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zwerch

mhd. bis Dial. · 12 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

zwerch adj. und adv.

Bd. 32, Sp. 1084
zwerch, adj. und adv. , gemeingermanisches wort. got. þwairhs 'zornig', ahd. dwerah, twerah (über den lautwandel dw- > tw- vgl. Braune ahd. gr. § 167, anm. 8), mhd. twerh, ags. þweorh, an. þverr, schwed. tvär, norw. tver. seltener mit verlust des -h: in ahd. tweren bei Notker 1, 759, 15 P. (und im abstractum tuuiri ahd. gl. 2, 233, 63 St.-S., alemann. des 9. jh.), vgl. Schatz ahd. gr. § 242, mhd. twer (dwer), z. b. bruder Wernher in: minnes. 2, 231b v. d. Hagen; mnd. dwer; nhd. zwer L. Ercker mineral. ertzt (1580) 6b; vgl. dazu quer teil 7, 2355. im adverbiellen genetiv ahd. tueres (Notker), mhd. tweres, twerhes, mnd. dwers, afries. thweres, dwers, ags. þwéores, an. þvers, schwed. tvärs; vgl. mundartlich (Straszburg) zwergs Arnold pfingstmontag (1816) 103. die form des adv. ist im mnl. dwers und holl. dwars, dwers zum adj. geworden. umstrittener und unsicherer herkunft: nach Zupitza gutturale 71, Persson beitr. 122 zu einer (sonst nicht bezeugten) anlautsvariante mit t- von idg. terk- 'drehen' in lat. torqueo u. s. w., nach Walde-Pokorny 1, 736 ist vorgerm. terk- kontamination von terk- mit ter- (ahd. dueran), nach andern (Walde-Pokorny 1, 751 fragend; Holthausen aengl. etym. wb. 373) gehört zwerh als 'geschnitten' zu avest. θwarəs- 'schneiden', griech. σάρξ 'fleisch'. vereinzelt treten auch auszerhalb des ahd. (s. ahd. gl. 1, 256, 3; 2, 612, 68 St.-S.) sproszvokale auf: zwerich städtechron. 3, 167; zwerich Kramer t.-ital. 2 (1702) 245b und heute in alem. maa., vgl. z. b. tsweris Vetsch Appenzell 60, Meisinger Rappenau 216. der auslautende guttural wird vereinzelt als -g geschrieben, z. b. Murner luth. narr 1019 Merker, Naumann vögel (1822) 1, 200, auch zu -sch verbreitert, vgl. zwerisch Alberus nov. dict. (1540) p 3b; J. de Aosta America (1605) 82, mundartlich z. b. twersch Schambach Göttingen 238, zwersch Schmidt Westerwald 343. sprachgeschichtlich unklar ist seltenes -i- für -e-: zwirg liedersaal 1, 375 Laszberg, twirhs Ulr. v. Liechtenstein 270, 14 L.; zwyrhen herzmaner (o. o. u. j.) 105b. vom mhd. bis ins 16. jh. findet sich neben dem gebräuchlichen anlaut tw- auch noch dw-, vgl. S. Helbling 1, 1184 S., Forer Gesners tierbuch (1563) 166b. zw-anlaut (über die lautentwicklung vgl. Wilmanns gr. [1911] 1, 115) zuerst im 14. jh. bezeugt: zwerhen Joh. v. Würzburg Wilh. v. Österr. 8391 Regel; zweres Karlmeinet 171, 42 K.; österr. weist. (vor d. j. 1480) 7, 486, dafür qu- im alem. und besonders im md., s. quer, das sich vom md. aus in der schriftsprache seit dem 18. jh. durchgesetzt hat, vgl. Adelung 5 (1786) 464b; zwerch lebt nur noch in den maa., und zwar in allen obd. dialekten, im westmitteldeutschen und vereinzelt im schlesischen. 11) eigentlich, als richtungs- oder lagebezeichnung wie quer. 1@aa) eine längsrichtung kreuzend, oft im rechten winkel zu ihr: (latitudo [crucis] est) transversum lignum thuuerhaz holz (10. jh.) ahd. gl. 2, 342 St.-S.; dat twere holt (des kreuzes), dat was beleg bei Schiller-Lübben 1, 613; darnach teyl mg (linie) mit einer zwerchen op in zwey teyl A. Dürer underweisung d. messung (1525) k 2b; den mastbaum, sampt dem zwerchen holtz, daran das segel gebunden H. v. Eppendorff Plinius (1543) 38; der musz sich auf ein zwerges an einem seil hinunter gelassenes holtz setzen Harant der christl. Ulysses (1678) 14. zwerchs wegs, zwerch des wegs quer über den weg: ich wolde twerhes weges niht holde sie haben (die kämpfenden priester) Ludwigs kreuzfahrt 7240 Naum.; in dem kam ain vogler zwerchs wegs gegangen Steinhöwel Äsop 147 lit. ver.; wann ihnen ein haasz zwerch desz wegs laufft H. Guarinonius greuel d. verwüst. (1610) 309. adverbial: men voirte dat burnehoultz von Molenheim mit karren ind perden zwers over dat is bis vur die stat Coelne (a. d. j. 1499) städtechron. 14, 774; man ... gap im fisch, da er die asz, da kam im ein grat zwerchs in die kelen der heiligen leben, winterteil (1471) 146a; zohe er eine stang oder schmalen balcken zwärig uber die gaszen J. J. Grasser schatzkammer (1610) 363; mer zeiht sie (die weidenrute) zwergs imm kind durchs mul Arnold pfingstmontag (1816) 103. 1@bb) in zwercher finger, zwerche hand und ähnlichen maszbezeichnungen, vgl. teil 3, 1653; 4, 2, 360: mit dem sinne 'quer, der breite nach gemessen': zersnaid alle die klaider ... zu clainen riemen zwaier zwerher finger brait (um 1500 Nürnberg) städtechron. 10, 552; ein flachsz, ungefehrlich eines zwerchen fingers weit L. Fronsperger kriegsb. (1573) 2, 188a; das salz ... über einen zwerchen finger nicht dick hacken (v. j. 1614) v. Lori baier. bergrecht 393a; streichet den teig ... eines zwerchen fingers dick darauf v. Hohberg georg. cur. (1715) 3, 1, 165a; zwey zwerche fingerbreit Parnassus boicus (1722) 1, 67; ain zagel ... ungefarlich ainer zwerchen hand lang (Augsburg 16. jh.) städtechron. 25, 48; ich brauch des himels auch ein theil einr zwerchen handt breit oder drey Er. Alberus fabeln 173 ndr.; in eine höltzerne schachtel, die langlecht und einer zwerchen hand tief ist v. Hohberg georg. cur. (1682) 1, 220; an den (dingen) der êwigen sêlikeit niht lît eines twerhen halmes breit Hugo v. Trimberg renner 16614 Ehr.; die indianische haselnusz ist eines zwerchen daumens lang Tabernämontanus kräuterbuch (1687) 1333. 1@cc) adverbiell, durch ein gelände querfeldein: über velt wil ich draben ... und alle welt dwerhes Helmbrecht 418; wiltu aber zwerich dardurch (durch Böhmen) ziehen, so thustu es in dreien tagen städtechron. (15. jh. Nürnberg) 3, 167; hiernächst setzt der könig seinen marsch zwerchs durchs land Er. Francisci luftkreis (1683) 160; sahen sie ... den schimmel ... zwerch über ein frischgeackertes feld traben Musäus volksmärchen (1842) 301. als adj., vgl. limes zwercher weg (v. j. 1516) Diefenbach gl. 330a; limes ein zwercher fuszweg durch ein acker Calepinus XI ling. (1598) 823a. 'querfeldein', vgl. zwerchfeld: nu fuor er twerhes veldes jüng. Titurel 1286 Hahn; schön Els und Äll gant den zelt hin gumpen über twerches veld Oswald v. Wolkenstein 145 Schatz. unversehens: die trübsalen ... ungeferds und wie man sagt zwerchs felds daher kemen J. Gretter epistel s. Pauli (1566) 523. 1@dd) für die tiefenrichtung, mitten durch einen körper hindurch: ehe müste ich mir mit zwantzig lantzen, schwerd und spiessen zwerch und uber zwerch den ganzen leib durchgraben lassen Fr. v. Spee gold. tugendb. (1649) 109; strahlen von der groszen sonne der gerechtigkeit zwerch durch ein gewölcke Chr. v. Ryssel v. d. seelenfrieden (1685) 302; ich ... lief zwerchs durch den hauffen theatr. amoris (1626) 97; zwerchs durch den feind dringen scagliarsi, dare à traverso nemici Kramer t.-ital. 2 (1702) 1493a. 1@ee) von der seite her, nach einer seite hin von der geraden richtung abweichend, schief, schräg: der uuint tueres taz skef anagando in unhant fuoret Notker 1, 239 P.; ich mache dir sô dwerhen munt, daz allen liuten wirt unkunt, ob sî dînen gelîchen ie gesæhen in den rîchen d. böse frau 751 Schr.; (von einer schlange) ist rot und schwartz, kreucht langsam, nit für sich, sonder zwerisch Er. Alberus nov. dict. (1540) k 2a; (die afterklauen) seind ... viel stumpfer, auch mehr zwerch als länglicht, wie beim thier in der ferte zu sehen seynd H. v. Göchhausen notabil. venatoris (1741) 26; schief, zwerch hinab schlingt sich ein kleiner, schmaler steig A. G. Meiszner skizzen (1778) 3, 179; nasenlöcher (des adlers) ... schief oder zwerg stehend J. Naumann naturgesch. d. vögel (1822) 1, 200. schräg, abschüssig vom gelände: darumb soll man ... wol bedencken, das die niderträchtigen räben am füglichsten gesetzt werden an unebene zwerche ort, die ein wenig bühelecht sein M. Herr feldbau (1551) 74a. 22) übertragen verwendet; von menschlichen verhältnissen, 'verkehrt, verdreht'; vgl. auch: sô was ouch er küene an etelîchem tage dar nâch ein weltzage. ditz wâren zwêne dwerhe (widerspruchsvolle) site, dâ verswachete er sich mite Hartmann v. Aue Erec 4657; der mittel (sc. sanc ist) gar ze spæhe an disen twerhen dingen Walther v. d. Vogelweide 84, 27; ich hab es doch vor mals me gehört, wer eine freie wal begert, dem gibt man sie zu Nürenberg wie er wil, schlecht oder zwerg Th. Murner luth. narr 131 Merker; die von Deventer sin noch mit kreichsfolck besweirt und ist alles zwers (v. j. 1577) buch Weinsberg 2, 359 Höhlbaum; domit dann das regiment under solchen scheinnamen zwerchs und ubel gehandhabt wurde Dreyfelder hist. d. hauses Est (1580) 126a. in dieser bedeutung in rheinischen maa. noch lebendig, vgl. Schmidt Westerwald 343, Schön Saarbrücken 235, Hönig Köln 210, Köppen Dortmund 61. adverbiell zwerchs gehen, nicht nach wunsch gehen: einem alles zwerchs gehen andare, auvenire ad uno ogni cosa di ò à sbieco cioè contrario Kramer t.-ital. 2 (1702) 1493a; es geht alles zwerchs Schwan nouv. dict. (1783) 2, 1147a. bildlich vom menschen, 'nicht willfährig': anstatt, dasz er ... wolte zu willen seyn ..., war er allzeit zwerch in dem weg J. M. Merck traurschaubühne (1665) 607. vom schrägen, schielenden blick ausgehend, ahd. und mhd. häufig im sinne 'zornig, böse, unwirsch, scheel': aber Juno uuarteta mit tuueren ougon an sine grozen arma unde an sin guollih keinon Notker 1, 759, 15 P.; sô wird ich mit twerhen ougen schilhend an gesehen Walther v. d. Vogelweide 57, 36; do warf der alte sinen spot uf den unreinen abgot, den er vil twerches ansach passional 278, 53 Köpke; vgl. in der mundart: der blick ist zweer M. Buck volksglaube u. volksabergl. aus Schwab. (1865) 12; dazu zwergaugen, schäle augen limi oculi, limuli Aler dict. (1727) 1, 192a und zwerchblick. 33) zwerch-composita (sieh unten an alphabetischer stelle) sind seit ahd. zeit bezeugt, im ahd. und mhd. bleiben sie vereinzelt: zwerchaxt, -bach, -bank, -finger, -graben, -haue, -holz, -lehre, -nacht. das 16. jh. ist in neubildungen am fruchtbarsten, im 17. treten sie dagegen schon zurück und werden seit dem 18. jh. seltener, weil durch quer-composita zurückgedrängt, s. teil 7, 2356 ff.. schriftsprachlich bleiben nur zwerchfell und zwerchsack (neben quersack) und einige technische ausdrücke lebendig wie: zwerchaxt, zwercheisen, zwerchhobel; sonst finden sich zwerch-composita nur noch bei obd. schriftstellern. bis in das 19. jh. ist die schreibung zwerg- fast ebenso geläufig wie zwerch-. die form zwer (s.zwerch sp. 1084) hat sich nur in wenigen compositis erhalten: zweraxt, -balken, -bank, -finger, -holz, -linie, -sack, -strichlein, -stück, -waffen. vereinzelte bildungen mit zwerchs-, besonders in adv.: zwerchsweise (J. Th. de Bry archelei [1614] 6), -lehre, -über. ganz für sich steht zwürch- in zwürchgabel (s. u.zwerchgabel), vgl. dazu die form zwirch oben sp. 1085. zwerch-composita sind fast ausschlieszlich subst., adj. und adv. treten nur vereinzelt auf: zwerchblau, -eckig, -über, -weise.
10892 Zeichen · 342 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    zwërch

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +1 Parallelbeleg

    zwërch s. twërch (aines zwerhen fingers prait Np. 97. Chr. 11. 552,3 ).

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Zwêrch

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Zwêrch , adv. über eine Sache nach dessen Breite gerichtet; ein größten Theils Oberdeutsches Wort, wofür im Hochdeutsche…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Zwerch

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Zwerch (mittelhochd. twerh ), quer, schräg (»überzwerch«).

  4. modern
    Dialekt
    Zwërch

    Elsässisches Wb. · +5 Parallelbelege

    Zwërch , Zwërg [Tswar Obsteinbr. Urbis ; Tswariχ Logelnh. ; Tswarik Co. Henry; Tswærχ Str. ; Pl. –ə] m. Zwerg.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit zwerch

182 Bildungen · 178 Erstglied · 1 Zweitglied · 3 Ableitungen

zwerch‑ als Erstglied (30 von 178)

Zwerchbach

SHW

Zwerch-bach Band 6, Spalte 983-984

Zwerchfeld

SHW

Zwerch-feld Band 6, Spalte 983-984

Zwerchfell

SHW

Zwerch-fell Band 6, Spalte 983-984

Zwerchhag

SHW

Zwerch-hag Band 6, Spalte 983-984

Zwerchholz

SHW

Zwerch-holz Band 6, Spalte 983-984

Zwerchkopf

SHW

Zwerch-kopf Band 6, Spalte 985-986

zwerch als Zweitglied (1 von 1)

überzwerch

DWB

ueber·zwerch

überzwerch , adv. , überquer. zusammenrückung aus präp. über und subst. adj. zwerch. mhd. übertwerch Lexer 2, 1599 . nebenformen: überzwerch…

Ableitungen von zwerch (3 von 3)

entzwerch

DWB

entzwerch , in obliquum: ist in der gefahr so groszer schnelle, dasz er auch die kleinen schif entzwerch überscheuszt. Forer fischb. 36 a . …

verzwerch

RhWB

ver-zwerch: 1. -twaš überquer, gegen den Strich Barm . — 2. a. nicht gedeihend; e v.tər Bam Baum, der im Wachstum zurückgeblieben ist Koch-W…

zwerche

DWB

zwerche , f. , s. unter zwerch, f.

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Cotta, M. (2026). „zwerch". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 10. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/zwerch/dwb
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Cotta, Marcel. „zwerch". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/zwerch/dwb. Abgerufen 10. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „zwerch". lautwandel.de. Zugegriffen 10. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/zwerch/dwb.
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