sturz,
m. ,
auch stürze,
f., von stürzen,
vb., in verschiedener function und verschiedenem verhältnis zum verbum, mehrere voneinander unabhängige bildungen. II.
vorgang, tätigkeit des stürzens. I@AA. '
fall',
vom intransitiven verbum abgeleitet; charakteristisch die seit alters bevorzugten wendungen einen sturz nehmen, leiden, gewinnen,
s. 2,
und deren moderne entsprechung einen sturz tun,
s. 1. I@A@11)
eigentlich, '
fall von körpern': sturz
casus ahd. gl. 1, 70, 7; under dih sturzent die liute. war wirt der sturz? Notker 2, 169
Piper; wie stürzen II A 1: so menger (
Grieche) stürtze müste pflegen
Göttweiger Trojanerkrieg 19063
Koppitz; si sturmten die stat frölichen, des nam menger ein sturz
Schweizer volksl. 2, 54
Tobler; durch einen sturz mit dem pferde gequetscht und sonst beschädigt, retirirte er mit den alliirten Göthe IV 23, 380
W.; zwing nicht dein treues rosz gewissem sturz entgegen Fouqué
held des nordens (1810) 2, 134; nam brudir Friederich den sturz so hart von eime pferde mit valle uf di erde, daz er davon bleib tot Nic. v. Jeroschin 550
Strehlke; der wackere mann starb an den folgen eines unglücklichen sturzes vom pferde Göthe I 22, 350
W.; tante Lorel war durch einen fall oder sturz in ihrer frühen kindheit gelähmt Holtei
vierzig jahre 1, 14.
ähnlich im sinne von '
umfall': durch den sturz des wagens ist er ... beschädigt worden Göthe IV 22, 173
W. '
absturz, fall',
von oben nach unten: was erzählt man ... von den gefährlichkeiten seiner gemsenjagd in höchstem gebirg, wo er zuweilen wohl den jäger, der ihm beigegeben war, selber vor dem sturz errettet hat Ranke
sämtl. w. (1867) 1, 235; eigentlich ist auch hier keine gefahr des sturzes, sondern nur die lawinen ... sind gefährlich Göthe I 19, 291
W.; der sturz des nachtwandlers, den ein warnender zuruf auf gäher dachspitze schwindelnd packt Schiller 2, 346
G.; [] ein sturz vom gipfel dieser zeit in tiefen einer ewigkeit Schubart
ged. (1825) 1, 241; der adjutant ... ist infolge eines sturzes aus dem wagen plötzlich gestorben Moltke
ges. schr. u. denkw. 4, 259.
ebenso vom einfachen '
fall': wenn ... sein schönes schwert unversehens vom nagel herabfiel, im sturze aus der scheide gleitend
jahreszeiten 1, 52
Fouqué. '
zusammensturz, einsturz, umstürzen': unmerklich wird er (
der ein gebäude stürzen will) es untergraben, damit es bei dem sturz so aussehe, als hätte die zeit es gestürzt Hippel
kreuz- u. querzüge 2, 358; ein dritter thurm war stark beschädigt, so dasz eine untergrabung ihn leicht zum sturz bringen muszte Droysen
Alexander d. gr. 131; sollen wir arme menschen drum zappeln und zittern, den einfall und sturz des himmels befürchtend, weil wir die stützen nicht greifen noch sehen, die ihn halten? L. Aurbacher
volksbüchl. 54; da kracht eine eiche ... und zerschlägt im sturz das götterbild der Venus B. Auerbach 2, 86.
in fester wendung einen sturz tun: er sehe nur das ihn der schwindel nicht ankomme, er dörfte einen gefährlichen sturz thun Dannhawer
catechismusmilch 4, 460; einen sturtz thun mit einem pferd Kramer 2 (1702) 1029
c; er hatte einen unglücklichen sturz mit dem pferde gethan Schiller 6, 291
G. isoliert als femininum für die fallsucht, mnd.: narr, dat dij de vallen störtn rör Joh. Stricerius
de dudesche schlömer (1584) e 2
b;
ebenso de rasen störten e 2
a. I@A@22)
uneigentlich von schädlichen ereignissen, die als '
fall'
aufgefaszt werden. I@A@2@aa)
vereinzelt im sinne von '
schaden, stosz': in diesem jahr verdorben die bienen ... die schaf litten ein grossen sturtz Binhardus
thüring. chron. (1613) 237; damit sein gut und all sein hab von tag zu tag nam immer ab, und gwan das gütlin bald den sturtz, das alle nesteln wurden kurtz B. Waldis
Esopus 1, 397
Kurz; worauf denn die edle und damals volckreiche stadt Athen ... den ersten sturtz ausgestanden, und eine gewaltige menge volcks verlohren Er. Francisci
luftkreis (1680) 1059. '
anfall, stosz': wenn sie diesen ersten sturz (
shock) verwinden konnte, so hätte man vielleicht keine bessere art ergreifen können, sie aus der fühllosigkeit ... zu erwecken
qu. a. d. j. 1755
in zs. f. d. wortf. 12, 198; unsere sprache muszte vier harte stürze ausstehn Joh. K. Wetzel
über sprache, wissensch. (1781) 12.
im obersächs.: das war aber ein sturz '
empfindlicher verlust' Müller-Fraureuth 2, 585;
im sinne von '
krankheitsanfall': einen rechten sturz durchmachen Fischer
schwäb. 5, 1935; er hat wieder einmal einen bösen sturz gehabt Spiesz
henneberg. 248; dir sey, mein verehrter freund, hiedurch vermeldet, dasz ich ... einen bösen katarrhalischen sturz auszustehen hatte, von dem ich mich aber ... schnell genug erhole Göthe IV 29, 278
W. hierher, wenn nicht zu I B 6,
im sinne von '
zusammenstosz, streit': mit dem werd i no en sturz ausstaun müsse Fischer
schwäb. 5, 1935; mit herrn Crisenius habe heute den letzten sturtz gehabt, und seit der zeit wenig oder gar keine verdrieszlichkeiten gehabt Zinzendorf
tagebuch (1760)
zs. f. brüdergesch. II 2, 95. I@A@2@bb)
in alter zeit im sinne von '
unglücksfall': und geht hinnan, frech, dürr und kurtz, bisz er zuletzt leydt eynen sturtz an ehren, gut oder an leyb H. Sachs 3, 412
Keller; ehe die Calvinisten den grossen sturtz und schlappe litten A. Taurer
feigenbaum (1593) b 8
b; das sie eyn grossen sturtz und fall nehmen Luther 10, 2, 323
W.; wenn abers glück gewint den sturtz, zuhandt wirdt alle freundtschafft kurtz B. Waldis
Esopus 2, 197
Kurz; die statt wird mssen undergehn und leyden einen grossen sturtz Spreng
Ilias (1610) 84
a;
[] das menschlich leben nimpt ein sturtz H. Sachs 1, 458
Keller; die des bittren todes sturtz von uppekait nun hand genomen, der wirt vergessen
Göttweiger Trojanerkrieg 3568
Koppitz; waz ube diser sturz (
mutabilitas sc. fortunae) tih tuot mit rehte dingen des pezeren? Notker 1, 62
Piper. I@A@2@cc)
in jüngerer sprache im abstracten sinne von '
fall', '
niederfall': wie grosz die zahl der absätze sein müsse, in denen der sturz des helden geschieht, darüber ist keine vorschrift zu geben G. Freytag 14, 118; denn dieser königliche, wenn er fällt, wird eine welt im sturze mit sich reiszen Schiller 12, 197
G.; dieser plötzliche sturz, von der höhe eines heiteren und fast ungetrübten glücks, in die tiefe eines unabsehbaren und gänzlich hülflosen elends, war mehr als das arme weib ertragen konnte H. v. Kleist 3, 401
Schm.; veränderung und wechsel, vernichtung und leben, sturz und erheben, sind die räder an dem wagen des schicksals Klinger 4, 3; in harren und krieg, in sturz und sieg bewuszt und grosz! Göthe I 4, 131
W.; jähe erhebung und zug bis an die pforte des siegs, sturz unter drückendes joch bergen in sich einen sinn Stefan George
das neue reich 43; von einem helden, der geritten nach Damaskus, wird er sturz und sieg dir melden
F. W. Weber
Dreizehnlinden (1907) 306; das stück wurde fast ausgepfiffen und nur mit der gröszten anstrengung vermochten die freunde des dichters es von gänzlichem sturze zu retten Börne 13, 42. '
zusammenbruch, entmachtung': und Hermann, der Cherusker, endlich, zu dem wir, als dem letzten pfeiler uns, im allgemeinen sturz Germanias, geflüchtet, ihr seht es, freunde, wie er uns verhöhnt H. v. Kleist 2, 323
Schmidt; an diesen erinnerungen hängt unser dasein, aus ihnen ist sturz und wiederherstellung des reichs hervorgegangen Immermann 6, 165
Hempel; das pfaffenreich nähert sich seinem sturz und untergang auf allen seiten Winckelmann
bei Justi 2, 14; wer arbeitsmoral dem volke ... predigen will, der greift nicht in die culturgeschichte und zeichnet in groszen zügen ... wie blüthe und sturz der völker hervorwuchs aus der nationalen arbeit W. H. Riehl
d. deutsche arbeit 71; ein solches wechselhaus besteht gewöhnlich aus ... mehreren capitalisten, von welchen einige zu den reichsten des landes gehören; daher denn der sturz eines solchen hauses wegen dieser verbindungen einen ausgebreiteten einflusz in England hat Archenholz
England u. Italien I 1, 257; indessen er über den grössten theil der herrscher sich scherzhaft äuszerte, deren untergang zusammt dem sturz ihrer thronen er voraussah Göthe 41, 1, 14
W.; eine herausforderung, welche ... demnächst den sturz der ganzen parthei nur beschleunigt J. G. Forster
sämtl. schr. 5, 196; der sturz der Sachsen muszte auch den ihrigen (
der Slaven) nach sich ziehen
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen 1, 400.
heute am geläufigsten vom verlust der regierungsgewalt, meistens als fall des machthabers aufgefaszt: ungezähmte üppigkeit ist freilich im grunde tyrannei ... und ist der sturz mancher könige gewesen Bürger 307
b Bohtz; seitdem, besonders aber nach dem sturz Ludwig Philipps, ... bildete sich hier in Frankreich die meinung Heine 1, 486
Elster; einige flüsterten heimlich, er habe sich von einem sehr hohen gegner Armonis ... gebrauchen lassen, desselben sturz herbeizuführen Holtei
erz. schr. 6, 51; dasz Arnim ... durch seine haltung gegen Thiers dessen sturz mit allen üblen politischen folgen hauptsächlich mit verschuldet habe Bismarck
ged. u. erinn. 2, 194
volksausg.; und da würde er wohl in den sturz des minsters mit verwickelt werden? Schiller 14, 264
G.; auch auf regierung und system bezogen: [] der unfehlbare weg zum sturze der regierung Varnhagen v. Ense
tageb. 1, 1; zuerst ist dies geschehen bei der quästur wahrscheinlich nach dem sturz des decemvirats Mommsen
röm. staatsrecht 1, 182; der sturz der oligarchie Mommsen
röm. gesch. 3, 5;
vgl. weiter u. 6. I@A@33)
in fest begrenzten anwendungen dinglich. I@A@3@aa)
vom jähen fall des gewässers im gebirge, zunächst stärker auf den vorgang des fallens zielend: sturz der Reusz in groszen partien Göthe I 34, 1, 396
W.; du stille quelle, du bist so kühlend, bist so rein, so helle; noch ist dir nicht dein kühnster sturz gelungen Körner 2, 97
Hempel; die ragenden bergeshäupter, den fallenden sturz gestäubter wasser Rückert 12, 47; ragen klippen dem sturz entgegen, schäumt er unmuthig stufenweise zum abgrund Göthe I 2, 56
W.; haine glänzen, es donnern die stürze des Anio, es stäuben kaskatellen Waiblinger
ged. aus Italien 2, 47
Grisebach; der wassersturz, das felsenriff durchbrausend, ihn schau ich an mit wachsendem entzücken. von sturz zu sturzen wälzt er jetzt in tausend, dann abertausend strömen sich ergieszend, hoch in die lüfte schaum an schäume sausend Göthe I 15, 7
W. ähnlich auch: dann ... des regens jäher schlag niederrauscht von trauf und dach, dasz der sturz ins kübel prasselt Voss
ged. (1825) 163; jeder stosz beförderte den sturz der thränen Schubart
br. 1, 154
Strausz. '
platzregen',
s. Gangler
Luxemburg 441; Follmann
lothr. 511. I@A@3@bb)
dann auch, auf a
beruhend, im localen sinne von '
wasserfall': zwei schöne burgen erheben sich neben dem sturz und die schneebedeckten Alpen bilden den duftigen hintergrund Moltke
ges. schr. u. denkw. 5, 7; und so mag vergebens lauschen, wer dem sturze (
des Niagara) näher geht Lenau
sämtl. w. 84
Barthel; ohne umlaut: es ist wegen der groszen verschiedenheiten des abschusses aller gegenden des festen landes sehr zu erwarten, dasz die ströme ... steile sturze und wasserfälle haben Kant (1867) 6, 89
Hartenstein; in Hesperien selbst erklang dir die laute der wehmuth, dir an des Anio sturz, und am bandusischen quell Fr. v. Matthisson
schr. (1825) 1, 213; wahrscheinlich sind auch die felsen in der mitte des sturzes kalk Göthe I 34, 1, 359
W. I@A@3@cc) '
abfall des berges, steile bergwand',
ähnlich wie b,
zu stürzen II B 4 b: nicht auf dem breiten rücken eines mit heiligen eichen oder buchen umschatteten berges, am jAehen sturz ... nein, im engen felsthal J. G. Forster
sämtl. schr. 3, 6; der weg führt an schwindelerregenden abgründen vorüber ... kaum eine handbreite scheidet das radgleise vom sturz Gaudy
sämtl. w. 5, 21; er hat sich sein bett in berg und gestein auf eigene gefahr eingegraben, hat sich mit schründen, stürzen, trümmern und steilen freiheitstrotzig umwallt Kürnberger
nov. (1861) 1, 59; über ihm durch sturz und steile flieht der gemsen scheue eile Rückert 3, 17.
dagegen stürze,
f., in gleicher oder ähnlicher bedeutung schon im 17.
jh., vgl. zur form u. II 5: aber an einem groszen ort findt sich eine stürtze (
praecipitium) als wie gleichsam ein abschnitt J. W. Valvasor
die ehre des herz. Crain (1689) 1, 523; stürtze, abstürtze, ein hoch und jäher ort Kramer
hoch-niderteutsch (1719) 2, 209
c; gäher, abhängiger ort, gähe stürtze Pomey
indiculus (1720) 445;
vereinzelt auch als m.: derer (
der steine) gar langsamer grundfall und gekrach ihm gnugsam zu verstehen gaben, dasz selbiger abschusz oder sturtz (
praecipitium)
[] gewaltig tieff sein müsste J. W. Valvasor
ehre des hertzogthums Crain (1689) 1, 492. I@A@3@dd)
technische bezeichnungen mit der grundbedeutung '
abfall'
; wie stürzen III 3: '
das stürzen eines ganges im bergwerk' Veith
bergwb. 482;
die abweichung der speichen von der senkrechten stellung zur wagenachse, s. Hoyer
allg. wb. der artillerie 2, 74; Karmarsch-Heeren
techn. wb. 3, 645; '
aufgemauertes ufer' Kehrein
Nassau 1, 399; '
abgeschrägter giebel'
luxemburg. ma. 433. I@A@44) '
jähe, heftige bewegung',
eigentlich auf der passiven bedeutung '
fall'
beruhend: als müsse eine göttliche gewalt wie mit fluthen ihn überströmt haben, ... in übergewaltigem raschen sturz seine sinne überfluthend Bettine
Günderode 1 (1840) 415; er ... läuft dem sturz seiner gedanken nach bis in die dunkelheit W. Schäfer
lebenstag (1917) 172; das herz, das nicht in stoffartiger unfreiheit vom sturze der empfindung fortgerissen wird Fr. Th. Vischer
ästhetik 3, 798; plötzlich in sausendem sturz graunvoll von dem felsengebirg nahn die Harpyn her J. H. Voss
antisymb. 258; ein sturz auf sie (
die feinde), so sind sie fort, ... wir sehn mit lust den leeren ort, und traben hinter her Gleim
sämtl. w. (1811) 4, 125; und wo eh wir sie nun erfassen, in den sturz, in die flucht sie hinein! ja in ungeheuren massen stürzen wir schon hinterdrein Göthe 16, 374
W. vom stürmen und brechen der wogen, 3 a
nahe: es erhob zur nachtzeit sich der empörten fluthen sturz Droysen
Äschylus 65; einsam durchwandelt ich jezo das schiff; da trennte der wogen sturz von den seiten den kiel J. H. Voss
Odyssee 231
Bernays; ein seltsam geformter fels, von dem ein hohes kreuz trost- und friedensreich in den sturz und streit der empörten wogen hinabschaut Eichendorff
sämtl. w. (1864) 2, 4;
vom heranstürmen und einbrechen der ereignisse: wir möchten gern den ungeheuren sturz der ereignisse begleiten Gervinus
gesch. d. dtsch. dicht. 1 (1853) 342; so lange uns also die Griechen nicht geraubt, und da sie bisher dem sturz der zeiten ... entronnen sind Herder 17, 156
S.; wo ihre (
der kultur) spur verschlungen vom sturz der zeit, harrt unsres anbaus nur Rückert
ges. poet. w. 1, 261. I@A@55)
adverbialausdrücke im sinne von '
plötzlich, jäh, im augenblick',
teilweise 4
nahe. schon seit dem 16.
jh. im sturz: in der fury, im sturtz,
tumultuariamente Kramer 1 (1700) 737
a; (
das tier) zog aus der erden also bald ein dürren baum, gar bund gestalt, daran hieng eine blancke wurtz, damit traff es mich im sturtz Rollenhagen
froschmeus. (1595) l 1
b; traun! das leben ist zu kurz hier im erdenthale, um einander, wie im sturz, und mit einem male, rekta auf den leib zu gehn C. A. Overbeck
verm. ged. (1794) 72; ich hätte euch gern ein tüchlein gestickt, aber wer bringt das so im sturz fertig! A. Fitger
die hexe (1880) 55.
ähnlich, jedoch auf 1
unmittelbar beruhend, im sinne von '
mit einem schlage': alda wurden sie bequemlich ... zu boden gedruckt, dasz nicht allein die fendlein, sondern auch die darzu gehörten, hauffenweisz in einem sturtz dahin fielen G. Klee
berümter leut leben (1589) 1, 356.
seit dem 17.
jh. auch auf den sturz: auf den sturz, im sturz
subito, repente, tumultuose Stieler (1691) 2230; im sturtz, auf den sturtz
precipitosamente, tumultuariamente Kramer 2 (1702) 1029
c; er thut alles im sturtz, oder auf den sturtz Ludwig
teutsch-engl. (1716) 1916; doch mein anschlag kann auf einen sturz nicht ausgeführt werden; sondern es gehört zeit dazu v. Petrasch
s. lustsp. (1765) 1, 528.
heute im nd. zu hause, vielleicht secundär gegenüber auf den, einen stutz (
s. d.): op n sturz
im augenblick [] Mensing
schlesw.-holst. wb. 4, 915; und ich in n düstern auf den sturz meinen rock nich finnen kann Fr. Reuter 3, 218
Seelmann; ich weisz auf den sturz nur eine hilfe
ebda 2, 81. —
ähnlich, aber auf verschiedenen bedeutungen von sturz
beruhend: vorwärtstretend lag er eines sturzes in ihren armen, die sich mit maszloser heftigkeit um ihn schlossen Stifter
sämtl. w. 3, 251
Sauer; ein glas mit einem sturze austrinken Campe 4, 740. I@A@66)
von der grundlage des intransitiven verbums gelöst. I@A@6@aa)
der sturz des machthabers und machtsystems, ursprünglich passivisch als '
fall'
aufgefaszt (2 c),
wird secundär an das transitive verbum angeschlossen, und der den sturz
betreibende wird zum träger der handlung: mit den also bereiteten waffen ... ging Gracchus an sein hauptwerk, an den sturz der regierenden aristokratie Mommsen
röm. gesch. (1874) 2, 112; zum sturz des christenthums bewaffnet sie der reiz mordbrennerischen ruhms J. A. Schlegel
verm. ged. 2, 60; die persischen groszen, die sich zum sturz des falschen Smerdis und der magier verschworen hatten Hegel
w. 9, 49; Orlamünderin, zu deren sturze sie selber mitarbeiten wollen? Fontane I 2, 158; er musz wissen, dasz wir nicht an seinem sturz arbeiten, dasz wir ihm nicht feindlich sind Bismarck
gedanken u. erinn. 1, 212
volksausg.;
meistens ohne scharfe wahl zwischen den beiden möglichen trägern der handlung: nein! sie begreifens nicht, und stellen den sturz, selbst ihrer mitgesellen, als zweck zum wohl des ganzen dar Thümmel
reise in d. mitt. prov. (1791) 3, 36. I@A@6@bb)
im eigentlichen sinne (
s. 1)
nur ganz vereinzelt activisch, von den entsprechenden anwendungen des verbums ausgehend: ich vermuthe, dasz der vater ... sich mit dem furchtbaren sturz aus dem thurmhohen hause vor erwachen zu einer neuen besinnung rettete A. Ruge
briefw. u. tageb. 2, 155
Nerrlich; auch giebt es gewiss keinen poetischeren selbstmord, als den sturz ins wasser
aus Schleiermachers leben 1, 337; hatten die Nazarener bei der ersten ankündigung, dasz er der Messias seyn wollte, Christum nicht sogleich des sturzes vom felsen werth geachtet? Herder 19, 183
S. I@BB. '
stürzung, umstürzung, umstülpung',
vom transitiven stürzen I A,
in verschiedenen, jedoch wenig ausgebreiteten bedeutungen. I@B@11)
umpflügen des ackers nach der ernte, wie stürzen I A 3 d,
im westlichen md., s. Crecelius
oberhess. 824; Schmidt
westerwäld. 245. I@B@22)
revision, schluszabrechnung des kassenbestandes, wobei gewissermaszen die kasse umgestürzt, ausgeschüttet wird, häufig auch kassensturz,
s. Schmeller-Fr. 2, 787; Uhland
tageb. 310
Hartmann; Sanders 3, 1260;
im schwäb.: vom sturz und anstand (1714) Reyscher
samml. d. württ. ges. 13, 997; (
die pfarrbesoldung wird) zu ersparung fuhrlohns ... fürausgegeben und, als wann dieselbig um Georgii noch uf dem casten wehr, uf den sturz gelegt
qu. a. d. j. 1621 bei Fischer
schwäb. 5, 1935. I@B@33)
revision des gesamten bücherbestandes einer bibliothek: gestern war Gulden (
der bibliotheksdiener) bei mir, um mir zu sagen, dasz jetzt die bücher zum sturze auf die bibliothek zurückzugeben seien Uhland
an Meyer (1834)
briefw. 3, 19;
so auch heute im bibliothekswesen. I@B@44)
im getreidehandel, von stürzen I A 3 e: den stürtz berechnen
frumenti ventilati rationem, numerum inire Aler (1727) 2, 1863
a; soll künftig kein kornmesser dem andern in sturz fallen
urk. v. 1632
bei Fischer
schwäb. 5, 1935;
vgl.: noch ên stört kôrn in de sak dôn ten Doornkaat-K.
ostfries. 3, 330. I@B@55)
beleidigung unter verbindungsstudenten, die einer aufforderung zum waffengang gleich kommt, s. Kluge
studentenspr. 129,
dem sinne nach '
das hingeworfene, geschüttete, hingelegte',
wie stürzen I A 4 c: rappierjunge ist ein sturz, der einen skandal mit stumpfen rappieren zur folge hat
der flotte bursch (1831) 71.
[] I@B@66)
figur beim fechten, etwa so wie '
ausfall': besucht die fechtschulen und fechtböden, da that er sein schulrecht, hub auf, gieng ein mit dusacken, darin blei gegossen war, im bogen, im geschlossenen und einfachen sturtz, legert sich in die bastei, erzeigt sich in allen ritterlichen wehren Fischart
Garg. 297
ndr., er sprach: der kunst zu eym eingang lehrt man öber unnd underhaw, mittel und flügelhaw genaw, auch geschlossen und einfachen sturtz H. Sachs 4, 213
Keller; bildlich: ach hette ich uberige zeit, ich wolte yhme ein sturtz (
mit dem wort gottes weisen) das sie pleich wurden Carlstadt
von bepstlicher heylikeit (1520) c 4
b; dann ein jeglich experiment, das da befohlen wird eim unerfarnen, ungeübten artzt, ist gleich ein artzneyen, als ein ungelernten im sturtz oder im parat Paracelsus
chir. (1618) 301
Huser. IIII.
nomina instrumentalia, vom transitiven verbum abgeleitet, im sinne von '
womit man stürzt; wo man stürzt'. II@11)
gefäsze, trichter, öffnungen, in die hinein oder mit denen flüssigkeit gegossen wird, meist stürze,
f.: stürtze
vel gosse
infundibulum Diefenbach 298
a; die wasser aber ausz den schächten gezogen, empfahendt die wasser gerinne oder stürtze, durch welche das wasser in die wasser seige gelassen wirdt Ph. Bech
Agricolas bergw.-buch (1621) 121; '
gieszlöffel' Jacobsson 7, 493; sturz '
wasserkasten im bergwerk, in welchen wasser ausgegossen und aus welchem diese wieder ausgeschöpft werden' Veith
bergwb. 482. II@22) stürze,
f., die starke erweiterung der blechblasinstrumente an der dem mundstück entgegengesetzten seite, s. H. Riemann
musiklex. (1929) 1787: die stürtze an einer trompete J. G. Walther
mus. lex. (1732) 174;
auch Chomel 8, 1763. II@33) stürze,
f., sturzkarren bei der deicharbeit, nur im nd., s. Benzler
wasserbau 2, 218;
im mnd. gut bezeugt: als dieser kogh zu beteichen ist berathslaget worden, seint darzu vorordenet 400 storten
bei Schiller-Lübben 4, 414. II@44) sturz, stürze,
brett an dem die pflugschar befestigt ist und mit dem beim pflügen die erde umgestürzt wird, anders als 3sturz 2;
mundartlich, s. Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 586; Martin-Lienhart 2, 615; Weber
ök. lex. (1829) 587; pflugstürze Fulda
id. samml. (1788) 530. II@55)
bergmännisch: der ort wo erz oder abraum ausgeschüttet und gelagert werden kann; neben stürze,
f., jünger auch sturz,
m., auch als compos. haldensturz,
s. Veith
bwb. 260
dem sinne nach '
ort wo gestürzt (
s.stürzen I A 4 a)
wird',
ebenso wie obersächs. milchaschstürze
ort an der wand am brunnen, wo der milchasch abtrocknen soll Müller-Fraureuth 2, 586,
vgl. aber auch sturz '
abfallender hang, halde' (I A 3 c),
wo das umkippen und ausschütten der behälter und fuhrwerke leichter von statten geht. im mnd. seit dem 14.
jh. bezeugt: alle des dat he vint in der hutten ... desses mach he alsus neten, alse vordere alse de storte wendet
qu. a. d. 14.
jh. bei Schiller-Lübben 4, 415;
im hd. seit dem 17.
jh.: stürtze '
derjenige ort, wo das erz aus den tonnen geschüttet wird' Gottfr. Junghans
gräublein ertz (1680) f 1
a;
so auch Hertwig
bergbuch (1734) 389
b;
Chomel öc. lex. 8, 1763; darunter wohl zu besorgen, dasz an so ungewöhnlichen zeiten und stunden die kärner für den unrechten und nahend gelegenen stürtzen, andern gewercken zu grossen schaden, ihre zwitter abführen mögen
F. Span
speculum iuris metallici (1698) 145; sturz, haldensturz '
der ort, dahin die berge, schlacken und dergleichen gestürzt werden'
bergm. wb. (1778) 542;
s. auch Krünitz 177, 508. —
hierher auch stürze,
f., hängebank über dem schacht, wo die gefüllten kübel ausgeschüttet werden, s. Veith
bergwb. 482; Lueger 7, 576. IIIIII.
sachbezeichnungen im sinne von '
das gestürzte',
immer vom transitiven verbum (I A). III@AA.
gewölbte, hohle, nach unten offene überdeckung, meistens in der form stürze,
f., auch sturze, sturz, storze, storz,
daneben sehr selten ein masc. sturz,
so heute im österr. (
s. u. 2).
[] III@A@11)
in mannigfacher anwendung; dach eines turmes: si soln den turn machen mit einer bedakten steinener stürzen, daz er deheins andern daches nit bedürf
qu. a. d. j. 1345
bei Lexer 2, 1282; auch wardt desselben sumers des heiligen geists kürchen gantz gedeckt. ... ausgenommen was der kupfferne huet yber den sturz kostet, weis ich nit
städtechr. 15, 292. — sturtz,
f., '
ein korb und dergleichen, unter welchen man hühner, tauben und dergleichen setzt' Hulsius-Ravellus (1616) 315
b;
ebenso: stürze Rädlein (1711) 859
a; eyn honckeln stircze
cletula md. qu. a. d. 15.
jh. bei Diefenbach 127
a;
noch mundartlich: '
korbgeflecht, gitterkäfig ohne boden zur haltung von federvieh',
s. Hofmann
niederhess. 235; Vilmar
Kurhessen 406; Ch. Schmidt
Straszburg. 107; Martin-Lienh. 2, 615. —
seit alters bis heute erhalten '
bedeckung des feuers in ofen und herd',
auch als compos. ofenstorzen
Marienburger treszlerbuch 444
Joachim: item dem kuppersmit umme dy sturczen ufs rathus zu dem ofen 11½ fert. myt trangelde (1401)
codex dipl. Lusatiae sup. 3, 377
Jecht; 2
m. minus 2 scot vor 13 sturzen zu dem ofen ken Gotswerdir dem huskompthur zu Danczik
Marienb. treszlerb. 34
Joach.; des nachts soll ... das heerd-feuer mit einer darzu gehörigen blechenen stürtzen bedecket ... werden v. Hohberg
georg. cur. 3, 84
b;
modern '
untere trichterförmige ausweitung des schornsteins über offenen herden, kaminen usw.' Mothes 4, 288: ich habe selbst einige camine über den sturz zuwölben, und nur mitten in dem gewölbe eine öffnung von 5 zoll ins gevierte machen lassen Sulzer
theorie d. schönen künste 1, 439. —
gelegentliche vereinzelte anwendungen von sturz,
m.: auseinander gebogene garbe zum überdecken des getreidehaufens im felde Crecelius 824;
überdeckung bei einer pumpendichtung Karmarsch-Heeren
techn. wb. 1, 424.
hierher wohl auch: '
haut, fell, decke' Polzer
gaunerwb. (1922) 89. III@A@22)
in allgemeinerer verbreitung nur '
deckel von töpfen und ähnlichen hausgeräten',
seit dem 14.
jh.: den leffil und die sturze mochte man gepulvert schouwen (
nach dem brande der burg) Nic. v. Jeroschin 619
Strehlke; s. auch Lexer
mhd. wb. 2, 1281;
heute mundartlich weit verbreitet, s. ten Doornkaat-K. 3, 330 (stört); Frischbier 2, 370 (stert); Meyer
richt. Berl. (1925) 175; Bauer-Collitz
waldeck. 101
a; Hentrich
Eichsfeld 82; Vilmar
Kurhessen 406;
im ostmd., s. Hertel
Thür. 240; Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 586; Weinhold
schles. 96; Stauf v.
d. March
nordmähr. 90;
auch obd., s. Fischer
schwäb. 5, 1936; Ruckert
unterfränk. 176;
im österreich. als masc. sturz,
s. Castelli
Österr. u. d. Enns 239; Unger-Khull 588; Schöpf 726; Jacob
Wiener 188;
vgl. auch Kretschmer
wortgeogr. 169; 604. III@A@2@aa)
entsprechend 1, '
tiefere, hohlere schale zum überdecken': tu in einen hafen fenchel, essig und wein, ... leg darauff ein ... teller, beschwers mit einem ... kiszlingstein, und decks mit einer strtzen zu, dasz es nicht verrche Gäbelkover
artzneyb. (1595) 1, 106; beschweret dieselben (
krebse) mit einer stürtzen, dasz sie nit uber sich steigen oder kriechen können Joh. Wittich
halilogia (1594) 19
a; des nachts werden sie vor dem reif und frost mit stürtzen, so aus frauen- und Marienglasz gemachet, bedecket Olearius
pers. reisebeschr. (1696) 78; satzten ihm einen groszen käfer auf den nabel, deckten eine stürtze drüber, dasz sich der käfer durch den leib beiszen muste Chr. Weise
drey klügsten leute (1675) 256; ein schön venedisch glas, ... in welches 6 maasz, in dem deckel oder stürtze aber 2 maasz wein gehen Marperger
küch- u. keller dict. 1319
a. III@A@2@bb)
schlechthin im sinne von '
topfdeckel'
: operculum, hafendeckel, stürze Th. Golius
onomast. (1582) 324; sturtz
pantrum obd. voc. d. 15.
jh. bei Diefenbach
nov. gl. 279
a; stürtze
operimentum Corvinus (1660) 1039;
ollar ebda 962; legs in einen neuwen hafen der gut sey und ein sturtz oder deckel darüber L. Thurneysser
magna alchym. (1583) 60; verdecke den topf wol mit einer stürtzen Zechendorfer
von gebrechen der rosz (1571) 2, 49; und
[] los das öl im topf und thu ein stortze dor uff Pfolspeunt
bündt-ertznei 87
Haes.-Midd.; als sie im kloster bauwen wolten, und das fundament gruben, funden sie zwölff töpffe mit sturtzen zugedeckt, und darin beinlein der jungen kindlein Nigrinus
widerleg. d. andern centurie (1571) t 2
b; vermache den topff wohl mit einer stürtze die in der mitten ein löchlein habe Ettner
med. maulaffe (1719) 191; man musz aber (
um das bier zu erhalten) fleiszig fällen und die fässer nicht wahn stehen lassen, auch hernach verzeichnete deckel oder stürtze über die spünt machen v. Hohberg
georg. cur. 2, 86; so gar die irdenen stürzen, so sie (
die urnen) bedecketen, waren nicht abgefallen Gottsched
anmuth. gelehrs. 5, 225; über das casseroll deckt sie eine stürze G. Hauptmann
biberpelz (1893) 24. III@A@2@cc)
redensarten, auf dem bild von topf und deckel als dem zueinander passenden beruhend: wie die hafen, so die stürtzen
Nürnbg. wb. (1713) 14; und gehOert alweg auf ein solichen hafen ein soliche stürtz, und widerumb ein soliche stürtz begert eins solichen rechten hafen Seb. Franck
chron., zeytb. (1531) 236
b; auf eine silberne flasche gehöret eine silberne schraube; auf einen tönernen krug eine tönerne stürtze Butschky
Pathmos (1677) 513; kleiner topf, kleine stürze v. Hippel
lebensläufe (1778) 1, 319; wie der prophet ist, so ist auch der, von dem er geprophezeit hat, ein ertzketzer von ertzketzer! warlich, der topff hat seyne rechte störtze! Luther 30, 3, 437
W.; also war Messalina einem solchen keiser eine rechte stürtze auf seinen krug oder auf sein töpfflein W. Bütner
epitome hist. (1596) 233
b; es ist kein so schmutziges krüglein, das nicht seine stürtze finde P. Winckler 2000
gute gedancken (1685) d 4; da sprach der richter zu beiden in kürze: ich seh, ihr paszt zusammen wie topf und stürze Rückert 11, 473; und es paszt wie die stürze zum topfe Zelter
briefw. 5, 451
Riemer. III@A@33)
auch als bezeichnung selbständig benutzter gefäsze von flacher form, vgl. 2 a: '
metallbecken der türkischen musik' Fischer
schwäb. 5, 1936; gieng er balde hin zu holen in einer stürz brinnend kolen
qu. a. d. 16.
jh. bei Fischer 5, 1936; und legt in (
eine gabel) in den tegel oder in den kessel oder in den hafen oder in die sturtze
erste dtsche bibel 5, 15 (
1. Sam. 2, 14); stürtze
vel dortenpfanne Diefenbach
gl. 581
c; stürze
breites gefäsz zur aufnahme des geschmolzenen bleis Hoyer-Kreuter
technol. wb. 1, 750; eine felderdecke ... von der an einem bande mit schleifen eine runde stürze mit henkeln und einem geöffneten deckel herabhängt Gottsched
anmuth. gelehrs. (1751ff.) 9, 265. III@BB. '
kopfbedeckung',
meist sturz,
m., aber auch stürz,
m.: umb einen stürcz; umb zwene stürcze
Elsen von Holzhusen inventar (
Frankf. arch. 1410); stürz
flammeum obd. voc. a. d. 15.
jh. bei Diefenbach
nov. gl. 176
b,
und stürze,
f., s. Müller-Mothes 894
a; Br. Bucher
kunstgew. 390
b: solle ... die stürtz ... abgethan sein
qu. a. d. j. 1678
bei Fischer
schwäb. 5, 1936; stortsn,
f., Hentrich
Eichsfeld 36;
entrundet: item, liebe frau, send der maid ein stercz, 2 eln und ein fiertail (
d. h. von länge) Steinhausen
privatbr. d. ma. 2, 34;
seit dem 15.
jh., besonders häufig im älter mhd., in obd. maa. bis in jüngere zeit bewahrt, jetzt veraltet, s. Seiler
Basler ma. 284;
Alemannia 15, 222; Ch. Schmidt
elsäss. 347; Birlinger
schwäb.-augsburg. 415; Schmid
schwäb. 518; Schmeller-Fromman 2, 787; Unger-Khull 588;
auch hess., s. Crecelius 824. III@B@11)
in der bedeutung schwankend zwischen einer weiblichen bloszen kopfbedeckung und einem vom kopf herabfallenden gröszeren schleier, von anderen arten schleier jedoch unterschieden: das houbt das duot man bald entdecken, es mag gar licht eyn wynd har fegen, es duot den frowen die sturz ab wegen Seb. Brant
narrensch. 112
Zarncke; haben wir (
nonnen) uns allwegen mit den stürtzen und weil so tüeff verhengt, dass man uns weder mund noch
[] nasen hat kennen sehen
qu. a. d. 17.
jh. in Alemannia 10, 209; und der sturz so breit, als er sich ufrecht enthalten mag, und so wysz er syn mag Zwingli
deutsche schr. (1828ff.) 2, 381; die man sint narren nit allein, sunder findt man ouch närrin vil den ich die schleyer, sturtz und wile mit narrenkappen hie bedeck Seb. Brant
narrensch. 4
Zarncke; wie er dann einsmals den soldaten befohlen, wann die leut wider in die stadt herein giengen, den männern die mäntel, den weibern die stürtz und schleier, schaupen oder kutten abzunemmen
N. Schwelin
württ. kl. chron. (1660) 455; (
die braut) die uf den teller legt ir beyn, do sie sich buckt nach dem sturtz, entfuor ir ob dem disch eyn furz Seb. Brant
narrensch. 110
Zarncke; in verschiedenen glossierungen: sturcz
peplum Diefenbach 424
a;
suparum nov. gl. 355
b; schleier, sturcz, mantel, kapp
velamen mulieris gloss. 609
a; stauch oder schleyer, sturtz, stülp
calyptra Alberus (1540) 35
a;
als charakteristischer putz: was künnen ytz die undern frawen? gar schon sich jn den spigel schawen. so sie umb drew sein aüff gestanden, spricht sie 'schaw meid ist nichts vorhanden? der halpgwachs hat ein solches fasz, so stet mir den der sturcz dest pas'.
kl. mhd. erz. 48
Euling; ward der herzogin ... angesagt, das zeit were zu kirchen zu geen. ... also liesz ir die herzogin den sturz fürziehen
zimm. chron. 1, 531
Barack; frage auch einen spieler, welcher sein gantze substantz und seines weibs kleinoter, ring, gurt und sturtz verspielt Albertinus
hirnschleiffer (1664) 390; mit ... uberflusziger ... gezierd der kleyder ... mit mantelen, röcken, ... hauben, kauppen, schlegeren, sturtzen, flechten, gurtelen Luther 10, 2, 336
W. als zeichen der ehrbarkeit: es soll ouch ir (
der dirnen) dehein kein rolle tragen oder keinen langen sturtz; aber sie mögent wol tragen gezwangete umbwindelinge und kurtz stürze Brucker
Straszburger zunft- u. polizeiverordn. 459; die segel der ersamen klaidung, stürtz, kappen und mentel Keisersberg
schiff d. penitenz (1512) 37.
besonders bei trauer, auch klagsturz,
s. teil 5, 933: sturtz, schleyer, welchen die trawrigen weiber aufsetzen Hulsius-Ravellus (1616) 315
b; sturtz, darin die weiber klagen Aler (1727) 2, 1862
b; andere wetteten mit einander, welcher der schleyer, sturtz, flur, traur, besser anstehen solte Moscherosch
gesichte 1 (1650) 138; do waren zugegen ... auch sonst vil weiber in stürzen, als in ainer cleglichen handlung
zimm. chron. 4, 310
Barack; man sol kind nit weinen, man tregt kein sturtz darumb Keisersberg
evangelia (1517) 62; es sol och kain witwe gedenken, daz sie ierem man genuog gethan habe damit, daz sie in wainet und ain schwarczes klaid und braiten sturcz tregt Stainhöwel
de claris mulier. 153
lit. ver.; (
des todes diener) machens manchem man so kurtz, dass bald sein ehweib tregt ein sturtz Scheit
frölich heimfart e 1
a; so lasz ichs gschen, schwindt jm der huf, ich setzen ouch kein sturtz drumb uf
schweiz. schausp. des 16. jhs. 1, 236
Bächt. bildlich: der sonnen widerkunft, verkürtzend der nachtstunden, hat schon der erden hertz erwaichend überwunden; ... ihr trawrkleyd, weisser sturtz und schlör war abgelöget, die hügel ihrer brust seind schon durch lieb bewöget Weckherlin
ged. 2, 371
lit. ver.; so in jüngerer zeit noch mundartlich, s. Serz
teutsche id. 150
a; Birlinger
schwäb.-augsb. 415; Fischer
schwäb. 5, 1936: die nächstverwandten frauen trauerten wie gebührlich in 'sturz und stuche', das hiesz: ein nonnenhaft weiszgefältetes tuch verhüllte die häupter und liesz nur eben das antlitz frei
in der dt. rundschau 159, 363.
in engem bereich als '
regenhut, regenschutz': sturtz
vulgariter regenschlaher,
nimbus est genus pepuli voc. primo pomens (1515) b 3
Hüpfuff; nimbus regenschlaer
vel sturtz Diefenbach
[] 380 c; eine häuptdeck der weiber, ein stürtz, regenhut,
calyptra Corvinus (1660) 1421; regensturcz
anabolagium Diefenbach
nov. gl. 22. III@B@22)
vereinzelt, wohl ohne continuität mit 1,
im sinne von '
schutzvorrichtung, überdachung, schirm am helm',
s. auch A 1: die meisten mit helmen und einem sturz vor Alexis
Roland (1840) 3, 388; den helm mit dem sturz wollte er nicht Alexis
hosen (1846) 1, 186; hierher wohl auch: '
mützenschirm'
luxemburg. ma. 433. III@CC.
überdeckung tür- und fensterartiger öffnungen, '
oberschwelle',
s. Schönermark-Stüber
hochbaulex. 805; Wolff
mathem. lex. (1747) 1283;
auch fenstersturz, türsturz;
mundartlich verbreitet, s. Sass
sprache des nd. zimmermanns xiv; Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 585;
luxemburg. ma. 433; Martin-Lienhart 2, 616; Seiler
Basler ma. 284;
schon alt bezeugt: fur ein sturtzen, die sechs schuch lanck, ein schuch dick, zwen schuch preit ist, dreissig pfenning (
lohn) Endres Tucher
baumeisterb. 83
lit. ver.; denn das thor hätte nicht enger als zehen fusz in lichten, und also nicht niedriger als zwantzig fusz werden dörffen, da wären zwischen diesem sturtz und den fenstern des zweiten geschosses nicht mehr als höchstens fünff fusz geblieben L. Chr. Sturm
vollständige anweisung (1718) 31; eine tür mit starkem sturze in der mitte der vorderen zellenwand, führt aus der vorhalle in ein finsteres vestibül Ritter
erdkunde 1, 634; der thürstock besteht aus der schwelle, den ... ständern und dem sturz Karmarsch-Heeren
techn. wb. 39, 455. III@DD. '
blech'. III@D@11)
eine art quantitätsbezeichnung, '
dünnes eisen, eisenscheibe',
mit '
lamina'
glossiert: stortten v.
d. Schueren
Teuth. 380
Verdam; sturtz Dentzler (1716) 281
a; sturtz, blech
lamina, lamella ferrea Aler (1727) 2, 1862;
heute im ndl.: sturte de Bo
westvl. 974;
die bezeichnung beruht darauf, dasz diese blechplatten im walzwerk umgeschlagen, also '
umgestürzt, aufeinander gestürzt'
werden: sturz, ein zu blech ausgegleichtes und zweifach zusammengeschlagenes kölbel (
stück eisen)
bergmänn. wb. (1778) 542; wenn das kölbel rausgeleicht, und zwiefach zusammen geschlagen wird, heisset dieses ein sturtz Hertwig
bergbuch (1734) 389
b;
alt bezeugt: item der stürz, der zwene aneinander sint, der sol man 30 für ein schock rechnen (1450) Eheberg
Straszburg 1, 274; iterum 92 stürcz blech per asp. 9, facit flor. 29 asp. 35 (1538)
qu. z. gesch. d. stadt Cronstadt 2, 542;
in der modernen technik '
schmiedeeisen, dünneisen, das zu blech verarbeitet werden soll',
s. Mothes 4, 288; Muspratt
chemie 2, 1414; Karmarsch-Heeren 8, 656. III@D@22)
aus 1
entwickelt als qualitätsbezeichnung, '
eisenblech, weiszblech',
heute mundartlich, s. Fischer
schwäb. 5, 1936; Friedli
Bärndütsch 3, 377; 309; Hunziker
Aarg. 264; Seiler
Basler ma. 284; Martin-Lienhart 2, 615; Hönig
Kölner ma. 176 (stooz); een dak van sturte de Bo
westvl. 974;
seit dem 15.
jh. bezeugt: sie pflegen ... kleine halbe mon, welche sie irem abgott dem mon zu ehren von mesz, kupfer, sturtz oder plech machen, an ohren, naszen und lefftzen zu henckhen
qu. a. d. 16.
jh. in Alem. 6, 106; eysene röhrlin ... von gutem, starckem sturss oder eysene blech Fronsperger
bei Fischer
schwäb. 5, 1935; ain tzinen flaschen und tzwo alte, zerprochen flaschen aus stürtzen gemacht (a. 1472) Zingerle
invent. 67; (
sie sollen) etliche zaichen von ainem blechin verzünten sturtz lassen machen, mit der stat zaichen gestempfft Reyscher
samml. d. württemberg. ges. 12, 48; 1 ysinscheer, damit man bley oder stürtz schneit
bei Fischer
schwäb. 5, 1935; sturz,
m., weiszblech Spreng
Basler wb. d. 18.
jh. in Alem. 15, 222; bei manchen darren findet man die darrfläche aus ... eisenplatten von sturz oder blech hergestellt Muspratt
chemie 1, 1311. III@EE.
maszbezeichnung, etwa '
so viel wie hingestürzt, d. h. geschüttet ist',
vgl. auch schütte,
f.: 7 stürtz ridl geben 91 ridl, 1 sturtz weinlatten = 93 weinlatten
qu. a. d. j. 1613
bei Schmeller-Fr. 2, 787; von ainschichtiger schneidwaar
[] (
holz) ab jedem sturz 1 kr. 2 du. ländgeld
qu. a. d. j. 1762
ebda; im md. '
haufen von garben, heu u. dergl.',
s. Hertel
Thür. 240; Crecelius
oberhess. 824; Kehrein
Nassau 1, 394;
zusammengefaltete masse tuches, wie stürzen I A 3 a,
s. auch o. D 1: einen loden von drizec stürzen ... den gap er an den hengest Wernher
meier Helmbrecht 390
Panzer; vgl. dazu, ebenfalls zu stürzen I A 3 a: seidine waaren sind nicht nach dem end sunder nach dem sturz auszumessen Schöpf
tirol. 727; sturz
linie, nach welcher tücher gelegt oder gefaltet werden Unger-Khull 588. III@FF. stürze,
f., der nach der ernte umgepflügte acker, wie stürzen I A 3 d: auch haben andere im brauch, dasz sie lassen die stürtze bald ackern
schles. wirtsch.-buch (1712) 118; im merz fährt man den pflug auf die stürz, darnach kommt der april, der hält ihn wieder still
für Gieszen mündlich bezeugt. im sinne von '
umgepflügte erde': wo gestern abend noch eine dunkelgrüne kornsaat geprangt hatte, lag jetzt braune stürtze W. v. Polenz
Büttnerbauer 3, 302;
im westl. nd.: '
oberste erde, die vom pfluge gestürzt wird' Schmidt-Petersen 129; Molema
Gron. 409;
bezeichnung einer besonderen art erde, s. Schütze
holst. 4, 206; de Bo
westvl. 974.