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stiegel

mhd. bis sprichw. · 10 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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12 in 10 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

stiegel m. und f.

Bd. 18, Sp. 2823
stiegel, m. und f. , 'vorrichtung zum übersteigen eines zauns', auch 'fuszpfad'. mhd. stigel(e), ahd. stigilla, f., as. stigilla Wadstein 83, 15, mnd. stegele Schiller-Lübben 4, 376b, mnl. stegel(e) Verwijs-Verdam 7, 2031, nd. stegel, z. b. Dähnert 459b, brem.-nieders. 1017, Mensing schlesw.-holst. 4, 824. die zusammengezogene form mnd. stele Schiller-Lübben 6, 271a begegnet westmd. als stiel, vgl. Kehrein Nassau 1, 392. — bildung mit lj-suffix (s. Schatz ahd. gr. § 256) zu 1steigen teil 10, 2, 1874, vgl. auch 1steigel ebda.daneben stehen formen, deren wurzelvokal auf ē2 (s. 1stiege) zurückgeht: ahd. stiagal, stiagil gradus Benediktinerregel, kl. ahd. sprachdenkm. 271, 4 u. ö., mhd. stiegel (: spiegel) Martina 209, 71; mit krum stiegel an einem turn cochlea (Ulm 1487) bei Fischer nachtr. 3211, vgl. steokila per cocleam ahd. gl. 1, 429, 28 (12. jh.), wo eo falsch historisierende schreibung für ie aus ē2 ist oder ein ē der quelle falsch umsetzt. im älteren nhd. begegnet auch stügel, vgl. z. b. Neander dtsche sprichw. 32, österr. weist. 1, 79 (für 1654) sowie stügelhüpfer sp. 2826. im ags. entspricht eine bildung auf -ulō (ohne j) in stigol Bosworth-Toller 920, vgl. Weyhe in: P. - B. beiträge z. gesch. d. dtsch. sprache 30, 126; im norweg. stigel, m., mit dem suffix für nomina agentis und instrumenti -ila-, wie in ahd. stiagil, vgl. Torp 714. genus ist ursprünglich fem., vgl. Otfrid II 4, 9 E., kaiserchron. 6883 Schr., Seb. Franck sprüchw. (1545) 1, 20a, Rosegger schr. (1895) I 1, 223; m. ist früh gesichert für die formen mit ē2: stiagil cuatan Benediktinerregel, kl. ahd. sprachdenkm. 236, 28; doch ist steokila (cocleam) sicher fem. vgl. für m. ferner den beleg von 1501 bei Lexer 2, 1190 s. v. stiegel, Bellin hd. rechtschreib. (1657) 134, L. Steub drei sommer in Tirol (1895) 1, 114. in den mundarten ist das fem. weithin verdrängt, vgl. die obd. und md. wbb.die flexion ist stark, vgl. Otfrid a. a. o., Daniel 7532 H., Megiser ann. Carinthiae (1612) 1317, Steub a. a. o.; schwach daneben im mhd. flektiert, vgl. kaiserchron. 6883 Schr., passional 100, 69 H., bei siner stiglen (v. j. 1498) Mones anzeiger 4, 25. 11) übersteigvorrichtung an zäunen, meist aus einem oder mehreren trittbrettern oder pfosten an beiden seiten bestehend; vgl. der stiegel transitus per sepem Bellin hd. rechtschreib. (1657) 134, s. auch stieglitze. in deutscher frühzeit zugleich die übliche art des (versteckten) nebenzugangs zu gehöften und dörfern, vgl. Heyne d. dtsche wohnungswesen 129; so bildlich: (der teufel) thahta odowila thaz,thaz er ther duriwart was, er ingang therera woroltibisperrit selbo habeti, er thar niheina stigillani firliaz ouh unfirslagana Otfrid II 4, 9 E.; do got ans vrone cruce schreit, do wart zwischen der menscheit und got ein offen stigel Heinrich Hesler apok. 10347 H. von hier aus als glosse für posticum verständlich, vgl. posticium turli, stigilla ahd. gl. 1, 664, 18 St.-S.; postica stigele (obd., 13. oder 14. jh.), stigel (obd., 15. jh.) Diefenbach gl. 449c. als zaunstiegel im alten hd. allgemein verbreitet, vgl. traucus stigilla (11. jh., zur lex Rip. 43 'si quis ... in clausura aliena traugum ad transeundum fecerit', s. du Cange 8, 161a), ahd. gl. 2, 354, 17 St.-S.: uber eine stigelen nidere dâ spranch er (der hirsch) allez ubere kaiserchron. 6862 Schr.; zwên bruoder die gezürnent und underziunent den hof, si lânt iedoch die stigelen unverdürnet Spervogel in: minnes. frühl. 26, 19; alsbald er den ackher zugesät, so sol er die gassen paid verzäunen und sol ein gute stigel machen, dasz ein jeglicher ... mit seinem sack wol darüber steigen mag (Peiting, 1435) weisth. 3, 654. sprichwörtlich über die stiegel hüpfen gelegenheit oder überlegenheit (unerlaubt) nutzen: wo aber die stigel ... nider was, da hupften sie (die kaiserl. räte) frei hinüber ..., erschunden ein grosz gelt von den geistlichen Seb. Franck Germ. chron. (1538) 116b; vgl. schon mhd.: dâ diu stigel nider ist, dâ gât man gern hin âne vrist liedersaal 2, 2, 634a Laszberg; wo die stigel nider ist, da hupfen die hund all über sprichwörter (1548) 180 (vgl. dasselbe bei stiege 3); als rechtssprichwort auf den gelegenheitsdiebstahl bezogen, s. Graf-Dietherr 369. in anderem sinn: rufe nit eher juch, du seyest dann über den steg oder stiegel Lehman floril. polit. (1662) 3, 300, vgl. Schmidt schwäb. wb. 629. später zieht sich der literarische gebrauch merklich auf das obd. zurück: (der frevler ist) bei der stigl, wo man in die abtwisen steiget, ... enthaupt worden H. Megiser ann. Carinthiae (1612) 1317; häufig in den österr. weist., z. b.: welcher aber einen ausgang oder stigl würde halten, ... soll er ... zur straff verfahlen sein (v. j. 1615) 7, 517; so verzert man ... die jugent in rennen, laufen, springen über zaun und stiegel, uber weg und steg, uber berg und thal Äg. Albertinus landleben (1610) 140a; ein anderer hat den schwindel, dasz er glaubt, wann er über einem stiegel steiget, er müsse dem Stephansthurn zu Wien den kopf aufsetzen ollapatrida 221 Wiener ndr.; für das schweizerdeutsche s. die belege bei Staub-Tobler 10, 1538 f., dort auch stiegel für andere steigvorrichtungen: beweglicher, mehrstufiger tritt (mundartl.), feste, mehrstufige treppe, z. b.: (die) giftköche ... pflegen stiegelen, hausztüren, handklopfer, stühle und siz zue beschmieren, damit die leute dahinsterben (v. j. 1674) ebda 1540. — das vorkommen bei einem norddeutschen autor wie J. J. Chr. Bode bleibt vereinzelt: als (sie) ... bey der stiegel ankamen, über welche man steigen muszte, um in das wäldchen zu kommen Thomas Jones (1786) 2, 328; Adelung und Campe verzeichnen stiegel nicht, vgl. aber stiegel échalier Schrader dtsch-franz. (1781) 2, 1310. späteres auftauchen steht unter mundartlichem einflusz: am unteren zaunrande des hausangers, neben der 'stiegel', wo man vermittelst eines durchgezogenen brettes über den zaun steigen konnte Rosegger schr. (1895) III 6, 263; eine erinnerung an steile bergwege, nasse mooswiesen, schlüpfrige stiegel L. Steub drei sommer in Tirol (1895) 1, 10. 22) 'kleiner steig, fuszpfad'. in trames pro semita stigel (obd., 1462) Mone anzeiger 7, 168 kann auch ein deminutivum von stieg oder steig vorliegen; die spätere bezeichnung als masc. (vereinzelt fem.) sichert aber die zugehörigkeit, so mundartl. masc. als 'kleine steige, aufsteigende schmale gasse zwischen häusern' Fischer schwäb. 5, 1766, 'staffelweg' Staub-Tobler 10, 1540; dazu lexikalisch stiegel, m., een voetpad Kramer-Moerbeek dtschholl. wb. (1768) 326c; stiegel sentier Schrader dtschfranz. wb. (1781) 2, 1310: din stigel (semita) kein vogel erkannt hat ... es habend die stolzen kinder nit daruf getretten Hiob (16. jh.) bei Staub-Tobler schweiz. 10, 1541; vielleicht hierher als ansteigender pfad: dasz ein herr zu N. (Neustadt) soll zu N. drei fallthor haben, eins bei der mühlen, und eins bei der stiegeln, als man von Rotenfels heruf gehet, und eins bei der kohlwiesen (Franken, anf. d. 16. jhs.) weisth. 6, 53.
7069 Zeichen · 245 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    stiegel

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +2 Parallelbelege

    stiegel stufe? im reime auf spiegel Mart. 209. c.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    stiegelm. und f.

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +2 Parallelbelege

    stiegel , m. und f. , ' vorrichtung zum übersteigen eines zauns ', auch ' fuszpfad '. mhd. stigel(e), ahd. stigilla, f.,…

  3. modern
    Dialekt
    Stiegel

    Schweizerisches Idiotikon · +4 Parallelbelege

    Stiegel Band 10, Spalte 1536 Stiegel 10,1536

  4. Sprichwörter
    Stiegel

    Wander (Sprichwörter)

    Stiegel 1. Wo die stigel nider ist, da hupfen die hund all vber. – Franck, II, 37 b ; Lehmann, II, 857, 436; Eiselein, 5…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit stiegel

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stiegel‑ als Erstglied (30 von 32)

Stiegelpfad

SHW

Stiegel-pfad Band 5, Spalte 1421-1422

Stiegeltor

SHW

Stiegel-tor Band 5, Spalte 1421-1422

Stiegelwand

SHW

Stiegel-wand Band 5, Spalte 1421-1422

Stiegelweg

SHW

Stiegel-weg Band 5, Spalte 1421-1422

Stiegelacker

PfWB

stiegel·acker

Stiegel-acker m. : FlN, amtl. Stielacker [ RO-Gaugrw Schiersf KL-Morb ], mda. Stielackeʳ [ KU-Rutsw/L ]; a. 1742: auf dem Stiehl Acker [Kurp…

stiegelbreit

PfWB

stiegel·breit

stiegel-breit Adj. : ' so breit wie ein Stiegel, ein Pfad ', stichelbräät [ FR-Mörsch ].

Stiegeler

PfWB

stiege·ler

Stiegeler m. : ' Bewohner des Dorfteiles Stiegel ', Stiejjeleʳ [ NW-Kallstdt ].

Stiegelesinnig

Wander

stiegel·e·sinnig

Stiegelesinnig Es möchte einer stiegelisinnig und gatterläufig werden. – Kirchhofer, 117. D.h. verdriesslich, verdüstert, verwirrt. ( Stalde…

stiegelfitzisch

DWB

stiegelfitzisch , -fritzisch , adj. , ' durchtrieben ': wie wunderlich uns die stiglfritzischen spitzbuben mit dem lustwasser ausgezahlet ha…

stiegelfritz

DWB

stiegel·fritz

stiegelfritz , m. , schelte, ' gauner ': dasz sie ihn einen stigelfritzen, einen schabhalser, einen lausigen edelmann nennete Juc. Jucundiss…

stiegelfritzen

DWB

stiegel·fritzen

-fritzen , vb. , spotten, stichelreden führen. aus stiegel bei 2 stiegeln und fitzen, vgl. stichelfitzen und stickelfitzen; die form -fritze…

stiegelhaus

DWB

stiegel·haus

stiegelhaus , n. , spöttisch für kloster mit wundertätigen reliquien: es wirdt ... grob vergessen, dasz Johannes baptista, ... so gar nichts…

stiegelhüpfer

DWB

stiegel·huepfer

stiegelhüpfer , m. , zu stiegel als schimpf- und scherzname gebildet; mensch, der in abgelegenen gegenden viel über zaunstiegel klettern mus…

Stiegelhupfer

Wander

stiegel·hupfer

Stiegelhupfer 1. Es ist ein Stig'lhupfer. – Schöpf, 711. Ein Spottname, der in dem angrenzenden Obersteiermark den Oberösterreichern gegeben…

stiegelîn

Lexer

stieg·elin

stiegelîn stn. krumm stieglîn an einem turn, coclea Voc. 1482.

Stiᵉgelō¹wer

WWB

stiege·lower

Stiᵉgel-ō¹wer n. Steilufer. — Ra.: Heu steuht jümmer vör’n Steiloiwer hat es immer schwer im Leben ( Det Is).

Stiegelpfad

PfWB

stiegel·pfad

Stiegel-pfad m. : FlN, amtl. Stichelpfad [ FR-Kl'niedh ]; mda. Stielpad [RO-Duchr/O'hs KB-Standbl FR-Mühlh], Stillpädche [ KU-Theisbgstg ]. …

stiegelsteiger

DWB

stiegel·steiger

stiegelsteiger , m. , dasselbe wie stiegelhüpfer: auf diesen fuszsteigen ... ist kaum zu berechnen, welche höhen und tiefen einer dabei stuf…

Stiegelwiese

PfWB

stiegel·wiese

Stiegel-wiese f. : FlN, amtl. Stichelwiesen [ LA-Wey ], In den Stielwiesen [ KB-Morschh Orb ], mda. En de Stielwiss [ KB-Morschh ]. a. 1600:…