spalten,
verb. der länge nach gewaltsam trennen. ein in den westgerm. dialecten erhaltenes reduplizierendes verbum, ahd. spaltan,
mhd. spalten,
mnd. mndl. spalden, spolden.
das prät. spielt
hat sich noch weit bis in das 17.
jahrh. gehalten: ein aff sahe uff einmal einen holtzhower zu wie er daʒ holtz spielt. Geiler
narrensch. 70
a; die drey heyden liefen zu und schlug einer den abt, dasz er ihm sein haupt bis auf die zen spielt.
buch d. liebe 356
a; der ander hielt den pommhart niden mit der langen mâsse, als der ein püchs von einander spielt, die überladen wer durch pulvers lâsse. Osw. v. Wolkenstein 13, 8, 5; er spielt im seinen kopff entzwei ... daʒ er zu der erden fiel mit geschrei. Murner
Virg. f 2
b bei Schmidt
els. wb. 330
b; darmit spilt im das haubet sein, das er sank zu der ert. H. Sachs
geistl. u. weltl. lieder 1, 234
Gödeke; der kam ohn verzug, ein scharffes beil in händen trug, und Jovis kopff spielt und aufschlug. Scherffer 390.
daneben zeigt sich ein von der schwachen form beeinflusztes spielte: da Mosis volk disen fels spielte, und aus seiner eröffneten seite blut und wasser kam. Mathesius
Sar. 120
b; mit einem säbel an der seiten, der haar schur und radschienen so wohl als ruben voneinander spielte.
Simpl. 4, 171, 2
Kurz. von der sprache Luthers
ausgehend beginnt dann zugleich mit dem aufkommen der präsensform du spaltest, er spaltet,
statt des mhd. speltest, speltet,
auch das schwache präteritum in der schriftsprache zu herrschen: da spaltet gott einen backenzaan in dem kinnbacken, dasz wasser erausging.
richt. 15, 19.
das starke part. gespalten
hat bis zur heutigen zeit nur geringen gebrauch der schwachen form neben sich. feinere unterschiede der anwendung lassen sich kaum erkennen, nur dasz gespaltet
fast ausschlieszlich auf eigentlich passiven gebrauch beschränkt ist: und ein mit einem fichtenen keile gespalteter granatäpffelbaum bringt statt voriger sauern süsse früchte. Lohenstein
Armin 2, 751; ... und der tödtenden wuth und der donnernde himmel stürmen auf ihn, er liegt, und sinkt mit gespaltetem haupte dumm und gedankenlos unter die todten und glaubt zu vergehen. Klopstock
Mess. 4, 8 (
doch hat der erste druck dieses gesanges [1751]
noch mit gespaltenem haupte); es wälzen sich nah bey der pforte die felsen unabsehlich hinab durch treufelndes feuer gespaltet. 9, 755; und plötzlich mit gespaltetem haupt sank der verräther zu ihren füssen. Wieland 18, 264.
die geschichte des wortes betreffend, so ist beziehung zu got. spilda
tafel von holz zum schreiben, πινακίδιον,
πλάξ,
an. speld
holztafel, deckel und spjald
buchbrett, dann auch wachstafel als sicher anzunehmen. weiter stellt sich wol dazu ags. spild
verderben, tod, spildan, spillan
töten, as. spildian
durch schneidende waffe umbringen (
ein dazu gehöriges spild
noch hamb. chron., Lappenberg 172),
ahd. spildan
vergeuden, verschwenden. Graff 6, 337.
vgl. auch lit. spãliai,
m. pl. schewe, abfall von hanf und flachs. Fick
3 2, 501.
vielleicht steht auch lat. spolia
dazu in beziehung; ob aber skr. sphôṭ, sphuṭ
platzen hierher gehört (Kluge
vorgesch. § 35),
bleibt zweifelhaft. bedeutung. II.
transitiv, etwas durch spalten trennen: findere spalden, spalten. Dief. 236
a;
scindere ryszen, reyssen, spalden. 518
b; spalten,
findere, zerspalten. Maaler 378
b. I@11)
in eigentlicher bedeutung vom zertheilen eines gegenstandes mit einem scharfen werkzeuge. I@1@aa)
von der arbeit des auseinandertrennens mit gleichzeitiger zerkleinerung, wie beim brennholz: spalten, als holz mit einem keil,
discuneare, cuneis findere. Frisch 2, 289
a; holz, das man wegen der äste nicht spalten kan,
ubi repugnat durities nodorum securi. ebenda; da stund Abraham des morgens früe auff ... und spaltet holtz zum brandopffer.
1 Mos. 22, 3; nach dem nachtessen legte er sich ins bett, und war so müd, als wenn er den ganzen tag steine abgeladen oder holz gespalten hätte. Hebel 2, 140; kann es an tüchtigem dienst kein sterblicher wol mir zuvorthun: feuer geschickt zu häufen und trockene scheite zu spalten. Voss
Od. 15, 320.
in bildlicher anwendung: aber macht ichs nicht so, die menschen würden am ende holz auf mir spalten. Vischer
auch einer 2, 306.
bisweilen mit einem verstärkenden auf
zur bezeichnung des gründlichen, vor allem von der arbeit des holzhackers (
s. auch theil 1, 740): (
der bettler) den schaffner in dem closter hoff stehn fand, an den er mit deuten das almuosen begert, unnd ob er wolt, das er im das holtz uff spielt. Montanus
schwankb. 382, 12
Bolte. I@1@bb)
mit betonung des einmaligen vollständigen auseinandertrennens: mitz ab einanderen spalten,
diffindere medium. Maaler 378
b; eine eiche mit keilen spalten,
robur cuneis scindere. Stieler 2068; ein klotz mitten entzwey spalten,
truncum medium diffindere. Steinbach 2, 616; als der stamm nun bisz an die helffte durchhauen war, kriegte der gegen die Elbe hangende gipfel den schwang, und spaltete den holen schaft der linde nach der länge entzwey. Lohenstein
Armin. 2, 1287
a; im hofe lag ein eichener stamm; er hatte diesen zu trennen, schon zwey tüchtige keile hineingetrieben, und oben klaffte gespalten der baum fast ellenweit. Göthe 40, 24 (
Reineke fuchs 2, 89). I@1@cc)
in bezug auf fels, gemäuer: disrupit petram. den stein spielt er. dannan ûʒ runnen waʒʒer. Notker
ps. 104, 41.
von der wirkung des blitzes: darnach kom ein plitzen, und spielt den ain turn von einander. Öfele 1, 585; wie holdselig hier .. Cynthia die säuselnden blätter der silberpappeln und des epheu's durchzittert, der die gespaltenen mauern ihres tempels umflochten hält! Thümmel 2 (1791), 39. I@1@dd) knochen, den kopf, das haupt, den schädel spalten: ein heilbedürftiges weltkind überfiel bewaffnet die reliquien eines bischofs und bemühte sich, mit dem messer das gebein eines heiligen zu spalten. Freytag
bilder 1, 243; du weist noch, wie du einsmals jenem böhmischen reuter den kopf spaltetest, da er eben den säbel über mich zukte. Schiller
räuber schausp. 4, 5; herr nachbar, ja! so lasz ich's auch geschehn, sie mögen sich die köpfe spalten, mag alles durch einander gehn; doch nur zu hause bleib's beim alten. Göthe 12, 51; nun soll es an ein schedelspalten! 194; sie kann nicht reden. wenn's wahr, so spalt' ich ihr den kopf. Grillparzer 8, 34.
auch die zunge, den finger spalten: warum spaltet der bliz die ruchlose zunge nicht, die das frevelwort ausspricht? Schiller
räuber schausp. 3, 1; dem knecht er sinen finger spielt.
Etter Heini 3373.
und sonst, einen spalten: hätt' Angulaffers ring nicht über ihm gewaltet, ihn hätt' auf einen zug der löw' entzwey gespaltet. Wieland 22, 159 (
Ob. 4, 25). I@1@ee)
von der wirkung dörrender hitze auf die erde: die hitz spaltet die erden,
aestus hiulcat. Dentzler 2, 267
a; ich wollt, ich könnte ihm seyn, was ein fruchtbarer regen einem dürren, von der hitze gespaltetem lande ist. Klinger
theater 4, 206.
überhaupt vom aufreiszen der erde: itzt eilen stiere vorüber, aus ihren nasen raucht brunst, sie spalten mit hörnern das erdreich, und toben im nebel von staub. E. v. Kleist 2, 27. I@1@ff)
von erscheinungen der luft, von brechungen des lichtes: der strahlende schimmer war jetzt in einen grauen, dampfenden nebel geronnen, durch den blutig gefärbte dünste rollten, und wo zu zeiten blitze hindurchfuhren, die den nebel und die dünste spalteten. Klinger 10, 244; dô der tac die wolken spielt.
minnes. 2, 237
b Hagen. von den zerstreute lichter werfenden strahlen der untergehenden sonne: einsamer ward der lichte hain, gespaltener des lichtes schein, der sich in gattern um uns legte und mit des luftes zug bewegte. Tieck 4, 137.
vom physikalischen experimente: dasz der andere (
Newton) im kopfe eines Labradoriers, der weiter nicht als auf sechse zählen kann, und was drüber geht, unzählbar nennt, die planeten gewogen und den lichtstrahl gespaltet habe. Lavater
physiogn. fragm. 1, 7; spaltet immer das licht! wie oft strebt ihr zu trennen, was euch allen zum trutz eins und ein einziges bleibt.
xenien 1796
nr. 171
Schmidt-Suphan (Göthe). I@1@gg)
von eigenschaften des menschlichen und thierischen körpers: gespaltenes kinn, gespaltene lefze, lippe; gespalten, als einige hunde nasen haben,
bifidi nares. Frisch 2, 289
a; gespaltene zunge der schlangen,
bifidae, bisulcae linguae. ebenda; zumal von den hufen der widerkäuer, gespaltene klauen als einige thiere haben, als rinder, schafe, hirschen,
bisulcae ungulae. ebenda, vgl. spalthuf; strucio haiʒt ain strauʒ .. und haiʒt auch camelon, dar umb, daʒ er gespalten füeʒ hât als ain kämmel. Megenberg 222, 25; alles was die klawen spaltet, und widerkewet unter den thieren, das solt jr essen. was aber widerkewet, und hat klawen, und spaltet sie doch nicht, als das kamel, das ist euch unrein, und solts nicht essen.
3 Mos. 11, 3, 4.
der gespaltene fusz
für das so beschaffene hausthier: auch wyset der scheffen, welche man selegut hait, der gyt myme herrn zwey bestheupt, und wer da wonet in Gollinchs gaisze, auch als viel van gespalden fuyszen.
weisth. 2, 146 (
Hundsrück);
der fusz des teufels als gespalten gedacht: in einem allerchristlichsten jahrhundert, wo ein engel mit gespaltenem fuss ... das geistliche priestertum verleugnen und den heiligsten beruf durchs zwiefach unvergebliche lügen lästern darf. Hamann 4, 68.
dann auch von dem fusz der laufvögel: wan er (
der porphirio) hât ainen praiten fuoʒ ze swimmen und hât ainen andern gespaltenen fuoʒ ze gên auf dem lande. Megenberg 212, 5; pei dem gespaltenne fuoʒ des vogels verstên ich daʒ wandel der gaistleichen läut in diser werlt. 19.
von der narbe geheilter wunden: dann überzeugt mich doppelt diese schramme, die ihm hier die augenbraune spaltet. Göthe 9, 95.
vom weiblichen busen: wie der mädchen busen, spaltet junge rosen ihre hand. Bürger 115
a (
nachtfeier der Venus).
von hier dann übertragen auf die sich erschlieszende knospe: die knospe spaltet die volle brust.
derselbe im Göttinger musenalm. 1782
s. 152; der erste morgen des sommers häufte um ihn den brautschmuck der erde ... aber erst als er alle blumen auseinander gespalten .. da weckte ihn der langsam fliessende morgenwind. J. Paul
Hesp. 4, 62.
vom lächeln und groben lachen: ich musz und wolt ich nicht aus vollem halse lachen, und ein gespaltnes maul bisz an die ohren machen. Günther 405; und wie nun das gespräch seinen geist entfaltete, — und seinen mund das lächeln spaltete, — erkannte ich den Abu Seid an seinem witze. Rückert 11 (1882), 380.
von einem langbeinigen menschen: der langgespaltene herr erreichte bald das zimmer. Rost
bei Adelung. I@1@hh)
in der pflanzenlehre gespaltene wurzel,
radix fissa; gespaltenes blatt, blatthäutchen,
ligula bifida; gespaltene blütendecke. Campe. I@1@ii)
vom weidgerechten zerlegen des wildes: hie ze lande enist kein ander list wan als der hirʒ enthiutet ist, sô spaltet man in über al von dem houbete ze tal.
Tristan 2798.
vom öffnen der muschel (
s.spalte 4): und wann die perl' in dir sich hat gestaltet, und wann für sie erschienen ist die stunde, hervorzutreten, sollst du sein gespaltet. Rückert 3, 135. I@1@kk)
in technischer sprache: I@1@k@aα) gespaltene seiten
der blätter bei den buchdruckern (
s.spalte 2,
c),
columnae divisae paginae. Frisch 2, 289
a. gespaltene spitze
der schreibfeder: man schrieb mit holz und mit gespaltener spitze der feder. Freytag
bilder 1, 277. I@1@k@bβ)
bei schlossern und schmieden eisen spalten
vom auseinanderschroten des heiszen eisens. Jacobsson 4, 191
b. I@1@k@gγ)
bei zimmerleuten das auseinandersägen langer stämme zu balken, sparren, pfosten und brettern. Jacobsson 4, 191
b. I@1@k@dδ)
bei steinmetzen steine spalten
vom zertheilen der steine, auch vom brechen des schiefers. Jacobsson 4, 191
b. I@1@k@eε)
bei lohgerbern leder spalten
vom ausstreichen der felle auf dem schabebaum mit dem streicheisen. Jacobsson 4, 191
b. I@1@k@zζ)
bei knopfmachern kameelgarn spalten
vom auseinanderdrehen des kameelgarnes, um zwei fäden zu erhalten. Jacobsson 4, 191
b. I@1@ll)
obscön: einst hatt ich einen wüsten traum: da sah ich einen gespaltnen baum. Göthe 12, 216. I@22)
übertragen. I@2@aa)
vom theilen einer substanz; eines besitzes, einer erbschaft: gespaltenes gut; gespält gut,
pars praedii divisi; gespalten wasser,
flumen quod pro dimidia parte uni dominorum competit. Frisch 2, 289
a;
rechnerisch: mediren heyszt halb machen unnd ist nichts anders dann ein zal inn zwey gleiche teyl spalten. Adam Ryse
rechenb. A 5
a.
von der verkürzung der menschen oder thier zustehenden speiseration: jene (
die esel) braucht man last zu tragen, diese (
die affen) braucht man zum behagen, diese pflegt man zart zu halten, jenen wird das mahl gespalten. Logau 2, 96, 95. I@2@bb)
mit dem nebenbegriff des feindlichen, ungesetzlichen, unerlaubten: drauszen geht eine scharfe luft — der sturm, der heute nacht den stamm Doria spaltet, möcht ihr leicht — den haarpuz verderben. Schiller 3, 128 (
Fiesko 4, 13); als die brücke, welche die väterlichen und die kindlichen tage auseinanderspaltete, aufgestiegen war. J. Paul
Hesp. 1, 225.
von der verschlechterung der sitte: pei dem gespaltenne fuoʒ des vogels verstên ich daʒ wandel der gaistleichen läut in diser werlt, wan daʒ ist gespalten. Megenberg 212, 20.
von gestörter bürgerlicher ordnung: der feind wird abgehalten, dasz er, wie stark er kömmt, die ordnung nicht kan spalten. Fleming 112. I@2@cc)
gewendet auf vorgänge in der gefühlswelt in mehr oder weniger lebendiger bildlichkeit. lebendiger, wenn durch präpositionen das örtliche hervorgehoben ist: seht dem düstern augenblicke, meine freunde, jetzo nicht zu, wo er zum letzten male Klotildens hand nimmt und sein herz von ihrem spaltet. J. Paul
Hesp. 4, 87; wil er sein sele von sunden spalten, so sol er sein feirtag recht halten. Euling
priameln 7, 5; herr sollen wir dein wort recht hören und bewahren, o so bewahr es auch für böser geister schaaren als feinden deines reichs! erhalte was wir halten, lasz nicht das wort von uns und uns vom worte spalten. Logau 1, 200, 23.
weniger, wenn solche bestimmung fehlt: er hat meine nieren gespalten und nicht verschonet.
Hiob 16, 13; o Ferdinand, hör auf, du spaltest mein herz. Tieck 2, 292; es spaltete dein frevel mir des herzens tiefsten schrein und risz daraus mir glaube, hoffnung, leben, liebesglanz. Chamisso
Fortunat 12, 19
Kossmann; da werden deine theuren huldgestalten in lieb' und sehnsucht meine seele spalten. Körner 1, 78; wo ist ein herz, das keine schmerzen spalten? Platen 104
b; mag er stehn! die thräne kann nicht die rosse halten; mag der rauhe geiszelschwung ihm die seele spalten! Lenau 1, 48; edler herr, ich fühl mich nicht geschickt, durch eine meldung ungeheurer art eu'r herz zu spalten. Hebbel 1, 166;
in übergang schon zu dem folgenden: ich vermag nicht so zu trennen, was ich liebe, nicht zu spalten. Müllner
schuld 4, 3;
sodann in bezug auf urtheil, überlegung, philosophische speculation: Abälards fertigkeit, schlüsze zu bilden und begriffe zu spalten und genau zu bestimmen. Schlosser
weltgesch. 6, 335; die philosophie des disputirens und spaltens der begriffe. 8, 229.
von der gröszeren feinheit einer untersuchung: so gewis ist es, dasz jeder schärfer gespaltete stoff auf der einen seite erleichtert, auf der andern erschwert. J. Grimm
gramm. 1 (1822)
vorr. 5; gelukes hort mein walde, daʒ ich mit witzen spalde unchunst von rechter chunste. Suchenwirt 15, 1.
mit dem beisinne des kleinlichen vom deuteln der worte und gedanken, von zweideutiger rede: es leydett die schrifft nit solih spalten des buchstabensz und geystes. Luther 7, 651, 23
Weim. ausg.; die kuntschaften sollen nit gespalten gegeben werden. ain jeder gezeug soll sein kuntschaft nit gespalten geben, nit mer oder minder, dann so vil ime wares kund und wissend ist.
tirol. weisth. (1603) 4, 644, 28.
vgl. Schm.
2 2, 667; während ... dieser (
der unglaube) seine backsteine zum thurmbau von Babel sprachverwirrend und sinnspaltend dabei aus dem schlamme formt und brennt. Brentano 4, 398; sie hört sehr gut an und miszversteht selten, und nur in gespaltener rede, wo sich das gesagte in zwei hälften spiegelt. 8, 213.
hierher auch die sprichwörtliche redensart haare spalten,
vgl. oben theil 4
2,
sp. 22,
und haarspalten, haarspaltend, haarspalter, haarspalterei,
ebenda sp. 38;
anders gewendet gespalten hâr,
von etwas ganz unwesentlichem: der untriuwe ie gewan sô breit sam ein gespalden hâr. Heinr. v. Freiberg
Trist. 1384. IIII.
reflexiv. II@11)
in eigentlicher bedeutung, holz, stein spaltet sich; sich spalten,
findi cuneo dividi, laxari, wie hölzernes geschirr, oder ein schiff,
rimis fatiscere, se aperire, rimas agere. Frisch 2, 289
a; als er das messer noch einer spann hoch ob dem heyligen span het, do spilt sich der heilig span gantz gleich nach der leng von einander.
d. städtechron. 11, 743, 10 (
v. 1468); und der Oleberg wird sich mitten entzwey spalten vom auffgang bis zum nidergang, seer weit von einander, das sich eine helffte des berges gegen mitternacht, und die ander gegen mittage geben wird.
Zach. 14, 4; dô spielten sich die steine (
bei Christi tod).
Barl. 75, 2; die sonne vorwandelt sich, die erde bebete sicherlich, die stein lang groisz und breit die spilden sich von bitterkeit.
Alsf. passionssp. 6563.
überhaupt von klüften, geborstenem gemäuer: grosse klüfte spalten sich aufwärts, und platten von mauerstärke haben sich von dem übrigen gesteine losgetrennt. Göthe 16, 222; ein verfallnes schlosz war in der nähe gelegen, hastig liefen die beiden hinein; es hatte sich aber altershalben die mauer an einem thurme gespalten. Göthe 40, 42 (
Reineke fuchs 3, 112). II@22)
in besonderem gebrauch. von den armen eines fluszlaufes: so ist auch die insel Meroes dreyeckecht, darzu mit dreyen schiffreichen wassern umgeben, fornen her spaltet sich der Nilus an der insel in zwey theil, fleuszt auf beiden seyten neben hin.
buch d. liebe 223
a, 1.
von dem im glasprisma sich brechenden lichtstrahle: wie sich im prismatischen glase ein weiszer lichtstreif in sieben dunklere stralen spaltet, hat sich das göttliche ich in zahllose empfindende substanzen gebrochen. Schiller 4, 50 (
philos. briefe); wie bunte farben sich aus lichten strahlen spalten. Haller
ged. (1768) 78.
von dem unter den sonnenstrahlen sich theilenden nebel: denn diese künstlerin (
die geschichtsschreibung) wird nie erkalten, auch sehen wir, wenn sich die nebel spalten, schon manchen zug des bildes tief getroffen. Hebbel 7 (1891), 179.
vom öffnen des mundes beim lächeln: und sich ain röselochter triel von ander spielt die höch zuo tal mit zendlîn weis, geschaiden smal. Osw. v. Wolkenstein 52, 1, 4.
vom rachen eines ungeheuers, vom schlund der hölle, dann auch übertragen auf den teufel: verheng dem teufl nit gebalt (
gewalt), das er uns trieg, verlaitt durch grewselîch gestalt, bann er sich spalt pey unserm krancken leibe. 99, 3, 9. II@33)
im übertragenen sinne von der theilung eines geschlechtes: die nächsten nachkommen der brüder spalteten sich wieder in mehrere linien. Schlosser
weltgesch. 13, 321; er gehörte zu dem weitläuftigen geschlechte derer von Schnuck, welches ... sich in folgende linien, zweige, äste und nebenäste spaltete. Immermann
Münchh. 1, 54; indeszen Schlesier-land zwey häusern pflichtbar war, und die sich wieder spielten, dasz bey iedwedem gleich vier hertzogs heuser hielten. W. Scherffer 91.
eines gebietes: dasz sich Ruszland in zwei zollgebiete spalte. Bismarck
reden 3, 76;
einer geschlossenen volklichen oder gesellschaftlichen einheit, partei, mehrfach mit dem beisinne der verfeindung: dairumb quam si kurtz in vil kummers leids ind ungemachs, ind alles durch unrecht gewalt der oversten ind dairnae durch uneinicheit der oversten mit der gemeinden: want do si sich spielden ind deilden.
d. städtechron. 13, 563, 2 (
v. 1499); die menge aber der stad spaltet sich, etliche hieltens mit den jüden, und etliche mit den aposteln.
apostelgesch. 14, 4; prinzeszin und Juan spalten sich. Schiller 3, 182 (
entwurf zum don Karlos); die welt, die sich nicht nur als zuschauer, sondern als richter aufgefordert fand, spaltete sich sogleich in zwei parteien. Göthe 24, 70; eine einheit der sprache und sitte, durch welche die Franzosen den Deutschen, die sich immer mehr in einzelne staaten spalteten, als nation stets überlegen war. Schlosser
weltgesch. 8, 275; ob der sach spilt sich der senat. H. Sachs 20, 395, 20
Keller-Götze. II@44)
unsinnlicher gebrauch; mit leiser personificierung: so wird die sach noch werden gut die untrew wird sich spalten. Soltau
volksl. 2, 54. das herz spaltet sich,
in groszem weh: der blick, der tröstend mir entgegen kam, wenn sich mein herz verzweifelnd spalten wollte. Göthe 10, 317. IIIIII.
intransitiv. III@11)
im eigentlichen sinne vom auseinanderklaffen durch spaltung, spalten, ein spalt gewünnen,
agere rimas. Maaler 378
a; spalten, spält überkommen,
rimas agere, dehiscere, hiare. Dentzler 2, 267
a. III@1@aa)
vom holz: das holtz spaltet,
lignum rimis dehiscat. Steinbach 2, 616; wenn man ein schiff nicht verpichet, kan es leicht spalten und zureissen. Luther 24, 177, 26
Weim. ausg.; unnd der riesz schluge abermahls einen so ungefügten streich zu Goffroy ... dasz ihm von dem streich der arm gar sehr erschüttet, unnd spielt ihm die stangen, und brach in der mitt entzwey.
buch d. liebe 278
b. III@1@bb)
von der erde, von felsen und gemäuer: die erde spaltet,
terra finditur. Stieler 2068; die erde spaltet vor hitze,
aestus humum hiulcat. Steinbach 2, 616; velsteina, die spielden von der meine. di graber sich indâdun.
Friedberger Christ E
a (Müllenhoff-Scherer
3 s. 104); das (
gewinn und pracht) wöllen sie (
die bettelmönche) kurtzumb erhalten und solt die welt darüber spalten. Fischart
s. Dominicus 2
a; man thet manch hundert schüsz daran, ... zuletzt da thet er (
der festungsthurm) spalten, das eine theil darnider fiel, das ander thet fest halten. Soltau
volksl. 1, 382; wohin die schreckenden wolken sich wandten, bebte die erd' und spalteten felsen. Klopstock
Mess. 11, 214. III@1@cc)
von der verletzung durch schwerthieb: daʒ swert daʒ dranc im unde brach durch daʒ houbet hin ze tal, alsô daʒ im diu hirneschal und der gebel spielten.
troj. krieg 25708; sy wärdendt uns erschrecken nit, das wir do wichind einen trit, unnser köpff müszend ee spalten. Soltau
volksl. 2, 147. das herz spaltet (
sonst bricht, reiszt entzwei),
in herzeleid: daʒ herze ir in dem lîbe spielt von sender jâmerunge. K. v. Würzburg
herzmaere 520,
in neuerer sprache kaum mehr gesagt. III@22)
uneigentlicher, vom sich theilen einer volksmenge: er sieht die menge wogend spalten, er hört das summen im gewühl. A. v. Droste-Hülshoff 1, 321;
mit dem begriff einer gänzlichen scheidung: seitdem die hoffart, der eigenwille, das sichselbst helfen wollen die frucht vom verbotenen baume bricht und sich, vom stamme spaltend, eine wurzel unendlicher spaltung in den privatgarten pflanzt. Brentano
ges. schr. 4, 378. III@33)
selten unsinnlich, von meinungsverschiedenheiten in glaubenssachen: in der religion spalten,
dissentire in causa fidei. Stieler 2068.