21, 20 grindicht oder schebicht);
ähnlich cremium, ein wärczen
vel rüffen (
schorf) Diefenbach
nov. gl. 118
b. II@2@bb)
beim aussatz: (
der aussätzige) gewinnet under dem fleisch als harte wartzen Gersdorff
wundarzney (1517) 78
a;
vgl.wartze,
verruca, papula oder platterlein oder rotergrindt
voc. theut. (1482) nn 1
a; roter grind
wird von Höfler 205
a als aussatz oder als lupus gedeutet; s. auch u. warzel.
ferner: krebsartige warzen (
die neigung haben, in krebs überzugehen) Hauszmann
über warzen (1840)
[] 17; verschiedene stücke vom darmkanal eines wassersüchtigen mannes, mit verengungen, geschwüren und warzen v. Sömmerring
vom baue des menschl. körpers (1839
ff.) 2, LX. II@2@cc)
häufig von venerischen auswüchsen; condyloma, die venerische warze, feigwarze (
s. d.) Rust
handbuch der chirurgie 5, 206:
condylome, die wartzen die im arse wahssent (
anf. 15.
jahrh.) Diefenbach
gl. 640
a; das er in wöl behüten vor der schweren kranckheit der blatern und wartzen ('
syphilis') S. Brant
der heiligen leben bei Proksch 1, 356; langlechte zapffen oder wartzen (16.
jahrh.) 2, 674; warze, oder blatter an heimlichen orten,
thym Rondeau.
sie heiszen auch wilde warzen: die platern oder zapfen oder malfranzois ... oder wild wärtzen (15.
jahrh.) Schmeller 2, 1014; alle andere fawl und alle wilde wertzen Heinr. v. Pfolspeundt
bei Proksch 1, 356; J. Grünbeck, von dem ursprung des bösen franzos, das man nennet die wylden wärtzen. Augspurg 1496 (
titel)
ebenda. rote warzen: der safft (
des thymus, des wälschen quendels) ... vertreibt die rohten wartzen, thymos genannt Bock
kreutterbuch (1595) 18
a.
jetzt heiszt die feigwarze auch spitze warze,
condyloma acuminatum v. Hebra
die krankhaften veränderungen der haut 439. II@2@dd)
das gerstenkorn am augenlide: wartzen zwischen den augbrauen,
crithe Dentzler 2, 342
b; warze an einem auge, werner,
wen Kramer 259;
vgl. unter wärzlein 2 Alberus, Frisius, Calepinus. II@2@ee)
von adererweiterungen (
nur ahd.): II@2@e@aα)
varix (
krampfader), warza Steinmeyer-Sievers
gl. 3, 263, 48. 4, 106, 16. 172, 55; warza
vel werna 2, 7, 35. II@2@e@bβ)
hämorrhoiden: emorroida, warza, waerza, warze, warra 3, 480, 2. 4, 56, 37
ff. 170, 17. 360, 6. II@2@ff) warzen, '
gröszere oder kleinere auswüchse an den verschiedensten stellen der haut, besonders beim pferde, rindvieh und hunde' Wagenfeld
encykl. der thierheilkunde (1845) 404: den jungen kälbern soll man die zungen aufheben, befinden sich weisze wartzen daselbst, die soll man ... abzwicken v. Hohberg
Georgica (1682) 1, 139. II@33)
sehr gebräuchlich ist von alters her warze
für die erhöhung an der spitze der weiblichen und männlichen brustdrüse, auch der thiere; es steht zuweilen auch für die ganze brustdrüse (
wie lat. papilla
für mamma):
mamme, warzun Steinmeyer-Sievers
gl. 2, 174, 42. 236, 38;
mamme pubertatis, warza kindesheiti 240, 49 (
alle drei stellen nach Hesekiel 23, 3). II@3@aa)
papilla, summitas mammę id est warte (
asächs.) 2, 727, 8;
papille, warza 3, 431, 9; wartze Diefenbach
gl. 411
a, warcz
nov. gl. 279
a;
doch häufiger mit verdeutlichenden zusätzen tute werze Steinm. 3, 439, 50, brust-, tutten-, ciczen-wartze Dief.
gl. 411
a; wartze oder wartzlein an prustlein,
puberta voc. theut. (1482) n n 1
b; die wartzen an den brüsten Ludwig 2387; dieselbige (
mutter), wenn sie ihren sohn entwehnet, und ihme zum besten von den brüsten abhalten wil, pfleget die wartzen mit wermuth-safft oder aloes zu bestreichen Meyfart
himml. Jerusalem 2, 305; mit schönen weiszen runden brüsten mit rothen wartzen Prätorius
neue weltbeschreibung (1666) 2, 99; ich habe geraucht, als ich kaum von meiner mutter brust entwöhnt war; die warze mit dem pfeifenmundstück verwechselt Lenz 1, 44 (
hofmeister 3, 4)
Tieck; iegeliches sneit ein stucke, wi cleine iʒ ummer mochte sin: diz ir oren cippelin, daʒ eine warzen von ir brust.
heil. Elisabeth 9349
Rieger; als es den wermuth auf der warze schmeckte, und fand ihn bitter, närrsches kleines ding, wie's böse ward, und zog der brust ein gesicht.
Shakespeare, Romeo u. Julia 1, 3.
ein kind an die warzen legen: (
der dichter wird der natur) als ein kleiner pausbäckichter junge, an dem geburthstage an die warzen geleget v. Schönaich
ästhetik (1754) 320. II@3@bb) dur sîner brüste warzen het er enphangen einen schranz, iedoch was im beliben ganz dennoch daʒ herze drunder. K. v. Würzburg
troj. krieg 32312;
[] der spiesz gieng bey der wärtzen ein, dasz er empfand desz todes pein. Spreng
Ilias (1610) 212
b; der edle Odysseus schnellte daher ein geschosz, und traf ihm die brust an der warze. Voss
Odyssee 22, 84; der barberinische genius hat eine stark hervortretende brust, an welcher die warzen nicht so weit nach den seiten hin stehen H. Meyer
gesch. d. bild. künste 2, 32. II@3@cc) die dutten oder wartzen an den eutern Henisch 780, 19; die wölff seynd wol zuo friden, als lang yn die wölffin milch gibt, wenn sy aber empfinden, das sy kain milch mer hatt, so beiszen sy ir in die wartzen Keisersberg
schiff der penitentz (1514) 107
b; ihre uhrheber aber hätten nichts minder die grausamkeit als die milch aus den wartzen einer wölfin gesogen Lohenstein
Arminius 1, 934
a. II@44)
auch andere nicht krankhafte gebilde werden als warzen
bezeichnet. II@4@aa)
die drüsen der gedärme und warzenähnliche hervorragungen der nieren onomat. med. hg. v. Haller (
wundarznei 1756) 1208. v. Sömmerring 5, 312;
von den vaginafalten gebildete warzen Pierer
medic. wb. (anat.) 8, 479;
die überbleibsel des hymens, carunculae myrtiformes Meckel
handb. der menschl. anatomie 4, 683;
erhöhung in der harnröhre, caput gallinaginis onomat. med. 152;
die nervenenden, besonders an der zunge Höfler 780
b,
dafür meist wärzchen (
s. d.). II@4@bb)
bei thieren. der fleischige auswuchs auf der stirn de sneugebornen fohlens: amor, warza (
Verg. Aen. 4, 516) Steinmeyer-Sievers 2, 654, 21,
vgl. Plinius dicit equos habere in fronte quandam carnem, i. warzun 2, 686, 51, die zwo wartzen ynn der platten auff dem kopff (
des kalbes) solten hörner worden seyn Luther 11, 384, 5
Weim. ausg. die zotten am halse der ziege: die güte der geyssz würt erkannt an den wartzen des bauchs (
laciniae a cervice dependentes) Eppendorff
Plinius 8, 84 (= 8, 50);
vgl. wärzlein 3 Dasypodius.
vom beutel an der kehle des elens: unter der tann erblickt er das elend mit breitem geweihe, und dem cilinder der bärtigten warze, recht unter der kehle. Bodmer
Noah (1752) 186 (6, 509).
die hornartige schwiele an der innenseite der vorderbeine und am sprunggelenk des pferdes (
vgl.hornwarze, kest
und warzel 4) Zinke
3 3098.
F. B. Weber
ökon. lex. (1838) 516
b; inwendig an der fuszwurzel (
des pferdes) die sogenannte warze als das überbleibsel des daumens Oken 4, 404.
ferner: auff dem ruggen hat er (
die meerraupe) kleine düssele, welche die fischer wertzen nennend Forer
fischb. 156
b; so werden dann (
zur begattungszeit) z. b. die ... augenbraunen der waldhühner gröszer, und die aufgeschwollenen warzen derselben viel röther Naumann
vögel Deutschlands 1, 118; sind kleine, gewundene, meist sich verzweigende hervorragungen ... vorhanden, so heiszen sie runzeln, bei gleichen dimensionen nach mehreren richtungen höckerchen, warzen, narben Ratzeburg
ichneumonen der forstinsekten 1, 5; hinten am leib (
der spinnen) befindet sich eine grosze öffnung, worinn 2—3 paar fleischige warzen Oken 5, 675. II@55) warze
bezeichnet in der neueren zeit auch erhebungen oder auswüchse an pflanzentheilen; warzenähnliche pünktchen oder bläschen an blättern, runde erhebungen an der unterseite von pilzen Nemnich 4, 856; '
die schuppen, schilder
u. dgl. sind flach ausgebreitete, die warzen
mehr kegel- oder keulenförmige drüsen' Ratzeburg
standortgewächse 215; warze,
knorpliger auswuchs am apfel; erhöhung bei pfirsichen und apricosen an stelle des blütenpunkts F. Ben. Weber
ökon. lex. (1838) 634
b. II@66)
die form der warze
dient oft zu vergleichen: myrmecia (
ein edelstein) habet quondam eminentias, wie wartzen Alberus
dict. (1540) Mm 4
a.
besonders um die kleinheit eines berges zu bezeichnen: lasz auf uns millionen hufen werfen, bis der boden, die scheitel an der glüh'nden zone sengend, den Ossa macht zur warze (
wart).
Shakespeare, Hamlet 5, 1; wir graben und schaufeln von oben hinein, und gerathen kaum ... unter die oberste haut der warze, wie das
[] gebirge im verhältnisz zur erde ist Tieck
novellen (1853) 8, 187.
vergleiche mit den krötenwarzen: also (
die steinerne kröte) heiszet ein mächtiger fels in den bergen des Schwarzwalds, stumpf und breit, voll warzen, der häszlichen kröte vergleichbar. Mörike 1, 80; dasz alles sittliche in frage gestellt wäre, dasz tausend und abertausend warzen krötenschleim ausspritzten Gutzkow
werke (1872
ff.) 10, 110.
die warze
als sinnbild von etwas geringwertigem: man schätze nun die perlen wie man wil, so achte ich sie doch nicht höher, als die wartz oder wärtzel Harsdörffer
gesprechspiele 7, Hh 7
b.
bildlich für '
kleiner fehler' (
vgl. u. warzel 5 Dannhawer): ich liebe sie (
die stadt Paris) zärtlich, sogar ihre warzen und sommersprossen Bode
Montaigne 5, 477; für Krafft ists schade, er sieht die mängel gut, und weis selbst nicht eine warze wegzunehmen Göthe
tagebücher 1, 118
Weim. ausg. II@77)
übertragene bedeutungen. II@7@aa)
die warze,
name einer genabelten afrikanischen schneckenart, helix mammillaris L. J. S. Schröter
einl. in die conchylienkenntnisz 2 (1784) 151. II@7@bb)
warzenähnliches in der technik. an geräten: die Wahlen haben lust und gefallen zu schönen und klaren glesern, die schlecht und circkelrecht sein, wie sie auch vil subtiler sein mit irer arbeit, welchs man an iren wertzen und boden, an ihren scheibennebeln und andern sihet Mathesius
Sarepta 195
b;
vgl.warzenglas.
an der wage: wie die wag mit der wärtz im leger leit Ercker
beschr. aller mineral. ertzt (
Prag 1574) 38
b; sie hängt mit ihren warzen in der scheere, in welcher sie sich leicht ... drehen kann Jacobsson 4, 562.
bei einem krummzapfen der ansatz, an dem die kurbelstange hängt Minerophilus (1730) 399. C.
F. Richter
berg- u. hüttenlex. (1805) 2, 610. Mothes
baulex.3 4, 336
a. '
der kurze arm an einer hammerhülse, welcher sich zwischen den backeneisen der standsäulen auf und ab beweget' C.
F. Richter 2, 610. warze, warzel,
die beiden enden einer holzwelle Martin-Lienhart 2, 860
b. warze
an der hemme, dem befestigungsstück der sensenklinge buch der erfindungen9 6, 292. warze
an den stäben des jagdnetzes: die garne mit schlubseilen, und die stäbe mit wartzen bestellen Aitinger
jagd- u. weidbüchlein (1681) 168.
erhöhung am vordertheile des bolzens (?): einer sagt, es kundt nicht halten; dem andern thët der finger erkalten; ainem ward die wartz abgeschossen; der ander thët auffs schwetzen losen. Balth. Han
ausreden der armbrust- u. büchsenschützen 214
Waszmannsdorff. warzenförmiger ansatz am geschosz, auch flügel
genannt, ailette, tenon v. Hoyer
u. Kreuter
5 1, 832
b. Dabovich 1, 452
a: man gewinnt ... gegenüber der führung durch warzen an schuszweite v. Alten
handbuch f. heer u. flotte 3, 457. warze
an verschiedenen theilen der feuerwaffen A. C. Heinze
taschenwb. der artilleriewiss. (1846) 625
a. v. Hoyer
u. Kreuter
a. a. o., in raketen ebda. beim bogenlicht an der negativen kohle sich bildender ansatz Blaschke
wb. der elektrotechnik 137. II@88)
sprichwörtliches: umb der wartzen willen trag ich händschen Lehmann
nach Wander 4, 1793; die warzen an den händen müssen die handschuhe verblenden Wander 4, 1792; besser eine warze auf dem rücken als eine sommersprosse im gesicht Simrock 16208; er weisz ein artigen spruch und füglichen text darauff zubringen, der reimt sich wie ein wartz auff desz frater Nasen nasz Fischart
binenkorb (1588) 173
a.