kleid,
n. vestis, vestimentum, mhd. kleit,
gen. kleides,
pl. kleit
und kleider,
wie noch im 16.
jh., jetzt nur kleider (
vgl. sp. 708);
der ungewöhnliche pl. ordenskleide Hippel 8, 181
wollte dem coll. sinne von kleider
als kleidung aus dem wege gehn. Das wort ist ahd. wie alts. und goth. nicht aufzuweisen, aber ags. clâð,
altfries. klâth
und klêth,
altn. isl. klæði,
nd. nl. kleed,
dän. schwed. kläde,
engl. cloth,
schott. claith.
von uns entlehnt lett. kléite,
litt. kleidà
kleid. Der ursprung ist dunkel, Wackernagels
vermutung auf entstehung aus mlat. cleda (Haupt 6, 297,
vgl. Germ. 3, 1
ff.),
neuerdings aus sl. gljet
hütte (
wb. zum altd. leseb. 1861,
s. klětĭ Mikl. 291
a,
vgl. kötze
a. e.)
ist mehr kühn und fein als geschichtlich vorstellbar. aus der geschichtlichen betrachtung der bedeutung wird sich eine vielleicht glaubhaftere vermutung ergeben, s. 1,
c. 11)
Die älteste unter den vorliegenden bedeutungen ist wol zeug, kleiderzeug. 1@aa)
so altn. klæði,
z. b. ein gewand af gôðu klæði Möbius 232, tvîbreitt klæði,
von doppelter breite, engilsk klæði
englisches tuch, genst, deventer, iperst kl.,
tuch von Gent, Deventer, Ypern Fritzner 355
a,
und so noch isl. norw. schwed. dän.; nicht anders engl. cloth,
schott. claith,
gewiss von jeher, ags. 'clâð
pannus' Grein 1, 162.
Das engl. bezeichnet aber auch leinwand (
daher z. b. cloth
tischtuch),
und auch das wird alt sein, vgl. altn. lînklæði
lintea Egilsson 521
a,
auch das Siegerländer wöschklead
taschentuch Schütze 1, 13
ist doch wol wischkleid (
mhd. wischtuoch,
dän. törkläde).
also ganz wie tuch,
dessen meist vergessene bed. leinwand uns doch in tischtuch, handtuch
noch deutlich wird. 1@bb)
auch bei uns ist mhd. und länger die bed. kleiderzeug bei genauem zusehen wol noch zu erkennen; mhd. z. b., wenn unter den vorräten einer burg genannt wird lînîn, wüllîn, sîdîn kleit. Mones
anz. 8, 487;
vielleicht auch in folg., kleit
unter geschenken: Hôrant von Tenemarke ouch dicke ze hove reit, er brâhte dem gesinde steine unde kleit, golt unde sîden.
Gudrun 571, 2.
noch bei Brant,
er klagt von der hoffart der bauern: in schmeckt der zwilch nit wol als ee, die buren went (
wollen) kein gippen me, es muosz sin lündsch und mechelsch kleit.
narrenschiff 82, 15,
[] tuch von London und Mecheln. hier und bei Mone
ist kleit
deutlich collectiv gebraucht, wie sonst gewand,
jetzt zeug. 1@cc)
ist aber kleid
urspr. gewebtes zeug überhaupt, so kommen nahe liegende nord. wörter vom weben in frage; an dem alten aufrechtstehenden webstuhle wurden die fäden der kette durch angehängte gewichte, urspr. steine (
norw. kljstein,
isl. kljâr
pl., sg. klê
m.)
in richtung gehalten; kljâ
heiszt isl. diese gewichte anhängen, aber auch das gewebe als fertig abnehmen (
stamen absolvere),
ja fertig machen überhaupt (
absolvere),
und klîð
f. ein solches stück zeug das eben in arbeit ist; klæði
also vielleicht eig. das fertige stück, das æ
in ablautsverhältnis zu dem î
in klîð? 1@dd)
geschichtlich bleibt freilich noch viel aufzuklären, besonders das fehlen im ahd., alts. (
es fehlt auch ags. im Cädmon, Beovulf),
wo andere wörter von hohem alter seine stelle haben. ist es wirklich erst später aufgekommen? und woher? aus den Niederlanden, dem alten sitze der weberei? und zwar mit dem höfischen wesen? es erscheint mhd. fast wie ein höfisches wort, das auch fernerhin einen gewissen adel bewahrt hat. s. sp. 1072. 22)
Die weitere bed. ist ein stück zeug zu einem bestimmten gebrauche, auch ohne künstliche verarbeitung, wie tuch.
so 2@aa)
vorhin in engl. cloth
tischtuch, ags. im pl. von windeln (
dicht.), bearmclâð
mappula ('
schosztuch',
serviette) Grein 1, 162,
dän. kläde
z. b. vom handtuch, halstuch, umschlagetuch; nl. tafelkleed
tischdecke, altarkleed, kleed
schlechthin pferdedecke. 2@bb)
und auch bei uns, mhd. und länger: sie hete nûr ein kleineʒ kleit ûf daʒ houbet geleit und gienc über den kirchof hin. Haupt 7, 114,
sie legt in der angst nicht, wie es frauen beim ausgehn gebührt, den mantel,
die hülle
an, nur, da keine frau barhaupt ausgehn darf, ein kleines kopftuch, houbettuoch;
vgl. tinnekleit Haupt 1, 15
von einer weiblichen kopfbedeckung (Bon. 75, 55 kleit
von der perücke), daʒ houbet kleiden Licht. 337, 12.
Auch die pferdedecke hiesz rossekleit, satelkleit (
altn. söðulklæði), pferdes klaide
voc. 1482 ee 4
a. y 7
a,
die bettdecke deckekleit,
der teppich auf der bank bankcleit
scamnale Dief. 516
a,
voc. opt. Lpz. 1501 Aa 6
a (
vgl. rechtsalt. 807. 812).
am merkwürdigsten in dem Siegerl. wischkleid
unter 1,
a. 2@cc)
zugleich als zierde: kleide, gezierde, zierung,
ornamentum. voc. th. 1482 q 6
a.
vgl. kleiden 1,
c. d. 33)
Endlich kleidungsstück. 3@aa)
zuerst vermutlich vom hauptstücke der kleidung, dem oberkleid,
mhd. überkleit,
rock, auch mantel. letzterer wird genauer umbekleit
genannt, auch cleit
schlechthin Bartsch
md. ged. 86, 79.
vom leibrocke: ich het an mînen lîp geleit zwô hosen und dar zuo lînîn kleit. Lichtenstein 539, 12,
aber ohne art., wie jetzt kleidung (
s. u. b, zu lînîn
als höfisch sp. 862
unten).
eine klage aus der mitte des 15.
jh.: es trugen auch die manne uf diese zeit korze cleider so das sie iren schemen kome (
kaum) bedacktin. Haupt 8, 469,
vgl. 1, 415 (
bei Brant 4, 25 kurz schäntlich und beschroten röck, das einer kum den nabel bdöck); und sie erwischt in bei seinem kleid und sprach 'schlafe bei mir'. aber er lies das kleid in irer hand und flohe.
1 Mos. 39, 12; Johannes hatte ein kleid von kameelharen.
Matth. 3, 4; derowegen zohe sie abermahls eins von meines vaters känntlichen kleidern
an. Felsenb. 4, 216; er trug ein hechtgraues kleid mit rothen aufschlä
gen. Lessing 1, 233; er (
Wilhelm Meister) fühlte nach dem halstuch das er von ihr (
Mariannen) mitgenommen hatte, es war vergessen, es steckte im vorigen kleide. Göthe 18, 111; der doctor im langen kleide, der uns vom katheder herab belehrt. 53, 143; man hat mir nicht den rock zerrissen, es wär auch schade für das kleid. Uhland
ged. 82.
gebrauch des lebens ist das aber im allgemeinen jetzt nicht (
s. d.)
; doch Heynatz
antib. 2, 186
gibt an, als etwas besonderes, es gelte in '
Niedersachsen'
oft für rock,
mannsrock, ebenso Bernd
aus Posen 126,
und ganz volksm. klingt: he hett wat up dat kleed kregen (
prügel). Dähnert 233
b aus Pommern. vgl. kleidrock. 3@bb)
oft aber steht kleid
im sg. für die ganze kleidung, wie gewand,
mhd. wât (
selten gekleide Haupt 10, 117), 'ein ganz kleid,
a suit of cloaths' Ludwig
teutsch-engl. wb. sp. 1027,
doch meist so, dasz vorwiegend der rock gedacht ist als hauptstück: es ist weder brot noch kleid in meinem hause.
Jes. 3, 6 (
vorher kleider); die von Regenspurg schickten 200 mann geklaidet in áin klaid. Gemeiner
Regensb. chron. 4, 38,
v. j. 1499; der bischof .. sprach zuo Ulenspiegeln (
den er in seine dienste [] nimmt) 'folg uns nach gen Frankford, wir wöllen dir unser wapen und kleid geben'.
Eul. c. 63
s. 91,
livree. so auch kleid
schlechtin: ich wil self seste haben cleit ind wil ûwer marschalc sî
n. B. v. Holle
Crane 1016,
will mich selbsechst einkleiden lassen in euerm dienst, vgl. Nib. 31, 1
und kleiden 2.
auch strîtkleit, strîtes kleit
Wh. 416, 17,
rüstung. von der modetracht des 16.
jh.: sorg auch nicht, dasz dein kind und weib noch wol möcht tragen an dem leib ein kleid, das man dir hat zerschnetzelt, zerpickt, zerkerbt und klein zerfetzelt. Scheit
grob. S 3
b; solt auch die kleider all zerschneiden, kein ganz gewand nit an dir leiden. dann wer jetzund nicht an im treit ein lumpecht wol zerhawen kleid, den heiszt man gleich ein bawrenknoll ... drumb lasz dir auch die kleid zerhawen. S 3
a.
dasz da nicht nur der rock gemeint ist, zeigt folg.: da stet er wie ein lüllen in seim zerhackten kleid. Uhlands
volksl. 528,
von der zerschnittenen pluderhose des landsknechts aus 99
ellen karteken, dem hauptstücke seiner kleidung. grün ist gar ein frölichs kleid.
weim. jahrb. 2, 105; merk ob sich ie verbark ein frechs herz in geistlichem kleid.
fastn. sp. 1264; zog Jonathan an das priesterliche kleid. 1
Macc. 10, 21,
übernahm die priesterwürde; hochzeitlich kleid.
Matth. 22, 11; das man alda (
in der garküche) bald ainem das kleid betreift und beschütt.
Garg. 46
b; das kleid (
amtskleid) macht nit den man, der man sol den stand zieren, und er das kleid. Frank
spr. 2, 25
a (
vgl. Lessing
u. e); königlich kleid
ornatus regalis, fürstenkleid, er hat ein altväterisch kleid
an. Stieler 978; er trägt immer nur ein kleid, wie der scherwenzel. Rädlein 542
b; wem farb und kleid ein ansehn geben, der hat verstand, so dumm er ist. Gellert
der zeisig; éin kleid, éin schwert, éin pferd und éinen gott! was brauch ich mehr? Lessing 2, 236; ihr seid kein mönch! ihr seid es nicht! der friede wohnt in diesem kleide, in euren zügen wohnt der friede nicht. Schiller 550
b; 's wird einem sauer, hoheit, zwischen zwei dachtraufen trocknen kleides durchzukommen. 601
b; und ach das roth am kleide der bleisoldaten schwand. Matthisson
kinderjahre. aber auch das ist gewählter ausdruck, nicht ausdruck des lebens, wo kleidung, anzug
vorherschen, oder rock
u. s. w. 3@cc)
gewöhnlich dagegen ist der pl. kleider,
wo sämtliche kleidungsstücke zu bezeichnen sind, auch die welche einzeln nicht kleid
heiszen, wie doch auszer dem hauptkleide auch das unterkleid, niederkleid, beinkleid: er lief nu nacket beider der sinne und der cleider.
Iwein 3360; all kleider sind vol felt (
falten, s. sp. 796
mitte), röck, mentel, hembder und brustduoch, pantoffel, stifel, hosen, schuoch. Brant
narr. 4, 16; kein wirt sal lihen uf eines mannes (
bürgers) sun oder knecht mer den er cleider an im siehit und an hat. Michelsen
rechtsd. aus Thür. 210,
gewiss mit einschluss der von Brant
genannten stiefeln u. s. w.; (
Joseph) lies sich bescheren und zoch andere kleider an und kam hin ein zu Pharao.
1 Mos. 41, 14; er zog auch seine kleider aus.
1 Sam. 19, 24; Saul wechselt seine kleider und zog andere
an. 28, 8; und (
sollst) Aaron die heilige kleider anziehen.
2 Mos. 40, 13; das man im königliche kleider anziehe.
Esther 6, 8.
diesz anziehen
und ausziehen
ist noch jetzt das gewöhnlichste, daher anzug
für kleidung, gewählter nach altem gebrauch die kleider anlegen, ablegen,
wenns schnell geht sich in die kleider werfen, in die kleider fahren: aber da fielen die kinder mit schrein und entsetzlichem weinen ihr in die kleider und wollten die zweite mutter nicht lassen. Göthe 40, 314.
ein scherz: Pickelhering, wo seid ihr dann allezeit?
Pick. in (
d. i. in'n) kleidern, wann ich nicht bade. Weise
überfl. ged. (1701) 205,
wie noch im hemde.
eigentlich volksmäszig ist doch auch das jetzt nicht, die sachen
ist das gebräuchliche. 3@dd)
in eigentlicher geltung ist kleid
als kleid der frauen; wo von einem neuen kleide, hochzeitskleide, ballkleide, morgenkleid, sommerkleid
die rede ist, werden wir stets an ein frauenkleid denken. doch scheint noch dis 17.
und theilweise das 18.
jh. [] diese bevorzugung nicht zu kennen, noch Adelung
gibt auch als männliches kleid
an rock und weste, bisweilen mit einschlusz der beinkleider. jetzt aber bringt uns kleid
allein als ersten gedanken den des hauptkleides einer frau, in dem sie vor den leuten erscheint. 3@ee)
überhaupt enthält es im grunde den begriff des edlen oder des zierenden, gewählten, für die gesellschaft berechneten. in nd. gegenden heiszt auch der fruck, als das staatskleid, schlechthin klêd Schambach 102
a,
ebenso in Posen kleid Bernd 126 (
vgl. kleidrock).
das volk denkt bei kleid
von selbst an geputzte leute, an sonntagskleider, festkleider,
und schon mhd. zeigt sich das: swie vil ein valschiu kleider treit, doch sint ir êre kleine. Spervogel
frühl. 24, 7; swer sîn frowen überkleit (
überputzt) und ér ungerne kleider treit (
sich putzt), der sol haben kleinen zorn, wirt ein stiefkint im geborn.
lieders. 2, 613 (
minn. frühl. 235); der erste sak schol chlaider haben.
ring 30
b, 35,
hofkleider sind gemeint; das kleid ziert einen mann, wers hat der zieh es
an. Lessing 11, 670, 'kleider machen leute'; so bade dich und salbe dich und lege dein kleid
an. Ruth 3, 3,
d. i. das '
gute kleid'; du hast kleider (
gute kleider), sei unser fürst.
Jes. 3, 6; erheb dich nicht deiner kleider und sei nicht stolz.
Sirach 10, 4; also ist an eim weib nichts guts, wenn sie die kleider müszn ziern und etwan auf den schauplatz füern. Ayrer 1310, 24; er schonet seine kleider sehr, er gehet stets im mantel oder im schlafrock. Rädlein 542
b,
die gesellschaftskleider, guotiu kleider Berthold 329, 35.
ebenso steht freilich mhd. gewant Neidhart 3, 4.
MSH. 2, 169
a,
gr. εἵματα,
s. sp. 1076
unten. 3@ff)
zusammensetzungen unerschöpflich, nach dem stoffe z. b. wollenkleid, tuchkleid, atlaskleid, tüllkleid, florkleid, kattunkleid, spitzenkleid
u. s. w., nach dem zwecke kirchenkleid, hauskleid, staatskleid, prachtkleid, bratenkleid, reitkleid, trauerkleid, ehrenkleid, badekleid,
nach dem träger mannskleid, frauenkleid, kinderkleid, brautkleid, priesterkleid
u. s. w. 44)
Übertragen auf ähnliche bedeckungen, umhüllungen, zum schutz und zur zierde; vgl. kleidholz, schanzkleid, bekleiden. 4@aa)
das kleid, kleidchen
heiszt nach Adelung
im volke das häutchen, womit das kind im mutterleibe umgeben ist, s. unter kleidchen, kinderbälglein. 4@bb)
auf schiffen ist kleid
altes tau- oder segelwerk, womit die taue und kabeln umwunden werden, um sie vor reibung zu schützen; ebenso an pumpen die um die röhren gewickelten taue, an der schiffslaterne das mit einem tuche überzogene eiserne gitterwerk. 4@cc)
von einem neu abgeputzten hause, einer neu tapezierten stube u. dgl. sagt man wol, sie haben ein neues kleid angezogen (
vgl.tünche
von tunica);
s. Göthe
unter kleidchen 1. 4@dd)
bei thieren: die ausgefallenen federn werden (
bei manchen vögeln im frühling) durch schönere ersetzt und diesen neuen schönern federschmuck .. nennt man hochzeitkleid, sommerkleid, im gegensatz zu dem schlechtern herbstkleide oder winterkleide. Leunis
synopis der naturg. des thierreichs 1860) 190,
auch federkleid
das.; eine gemse im winterkleide. 55)
Dichterisch wird der natur und naturdingen nach menschlicher weise kleidung beigelegt (
vgl. myth. 721): des meigen vriunt, der grüene wase, der hete ûʒ bluomen an geleit sô wünneclîchiu sumerkleit.
Tristan 16, 6,
vgl. Licht. 407, 8; der (sumer) sneit (
als schneider) sîn kleit beide ûf berge und in dem tal. Benecke
beitr. 159. 170. 253; wie wol er (
der wald) sîniu grüeniu kleider an sich strîchet. Neidhart 19, 8; nu ist diu heide wol bekleidet ... rôsen sint ir besten kleit. Gotfr. v. Neifen 33, 33; der himel sich gestellet hât (
beim tagen) von grâwem claid zu weiszer wât.
Hätzl. 302
b; ihr (
der violen) wolkenblaues kleid. Opitz 2, 100; heut hat die winterluft ihr kaltes weiszes kleid mit frost und scharfen reif umbhüllet weit und breit. 2, 164 du .. giebst den wolken umb das braune kleid der nacht. 3, 175; drum ist dir (
der fichte) auch verehret zum zeichen deiner trew das immergrüne kleid. Logau 1, 8, 99
s. 191; ehr luft und erden ward, eh das gestirnte kleid dem himmel angelegt. A. Gryphius
sonn. 1, 1;
[] du hast das firmament an seinen ort erhöhet, der wolken kleid darum gewelzt. Haller 3; und um nackende gesträuche wirft der mai sein buntes kleid. Schubart (1825) 1, 191; unter einem kleid von eise kämpft die alternde natur. 1, 189; schön das kleid mit licht gesticket, schön hat Flora euch (
blumen) geschmücket. Schiller 9
a; natur, wie schön in jedem kleide! auch noch im sterbekleid wie schön! Voss (1825) 3, 202; in wenig minuten deckte ihn (
den todten) .. die erde mit ihrem dunkeln von blumen durchwirkten kleide zu. J. Paul
biogr. bel. 1, 183; es ist nun der herbst gekommen, hat das schöne sommerkleid von den feldern weggenommen. Eichendorff
ged. 359; die mutter gottes wacht, mit ihrem sternenkleide bedeckt sie dich sacht. 367. 66)
Geistlich und geistig. 6@aa)
die bibel bot, aus der althebr. dichtung her, bildliche verwendung von kleid
und kleidung, z. b.: gerechtigkeit war mein kleid, das ich anzog wie einen rock, und mein recht war mein fürstlicher hut.
Hiob 29, 14; er hat mich angezogen mit kleidern des heils und mit dem rock der gerechtigkeit gekleidet.
Jes. 61, 10,
vgl. 59, 17.
von einem fluche: so werde er im wie ein kleid das er anhabe.
ps. 109, 19.
von Jehovahs herrlichkeit: liecht ist dein kleid das du an hast, du breitest aus den himel wie einen teppich.
ps. 104, 2.
das wird folg. ähnliche verwendungen veranlaszt haben. 6@bb)
mystisch philosophisch und geistlich: wille nimt got (
acc.) under dem kleide der güete .. güete ist ein kleit dâ got under verborgen ist. Eckhart 270, 32. 34; habitus peccatorum, ein unrein kleid der selen,
vorher habitus, gewonheit die einer in der selen hat .. ein kleidung der sele
und sicut vestis corpus, ita habitus animam vestit. Melber
voc. varil. k 8
a; ich will beständig sein: du wirst mir ja verehren ein himmelblaues kleid, das keine zeit versehren, kein dieb nicht stehlen kan. hab ich disz kleid allein, so soll der purpur mir zu schlecht und nichtig sein. Opitz 3, 222, '
aus dem latein. papst Urbans VIII.' 6@cc)
auch in der weltlichen dichtung: swelch frowe hôchgemüete (
hohen sinn) treit, dâ bî güete, dêst ein kleit daʒ vrowe noch beʒʒer nie getruoc. Lichtenstein 557, 8,
man bemerke das treit,
trägt; niht kleider stât den vrowen baʒ dan die si von der güete treit. 557, 20; wîplîch güete, schœne und êre, dâ bî reinen muot ... bî den kleiden lât sich vinden der vil triutelehte lôse lîp. G. v. Neifen 43, 35; wer treit sunder weit (
in echter farbe, ungefälscht) aller tugende ganzeʒ kleit? Frauenlob
s. 29,
und ähnlich oft, auch mit eingehender ausführung, s. Köhlers
nachweisungen Germ. 8, 18
ff. auch später: dann grosze füll und trunkenheit ist dieses völkleins täglich kleid. Scheit
grob. H 4
a; es ist auf erd kein schöner kleid denn tugend, ehr und redlichkeit. B. Gensschedel
bei Hoffmann spenden 1, 26; eitelkeit ein schlimmes kleid. Simrock
sprichw. 2022; wann herz und seele gott gefället, das ist das schönste kleid und zeug.
Simplic. 1, 71; mensch! leben, adel, ehr und geld ist eitelkeit, das ist in diser welt ein allgemeines kleid. wie hoch du drinnen prangst, must du es legen hin ... ja selbst der ganze leib musz ausgezogen sein. A. Gryphius (1663) 509. 6@dd)
der leib
ist nämlich das kleid der seele,
vgl.den befleckten rock des fleisches
ep. Judae 23;
doch ist das bild ähnlich schon vorchristlich da, s. Wackernagel
bei Haupt 6, 298. 6@ee)
Christus hat die menschheit als kleid
angezogen: unse herre hât sîn cleit mit ime genumin, dat is di natûre di ime von uns ist kumin. Wernher
v. Niederrhein 67, 27;
Jesus. Maria, mein erste kleit ist gewest die menscheit, die ich von meiner mutter nam, da ich in die werlet quam.
osterspiel, fundgr. 2, 329, 25.
[] 6@ff)
geistig, das äuszere, die form, im gegensatz zum wesen, inhalt: und wie sich unser aug am kleid der dinge stöszt, vor eurem (
höherer wesen) scharfen blick sich die natur entblöszt. Haller (1777) 176,
philos. natur
für wesen
wie wir nun sagen; derwisch. könnt ich nicht ein kerl im staat geworden sein, des freundschaft euch ungelegen wäre?
Nathan. wenn dein herz noch derwisch ist, so wag ichs drauf. der 'kerl im staat' ist nur dein kleid. Lessing 2, 207; wie unsere höheren vernunftbegriffe .. gleichsam ein körperlich kleid annehmen, um sich in klarheit (
s. sp. 994) zu setzen. Kant. 6@gg)
wie man von einkleidung der gedanken
spricht, heiszen sprache, stil des gedankens kleid,
s. kleiden 7,
c: dasz das kleid für den gedanken gerecht sein soll, ohne ihm seine freiheit und ungezwungenheit zu nehmen. Ramler
einl. in die schönen wiss. (1774) 4, 71; der ich den besten autoren .. ihre schönheiten zu entwenden suche, um deren ausbreitung ich mich .. durch das neue kleid bemühe, in dem ich sie weiter sende. J. Paul
liter. nachl. 4, 135.
von übersetzung: unser treflicher Rabener macht in seinem gallischen kleide eine abgeschmackte figur. Sturz 1, 108. 77) kleid
für einkleidung?
s. kleiden 1,
d.