traufe,
fem. ,
das niedertröpfeln; der tropfen; der ort des tropfenfalles; das traufrecht. herkunft und form (
vgl. auch trauf). 11)
ahd. nicht belegt, mhd. troufe.
die nhd. nebenformen mit umlaut und affricata (
s. unter 5)
machen einen jō-
stamm, germ. *draupjo-
wahrscheinlich, der überdies durch das ablautende ahd. trupha Notker 2, 245
P., mhd. trüpfe (
s. trüpfe)
gestützt wird. unmöglich ist der ansatz eines got. *traufa Meyer-Lübke
rom. et. wb.2 nr. 8864
a. 22)
das fem. traufe
ist im gegensatz zum masc. und neutr. trauf
besonders in Mitteldeutschland verbreitet: drauf Crista
Trier 70; träffa Sartorius
Würzburg 150; traaf, troofe Müller-Fraureuth
obersächs. 1, 241
b.
obd. sind ältere belege spärlich, z. b. Walther 33, 10; Hugo v. Langenstein
Mart. 132, 1.
schon frühzeitig, besonders aber seit dem 16.
jh. gewinnt unter dem einflusz der schriftsprache das fem. auch im süden an häufigkeit, s. Fischer
schwäb. 2, 333.
im nd. und ndl. sind statt trauf, traufe
die zu tropfen, trupfen
gehörigen drope, druppe, drüppe, drippe
üblich, s. dort. verschiedenes genus führt teilweise zur bedeutungsdifferenzierung, vgl. Martin-Lienhart 2, 743;
lux. ma. 68
b. 33)
herrschend ist die zweisilbige form traufe.
daneben findet sich bis ins 17.
jh. eine kurzform; süddeutsch: ain trauf Konrad v. Megenberg
buch d. nat. 362
Pf.; chein trauff
Bamberg. recht bei Graf-Dietherr 85; aus der trauf
fastnachtsp. 552
Keller; md.: dieselbe treuff
Iglau. stadtb. bei Jelinek
mhd. wb. 723; in der drauf Caspar v.
d. Rhön
Laurin 281
v. d. Hag.-Prim., neben traufe 280; in der trauf
buch geistl. gnaden (1503) 54
b; von einer trauff Treuer
Dädalus (1675) 1, 472; die trauf Schottel
haubtspr. (1663) 273.
mundartlich: die
und das traf Schmeller-Fr.
bair. 1, 650; die traf Schöpf
tirol. 749; trauf Martin-Lienhart
elsäss. 2, 743; draf
lux. ma. 68
b; drauf Hönig
Köln 36
b; traaf Müller-Fraureuth 1, 241
b; traf Knothe
schles.-nordböhm. 183
neben trafe. 44)
neben dem stark flectierten singul. finden sich in älterer zeit auch schwache formen: aus der trauffen
Egerer fronleichnamsp. 2929
Milchsack; der troffen J. Gerlingius
sylloge adag. (
Leiden 1649) 94.
für den plural sind schriftsprachlich nur schwache formen gesichert: alle troufen (1384)
Freiberg. urkdb. 3, 274
Ermisch; die trauffen Abr. a
s. Clara
etwas für alle (1711) 2, 77. 55)
neben schriftsprachlich herrschendem au
gelegentlich überall seit alters der umlaut äu: dräuffe (15.
jh. md.) Diefenbach 552
c; treuffe
Micha 2, 6; die träufe Göthe 38, 146
W. neben traufe; der treuffe
Iglau. stadtb. bei Jelinek
mhd. wb. 723; in den troeffen
bei Scherz-Oberlin 1664; die treuff Rivius
Vitruv. (1575) 8
b.
mundartlich: dröhf Waldbrühl
Rhingscher klaaf 156; träupf Schmeller-Fr.
bayr. 1, 673; tröuffi
neben dem wenig gebräuchlichen trouffe Hunziker
Aargau 61;
elsäss. in dachträuf Martin-Lienhart 2, 743.
entrundung zu ei
selten: treiffe Caspar v.
d. Rhön
Laurin 280,
neben drauff 281; taaxtraifn Hentrich
Eichsfeld 65.
monophthongierung zu a
literarisch vereinzelt: eine traffe Mylius
nomencl. (1572) b
a,
mundartlich reich bezeugt, vgl. trauf
sp. 1400,
zu o,
besonders ostmd.: trofe
Freiberg. stadtr. (1475) 406, 29
Ermisch, neben trouffe; die troffe Mathesius
Syrach (1586) 124
a; die troffen (1688)
bauordn. Breslau (1828) 7; troofe Müller-Fraureuth
öbersächs. 1, 241
b.
sonst: troffe
vel gosze (
obd. 15.
jh.) Diefenbach 552
c; troffe Scherz-Oberlin 1664;
auch schwäb. drofə Fischer 2, 333.
zu den kurzvokaligen formen vgl. 3trauf 4,
sp. 1400.
zur affricata im bayr.-österr. und schweiz. vgl. trauf
sp. 1400, träufen
sp. 1416,
sowie tachtrapfe Breunig
ma. [] von Buchen 34; trapfa Gradl
maa. Westböhm. in Baierns maa. 2, 232; tachchträipfi Brandstetter
ma. von Beromünster 4.
bedeutung und gebrauch. 11)
nomen actionis: das herunterfallen einer flüssigkeit, das tröpfeln. eindeutige fälle sind selten (
vgl. aber unten 2
und 3,
wo gelegentlich eine verbale bedeutung mehr oder minder durchschimmert): dieser auflösung kundbahres beispiel im buche der natur ist die trauffe, da die fallenden tropfen ... den härtesten felsenstein auflösen A. v. Franckenberg
gemma magica (1684) 36; drei dinge jagen den mann aus dem haus: rauch, traufe und zorniges weib Dühringsfeld
sprichw. (1875) 1, 156
b,
nach proverb. 27, 15 (
vgl. trauf 1 a); trauffe nennet man den abfall des wassers, wenn es bei dem regen über das dach auf den erdboden rinnet Zincke
allg. öcon. lex. (1744) 2, 2952. 22)
nomen agentis und acti, '
stilla, gutta',
z. t. mit dem verbalen und localen bedeutungselement von 1
und 3
als nebenvorstellung (
s. sp. 1407):
stilla i. gutta ein trauffe
voc. theut. lat. (
Nürnberg 1482)
s. v.; stilla drauffe
und trauffe (15.
jh.) Diefenbach 552
c. 2@aa)
regen, nur selten ohne nähere angaben: in seinen troeffen so frowet sich der bernde (
zu in stillicidiis eius laetabitur ps. 64, 11)
bei Scherz-Oberlin 1664; weil ich Gretchen ihr haupt aufheben sehe, wie eine blume, die aus der traufe wieder in den sonnenschein kommt E. Höfer
auf dt. erde (1860) 1, 172. 2@a@aα)
im allgemeinen wird der ort, von dem der regen herabfällt, angegeben, meist ein dach: traufe
nennt man das beim regen vom dach frei herabfallende wasser Helfft
wb. d. landbaukunst (1836) 368;
subgrunda, ein vordach, so die trauffe von den wenden abweiset B. Faber
thes. (1587) 812
a;
stillicidium deducere die trauffe ableiten Reyher
thes. (1686) 2380;
deiectus ableiter der traufe A. Rode
Vitruv (1800)
anhang 23; weil es aber regnete, lief ihm die trauffe von dem dache in das offene maul Faszmann
d. gelehrte narr (1729) 72; ihn haben sie nun hingelegt, wo graus vom turm herab die traufe ihm zu häupten schlägt und plätschert auf dem grab G. Keller 10, 17.
frühzeitig bildlich: uz der schanden troufe viel im nie tropfe an sinen lip Frauenlob 129, 4
Ettmüller. im deutschen recht spielt die traufe
eine grosze rolle: herr richter, ich klage iuch zu im, daz he uf mich gebuwet hat, daz sin swelle uf mir lit zu verre oder daz sin troufe uffe mich vellit (14.
jh.)
urkdb. d. stadt Freiberg i. Sa. 3, 21
Ermisch; er sol auch haben anderthalb füsze zwischen den nachbarn, darumb eine iegliche gelengen zwischen zweyen häusern, darin beede traufen fallen, drei füsze in die weite haben musz (1670)
stadtrecht von Eisenach 147
Stenge-Devrient; in wesz were die traufe fällt, desz ist die mauer Graf-Dietherr
rechtssprichw. 85; es erbt chein trauff, wi alt di ist
ebenda 85 (
aus d. Bamb. recht § 332);
scherzhaft: wie an dem posthause auf dem Brenner die eine dachrinne ihr wasser ins schwarze, die andere das ihrige ins adriatische meer versendet, so wars jetzt auch mit der traufe von unsern hüten Steub
drei sommer in Tirol (1895) 1, 271. 2@a@bβ) traufe
als steigerung zu regen, vgl. trauf 2 a
sp. 1401, traufregen, traufnasz: o gründliche taufe! o köstliche traufe! Uhland
sämtl. w. (1827) 2, 147; dem tröpflein folgt die trauf Rückert (1867) 8, 465.
redensartlich im eigentlichen und uneigentlichen sinne in reicher fülle seit dem 13.
jh. mit deutlichen übergängen zum localen gebrauch (
s. 3)
und teilweisem hineinspielen des verbalen elementes: ir kardenâle, ir decket iuwern kôr: unser alter frôn derst under einer übelen troufe Walther 33, 10
Lachm.; [] must pleiben inn der drauf und sterben auf der erden Caspar von der Rhön
Laurin 281
v. d. Hag.-Prim.; (
primus miles Hiczenplicz prepellit mulieres) nun hebt euch paldt aus der trauffen oder ich schlach euch all zu hauffen
Egerer fronleichn. 2529
Milchsack; wir sind unter der traufe des himmels
theater d. Deutschen (1768) 17, 216; auch verschweigen und verstellen flieszen leicht zusammen und müszen nicht tropfen in den festesten charakter, sobald er immer unter der traufe steht, endlich narben graben? Jean Paul 7-10, 320
Hempel. sich aus der traufe machen Mathesius
Syrach bei Wander 4, 1293.
sprichwörtlich zunächst nur in die traufe kommen u. ähnlich: Laurein sprach: thun nit auffe, es gult das leben mein, wan ich kem in die drauffe Caspar von der Rhön
Laurin 310
v. d. Hag.-Prim.; darumb so schlag ein reien auf, seit wir sein kumen ausz der trauf
fastnachtsp. 552
Keller; wenn es sich möchte ... zutragen, das ihr solchen tyrannischen hündischen richtern möchtet in die troffe kommen J. Mathesius
Syrach (1586) 124
a; unter die traf kommen
tüchtige verweise erhalten, in verlegenheit geraten Schöpf
tirol. id. 749.
verstärkt: er musz unter die kalte traufe Holtei
theater (1845) 506
b. —
seit dem 17.
jh. wohl in anlehnung an neulateinisches vorbild vitabat cinerem et incidebat in prunas (
vgl. Steinbach 2, 861)
und incidit in Scyllam cupiens vitare Charybdim (
aus Walther von Chatillon
Alexandreis 5, 301)
erweitert: aus dem regen in die traufe kommen, im 17.
und 18.
jh. nur md., später auch obd., s. auch teil 8, 506: von dem verräther zwar errett mich dieser haufe, wiewol auf solche weis, als wann in eine trauffe man aus dem regen kömpt, wie unser sprichwort sagt D. v.
d. Werder
rasender Roland (1634) 13, 29; das ist eine schlechte hülfe, wenn man, um sich nicht zu quetschen, in einen brunnen fällt, in dem man ersaufen kann,
d. h. aus dem regen in die traufe kommen v. Schönaich
ästhetik (1754) 349; das neue ehepaar lebte ... im paradiese, ob es gleich dem afterreden ... des benachbarten adels nicht entging, sondern ... aus dem regen in die traufe kam v. Hippel
kreuz- und querzüge 1, 107; mir scheint, da sind wir aus dem regen in die traufe gekommen Bauernfeld
ges. schr. 5, 108; us em räge,
sogar dem platschräge i d' trauffi choo Friedli
Bärndütsch 6, 72;
auf dem sprichwort beruhend: ja wohl ... hätte er es thun sollen ..., allein dises hielte er sich vor schimpflich, und wurde doch hernach von so vilen beschimpfft. das heiszt wohl recht ... den regen meiden, und unter die trauffe kommen Ettner v. Eiteritz
unwürd. doctor 512; den regen kennen meine leser, allein die traufe bin ich ihnen noch schuldig v. Hippel
sämtl. w. (1827) 2, 168; und bin froh, dasz der regen vorüber ist, obgleich ich nachher manchmal in die traufe komme
br. v. u. a. Herwegh 254. —
auch in variationen: aus dem regen unter die traufe kommen,
vgl. teil 8, 506: ich kam aus dem regen unter die traufe Lessing 2, 480
L.-M.; nun hat er mich auf feine art fühlen lassen wollen, dasz ich aus dem regen unter die traufe gekommen bin Müllner
dramat. w. 8, 142; aus öm rän onner dö drauf kommen Crista
Trier 70. —
die heute verbreitetste form vom regen in die traufe kommen, vereinzelt im 18.
jh. (
doch vgl. schon A. Gryphius
lustsp. 89
Palm u. sp. 1407),
erfreut sich erst seit dem 19.
jh. steigender beliebtheit: er kommt vom regen in die traufe
quelle von 1722
bei K. Rother
d. schles. sprichw. 17
a; da mir der lärm in Appenzell zu grosz war, ritt ich ... voraus, kam aber vom regen in die traufe, denn im Weiszbade wurde auch getanzt Hegner
ges. schr. 2, 93; er könnte ... leicht wieder ein verliebter zeisig werden ..., der sich in alle welt vergafft, und dann käme ich vom regen in die traufe G. Keller
ges. w. 5, 164.
dialektisch nur schwäbisch verzeichnet in der form: vom regen unter die traufe kommen Fischer 2, 332. — kommen
gelegentlich [] durch andere verba variiert: dasz wir also in der irre herumb, bald hieher, bald dorthin wallen, und wie man im sprichwort sagt, ausz dem regen in die trauffe gerathen B. v.
d. Sohle
Juncker Harnisch (1648) 195; Tieck
schr. 9, 216; und also fielen die flüchtigen aus dem regen in die trauffe Lohenstein
Arminius 1, 905
b; K. L. v. Haller
restauration 1, 426; armer Chrystostomus, ohne es zu wissen, schicktest du die menschen aus dem regen in die traufe! Zimmermann
einsamkeit 2, 318; ihr setzt euch aus dem regen in die traufe G. Freytag
ges. w. (1886) 11, 189. —
mitunter bleibt das verbum unausgesprochen: aber schau, von dem regen in die trauffe! A. Gryphius
lustsp. 89
Palm; vom regen unter die trauffe Schellhorn
sprichw. (1797) 149; aus dem regen in die träufe Göthe 38, 146
W.; aus dem regen in die traufe (
titel einer erzählung) O. Ludwig 2, 303. —
literarisch gelegentlich mit beabsichtigter umkehrung des sprichworts von der traufe in den regen
im sinne von '
ein kleineres übel statt eines gröszeren eintauschen': ich bin, wenn nicht aus dem regen in die traufe, doch aus der traufe in den regen gerathen (
theater und universität unterscheiden sich nicht viel von einander) Göthe IV 29, 94
W.; 'so bist du im lande geblieben?' ruft ihm Christian zu. 'zurückgekehrt aus der traufe in den regen' — versetzt er — 'und habe das leben gerettet' (
in Amerika ists noch schlimmer als hier) Hebbel
werke 8, 342
Werner. umgekehrt md. und nd. im 16.-18.
jh. von der traufe in den (
platz-, schlag-)
regen kommen, wie die traufe
den regen,
so überbietet der platzregen
die traufe;
vgl. dazu unten traufregen
sowie die genau entsprechende wendung mit trüpfe (druppe)
s. v. trüpfe 2: ware nun der gute ehrliche mann das erste mahl übel angelaufen, so kam er ietzund vollends aus der trauffe in den schlagregen, maszen ihm Menelaos also ableuchtete Lohenstein
Arminius 2, 1486
b; die verdeutschungen gerathen zuweilen sehr unglücklich, und man kömmt oft dabei aus der traufe in den schlagregen J. J. Schwabe
belustigungen 7, 302; J. J. Chr. Bode
Montaignes ged. 2, 191; das hiesze aus der traufe in den platzregen Gottsched
dt. schaubühne 6, 308; die studenten wollten sie verfolgen, aber hr. Philander wiederriethe solches, in meinung, es dörfte ein hinterhalt in den höltzchen verborgen sein, und aus der trauffe gar in den regen kommen
M. Kautzsch
tobacksbruder (1690) 203. 2@bb)
andere flüssigkeiten, nur selten, schon frühzeitig auch übertragen: bisz gegruszt du ubertreffliche jungfraw in der suszten trauf, die do von ewikeit gefloszen ist vom herzen der allerheiligsten dreifaldikeit in dich von deiner seligsten vorordenung
buch d. geistl. gnaden (1503) 54
b.
von thränen: was? eine traufe, mädchen, stets in thränen? stets regenschauer?
Shakespeare 1, 119;
bildlich: ist die nacht vorbei, so fehle ihm doch eure treue nicht, und die traufe seiner seele netze mild sein angesicht Lenau
sämtl. w. 110
Recl. vom schweisz des wildes: so (
mit einem geschossenen hirsch beladen) geht Cimon, die hund ihm nach mit schnaufen, verdrossen leckend an den blutgen traufen P. Heyse
braut von Cypern (1856) 10.
auch von zähflüssiger salbe: swer ain trauf machet, diu collyrium haizet Konrad v. Megenberg
buch v. d. natur 362
Pfeiffer. 2@cc)
biblisch, übertragen von schelte, im anschlusz an träufen A 1 c: sie sagen, man solle nicht treuffen, denn solche treuffe trifft uns nicht
Micha 2, 6. 33)
der ort des tropfenfalles: ein trauffe
est locus, ubi stillae cadunt vel a quo vel per quem cadunt voc. theut. lat. (1482)
s. v. 3@aa)
ort, von dem her das träufelnde wasser herabfällt. 3@a@aα)
der rand eines daches, vgl. die traufe
ist der untere rand einer dachfläche, von welcher das wasser abtropft [] Schönermark-Stüber
hochbaulex. (1902) 833; traufe
heiszt der dachfusz unter der rinne Mothes
baulex. (1882) 4, 365: ez si daz er (
der ehemann) loufe von des taches troufe Hugo von Langenstein
Martina 132
Keller; der traufe tropfenfall hölet den stein aus J. J. Chr. Bode
Montaignes ged. 5, 514; der regen sickerte durch die ritzen des schlechtverwahrten dachs, und ich lag wie unter einer traufe Soyaux
Westafrika 2, 73; am nächsten morgen rauschte ein dichter guszregen nieder, auszen plätscherte es von den traufen und gurgelte in den rinnsalen Anzengruber
ges. w. (1890) 2, 184. —
die traufe
ist im privatrecht von groszer wichtigkeit: (
mit beziehung zu 1) alle wasserseygen (
s. teil 13, 2505) und troufen, die von deme malczhuse in den hof tryffen adir sygen, die süllen ouch ewiglich frie syn und ungehindert (1384)
urkundenb. d. st. Freiberg i. Sa. 3, 274
Ermisch; ausz der juristerei und bürgerlichen satzungen lernt er ... auch die treuff, auszgang der wasser, heimliche gemach ... niemandt zu nahe setzen Rivius
Vitruv (1575) 8
b; (
ein baumeister musz sein) ein rechtsgelehrter, der die landesgewohnheiten, wie exempel, einer zu bauen befugt; ... wohin die fenster und trauffen zu bringen ... wol innen habe Abr. a
s. Clara
etwas für alle (1711) 2, 77.
redensartlich zu 2 a
β hinübergleitend: sich selbst unter die traufe stellen; einen unter die traufe locken; wer sich unter die traufe stellt, musz nicht über das naszwerden klagen Wander
sprichw. 4, 1293.
seit dem aufkommen der dachrinne heiszt auch diese traufe,
vgl.: in einigen gegenden führet auch die dachrinne, welche diesz wasser auffänget und ausgieszet den namen der traufe Adelung 4, 654;
vgl. Hoyer-Kreuter
techn. wb. (1902) 1, 774: die thränen rinnen ihm am bart hinab, wie wintertropfen an der trauf aus rohr
Shakespeare 3, 115; roth ist der schornstein getüncht, roth die hölzerne traufe Gaudy 17, 8.
mehr der ausgusz einer dachrinne: nach fünf minuten war dem lehrer, als ob er unter einer traufe stünde, aus der statt regentropfen schrotkörner auf ihn niederhagelten Ebner-Eschenbach
gemeindekind9 31.
auch: er hielt sie (
die begleiter) nicht blosz unter der traufe seines regenschirmes, sondern er gab sich wirklich mühe, sie trocken zu erhalten Jer. Gotthelf
erzähl. u. bilder (1850) 1, 96.
mit dem begriff des schutzes für das überschieszende dach: ähnlich dem fremdling am thore, der da stehet und spähet, unter welcher traufe er übernachten soll maler Müller
werke 1, 354.
der rand eines baumes: blattwerk, dessen traufe so ziemlich mit den wurzelenden correspondirt Ratzeburg
waldverderbnis (1866) 2, 255. 3@a@bβ)
fachsprachlich ist die traufe
eine rinne um die bütte der papiermacher, in welche das überflüssige wasser von der form abtrieft Adelung 4, 654: die obere kante (
der bütte) ... ist mit einer ... traufe versehen Muspratt-Stohmann
chemie (1898) 6, 1581. 3@bb)
ort auf der erde, wohin das vom dache herabtropfende wasser fällt Adelung 4, 654;
impluvium, die traufe, heiszt ein plätzlein ohne dach, da es einregnet Docemius
sprachenthür von Comenius (1638) § 547.
öfter auch eine pfütze, gebildet durch das vom dach herabtropfende regenwasser: träufi Martin-Lienhardt
elsäss. 2, 743; von einer trauff voll stanck wird auch ein bach mit schleimen G. Treuer
dt. Dädalus (1675) 1, 472; er (
Frundsberg) hält das reich in seinem arm wies kindlein zu der taufe, und thät ers nicht, dasz gott erbarm! so lägs gleich in der traufe Hoffmann von Fallersleben
ges. w. (1890) 3, 203. 3@cc)
ort zwischen der traufrinne und der grundmauer eines gebäudes Adelung 4, 654; Zincke
allg. öcon. lex. (1744) 2952;
spacium inter duos parietes, in quo pluviae descendunt, ...
[] die traufe oder das reumlein zwischen zweien wenden B. Faber
thes. (1587) 54
b; und süllen wir ünser stallung oder swaz wir daselben gen in bowen wolten niht nähner hinan rücken gen irm hus, daz in an irr vorgenant träf und an der selben wytin ze schaden kommen möht (1352)
Augsburger urkdb. 2, 45
Chr. Meyer, vgl. traufstatt.
ebenso bei einem baum oder gehölz, vgl. wb. d. luxemb. ma. 68
b: in Guayana gibt es sehr grosze schwarze ameisen, welche ... an der traufe der wälder ... hohe ... haufen bilden Oken
allg. naturgesch. (1839) 5, 916; 7, 280; 7, 1284. 44)
traufrecht (
vgl.trauf 4): die traufe in des nachbars garten haben Heyne 3
2, 1013
a.