schwibbogen,
m. gewölbter steinbogen, gewölbe, ahd. swibogo,
fornix, arcus Graff 3, 40,
mhd. swiboge,
mhd. wb. 1, 179
a. Lexer
mhd. handwb. 2, 1370.
die herkunft des wortes ist unklar, zusammenhang mit schweben
wegen des vocals der ersten silbe unwahrscheinlich, vgl. Andresen
volksetym.4 223;
anlehnung an schweben
liegt deutlich vor in der form swebeboge,
an schwingen
in swingboge,
an schweif, schweife (
gewölbter bogen, s. sp. 2415. 2416)
in schweifbogen. Lexer
a. a. o. belegt eine reihe von entstellten formen aus älterer sprache (swiwoge, swie-, swe-, swebe-, swic-, swige-, swin-, swine-, swing-, zwi-, schwit-, schmidboge).
vgl. oben schweifbogen
sp. 2415; schwielbogen Schm. 2, 615; schwipboge, oder krumm gebewboge,
arcus, fornix, camera Dasypodius, schwibogen, der,
fornicatio Maaler 367
d, schwybogen 368
b; schwibboge, krumb gewelb Hulsius
dict. (1616) 294
a;
testudo, schwiebbogen eines gewölbes. Corvinus
fons lat. (1660) 675
a; schwibboge,
fornix, testudo Schottel 1413; schwibbogen,
fornix Stieler 138; schwipbogen 1964; schweif-, schweib-, schwieb-, schwibbogen Kramer
deutsch-ital. dict. (1702) 2, 707
a; schwiebogen Steinbach 2, 545; schwibbogen Frisch 2, 250
a; Adelung
will lieber schwiebbogen
als schwibbogen
schreiben; nd. swi-, swib-, swick-, swichboge Schiller - Lübben
mnd. wb. 4, 495
b, swibbagen Mi 90
b. 11) schwibbogen
bezeichnet gemauerten bogen, gewölbe, den durch bogen oder gewölbe überdeckten raum, hier und da auch strebepfeiler, die durch frei schwebende bogen mit dem zu stützenden gebäude verbunden sind (
bemerkenswert ist, dasz mit swibogo
spinx glossiert wird bei Graff
a. a. o., spinula im mhd. wb. 1, 179
b;
das weist auf eine allgemeinere bedeutung des wortes; vgl. auch Schm. 2, 615):
fornix schwinpogen Aventinus
werke 1, 391, 36; etlich sagen, es hab alda ain mermelstainene pruck über die Thonau gehabt, und so das wasser etwan ganz clain sei, sech man noch die gruntvest der schwipogen.
bair. chron. 1, 701, 10; zwainzig grosz mächtig pfeiler unden, darauf auch neunzehen schwindpogen (
an einer brücke). 848, 29; ist sein wonung mit seinem weib nachts zuo Athene unter den offentlichen gewälben und schwebbogen geweszt. Frölich
Stobaeus 362; ein krämer so under den schwibögen und öffenlichen gewölben feil hat. Maaler 367
d; umb disz gieng ein umbgang auff caszidonischen und rot marmolsteinin seulen und schwibbö
gen. Fischart
Garg. 280
b; ein schöne brucken von gemeur und steinwerck uber den Roddan mit zweyen schwybogen gantz statlich gebauwen. Stumpf
Schweizerchron. (1606) 658
b; Semiramis die königinn zu Babel hat zu Babylon auff grosze pfeiler und schwibbogen grosze gärte in die höhe bauen lassen. Wiedemann
gefangensch. octob. 42 (1690); (
platz) der umb und umb mit schönen schwib-bögen, und darauf gebauten galerien umbschlossen ist.
Plesse 3, 119; 7 hohe säulen mit schwipbö
gen. 134; 2 haupt - thore ..., deren jedes 5 schwibbögen hat, einen immer niedriger als den andern. 135; pfeiler, worauf die schwibbögen der kirche ruhen.
wunderh. 1, 254
anm. Boxberger; zwischen alten schwiebbögen, thürmchen, kragsteinen, fragmenten von steinfiguren. Immermann
Münchh. 1, 222 (1841); einen schwibbogen über die gasse zu bauen, und in schlafschuhen von einem haus in das andere zu wandeln. Freytag
handschr. 2, 270. 22) schwibbogen
in der stadtmauer über was serläufen: item auf iedem swipogen oben und unter der stat warn 4 man bestelt.
d. städtechron. 2, 280, 6 (
Nürnberg); turner und hüeter bei den toren und swipogen. 325, 2; der swigpogen ..., darunter die Pegnitz hin ausz fleust. 11, 556, 4; zu yedem der stat tor, türlein und auch swynbogen. Tucher
baumeisterb. 333, 4; im graben vor dem schmidpogen.
d. städtechr. 5, 144, 10 (
Augsburg). 33)
gewölbter durchgang: schwibbogen .. es ist dieses wort nur von einem gewölbten bogen gebräuchlich, da man unten durch zu gehen pflegt. Frisch 2, 250
a. 44)
in besonderer anwendung bei Jacobsson: man pflegt auch im hochdeutschen die gewölbte grabstätte, wo man verstorbene beysetzet, schwibbogen zu nennen. 4, 107
a;
vielleicht sind die in kirchhofsmauern hier und da angebrachten vertieften bogen gemeint (
so bei Campe). 55) schwibbögen,
bezeichnung der schläfebeine. Hyrtl
kunstworte der anatomie 141. 66)
in poetischem gebrauche: als er ... hinter hügeln und wäldchen den schwibbogen des himmels, den berg von der lindenstadt sah. J. Paul
Titan 1, 84.