lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

ungerne

mhd. bis nhd. · 8 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
8 in 8 Wb.
Sprachstufen
3 von 16
Verweise rein
12
Verweise raus
12

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

ungerne adv.

Bd. 24, Sp. 821
ungern, ungerne, adv. , selten adj. oder subst., gth. v. gern th. 4, 1, 2, 3719 ff. ahd. ungerno; an. úgjarna, adv., úgjarn, adj.; ags. ungeorne; mhd. mnd. ungerne; mnl. ongerne; nl. ongaarne; n. ugjerne; schwed. ogerna. Staub-Tobler 2, 427; els. 1, 232; lux. 315a; Bauer-Collitz 108a. die verkürzte form ungern schon mhd. in hss. des Parz., Suso 4, 31 B., mnl. wb. 5, 664; die volle ungerne noch nhd. allgemein neben ungern (z. b. Luther, Lessing, Herder, Göthe, Kant, Mörike) üblich. ungeren (mhd. wb. 1, 535a) im 16. jh. schriftsprachlich veraltend (A. v. Eyb d. schr. 1, 49, 15; Sachs 14, 280, 34 G.); mundartlich noch z. b. Staub - Tobler a. a. o. ongern Sleidan red. 131; th. 7, 1204. in mundarten verliert sich schlieszendes n (Staub-Tobler, Martin-Lienhart, lux., mnl. wb. a. a. o.), im schweiz. kann das stammwort zum suffix herabsinken und un umgelautet werden (un I B 6). im übrigen s. gern. während die steigerungsformen von gern i. a. schriftsprachlich verpönt sind, haben sie sich von ungern erhalten, freilich nicht ohne widerspruch: s. gern I 3, Campe wollte eher den superl. als den comp. gelten lassen: so vil ungerner N. v. Wyle transl. 93, 7 K.; Luther 30, 3, 48, 1 W.; invitius ungerner Alberus; P. Winckler gedancken (1685) a viir; Lessing 17, 320; Göthe IV 4, 58, 6 W.; Schiller 3, 596; Gries ras. Rol. 1, 42. aller ungernist N. v. Wyle 76, 3 K.; am ungernesten Lohenstein Armin. 1, 1238a; am ungernsten Butschky Pathm. 14; Lessing 8, 180; Herder 5, 46; Göthe 11, 51 W.; Hebbel br. 7, 38. vgl. 3 h. vereinzelt als adj. (s. das an. und nl. wb. 10, 1572 anm. 2): in gloss. und wbb. wird invitus und invite hin und wieder unterschieden Diefenbach n. gl. 230b; Maaler 462b; Schönsleder t 7b; der hunger ist ungern Fr. Wilhelm sprw. reg. a y β 26; aber so ungern, so kurz das lachen auch ist Lessing 10, 90; vgl. die substantivierung 3 k. individuelle bildung ungernig: von naturen, denen alle geistesfreiheit abgeht, daher entbindet auch der schlaf ihre züge nicht. ich nenne den ausdruck ungernig, sie sehen aus, als schliefen sie ungern Vischer auch einer 2, 378. die mundart kennt auch ungerig Staub-Tobler 2, 427. 11) der ableitung am nächsten steht das gth. v. gern 1, dem natürlichen 'begehren', streben, trachten, wollen nicht entsprechend oder widerstrebend. mit ausdrücken des begehrens, wollens u. dgl. oder inhaltlich gleichbedeutenden umschreibungen: er sich ... ungern ... keinem menschen wolt offnen Suso 4, 31 B.; auch von unpersönlichem: die füsze wolten nur u. schritt für schritt gehen Polenz Grab. 1, 290; ob nun wohl der könig ungerne dran wolte volksb. v. g. Siegfr. 62 ndr.; Schnabel Felsenb. 26, 28 U.; so ungern er auch daran kam Schmid g. d. D. 4, 87; 1, 111. wie bei kaum (th. 5, 353) 1 oft können ergänzt wird, so bei u. oft wollen, mögen: aus guot kumbt man u. (will man u. kommen; kommt man, ohne es zu wollen), das bOesz wechszt selbs Nas antip. 1, 44a; u. wendet sich der blick von dem bescheidenen mystiker (er möchte verweilen) Scherer litg. 346. übertragen: meine muse fühlt die schäferstunde, wenn von deinem wollustheiszen munde silbertöne ungern fliehn Schiller 1, 224. 22) im gs. zu gern 2 mit verhütendem, vorbeugendem conj.: ich wolt u. an deren stat sin am jüngsten tag Eberlin v. Günzburg 1, 37 ndr.; und so gern ich geschriebene romane lese, so u. möchte ich in einem wirklichen mitspielen Holtei erz. schr. 2, 192. 33) gth. v. gern 3, unfreudig, ohne willige unterwerfung, ohne völliges einverständnis, ohne frohe bereitwilligkeit, mit besonderer unlust, nicht ohne überwindung, zum leidwesen, ärger, verdrusz, bedauern, schmerz u. dgl.: ungerno minus libenter Graff 4, 234; das haben wir ... nicht ungern und mit sunderen freuden gelesen Steinhausen privatbr. 1, 63; darumb wir ungern lident d. e. wiszheit betbüchlin c iia; mancher leihet ungerne Sir. 29, 10; sterben Luther 18, 515, 29 W.; du hiltst ungern dein nasen drüber Sachs 17, 84, 20 G.; wie ungern er da urlaub nam Scheit heimfart o iiia; lassen (verlassen) Göthe Herm. u. Dor. 7, 153; ungerne stehn wir zu Gryphius trauersp. 27 P.; leuten, die nichts ungerner als vergebung annehmen Lessing 2, 307, 20; wissen Kant 3, 25, 6; deine briefe werden alle gleich verbrannt, wie wohl ungern Göthe IV 8, 186 W.; folgend 49, 371, 25 W.; ἀέκοντε Bürger Ilias 1, 327, ebenso Voss. M. ertrug es ungern, dasz (aegre ferebat) Mommsen r. g. 2, 154; 5, 45; vgl.d. von nichtpersönlichem: u. wurzelt der anker noch im sande Tieck 1, 216; er (der vogel) ist sehr u. von mir weggestorben Keller 4, 253; für u. gesehen wurde: der nachklang drang zum himmel, bis dasz der abendstern die hirten schlieszen hiesz, der itzt zum erstenmal der welt sich ungern wies Ramler einl. 1, 406. die spannung des begrifflichen inhaltes ist erheblich; gemeint sein kann gutmüthig-leises bedauern (Göthe Herm. u. Dor. 1, 33), unzufriedenheit (Göthe 21, 37, 20 W.), überwindung gesellschaftlicher anstandsbedenken (Hoffmann v. Fallersleben 5, 321), verdrusz (Göthe Herm. u. Dor. 1, 206), schmerz (1, 153), entrüstung (Rein. Fuchs 4, 49, gantz node Reinke de Vos 1834), schauder (Faust 6212); vgl.h. meist ist u. stärker als nicht gern. nach 5 weisen verbindungen wie u. und so gut als gezwungen Bürger 1, 257 B.; u. und halb gezwungen Ranke 8, 152. zur heutigen abgrenzung gegen freiwillig (fr., aber u.) und unwillig (das den bezug auf äuszerung im betragen einschlieszt) Weigand 3, 856; Eberhard - Lyon 855. insbesondere a) u. thun: Gerhard v. Minden 138, 28 L.; Tauler serm. (1508) 39b; es wird auch ein leicht ding schwer, wenn mans ungern thut Petri d d ivr; allgemein. b) hören u. dgl. wie ahd., mhd., mnl.: Murner adel 20 ndr.; ungern und nicht ohne sondere bewegnüs ist den gesambten f. f. und stenden zu vernehmen gewesen act. publ. 2, 152 P.; man sagte ihm nach, und er hörte es nicht ganz ungerne Mörike 3, 30. c) sehen: sonderlich sehen sie ungern, dasz das evangelium gepredigt wird Luther 34, 2, 242, 11 W.; ein ungerne gesehener gast H. v. Barth kalkalpen 499; es wird sehr u. gesehen, wenn Moltke 4, 61. ähnlich: u. aber habe ich zu bemerken gehabt Göthe II 11, 78 W.; finden Bode Yor. 1, xiv. d) haben: habens doch die grossen herrn so trefflich ungerne, so man sie schilt und strafft Luther 19, 195 W.; Tschudi 1, 118; ich hab's doch nit u. g'habt Pocci kom. 6, 126; H. hatte den kurzgeschorenen ziegenhirten nicht ungern Scheffel 1, 191. ein ding u. haben und darob übel zufriden sein, etwas u. haben und darob zürnen, u. und nit verguot haben aegre ferre Maaler; ungern haben n'aimer point Frisch (1730) 623; übel nehmen Staub - Tobler 2, 427. e) u. wo sein: wenn dich eyn herr ynn kerker gefangen hette, und du ausz der maszen ungerne drynnen werist Luther 10, 1, 1, 459 W. auch in der bei gern 3 e bemerkten verkürzung: höchst u. weisz ich das liebe kind in der pension Göthe 20, 17, 3 W. f) mit adjectiven (aber oft aufs subject oder den verbalbegriff zu beziehen): u. freigebig, schweigsam, keusch, froh u. s. w.; vgl. ungern heylsame geschwAer, s. 8. g) gth. v. gern 3 g, der gewohnheit und neigung nicht entsprechend: ich ... lache ungerne sô man bî mir weinet Walther 48, 2, Gerhard v. Minden 117, 78 L.; es was ein bruder in einem kloster, der gieng gar ungern zuo der mettin Pauli schimpf u. ernst 172 ndr.; Opel-Cohn 208; Klopstock br. 102 L.; die Deutschen ..., die sich fremden klängen, quantitäten und accenten nicht u. gleichstellen Göthe 7, 2, 24 W. h) verstärkt durch vast, trefflich (s. Luther d), gar, gar zu, nur zu, so, recht, reichlich, ziemlich, sehr, auszerordentlich, unsäglich, gewaltig, ungeheuer u. ä., im alltagsdeutsch auch schrecklich, gräszlich, eklig, scheuszlich u. s. w., in der mundart z. b. durch angstlich H. R. Manuel weinsp. 1368 ndr. (Staub-Tobler 1, 339, 2 b), herzlich u. (früher auch von hertzen u. Luther 34, 1, 63, 34 W.), blutsungern Sanders erg. 227b; hundsu. Staub-Tobler 2, 427, mordsungern. wie gern 3 h δ ironisch: also sprach er, und Zeus klaräugige tochter Athene hielt ihm die hände noch fest, die schrecklichen, denen im streite ungern nahet ein mann, und wenn er der trefflichste wäre Göthe Achilleis 446. gemildert: ein wenig u. Frisius, Stieler; ein bisgen Göthe IV 3, 19, 5 W.; etwas, ziemlich u. s. w. i) als antwort ist u., gern gegenüber, kaum fest entwickelt. k) subst.: u. hilfft nicht, macht ubel arger Wander 5, 1782; du sahst ja .. mit wie viel schmerz und zwang und ungern (grosz geschrieben) ich dir willfuhr Schiller br. 1, 6; das gern oder u. kommt nicht in frage; ungerneres hette nie Rinaldo was verrichtet D. v. d. Werder ras. Rol. 33; nichts ungerneres Stieler, Frisch, Staub - Tobler; das ungernste, was ich thue. 44) gth. v. gern 4, unvorsätzlich, unabsichtlich, nicht mit fleisz; der grundbed. gegenüber abschwächung, aber alt (Bosworth - Toller 1111a, 2); ἀβούλητος Decimator, Garth; net gern unabsichtlich Fischer schw. wb. 3, 422, 2: ob du nu eyn wenig zu viel nemest unwissend und ungerne Luther 15, 297, 9 W.; Comenius ja nua 280; Klinger 1, 66; folgend unlöschbarem durste, gelangt' er zur welle des bornes, armer! und sah ungern, was zu erschauen nicht ziemt A. W. Schlegel Athenäum 1, 135; so wisse nur, dasz wir u. gefehlt haben Schleiermacher Plat. 6, 89. in neueren beispielen mit vorliebe nach bed. 1—3 umgebogen. 55) gth. v. gern 5 (6), nicht aus freien stücken, unfreiwillig, gezwungen: dieweil sie es u. thuon, werden sie ubel dar zuo geschlagen Agricola sprichw. Cc viib; Tschudi 1, 45; es ist aber ein herter zwang, das der mensch ungern on sein danck musz eygen sein und underthan B. Waldis Es. 1, 181 K.; wenn sie ungerne verlassen sollen, wobey sie gerne länger geblieben wären Chr. Wolff v. d. m. thun 305; im bilde (vgl. 3): die erde trank ungern der enkelsöhne blut Schiller 15, 1, 34. undeutlich gegen 3 abgegrenzt: nur u. fügte sich E. in die forderung Ranke 1, 280. zur syn. s. 3. 66) gth. v. gern 8, von thieren, pflanzen u. s. w., sowie von naturereignissen, um das gth. oder den mangel einer vorliebe, neigung auszudrücken: wenn auch der künig vil seind, so bringen sye (die bienen) die u. umb Eppendorff Plin. 11, 185; es henckt sich das quecksylber .. ongern an das sylber Münster cosm. 10; kein ärger erdreich ist ... dann es laszt sich u. erbawen Sebiz 24; Lehman 1, 227; wo gotteshäuser sind, da nisten an den wänden nicht ungern, wie man sieht, sich diese vögel ein Hoffmannswaldau-Neukirch 2, 163. so noch heute. 77) gth. v. gern 9 von erfahrungstatsachen 'in der regel nicht, selten'; oft von 6 kaum zu unterscheiden: wie u. auch der allt schlauch diessen weyn fasset, jah auch nicht fassen und hallten kan Luther 10, 2, 325 W.; was in die höhe geimpffet wurt, das bekleibt ungern Herr feldb. 69b; nicht u. gehen sie den bischof vorbei und wenden sich an den papst Ranke 1, 170. 88) gth. v. gern 10 'schwer, mit mühe, kaum, schwerlich'. vgl. nicht gern, nie gern: ahd. nals ungerno haud difficulter Graff 4, 234; dann es (geschmolzenes metall) gar u. fleuszt Paracelsus 2, 550; jede sprach .. laszt sich u. in ein andere sprach bringen ohn abgang Xylander Pol. 6; u. heilen Graff a. a. o.; Gäbelkover 2, 97; ungernheylsame geschwAer Sebiz 95; difficulter movetur es geht u. Schönsleder t 8a; 'die fahrbahn ist schlecht' Staub-Tobler 427; ihre handlung verträgt u. dramatische ausarbeitung der charaktere Freytag 14, 40; die leute ... lassen sich ungerne (nicht leicht) irgend eine gelegenheit zu taktlosigkeiten .. entgehen jahrb. d. Grillparzerges. 6, 53; das messer haut schülich u. schneidet sehr schlecht, ist stumpf Staub - Tobler a. a. o. schriftsprachlich heute wohl regelmäszig umgedeutet. 99) wie selten 2, kaum 2, schwerlich 2 b η zur vertretung der negation, 'fast nie, wohl in keinem falle, wohl nicht' u. dgl. vgl. den iron. gebrauch 3 h: Hartmann Iw. 1041; Walther 54, 22; Suso d. schr. 76, 14 B.; wann das wär, das got nit wöll, das ich in müst on schuld begeben, so wölt ich fürbas ungern leben Hätzlerin 117a; unsz ist angeboren ein glaubhafftigkeit und einfaltigkeit, das wir meinen, andere wolten unsz so ungern betriegen, als wir sie nit wolten laichen Eberlin v. Günzburg 1, 80 ndr.; veraltet. 1010) in verb. mit gern. s.gern 7: so gerno so ungerno Notker 2, 476, 9 P.; wolten sie nicht gerne, so musten sie mit unlust und ungerne Bütner epitome 465a; gern oder u. Weckherlin 2, 236 F.; Hohberg 1, a ij; Schiller 1, 256; Hebel 2, 159, 1 B.; Ranke 14, 33; Scheffel 2, 97; vgl.gern oder nicht; gern und u. Lehman 2, 680; wir müssen .. gestehen, das wir diese unvollständigkeit fast eben so gern als u. bemerkt haben Lessing 7, 15, 28; theils gern, theils ungerne Kortum Jobs. 3, 107; gern oder doch nicht u. Fontane I 4, 156 u. ä.
12776 Zeichen · 408 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    ungërneadv.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +3 Parallelbelege

    ungërne adv. nicht gerne. aneg. 28,29. Iw. 47. 58. 135. 138. a. Heinr. 179. Walth. 48,2. 54,21. 55,39. Parz. 20,1. 154,8…

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    ungerneAdv.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +2 Parallelbelege

    ungerne , Adv. Vw.: s. ungērne

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    ungerneadv.

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    ungern , ungerne , adv. , selten adj. oder subst., gth. v. gern th. 4, 1, 2, 3719 ff. ahd. ungerno; an. úgjarna, adv., ú…

Verweisungsnetz

13 Knoten, 13 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 6 Kompositum 5 Sackgasse 2

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit ungerne

0 Bildungen · 0 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von ungerne

un- + gerne

ungerne leitet sich vom Lemma gerne ab mit Präfix un-.

Zerlegung von ungerne 2 Komponenten

ung+erne

ungerne setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

Keine Komposita gefunden — ungerne kommt in keinem anderen Lemma als Erst- oder Zweitglied vor.