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gogel

mhd. bis Dial. · 11 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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23 in 11 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gogel adj.

Bd. 8, Sp. 672
gogel, adj., ausgelassen, lustig, übermütig; lascivus. vgl. gogel, m., und gogeln, vb. ablautend mit mhd. giege(l) 'narr', ags. gēogelere 'magus, haruspex', sowie gaukeln (s. d.; über dessen ahd. bezeugung vgl. jetzt Wesche d. ahd. wortschatz im gebiete d. zaubers 28 ff.); beachte, dasz die von Walde-Pokorny 1, 566 angesetzte wurzel *gheugh 'possen treiben' sich nur auf die germ. wörter stützt. vermutlich ist die sippe, wie die zahlreichen unter gaukeln angeführten lautvarianten zeigen, urspr. lautnachahmend. im mhd. weit verbreitet, vgl. mhd. wb. 1, 540; Lexer 1, 1044: daz volc was uf dem anger gogel Ulrich v. Eschenbach Alexander 3414; sî swanc sich ûf reht als ein vogel: 'ja wil ich hiure sîn vil gogel; seht an mîne sîten junc, diu tuot manegen geilen sprunc' bei Wiessner Neidharts lieder s. lxxi; es spricht auch maniger: 'ich pin gogel, ich han gesehen Sand Marteins vogel heute an dem morgen frue; mir stoszet kain ungelück nicht zue Hans Vintler blumen d. tugend 7876 Zingerle; jubilus gogel vel frolicher voc. inc. teuth. a. lat. (15. jh.) bei Diefenbach gl. 311a; alle gute gesellen rain seit gogel vff rustig und auff frewden rogel refrain e. frühlingsliedes cgm. 379, f. 134 bei Schmeller-Fr. 1, 879; die hawer (bergleute) worn mit wortten gogel (: vogel) pfarrer v. Kalenberg 351 ndr.; der alt schalckhafftig schlang was gugel das im sin kunst so meisterlich fürgieng Judas Nazarei vom alten u. neuen gott 20 ndr. seit dem frühnhd. auch in der form gögel, besonders im bair. und ostfränk.; mit entrundung gegel (s. u.); häufig bei Hans Sachs: die kleinen einfelting waldvögel die waren unerfarn und gögel Hans Sachs 17, 453 lit. ver.; gott lob auff erd in weitem raum alles weidviech und thierlein gögel ders. 18, 551, 18 lit. ver.; die spottvögel, welche sind frech, fürwitz und jögel ders. 9, 170 lit. ver.; erst (bevor) maid vnd frawen gögel hetten gemolcken ire kw, der pfarr zwlauffen wüeren ders. fab. u. schw. 5, 93 ndr.; vgl. ferner bei ihm: frech und gögel (: vögel) w. 5, 126 lit. ver.; ebda 21, 4; sämtl. fabeln u. schwänke 2, 71 ndr.; 3, 242; frisch und gögel w. 10, 33 lit. ver.; mutig und gögel ebda 2, 179. besonders von der ausgelassenen stimmung bei esz- und zechgelagen: die münich wurden gOegel und süffen wie die schweine Hans Sachs fab. u. schw. 4, 360 ndr.; die kremer waren gögel. als nun des bratens kam, nur zehen kramat vögel waren, ider ein nam ders., fab. u. schw. 5, 58 ndr. in der form gögl mundartlich heute noch im Vintschgau, s. Schöpf tirol. 199. mit besonderer bedeutungsnuance 'lächerlich': wer dann singet oder lacht, man spricht: wie gogel sich der macht! wer schweigt und züchtig ist des spott man auch zu aller frist Teichner in: liederbuch d. Hätzlerin 2, 12, 61. bisweilen auch als 'stolz, hochmütig, eingebildet' (vgl. Fischer schwäb. 3, 735): grôz koste ringe wac se, sîn volc hôchmüetic unde gogel Wolfram Willehalm 377, 3; [] (mich wundert) das du dich dunckst noch als gogel. du bist doch nit der blaw yszfogel: so der wirt alt, so ist er hübsch Hermann v. Sachsenheim d. mörin 4435 Martin; sang diser rapp (rabe) mit seinen vöglen, sy dauchten sich als grosz und göglen dtsche städtechron. 22, 363 (Augsburg 1478). in religiösem zusammenhang von sündhafter diesseitsfreudigkeit: also hat er (Christus) geordnet zeitlich trüebsal, ... zuo zämen die unbesniten un gögeln menschen Berthold v. Chiemsee teutsche theologey 525 R.; so si nun erledigt und frei waren, kain hunger oder durst mer hetten, waren sie gögel ..., fielen si in muetwillen, namen der ungläubigen ... gotsdienst an Aventinus bair. chron. 1, 154 Lexer; der lang frid hat si (die christen) gögel gemacht und voraus die geistlichen 1, 993. charakteristisch für die bedeutung des wortes, die besonders auf die ungehemmte, zügellose fröhlichkeit zielt, ist ihr gebrauch für freuden niederer art: den dritten (liebhaber) hielt ich in dem hus. der was dann mein spilvogel, mit dem was ich also gogel, das ich der fräden wol geruocht liederbuch d. Hätzlerin 2, 85, 48; lieder sollen sie aintweders geistliche oder gar keins singen: welche aber frech und gegel sein wil, die hör was jener gegel poet (Ovid) sagt ... bei Schmeller-Fr. 1, 878; das der leib der sel nit zw gogel werd als ein gails ros ebda 1, 879 (cgm. 632, f. 40); kan ... nit verborgen bleiben, wer heimlich bulerei thut treiben ... so komt sein bulerei an tag, weil er ir nit abrechen mag, gleich einem tauber, frech und gögel, und pleibt ainer der gailen vögel Hans Sachs 20, 301 lit. ver.; vgl. ebda gail und gögel 22, 195; mein schwester aber siczet in der kamer und pewainet mit sewfzen und mit jamer, des sie vert lachet, sie war frech und gögel, wan sie get mit aim hueren kind ders., fab. u. schw. 5, 117 ndr.; Oliba ist von den gemalten männern also gegel worden (frei nach Ez. 23, 14f.: insanivit super eos concupiscentia oculorum suorum) bei Schmeller-Fr. 1, 878. in gleichem sinn sind auch die glossierungen einiger älterer vokabularien zu verstehen: gogel oder geil lascivus vocab. v. 1437 (Klagenfurt) bei Lexer 1, 1043; lascivus gayl oder gögel clm. 5877 (1449) bei Schmeller-Fr. 1, 879; gail sein oder unkeuschen lascivire oder gogel sein voc. theut. (1482) k 1a; gailer, gogler scortor ebda, vgl. Diefenbach gl. 520b; gogel lascivus, luxuriosus; gogel sein luxuriare, luxuriari Aventin s. w. 1, 434; lascivirn gaillirn, gögel sein Roth dict. (1572) j 6a. unsicher, ob hierhin: eine solche weschige magd, fraw oder jungfraw hat auch ein geneschiges maul; nicht ferne davon sind diebische hende und ein göckel und fürwitzig hertz Mathesius Syrach (1586) 3, 42b.
5641 Zeichen · 146 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    gogelstn.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +12 Parallelbelege

    gogel stn. ? ausgelassener scherz, possen. es ist wâr und ist kein gol Dioclet. 2892. er hât mit im schimpf und gol das.…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    gogeladj.

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +2 Parallelbelege

    gogel , adj. , ausgelassen, lustig, übermütig; lascivus. vgl. DWB gogel , m., und gogeln, vb. ablautend mit mhd. giege(l…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Gogel

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Gogel , s. Gugel .

  4. modern
    Dialekt
    Gogelm.

    Lothringisches Wb. · +5 Parallelbelege

    Gogel I [gògəl, Demin. gògələ Pfb. ] m. ( scherzh.) Nase. Gehört zu Gockel Hahn. — ElsWB els. 1, 206 ; baier. 1, 885; he…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gogel

29 Bildungen · 26 Erstglied · 1 Zweitglied · 2 Ableitungen

gogel‑ als Erstglied (26 von 26)

gogelen

Lexer

gogelen swv. BMZ sich ausgelassen geberden, hin u. her gaukeln, flattern Wwh. vgl. mit den fueszen goglen Zimr. chr. 3. 183,12 ; schreien, k…

gogeler

Lexer

gogeler , gôgeler stm. s. gugelære, goukelære.

gogelheit

Lexer

gogel·heit

gogel-heit stf. BMZ ausgelassenes wesen Neidh. (XVII, 23. XLIX, 15. 50,14. 60,40. 68,25. 71,10). Wolk. 13. 3,7.

gogelhopf

DWB

gogel·hopf

gogelhopf , gogelhupf, m., s. DWB gugelhupf teil 4, 1, 6, sp. 1050 f.

gogelig

DWB

gogelich , gogelig , adj. und adv. verschiedene bildungen sind in diesem wort zusammengefallen. ableitung vom adj. gogel ( s. d. ). im mhd. …

gogellich

Lexer

gogel·lich

gogel-lich adj. ib. s. v. a. gogel Ms. ; contr. gœlich (: vrœlîch) Wolk. 70. 1,23 ;

gogellīche

KöblerMhd

gogellīche , Adv. nhd. „gogelich“, lustig, übermütig Q.: OvW (2. Viertel 15. Jh.) E.: s. gogellich W.: nhd. (ält.) gogelich, Adv., gogelich,…

gogellīchen

KöblerMhd

gogel·līchen

gogellīchen , Adv. nhd. „gogelich“, lustig, übermütig Q.: OvW (2. Viertel 15. Jh.) E.: s. gogellich W.: nhd. DW- L.: LexerHW 1, 1044 (gogell…

gogelmære

Lexer

gogel·maere

gogel-mære stn. ausgelassenes, übertriebenes mære Ls. 2. 476,413.

gogelmære

KöblerMhd

gogelmære , st. N. nhd. ausgelassene Geschichte, lächerliche Erzählung, Posse Q.: Teichn (1350-1365) (FB gogelmære), LS E.: s. gogel, mære W…

gogelrîche

Lexer

gogel·riche

gogel-rîche adj. reich an gogel, sehr ausgelassen Msh. 3,200 a . 306 a . Wolk. 17. 4,20. 41,9. ebenso

gogelrîche

MWB

gogelrîche Adj. ‘übermütig, dreist’ ai, wie huß er achtet sich, / wenn er an dem tancze get, / und das er fraw Meczen mit dem spigel an der …

gogelrīche

KöblerMhd

gogelrīche , Adj. nhd. „gogelreich“, sehr ausgelassen, übermütig, dreist Q.: Neidh (1. Hälfte 13. Jh.), OvW E.: s. gogel, rīche W.: nhd. DW-…

gogelspiel

DWB

gogel·spiel

gogelspiel , n. , nebenform zu gaukelspiel ( s. d. ): yetz ist aber ain nüwes gogelspiele entstanden daz man in vil cantzlien und schriberye…

gogelvuore

Lexer

gogel·vuore

gogel-vuore stf. BMZ treiben von possen oder torheiten Ms. ( tumbe tôren, die ze gogelvuore habent pfliht H. 3,225 a . gogelvuore wirt er ni…

gogelwîse

Lexer

gogel·wise

gogel-wîse stf. BMZ possen, ausgelassenheit. der wil sîne gogelwîse durch nieman niht lân Neidh. 215,12. ir gogelwîs der ist sô vil und œde …

gogelwîse

MWB

gogelwîse stF. ‘Zügellosigkeit, Übermut’ (vgl. gogelheit ): ir gogelweis der ist so vil Neidh (S) 2,33 c12:4,1; sie haben uppiglicher gogelw…

gogelwīse

KöblerMhd

gogelwīse , st. F. nhd. „Gogelweise“, Posse, Übermut, Ausgelassenheit, Zügellosigkeit Hw.: s. goukelwīse Q.: Neidh (1. Hälfte 13. Jh.) E.: s…

gogel als Zweitglied (1 von 1)

gigelgogel

DWB

gigel·gogel

gigelgogel , m., f. , lautmalender vogelname; für die sing- und spottdrossel, goldamsel Unger-Khull 293 : habt recht, ihr edeln vöglein, spe…

Ableitungen von gogel (2 von 2)

gogele

BMZ

gogele swv. flattere, gaukele hin und her. man sah dâ wunder gogelen von tieren und von vogelen ûf manegem helme veste W. Wh. 403,23. vgl. g…

vergogelen

Lexer

ver-gogelen swv. s. vergagelen.