gebet,
m. preces, subst. zu bitten. II.
Form und herkunft. I@11)
es ist nicht von beten,
zu dem es das heutige sprachgefühl zieht, sondern von bitten,
wie es denn lange noch auch ein bitten bezeichnete; beten
ist umgekehrt erst gebildet von bet (
s. d., mhd. Loh. 1253),
der einfachen form von gebet,
die noch im 16.
jh. nicht vergessen war, nicht oberd. blosz, wo in bet
das ge-
geschwunden sein könnte (
s. sp. 1606
ff.),
sondern auch mitteldeutsch, z. b. bei Luther: auch soltu wissen, das ich nicht wil diese wort alle im gebet gesprochen haben .. sondern ich wil das herz damit gereizt und unterricht haben, was es für gedanken im vater unser fassen sol, solche gedanken aber kan das herze (wens recht erwarmet und zu
bete lustig ist) wol mit viel andern worten .. aussprechen. 6, 309
b (
andere stellen unter bet
und bei Dietz 1, 285
b).
auch fürbet
n., fürgebet, fürbitte: mögen dieselben erwelten .. auch mit irem fürpete von got erwerben. Berthold
teutsche theol. 84, 2; der heiling fürpet. 84, 5 (
das. das pete); dasselb fürpete 84, 9.
dasz die ge-
form beim subst. allein auf dem platze blieb, während sie bei beten
und bitten
nicht aufkam, das ist auffallend und musz in der bedeutung seinen grund haben, gebet
vielleicht als anhaltendes bitten gemeint. I@22)
schon ahd. ist gapet, gibet
u. a. (Graff 3, 57)
entschieden überwiegend gegen pet,
wie umgekehrt betôn
gegen gibetôn;
ebenso mhd. gebet
und beten,
seltener gebeten,
aber gebiten
häufig genug neben biten.
auszer dem hd. auch ags. gebed
n., altengl. ibed, ibede,
später bede,
auch noch in der bedeutung bitte (Halliw. 157
a),
und alts. gibed
gebet neben bedôn
beten, mnd. gebet, gebedes Sch.
u. L. 2, 20
b, gebed
oratio Dief. 399
a,
mnl. gebede (
s. II, 3,
d);
nnl. gebed,
auch noch in der bedeutung bitte, nnd. bei Dähnert gebett (
s. II, 2,
f),
d. h. noch mit kurzem vocal, s. hd. unter 4. I@33)
die bildung; es ist nebst bitte
nur ein stück aus einer alten reichen entwickelung einfachster subst. verb. in geschlecht und stammbildung: I@3@aa) gebet, bet
von bitten (
stamm bit)
ist wie gebot
von bieten, gebieten,
noch genauer treffend wie mhd. sëʒ, gesëʒ
sitz, wohnsitz n. von sitzen (
stamm siʒ,
jenes noch in seszhaft),
im vocal auch wie mhd. mëʒ
n. masz von mëʒʒen,
d. h. mit der einfachsten stammbildung und keinem andern bildungszeichen als der vocalbrechung, darin zusammentreffend mit dem vocal des part. praet., wie gebet
noch heute in dem part. gebeten
sein seitenstück und seine brücke zu bitten
hat. I@3@bb)
daneben mit ungebrochnem oder dem vocal des praesens und dessen stammbildung bit n. (
gen. bittes?
oder bites?),
mhd. und noch im 16.
jh., für bitte und gebet (
wb. 1, 171
a): iedoch so kunt er zu letzt dem grafen ... das bit nit weiter abschlagen, wilfaret im eben.
Zimm. chron. 1, 341; bericht den doctorem mit hochem pit und verhaiszen
u. s. w. 2, 407,
bitten und versprechungen; vergl. bet und bit
bei H. Sachs V, 217
b (
s. unter bet).
das ist genau wie sitz,
mhd. siz
neben sëʒ,
freilich als m., aber daneben gesiz
n. und umgekehrt sëʒ
auch als m. (
wb. 2
1, 337
a),
und ebenso auch bet,
bät als m., sicher auch schon mhd. (der bet,
oratio Steinbach 1, 93): der doch (
der statthalter) sampt des königes rät durch der burgerschaft groszen bät verschicket ihn in das ellend. H. Sachs 1, 155
c.
auch mnd. beides: oratio, en bet, byt. Dief. 399
a, bet
nov. gl. 273
a,
auch beet
geschrieben, gen. bedes,
s. Sch.
u. L. 1, 295
fg., wonach auch für die hd. form gen. bites
das wahrscheinliche ist. I@3@cc)
auch ein fem. mit derselben doppelten bildung, ahd. bëta
und bita,
mhd. bëte
und gewiss auch bite (
s. bitte),
immer auch mit der bedeutung bitte wie gebet, noch im 16.
jahrh. bete (
s. d.);
vgl. ahd. gëba
und giba
gabe (
s.gabe I,
b).
endlich wie mhd. gâbe
neben gibe, gëbe,
und wie sâʒe
f. neben seʒ
n., mâʒe
f. neben mëʒ
n., so wirklich auch bâte
bitte bei Ebernand 859
u. ö.; ähnlich erscheint dem n. bit
entsprechend ags. gif
n. gabe (
s.gabe I,
c),
sodasz bitten, sitzen, geben, messen
in der ausprägung ihrer alten subst. verb. fast genau hand in hand gehn. auch das fem. bete
hatte übrigens eine ge-
form zur seite, die gebette (
s. d.),
wie das gebet
neben das bet. I@44)
zur nhd. form. I@4@aa)
es findet sich auch gebät,
z. b. bei Alberus (
wie bät
bei H. Sachs
vorhin);
dann zur bezeichnung der länge, die darnach hd. schon um 1500
durchgedrungen war, gebeet
bei Keisersberg,
s. II, 2,
d, auch bei Luther gebeet, gepeet
und gebeth,
s. Dietz 2, 23
b.
auch in diesem gebeth,
oft im 17.
jh. und noch bei Adelung,
sollte th
die länge bezeichnen (
vgl.gebeht Lavater
unter 5)
und es zugleich vom imp. gébet
unterscheiden: ein gebeth thun. Olearius
pers. rosenth. 1, 13; priesterliche gebethe
heiszt ein sinngedicht bei Logau:
gebet, sprechen manche priester, soll
gebeth für euch man sprechen. 2, 8, 14. I@4@bb)
daneben aber auch noch 'gebätt,
das bätten' Maaler 158
d, gebett
bei Luther, Steinhöwel (II, 1,
a), kartengebett
bei Fischart
unter II, 3,
e im reim auf prett,
und oberd. noch im 18.
jh. z. b. bei Conlin (
wie betten) 3, 260
u. o., Denzler 2, 122
b.
also auch hd. noch mit kurzem vocal neben dem langen, gestützt vermutlich durch den anklang von bitten,
das man noch nahe fühlte. in dem gebett
kann übrigens auch gebette stecken, das oberdeutsch erscheint: das sibende gebette sprichet also. Wackern.
pred. 181, 88; nu sond ir merken diu siben gebette (
bitten des vaterunsers). 180, 24,
alem. 14.
jh., und wieder auch ohne ge- das fünfte
bette 181, 68 (
und diu vierde bette
das., s. 3,
c),
wie noch im 16.
jahrh. das bette,
gebet, bei Reuchlin
unter bet,
bei Dasyp. gebette 303
b. 193
a. I@4@cc)
diesem gebette
entsprechend auch gebete einzeln in der ganzen nhd. zeit: gebete voc. 1482 k iij
b, gepete l 7
b; ein rechtschaffen gebete. Luther
bei Dietz 2, 23
b; das heiszet das gebete in die schanz geschlagen 24
a,
und öfter so (
auch nahe bei gebet); das gebete. Logau 1, 1, 8
überschr. (
das gedicht selbst s. V, 2232); da er allein sich glaubte und dies gebete that. Rückert 175.
die form stammt wol nur aus vermischung theils mit bildungen wie gespräch,
ursprünglich gespräche,
theils mit den subst. verb. wie gerede (
s. sp. 1616);
vgl. gebete. I@55)
als neutr. ist ihm eigentlich auch ein pl. gebeter
zuständig, den auch Adelung
noch als mundartlich nordd. anführt: ihr lebt so fromm und woll, dasz ewere gebetter woll gut sein müssen, und glaube dasz euch unser herrgott lieb hat. Elis. Charl. v. Orleans 3, 363
u. ö.; die nützlichen gebeter und sprüche.
Felsenburg 1, 283; tischgebeter.
das.; die sich einbilden, sie müszten ihre gebeter aus allerhand zusammen gestoppelten biblischen sprüchen auf eine wunderliche art zusammen flicken. Liscow 229; ruhig sahn es (
das feindesheer) unsre väter, weil mit ausgestreckter hand der erhörer der gebehter still bei ihrem panner stand. Lavater
Schweizerl. 406 (behten 356
u. ö.). IIII.
Gebrauch und bedeutung. II@11) gebet,
bitte, wenigstens in wichtigen fällen, flehende bitte, besonders an höhere gerichtet. II@1@aa)
nhd.: der heilige bobest Leo .. bat in (
den Attila), das er wider heim fre .. dis erwarp der bobest mit sime gebette.
Straszb. chron. 376, 7. 11; ich hab auch ein kleines gebet an e. gn. zu thun .. bitt, e. gn. wolle mich gnädiglich drinnen dulden. der pfarrherr von Kranach hat ein eheweib genomen .. er hat mich aber gebeten, gegen e. g. für ihn zu bitten
u. s. w. Luther
br. 2, 249; das verwilliget Xantus vom gebett des volks (
exorante populo). Steinhöwel
Äsop Freib. 1569 15
b; legten sie grosz gebet an den öbern gewalt, um gnad dem hirten zu erwerben. 43.
noch bei J. Paul: oben zogen grosze weltkugeln. auf jeder wohnte ein einziger mensch, er streckte bittend die arme nach einem andern aus, der auch auf einer stand und hinüberblickte, aber die kugeln mit den einsiedlern um die sonnensichel und die gebete waren umsonst.
Titan (1800) 3, 421.
auch bett
bitte kann neutr. sein, also im grunde gleich gebet,
s. I, 4,
b (
freilich auch fem.): ich wil euch ein bett anlegen. Schaidenreiszer
Od. 1538 61 (
in der ausg. 1570 190
b gebessert in bitt),
wie gebet legen an einen
vorhin, vergl. angelegentlich bitten, einem mit bitten anliegen. II@1@bb)
die bedeutung fehlt in den neueren wbb., auch mhd. und ahd., aber sicher nur durch zufall, weil sich die geistliche bed. zu entschieden in den vordergrund stellte (
fehlt doch die stelle aus Luther
auch bei Dietz).
ein mhd. zeugnis vielleicht bei Schmeller 1, 216,
der aus der urkundensprache anführt: »
die zeugen dieser bet
oder gebet umb daʒ insigel (
das man von einem andern entliehen)
muszten zu end der urkunde namentlich angeführt werden«,
obwol darin auch das fem. gebette (
s. d.)
enthalten sein kann, mhd. gebete.
aber im 15.
jh. wird wirklich auch petitio, rogatus u. ähnl. angegeben: gebet,
oratio, petitio, deprecatio, oramen, intercessio, obsecratio. voc. inc. t. h 8
b; gebete,
oratio, deprecatio, preces, supplicatio, flagitatio, petitio, rogatus. voc. 1482 k iij
b;
also dringende bitte (
flagitatio),
auch mit intercessio, obsecratio musz eine weltliche fürbitte gemeint sein, jenes wird in den voc. erklärt mit bittunge, erwerbunge der gnaden,
auch bet,
nd. bedde,
hochd. auch in zwei andern voc. gebet Dief. 303
b, Melber n 3
b,
obsecrare aber ist bitten
und beten, umb heilig ding bitten Dief. 389
a,
beschwörend flehen; deprecari dagegen ist zwar gleichfalls seer bitten, furbitten Dief. 175
a,
aber auch bidden godde edder de hilghen
n. gl. 131
a.
auch im 16.
jh. ist in precatio, ein bitt, gebette Dief. 193
b, gebätt, bitt,
precatio, preces, rogatus Maaler 158
d die weltliche bitte gewiss eingeschlossen. ebenso noch nl. gebed
neben bede
bitte. II@1@cc)
wie nahe gebet
dem bitten
noch im 16.
jahrh. im sprachgefühle lag, wird auch daraus deutlich, dasz da bitten, bat
erscheint, wo wir beten
setzen müszten: auch die da bittent gegen der sunnen oder gegen dem mon oder dem gestirn (
die sündigen). Geffken
bilderkatech. 2, 112; die ein (
wehmutter) hört beicht, die ander las, die dritt bat ir vor.
Garg. 103
b (
Sch. 183),
betete der gebärenden vor, vergl. noch aus Pfeffel
unter bitten 5;
schon mhd.: deu sunne und der mâne und die ainlef stern die naigten sich von himel herabe und pâten Josepen
an. spiegel deutscher leute s. 2,
wie vorher pâten sie an,
vgl. unter 2,
a aus Barl. bat
für sprach sîn gebet; und was den frouwen sô trût, daʒ sin stille und überlût minneten und anbâten und in zeime gote hâten. Stricker
Karl 3151; si dûht, si hete Gahmureten wider an ir arm erbeten (
erbetet).
Parz. 113, 14.
und auch umgekehrt beten
als starkes, flehendes bitten,
wenigstens in der verbindung z. b. alles bitten und beten half nichts,
wie man z. b. in Thüringen, Hessen sagt; hatte doch ahd. betôn
den acc. der person bei sich, wie bitten (
Tat. 34, 2,
myth. 27). II@22) gebet
als bitte zu gott, '
oder den heiligen' (1,
b)
oder den göttern. II@2@aa) gebet
als die worte des gebetes, ein gebet
oder gebete sprechen, murmeln
u. a.: er sprach ze gote sîn gebet über des niuwen küneges leben .. dar nâch
bat er über al die schar, daʒ si got behuotte gar
u. s. w. Barl. 370, 36; der keiser sîn gebet sprach, alsô gewâfent sô er was, kniete er dicke ûf daʒ gras, umbe daʒ êwige heil. Stricker
Karl 8490; da die knecht das sahen (
dasz der feind anrückte), knieten sie nider, sprachen ir gebet umb glück und sig nach irer gewonheit.
Wilw. v. Schaumb. 171; so gehe denn, mein kind (
zur messe), und sprich in andacht ein gebet für mich. Schiller 68
a; Barthle, der hastig im stalle auf und ab schritt und gebete murmelte um das und jenes. Felder
sond. 2, 236,
was Luther gemurre der gebetlein (
s. d.)
nennt, mhd. und älter zu vermuten rûnen,
wie das geriune
des priesters am altar todes gehüg. 159, Berthold 500, 1,
des gebetes rûn: dô vlêhete er Neptûne mit maniger bete rûne. Albr. v. Halb. (
Haupt 11, 365,
vgl. v. 55).
ursprünglich auch singen,
eben vom raunenden beten, doch wol auch vom lauten (
wofür besonders gott anrufen
steht): bithiu scal man dago gihuuelîches thiz gibet singan (
das vaterunser).
Weiszenburger catech. bei Müll.
u. Sch.
denkm. 159 (157),
vgl. die anm. mit nachweisungen s. 513
fg. (453),
wo 'silenter cantare'
gleich dem geriune
vorhin; auch ags., s. myth. 29
anm. singende his gebedu (
pl.).
von gedankenlosem, handwerksmäszigem beten gebete plappern, plärren, hersagen
u. ähnl.: du irrest, spricht der geist: die (
nonne) sagt gebete her, die junge (
die wolthätig arbeitet) betet. Ramler
fabellese 3, 34.
auch mit beten
verbunden: Elias .. betet ein gebet, das es nicht regnen solte.
Jac. 5, 17; wie könig Salomo ein fürstlich gebet betet zu
got. Luther 1, 500
b. II@2@bb)
von der ganzen handlung, mit händefalten, kniefall u. dgl: die hände falten, niederfallen zum gebete.
dazu ein gebet thun,
die worte doch auch als hauptsache: gibet tuont,
obsecrationes faciunt. Tat. 56, 5; dô begunde vallen hie der bâbest nider ûf diu knie und tet ze gote sîn gebet. Konrad
Silv. 5055; tet über in dâ sîn gebet. 1784; bat sie, das man ir erleubete abends und morgens heraus zugehen und ir gebet zu thun zum herrn.
Judith 12, 6.
jetzt heiszt das sein gebet verrichten: die ihr gebett in der kirchen verrichten. Conlin 3, 260 (
auch vollziehen
das.),
auch noch mit dem possess. sein,
das, wie die beispiele zeigen, alt überliefert ist, sîn gebet tuon, sprechen (
auch ags. u. a),
auch jetzt noch sein gebet richten an .., 'seine' andacht verrichten (Conlin 3, 300),
von dem knieenden beten hiesz es lange an sînem gebete ligen, an sîn gebet vallen (
vgl. kreuzweis 2): Karl an sîneme gebete lac unz an den morgenlîchen tac.
Rol. 3, 2.
diesz am gebete
noch im 16.
jahrh.: die ire hoffnung auf gott stellet und bleibet am gebet und flehen tag und nacht. 1
Tim. 5, 5.
gewöhnlich in: und er bleib uber nacht in dem gebet zu gott.
Luc. 6, 12; ich war .. im gebete.
ap. gesch. 11, 5; doch gab er sich in sein gebet. Pauli
sch. u. ernst 270 (
s. unter geben 24,
d, α); welch glück, so hoch geehrt zu werden und im gebet vor gott zu stehn! Gellert 2, 72 (
das gebet); o liegt nur im gebete, feig in den staub gebückt! Körner
leyer u. schw. 33.
auch der bestimmte artikel bei im gebete
erinnert an jenes sein gebet,
wie im folgenden: das sie die kranken mit dem gebett, mit salbung, oder mit auflegung der händ .. könten gesund machen. Fischart
bien. 1588 183
a. II@2@cc)
gemeinsames, gemein gebet
publicae preces Henisch 1387, Stieler 178, gemein bett
supplicatio Dasypod. 303
c,
als gottesdienstliche handlung, als theil des '
amtes',
mit thun, halten: in dem das man mess gehalten und das gemein gebet fur sie (
die sterbende) gethan.
Flersheimer chron. 53, 11; und sie hielten ein gemein gebet, das der barmherzige gott wolt seinen zorn gar von inen abwenden. 2
Macc. 8, 29 (
so noch engl. common prayer).
das heiszt aber auch kurzweg gebätt
comprecatio Maaler 158
d,
z. b.: so ermane ich nu, das man fur allen dingen zu erst thue bitte, gebet, furbit und danksagung fur alle menschen, fur die könige und fur alle oberkeit.
1 Tim. 2, 1; gleich nach dem essen werde (
gehe) ich ins gebett aux Carmelites. Elis. Charl. v. Orl. 4, 204;
mhd., wo man das gemeinsame noch in dem ge-
fühlen konnte: ir tôten truogen sî hin ze münster, dâ manʒ ambet tete mit vollem almuosn und gebete. dar nâch truogen si in ze grabe.
Iwein 1410.
im pl.: es war gestern der zweite christtag. wie alle gebetter aus waren .. Elis. Ch. v. Orl. 3, 689.
dazu das gebet halten,
s. vorhin aus den Macc.: nach gehaltenem gebet. Nicolai
in dess. leben von Gökingk
s. 13.
anders: wenn ein fürst jedermans gunst und das gemaine gebet verleurt, so ists mit ihm geschehen. Henisch 1388, 28,
dasz alle für ihn beten. II@2@dd)
andre wendungen und verbindungen. II@2@d@aα) sich ins gebet geben, begeben
u. ä., nichts weiter als zu beten vornehmen: du wilt dich nitt geben in das andechtig gebeet, du wilt nit betrachten, du bist kalt und hört (
hart, wirst nicht weich). Keisersberg
gran. O ij
d; wie ein h. Paulus der einsiedler, so sich alle tag 3000. mal zum gebet begeben. Conlin 5, 453; sich zu ernstlichem gebeet keren. Keisersberg
a. a. o. J 1
b. II@2@d@bβ) inniges, andächtiges, heiszes gebet,
mhd. mit heiʒem, innerem gebete (Lexer 1, 753),
bei Luther innerlich
und euszerlich gebet
Dietz 2, 23
b, falsch und vergeblich gebete
daselbst; lautes, stilles gebet; herzliche gebete. Körner
leyer u. schw. 38; ein stumm gebet. 15; leer gebet Göthe 13, 288,
erfolg- und hoffnungsloses; gebet des geists und herzens
als gegensatz von langem mundgebet Frank
spr. 2, 110
b, verdrüszig maulgebett 110
a. königlich gebet Göthes 2, 89 (ha, ich bin der herr der welt
u. s. w.); und voll gebeht ist herz und mund. Lavater
Schweizerl. 352 II@2@d@gγ)
dem beten für einen, über einen, um etwas entspricht: thu kein flehen noch gebet fur sie, denn ich wil sie nicht hören.
Jer. 11, 14,
vgl. unter a aus Schiller; aber dich, lieber leser gut, bitt ich mit trewherzigem mut ... das du mir darfür nichts erzeigst, dann für mich dein gebett darreichst. Laur. Albertus
teutsch grammatik a. e. (Reichard
hist. der d. sprachk. 45); und hetten sie noch zehenmal ir gut gebett darüber gethan (
über die speise, um sie zu weihen, zu segnen). Fischart
bien. 1588 160
b,
vgl. unter a die mhd. stellen gebet über,
für einen (
mit herabgeflehtem segen, über ihn verbreiteten händen), gebet umbe,
bitte um etwas; nach dem gottesdienste besuchte er den pfarrer .. um ihm bht gott zu sagen (
vor seinem abgang in die fremde) und ihn um sein gebet zu bitten. Felder
Nümmam. 118. einen in sein gebet einschlieszen.
auch mit zuschreiben,
d. h. canzleimäszig gedacht, oder wie im contobuch des kaufmanns: so hab ich noch zwo schwestern in einem frauwenkloster, die schreiben mir zu vil malen ir andechtig gebett zu. Wickram
rollw. 145, 4.
vgl. gebetsschuldig. II@2@d@dδ)
es heiszt gebet zu gott, zu den heiligen (
mhd. ze gote
z. b. unter a. b),
aber auch mit an, wie bitte an einen,
wie anbeten,
z. b.: das christliche volk zum gebet an das höchste numen anmahnen.
Simpl. 1, 265
Kz.; vgl. noch sein gebet an gott richten,
z. b. unter 3,
c. II@2@ee)
sprichwörtlich und in redensarten, bei Henisch 1386
ff. reichlich gesammelt, z. b.: ein gebet soll kurz und gut sein; kurze gebet, tiefe andacht; lange gebet haben wenig andacht; je gröszer noth, je stärker gebet; wo kein noth, da kein gebet; das gebet des elenden dringet durch die wolken; des demüthigen gebet geht durch den himmel (
vergl. dazu unter gänsehimmel
aus K. Schiller); der eltern gebet, wüntsch und weissagen kleben gern; kein recht gebet ist verloren; gebet ist des himmels schlüssel; durchs gebet stürmet man gott seinen himmel; der jungen that, der mitlen rath, der alten gebet vil nutzen hat.
dagegen hundsgebet kompt nit inn himel Frank
spr. 1, 83
a,
mit der erklärung: die nun (
nur) bellen allein mit dem mund ghen himel, werden nit erhört, ja ir gbet wirt in zur sünd;
auch katzengebet (
s. d.) kompt nicht inn himmel Henisch 1387,
ausgelegt als '
ein unverdienter fluch'
; so heiszt das fluchen der fuhrleute der gottlosen fuhrleut gebet
froschm. P 7
b am rande, vgl. fuhrmannsgebet. II@2@ff)
aus der kirchenzucht stammen musz die noch verbreitete redensart einen ins gebet nehmen,
ins gewissen reden, das gewissen schärfen u. ä.: ein vater erzählte Gotthold, dasz er willens wäre, seinen sohn reisen zu lassen und dasz er zuerst in die Niederlanden, hernach auch in England gehen solte, bat deshalber ihn mit ins gebet zu nehmen. Scriver
Gotthold 1067,
als geistlicher, beichtvater; gieng er ins haus zurück und nahm die weiber scharf ins gebet. J. Gotthelf
bilder u. s. 5, 126.
auch gleich einen zur rede setzen, ihn vornehmen um ihn auszuholen, auch im spiel einem zusetzen, s. Bernd
Posen 72.
nd. enen int gebett nemen,
ihm scharf zusetzen, mit worten oder thätlich. Dähnert 145
a.
die ursprüngliche bed. ist wol: einen beten lehren, d. h. nach geleisteter beichte, wo dann der geistliche ihm vorbetete. das Brem. wb. 1, 65
gibt na'n been gaan (
zum beten gehn),
als bauernwort für: in die katechisation gehn, am Rhein heiszt ins gebet gehn
in den confirmandenunterricht Kehrein
Nassau 153. II@33)
weiteres zum begriffe. II@3@aa) gebet
für das von gott erbetene: gott gewärt uns unsers gebets. Henisch 1386, 66;
ebenso bitte,
z. b. er gab inen ire bitte
ps. 106, 15, einem seine bitte gewähren,
und wie in den einzelnen bitten
im vaterunser, dem gebet des herrn (
oratio dominica),
das wort zugleich diese bed. hat, so heiszt das auch gebet: disz ander gebeth thut zwei dingk, ernidert und erhebt uns. Luther
ausleg. des vateruns. 1518 C iij
b.
die gewöhnliche wendung für jenes gewähren
ist das gebet erhören,
was doch eigentlich nichts mehr aussagt als: wirklich hören, ordentlich hören, sodasz die gewährung im fall des hörens als unfehlbar gedacht war. II@3@bb) gebet
an andere gottheiten: der tempel ist euch aufgebaut, ihr hohen Musen all ... ich bet hinan und lobgesang ist lauter mein gebet, und freudeklingend saitenspiel begleitet mein gebet. Göthe 2, 184 (
künstlers morgenlied); ja, wir bekennen euch gern, es bleiben unsre gebete, unser täglicher dienst einer (
göttin) besonders geweiht. 1, 263 (
röm. eleg. 4). II@3@cc)
auch gebet
an die geliebte, die ja auch als engel, heilige, göttin
behandelt wird: der herzog und Knebel haben meine ruhe .. unterbrochen. eh ich fortfahre, wende ich noch dies gebet an sie. Göthe
an frau v. Stein 2, 53; die juden haben schnüre, mit denen sie die arme beim gebet umwickeln. so wickle ich dein holdes band um den arm, wenn ich an dich mein gebet richte. 45,
vergl. s. 65 ich habe gleich (
früh zuerst) am Tasso schreibend dich angebetet (
und ich kanns nicht erwarten, vor dir zu knien
s. 90),
und: wie ich diesen weg her gleichsam einen rosenkranz der .. freundschaft abgebetet habe.
an frau v. Stein 1, 246.
schon mhd. so anebete
n., das wozu man betet, von der geliebten: sô muoʒ si iemer mê nâch gote sîn mîn anebete. Ulr. v. Gutenberg
minn. frühl. 77, 30. II@3@dd)
bemerkenswert von einem zauberspruche, allerdings nicht in heidnischem, sondern christlichem sinne, mnl., es wird sich aber gewiss auch hochd. finden: doe seide Elegast een gebede, daer hi alle die gene mede slapen dede (
machte), die daer waren.
Caerl ende Elegast 918. II@3@ee)
zusammensetzungen z. b. abendgebet, morgengebet, tischgebet, kirchengebet, hausgebet, schulgebet, stundengebet (
vgl. gebetsstunde), dankgebet, buszgebet, sterbegebet, stoszgebet, kindergebet, friedensgebet, kriegsgebet;
mit verkehrter bedeutung katzengebet,
fluch, wie fuhrmannsgebet (
s. unter 2,
e);
ähnlich ist vom spielen in der karte kartengebet,
weil die karte auch des teufels gebetbuch heiszt: die schanz und das kartengebett und die würfel und stain im prett. Fischart
pod. trostb. 738
Sch.