lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

schlehe

nhd. bis spez. · 12 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
12 in 12 Wb.
Sprachstufen
6 von 16
Verweise rein
15
Verweise raus
36

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

schlehe f.

Bd. 15, Sp. 556
schlehe, f. prunus spinosa, der schwarzdorn und seine frucht; ahd. slêha Graff 6, 783, ags. slá (aus sláhe), engl. sloe, nld. slee. im goth. und altnord. ist das wort unbezeugt. schwed. sln f.,n. slaan. dieses n, wol aus dem plural der contrahierten form stammend, findet sich in gleicher weise in nd. mundarten (slên, slein, slon, hierzu pluralformen de slöne, van sleinen. Schiller-Lübben 4, 231a; sln Danneil 196a; slêne, f. Schambach 194a; schlänen, plur. Klein prov.-wörterb. 2, 115; slîn, dimin., slînke ten Doornkaat Koolman 3, 195a. daneben auch slêe brem. wb. 4, 819. Dähnert 428b. Mi 80b; slêe, slêje ten Doornkaat Koolman a. a. o. 194b). contraction (zu schlê) und apokope (schlech) begegnen häufig in alteren quellen, ebenso die schreibung schlee, die der aussprache folgte, s. unter den belegen. Maaler 355d schreibt schlehen, ebenso Schottel 1400 schlehe, Stieler 1832 schleh, et schlehe, die, pl. schlehn, et schlehen ... scribitur nonnullis schleen, sed male, Steinbach 2, 440 schlee, plur. schleen, 441 schlehe, plur. schlehen, Frisch 2, 194c nur schlehe, um nicht zwei gleichlautende vocale zusammenstoszen zu lassen. oberd. mundarten bewahren in verschiedener gestalt die zwischenconsonanz in der aussprache: schlêch Schm. 2, 520. Schöpf 618, slêga Zingerle lusern. wb. 51b. Schm. cimbr. wb. 232a. dagegen wird im Aargau nach Hunziker 222 das h in schlehe nur schwach gehört. die mitteld. formen schlek, schliek bei Kehrein 1, 351 darf man auf älteres slech zurückführen. die etymologie des wortes ist nicht sicher, da es unmittelbar weder mit slêu, slêwes, noch mit altsloven. sliva, pflaume, verglichen werden kann. Kluge etymol. wb.5 326a. die vermutung, dasz unser schlehe mit dem slav. worte verwandt sei, wird dadurch wahrscheinlich gemacht, dasz in alter zeit die schlehe als art wilder pflaume aufgefaszt wurde, dasz man pflaumen auf schlehen pfropfte (s. unter 1). zu erwähnen ist noch, dasz schlehe vereinzelt als masc. erscheint: ik achtede er nicht einen sle. Schiller-Lübben 4, 231a; vergl. die stelle aus dem ring unter 3; ihr aug ist schwarz wie reifer schlee. Hagedorn 3, 75. 11) im mittelalter bezeichnet schlehe nicht nur die beeren des schwarzdorns (die im gegensatze zu andern schlehen auch dornschlehen heiszen), sondern auch andere ähnliche früchte; so von den früchten des kriechpaumes (prunus) bei Megenberg: die wir die wälhischen oder die grôʒen slehen haiʒen. 341, 28. umgekehrt bezeichnet im roman. prugnola, prunelle die schlehenfrucht. über diese verhältnisse vgl. die bemerkungen bei Hehn culturpflanzen u. hausthiere5 310—313. die schlehe wurde als eine wilde pflaumenart aufgefaszt. daher nld. sleepruyme bei Kilian, und wilder krieken-, pflaumen-, zwetschkenbaum, bauerpflaume als namen des schlehdorns bei Nemnich; pflaumenschlehe Behlen lexicon d. forst- u. jagdk. 5, 492. sogar für ganz anders geartete früchte wird schlehe gebraucht: avellana, slea Graff 6, 783 (mit avellana scil. nux ist eine haselnuszart gemeint. Hehn a. a. o. 321); doch liegt hier vielleicht ein versehen vor. die folgende zusammenstellung gibt einen begriff von der terminologie des mittelalters: accasium, accacium, caracia, sleha, slehe, sleche, slee, sle, schlehen, slen, slein, slee die op en sleedoern wesset, dornschlech. Dief. 6c. 99b (deutsche acacia als name des schwarzdornes bei Nemnich); cornum (hagebutte), slech 152a; prunella, slehen, schlehen; prunellum, kriech, slech; prunellus, kriech-, slechpawm; prunum grecum, serotinum krichen- oder herbstslehn; prunum silvestre, schlehen; prunus silvester, sle 469a b; brumela (für prunella), bellicum (engl. bullace?) vel sla Wright vocabul.2 196, 32; spinellum, sleha, schlehe, slehe oder hagenapffel. Dief. 547a; doren - schlech nov. gloss. 345b; slee, sleepruyme, spineolus, pruneolum, prunulum, prunum silvestre, pruneolum autumnale, vanum. Kilian. die brombeere heiszt auch häckschlehe, morum dumi. Steinbach 2, 441, die frucht der prunus insititia haberschleh. Schm. 2, 520; schleen oder kritzschenpflaumen. Döbel jägerpract. 3, 13b; plaumenschlehe bei Nemnich unter prunus insititia; haberschehe bei Oken 3, 2055. der am meerstrande wachsende seekreuzdorn (hippophae rhamnoides) wird auch rothe schlehe genannt. Nemnich. Frischbier 2, 246b. schon im alterthume pfropfte man pflaumen auf den schlehdorn (Hehn a. a. o. 310); diese veredelung wurde auch späterhin gepflegt: der schlehendorn, wann er fleiszig versetzet und gepropffet wird, verendert er sich, und wird einheimisch, daran die groszen schlehen, die noch so grosz seyn als die andern, und welsche schlehen genannt werden, herkommen. Tabernaemont. (1664) 1406 A; gartenschlehen, prunus sylvestris transplantata. Stieler 1832. auch kirschen werden auf schlehen gepfropft, s. unter schlehenstamm. 22) schlehe bezeichnet sowol den strauch, wie seine frucht: die schlehen wachsen in den hecken, und neben den wegen, werden zuzeiten grosz wie andere bäume, wo sie nit behauwen werden. Lonicerus kräuterb. (1577) 67a; das holde plätzchen, wo ich sasz, war ein geheimes thal, gebildet von zwei höhen, bekränzt mit birken und mit schlehen. Bürger 403 Sauer. von der frucht: schlehen, die frucht von einem schlehenbaum, spinedus, pruni sylvestres. Maaler 355d; spöttisch von einem rauhen armen lande: im Algew, da das brot ein end hat, und die schlehen schier zeitig (durch frost) seind ob Lindow in deʒselben ruhen land. Keisersberg emeis (1516) 6b; Schwabenland ist ein guot land, es wachsen vil schlehen darinn. Franck sprichw. 2, 21a; wenn die schlehen und holtz-äpffel nicht gerahten, so haben die Hessen weder zu sieden noch zu braten. Wander sprichw.-lex. 4, 233; mit den schwarzblauen schlehen werden schöne augen verglichen: host schwarze âge bie di schlîe (fränkisch). Frommanns zeitschr. 5, 263; scherzhaft werden die büchsenkugeln bleierne schlehen genannt: da schickt wir in aber der pleiern slehen, dasz sie sich uber die setel pugen. Liliencron hist. volksl. 1, nr. 93, 299. vgl.schlehenbüchse. die schlehen haben einen bitter-säuerlichen, zusammenziehenden geschmack, daher sprichwörtlich: schlehen seyn keine weinbeere. Stieler 1832. indessen wurden sie von altersher wie die pflaumen gedörrt, und fanden in küche, keller und apotheke mancherlei verwendung: man iszt sie, wann sie zuvor von der kälte seindt milt worden. Lonicerus kräuterb. (1577) 67a; gewelkte schlehen, pruna sylvestria in furno exsiccata. Stieler 1832; von eingemachten schlehen. Tabernaem. (1664) 1406 J; an unzitiger fruht, als an aphel, an biren, an slehen, an nuʒʒen, unt an suslicheme geluste. Mone schauspiele d. mittelalters 1, 332; man fabricierte ein getränk aus schlehen: unse susteren hebben sik dar mit armode beholpen unde hebben inst eirste er beer gebrouwen van sleinen unde suren beren. quelle bei Schiller - Lübben 4, 231a; wein mit schlehen zubereitet: von schlehen pflegt man einen wolgeschmackten wein zubereiten, die kernen mit der frucht wol zerstoszen. Lonicerus kräuterb. 67b, s. schlehenwein. in kurzer ausdrucksweise: nauwe des jârs einen beker slein (einen becher schlehwein). Theophilus 1, 75. frucht und blüte des schlehdorns dienen zur herstellung von heilmitteln (Lonicerus a. a. o. Tabernaemontanus 1406). vgl.schlehenblütenwasser, -branntwein, -compost, -confect, -conserve, -most, -musz, -saft, -trank, -wasser, -wein. 33) schlehe dient in älterer sprache zur bildlichen verstärkung der negation: diu (bitte) toht niht umb ein slêhe. krone 21273; du heist derhalben, wie du wilt, es bey mir nit ein schlehen gilt. Ayrer 2152, 21 Keller; s. Schiller - Lübben 4, 231a. Grimm gramm. 3, 729. Zingerle bildliche verstärkung der negation. ähnlich ist wol folgende stelle aufzufassen: ein uberweiser man der spricht, er künn ein faulen schlehen (einen dreck, nichts) und lat sich bitten und auch flehen umb ein wörtel oder zway. des aht ich alles nicht ein äy und sag dir, sam ich mich versich. ring 27d, 40.
7996 Zeichen · 164 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schlehe

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Die Schlehe , plur. die -n, die Frucht des Schwarz- oder Schlehendornes, welche in einer runden schwarzblauen Beere von …

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Schlehe

    Goethe-Wörterbuch

    Schlehe einmal pl ‘Schleen’ 1 dunkelblaue kugelige pflaumenähnliche Frucht des Schlehdorns; im (spöttisch-iron) Bild Pfl…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Schlehe

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Schlehe ( Schlehendorn ), soviel wie Haferschlehe, s. Pflaumenbaum .

  4. modern
    Dialekt
    Schlehe

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    Schlehe [ʿSlé Su. Co. Bf. Geisp. K. Z. Betschd. Bühl ; ʿSliè M. ; ʿSlêwə Wh. ; ʿSléχ Zinsw. ; Pl. ʿSléə Strüth Niffer ,…

  5. Sprichwörter
    Schlehe

    Wander (Sprichwörter)

    Schlehe 1. Einer greift nach Schlehen, der andere nach Pflaumen. Böhm. : Jak se komu líbí, jednomu trnky, druhému slívy.…

  6. Spezial
    Schlehe

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Schle|he f. (-,-n) (Beere) slega (-ghes) f. , paromora (-res) f.

Verweisungsnetz

34 Knoten, 36 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 5 Kompositum 22 Sackgasse 7

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schlehe

49 Bildungen · 48 Erstglied · 1 Zweitglied · 0 Ableitungen

Zerlegung von schlehe 2 Komponenten

sch+lehe

schlehe setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

schlehe‑ als Erstglied (30 von 48)

schlehenblüte

DWB

schlehen·bluete

schlehenblüte , schlehblüte , f. blüte des schlehdorns: schlehenblüt, flores pruni sylvestris Stieler 202 ; schlehen-blüt, f. flos spini Fri…

Schlehenblüthe

Adelung

schlehen·bluethe

Die Schlehenblüthe , plur. die -n, die Blüthe oder Blumen des Schlehendornes; im gemeinen Leben Schlehblüthe.

schlehenbüchse

DWB

schlehen·buechse

schlehenbüchse , f. von der handbüchse, deren kugeln mit schlehen verglichen werden ( s. oben schlehe 2): schlehenpix, handbüchs, sclopus. q…

schlehenbusch

DWB

schlehen·busch

schlehenbusch , m. spinus, prunus sylvestris, acacia Stieler 112 ; schlehnbusch et schlehndorn 1833: hierauf warf er sich unter einen schleh…

schlehencompost

DWB

schlehen·compost

schlehencompost , m. eingemachte schlehen. Lexer mhd. handwb. 2, 966 : man macht auch schlehen compost. Tabernaemont. kräuterb. 1406 K; sulm…

schlehenconfect

DWB

schlehen·confect

schlehenconfect , n. : schlehenconfect und disz geschleck, mit jhren kindbetterkenlin. Fischart Garg. 78 neudr.

schleheneule

DWB

schlehen·eule

schleheneule , f. phalaena noctua psi, ein nachtschmetterling. Behlen lex. d. forst- u. jagdk. 5, 491 .

Schleh(en)garten

PfWB

schlehen·garten

Schleh(en)-garten m. : FlN, amtl. Schlehegarten [ KB-Bischh ]. a. 1774: im Schleen Gartten [BrPr. 572 Nr. 7 (KB-Bischh)]. —

schlehengemüse

DWB

schlehen·gemuese

schlehengemüse , n. musz, brei von schlehen: nimb ungefahrlich ein huet voll schlechengemiesz. Seuter roszarzn. 402 .

Schleh(en)hecke

PfWB

schlehen·hecke

Schleh(en)-hecke f. : = Schlehdornhecke , Schlehheck [ NW-Iggb ], Schleweheck [lothr. Südwestecke ( Keiper Nachl.)]. Südhess. V 407 ; Rhein.…

schlehenmaul

DWB

schlehen·maul

schlehenmaul , n. : spitz das schlehenmaul ( zum trunk ). Fischart Garg. 150 neudruck ( vielleicht wurden gewelkte schlehen als durstreizend…

schlehe als Zweitglied (1 von 1)

Haferschlehe

Adelung

hafer·schlehe

Die Haferschlehe , plur. die -n, eine Art wilder frühzeitiger Schlehen, welche hochstämmiger wächset als die gemeine Art, und eine Abänderun…