scheitern,
verb. frangi, abire in ruinas (
vgl. zerscheitern).
die bildung gehört erst der nhd. sprachperiode an, und ist in anlehnung an die bedeutung von scheiter
als trümmer (zu scheitern gehen)
entstanden. Luther
in seiner bibelübersetzung braucht zerscheitern
im sinne von zerschmettern schon in übertragener anwendung: und wird jn (
den knecht) zuscheittern.
Luc. 12, 46; das gott anfienge und zuschlüge mich und lies seine hand gehen und zuscheittert mich.
Hiob 6, 9; ich wil deine rosse und reuter zerscheitern.
Jer. 51, 21; zerscheitern
in passivem sinne in eigentlicher anwendung: im strudel nit weit von Grein zerscheittert der flosz an eim stein. H. Sachs 2, 4, 62
b (1570). scheitern gehen: desgleichen seind auch der mehrer und grosze teil fisch in den wassern und teuchen durch eine sonderliche pest ... scheitern gegangen.
quelle des 16.
jh. bei Birlinger 393
b. scheitern,
transitiv, zertrümmern: scheiteren,
secare, dissecare Schottel 1396; er sah einen bawren vor seinem hause holtz scheittern.
von der welt lauf (1592) 45.
in diesem [] sinne noch mundartlich in oberdeutschen gebieten, s. Stalder 2, 313; gescheitert werden,
von einem schiffe: eh als sein schwaches schiff sich auf dem mer verirrt, gescheitert, oder sonst zugrund versäncket wird. Rompler 210;
reflexiv: wie wenn ein schiff sich scheitert an den klippen. A. Gryphius 2, 114. Frisch
schreibt scheidern (scheidern,
n. als ein schiff,
frangi 2, 169
b)
entsprechend seiner schreibung scheid
und scheider (
s. oben unter scheit): als wenn sie von einem unglücklichen sturme dahin verschlagen werden, und an ihren felsigten ufern schimpflich scheidern. Lessing 3, 195.
mundartlich begegnet in oberd. gebieten scheitern
im sinne von mit scheitern werfen. Stalder 2, 313. Schöpf 598,
s. oben scheiteln.
das umschriebene präteritum von scheitern
in passivem sinne wird mit sein
gebildet (
so Adelung);
ungewöhnlich mit haben: er hat gescheidtert,
navis illi in mari confracta est. Steinbach 2, 406 (
s. den beleg aus Schiller
unter 2,
b zu anfang); das übel, an dem die kunst seines römischen collegen gescheitert hatte. Grillparzer 15, 91.
im gewöhnlichen nhd. gebrauch wird das wort nur in dem eben angegebenen sinne angewendet: das schiff scheitert,
navis naufragium facit. Stieler 1750; an einem felsen scheidtern,
ad scopulos allidi. Steinbach 2, 406 (
doch an die klippen, die steine
bei Gryphius
oben und unter 1); zum scheitern gebracht werden, scheitern gehen,
part. prät.: gescheiterte hoffnungen (
eigenthümlich: angescheiterte mannschaft Göthe 45, 266
oben theil 1,
sp. 437). 11) scheitern
im eigentlichen sinne von schiffen u. ähnl.: ich machte eine farth nach Ostindien mit, mein schiff scheiterte an klippen. Schiller
räuber 3, 2
schauspiel. freier auf die personen bezogen, die sich auf den schiffen befinden: wir stürtzen auf den grund und schieszen in die höh' und scheitern an die steine. A. Gryphius 1, 280; damit er nicht an den sandbänken scheiterte, welche den sumpf, der Venedig umgiebt, so gefährlich machen. Schiller 4, 162; die schiffe, die (
dem magnetberge) zu nahe kamen, wurden auf einmal alles eisenwerks beraubt, die nägel flogen dem berge zu, und die armen elenden scheiterten zwischen den über einander stürzenden bretern. Göthe 16, 58. 22)
übertragen. 2@aa)
von personen; mit festhaltung der sinnlichen vorstellung: o! läge diese stadt erst hinter mir! so nah dem hafen sollten wir noch scheitern? Schiller
Wallensteins tod 2, 6; deklamazion ist immer die erste klippe, woran unsere mehreste schauspieler scheitern gehen.
werke 2, 347;
auf ein collectivum bezogen: (
wir) sind ein paar trümmer einer schauspielergesellschaft, die vor kurzem hier scheiterte. Göthe 18, 144.
unsinnlicher: mir ist oft, als fühlt' ich mich scheitern an diesem glück. Klinger 4, 96; gewaltsam zog ihn die kette der zufälle, und hier, in dem mittelpuncte seines heiligthums, sollte, muszte er scheitern. 236; das glück, das du mir anbietest, habe ich versucht, und begebe mich nicht zum zweytenmal in die gefahr, daran zu scheitern. 7, 261; hieraus merkte die prinzessin, dasz sie mit ihren schönen entwürfen auf dem wege war, zu scheitern. Musäus
volksm. 1, 115
Hempel. in gewagter anwendung im sinne von sterben: aber bürgt mir dieses dafür, dasz ich nicht an einem herzpolypen scheitern werde? J. Paul
uns. loge 3, 40. 2@bb)
auf unpersönliches bezogen; mit festhaltung der zu grunde liegenden sinnlichen vorstellung: die verborgenen klippen zu zeigen, an denen die stolze vernunft schon gescheitert hat. Schiller 4, 31.
freier: da kann man die philosophie schon scheitern lassen. Lenz 1, 230; meine tugend scheiterte da, wo die deine scheiterte. Klinger 5, 351; alle meine zwecke scheitern. 355; wer den wärmsten eifer für die wahrheit und das gute überhaupt, so oft scheitern, und noch öfter lächerlich hat werden sehen. 11, 328; Wallensteins glück scheiterte vor dieser stadt (
Stralsund). Schiller 8, 131; an dem pflichtgefühl seiner truppen scheiterten alle seine berechnungen. 337; so gingen auch jetzt in seinem busen glück und hoffnung, wollust und freuden, wirkliches und geträumtes auf einmal scheiternd durch einander. Göthe 18, 118; bei dessen gesellschaft er, weil die eigne unternehmung gescheitert, nun unterzukommen hoffe. 19, 59; wenn mein plan durch die äuszern umstände zum scheitern gebracht wird. 43, 5; jeder glockenschlag ist der aus einer todtenglocke gehende todtenmarsch
[] seiner schönern gescheiterten stunden. J. Paul
Hesp. 4, 35; da die grosze welt die keuschheit und tugend für klein hält, welche nur zu oft des morgens im flüchtigen nachtkleide scheitert. Zachariä
tagesz. 28 (1757); wenn phantasie sich sonst, mit kühnem flug, und hoffnungsvoll zum ewigen erweitert, so ist ein kleiner raum ihr nun genug, wenn glück auf glück im zeitenstrudel scheitert. Göthe 12, 41.