gleichartig,
adj. , '
homogen'.
seit der zweiten hälfte des 17.
jh. belegbar. 11)
vor allem '
ähnlich, verwandt',
auch '
zusammenstimmend',
wie gleich I A,
an dessen stelle es häufig treten könnte, auf aussehen, gesinnung, verhalten, äuszere oder innere beschaffenheit bezogen. 1@aa)
prädikativ: (
weil) aus liebe der gleichheiten, so wol der zug dessen, was gleichartig ist, als die abtreibung der widrigkeiten, herrühret Er. Francisci
d. eröffnete lusthaus (1676) 99.
das zweite glied der vergleichung meist im dativ: sie (
die kaiserl. würde) hat etwas für diese zeit unentbehrliches, heiliges. offenbar ist sie dem papstthum gleichartig Ranke
s. w. (1867) 1, 37; die nacht blieb nüchtern oder doch gewöhnlichen reinen nächten der steppe gleichartig Hans Grimm
volk ohne raum (1926) 1, 416.
in der bedeutung '
gemäsz': das reineste (
der speise), und was der natur des menschen gleichartig (homogeneum) ist, bleibet: was aber von derselben entfremdet und undienlich (heterogeneum), das schaffet die natur ... widerm von sich Butschky
Pathmos (1677) 411; wenn diese parabeln (
Andreäs) unsrer zeit sehr ungleichartig wären, so ists ... besser, als wenn sie ihr ganz gleichartig wären Herder 16, 165
S. seltener in präpositionaler verbindung der vergleichsglieder: alles was mit meiner natur noch gleichartig ist, was in sie aszimilirt werden kann, beneide ich, strebs an, mache mirs zu eigen
ders. 5, 510. 1@bb)
attributiv: die harmonie überhaupt ist eine zusammenstimmung gleichartiger dinge K. W. Ramler
einl. in d. schön. wiss. (1758) 4, 116; verbinde durch dieses gewind ein paar gleichartiger stiere, und man halte sie an zu abgemessenen schritten (
ipsis e torquibus aptos iunge pares) C. G. Bock
Virgils lehrgedicht vom landbau (1790) 100; also, dasz ich fast glaube, nachdem Luthers gleich-artiger rauher bergmann zu dieser männer schriften gelanget, dasz sie seine lehrmeister können genennet werden J. D. Geyer
müsziger reisestunden gute gedancken (1735) 13, 4; diese beiden verschiedenen und doch wieder gleichartigen männer H. Seidel
vorstadtgesch. (1880) 86; gleichartige charaktere stoszen sich ab oder langweilen sich O. v. Bismarck
br. an s. braut u. gattin (1900) 65. 1@cc)
häufig substantiviert: sie sprachen von einem ... naturgesetz, dasz sich alles gleichartige vereine und das entgegengesetzte scheide Herder 16, 555
S.; denn nur das gleichartige hält auf die dauer zusammen E.
M. Arndt
schr. für u. an s. l. Deutschen (1845) 2, 23; freilich lebt das nur fort in dir, was dein sinn befähigt ist aufzunehmen, insofern es gleichartiges mit dir hat Bettine
d. Günderode (1840) 1, 8; letztere (
die vornehmen klassen in Frankreich) ergreifen in ihrem interesse ohne anstrengung nur das ihnen gleichartige Immermann 1, 193
Boxb. von dem rangbegriff gleich I B
mitbestimmt: wenn hinter einem werke, wie die lebensbeschreibung Cellinis, eine nachschrift den leser anziehen sollte, so müszte sie etwas gleichartiges leisten Göthe I 44, 301
W.; (
das mittelalter) wo der gedanke der ungleichheit das ganze leben erfüllt, so dasz selbst das von natur gleichartige überall noch ein buntes kleid abweichender rechte und pflichten erhält K. A. v. Müller
dt. gesch. u. dt. charakter (1926) 149. 1@dd)
oft mit ausdrücklicher bestimmung des ähnlichkeitsgrades, meist durch ein adverb: sonderbar ist das gepränge bei der vermählung eines negers auf der goldküste mit einem unmannbaren mädchen und dem beispiele von kaiser Friedrich III. ziemlich gleichartig Fr. Chr. J. Fischer
über d. probenächte d. teutschen bauernmädchen (1780) 71; er ist insofern mehr den Merowingern gleichartig, die von Carls vorfahren gestürzt waren, als diesem selbst Ranke
s. w. (1867) 14, 16; die ... glieder ... ob sie gleich gantz einförmig und gleichartig sein Chr. Knorr v. Rosenroth
pseudodoxia (1680) 595; in völlig gleichartiger struktur Herm. v. Barth
nördl. Kalkalpen (1874) 603.
ungewöhnlich: das gleichartigst scheinende wurde sich im moment entfremdet Gutzkow
ges. w. (1872) 10, 41. 22)
in engerem und präziserem sinne: das, was zu einundderselben art, gattung, ordnung oder spezies gehört, entsprechend gleich III B
und, in der rückbeziehung auf vorhergenanntes, wie gleich III D: denn es mag vielleicht eine hasel-staude oder sonst ein andres metall-süchtiges gewächs in der nähe gestanden seyn, und das geld durch sein gleich-artiges verlangen nach sich gezuckt haben Er. Francisci
lufftkreis (1680) 887; die jagdlust der civilisirten völker beruht vielleicht zum theil auf gleichartigen gefühlen (
wie bei den Indianern) Holtei
erz. schr. (1861) 20, 43; da in solchen alliterationen nur gleichartige redetheile, nicht ungleichartige, gebunden werden Jac. Grimm
dtsche rechtsalterth. (1899) 1, 8; es sind mehrere, wesentlich von einander verschiedene arten von zellen (
im holz) zu unterscheiden ... die gleichartigen zellen kommen in gröszeren ... gruppen vor Karmarsch-Heeren
techn. wb. (1876) 4, 359.
in der mathematischen fachsprache (
s. auch gleichbenannt, gleichnamig 2): 'gleichartig (homogen)
ist, was durch dieselbe einheit gemessen wird oder gemessen werden kann. alle linien sind gleichartige
gröszen, so auch alle flächen unter sich, alle körper, desgleichen zeiten, beschleunigende kräfte, gewichte' Klügel
mathem. wb. (1803) 2, 359; Karmarsch-Heeren
techn. wb. (1876) 6, 45.
gelegentlich adverbial, '
auf gleiche weise',
s. gleich III C 2: der schädel (
der wirbeltiere) ... besteht überall aus den ... gleichartig verbundenen knochenstücken Brehm
tierleben 1, 3
P.-L. 33)
auf die teile eines in sich geschlossenen ganzen oder eines in sich gleichförmigen ablaufs bezogen, zu gleich III E 1
und 3. 3@aa)
allgemein: und das ganze gefühl in ein einziges gleichartiges und starkes vergnügen zu verwandeln Dusch
verm. krit. u. satyr. schr. (1758) 229; der charakter und der ton derselben (
der alexandrinischen poesie) ist gleichartig und regelmäszig Fr. Schlegel
s. w. (1846) 4, 20; leider war ... der stil (
des gebäudes) nicht ganz gleichartig Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 5, 173; nach und nach milderte sich das gewitter, der sturm war nur mehr ein gleichartiger wind A. Stifter
s. w. (1904) 5, 1, 81; ist das steigen ... durch polgase (
veranlaszt), so hat das kupfer einen mehr gleichartigen porösen bruch und anderen glanz wie bei schwefliger säure Muspratt
chemie (1893) 4, 1931.
namentlich: jede grösze, wenn ich mir sie in gleichartige theile zerlegt, vorstelle
briefe d. neueste litt. betreffend (1764) 17, 83; mein beruf ist zusammenfügen, verbinden, ungleichartige theile in ein ganzes zu vereinigen; des kritikers beruf ist, aufzulösen, trennen, das gleichartigste ganze in theile zu zerlegen Göthe
gespräche 8, 264
W. v. Biedermann. von dem maszbegriff gleich II
mitbestimmt: aber die nothwendigkeit, die groszen theile des stückes auch in dem äuszern umfange einander gleichartig zu bilden G. Freytag
ges. w. (1887) 14, 172; die materialien in einer gleichartigen vollständigkeit zu sammeln Ranke
s. w. (1867) 39,
anh. 26. 3@bb)
speziell als naturwissenschaftlicher terminus, '
homogen',
zur bezeichnung einfacher, nicht zusammengesetzter körper: '
die gesteine sind entweder einfache, gleichartige,
d. h. von solcher beschaffenheit, dasz man bey ihnen weder mit dem bewaffneten auge, noch durch anwendung mechanischer oder chemischer trennungsmittel eine zusammensetzung aus verschiedenen mineralkörpern nachweisen kann, oder sie sind gemengte, zusammengesetzte, ungleichartige Oken
allg. naturgesch. (1833) 1, 476; sage ich gleichartig, so heiszt das immer noch zusammengesetzt, —und sag ich weisz, so kann es fürwahr nichts anders heiszen als schmutzig (
ironisch) Göthe II 2, 107
W. anders, vom gesichtspunkt der quantität aus und auf die dichtigkeit eines körpers bezogen: '
man saget ein körper sei gleichartig (homogeneus),
wenn in allen gleichen theilen seiner grösze gleich viel körperstoff enthalten ist. hingegen ist der körper ungleichartig (heterogeneus),
wenn in gleichen theilen seiner grösze hier mehr, und dort weniger stoff enthalten ist' Bürja
gröszenlehre (1799) 1, 113.