streitbar,
adj. , '
kriegerisch, uneins, streitsüchtig, strittig'
; dazu stritbarig
städtechron. 7, 254 (
Magdeb. schöppenchronik).
vgl. auch strittbar. —
zur lexikalischen bezeugung (
meist für '
bellicosus'
oder verwandte begriffe)
vgl. Diefenbach
gl. 19
a s. v. agonisticus; 71
a s. v. bellic(
os)
us; 471
b s. v. pugnax; Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1008
c; Adelung 4 (1780) 820.
mundartlich: strietbar '
streitsüchtig' Mensing
schlesw.-holst. 4, 894; schdraeber '
im streit, feindselig' Crecelius
oberhess. 817; streitbar Fischer
schwäb. 5, 1855; strîtbar '
streitsüchtig' (
u. a., s. 3
u. 4) Staub-Tobler 11, 2396. 11)
in der mehrzahl seiner zeugnisse bezieht sich das wort von mhd. zeit bis in die gegenwart auf den physischen kampf und umfaszt in der allgemeinen bedeutung '
kriegerisch' (
bellicosus)
zugleich die momente der waffentauglichkeit, der kampftüchtigkeit sowie der kampfbereitschaft und -begierde. in gleichem sinne wird es auf tiere angewandt (
so in der waidmannsspr. vom schwarzwild, vgl. Dombrowski
dt. waidmannsspr. [1939] 229;
s. auch streiten D 4 b): die ob zwenzig jaren undir funfzig jaren waren gewahsen nah manlichir kraft, stritbere und ellenthaft swa si sih strites namin an Rudolf v. Ems
weltchronik 130 23
Ehrism.; ir werden Tarsere, nu seyt streytpere das euch zu velde nie kain man kainen streyt abgewan Heinrich v. Neustadt
Apollonius 3027; sy alle brachten ... gewande vnd streitpere geweffen (
arma bellica)
erste dt. bibel 5, 289
lit. ver. (Luther: kleider u. harnisch
1. kön. 10, 25); die kunst aller dero, die kriegens vnd strytbarer dingen gepflegen hant Niclas v. Wyle
translat. 209
Keller; ward die stad Jerusalem ... von den streitbarn burgern verlassen Luther 23, 590
W.; wir wöllen greiffen zu sach (
zum krieg) gott vnser hertzen streitbar mach Spreng
Ilias (1610) 21
a; entledigt, ihr helden, die streitbaren hände, hängt kürasz und waffen an seulen und wände Weichmann
poesie d. Niedersachsen (1721) 5, 69; unter die streitbaren vertheilte er die waffen, unter die schwachen das ackergeräthe Klinger
s. philos. romane (
o. j.) 5, 204; der ungeheüre und in denen kriegen der alten streitbare elepfant (
bellicosus elephas) Göthe I 38, 212
W.; die kaufmännischen patrizier, deren güter auf allen meeren schwammen, die zugleich in streitbarer haltung mit dem selbstgegossenen geschütze die stadt verteidigten und an den reichskriegen teilnahmen G. Keller
ges. w. (1889) 2, 183; welch ein gegensatz zwischen dieser geschäftigkeit (
des perlmuttfalters) und der ... der streitbaren wespe Brehm
tierl. 9, 372
P.-L.; die ... statuengruppe in erzgusz mit dem streitbaren erzengel St. Michael Dehio
gesch. d. dt. kunst 3 (1926) 224.
so auch —
meist poetisch —
in verschiedenen übertragenen verwendungen: so eigensinnig sind die triebe des streitbaren gottes der liebe J. E. Schlegel
w. (1761) 4, 223; das kühne haupt hielt aus den streitbarn fluten er empor
Shakespeare 3 (1798) 50; schon siegbegieriger fliegt ein schwarzes streitbares auge (
eines verliebten) mit tödtlich scherzenden blicken umher Giseke
poet. w. 107
Gärtner. vielfach in religiösem gebrauch: ich hab gesehen fliegenn den engel durch die mitte des himels. diszer himell ist on zweifel die streitbar kirch (
ecclesia militans) hie in diszem jamertal
M. Stifel
v. d. christförmigen lehre Luthers (1522) 27; gottes wort ist zur zeit des herrn Christi ... ein lehrewort gewesen ... aber nu ist es streitbar worden, das da um sich schläget und häuet, und will seine feinde nicht länger leiden, sondern es räumet sie aus dem wege Luther
tischr. 2, 352
W.; doch halt er Jesum für einen streitbaren gewaltigen mann Ayrer
hist. processus juris (1600) 454; welches da gantz vnd gar ein anfechtung vnnd streitbares leben genant wird J. Arnd
Thomas a Kempis übers. d. nachf. Christi (1631) 127; (
sie) hat sich diese auszeichnung durch die kirchliche obrigkeit wohl verdient, denn sie ist nicht nur eine fromme, sondern auch eine streitbare katholikin Werfel
Bernadette (1948) 68. 22)
nur schweiz. '
schwierig, mühevoll (
zu bearbeiten oder zu begehen)',
dann auch für '
steil' (
vgl. streitig 3): an den abhängen kleben die streitbaren heimwesen
qu. v. 1889
bei Staub-Tobler 11, 2398; streitbare straszen, wahrhaftige seufzerstraszen, für ehrliche rosse, für alle fuhrleute Jer. Gotthelf
ebda; streitbares land, wo man die hühner anbinden muss, damit sie nicht zu tale rollen
ders. ebda. —
auch sonst von schwierigen, mühsamen tätig keiten, s. ebda 2397. 33)
im älteren nhd. verschiedentlich '
im streite, uneins, widerstreitend': darnach rüstete er sich wider die Ungern, so untereinander uneinig und streittbar waren, wegen desz reichs Bentzius
päbstl. chron. (1604) 234; weil der leib auss vier streitbaren dingen ... erschaffen Guarinonius
grewel (1610) 526; träget es sich auch zu, dass 2 in der compagnie unter sich streitbar werden Happel
akad. roman (1690) 563; die völker in ganz Europa rüsten sich, und die gelehrten selbst sind streitbar unter einander Schwabe
belust. (1741) 1, 52. 44)
seit dem 18.
jh. verbreitet sich die bedeutung '
zu polemik und auseinandersetzung geneigt',
auch '
streitsüchtig'
; oft in metaphorischer anlehnung an bedeutung 1.
vgl. strîtbar '
streitsüchtig' Staub-Tobler 11, 2396; streitbar werden
controvertirsi Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1009
a; streitbar
litigiosus Steinbach
dt. wb. (1734) 2, 750: der herr prof. Philippi indessen war viel zu streitbar, als dasz er meine stand- oder antrittsrede hätte unbeantwortet lassen sollen Liscow
slg. sat. u. ernsth. schr. (1739)
vorr. 28; es soll sich bald zeigen, dass wir akademiker die streitbarsten sind Wieland
Lucian (1788) 1, 441; ein nachhall der vielen streitbaren tageblätter A. v. Arnim
s. w. (1853) 15, 51; überhaupt drängte sich die frau, eine zungenfertige und streitbare dame, mit hauswesen und familiengeschichten ... häufig in das refektorium G. Keller
ges. w. (1889) 1, 274; (
ein edler mensch) ist nur streitbar im groszen, nicht im kleinen
N. Hartmann
ethik (1935) 363; die junge generation schuf sich ... streitbare kabarette E. Mühsam
namen u. menschen (1949) 53; nichts riskierst du, rief Bärbe streitbar A. Zweig
einsetzung e. königs (1950) 213. 55)
seltener '
umstritten, zum streit anlasz gebend' (
vgl. strittbar); streitbar
streitig, dem streite unterworfen ('
veraltet') Adelung 4 (1780) 820: morgen ... wird wohl die wichtige angelegenheit wegen des finanzberichts der regirung vorkommen, ein sehr streitbares feld (1847) Bismarck
br. an s. braut u. gattin 92
H. v. Bism. vorwiegend schweiz., s. Staub-Tobler 11, 2397: die kirchenstühle bildeten von jeher einen im höchsten grade streitbaren gegenstand; ... die inhaber ... wehrten sich gegen alle und jede veränderung
qu. v. 1881
ebda. —
dazu vereinzeltes streitbare, f., adj.-abstr., gleichbed. mit streitbarkeit: die mannheit, streitbare und dapfferkeit (
der alten Rätier)
qu. von 1616
bei Staub-Tobler 11, 2399
s. v. strîtbari.