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traufe

nhd. bis spez. · 9 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

traufe fem.

Bd. 21, Sp. 1404
traufe, fem. , das niedertröpfeln; der tropfen; der ort des tropfenfalles; das traufrecht. herkunft und form (vgl. auch trauf). 11) ahd. nicht belegt, mhd. troufe. die nhd. nebenformen mit umlaut und affricata (s. unter 5) machen einen jō-stamm, germ. *draupjo- wahrscheinlich, der überdies durch das ablautende ahd. trupha Notker 2, 245 P., mhd. trüpfe (s. trüpfe) gestützt wird. unmöglich ist der ansatz eines got. *traufa Meyer-Lübke rom. et. wb.2 nr. 8864a. 22) das fem. traufe ist im gegensatz zum masc. und neutr. trauf besonders in Mitteldeutschland verbreitet: drauf Crista Trier 70; träffa Sartorius Würzburg 150; traaf, troofe Müller-Fraureuth obersächs. 1, 241b. obd. sind ältere belege spärlich, z. b. Walther 33, 10; Hugo v. Langenstein Mart. 132, 1. schon frühzeitig, besonders aber seit dem 16. jh. gewinnt unter dem einflusz der schriftsprache das fem. auch im süden an häufigkeit, s. Fischer schwäb. 2, 333. im nd. und ndl. sind statt trauf, traufe die zu tropfen, trupfen gehörigen drope, druppe, drüppe, drippe üblich, s. dort. verschiedenes genus führt teilweise zur bedeutungsdifferenzierung, vgl. Martin-Lienhart 2, 743; lux. ma. 68b. 33) herrschend ist die zweisilbige form traufe. daneben findet sich bis ins 17. jh. eine kurzform; süddeutsch: ain trauf Konrad v. Megenberg buch d. nat. 362 Pf.; chein trauff Bamberg. recht bei Graf-Dietherr 85; aus der trauf fastnachtsp. 552 Keller; md.: dieselbe treuff Iglau. stadtb. bei Jelinek mhd. wb. 723; in der drauf Caspar v. d. Rhön Laurin 281 v. d. Hag.-Prim., neben traufe 280; in der trauf buch geistl. gnaden (1503) 54b; von einer trauff Treuer Dädalus (1675) 1, 472; die trauf Schottel haubtspr. (1663) 273. mundartlich: die und das traf Schmeller-Fr. bair. 1, 650; die traf Schöpf tirol. 749; trauf Martin-Lienhart elsäss. 2, 743; draf lux. ma. 68b; drauf Hönig Köln 36b; traaf Müller-Fraureuth 1, 241b; traf Knothe schles.-nordböhm. 183 neben trafe. 44) neben dem stark flectierten singul. finden sich in älterer zeit auch schwache formen: aus der trauffen Egerer fronleichnamsp. 2929 Milchsack; der troffen J. Gerlingius sylloge adag. (Leiden 1649) 94. für den plural sind schriftsprachlich nur schwache formen gesichert: alle troufen (1384) Freiberg. urkdb. 3, 274 Ermisch; die trauffen Abr. a s. Clara etwas für alle (1711) 2, 77. 55) neben schriftsprachlich herrschendem au gelegentlich überall seit alters der umlaut äu: dräuffe (15. jh. md.) Diefenbach 552c; treuffe Micha 2, 6; die träufe Göthe 38, 146 W. neben traufe; der treuffe Iglau. stadtb. bei Jelinek mhd. wb. 723; in den troeffen bei Scherz-Oberlin 1664; die treuff Rivius Vitruv. (1575) 8b. mundartlich: dröhf Waldbrühl Rhingscher klaaf 156; träupf Schmeller-Fr. bayr. 1, 673; tröuffi neben dem wenig gebräuchlichen trouffe Hunziker Aargau 61; elsäss. in dachträuf Martin-Lienhart 2, 743. entrundung zu ei selten: treiffe Caspar v. d. Rhön Laurin 280, neben drauff 281; taaxtraifn Hentrich Eichsfeld 65. monophthongierung zu a literarisch vereinzelt: eine traffe Mylius nomencl. (1572) ba, mundartlich reich bezeugt, vgl. trauf sp. 1400, zu o, besonders ostmd.: trofe Freiberg. stadtr. (1475) 406, 29 Ermisch, neben trouffe; die troffe Mathesius Syrach (1586) 124a; die troffen (1688) bauordn. Breslau (1828) 7; troofe Müller-Fraureuth öbersächs. 1, 241b. sonst: troffe vel gosze (obd. 15. jh.) Diefenbach 552c; troffe Scherz-Oberlin 1664; auch schwäb. drofə Fischer 2, 333. zu den kurzvokaligen formen vgl. 3trauf 4, sp. 1400. zur affricata im bayr.-österr. und schweiz. vgl. trauf sp. 1400, träufen sp. 1416, sowie tachtrapfe Breunig ma. [] von Buchen 34; trapfa Gradl maa. Westböhm. in Baierns maa. 2, 232; tachchträipfi Brandstetter ma. von Beromünster 4. bedeutung und gebrauch. 11) nomen actionis: das herunterfallen einer flüssigkeit, das tröpfeln. eindeutige fälle sind selten (vgl. aber unten 2 und 3, wo gelegentlich eine verbale bedeutung mehr oder minder durchschimmert): dieser auflösung kundbahres beispiel im buche der natur ist die trauffe, da die fallenden tropfen ... den härtesten felsenstein auflösen A. v. Franckenberg gemma magica (1684) 36; drei dinge jagen den mann aus dem haus: rauch, traufe und zorniges weib Dühringsfeld sprichw. (1875) 1, 156b, nach proverb. 27, 15 (vgl. trauf 1 a); trauffe nennet man den abfall des wassers, wenn es bei dem regen über das dach auf den erdboden rinnet Zincke allg. öcon. lex. (1744) 2, 2952. 22) nomen agentis und acti, 'stilla, gutta', z. t. mit dem verbalen und localen bedeutungselement von 1 und 3 als nebenvorstellung (s. sp. 1407): stilla i. gutta ein trauffe voc. theut. lat. (Nürnberg 1482) s. v.; stilla drauffe und trauffe (15. jh.) Diefenbach 552c. 2@aa) regen, nur selten ohne nähere angaben: in seinen troeffen so frowet sich der bernde (zu in stillicidiis eius laetabitur ps. 64, 11) bei Scherz-Oberlin 1664; weil ich Gretchen ihr haupt aufheben sehe, wie eine blume, die aus der traufe wieder in den sonnenschein kommt E. Höfer auf dt. erde (1860) 1, 172. 2@a@aα) im allgemeinen wird der ort, von dem der regen herabfällt, angegeben, meist ein dach: traufe nennt man das beim regen vom dach frei herabfallende wasser Helfft wb. d. landbaukunst (1836) 368; subgrunda, ein vordach, so die trauffe von den wenden abweiset B. Faber thes. (1587) 812a; stillicidium deducere die trauffe ableiten Reyher thes. (1686) 2380; deiectus ableiter der traufe A. Rode Vitruv (1800) anhang 23; weil es aber regnete, lief ihm die trauffe von dem dache in das offene maul Faszmann d. gelehrte narr (1729) 72; ihn haben sie nun hingelegt, wo graus vom turm herab die traufe ihm zu häupten schlägt und plätschert auf dem grab G. Keller 10, 17. frühzeitig bildlich: uz der schanden troufe viel im nie tropfe an sinen lip Frauenlob 129, 4 Ettmüller. im deutschen recht spielt die traufe eine grosze rolle: herr richter, ich klage iuch zu im, daz he uf mich gebuwet hat, daz sin swelle uf mir lit zu verre oder daz sin troufe uffe mich vellit (14. jh.) urkdb. d. stadt Freiberg i. Sa. 3, 21 Ermisch; er sol auch haben anderthalb füsze zwischen den nachbarn, darumb eine iegliche gelengen zwischen zweyen häusern, darin beede traufen fallen, drei füsze in die weite haben musz (1670) stadtrecht von Eisenach 147 Stenge-Devrient; in wesz were die traufe fällt, desz ist die mauer Graf-Dietherr rechtssprichw. 85; es erbt chein trauff, wi alt di ist ebenda 85 (aus d. Bamb. recht § 332); scherzhaft: wie an dem posthause auf dem Brenner die eine dachrinne ihr wasser ins schwarze, die andere das ihrige ins adriatische meer versendet, so wars jetzt auch mit der traufe von unsern hüten Steub drei sommer in Tirol (1895) 1, 271. 2@a@bβ) traufe als steigerung zu regen, vgl. trauf 2 a sp. 1401, traufregen, traufnasz: o gründliche taufe! o köstliche traufe! Uhland sämtl. w. (1827) 2, 147; dem tröpflein folgt die trauf Rückert (1867) 8, 465. redensartlich im eigentlichen und uneigentlichen sinne in reicher fülle seit dem 13. jh. mit deutlichen übergängen zum localen gebrauch (s. 3) und teilweisem hineinspielen des verbalen elementes: ir kardenâle, ir decket iuwern kôr: unser alter frôn derst under einer übelen troufe Walther 33, 10 Lachm.; [] must pleiben inn der drauf und sterben auf der erden Caspar von der Rhön Laurin 281 v. d. Hag.-Prim.; (primus miles Hiczenplicz prepellit mulieres) nun hebt euch paldt aus der trauffen oder ich schlach euch all zu hauffen Egerer fronleichn. 2529 Milchsack; wir sind unter der traufe des himmels theater d. Deutschen (1768) 17, 216; auch verschweigen und verstellen flieszen leicht zusammen und müszen nicht tropfen in den festesten charakter, sobald er immer unter der traufe steht, endlich narben graben? Jean Paul 7-10, 320 Hempel. sich aus der traufe machen Mathesius Syrach bei Wander 4, 1293. sprichwörtlich zunächst nur in die traufe kommen u. ähnlich: Laurein sprach: thun nit auffe, es gult das leben mein, wan ich kem in die drauffe Caspar von der Rhön Laurin 310 v. d. Hag.-Prim.; darumb so schlag ein reien auf, seit wir sein kumen ausz der trauf fastnachtsp. 552 Keller; wenn es sich möchte ... zutragen, das ihr solchen tyrannischen hündischen richtern möchtet in die troffe kommen J. Mathesius Syrach (1586) 124a; unter die traf kommen tüchtige verweise erhalten, in verlegenheit geraten Schöpf tirol. id. 749. verstärkt: er musz unter die kalte traufe Holtei theater (1845) 506b. — seit dem 17. jh. wohl in anlehnung an neulateinisches vorbild vitabat cinerem et incidebat in prunas (vgl. Steinbach 2, 861) und incidit in Scyllam cupiens vitare Charybdim (aus Walther von Chatillon Alexandreis 5, 301) erweitert: aus dem regen in die traufe kommen, im 17. und 18. jh. nur md., später auch obd., s. auch teil 8, 506: von dem verräther zwar errett mich dieser haufe, wiewol auf solche weis, als wann in eine trauffe man aus dem regen kömpt, wie unser sprichwort sagt D. v. d. Werder rasender Roland (1634) 13, 29; das ist eine schlechte hülfe, wenn man, um sich nicht zu quetschen, in einen brunnen fällt, in dem man ersaufen kann, d. h. aus dem regen in die traufe kommen v. Schönaich ästhetik (1754) 349; das neue ehepaar lebte ... im paradiese, ob es gleich dem afterreden ... des benachbarten adels nicht entging, sondern ... aus dem regen in die traufe kam v. Hippel kreuz- und querzüge 1, 107; mir scheint, da sind wir aus dem regen in die traufe gekommen Bauernfeld ges. schr. 5, 108; us em räge, sogar dem platschräge i d' trauffi choo Friedli Bärndütsch 6, 72; auf dem sprichwort beruhend: ja wohl ... hätte er es thun sollen ..., allein dises hielte er sich vor schimpflich, und wurde doch hernach von so vilen beschimpfft. das heiszt wohl recht ... den regen meiden, und unter die trauffe kommen Ettner v. Eiteritz unwürd. doctor 512; den regen kennen meine leser, allein die traufe bin ich ihnen noch schuldig v. Hippel sämtl. w. (1827) 2, 168; und bin froh, dasz der regen vorüber ist, obgleich ich nachher manchmal in die traufe komme br. v. u. a. Herwegh 254. — auch in variationen: aus dem regen unter die traufe kommen, vgl. teil 8, 506: ich kam aus dem regen unter die traufe Lessing 2, 480 L.-M.; nun hat er mich auf feine art fühlen lassen wollen, dasz ich aus dem regen unter die traufe gekommen bin Müllner dramat. w. 8, 142; aus öm rän onner dö drauf kommen Crista Trier 70. — die heute verbreitetste form vom regen in die traufe kommen, vereinzelt im 18. jh. (doch vgl. schon A. Gryphius lustsp. 89 Palm u. sp. 1407), erfreut sich erst seit dem 19. jh. steigender beliebtheit: er kommt vom regen in die traufe quelle von 1722 bei K. Rother d. schles. sprichw. 17a; da mir der lärm in Appenzell zu grosz war, ritt ich ... voraus, kam aber vom regen in die traufe, denn im Weiszbade wurde auch getanzt Hegner ges. schr. 2, 93; er könnte ... leicht wieder ein verliebter zeisig werden ..., der sich in alle welt vergafft, und dann käme ich vom regen in die traufe G. Keller ges. w. 5, 164. dialektisch nur schwäbisch verzeichnet in der form: vom regen unter die traufe kommen Fischer 2, 332. — kommen gelegentlich [] durch andere verba variiert: dasz wir also in der irre herumb, bald hieher, bald dorthin wallen, und wie man im sprichwort sagt, ausz dem regen in die trauffe gerathen B. v. d. Sohle Juncker Harnisch (1648) 195; Tieck schr. 9, 216; und also fielen die flüchtigen aus dem regen in die trauffe Lohenstein Arminius 1, 905b; K. L. v. Haller restauration 1, 426; armer Chrystostomus, ohne es zu wissen, schicktest du die menschen aus dem regen in die traufe! Zimmermann einsamkeit 2, 318; ihr setzt euch aus dem regen in die traufe G. Freytag ges. w. (1886) 11, 189. — mitunter bleibt das verbum unausgesprochen: aber schau, von dem regen in die trauffe! A. Gryphius lustsp. 89 Palm; vom regen unter die trauffe Schellhorn sprichw. (1797) 149; aus dem regen in die träufe Göthe 38, 146 W.; aus dem regen in die traufe (titel einer erzählung) O. Ludwig 2, 303. — literarisch gelegentlich mit beabsichtigter umkehrung des sprichworts von der traufe in den regen im sinne von 'ein kleineres übel statt eines gröszeren eintauschen': ich bin, wenn nicht aus dem regen in die traufe, doch aus der traufe in den regen gerathen (theater und universität unterscheiden sich nicht viel von einander) Göthe IV 29, 94 W.; 'so bist du im lande geblieben?' ruft ihm Christian zu. 'zurückgekehrt aus der traufe in den regen' — versetzt er — 'und habe das leben gerettet' (in Amerika ists noch schlimmer als hier) Hebbel werke 8, 342 Werner. umgekehrt md. und nd. im 16.-18. jh. von der traufe in den (platz-, schlag-)regen kommen, wie die traufe den regen, so überbietet der platzregen die traufe; vgl. dazu unten traufregen sowie die genau entsprechende wendung mit trüpfe (druppe) s. v. trüpfe 2: ware nun der gute ehrliche mann das erste mahl übel angelaufen, so kam er ietzund vollends aus der trauffe in den schlagregen, maszen ihm Menelaos also ableuchtete Lohenstein Arminius 2, 1486b; die verdeutschungen gerathen zuweilen sehr unglücklich, und man kömmt oft dabei aus der traufe in den schlagregen J. J. Schwabe belustigungen 7, 302; J. J. Chr. Bode Montaignes ged. 2, 191; das hiesze aus der traufe in den platzregen Gottsched dt. schaubühne 6, 308; die studenten wollten sie verfolgen, aber hr. Philander wiederriethe solches, in meinung, es dörfte ein hinterhalt in den höltzchen verborgen sein, und aus der trauffe gar in den regen kommen M. Kautzsch tobacksbruder (1690) 203. 2@bb) andere flüssigkeiten, nur selten, schon frühzeitig auch übertragen: bisz gegruszt du ubertreffliche jungfraw in der suszten trauf, die do von ewikeit gefloszen ist vom herzen der allerheiligsten dreifaldikeit in dich von deiner seligsten vorordenung buch d. geistl. gnaden (1503) 54b. von thränen: was? eine traufe, mädchen, stets in thränen? stets regenschauer? Shakespeare 1, 119; bildlich: ist die nacht vorbei, so fehle ihm doch eure treue nicht, und die traufe seiner seele netze mild sein angesicht Lenau sämtl. w. 110 Recl. vom schweisz des wildes: so (mit einem geschossenen hirsch beladen) geht Cimon, die hund ihm nach mit schnaufen, verdrossen leckend an den blutgen traufen P. Heyse braut von Cypern (1856) 10. auch von zähflüssiger salbe: swer ain trauf machet, diu collyrium haizet Konrad v. Megenberg buch v. d. natur 362 Pfeiffer. 2@cc) biblisch, übertragen von schelte, im anschlusz an träufen A 1 c: sie sagen, man solle nicht treuffen, denn solche treuffe trifft uns nicht Micha 2, 6. 33) der ort des tropfenfalles: ein trauffe est locus, ubi stillae cadunt vel a quo vel per quem cadunt voc. theut. lat. (1482) s. v. 3@aa) ort, von dem her das träufelnde wasser herabfällt. 3@a@aα) der rand eines daches, vgl. die traufe ist der untere rand einer dachfläche, von welcher das wasser abtropft [] Schönermark-Stüber hochbaulex. (1902) 833; traufe heiszt der dachfusz unter der rinne Mothes baulex. (1882) 4, 365: ez si daz er (der ehemann) loufe von des taches troufe Hugo von Langenstein Martina 132 Keller; der traufe tropfenfall hölet den stein aus J. J. Chr. Bode Montaignes ged. 5, 514; der regen sickerte durch die ritzen des schlechtverwahrten dachs, und ich lag wie unter einer traufe Soyaux Westafrika 2, 73; am nächsten morgen rauschte ein dichter guszregen nieder, auszen plätscherte es von den traufen und gurgelte in den rinnsalen Anzengruber ges. w. (1890) 2, 184. — die traufe ist im privatrecht von groszer wichtigkeit: (mit beziehung zu 1) alle wasserseygen (s. teil 13, 2505) und troufen, die von deme malczhuse in den hof tryffen adir sygen, die süllen ouch ewiglich frie syn und ungehindert (1384) urkundenb. d. st. Freiberg i. Sa. 3, 274 Ermisch; ausz der juristerei und bürgerlichen satzungen lernt er ... auch die treuff, auszgang der wasser, heimliche gemach ... niemandt zu nahe setzen Rivius Vitruv (1575) 8b; (ein baumeister musz sein) ein rechtsgelehrter, der die landesgewohnheiten, wie exempel, einer zu bauen befugt; ... wohin die fenster und trauffen zu bringen ... wol innen habe Abr. a s. Clara etwas für alle (1711) 2, 77. redensartlich zu 2 a β hinübergleitend: sich selbst unter die traufe stellen; einen unter die traufe locken; wer sich unter die traufe stellt, musz nicht über das naszwerden klagen Wander sprichw. 4, 1293. seit dem aufkommen der dachrinne heiszt auch diese traufe, vgl.: in einigen gegenden führet auch die dachrinne, welche diesz wasser auffänget und ausgieszet den namen der traufe Adelung 4, 654; vgl. Hoyer-Kreuter techn. wb. (1902) 1, 774: die thränen rinnen ihm am bart hinab, wie wintertropfen an der trauf aus rohr Shakespeare 3, 115; roth ist der schornstein getüncht, roth die hölzerne traufe Gaudy 17, 8. mehr der ausgusz einer dachrinne: nach fünf minuten war dem lehrer, als ob er unter einer traufe stünde, aus der statt regentropfen schrotkörner auf ihn niederhagelten Ebner-Eschenbach gemeindekind9 31. auch: er hielt sie (die begleiter) nicht blosz unter der traufe seines regenschirmes, sondern er gab sich wirklich mühe, sie trocken zu erhalten Jer. Gotthelf erzähl. u. bilder (1850) 1, 96. mit dem begriff des schutzes für das überschieszende dach: ähnlich dem fremdling am thore, der da stehet und spähet, unter welcher traufe er übernachten soll maler Müller werke 1, 354. der rand eines baumes: blattwerk, dessen traufe so ziemlich mit den wurzelenden correspondirt Ratzeburg waldverderbnis (1866) 2, 255. 3@a@bβ) fachsprachlich ist die traufe eine rinne um die bütte der papiermacher, in welche das überflüssige wasser von der form abtrieft Adelung 4, 654: die obere kante (der bütte) ... ist mit einer ... traufe versehen Muspratt-Stohmann chemie (1898) 6, 1581. 3@bb) ort auf der erde, wohin das vom dache herabtropfende wasser fällt Adelung 4, 654; impluvium, die traufe, heiszt ein plätzlein ohne dach, da es einregnet Docemius sprachenthür von Comenius (1638) § 547. öfter auch eine pfütze, gebildet durch das vom dach herabtropfende regenwasser: träufi Martin-Lienhardt elsäss. 2, 743; von einer trauff voll stanck wird auch ein bach mit schleimen G. Treuer dt. Dädalus (1675) 1, 472; er (Frundsberg) hält das reich in seinem arm wies kindlein zu der taufe, und thät ers nicht, dasz gott erbarm! so lägs gleich in der traufe Hoffmann von Fallersleben ges. w. (1890) 3, 203. 3@cc) ort zwischen der traufrinne und der grundmauer eines gebäudes Adelung 4, 654; Zincke allg. öcon. lex. (1744) 2952; spacium inter duos parietes, in quo pluviae descendunt, ... [] die traufe oder das reumlein zwischen zweien wenden B. Faber thes. (1587) 54b; und süllen wir ünser stallung oder swaz wir daselben gen in bowen wolten niht nähner hinan rücken gen irm hus, daz in an irr vorgenant träf und an der selben wytin ze schaden kommen möht (1352) Augsburger urkdb. 2, 45 Chr. Meyer, vgl. traufstatt. ebenso bei einem baum oder gehölz, vgl. wb. d. luxemb. ma. 68b: in Guayana gibt es sehr grosze schwarze ameisen, welche ... an der traufe der wälder ... hohe ... haufen bilden Oken allg. naturgesch. (1839) 5, 916; 7, 280; 7, 1284. 44) traufrecht (vgl.trauf 4): die traufe in des nachbars garten haben Heyne 32, 1013a.
19208 Zeichen · 446 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Traufe

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Die Traufe , plur. die -n, von dem Zeitworte traufen oder träufen. 1. Eigentlich, das von einem höhern Orte herab träufe…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Traufe

    Goethe-Wörterbuch

    Traufe [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Traufe

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Traufe , s. Dach , S. 404.

  4. modern
    Dialekt
    Traufe

    Rheinisches Wb.

    Traufe das Wort, mhd. Lexer troufe , ist als drāf f. Rhfrk, Mosfrk an der Saar (m.), uMos; als -ōf m. Wittl , Bitb , Prü…

  5. Sprichwörter
    Traufe

    Wander (Sprichwörter)

    Traufe 1. Die Traufe sagte zur Quelle: ich habe Wasser wie du. Die Russen: Die die Kanäle sind, dünken sich meist die Qu…

  6. Spezial
    Traufe

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Trau|fe f. (-,-n) 1 (Dachrinne) sala de tët f. 2 (Wasser) ega de tët f. , stracëies f.pl. ✒ vom Regen in die Traufe komm…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit traufe

21 Bildungen · 12 Erstglied · 9 Zweitglied · 0 Ableitungen

Zerlegung von traufe 2 Komponenten

tra+ufe

traufe setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

traufe‑ als Erstglied (12 von 12)

traufeiche

DWB

trauf·eiche

traufeiche , f. 1) zu trauf 3 c, eiche am waldrand: kommet jetz zur traufoich na Buck Bagenga (1892) 190 . Fischer schwäb. 2, 333. 2 ) zu tr…

Traufelbohr

RhWB

traufel·bohr

Traufel-bohr Saarbg-Wehing , Neuw-Datzeroth n.: Bohrwinde an der Traufel 2 a ζ.

Traufel II

RhWB

Traufel II das Wort, ndl. troffel, mnd. trûfel entsprechend, ist allg., u. zwar Rhfrk, Mosfrk drauwel, –ǫu-, –ou- [ Birkf-Idar -ō-; Bitb-Rit…

traufeln

RhWB

trauf·eln

traufeln schw.: 1. a. -ōf- Butter dick auftragen Birkf-Idar ; -uf- Dinsl-Aldenr . — b. -uf-, einen tr., prügeln, hauen Eup-Stdt ; ech häbb d…

traufenartig

DWB

traufen·artig

traufenartig , adj. zu traufe 3 a α : denselben filzhut mit den traufenartigen rändern tägl. rundschau (1901) nr. 378, 1. beil. —

traufenbuthe

DWB

traufenbuthe , f. : das fertige gewölbe ( beim grubenbau ) wird oben mit lettig oder rasen beschlagen und mit einer traufenbuthe (bretterdac…

traufengleich

DWB

traufen·gleich

traufengleich , adj. u. adv., zu traufe 3 a: ein regensturm mit schnee und schlossen zog düster über land und meer, dasz traufengleich die d…

traufe als Zweitglied (9 von 9)

dachtraufe

DWB

dacht·raufe

dachtraufe , f. das vom dach herabtröpfelnde wasser, compluvium. das genus schwankt wie die form traufe und trauf. ahd. dachtrauf, tachtroph…

Regentraufe

GWB

regent·raufe

Regentraufe anhaltendes Niedertröpfeln von Regen-, Wassertropfen; mBez auf die Redensart von der ständigen Wiederholung einer Handlung die M…

schwefeltraufe

DWB

schwefel·traufe

schwefeltraufe , f. , ' eine spielerei, indem man halb schwefel, halb schlacken durch ein loch, wie ein strohhalm dick, in ein mit wasser an…

waldtraufe

DWB

wald·traufe

waldtraufe , f. durch laubholz gebildeter waldrand: rechts den abhang hinauf breiten tannen und eichen ihre laubigen äste aus; vor diesen bä…

wassertraufe

DWB

wasser·traufe

wassertraufe , f. , früher auch -trauf, m. traufwasser: ( wie er ) das dachwerh gancz über dieselb irer bed schidmauer gelegt und den wasser…

winkeltraufe

DWB

winkel·traufe

winkeltraufe , f. , ' eine bleyerne rinne, welche längs durch den winkel herabgehet, den zwey hauptgebäude zusammen machen ' Jacobsson techn…