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glotzen

mhd. bis spez. · 14 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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20 in 14 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

glotzen vb.

Bd. 8, Sp. 221
glotzen, vb. , 'starr blicken'. mit anord. glotta 'höhnisch lachen, so dasz man die zähne zeigt', norw. und schwed. glutta, norw. und schwed. dial. glotta, norw. glytta dass., jüt. gløtte 'die ohren nach etwas spitzen', 'gucken' auf ein germ. *gluttēn mit intensivgemination (s. Wissmann nom. postverb. 1, 191) zurückweisend, dessen wurzelform *glut in engl. to gloat (aus ags. *glotian) 'hämisch blicken, anstarren, anglotzen' vorliegt, vgl. ferner engl. to glout 'starren, betrübt oder mürrisch aussehen' (aus *glūtian). zu idg. *ghld-, einer erweiterung von *ghlŭ- zur wurzel *ghel- 'glänzen, schimmern', s. Walde-Pokorny 1, 627; Persson beitr. z. idg. wortforsch. 796; Falk-Torp 331; Torp 166, 168, 169; Hellquist 192. — neben glotzen auch klotzen, vereinzelt glutzen zimmer. chron.2 2, 304 Barack; glötzen Huberinus spiegel d. hauszucht (1553) 253a. die bezeugung bleibt vom mhd. bis ins 18. jh. spärlich, erst mit dem 19. jh. wird das wort sprachläufig und entwicklungsfähig. mundartlich ist glotzen vornehmlich im gesamten md. bereich zu hause, obd. nur in den nördl. und westl. teilen, während es im süden, namentlich im Alpengebiet, fast ganz unbekannt ist (doch vgl. Hunziker Aargauer wb. 108 und kärntisches glotzar in Frommann dt. mundarten 4, 158). für das nd. verzeichnen es auszerhalb kleinerer, unmittelbar ans md. angrenzender gebiete nur Frischbier preusz. 1, 238; Fischer Samland 141. 11) 'mit starren, weit aufgerissenen oder hervortretenden augen blicken, stieren'. in absolutem gebrauch, daneben häufig in verbindungen wie mit (aus) den augen glotzen, mit glotzenden augen u. ähnl. in jüngerer sprache auch mit präpositionalem objekt auf, nach etwas glotzen, s. auch anglotzen. 1@aa) mit beschränkung auf das körperliche. so vorwiegend im älteren gebrauch, der sich in der anwendung auf den menschen häufig des tiervergleichs bedient. so schon im ältesten beleg: daz in (den spielern) die ougen glotzen dicke als einem kater in einem stricke Hugo v. Trimberg renner 6585; er lief herzu, begriff den Gabriel beim hals, truckt den in aim grimmen und neid uf den bank, inmaszen das Gabrieln das gesicht vergieng, mit den augen glutzet und anders nit gestalt, als ob er gleslin in augen hett zimmer. chron.2 2, 304 Barack. 'stur auf einen punkt blicken': denn hart zuvor, da s. Paulus hat gesagt: 'das ist mein leib' ..., das ist nichts, da thun sie, als were dieser text an keinem ort in der welt, und sehen yhn nicht an. widderumb hie, da er nicht stehet, da glotzen sie, sperren maul und nasen auff und suchen solchen text Luther 26, 480 W. besonders vom stieren, glasigen blick der betrunkenen: (eine betrunkene frau) glotzt sam ein erstochner pock begeyfert schleyer, hemd und rock fastnachtsp. 1212 Keller; als sie abzüegen vom thürnier, rüechen sie all nach pier und gloczten wie die pöck Hans Sachs fabeln u. schwänke 4, 207 ndr.; und glotzt sam ein erstochen kalp branntweinlied (1493) bei Crecelius oberhess. 426; als redensartlicher vergleich, vor allem in d r mundart, festgeblieben: er glotzt wie ein gestochener bock oder kalb Schellhorn sprichw. (1797) 63; Spiesz henneberg. 80; Müller-Fraureuth obersächs. 1, 426. auch sonst drückt jüngerer gebrauch gelegentlich das blosz körperliche, das stiere, vorquellende des blickes aus: so machte sie (die natur) mich und warf mich neben andre pagoden, einige mit dicken wohlgesättigten bäuchen, kurzen hälsen, klotzenden vorliegenden augen von apoplektischem ansehn Göthe 45, 138 W.; welcher das schöne mädchen ... mit seinen glänzenden, gesunden, aber leider etwas glotzenden augen ... bis zum tode langweilen konnte W. Raabe d. hungerpastor (1864) 2, 208; er wendete sich drohend zu den treibern, deren einige ... herbeigelaufen waren und mit aufgerissenen augen glotzten Cl. Viebig d. schlafende heer (1904) 1, 137. namentlich bei bestimmten tieren mit groszen, runden, starren augen: ne eule klammert sich ans fenster an! auch sie sucht schutz vorm sturm! — was das ding glotzen kann! Zach. Werner d. vierundzwanzigste februar (1815) 28; von einem kasten glotzte goldäugig eine ausgestopfte schleiereule herab Watzlik der alp (1923) 165; glotzende kröten Meschendörfer d. stadt im osten (1933) 279; schaut, wie der stumme rächer, der gräszliche stierkopf glotzt Strachwitz ged. (1850) 194; über dem spitzbogen ruhte auf seinem sockel der steinerne ochse und schaute mit glotzenden augen herab Sperl burschen heraus13 4. nicht selten spielt dabei etwas von dem für b geltenden nebensinn des stumpfen, ausdruckslosen mit: die tiere (kühe) saszen mit hingelegten köpfen da, glotzten stier auf die laterne Rosegger I 2, 84; daraus schauten ihre (der kühe und zuchtstiere) braunen, behörnten häupter mit rosa mäulern, dumm und glotzend wie auf wappenschildern Kahlenberg Eva Sehring (1901) 53; sie (die fische) glotzen mit glasigen augen dumm in die fenster und in die thüren hinein Freiligrath (1870) 1, 60. 1@bb) mit einer über das rein äuszerliche hinausgreifenden nebenbedeutung, insofern der stiere blick ein inneres enthüllt, einen typus kennzeichnet. als ausdruck plumper, zudringlicher neugier oder naiven erstaunens, vornehmlich in niederer gesellschaftssphäre: der rohe knecht, die dicke magd mit klotzenden augen und offnem maule den tollen herrn auf seinem gaule begaffen Wieland 4, 207 Hempel; besorgt denselben dienst seit dreiszig jahren und gafft und glotzt, als wärs zum erstenmal Grillparzer s. w. 9, 62 Sauer; wir sollen nicht glotzende maulaffen vor der natur sein Roszmäszler m. leben (1874) 338; die weiber, so vor den thüren stunden, glotzeten nach meinem rothen rocke und stieszen sich mit den ellenbogen Storm s. w. (1904) 5, 14; in der stadt standen die leute dick und glotzten auf hebel und räder (des autos) Heinr. Zillich zw. grenzen u. zeiten (1936) 141. für den ausdruckslosen blick stumpfer, ungeistiger, primitiver menschen: man führt die in pelz genähten Hyperboräer herein. da stehen sie und glotzen mit ihren dummen augen in die gescheidtesten, die je unter augenwimpern geblitzt haben Gutzkow (1872) 9, 161; komponiert: ein volk ..., das stumpfsinnig zu ihren (der Karwendelgipfel) lichten höhen hinaufglotzt H. v. Barth Kalkalpen (1874) 296; verschlafene knechte glotzten aus den stalltüren Herm. Hesse Peter Kamenzind (1905) 98. seltener für einen falschen, heimtückischen blick: tückisch glotzten sie (die bauern) mich an Watzlik d. pfarrer v. Dornloh (1930) 171; glotzen wie der bock an Michaeli 'von arglistiger freundlichkeit' Fischer schwäb. 3, 708. 1@cc) in bildlicher oder übertragener anwendung auf gegenständliches, von dem, was einem den blick stier macht oder was einem aus den augen heraussieht: ein dieb gemeiniglich lauffen thut, der kein frolichen ansehen thar, es glotz der wein dan ausz im gar fastnachtsp. 1289 Keller; das gifft glotzt inen (den schlangen) zuo den augen härausz, gaben auch ein gifftigen athem von inen Seb. Münster cosmogr. (1564) 1401; da schmählte mein herr informator und sagte, der Kupido glotzte mit schon aus den augen Gotter ged. 3 (1802) 285; dem glotzt der teufel aus den augen Fischer schwäb. 3, 708. mit abstraktem subjekt: aus dem gespensterblassen gesicht glotzt irrsinnige angst R. Hohlbaum Stein (1935) 88. in jüngerem dichterischem gebrauch namentlich in der verlebendigung naturhafter eindrücke: und mit tausend flammenaugen starrt die nacht mich glotzend an Grillparzer s. w. 4, 44 Sauer; der Himmelreicher hatte sich ... auf die waldblösze geschlichen und in die glotzende finsternis emporgeguckt Watzlik der alp (1923) 338; weil mich der mond, ins zimmer glotzend, nicht schlafen liesz in dieser nacht Lenau neuere ged. (1838) 241; und endlich die sonne ..., eine scharfgeschnittene scheibe aus wallendem, blühendem, weiszgeschmolzenem metalle: so glotzte sie mit vernichtendem glanze aus dem schlunde Stifter s. w. 1, 22 Sauer; wie dort der berg, der Mollkopf, glotzt und prahlt Mörike ges. schr. (1905) 4, 73; die hohen häuser ... glotzten mit ihren schwarzen fenstern recht dumm in die stadt hinaus Storm s. w. (1897) 2, 208. 22) auch einfach als derber ausdruck für 'blicken, hinblicken': ich bin wahrscheinlich nur deshalb hier in Wien, um auf es aus dem fenster zu glotzen wie auf einen Krodebecker düngerhaufen W. Raabe schüdderump (1870) 3, 37; da glotz hin! u. ähnl. Fischer schwäb. 3, 708. 33) in spuren findet sich eine alte bedeutung 'glühend leuchten, glimmend scheinen', wenn den seltenen belegen nicht statt 1glotzen glosten zugrunde liegt (doch gibt es ein nebeneinander der bedeutungen 'glänzen, scheinen' und 'glotzen, starren' auch sonst, s. glaren, gloren, auch 2glasen): dar ynnen brent fur von agrimantin und von glotzendem rubin minneburg cod. pal. germ. 455, fol. 140a; in der wendung faules holz glotzet im finstern, die sich lexikalisch von Stieler stammb. (1691) über Kramer 1 (1700) 539b bis Adelung und Heynatz antibarb. (1796) 2, 66 hält. hierhin vielleicht auch, wenn nicht zu 1 a: darzu ein trüncklein weins sie thet, ... darvon wurd sie glotzent und rot Hans Sachs 9, 463 K. (vgl.glosten 1, glosen 2).
9126 Zeichen · 163 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    glotzenswv.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +4 Parallelbelege

    glotzen swv. s. glôsen.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Glotzen

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    * Glotzen , verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, aber nur in den niedrigen Sprecharten üblich ist. 1…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    glotzen

    Goethe-Wörterbuch

    glotzen auch k- u -oz- starr, dumpf blicken, vom Auge [ Kilian Brustfleck zum heiratswilligen Hanswurst: ] Ihr steht da …

  4. modern
    Dialekt
    Glotzen

    Elsässisches Wb. · +5 Parallelbelege

    Glotze n [Klotsə M. ] m. kleiner Brocken in Speisen, bes. Milchspeisen. — Schwäb. 234 Glozz unordentliche Haare, verworr…

  5. Sprichwörter
    Glotzen

    Wander (Sprichwörter)

    Glotzen 1. Ar glotzt wie a Hausknâcht, der scha (schon) sechs Wuch'n ke Trinkgald kriagt hat. ( Franken. ) 2. Der glotzt…

  6. Spezial
    glotzen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    glot|zen vb.intr. 1 (starr blicken) ciaré fit 2 (dumm dreinschauen) fá edli, ciaré cun la bocia daverta.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit glotzen

6 Bildungen · 4 Erstglied · 1 Zweitglied · 1 Ableitungen

glotzen‑ als Erstglied (4 von 4)

Glotzenbluem

ElsWB

Glotze n bluem [Klotsəplyùm M. ] f. Kugelblume, Trollius Europaeus. — henneb. Glotzblume Hess. 130 Gänseblümchen.

glotzenmāker

KöblerMnd

glotzenmāker , M. Vw.: s. glossenmākære*

glotzenmēker

KöblerMnd

glotzenmēker , M. Vw.: s. glossenmēkære*

glotzen als Zweitglied (1 von 1)

anglotzen

DWB

ang·lotzen

anglotzen , apertis oculis aspicere, anstieren: wie die narren eim ins maul sehen und mit den augen anglotzen. Luther 3, 363 ; die ihre schw…

Ableitungen von glotzen (1 von 1)

beglotzen

DWB

beglotzen , rigidis oculis contueri, anglotzen, anstieren: er beglotzte alle ihm vorgelegten sachen, ohne ein wort zu reden.