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kleid

ahd. bis spez. · 18 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

kleid n.

Bd. 11, Sp. 1069
kleid, n. vestis, vestimentum, mhd. kleit, gen. kleides, pl. kleit und kleider, wie noch im 16. jh., jetzt nur kleider (vgl. sp. 708); der ungewöhnliche pl. ordenskleide Hippel 8, 181 wollte dem coll. sinne von kleider als kleidung aus dem wege gehn. Das wort ist ahd. wie alts. und goth. nicht aufzuweisen, aber ags. clâð, altfries. klâth und klêth, altn. isl. klæði, nd. nl. kleed, n. schwed. kläde, engl. cloth, schott. claith. von uns entlehnt lett. kléite, litt. kleidà kleid. Der ursprung ist dunkel, Wackernagels vermutung auf entstehung aus mlat. cleda (Haupt 6, 297, vgl. Germ. 3, 1 ff.), neuerdings aus sl. gljet hütte (wb. zum altd. leseb. 1861, s. klětĭ Mikl. 291a, vgl. kötze a. e.) ist mehr kühn und fein als geschichtlich vorstellbar. aus der geschichtlichen betrachtung der bedeutung wird sich eine vielleicht glaubhaftere vermutung ergeben, s. 1, c. 11) Die älteste unter den vorliegenden bedeutungen ist wol zeug, kleiderzeug. 1@aa) so altn. klæði, z. b. ein gewand af gôðu klæði Möbius 232, tvîbreitt klæði, von doppelter breite, engilsk klæði englisches tuch, genst, deventer, iperst kl., tuch von Gent, Deventer, Ypern Fritzner 355a, und so noch isl. norw. schwed.n.; nicht anders engl. cloth, schott. claith, gewiss von jeher, ags. 'clâð pannus' Grein 1, 162. Das engl. bezeichnet aber auch leinwand (daher z. b. cloth tischtuch), und auch das wird alt sein, vgl. altn. lînklæði lintea Egilsson 521a, auch das Siegerländer wöschklead taschentuch Schütze 1, 13 ist doch wol wischkleid (mhd. wischtuoch, n. törkläde). also ganz wie tuch, dessen meist vergessene bed. leinwand uns doch in tischtuch, handtuch noch deutlich wird. 1@bb) auch bei uns ist mhd. und länger die bed. kleiderzeug bei genauem zusehen wol noch zu erkennen; mhd. z. b., wenn unter den vorräten einer burg genannt wird lînîn, wüllîn, sîdîn kleit. Mones anz. 8, 487; vielleicht auch in folg., kleit unter geschenken: Hôrant von Tenemarke ouch dicke ze hove reit, er brâhte dem gesinde steine unde kleit, golt unde sîden. Gudrun 571, 2. noch bei Brant, er klagt von der hoffart der bauern: in schmeckt der zwilch nit wol als ee, die buren went (wollen) kein gippen me, es muosz sin lündsch und mechelsch kleit. narrenschiff 82, 15, [] tuch von London und Mecheln. hier und bei Mone ist kleit deutlich collectiv gebraucht, wie sonst gewand, jetzt zeug. 1@cc) ist aber kleid urspr. gewebtes zeug überhaupt, so kommen nahe liegende nord. wörter vom weben in frage; an dem alten aufrechtstehenden webstuhle wurden die fäden der kette durch angehängte gewichte, urspr. steine (norw. kljstein, isl. kljâr pl., sg. klê m.) in richtung gehalten; kljâ heiszt isl. diese gewichte anhängen, aber auch das gewebe als fertig abnehmen (stamen absolvere), ja fertig machen überhaupt (absolvere), und klîð f. ein solches stück zeug das eben in arbeit ist; klæði also vielleicht eig. das fertige stück, das æ in ablautsverhältnis zu dem î in klîð? 1@dd) geschichtlich bleibt freilich noch viel aufzuklären, besonders das fehlen im ahd., alts. (es fehlt auch ags. im Cädmon, Beovulf), wo andere wörter von hohem alter seine stelle haben. ist es wirklich erst später aufgekommen? und woher? aus den Niederlanden, dem alten sitze der weberei? und zwar mit dem höfischen wesen? es erscheint mhd. fast wie ein höfisches wort, das auch fernerhin einen gewissen adel bewahrt hat. s. sp. 1072. 22) Die weitere bed. ist ein stück zeug zu einem bestimmten gebrauche, auch ohne künstliche verarbeitung, wie tuch. so 2@aa) vorhin in engl. cloth tischtuch, ags. im pl. von windeln (dicht.), bearmclâð mappula ('schosztuch', serviette) Grein 1, 162, n. kläde z. b. vom handtuch, halstuch, umschlagetuch; nl. tafelkleed tischdecke, altarkleed, kleed schlechthin pferdedecke. 2@bb) und auch bei uns, mhd. und länger: sie hete nûr ein kleineʒ kleit ûf daʒ houbet geleit und gienc über den kirchof hin. Haupt 7, 114, sie legt in der angst nicht, wie es frauen beim ausgehn gebührt, den mantel, die hülle an, nur, da keine frau barhaupt ausgehn darf, ein kleines kopftuch, houbettuoch; vgl. tinnekleit Haupt 1, 15 von einer weiblichen kopfbedeckung (Bon. 75, 55 kleit von der perücke), daʒ houbet kleiden Licht. 337, 12. Auch die pferdedecke hiesz rossekleit, satelkleit (altn. söðulklæði), pferdes klaide voc. 1482 ee 4a. y 7a, die bettdecke deckekleit, der teppich auf der bank bankcleit scamnale Dief. 516a, voc. opt. Lpz. 1501 Aa 6a (vgl. rechtsalt. 807. 812). am merkwürdigsten in dem Siegerl. wischkleid unter 1, a. 2@cc) zugleich als zierde: kleide, gezierde, zierung, ornamentum. voc. th. 1482 q 6a. vgl. kleiden 1, c. d. 33) Endlich kleidungsstück. 3@aa) zuerst vermutlich vom hauptstücke der kleidung, dem oberkleid, mhd. überkleit, rock, auch mantel. letzterer wird genauer umbekleit genannt, auch cleit schlechthin Bartsch md. ged. 86, 79. vom leibrocke: ich het an mînen lîp geleit zwô hosen und dar zuo lînîn kleit. Lichtenstein 539, 12, aber ohne art., wie jetzt kleidung (s. u. b, zu lînîn als höfisch sp. 862 unten). eine klage aus der mitte des 15. jh.: es trugen auch die manne uf diese zeit korze cleider so das sie iren schemen kome (kaum) bedacktin. Haupt 8, 469, vgl. 1, 415 (bei Brant 4, 25 kurz schäntlich und beschroten röck, das einer kum den nabel bdöck); und sie erwischt in bei seinem kleid und sprach 'schlafe bei mir'. aber er lies das kleid in irer hand und flohe. 1 Mos. 39, 12; Johannes hatte ein kleid von kameelharen. Matth. 3, 4; derowegen zohe sie abermahls eins von meines vaters känntlichen kleidern an. Felsenb. 4, 216; er trug ein hechtgraues kleid mit rothen aufschlägen. Lessing 1, 233; er (Wilhelm Meister) fühlte nach dem halstuch das er von ihr (Mariannen) mitgenommen hatte, es war vergessen, es steckte im vorigen kleide. Göthe 18, 111; der doctor im langen kleide, der uns vom katheder herab belehrt. 53, 143; man hat mir nicht den rock zerrissen, es wär auch schade für das kleid. Uhland ged. 82. gebrauch des lebens ist das aber im allgemeinen jetzt nicht (s. d.); doch Heynatz antib. 2, 186 gibt an, als etwas besonderes, es gelte in 'Niedersachsen' oft für rock, mannsrock, ebenso Bernd aus Posen 126, und ganz volksm. klingt: he hett wat up dat kleed kregen (prügel). Dähnert 233b aus Pommern. vgl. kleidrock. 3@bb) oft aber steht kleid im sg. für die ganze kleidung, wie gewand, mhd. wât (selten gekleide Haupt 10, 117), 'ein ganz kleid, a suit of cloaths' Ludwig teutsch-engl. wb. sp. 1027, doch meist so, dasz vorwiegend der rock gedacht ist als hauptstück: es ist weder brot noch kleid in meinem hause. Jes. 3, 6 (vorher kleider); die von Regenspurg schickten 200 mann geklaidet in áin klaid. Gemeiner Regensb. chron. 4, 38, v. j. 1499; der bischof .. sprach zuo Ulenspiegeln (den er in seine dienste [] nimmt) 'folg uns nach gen Frankford, wir wöllen dir unser wapen und kleid geben'. Eul. c. 63 s. 91, livree. so auch kleid schlechtin: ich wil self seste haben cleit ind wil ûwer marschalc sîn. B. v. Holle Crane 1016, will mich selbsechst einkleiden lassen in euerm dienst, vgl. Nib. 31, 1 und kleiden 2. auch strîtkleit, strîtes kleit Wh. 416, 17, rüstung. von der modetracht des 16. jh.: sorg auch nicht, dasz dein kind und weib noch wol möcht tragen an dem leib ein kleid, das man dir hat zerschnetzelt, zerpickt, zerkerbt und klein zerfetzelt. Scheit grob. S 3b; solt auch die kleider all zerschneiden, kein ganz gewand nit an dir leiden. dann wer jetzund nicht an im treit ein lumpecht wol zerhawen kleid, den heiszt man gleich ein bawrenknoll ... drumb lasz dir auch die kleid zerhawen. S 3a. dasz da nicht nur der rock gemeint ist, zeigt folg.: da stet er wie ein lüllen in seim zerhackten kleid. Uhlands volksl. 528, von der zerschnittenen pluderhose des landsknechts aus 99 ellen karteken, dem hauptstücke seiner kleidung. grün ist gar ein frölichs kleid. weim. jahrb. 2, 105; merk ob sich ie verbark ein frechs herz in geistlichem kleid. fastn. sp. 1264; zog Jonathan an das priesterliche kleid. 1 Macc. 10, 21, übernahm die priesterwürde; hochzeitlich kleid. Matth. 22, 11; das man alda (in der garküche) bald ainem das kleid betreift und beschütt. Garg. 46b; das kleid (amtskleid) macht nit den man, der man sol den stand zieren, und er das kleid. Frank spr. 2, 25a (vgl. Lessing u. e); königlich kleid ornatus regalis, fürstenkleid, er hat ein altväterisch kleid an. Stieler 978; er trägt immer nur ein kleid, wie der scherwenzel. Rädlein 542b; wem farb und kleid ein ansehn geben, der hat verstand, so dumm er ist. Gellert der zeisig; éin kleid, éin schwert, éin pferd und éinen gott! was brauch ich mehr? Lessing 2, 236; ihr seid kein mönch! ihr seid es nicht! der friede wohnt in diesem kleide, in euren zügen wohnt der friede nicht. Schiller 550b; 's wird einem sauer, hoheit, zwischen zwei dachtraufen trocknen kleides durchzukommen. 601b; und ach das roth am kleide der bleisoldaten schwand. Matthisson kinderjahre. aber auch das ist gewählter ausdruck, nicht ausdruck des lebens, wo kleidung, anzug vorherschen, oder rock u. s. w. 3@cc) gewöhnlich dagegen ist der pl. kleider, wo sämtliche kleidungsstücke zu bezeichnen sind, auch die welche einzeln nicht kleid heiszen, wie doch auszer dem hauptkleide auch das unterkleid, niederkleid, beinkleid: er lief nu nacket beider der sinne und der cleider. Iwein 3360; all kleider sind vol felt (falten, s. sp. 796 mitte), röck, mentel, hembder und brustduoch, pantoffel, stifel, hosen, schuoch. Brant narr. 4, 16; kein wirt sal lihen uf eines mannes (bürgers) sun oder knecht mer den er cleider an im siehit und an hat. Michelsen rechtsd. aus Thür. 210, gewiss mit einschluss der von Brant genannten stiefeln u. s. w.; (Joseph) lies sich bescheren und zoch andere kleider an und kam hin ein zu Pharao. 1 Mos. 41, 14; er zog auch seine kleider aus. 1 Sam. 19, 24; Saul wechselt seine kleider und zog andere an. 28, 8; und (sollst) Aaron die heilige kleider anziehen. 2 Mos. 40, 13; das man im königliche kleider anziehe. Esther 6, 8. diesz anziehen und ausziehen ist noch jetzt das gewöhnlichste, daher anzug für kleidung, gewählter nach altem gebrauch die kleider anlegen, ablegen, wenns schnell geht sich in die kleider werfen, in die kleider fahren: aber da fielen die kinder mit schrein und entsetzlichem weinen ihr in die kleider und wollten die zweite mutter nicht lassen. Göthe 40, 314. ein scherz: Pickelhering, wo seid ihr dann allezeit? Pick. in (d. i. in'n) kleidern, wann ich nicht bade. Weise überfl. ged. (1701) 205, wie noch im hemde. eigentlich volksmäszig ist doch auch das jetzt nicht, die sachen ist das gebräuchliche. 3@dd) in eigentlicher geltung ist kleid als kleid der frauen; wo von einem neuen kleide, hochzeitskleide, ballkleide, morgenkleid, sommerkleid die rede ist, werden wir stets an ein frauenkleid denken. doch scheint noch dis 17. und theilweise das 18. jh. [] diese bevorzugung nicht zu kennen, noch Adelung gibt auch als männliches kleid an rock und weste, bisweilen mit einschlusz der beinkleider. jetzt aber bringt uns kleid allein als ersten gedanken den des hauptkleides einer frau, in dem sie vor den leuten erscheint. 3@ee) überhaupt enthält es im grunde den begriff des edlen oder des zierenden, gewählten, für die gesellschaft berechneten. in nd. gegenden heiszt auch der fruck, als das staatskleid, schlechthin klêd Schambach 102a, ebenso in Posen kleid Bernd 126 (vgl. kleidrock). das volk denkt bei kleid von selbst an geputzte leute, an sonntagskleider, festkleider, und schon mhd. zeigt sich das: swie vil ein valschiu kleider treit, doch sint ir êre kleine. Spervogel frühl. 24, 7; swer sîn frowen überkleit (überputzt) und ér ungerne kleider treit (sich putzt), der sol haben kleinen zorn, wirt ein stiefkint im geborn. lieders. 2, 613 (minn. frühl. 235); der erste sak schol chlaider haben. ring 30b, 35, hofkleider sind gemeint; das kleid ziert einen mann, wers hat der zieh es an. Lessing 11, 670, 'kleider machen leute'; so bade dich und salbe dich und lege dein kleid an. Ruth 3, 3, d. i. das 'gute kleid'; du hast kleider (gute kleider), sei unser fürst. Jes. 3, 6; erheb dich nicht deiner kleider und sei nicht stolz. Sirach 10, 4; also ist an eim weib nichts guts, wenn sie die kleider müszn ziern und etwan auf den schauplatz füern. Ayrer 1310, 24; er schonet seine kleider sehr, er gehet stets im mantel oder im schlafrock. Rädlein 542b, die gesellschaftskleider, guotiu kleider Berthold 329, 35. ebenso steht freilich mhd. gewant Neidhart 3, 4. MSH. 2, 169a, gr. εἵματα, s. sp. 1076 unten. 3@ff) zusammensetzungen unerschöpflich, nach dem stoffe z. b. wollenkleid, tuchkleid, atlaskleid, tüllkleid, florkleid, kattunkleid, spitzenkleid u. s. w., nach dem zwecke kirchenkleid, hauskleid, staatskleid, prachtkleid, bratenkleid, reitkleid, trauerkleid, ehrenkleid, badekleid, nach dem träger mannskleid, frauenkleid, kinderkleid, brautkleid, priesterkleid u. s. w. 44) Übertragen auf ähnliche bedeckungen, umhüllungen, zum schutz und zur zierde; vgl. kleidholz, schanzkleid, bekleiden. 4@aa) das kleid, kleidchen heiszt nach Adelung im volke das häutchen, womit das kind im mutterleibe umgeben ist, s. unter kleidchen, kinderbälglein. 4@bb) auf schiffen ist kleid altes tau- oder segelwerk, womit die taue und kabeln umwunden werden, um sie vor reibung zu schützen; ebenso an pumpen die um die röhren gewickelten taue, an der schiffslaterne das mit einem tuche überzogene eiserne gitterwerk. 4@cc) von einem neu abgeputzten hause, einer neu tapezierten stube u. dgl. sagt man wol, sie haben ein neues kleid angezogen (vgl.tünche von tunica); s. Göthe unter kleidchen 1. 4@dd) bei thieren: die ausgefallenen federn werden (bei manchen vögeln im frühling) durch schönere ersetzt und diesen neuen schönern federschmuck .. nennt man hochzeitkleid, sommerkleid, im gegensatz zu dem schlechtern herbstkleide oder winterkleide. Leunis synopis der naturg. des thierreichs 1860) 190, auch federkleid das.; eine gemse im winterkleide. 55) Dichterisch wird der natur und naturdingen nach menschlicher weise kleidung beigelegt (vgl. myth. 721): des meigen vriunt, der grüene wase, der hete ûʒ bluomen an geleit sô wünneclîchiu sumerkleit. Tristan 16, 6, vgl. Licht. 407, 8; der (sumer) sneit (als schneider) sîn kleit beide ûf berge und in dem tal. Benecke beitr. 159. 170. 253; wie wol er (der wald) sîniu grüeniu kleider an sich strîchet. Neidhart 19, 8; nu ist diu heide wol bekleidet ... rôsen sint ir besten kleit. Gotfr. v. Neifen 33, 33; der himel sich gestellet hât (beim tagen) von grâwem claid zu weiszer wât. Hätzl. 302b; ihr (der violen) wolkenblaues kleid. Opitz 2, 100; heut hat die winterluft ihr kaltes weiszes kleid mit frost und scharfen reif umbhüllet weit und breit. 2, 164 du .. giebst den wolken umb das braune kleid der nacht. 3, 175; drum ist dir (der fichte) auch verehret zum zeichen deiner trew das immergrüne kleid. Logau 1, 8, 99 s. 191; ehr luft und erden ward, eh das gestirnte kleid dem himmel angelegt. A. Gryphius sonn. 1, 1; [] du hast das firmament an seinen ort erhöhet, der wolken kleid darum gewelzt. Haller 3; und um nackende gesträuche wirft der mai sein buntes kleid. Schubart (1825) 1, 191; unter einem kleid von eise kämpft die alternde natur. 1, 189; schön das kleid mit licht gesticket, schön hat Flora euch (blumen) geschmücket. Schiller 9a; natur, wie schön in jedem kleide! auch noch im sterbekleid wie schön! Voss (1825) 3, 202; in wenig minuten deckte ihn (den todten) .. die erde mit ihrem dunkeln von blumen durchwirkten kleide zu. J. Paul biogr. bel. 1, 183; es ist nun der herbst gekommen, hat das schöne sommerkleid von den feldern weggenommen. Eichendorff ged. 359; die mutter gottes wacht, mit ihrem sternenkleide bedeckt sie dich sacht. 367. 66) Geistlich und geistig. 6@aa) die bibel bot, aus der althebr. dichtung her, bildliche verwendung von kleid und kleidung, z. b.: gerechtigkeit war mein kleid, das ich anzog wie einen rock, und mein recht war mein fürstlicher hut. Hiob 29, 14; er hat mich angezogen mit kleidern des heils und mit dem rock der gerechtigkeit gekleidet. Jes. 61, 10, vgl. 59, 17. von einem fluche: so werde er im wie ein kleid das er anhabe. ps. 109, 19. von Jehovahs herrlichkeit: liecht ist dein kleid das du an hast, du breitest aus den himel wie einen teppich. ps. 104, 2. das wird folg. ähnliche verwendungen veranlaszt haben. 6@bb) mystisch philosophisch und geistlich: wille nimt got (acc.) under dem kleide der güete .. güete ist ein kleit dâ got under verborgen ist. Eckhart 270, 32. 34; habitus peccatorum, ein unrein kleid der selen, vorher habitus, gewonheit die einer in der selen hat .. ein kleidung der sele und sicut vestis corpus, ita habitus animam vestit. Melber voc. varil. k 8a; ich will beständig sein: du wirst mir ja verehren ein himmelblaues kleid, das keine zeit versehren, kein dieb nicht stehlen kan. hab ich disz kleid allein, so soll der purpur mir zu schlecht und nichtig sein. Opitz 3, 222, 'aus dem latein. papst Urbans VIII.' 6@cc) auch in der weltlichen dichtung: swelch frowe hôchgemüete (hohen sinn) treit, dâ bî güete, dêst ein kleit daʒ vrowe noch beʒʒer nie getruoc. Lichtenstein 557, 8, man bemerke das treit, trägt; niht kleider stât den vrowen baʒ dan die si von der güete treit. 557, 20; wîplîch güete, schœne und êre, dâ bî reinen muot ... bî den kleiden lât sich vinden der vil triutelehte lôse lîp. G. v. Neifen 43, 35; wer treit sunder weit (in echter farbe, ungefälscht) aller tugende ganzeʒ kleit? Frauenlob s. 29, und ähnlich oft, auch mit eingehender ausführung, s. Köhlers nachweisungen Germ. 8, 18 ff. auch später: dann grosze füll und trunkenheit ist dieses völkleins täglich kleid. Scheit grob. H 4a; es ist auf erd kein schöner kleid denn tugend, ehr und redlichkeit. B. Gensschedel bei Hoffmann spenden 1, 26; eitelkeit ein schlimmes kleid. Simrock sprichw. 2022; wann herz und seele gott gefället, das ist das schönste kleid und zeug. Simplic. 1, 71; mensch! leben, adel, ehr und geld ist eitelkeit, das ist in diser welt ein allgemeines kleid. wie hoch du drinnen prangst, must du es legen hin ... ja selbst der ganze leib musz ausgezogen sein. A. Gryphius (1663) 509. 6@dd) der leib ist nämlich das kleid der seele, vgl.den befleckten rock des fleisches ep. Judae 23; doch ist das bild ähnlich schon vorchristlich da, s. Wackernagel bei Haupt 6, 298. 6@ee) Christus hat die menschheit als kleid angezogen: unse herre hât sîn cleit mit ime genumin, dat is di natûre di ime von uns ist kumin. Wernher v. Niederrhein 67, 27; Jesus. Maria, mein erste kleit ist gewest die menscheit, die ich von meiner mutter nam, da ich in die werlet quam. osterspiel, fundgr. 2, 329, 25. [] 6@ff) geistig, das äuszere, die form, im gegensatz zum wesen, inhalt: und wie sich unser aug am kleid der dinge stöszt, vor eurem (höherer wesen) scharfen blick sich die natur entblöszt. Haller (1777) 176, philos. natur für wesen wie wir nun sagen; derwisch. könnt ich nicht ein kerl im staat geworden sein, des freundschaft euch ungelegen wäre? Nathan. wenn dein herz noch derwisch ist, so wag ichs drauf. der 'kerl im staat' ist nur dein kleid. Lessing 2, 207; wie unsere höheren vernunftbegriffe .. gleichsam ein körperlich kleid annehmen, um sich in klarheit (s. sp. 994) zu setzen. Kant. 6@gg) wie man von einkleidung der gedanken spricht, heiszen sprache, stil des gedankens kleid, s. kleiden 7, c: dasz das kleid für den gedanken gerecht sein soll, ohne ihm seine freiheit und ungezwungenheit zu nehmen. Ramler einl. in die schönen wiss. (1774) 4, 71; der ich den besten autoren .. ihre schönheiten zu entwenden suche, um deren ausbreitung ich mich .. durch das neue kleid bemühe, in dem ich sie weiter sende. J. Paul liter. nachl. 4, 135. von übersetzung: unser treflicher Rabener macht in seinem gallischen kleide eine abgeschmackte figur. Sturz 1, 108. 77) kleid für einkleidung? s. kleiden 1, d.
20049 Zeichen · 470 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    kleidst. n.

    Althochdeutsches Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    kleid st. n. , mhd. kleit, nhd. kleid; mnd. klê i t, mnl. cleet; afries. klath, kleth; ae. cláþ; vgl. an. klæði. cleit: …

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    kleidN.

    Köbler Mnd. Wörterbuch

    kleid , N. Vw.: s. klēt (1)

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Kleid

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Das Kleid , des -es, plur. die -er, Diminut. das Kleidchen, Oberd. Kleidlein. 1. In der weitesten und ohne Zweifel eigen…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Kleid

    Goethe-Wörterbuch

    Kleid 1 Kleidung, Bekleidung, Garderobe a allgemein für jds Kleiderbestand, -ausstattung sowie die Art u Weise sich (ind…

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Kleid

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Kleid , in der Nautik, s. Segel .

  6. modern
    Dialekt
    Kleid

    Elsässisches Wb. · +5 Parallelbelege

    Kleid [Klait O. Bf. Str. W.; Klèit M. ; Klǽt Barr ; Klæit K. Z. Betschd. ; Pl. –ər] n. Kleid. Rda. us de n Kleider n fal…

  7. Sprichwörter
    Kleid

    Wander (Sprichwörter)

    Kleid 1. Alt Klâder drêd em gärn. ( Siebenbürg.- sächs. ) – Schuster, 816. 2. Alte Kleider lachen über eine weiche Bürst…

  8. Spezial
    Kleid

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Kleid n. (-[e]s,-er) 1 (einteiliges Frauenoberkleid) guant (-nc) m. 2 pl. (Bekleidung) guant m. 3 (Anzug) iesta (-tes) f…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit kleid

785 Bildungen · 307 Erstglied · 464 Zweitglied · 14 Ableitungen

kleid‑ als Erstglied (30 von 307)

Kleidasch

PfWB

kleid·asch

Kleidasch f. : ' die Bekleidung ', scherzh., Klädaasch [(1925) Ingb]. F.: Kleid + frz. -age.

kleidchen

DWB

kleid·chen

kleidchen , n. 1 1) vesticula Steinbach 1, 868 , z. b. kinderkleidchen. von einem hause, im munde des apothekers in Hermann und Dorothea: la…

klê(i)dekîn

MNWB

kleid·e·kin

° klê(i)dekîn (Sächs. Weltchr. 94), n. , Gewand. klê(i)derbessem, ~börste, ~dracht, ~vorkö̑persche , ~hâke, ~hof, ~hûs, ~kiste, ~penninge, ~…

kleiden

DWB

klei·den

kleiden , vestire, mhd. kleiden, ahd. fehlend wie das subst., nd. nl. kleeden, dän. kläde, schwed. kläda, altn. klæða, ags. clâðian, engl. c…

kleiden,

FWB

1. ›jm. (auch: sich) Kleider anlegen; jn. auf eine bestimmte Weise (z. B. mit Ordenstracht) bekleiden‹; 2. ›jn. / etw. mit etw. ausstatten, …

kleider

DWB

klei·der

kleider , m. ' vestiarius ' Dief. 616 a , d. i. kleiderkrämer oder kleiderhüter oder auch kleidermacher ( s. unter kleiden 2, b ). noch bei …

Kleideraffe

SHW

Kleider-affe Band 3, Spalte 1397-1398

Kleiderholz

SHW

Kleider-holz Band 3, Spalte 1397-1398

Kleiderlade

SHW

Kleider-lade Band 3, Spalte 1399-1400

Kleiderlaus

SHW

Kleider-laus Band 3, Spalte 1399-1400

Kleiderleib

SHW

Kleider-leib Band 3, Spalte 1399-1400

kleid als Zweitglied (30 von 464)

Ärmelkleid

Campe

AErmel·kleid

Das Ärmelkleid , des — es, Mz. die — er, ein Kleid mit Ärmeln. Es würde diese Benennung überflüssig sein, wenn unsre Frauen und Mädchen nich…

Dirnkleid

RDWB1

Dirnkleid n баварское летнее платье (национальный костюм)

Ɉägerkleid

Campe

Das Ɉägerkleid , s. Campe Ɉagdkleid .

Ɉagdkleid

Campe

Das Ɉagdkleid , des — es, Mz. die — er , ein gewöhnliches grünes Kleid, welches man zur Jagd anlegt. »Ih verstehe Iren Blick, der an meinem …

Koktailkleid

RDWB1

Koktailkleid n вечернее платье

ABENDKLEID

DWB2

abend·kleid

DWB2 ABENDKLEID n. DWB2 noch unbestimmt bei Hölty, dann ( im anschluß an abend A 2 c) abendliches festkleid: DWB2 1773 wenn mich am bach .. …

Achselkleid

Campe

achsel·kleid

Das Achselkleid , des — es, Mz. die — er, ein Kleidungsstück von Leinwand, welches die Priester der Römischen Kirche beim Messelesen auf Kop…

ALAMODEKLEID

DWB2

alamode·kleid

DWB2 ALAMODEKLEID n. DWB2 modische tracht, tracht nach geltendem französ. geschmack: DWB2 ⟨u1640⟩ Zepar ein teuffel vber die alamode kleider…

Alledakleid

LothWB

Alleda-kleid Kleid, das man täglich anzieht Ri.

alletagskleid

DWB

alletags·kleid

alletagskleid , n. vestis quotidiana. das s wie in allerdings, vgl. alltäglich, alltagskleid.

alltagskleid

DWB

alltags·kleid

alltagskleid , n. vestitus quotidianus: ein alltagskleid zum strapezieren. Felsenb. 4, 425. in der wæte die si alle tage truoc. Nib. 1165, 3…

Amazonen-Kleid

Adelung

amazonen·kleid

Das Amazonen-Kleid , des -es, plur. die -er, eine in den neuern Zeiten aufgekommene Frauenzimmertracht, welche diesen Nahmen deßwegen bekomm…

amtskleid

DWB

amts·kleid

amtskleid , n. vestitus solemnior: die amptskleider und die heiligen kleider des priesters. 2 Mos. 31, 10 . s. DWB amtstracht , DWB amtsbart…

Annehmskleid

RhWB

annehm·s·kleid

An-nehms-kleid Verbr. wie a. 1 b δ (u. so mit andern zur ersten hl. Kommunion bestimmten Sachen zs.setzbar) n.: Kommunionkleid.

ARBEITSKLEID

DWB2

arbeits·kleid

DWB2 ARBEITSKLEID n. DWB2 zu arbeit B . wie arbeitskleidung: DWB2 DWB2 1700 arbeitskleid Kramer dict. 1,793 c . 1847 klebte eine solche (ver…

Arnkleid

RhWBN

arn·kleid

Arn-kleid -nts- Bo-Dransd n.: dies erhält die Magd nach der Ernte, zusätzl. zum Lohn.

ascherkleid

DWB

ascher·kleid

ascherkleid , n. vestis cinerea: von der priester kleid, har, schuoch, bann, buosz, ascherkleid. Frank chron. 358 b .

aufsteckkleid

DWB

aufsteckkleid , n. langes kleid, das aufgesteckt werden musz.

Augustkleid

RhWBN

august·kleid

August-kleid -ē- Aach-Eschw n.: Kl., das den Mägden nach der Ernte zusätzl. gegeben wurde.

auszenkleid

DWB

auszen·kleid

auszenkleid , n. vestis exterior: die auszenkleider werden gemeiniglich von besserm zeuge gemacht, als das futter, weil man das erste siehet…

badekleid

DWB

bade·kleid

badekleid , n. vestis balnearis: ich spreche doch, wenn sie aufs höhest zürnen, lieben herrn, zürnet ir, so gehet von der wand, thut in ewer…

Bäukleid

RhWB

bauk·leid

Bäu-kleid Jül , MGladb-Schiefbahn , Kref n.: Zugabe zum Lohn der Dienstboten für die Erntearbeit.

Bastkleid

GWB

bast·kleid

Bastkleid aus Pflanzenfasern hergestelltes Gewand Elpenor, in einem geflochtenen B-e [φορμὸν], wie es die Schiffer tragen GWB 48,96,28 Polyg…

Bauchkleid

RhWB

bauch·kleid

Bauch-kleid byχklēt Schleid-Dreiborn ; bøk- Dür-D'horn n.: das grobe Leinen, über dem die Aschenlauge bereitet wurde.

Ableitungen von kleid (14 von 14)

Bekleid

RhWB

Be-kleid: Bretterverschalung einer Wand Simm-Dichtelb , Bitb-Fliessem , NWeis (f.), Monsch-Kalterherbg , uWupp 1870.

bekleide

BMZ

bekleide swv. bekleide. nu ist diu heide wol bekleidet mit vil wunneclîchen kleiden Gfr. v. Neifen 33,33. die stolzen heiden begunden sich s…

bekleiden

DWB

bekleiden , vestire, mhd. bekleiden ( aber nur im passional ), nnl. bekleeden, goth. gavasjan, ahd. pidecchan, giwâtan: ich bin nacket gewes…

bekleidung

DWB

bekleidung , f. vestitus: eine leichte, schwere bekleidung; für bekleidung der hände und füsze war gesorgt; die bekleidung der landrücken du…

entkleiden

DWB

entkleiden , exuere veste, nudare, nnl. ontkleeden. 1 1) sinnlich, sintemal wir wolten lieber nicht entkleidet, sondern uberkleidet werden (…

ENTKLEIDUNG

DWB2

DWB2 ENTKLEIDUNG f. DWB2 abl. von entkleiden vb. DWB2 DWB2 1 das wegnehmen von etwas, das freimachen von äußerlichem. zu entkleiden vb. 2 hs…

gekleid

DWB

gekleid , n. kleidung, gekleit nrh. 15. jahrh. städtechr. 12, 350, 10.

gekleide

Lexer

ge-kleide stn. coll. zu kleit, kleidung Elis. 541. 3804. Marld. han. 34,23.

kleide

BMZ

kleide swv. kleide, bekleide. 1. ohne casus. wie frou Sælde kleiden kan, daʒ si mir gît kumber unde hôhen muot Walth. 43,1. 2. mit accus. ma…

Mißkleiden

Campe

Mißkleiden , v. trs . Mittelw. der verg. Z. gemißkleidet , verkleiden, durch Kleidung unkenntlich machen, verstellen. Uneigentlich, übel kle…

urkleid

DWB

urkleid , n. , primitives kleid (ur- C 4 c): die urkleider der balleteusen H. Heine 3, 446 E. —

verkleiden

DWB

verkleiden , verb. bekleiden, in andere kleider kleiden. zusammensetzung zu einfachem kleiden, dem ver theils eine intensivere bedeutung gib…

verkleidung

DWB

verkleidung , f. das verkleiden als thätigkeit: er nahm eine verkleidung vor. häufiger aber ist die verkleidung das verkleidetsein ( also zu…