gefreit,
gefreiet,
part. zu freien,
frei machen, auch in adjectivischer und substantivischer verwendung. 11)
als part.: seiner fürbitt halber des fegfeuwers gefreyet. Kirchhof
wend. 259
a,
noch mit dem gen., wie im folgenden öfter und mhd., neben von
und vor,
die auch schon mhd. erscheinen (
s. u. freien).
es ist dabei hauptsächlich an rechtliche befreiung von gewissen pflichten und lasten gedacht, an exemtionen, privilegien, immunitäten und dergl., die eben gut deutsch freiheiten
hieszen: dise kreft sind gleich als
gefreiget oder fremd auslendig volk in einer stat, das dem regiment daselbs nit bedarf underworfen sein. Keisersb.
seelenp. 67
b; als weren sie alles dings durch das evangelium also gefreiet, das nichts mehr thun, geben und leiden solten (
für das gemeine beste). Luther 5, 315
a; vom schosz gefreiet sein. 1
Macc. 10, 33; deshalb seien sy billich von allem überlast gefreyet. Frank
weltb. 193
b; so sol ein ieder auf die wacht ziehen und des niemand gefreyet sein. Fronsp.
kriegsb. 1, 23
b (
vgl. u. 3); im rechten gefreyet.
cammergerichtsordn. von 1521 xix, 3. 22)
adjectivisch, z. b. ein gefreiter jahrmarkt,
mit privilegium begabt Schm. 1, 607 (
ebenso eigentlich befreit,
s. das., vgl. spalte 1623
fg.). gefreiter ort,
asylum Stieler 560,
gesichert gegen gewalt (
vgl. sp. 1396): Belial ward ergrimmet, dasz, wo es auf diesem saal nicht ein gefreyeter ort gewest, er den Moysen himmelblaw geschlagen hett. Ayrer
proc. 3, 6;
vgl. freistatt, freiort, freiheit 4, freiung
für ἄσυλον. gefreyet reychstett,
immunes et liberae civitates Maaler 162
b. gefreiter knecht,
freigelassener sclave: die gefreihten knecht oder liberti seind auch nit vil höher dann auch die eigenen knecht gehalten.
Micylls Tac. 445
b (
vgl. unter 3).
der gerichtsknecht
heiszt so, weil er unantastbar war, wie der ihm entsprechende frohnbote (
Ssp. III, 56, 2.
Schwab. 106, 2), scherge
Helmbr. 1642, gebüttel (
s. dort, vgl. freimann Schm. 1, 608
fg.): dasz du hast den markfried gebrochen, mir mein gefreyten diener erstochen, des hast du leib und gut verlorn. Ayrer 268
d (1340, 21).
in dichterischem bilde derselbe begriff: bannt disz geschweisz (
die satyre) hinweg aus heilig-reinen wäldern, sie wüten wider recht auf den gefreyten feldern. A. Gryphius 1, 616;
[] ein gefreytes herze machet, dasz man flüchtig dich (
Amor) verlachet. Fleming 180. 33)
subst. 3@aa) ein gefreiter,
freigelassener, vgl. libertus gefryet Dief. 326
c: denn wer ein knecht (
als sclave) berufen ist in dem herrn, der ist ein gefreiter des herrn.
1 Cor. 7, 22,
var. ein freier,
griech. ἀπελεύθερος (
goth. fralêts),
vergl. gefreiter knecht
unter 2. 3@bb)
zu gefreit,
von gewissen lasten frei, ein gefreiter im krieg,
decurionis vicarius, immunis ab excubiis (
s. Fronsp.
unter 1),
excubiorum ductor Frisch 1, 293
c (
vgl. Weber 330
b),
bei Adelung
unter freyen »
ein gemeiner soldat auf den wachen, der vom schildwachstehen befreyet ist, aber die andern schildwachen aufführet, patrouilliret u. s. w.«,
bei Ludwig 710
einfach '
ein unterofficier, an exempt'.
schon im 17.
jh., exemtus a statione, ein gefreyter korporal
homo asylus Stieler 560,
bei M. Krämer 514
a gleich doppelsöldner: und erlangte auf sein begehren einen gefreitenplatz unter des herzogs leibregiment. Harsdörfer
lust- u. lehrr. gesch. 2, 89; den hauptmann, der allzeit einer unsers mittels ist (
d. h. ein ratsherr), auch einen lieutenant, fähnrich, feldwebel, führer, corporal und gefreyten (
pl.) aus der bürgerschaft gesetzet und verordnet, dergestalt und also, dasz unter den unter-officirern jeder corporal etliche gefreyten, derer jedweder eine rotte von zwölf mannen unter sich haben und commendiren soll.
Leipz. stadtordn. 1701
s. 539,
vom jahre 1660; in solchen aufläuften soll ein jeder gefreyter durch sein hausgesinde seinen nechst-benachbarten gefreyten zu beiden seiten alsbalde vermelden
u. s. w. 541,
von der bürgerwehr; läszt sich ein gefreyter mit sieben mann in einem dorfe von weitem spüren .. Schiller
Wallenst. 1800 1, 52.
Im 18.
jahrh. auch in erstarrter endung, der gefreiter, die gefreiters,
z. b. preusz.: der gefreyter am thore führet seine schild-wacht auf und wieder ab ... und der gefreyter musz informiret seyn, dasz er keine soldaten ohne passeport aus dem thore lasse.
regl. vor die k. preusz. infant. 1750
s. 331; die gefreyters müssen das gewehr an der rechten seite tragen. 330; endlich kam auch der gefreiter, der ihn vor zwölf monaten auf den posten geführt hatte. Hebel 1832 3, 308 (1853 3, 18 gefreite). 3@cc) das gefreite,
klostergebiet, als von der gewalt des weltlichen richters exempt: so wir (
klosterleute) dem richter alle jar 2 eimer pir und ain lezelten .. jarlichen müeszen geben .. man gebs im darumb, das unser gesind in dem gefreit wer (
als entschädigung für entgehende gebühren).
weisth. 6, 179,
aus München 16.
jh., also auch schon erstarrt wie gefreiter
vorhin (
eigentlich in dem gefreiten).
im 17.
jahrh. auch von einem kartenspiel: andere thäten 1 und 14 spielen .. die letzte aber das gefreyte. Abele
unordn. 4, 268.