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kerben

mhd. bis spez. · 13 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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14 in 13 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

kerben

Bd. 11, Sp. 560
kerben , einschneiden, eine kerbe (kerben) schneiden. ahd. nicht nachgewiesen, mhd. kerben in ankerben Scherz 47 (14. jh., elsäss.), vermutlich auch kerven (s. u.kerbe). daher noch im 15. jh. kerfen nicht nur in md. und rhein. vocc., auch im Nürnberger voc. ex quo v. 1482, s. Dief. 180a; mnd. kerven, carven das., nnd. karven, nl. kerven. altfries. kerva, ags. ceorfan, schott. kerf, engl. carve; n. karve, schw. karfva, es scheint entlehnt. Während das hd. wort schwachformig ist, zeigt das nd. im part. gekurven (Brem. wb.) einen wichtigen rest alter starker bildung (daher in Mielkes litt. wbb. 'karbuotas, gekorben'). Im nl. ist diese völlig erhalten: kerve, korf, gekorven; ebenso ags. ceorfe, cearf, curfon, corfen, desgl. altfries.; s. weiter sp. 562. [] 11) schneiden überhaupt, hd. sonst ungebräuchlich: unser witz aus glas gekerbet, wie der blitz ist er zerscherbet. Schiller anthol. (Bülow) 20, es kann doch nur gemeint sein: aus glas geschnitten, ausgeschnitten (wie engl. carved); kerbe deine kerzen. Overbeck Virgil 135, nach incide faces ecl. 8, 29, gleich schneidend machen. Das ist zwar beides nicht dem hd. sprachgebrauch entnommen, sondern künstlich gemacht; aber wirklich weist es sich als die urspr. bed. aus (vgl.kerbe 1). denn nd. heiszt es z. b. auch tabak karven klein schneiden, zerschneiden (Brem. wb.), vgl. westf. kärwelspäne hauspäne Kuhns zeitschr. 4, 136. auch nl. kerven heiszt zerschneiden, den mast kerven kappen, u. a.; noch deutlicher tritt es im altfries., ags., engl. gebrauch hervor, engl. carve heiszt zerschneiden, ausschneiden, in holz schnitzen, in stein hauen, in kupfer stechen, carved work bildhauerarbeit. 22) unser kerben heiszt einschneiden, d. i. einen einschnitt (kerbe) oder einschnitte machen; object ist sowol das was man einschneidet als das worein geschnitten wird. 2@aa) ein schnitt im schuch, den er (der pilger) minders truckens halben drein gekerbet hat. Garg. 238b (Sch. 447); was wird das erste sein, als seinen stab zu kerben? Lessing bei Danzel 1, 505, mit kerben als zeichen der erhaltenen küsse zu versehen. 2@bb) kerbend einschneiden, durch kerbschnitte schreiben: an dieses bette wil ich diesen denkspruch kerben. Wiedeman april 1, 30; die namen gemeiner hochverräther werden bei uns von dem hohnlacher in runstäbe gekerbt und bündelweise in eine seitenhalle geworfen. Klopstock 12, 279; kerbte gesetz' in hölzerne tafeln. Voss Horaz 2, 384. 2@cc) dichterisch von wunden (wie altfries., s. kerbe 1): ein pfeil der wunden kerbt. Lohenstein blumen 106; und ihre rücken kerbt das schwert mit feiger wunden schmach. Voss 4, 37 (1825 3, 92). 2@dd) von runzeln, falten (s. dazu 4, b): wäsche kerben, s.kerbholz 2, a und kerbe 2, c, zu 'runzeln' s. sp. 558 oben; und sich der stirnen haut in ernste runzeln kerbet. A. Gryphius 1, 383 (Papin. 1659); wenn runzeln meine wangen kerben. Pfeffel 3, 12. 2@ee) am meisten gebraucht ist noch das part. gekerbt, mit kerben versehen (Steinbach, Frisch), wie immer von verbis die in abgang kommen, das part. praet. am längsten frisch bleibt: gekerbt wie'n apfelkuchen. Voss Shakesp. 3, 424, vgl. kerbeleisen; kämpften nun (die wogen) beid' um den sieg mit gemessenen kräften, bis plötzlich nachtschwarz, bäumend den kamm, den gekerbten, die dritte daherfuhr. Kosegarten Jucunde (1808) 139. so von der zerrissenen, mit langen kerben durchzogenen rinde alter bäume: gekerbte buchen. Platen 323; die phalänen die am stamm der gekerbten eiche kleben. Salis 47. von blättern mit gezahntem rande (s. schon Tabernaem. u. kerbe): gekerbt, wie blätter, serrato margine Frisch. Göthe 1, 327. 3, 93, ausgekerbet Stieler 953. 2@ff) in der heraldik gekerbt, frz. danché (dentatus), den schild kerben, mit zacken und spitzen sägeförmig machen: bald ward ein wappenrecht mit regeln ausersonnen, das, weil es im gehirn der schwärmer angesponnen, sich eigne wörter macht und unvernehmlich spricht, das bald die schilde krönt, bald in vier theile bricht, bald pfählt und gegenpfählt, bald kerbet und verbindet. Canitz 141 (1734 s. 283), nach Boileau de pal, de contrepal, de lambel et de face. 33) vom einschneiden auf das kerbholz, den kerbstock: kerben, dicare. voc. theut. 1482 q 3a, vgl. Diefenbach s. v. dicare: die (drei gewählten nachbarn) sullen uf ire eide die bede (abgabe) setzen und kerben, sollen dem schultheisz daʒ kerbholz geben, der sal umgehen und die bede ufheben. weisth. 1, 511, 15. jh. (vom untern Main); borgen und schneiden und kerben, des möcht ein reicher wirt verderben. H. Sachs 5, 366d, d. i. schulden anschneiden (anschreiben); wann dan ewer kunden von euch schlahen (euch untreu werden) und anders wohin laufen und kaufen und lang kerben, sprechen sie 'umb dén pfenning (preis) hetestu es auch umb (bei) den kaufmann kauft'. J. Pauli sch. u. e. 71 (1546 73), das scheint aber vom borger gesagt, anschreiben lassen, geborgt bekommen, aufs kerbholz nehmen. besonders ankerben: der wirt kan brafe ankerben, caupo iste creta apprime utitur, ich will dir das schon ankerben (drohend, das ist dir nicht vergessen!) Stieler 953; s. auch abkerben unter kerbholz 1, e. [] 44) das wort verdient aber weitere betrachtung. 4@aa) die seltenheit des hd. wortes in älterer zeit (vom Rheingebiet abgesehen) und seine beschränkung auf das anschneiden am kerbholz, dazu der mangel jeder spur starker form lassen doch daran denken, dasz das hd. wort vom nd. her eingeführt sein könnte, etwa eben durch das kerbholz? dieses hat überdiesz in der Schweiz einen andern namen, beile (1, 1378, s. bes. Stalder), ebenso die kerbe, hick m., auch hicken kerben Stald. 2, 42; s. unter kerbholz 1, g noch andere namen. Maaler hat zwar mit Frisius kerbholz und kerb (neben beile), aber kein kerben, ebenso Schönsleder, Denzler; bei Dasyp., wie im voc. inc. teut. steht blosz kerbholz, im voc. th. 1482 kerben nur vom kerbholz. und mit dem kerbholz scheint auch kerben wieder auszusterben, die neuern dialektwbb. wissen im allgemeinen nichts mehr davon. wie anders im nd. (und wol dem angränzenden westmd.) gebiete. 4@bb) merkwürdig ist freilich das böhm. karbuju, das doch entlehnt klingt und den begriff ziemlich entwickelt zeigt, es heiszt auch schneiden, hauen, runzeln, falten (s. 2, d); doch hat es wieder auch andre bedd., die im hd. keinen anhalt finden. auch litt. besteht karboti mit dem messer einkerben (kárbas kerbstock), und wieder auch karbótas runzelig. sloven. heiszt aber gerba runzel, falte (gerbati runzeln), serb. grba, schon altsl. in gr''bat'' rugosus, contractus, curvatus, s. mehr Miklosich 145a; also fand wol in dem böhm. litt. wort nur anlehnung eines heimischen ans deutsche statt. 4@cc) an und für sich aber darf man dem deutschen worte allerhöchstes alter zutrauen, und gerade dem kerben auf das kerbholz. denn wie dessen gebrauch nur ein rest ist von der ältesten art des schreibens und verzeichnens bei uns (s. weiter kerbholz), so knüpft sich kerben in sinn und körper an eine ferne urverwandtschaft an, die in überwältigender fülle zusammengestellt ist von Diefenbach goth. wb. 2, 419 ff. 4@dd) denselben consonantischen lautbestand im ganzen zeigen nämlich, um nur die nächsten anzuführen, gr. γράφω, und mit s vorn lat. scribo, und beide bedeuten eig. ritzen oder schneiden, in holz oder stein; dann mit l für r, gr. γλύφω, γλάφω, lat. sculpo, scalpo. in welcher weise diese wörter sich aus einer urwurzel oder aus schwesterwurzeln entwickelt haben, ist freilich noch gegenstand der forschung; auch tritt zu γράφειν näher unser graben, zu γλύφειν näher unser klieben. dasz aber auch kerben in den kreis aufzunehmen ist, ist nach folg. sicher. 4@ee) wie sich im anlaut scribo zu γράφω verhält, sculpo zu γλύφω, so hat kerben seine schwesterform mit sk- neben sich (vgl. sp. 406): neben ags. ceorfan steht sceorfan mit nahverwandter bed., radere, minutatim scindere, und mit demselben ablaut (scearf, scorfen); neben nd. karven, nl. kerven stehn scharven, scherven schnitzeln, zerschneiden, klein hacken, neben hd. kerben ebenso scharben klein schneiden, sogar auch einschneiden, eine kerbe machen, schärbe kerbe (Schm. 3, 398). und daran schlieszen sich auch schürfen, schorf, scharf, scherbe, mit anders gestelltem r aber schrapen, schroff u. a., ags. screpan scalpere, radere, ahd. screfôn incidere. s. weiter klauben. 4@ff) es bieten sich aber in dem wirrwarr der verwandtschaft noch weitere möglichkeiten dar, die zu erwähnen verstattet sei. gibt man wurzelhaften auslautwandel zu (sp. 6), so könnte verwandt sein nl. 'kerten, kerven, crenare, incidere' Kil., dazu kerte gleich kerf (kerbe), kertelen incidere, crenas scindere, was dann wieder in eine weit auslaufende fremde verwandtschaft einschlägt (vgl.kurz). ist aber die wurzel eine von denen, die urspr. einfacher auslauteten (vgl. sp. 6), so kommt unser scheren (urspr. schneiden) in frage, und dann begriffen sich die sonst überaus merkwürdigen nd. formen kâr, karre kerbe, karren kerben (sp. 557), altfries. kera kerben, koren gekerbt Richth. 866a. s. auch kerlich. s. auch ankerben, aufkerben, auskerben, bekerben, einkerben, verkerben, zerkerben.
9172 Zeichen · 227 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    kërbenswv.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +3 Parallelbelege

    kërben swv. BMZ kerben machen. daʒ ros begund die keten kerben und beiʒ sie zû stuck Malag. 112 b ; aufs kerbholz einsch…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Kêrben

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Kêrben , verb. reg. act. überhaupt schneiden, in welcher Bedeutung es veraltet ist, indem in Einem Falle dafür in den ge…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    kerben

    Goethe-Wörterbuch

    kerben Part Prät: eine Kerbung aufweisend, bezogen auf Blätter [ Abfolge der Blätterbildung ] mannigfaltig erzeugt sich,…

  4. modern
    Dialekt
    kërben

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    PfWB RhWB kërbe n [kharwə Mittl. ] eine Tanne durch Einschnitt in den Stamm verdorren machen. — Idiotikon Schweiz. 3, 45…

  5. Spezial
    kerben

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    ker|ben vb.tr. increné (incrënn, increnü), taié ite.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit kerben

29 Bildungen · 7 Erstglied · 18 Zweitglied · 4 Ableitungen

Zerlegung von kerben 2 Komponenten

ker+ben

kerben setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

kerben‑ als Erstglied (7 von 7)

Kerbenholz

SHW

Kerben-holz Band 3, Spalte 1257-1258

Kerbenloch

SHW

Kerben-loch Band 3, Spalte 1257-1258

kerbenfügung

DWB

kerben·fuegung

kerbenfügung , f. bei tischlern, fügung zweier breter, deren eins in die kerbe am rande des anderen gefugt wird. Campe.

Kerbenmaul

Campe

kerben·maul

Das Kerbenmaul , des — es, Mz. die — mäuler , eine Art Seehase, deren Lippe in einem ausgespannten, gefalteten und am Rande gekerbten Häutch…

Kerbenmuschel

Campe

kerben·muschel

Die Kerbenmuschel , Mz. die — n , eine Art Mießmuscheln, deren Schalen am Rande eingekerbt und am Bauche eckig sind (Mytilus exustus L .).

kerben als Zweitglied (18 von 18)

Überkérben

Campe

Überkérben , v. trs . ich überkerbe, überkerbt, zu überkerben , mit einer Kerbe oder mit Kerben oben über versehen. D. Überkerben. D. — ung …

abkerben

DRW

abkerben mhd. abekerben, ags. of(a)ceorfan, engl. to carve of, fries. ofker(v)a, westfläm. ofkerven, nl., nrhein. afkerven, nd. afkarven, sc…

ankerben

DWB

anker·ben

ankerben , taleae insculpere, anschneiden, wie man vor alters zahlen auf holz einschnitt: äcker ankerben und anschreiben. Oberlin 47 .

aufkerben

DWB

auf·kerben

aufkerben , incidere, einschneiden, nnl. opkerven: ja schaut itzt, dasz er nicht nur blut von wunden schwitzet, die eure sünde schlägt und e…

auskerben

DWB

ausker·ben

auskerben , incisuras facere, nnl. uitkerven: die sichtbaren balkenköpfe waren, wie es der zimmermann nicht lassen kann, ein wenig ausgekerb…

Bäkkerbē²n

WWB

bak·kerben

Bäkker-bē²n. Bäkkerbäine (Pl.) X-Beine ( die krfr. Städte Dortmund, Castrop-Rauxel u. Lünen Dor die krfr. Städte Dortmund, Castrop-Rauxel u.…

einkerben

DWB

ein·kerben

einkerben , striare, nnl. inkerven: ein trinkgeschirr, das noch nicht abgenützt, auf dessen deckel sei 'Philemon' eingekerbet. Hagedorn 2, 1…

gekerben

KöblerMhd

gek·erben

gekerben , sw. V. nhd. kerben, schneiden Vw.: s. ūz- W.: nhd. DW-

Slakkerbē²n

WWB

slak·kerben

Slakker-bē²n n. sich nicht regelmäßig bewegendes Bein (Lippe WWB-Source:219:Oesterh Oesterh ).

überkerben

DWB

ueber·kerben

überkerben , v. , untrennbare verbindung: etwas mit kerbschnitten überdecken Campe 5, 25 a .

verkerben

DWB

verk·erben

verkerben , verb. 1 1) mittels einkerbung verzeichnen, auf das kerbholz setzen. das zeitwort, welches an den alten gebrauch des ankerbens ( …

vorkerben

DWB

vor·kerben

vorkerben , verb. , vorbereitend kerben oder aber durch einkerben vormerken Campe.

zerkerben

DWB

zer·kerben

zerkerben , verb. , durch tiefe einschnitte zertheilen, 1) von blättern: bletter ... zuspalten und zu ringes umb zurkerbet T. Schellenberg e…

ūzgekerben

KöblerMhd

ūzgekerben , sw. V. nhd. auskerben, ausschneiden Q.: Hiob (1338) (FB ūzgekerben) E.: s. ūz, gekerben W.: nhd. DW- L.: FB 400a (ūzgekerben)

ūzkerben

KöblerMhd

ūzkerben , sw. V. nhd. auskerben Hw.: vgl. mnl. ūtekerven, mhd. ūtkerven Q.: LexerHW (1453) E.: s. ūz, kerben W.: nhd. auskerben, sw. V., au…

Ableitungen von kerben (4 von 4)

bekerben

DWB

bekerben , striare, kerben einschneiden.

gekerben

KöblerMhd

gekerben , sw. V. nhd. kerben, schneiden Vw.: s. ūz- W.: nhd. DW-

verkerben

DWB

verkerben , verb. 1 1) mittels einkerbung verzeichnen, auf das kerbholz setzen. das zeitwort, welches an den alten gebrauch des ankerbens ( …

zerkerben

DWB

zerkerben , verb. , durch tiefe einschnitte zertheilen, 1) von blättern: bletter ... zuspalten und zu ringes umb zurkerbet T. Schellenberg e…