warzel,
f. ,
ableitung von warze,
ahd. warza; warzala Steinmeyer-Sievers
gl. 3, 683, 30, warcela 4, 211, 4,
im älteren nhd. und mundartlich warzel. B. Schmidt
vocalismus der siegerländ. mda. 17
sieht darin eine zusammensetzung mit einem auch in wurzel,
ags. wyrt-wala,
m., wyrt-walu,
f., vorliegenden worte (
got. walus,
m., anord. völr,
m. '
stab',
ags. walu,
f. '
strieme, schwiele'),
doch kann auch ahd. warzala
als ableitung neben warza
stehen wie runzila
neben runza.
in den glossaren des 15.—16.
jahrh. erscheint es als warzel, warzil,
mit verdumpfung worzel Diefenbach
gl. 160
b. 411
b. 614
a,
nov. gl. 379
b,
nd. wartel Diefenbach-Wülcker 894;
schriftsprachlich gebraucht [] wird es besonders in elsässischen drucken bis ins 17.
jahrh., so in Straszburger drucken von Gersdorf, Bock, Ryff, Golius, Sebiz, Dannhawer;
auch schweiz. wartzlen
Gesners thierbuch übers. v. Herold
u. Forer (1563) 34;
ferner bei Arigo eine kleine warczeln (
acc.)
Decamerone 145, 37;
bei Grimmelshausen wartzel
Simpl. schr. 4, 210, 24
Kurz; auch erzgeb. bei Mathesius
Syrach (1586) 2, 126
b.
mundartlich wird jetzt warzel
als fem., meist mit längung des vocals, zuweilen mit verdumpfung zu o
und mit ausfall des r,
bezeugt: elsäss. wārtsl, wōrtsl
usw. neben wārze Martin-Lienhart 2, 860
a, waardsl (
Oberschopfheim)
zeitschr. f. hd. mda. 1, 334, (
bei Rastatt)
zeitschr. f. d. mda. 1914, 345;
lothr. wártsəl (
in Lixingen watsəl),
dimin. wērtsəlXən Follmann 531
a; wārzel
wb. der luxemb. mda. 476
b;
im Westerwald wātsəl
deutsche dialektgeographie 4, 6;
siegerländ. wārz Schmidt 17,
hessisch in Blankenheim wōrdsəl Dittmar 8,
in Würzburg warzel Sartorius 133,
henneberg. wrzel Spiesz 286,
eichsfeldisch wōrtsl Hentrich 4,
erzgeb. worzl Göpfert 24,
in Sebnitz woɐrz Meiche 57,
in Seifhennersdorf bei Zittau wrts
beitr. 15, 6,
in Gleiwitz wūotso (< wūotsel) Gusinde 64;
auch ostpreusz. wōazel Stuhrmann
das mitteldeutsche in Ostpr. 25,
in der Zips wrts
beitr. 19, 303.
auf nd. gebiet belegt im engrischen und westfälischen: wārtele Bauer-Collitz 112
a, wrtəln (
sg.?)
in Schwalenberg (
Lippe-Detmold)
nd. jahrb. 32, 167, wtel Woeste 317 (
unter wāte), wāod'l Kaumann
münster. mda. 6. warzel
steht gleichbedeutend mit warze,
vgl.wartzen
oder wartzeln Bas. Faber
thesaurus (1597) 924
b,
ohne diminutiven nebensinn (
doch Meiche 57 '
kleine warze').
im els. steht das neutr. wärzel (
s. wärzlein)
als dimin. neben warzel Schmidt
Straszb. mda. 115
a,
im Zornthal wártsələ,
n., neben wórtsəl
jahrb. f. Elsasz-Lothr. 4, 50.
aber auch ein fem. wärzel (
aus *warzila
oder von wärze
ausgehend?)
scheint vorzukommen, s. u. 4
die belege für '
hornwarze des pferdes'
; ferner vielleicht hierher wärtzel Harsdörffer
gesprechspiele 7, Hh 7
b. v. Hohberg (1715) 3, 201
b,
wo aber auch (
wie bei warzel
in bair.-österr. quellen)
an das neutr. als dimin. gedacht werden kann. 11) unter der lincken pruste sie ein kleine warczeln hatte, darumb etliche goltfarbe härlein
Decamerone 145, 37; und sollen darmit (
mit genserich) die wartzlen der hand vertriben werden Ryff
deütsche apoteck (1573) 1, 109
a; ob der alte auch eine solche grosze wartzel wie ein horn uff der stirn hätte
Simpl. schriften 4, 210, 24
Kurz; (
dasz sie) die im leben gehabte wartzel am halse noch gehabt
Faust des christl. meyn. 20
neudr.; s'ist aber deszwegen leicht z'kennen, weil sie zwa warzeln auf ihrer rothen nasen hat v. Ayrenhoff
werke 4, 295, 6; warzel, warzel, weiche, sie läuten einer leiche. Vernaleken
mythen u. bräuche des volkes in Österreich 314. 22)
papula, rot grinth
vel warczelen Diefenbach
gl. 411
b; findt man die (
knollen bei leprakranken) gewonlich an henden und füsszen und anderszwo, als mit harten eysszen und vil schwartzen wartzelen Gersdorf
feldbuch der wundarzney (1528) 89; sagt diselb frau auch, das so lang der nestel verknipfft bleib, so könn man daran sehen, das er auflauffe und geschwelle, als ob er wartzeln bekäm
Bodin, daemonomania übers. v. Fischart (1581) 226. 33) düttenwartzeln Sebiz
feldbau (1580) 90; oft tregt sichs zu, das die sechswöchnerin selber nicht milch hat oder warzeln, da das kind anhangen kündte Mathesius
Syrach 2, 126
b; (
dieser essig ist gut) für die geschwärende brüst ... und heylet die wärtzel, wann sie schwürig seynd v. Hohberg (1715) 3, 201
b. 44) die wartzlen so es (
das stachelschwein) an der haut ... hat zuo beyden backen
Gesners thierbuch übers. von Herold
u. Forer 34. wärzel,
die hornwarze des pferdebeins (
vgl.warze II, 4
b): verbind im (
dem pferde) den schenckel ab und ab bis auf die wertzel Albrecht
roszarznei (1542) 40; est in tibiis equi pars, quam lingua vernacula wertzel appellat Bas. Faber
thesaurus 997
a. 55) in andern (
spiegeln erscheint der kopf) so klein wie ein wartzel Dannhawer
catechismus-milch 1, 49.
bildlich für '
kleiner fehler': alle seine auch die geringste sündenflecken, wartzlen und runtzlen ... erkennen 1, 60.
[] 66) warze, warzel,
die beiden enden einer holzwelle Martin-Lienhart 2, 860
b.