vertrauen,
verb. ,
eine ausgesprochene fair-
bildung ohne mischung mit anderen typen; vgl. Wilmanns
gramm. 2, § 127.
ahd. sih fertrûen
bei Notker ('
confidere'),
vgl. Graff 5, 471.
mhd. vertriuwen, vertrûwen, vertrewen.
mhd wb. 3, 110
f.; Lexer 3, 277.
nhd. vertrauen,
im 16.
jh. auch vertrauwen, vertreuen;
voc. 1482 kk 3
b;
voc. inc. teut. ii 5
b, 6
a; Diefenbach
gloss. 559
a; Alberus 22
b; Frisius (
s. unten); Maaler 435
a b; Stieler 342; Kramer 2, 1116; Dentzler 314
b; 315
a; Steinbach 2, 842; Frisch 2, 382
b; Adelung, Campe.
elsäss. vertraüe
n Martin-Lienhart 2, 736
a;
schweiz. Stalder 1, 300;
schwäb. vertraue
n Fischer 2, 1384;
bair. Schmeller 1, 637, 639.
mnd. vortruwen, vortrouwen Schiller-Lübben 5, 477
f.; nd. vertrouen
brem. wb. 5, 116; 6, 377;
ostfries. fertrôen Doornkaat 1, 470
a;
pomm. vertruwen Dähnert 528
b;
waldeck. f
ertrug
en Bauer-Collitz 32
a.
mnl. vertrouwen Verdam 641
a;
confidere Kilian 608
a;
nl. vertrouwen
in der bedeutung durch das mnd. mhd. beeinfluszt Frank-Wijk 737
b.
schwed. förtro,
dän. fortro
nach dem mnd. vgl. altengl. fortrûwian,
praesumere, praecipitare Bosworth-Toller 325
a. II.
intrans. verstärkend für trauen:
man traut
einem menschen, wenn man ihm nichts böses zutraut —
man vertraut
ihm, wenn man mit sicherheit gutes von ihm erwartet, vgl. Eberhard-Lyon; ich vertraw, glaub, versehe mich Alberus; vertrauwen und gewüsz seyn, hoffen,
confidere Frisius 291
a; vertrawen, gewisz, ungezweiflet halten Calepinus 302
b. I@11)
mit dativ, üblicher der person als der sache. sprichwörtlich: wer schweigt, das man im vertrauet, thuot basz, dann der ein acker bauet Tappius
adagiorum centuriae septem (1545) p 7
a; wer gott vertraut, hat wol gebaut Eyering
proverb. 3, 494; yederman vertrauen ist thorheyt und leichtfertigkeyt, niemand vertrauen ist tyrannisch
weise klugreden (1548) 78
a; wer leicht vertraut, wird leicht betrogen Wander
sprichw. 4, 1616; keiner
vertrau seinem nechsten Franck
beschreibung der Turckey m ii
b; derhalben so soll keiner keinem weybe vertrauen Schumann
nachtbüchlein 62; vertraue keinem freunde, du habest in denn erkant in der not
weish. Sal. 6, 7; Teurdank der gedacht im mit nichten args, dann er im wol vertrauet Maximilian
Teuerdank 103, 23; ey, ich solts vor wol haben bedacht, nicht vertraut dem verwegen weib! Sachs 17, 75, 21
Keller-Götze; vertraue gott und glaube fest Opitz
teutsche poemata 51
neudr.; seitdem der könig seinen sohn verloren, vertraut er wenigen der seinen mehr Göthe 10, 9
Weim. (
Iphigenie 158); zu schiffen in dem wüth'gen see! das heiszt nicht gott vertrauen! das heiszt gott versuchen Schiller 14, 340 (
Tell 1531).
mit sächlichem dativ: credere et fidem habere chirographis, handgeschrifften glauben und vertrauen; er hat meiner frombkeit vertrauwt Frisius 217
b; 341
b; ich hab vertruwt dinem wort in dem du sprichst Keisersberg
bilgerschafft 20
a; und ist solchen alten kugeln nimmermehr zu vertrauen, sondern sie zerspringen bald Speir
kriegsordnung 116; kan man doch wieder den flieszenden strömen vertrauen Morhof
unterricht 1, 788; weswegen that sie das? weil sie den ränken vertraut, den bösen künsten der verschwörung Schiller 12, 404 (
M. Stuart 113); es scheint fast, als habe er dieser ermächtigung nicht vollkommen vertraut Ranke 14, 104; mit denen, die ihrer zeit vertrauen, hoffnungen auf sie setzen Gutzkow
ritter 1, 3. '
sich auf hilfsmittel verlassen': wie eyn furman seynen rossen und wagen vertrauet Luther 11, 275
Weim; die iren kopffen vertrauen, und nicht dem weg der warheit Paracelsus
opera 1, 34 a; inndes aber so setzt der has ein weil
sich nider in das gras vertrauet seinen füsen wol Fischart
ehzuchtbüchlin 163, 13; der mensch (
im gebirge) ist mehr auf sich gestellt, seinen händen, seinen füszen musz er vertrauen lernen Göthe 24, 20
Weim. (
Meister); die neulinge .. lernten ihren waffen im vereinzelten gefecht vertrauen Häusser
deutsche geschichte 1, 621. I@22)
häufiger ist die verbindung mit präpos.; veraltet in: das wir nit seyen in uns vertrauwend wann in gott
erste d. bibel 2, 110, 15 (
cod. Tepl. 2, 41); Sachs 1, 217, 16
Keller; in weliches wir vertruwende und gloubende selig werdend Zwingli
d. schriften 1, 35; darumb vertrüw ich in min sach
N. Manuel
Barbali 217; seintemal wir hoffend vertrauen in seines hailgen names kraft Schede-Melissus
psalmen 120
neudr.; man vertraut in die eigenen kräfte Bettine
Günderode 1, 89.
üblich ist auf einen, etwas vertrauen: es ist gut auff den herrn vertrauen, und nicht sich verlassen auff menschen
ps. 118, 8; feyne gesellen, auff die wol zuo vertrauen ist Luther 11, 270
Weim.; der brave mann denkt an sich selbst zulezt, vertrau auf gott und rette den bedrängten Schiller 14, 278 (
Tell 140); so dasz es den anschein gewann, als ob sie nur auf sich allein vertraute Keller 3, 32.
gegen den brauch mit dativ: wirst du dich ihrer so sehr annehmen, als sie fest auf dir vertrauen Tieck
schriften 5, 18.
acc. der sache: du vertrauest, oder verläszt dich auffs glück Alberus; auff eines zuosag vertrauwen,
fidem sequi Frisius 1203
a; Croesus .. zu viel auff ... seine gewaltige kriegshauffen vertrauwete Kirchhof
mil. disciplin 6; vertraue aber keines wegs auff nachdrucklichen zierschein meiner geringen wort Harsdörffer
gesprechspiele 1, m iv
a; wer auf das zeitliche vertraut, der hat auf lauter sand gebaut Schmolcke 2, 9; was vermag alles ein mann, vertrauend auf seine kraft Laube 4, 171.
vgl. sein vertrauen setzen in, auf etwas (
s. unten IV 1). I@33)
nicht mehr geläufig mit abhängigem satz. in verbindung mit dativ: doch vertrauw ich dem frumen adel, das sie sich wol wissen darunder zuo halten Murner
an den adel 35
neudr.; ich vertraue dem patriotismus des hohen hauses, dasz sie das .. gesetz annehmen werden Moltke 7, 50.
alterthümelnd für das vertrauen haben zu einem: ich vertruw zu gott, dise schul des end-christs werd üch entsitzen Tschudi
helvet. chron. 2, 34; ich vertraue zu deinem edelmuth, Hippias, dasz du .. ihnen hierin eher beförderlich sein als im wege stehen wirst Wieland
werke (1794) 3, 171; so vertraue ich zu euch, dasz ihr mir nun geben wollet, was mir von gottes recht gebührt Grimm
hausmärchen 2, 134.
ohne bezeichnung der person: wer da gleubt und vertrauet, er wölle gnad und reinigkeit am sacrament erlangen Luther 1, 255
Weim.; hoffe und vertraue, ihr werdet mir solche meine bitte nicht abschlagen Schumann
nachtbüchlein 80; man vertraute, nach jener that müsse sich auch dieser gegen die decemvirn erklären Niebuhr
röm. geschichte 2, 137; sie vertraue, dasz er ihr für eine viertelstunde einlasz bewilligen werde Keller 6, 127. I@44)
einige auffällige verbindungen. einem um, über einen oder etwas vertrauen: wo alsdann der clager dem gestrafften .. umb solich .. puszgelt nit porgen oder vertrauen ('
credit geben') will
Nürnberg. polizeiordnungen 49
Baader; nichtz sträflichs (
ist) an im erfunden, so lang untz Hainrichen E. über in vertrauet worden ist ('
mit seiner hut betraut')
d. städtechron. 5, 323
anm. 3; thet Alexander alle nacht für seine schlaffkammer ... einen gewissen thürhüter legen, und vertrauwet sonst niemande uber seinen leib Heyden
Plinius 197.
mit genitiv: seines schwurs vertrauend, band ich das diadem um seine stirne Klinger
werke 2, 369.
wie glauben
trans. behandelt: man dulde alle ding, man vertruwe alle ding, man hoffe alle ding Zwingli
d. schriften 1, 298; ich (
Jesus) bin der menschen seligkeit, das thut (
ihr menschen) mir fest vertrauen Ringwalt
evangelia d 7
a. I@55)
das part. präs. geht in adj., subst., adv. gebrauch über: fretus, vertrauwende und auff etwas verlassende oder bauwende, wol getröst Frisius 588
a; Calepinus 592
a; vertrauend konnte der wanderer sich nähern und fühlte sein vertrauen erwidert Göthe 25, 22
Weim. (
Meister); wäret ihr von jeher vertrauender gegen alle gewesen Stifter 1, 317; er soll kein blind vertrauender thor .. sein Ebner-Eschenbach 1, 159; den gefahrvollen strand, an dem der bedachtlos vertrauende zufällig scheitert Pückler
briefwechsel 1, 143. IIII.
die trans. verwendung ist nur noch beschränkt gebraucht, ähnlich die neben ihr hergehende reflexive. II@11)
obd. '
einem etwas zutrauen'.
mit genitivobject (
vgl. Schmeller): nach dem ich dann meinem geringen verstand nit aller ding da vertrauwen dörffen Fronsperger
kriegsbuch 1, a 3
r; da ich die alt erstlich beschaut, het ich ir der dück nit vertraut Sachs 21, 25, 6
Götze (8, 167, 14).
mit acc. (
vgl. Schmeller, Fischer): da stund der schwartz Dominicus gantz pfudelnasz im grösten flus ... er ruffet dem Francisco laut, das er im das nicht hett vertraut Fischart
S. Dominici leben v. 358; als ob er desz keysers guoter freund sei, und im nichts args vertrau Franck
chron. Germaniae 139;
vgl. Aurbacher
volksbüchlein 94.
mit abhängigem satz: nun het ich das meiner frauen nicht vertrauet, dasz sie het andere mann zuo ir ligen lassen Lindener
rastbüchlein 32; dem Guarda Stagno, dem er soliches nicht vertrauet hete, sein leben ze nämen Arigo
decamerone 297.
noch elsäss. lebendig: s vertraüe
ns i
hm all, '
es halten ihn alle für den schuldigen' Martin-Lienhart.
mit inf. wie sich zutrauen, sich getrauen: do ich sy (
diese meinung) vertruwt hab kommlicher und kürzer ze sagen, hab ich sy hie widrum gehandlet Zwingli
d. schriften 1, 311; er vertraue mir auch weyter nicht zu helffen Krafft
reisen 260 (
bei Fischer); weder die consuln wagten .. zu den waffen zu rufen, noch vertraute das volk seine wohnungen zu verlassen Niebuhr
röm. geschichte 2, 56.
dazu tritt reciproker dativ. noch lebendig bair.-österr. Schmeller; drum han i már aft á kain frag mehr votraut Stelzhamer
dichtungen 1, 36
Rosegger; vertruwt er im nit gnuog sin, von einiger junckfrowen form ze nemmen das, so er zuo vollbringung sins wercks begert Riederer
spiegel a II
a; das er nach sinem rat oder meinung und krefften sich sölichs erfült haben vertruwt Zwingli
von freiheit der speisen 16
neudr.; so ich mir darinnen vertrauen dürfft ('
ein urtheil zumuthen') Schwarzenberg
teutsch Cicero 68; es sol im keiner selbst zuviel vertrauen Fr. Wilhelm
sprichwörterregister l a (375); dasz alsdann die künstler sich weniger vertrauen, mit gesellen und kennern lange conferenzen halten Göthe 25, 13
Weim. (
Meister); sobald du dir vertraust, sobald weiszt du zu leben 14, 96 (
Faust 2062).
in älterer sprache findet sich vereinzelt reflex. verbindung mit genitiv des obj.: der .. alle übele würcket des sich nyemant zuo im vertraut het Arigo
decamerone 265.
vgl. ahd.: diê sih fertrúent iro sélbero chréfte,
qui confidunt in virtute sua Notker
ps. 48, 7. II@22)
vorübergehend wird ein reflex. sich vertrauen mit etwas
gebildet, auch sich
vertraulich machen mit etwas (
s. vertraulich 1);
beide aber schwinden vor dem heute allein üblichen sich vertraut machen mit etwas (
s. unten iii 2). mit dem eifrigsten wunsche, den nur zu besizen, mit dem sich meine seele schon so ganz vertraut Schiller 1, 31 (
rede über freundschaft); wir .. vertrauten uns immer näher mit den gesinnungen und denkweisen (
des orients), bis wir uns endlich damit völlig verbrüdern könnten Göthe 7, 238
Weim. (
noten zum divan); so bittet er inständig euch ..., dasz ihr mit dem gedanken euch vertraut Ludwig 3, 253 (
Scudery 4, 12). Campe
setzt in demselben sinne sich vertraulichen, '
familiarisieren'
an, das überhaupt nicht üblich geworden ist. II@33)
in der bedeutung des heutigen anvertrauen: '
übergeben, anheimstellen'.
schon Kramer
läszt anvertrauen
als häufiger vor vertrauen
hervortreten; Adelung
bezeichnet anvertrauen
als auch üblich, Campe
als bestimmter wie vertrauen. wann ihr ihnen solches heimgestellt und vertrauet hätten, weren ihr schon vorlengist entscheiden Sattler
phraseologey 239;
committere, empfelhen, vertreuwen Schöpper
syn. g i j
a; befohlen, gelobt, einem anderen vertraut,
commendatus Calepinus 276
b; er hat sin person ganz in mich vertrüwt und glouben in mich gesetzt
buch der beispiele 36, 35
Holland; wir müssen das der zeit vertrauen, dasz wir die gärten wider bauen Scheit
frölich heimfahrt b iv
b; hier vertraute man ihren leib dem kühlen sand Pfeffel
poet. versuche 8, 100. '
einen auftrag, ein amt in jemandes hände legen': eim ein sach befelhen, vertrauwen und ubergäben, ein eerenampt geben und vertrauwen,
credere, committere Frisius 201
b, 259
b; nach dem herrlichen euangelio des seligen gottes, welches mir vertrauet ist
1 Timoth. 1, 11; das heilige volck gottes, dasz ihnen unser himlischer siegsz und kriegszfürst als sein eigenthumb auff ihre seelen vertrauet Rinckhart
christlich ritter 7
neudr.; es werden inen auch etwan unterweilen .. besonder befelch vertrauwt Fronsperger
kriegsbuch 1, a 3
r; wollen wir .. dem Horribilicribrifax aber eine corporalschaft tragoner in der vorstadt vertrauen Gryphius
Horribil. 83
neudr.; Lorenzo, ich vertrau' in eure hand die wirthschaft und die führung meines hauses
Shakespeare 4, 98 (
kaufmann v. Venedig 3, 4); dem die durchlaucht des fürsten wiederum die führung ruhmvoll, wie bei Rathenow, der ganzen märk'schen reuterei vertraut Kleist 3, 37 (
Homburg 275); hier wollt' ich nachstammeln der natur, .. soviel gott auffassungskraft meinen nerven vertraut maler Müller 1, 357.
mit infinitivzusatz: eim ein kriegsheer oder zeüg ze füren vertrauwen,
exercitum ducendum dare Frisius 438
a; das ihm .. bemelts keysers tochter zu erziehen vertrauwt ward Stumpf
Schwytzerchron. 402
a; auf eine zeit aber ward ihm botschaft an einen groszen herrn auszurichten vertrauet Grimm
deutsche sagen 1, 129.
mit concretem object: ire in creditum, eim vertrauwen, leyhen und fürsetzen;
creditum, vertrauwt gält, schuld Frisius 342
a; deposito, gelder auff zinse geben, oder zu getreuen händen vertrauen Harsdörffer
secretarius 1, D d d I
b; ich vertraue ihm nicht einen pfennich,
credo Steinbach; Petrus der fürst der aposteln, dem die schlüssel sonder vertraut worden sind Franck
chron. Germaniae 57; er vertrauete mir erstlich seine säu
Simpl. 10
Kögel; der ists, dem wir das reich und gut und halsz vertraun! Gryphius
trauersp. 31 (
Leo 1, 4, 302); vertraut sei euch des reiches innrer boden Göthe 15, 65
Weim. (
Faust 6133); wo war die überlegung, als wir dem rasenden das schwert vertraut ...? Schiller 12, 79 (
Piccolomini 304); in weisze nachtgewande eingehüllt, das dunkle haupt der schönen hand vertrauend Droste-Hülshoff 2, 228; er vertrauet ihr das kostbare unterpfand seines lebens Lessing 10, 12.
reflex. gebrauch: '
seine person, sicherheit, wohlfahrt in jemandes gewalt geben' Adelung;
selten mit präpos. zusatz: der dornbusch sprach .. so kompt und vertrauet euch unter meinen schatten
richter 9, 15; der wolt zuoletst dich haimsuochen, oder sich zuo dir vertrauen Schaidenraisser
Odyssea 38
a; wo ein fürst sich auff ein diener oder dienerin .. vertrauwet
Amadis 19
Keller. gewöhnlich mit dativ: commendare, vertrauen, '
sich dem schutz eines andern auftragen, sich der gerichtsbarkeit eines andern unterwerfen, mit der bedingnis seiner huld' Westenrieder
gloss. 628; sich einem vertrauen,
conferre se in alicuius fidem Reyher
thesaurus u 5 v
b; die weil er ... von jedermann gehasset ward, lert er seine töchter bart schären, dann er dorfft sich nit vertreüwen den schärern Münster
cosmograph. 288; das wir uns dir allain vertrauen, dan kainer, der dir traut, verschmacht Fischart
gesangbüchlein 198; drum der sich ihr (
der welt) vertrauet, hat für ein schönes bild ein stinckend aas erschauet Logau
sinnged. 47 (169); ich wolte mich dem lose vertrauen Weise
comödienprobe 71; würde ich muth genug haben, mich der see zu vertrauen? Lessing 2, 268 (
Sara 1, 7); diese redliche seele glaubt dem Neoptolem, vertraut ihm seine waffen, vertraut sich ihm in seiner krankheit Herder 3, 44; und wenn wir uns ihm, einem guten weisen könige, ganz vertrauten, sagt er uns für seine nachkommen gut? Göthe 8, 268
Weim. (
Egmont); er muszte sich mehr der kraft und sicherheit seiner hände .. vertrauen Ludwig 1, 368; flott will ich leben und müszig gehn, ... mich dem augenblick frisch vertrauen Schiller 12, 24 (
Wallensteins lager 243); vertraust du dich doch sorglos täglich dem wilden meer Heine 1, 99. II@44)
in engerer bedeutung vertraut
man jemand etwas, wenn es ihm in zuversichtlicher erwartung seiner verschwiegenheit entdeckt wird Adelung.
veraltet mit genitivobject: der abt het einen münch, dem er aller seiner geheime vertrauet Arigo
decamerone 220.
sonst: eim sein hertz gantz entdecken, sein heimligkeit vertrauwen und offnen,
credere animum Frisius 95
b, 342
a; Stieler; Kramer; Steinbach; bedenck in deim hohen verstand, wer doch der sey, dem du all dein geheim vertruwest Eberlin v. Günzburg 1, 5
neudr.; (
man soll) seinem weib nichts heymlichs vertrauen Fischart
ehzuchtbüchlin 269, 2; es sind einige ursachen meiner besorgnisz, die ich der feder nicht vertrauen darf Leibniz
d. schriften 2, 124; dasz er mit unbescheidenheit erfaren het die heimligkeit, die dem könig vertrauet was Sachs 17, 232, 1
Keller-Götze; ihr dürft mir doch auch wohl vertrauen, wer mich gern genauer kennen möchte? Lessing 3, 28 (
Nathan 1, 565); dich drückt ein brudermord wie jenen; mir vertraute diesz dein jüngster bruder schon Göthe 10, 47
Weim. (
Iphigenie 1074); darum kann ich euch wohl sagen, was ich nicht jedem vertrauen möchte Hauff 1, 148; ein herr, welcher mir gelegentlich eine solche (
mittheilung) vertraute Bismarck
erinnerungen 1, 254.
sprichwörtlich: alles vertraue, nur keine heimlichkeit Wander 4, 1616.
reflex. sich jemand vertrauen,
sich ihm entdecken, ihm sein anliegen offenbaren Adelung;
in der hoffnung, dasz er theilnehmen, auch wohl rathen und helfen werde Campe; wem sy sich wölt uf tuon, offnen und vertrüwen Wyle
translationen 28; (
da) vertrauete er sich endlich dem Macro A. U. v. Braunschweig
Octavia 2, 269; weiszt du kein mittel, dich mir zu vertrauen, ohne von miszgünstigen ohren belauscht zu werden? Gaudy 13, 109; doch, sultan, eh ich mich dir ganz vertraue, erlaubst du wohl, dir ein geschichtchen zu erzählen? Lessing 3, 90 (
Nathan 3, 390). II@55)
in der mhd. periode ist vertrauen '
verloben, vermählen'
am häufigsten: despondere, desponsare, maritare, nubere Diefenbach
gloss. 176
c, 349
c, 384
a.
der gebrauch ist nach 1700
nur noch vereinzelt nachweisbar. vertrauen
in der Lutherbibel ersetzen Eck
und die Zürcher bibel (1531)
durch vermählen, vermächlen
vgl. Kluge von Luther bis Lessing 4 91. vertrauen
in diesem sinne bedeutet ursprünglich allgemein '
verpflichten, geloben': daʒ wirt von mir vertriuwet in iuwer hant mit stæte Ulrich v. Türheim
Willehalm 153
d; uber die pflicht, ayd und glubde, damit er diser wirdigen statt ratt und gemain .. vertraut und verwandt gewesen ist
d. städtechron. 22, 440, 5 (
Augsburg). II@5@aa)
die verengung der bedeutung verknüpft sich mit trans. rection; eine braut (
sich) vertrauen
bedeutet wohl '
sie in ehren zu halten geloben'
; daher bisweilen ein zusatz: daʒ iuwer tohter ze manne hât vertriuwet mich und ich si ze einem wîbe Konrad v. Würzburg
troj. krieg 28760; das er sie zuo eynem ehelichen gemahel vertrauet, und beschlieff Carbach
Tit. Liv. 184
r.
ohne eine solche angabe: da Reynhardt die junckfrau vertrauet het, fürt er sie gen Montabon
Aymon (1535) i iiii
a; entvoret we eine juncfrowen de he nicht vortruwet heft (
necdum desponsatam)
2 Mos. 22, 15 (
Halberstädter bibel bei Schiller-Lübben).
reciprok: uxorem sibi adjungere, ihm ein weib vertrauen lassen, ein weib nehmen Faber
thesaurus 978
b; ein weib wirst du dir vertrauen, ein andrer wird bey ihr schlafen
5 Mos. 28, 30; selbst vom kriege sprach der menschliche gesetzgeber jeden mann frei, .. der ihm ein weib vertrauet und sie noch nicht heimgeholet hatte Herder 12, 109 (
nach 5 Mos. 20, 7); wer mir die junckfrau hin wil füren, der musz mir hie das leben lon, weyl ich mir sie vertrauet hon Sachs 2, 9, 20
Keller; er dencket, wann er sich zum bette gesellet, desz abends an seine verstorbene frau, desz morgens, wie er ihm eine andre vertrau Logau
sinnged. 128 (557). II@5@bb) '
eine jungfrau zur ehe einem andern anverloben, vergeben': als Maria seine mutter dem Joseph vertrauet war, ehe er sie heim holet
Matth. 1, 18; Maximiliani tochter ward zweyjährig .. Carolo dem knaben .. vertrauet Franck
zeytbuoch 214
a; siehstu schon den liebsten stehen, den dir Amor hat vertraut Fleming
ged. 1. 66. '
antrauen': unser sun, den du mir unwissentlich zu der ee geben und vertreuot hast Eybe
schriften 1, 96; als ich aus Portugal geschifft binn, hatt man mich .. einer schönen züchtigen junckfrauen vertreuet Wickram 2, 251, 5; dasz manche mit gewalt dem manne wird vertraut, für dem ihr eben so, als für der hölle graut Henrici
ged. 1, 316; er hier, den ihr vor mir schaut liegen goldenklar, sollt' als bräut'gam mir vertraut werden am altar Rückert
werke 3, 28. II@5@cc)
statt des heutigen trauen,
besonders von der kirchlichen trauung: copulare, czufugin, vortreuin
Heinrichauer voc. (
schles., 15.
jh., IV F 83) 261
v; der priester, der dise praut vertreut
ältere bair. quelle bei Schmeller; die ... wurden auch im selbigen jare beygelegt und vertrauet
d. städtechr. 27, 112, 6; ich .. bút sin hant in din hant und din hant in sin hant und vertrúw úch zuo samen in gantzer, steter gemehellicher trúw Seuse 483; Jesus Christus als der rechte oberste hohepriester Adam den breutigam und Eva die brauth vertrauet und segenet Luther 17
1, 13, 19
Weim.; glückwunschlied, .. nach dem Belliflora mit ihrem Filamon ehlich vertrauet worden Neumark
lustwald 1, 362; wie lang fällt mir die zeit, seither ich eine braut, ich zehle stund und tag, bisz dasz man mich vertraut mit dem jungen Lavantin Chr. Reuter
Harlequins hochzeitschmaus 52
neudr. in Mecklenburg und Pommern noch üblich Dähnert. II@5@dd)
reflex.: wan ein ander liphaber hat dich vorkomen, und deme habe ich mich vertruwet
d. mystiker 1, 67, 19
Pfeiffer; Aschaffenburger urkunde v. 1504
bei Diefenbach-Wülcker 569; demnach er sich .. der h. kirchen, als seiner ehefrauen, einmahl vertrauet hat Fischart
binenkorb 168
a; (
sie hat) ihne ausz der gefängnusz errettet, und sich ihm mit höchster desz lebens gefahr vertrauwen lassen Moscherosch
Philander 2, 300; ists nicht die hohe fürstenbraut, der du dein treues herz ergeben, und die sich heute dir vertraut? Gottsched
ged. (1751) 1, 71; du salt vertruwen dich darobe mit Agneten der guten
passional 119, 6
Köpke; ein keisers sohn würd sich doch schemen sich mit mir armen jungfrauen, die nit seins standts ist, zu vertrauen Ayrer
dramen 1909, 27
Keller; das du dich mit der königin Sophoniszbe ehelich vertraut und vermehelt habt Carbach
Tit. Liv. 185
v. '
sich trauen lassen': greiff dich jetzt, o freuden-mann diesem paar zu ehren an, das sich heut vertrauet Dach
ged. 508.
brem. sik vertrouen, '
sich verloben'
brem. wb. 6, 377. II@5@ee)
in übertragenem sinne von dem verhältnis zwischen gott oder Christus und der seele oder kirche: die christlich gmain pedeut die praut, die im in der tauff ist vertraut Sachs 18, 192, 19
Götze; meine seel ist ja die braut, die du dir hast selbst erkohrn, die dein vater dir vertraut Silesius
seelenlust 10
neudr.; meine liebe braut wird dem lamm vertraut; übergab ihm ihre sinnen Zinzendorf
ged. 205; geschauet hab ich Rosarosens gruft, wo sie heut' wird gott vertrauet, bis der herr uns alle ruft Brentano 4, 362.
reflex.: ich will mich mit dir verloben in ewigkeit, ich will mich mit dir vertrauen in gerechtigkeit
Hosea 2, 19. IIIIII.
das part. prät. vertraut wird in nhd. zeit als selbständiges adj., adv., subst. gebraucht. Stieler, Steinbach, Adelung, Campe. III@11)
einige veraltete oder landschaftlich (
obd.)
oder berufssprachlich beschränkte verwendungen. '
beherzt, zuversichtlich': dapffer und wol vertrauwt, der kein forcht nit hat,
fortis et fidens Frisius 560
b; Maaler 435
b; darum wir vertruwt uf sy mögend buwen Zwingli
d. schriften 1, 54; do sölliche cristenliche vertruwte wort erhort Sintlas, verwillgott er im Oheim
Reichenauer chron. 8. '
zuverlässig': es sollen auch die gefangenen nicht allein gelassen, sondern inen vertraute personen zugeordnet werden Fronsperger
kriegsbuch 1, v 2
r; nun ritt ich selbs mit einem guten vertrauten knecht Berlichingen 45
neudr. schweiz.: ein vertrauter mann, '
auf dessen worte oder versicherungen man trauen darf'; ein vertrautes ('
sicheres') pferd Stalder 1, 300;
elsäss.: vertroüti lüt
an der hand haben; d post is
t e vertroüti sach Martin-Lienhart 2, 736
b. '
zutraulich'
von thieren: vertraut
nennt man alles wild, besonders rothwild, das vor menschen wenig scheu zeigt. es kommt vertraut,
wenn es langsam heranzieht; es äst vertraut,
wenn es sich von menschen nicht wesentlich stören läszt vgl. Behlen
forstkunde 6, 144; Imme
weidmannsprache 16, 41; Brehm
thierleben 3, 464.
elsäss. schwäb. ein vertrautes pferd, '
zahm, lammfromm' Martin-Lienhart; Fischer.
vgl. vertraulich 2. III@22)
in den übrigen bedeutungen findet sich vertraut
häufig verwandt, meist in berührung mit vertraulich 2 (
s. d.): '
in engen beziehungen stehend, genau bekannt, intim'.
vom verhältnis der menschen untereinander: weil ir dem könig seit vertraut, kombt rein und zu dem könig schaut! Sachs 10, 303, 10
Keller-Götze; sey munter! sey gesprächiger! vertrauter! Lessing 3, 160 (
Nathan 5, 370); sie kennen mich, Sophie, sein sie vertraut mit mir! Göthe 9, 99
Weim. (
mitschuldige 790); solt hinfort keine hirten sein, sondern unter den kindern mein wohnen in einer stadt vertraut Ayrer
dramen 70, 16
Keller; sein weib, die lächelnde Finette, lebt mit dem nachbar recht vertraut Hagedorn
poet. werke 3, 52; ein actrischen, mit der er vertraut ist Göthe 22, 81
Weim. (
Meister); ich will liebreich mit ihnen umgehen, aber nicht vertraut La Roche
Sternheim 1, 100; vertraut gegen jemanden thun Adelung
lehrgebäude 2, 148.
von engen beziehungen zu dingen, '
genau bekannt mit, eingeweiht in etwas'.
ungewöhnlich ist die verbindung mit genitiv: ich kenne die lage der ganzen familie genau, aller gesinnungen und leiden bin ich vertraut Göthe 24, 347
Weim. (
Meister); da sie, als vertraute dieser fremden sprachen .., diesen mangel am ersten empfinden müssen Lenz
schriften 2, 321.
mit dativ selten, üblicher mit: er hatte früh das strenge wort gelesen, dem leiden war er, war dem tod vertraut Göthe 16, 168
Weim. (
epilog zu Schillers glocke); wie man, mit wonn und schertz vertraut, ein neues paradies auf erden sich durch die edle liebe baut Wieland 1, 318
akad. ausg.; ich war mit dem laster zu vertraut geworden Lessing 2, 279 (
Sara 1, 7); dagegen sollen die mitglieder der höchsten behörden mit beiden zweigen vertraut sein, ebensowohl der landwirthschaft wie dem städtewesen Ranke 27, 171 (
schon Campe); dem könige wurde es schwer, .. sich mit dem entschlusse vertraut zu machen Bismarck
erinnerungen 2, 83 (
vgl. sich vertrauen II 2
sp. 1949).
subst.: (
das) wird wohl keinem, mit dem geiste der constructionen aller sprachen irgend vertrauten einfallen W. v. Humboldt 4, 407.
die dinge sind einem '
heimisch, lieb': der alte Daniel nimmt schweren abschied von dir — es war dir alles so vertraut worden Schiller 2, 174 (
räuber 5, 1); abschied von allerlei dingen, die ihm seit frühester kindheit lieb und vertraut waren Raabe
hungerpastor 1, 187. III@33)
in besonderer verwendung: vertraute freunde
heiszen solche, die vertraulich
mit einander umgehen. sie heiszen auch herzensfreunde Gottsched
beobachtungen 222; ein liebster, gantz geheimer oder vertrauter freundt Calepinus 759
b; Kramer; Frisch; Steinbach;
als ersatz für familiär Campe
verdeutschungswb. 311
b; Moyses hat nit aufgeschrieben all götlich haimlikait sonder derselben ettlich allain mündlich den vertrauten juden ze wissen than Berthold v. Chiemsee
theologey 84; über das war er je und allweg mein vertrauter hertzens-freund Grimmelshausen 4, 543, 8
Keller; sie sind ihre freundinn, ihre vertrauteste freundinn vielleicht Lessing 2, 335 (
Sara 4, 8); die worte, welche mir seine vertrautesten diener hinterbrachten Göthe 43, 317
Weim.; einer der bürgerlichen, seinem chef übrigens besonders vertrauten räte Fontane 5, 225.
in verbindung mit sächlichem subst.: er im aus vertrauter meinung all seine heimligkeiten geöffnet Wickram 2, 178, 20; dasz als freunde wir verstrikket mit vertrauter redlichkeit Neumark
lustwald 1, 253; und Rothe, der sich freyer weisheit und der vertrauteren freundschaft weihte Klopstock
oden 1, 21; und im vertrauten kreis zum erstenmal kann sich das herz der mutter freudig öfnen Schiller 14, 62 (
braut 1263); ich höre, dasz er euch seit kurzem oft vertraute zeit geschenkt
Shakespeare 3, 168 (
Hamlet 1, 3); einer der groszen, der zuweilen den vertrauten ton mit dem monarchen annehmen durfte Kleist 4, 195; (
man möchte) sie auf den vertrauten fusz der gleichgebornen freunde behandeln Forster 7, 275.
heute: auf vertrautem fusze leben.
substantivisch. von der umgebung der groszen: paranymphus, ein vertruwter, ein huter der gemehelin Diefenbach
gloss. 412
a; er nam aber wenig verwant und vertraut in sein freüntschafft Franck
chron. Germaniae 16; die person eines rathgebers und vertrauten bey dem könige Dionys zu spielen Wieland
Agathon 2, 196; wer kennt des lord protectors sinn hierin? wer ist vertrautester des edlen herzogs?
Shakespeare 9, 111 (
Richard III. 3, 4). '
mitwisser': dem einen und dem andern sei verzeihung in aussicht gestellt, wenn sie ihre vertrauten .. nennen würden Ranke 4, 14.
gewöhnlich mit genitivobject: der furchtbare vertraute meiner schuld Schiller 15
1, 51 (
Phädra 901); dasz Darnley den vertrauten der verbrecherischen liebe für den gegenstand selbst angesehen Ludwig 5, 404.
ungewöhnlich: euch zu meinen vertrauten in diesem wichtigen geheimnis zu machen A. U. v. Braunschweig
Octavia 1, 12; Zenobia die vertraute in seine liebe ('
die in seine liebe eingeweihte') war 187; da ihn meine mutter über diese sache ebenfals zum vertrauten gemacht hatte Hippel
lebensläufe 1, 172. die langen und häufigen selbstgespräche (
in dramen) zu vermeiden, hat man die vertrauten erfunden, in deren schoosz die helden ihren verdrusz und alle ihre anschläge ausschütten Ramler
einleitung 2, 247.
besonders in liebesangelegenheiten: bin ich nicht oft selbst deine vertraute gewesen, wenn du mir auch schon nichts zu vertrauen hattest, als die gunstbezeigungen Lessing 2, 285 (
Sara 2, 3); ein frauenzimmer, das eine andere leidenschaftlich geliebt sieht, bequemt sich gern zu der rolle einer vertrauten Göthe 24, 324
Weim. (
Meister); eine Eboli zu deiner vertrauten zu erwählen Schiller 5, 405 (
Karlos 4558). '
freund': vertrauter,
intimus, familiaris Stieler; Beri, ein fürst in Canaan, Isaacs vertrauter. Duma, Isaacs hauszhalter, der Rebecca vertrauter Weise
comödienprobe (1696),
Esau und Jacob, personenverzeichnis. aus der gaunersprache stammt wohl der in Innsbruck gebräuchliche ausdruck vertrauter
für den polizeispäher, spitzel vgl. Schöpf 789. III@44)
wie bei dem erwähnten gebrauch versteckt, so liegt bisweilen geradezu der sinn '
heimlich, geheim'
vor, meist in älterer sprache: verschwigen bin ich, glaub du mir, vertraut, verschlagen, dich nit irr
Endinger judenspiel 25
neudr.; und nicht auffrück eim guten freund, was noch vertraute sachen seind Rollenhagen
Froschmeuseler A IIII
b; in dieser fremden sprache sind .. öffentliche und vertraute briefe gewechselt worden Herder 17, 288 (
vgl. Campe).
adverbial: darinne (
in den zechen) vertraut, und in verslossener thür gepucht werde
quelle v. 1515
bei Lori
bair. bergrecht 170. III@55)
die älteste verwendung des isolierten part. vertraut
schlieszt sich an II 5 (
sp. 1951)
an: ein vertrute, gemehelin, ein vertruwete gemahelin,
sponsa Diefenbach
gloss. 548
b;
nupta 385
c; ein vertrauete,
desponsata Zehner 296; eine vertraute, verlobte jungfrau,
promessa, sposata Kramer 1, 746
a; eine vertraute
heiszt eine braut, weil sie von den ältern dem bräutigam anvertrauet wird, und sich ihm vertrauen soll Gottsched
beobachtungen 222;
von Adelung
für die höhere schreibart in anspruch genommen, von Voigtel
wb. 3, 543
a (vertraute, vertrauter, '
verlobte, verlobter')
und Campe
als noch üblich hingestellt, thatsächlich aber schon in der literatur des 18.
jhs. nicht mehr nachweisbar, von absichtlich alterthümelnder anlehnung an die bibelsprache abgesehen. mit zusatz ehelich: (
er) ist mit freulein Katherinen eelich vertrauet
Weimarer urkunde v. 1520
bei Diefenbach-Wülcker 569; sie sagt, sie hab eynen gemahel, ... dem sie ehlich vertrauet sey Sachs 2, 5, 23
Keller. meist in attributiver stellung. '
verlobt': sú (
Maria) waʒ ein verlobete, ein vertruwete juncfrouwe Tauler 11, 9
Vetter; fand sein braut und vertraute gemahel zuo Northausen, hielt hochzeyt Franck
chron. Germaniae 175.
subst.: auch die heiden (
haben) ire hochzeyten für iren altaren gestiftet, und ... ihnen ire vertraute an die hand geben Mathesius
ausgew. werke 2, 20; ein andrer weihe das haus, .. und ein andrer hole seine vertraute heim! Herder 12, 109 (
nach 5 Mos. 20, 7). '
verheirathet': das eine vertrauete braut eine ehefrau heist in der schrifft Luther 30
3, 224
Weim.; vater und muter können inen nicht gröser lieb von iren eltern wünschen, weder die vertrauete ehleut gegen einander erweisen Fischart
ehzuchtbüchlin 211.
subst.: ir elichen vertruweter
thüring. quelle v. 1482
bei Lexer; wenn einer gleubte .., sein vertrauete were gestorben, und darnach keme sie widder und funde eine andere bei ihm Luther 30
3, 230
Weim.; dasz meine vertraute nun zur erden bestättiget ist Harsdörffer
gesprechspiele 5, 411. IVIV.
der subst. infinitiv erscheint seit ausgang der mhd. periode als selbständiges wort im anschlusz an I A.
selten als m.: zu weme sie einen besonderen vertrauen habe
Frankfurter urkunde v. 1505
bei Diefenbach-Wülcker 569; wie die heyden, die ihren vertrauen auff eynen menschen setzen Luther 17
1, 203, 2
Weim.; mnd. vortruwen, vortruwent,
m. n. Lübben-Walther 529
b.
sonst n.: mhd. vertrûwen Lexer 3, 277;
nhd. vertrauen,
fidentia, confidentia Alberus 22
b;
fides Corvinus 872;
fiducia Zehner 72; Kramer 2, 1116
b; Dentzler 315
a; Steinbach 2, 842; Adelung; Campe.
vgl. vertrau
sp. 1945. IV@11) vertrauen, zuversicht, hoffnung, trost Sattler
phraseologey 370; das vertrauen ist ein hoher grad der hoffnung Chr. Wolff
gedanken von gott 257;
die feste erwartung eines guten von jemand, besonders hinsichtlich der sicherheit und wohlfahrt, wo vertrauen
einen höhern grad der erwartung bezeichnet als hoffnung,
aber einen schwächern als zuversicht Adelung. gottes forcht und lieb im rechten glauben und fest vertrauen Luther 1, 254
Weim.; stellt vertrauen, glimpff und raht lieb und lust an ihre stat Dach
ged. 716; denn mir hat er gegeben, was grosze selten gewähren, neigung, musze, vertraun, felder und garten und haus Göthe 1, 315
Weim.; dasz der respect, die neigung, das vertraun, das uns dem Friedland unterwürfig macht, nicht auf den ersten besten sich verpflanzt Schiller 12, 75 (
Piccolomini 242). vertrauen
ist verbal empfunden und hat einen abhängigen satz nach sich: geschehe doch solches nicht mit dem vertrauen sie zu curieren
theatrum amoris 155; in hohem vertruwen das die frummen deütschen uns dest hölder seient Murner
an den adel 38
neudr.; so habe ich persönlich das vertrauen, dasz die staatsregierung die .. vollmachten .. verwenden wird Moltke 7, 38.
älter des vertrauens sein, leben: doch die .. stände augspurgischer confession des vertrauens zu unserem .. gemüth unfehlbar seyen sollten
acta publica 1, 60
Palm; ich lebe des festen vertrauens, dasz meine wünsche bald erfüllet werden sollen Gottsched
beobachtungen 139.
heute noch alterthümelnd. ein subj. genitiv ist in der neueren sprache allein möglich: mangel an vertrauen des monarchen zu seinen ministern Bismarck
erinnerungen 2, 230.
ein objectiver ist veraltet: er ... erbott sich durchs fhür ze gan uff vertruwen gottes, so der warheit bistat Tschudi
helvet. chron. 1, 38; man musz hie .. in demutigem vortrauen gottis, die sach angreiffen Luther
an den adel 6
neudr. sonst wird dieses verhältnis durch auf, gegen, in und meistens zu ausgedrückt: mit ganzem vertrauen auf dich
Judith 13, 6; dasz ein festes vertrauen auf gott der beste panzer sei Abraham a St. Clara 3, 183
Strigl; ein starkes vertrauen gegen gott Birken
ostländ. lorbeerhäyn 220; ihr vertrauen gegen mich ist beschämend Fontane 5, 266; du kannst mir das vertrauen in dich so wenig nehmen Göthe 22, 12
Weim. (
Meister); mein vertrauen zu dir ist unerschütterlich.
vertrauen haben zu einem Kramer, Steinbach, Frisch, Adelung; welche nun verzagt waren und hatten das vertrauen nicht zu gott, dasz er strafen würde 2
Macc. 8, 13; warumb woltestu denn nit ein grosz vertruwen und hoffen zuo im haben Keisersberg
bilgerschafft 30
c; derhalb sol sein vertrauen hon der mensch zu gott, seinem heyland Sachs 17, 222, 27
Keller-Götze; zu ihnen hat er das gröszte vertrauen Schiller 14, 140.
veraltet ist an, auf, in einen vertrauen haben: als ich an dir vertrauen hab Forster
teutsche liedlein 72
neudr.; welch' yr vertrauen han auf dich Schede-Melissus
psalmen 22
neudr.; weder auf den pabst, noch auf den kaiser hatte man einiges vertrauen
M. J. Schmidt
geschichte der Deutschen 4, 228; die von Nurenberg hetten ein grosz vertrauen in ir ratsherren
d. städtechron. 3, 165; warein hast du ein vertrauen: das du tarst widerstreitten?
2 kön. 18, 20 (
erste d. bibel 5, 427; worauf verlessest du dich denn Luther); die nit all ir trost, zuoversicht und vertruwen in got, sunder in ire werck ... haben werdend Zwingli
von freiheit der speisen 8
neudr.; weil sie so wenig vertrauen in mich haben Stephanie
singspiele 210; ich hab' zwar nie kee vertrauen in mei glick nich gehabt Hauptmann
Rose Bernd 50.
vertrauen setzen in, auf einen, veraltet in einem, zu einem: dasz er die kranken .. gsund gemacht hat, so sy ir vertruwen zuo im satztend Zwingli
d. schriften 1, 33; zu welchen beiden stücken si .. all ir vertrauen setzen Moscherosch
Philander 1, 176; dasz sie ein zuversichtliches vertrauen in mir setzen solten Thomasius
erinnerungen 1, 18; wer in sich selbs vertruwen setz, der ist eyn narr und doreht götz Brant
narrenschiff 48, 13; soll eyn itzlichs christlichs mensch .. sein .. vortrauen in die allerbarmhertzigiste vorheischung und tzusagung gottes setzen Luther 2, 59
Weim.; ich hatte mein bestes vertrauen in diesen anschlag gesetzt Schiller 3, 421 (
kabale 3, 1); und doch sind es meist tüchtige beamte, in die der staat groszes vertrauen setzt Seidel
Hühnchen 120.
am geläufigsten: ich setz meinn vertrauen auff kein ding,
nulla re fido Alberus 22
b; die silber und gold samlen, darauf die menschen ir vertrauen setzen
Baruch 3, 17; der sein vertrüwen und hoffnung auff den herren gesetzt hat
Zürcher bibel (1531)
ps. 39 a; als ist das gute und zuversichtliche vertrauen auff dero weltbekandte dexterität und wissenschafft gesetzet worden Weise
erznarren 216
neudr.; auf die ich das gröszte vertrauen setzte Göthe 44, 143
Weim. sprichwörtlich: wer sein vertraun auf menschen stellt, der bricht ein bein, noch eh' er fällt Wander 4, 1615; wer sein vertrauen setzt allein auf weiber, ist närrisch oder ein narrentreiber
ebd.; wer sein vertrauen auf reichtum setzt, dem hilft sein geld doch nicht zuletzt
ebd. andere geläufige wendungen: beehren sie mich doch mit ihrem vertrauen Gottsched
beobachtungen 139; schenkt mir euer vertrauen auf's neue Göthe 22, 54
Weim. (
Meister); man zog den führer in's vertrauen 24, 365; sie flöszten mir durch ihr urtheil soviel vertrauen zu meinen werken ein Grabbe 4, 371; unterdesz gewann der doctor vertrauen und zulauf Freytag
werke 13, 21; fassen sie vertrauen zu mir Stifter 1, 147; weder Blake noch Penn genossen das vollste vertrauen Cromwells Ranke 17, 151; aber vertrauen sollten sie mir doch erwecken Lessing 2, 279 (
Sara 1, 7); deren vertrauen wir nicht gern verscherzen wollten 8, 59; machen sie .. mein vertrauen auf unsere alte freundschaft zu schanden, indem sie ausbleiben Holtei
erz. schriften 5, 35; er entzog dem dr. Held sein vertrauen, er gab ihm zeichen der ungnade Ranke 4, 91; wer das vertrauen verloren, hat nichts mehr zu verlieren Wander
sprichw. 4, 1615; vertrauen erweckt vertrauen
ebd. concret: ein hand voll gewalts ist besser als ein gantz fuder vertrauwen
theatrum diabolorum 44
a; raubt mir ein unglück die geduld, dasz mein vertrauen hinket an deiner väterlichen huld Neumark
lustwäldchen 10; er (
der engel) wird nicht fett durch euer fasten, ... ... wird nicht mächtiger durch eu'r vertrau'n Lessing 3, 15 (
Nathan 1, 317); wer das vertraun vergiftet, o der mordet das werdende geschlecht im leib der mutter Schiller
Wallensteins tod 2128; so musz ich .. mich in ihr vertrauen gewaltsam eindrängen Göthe 23, 181
Weim. (
Meister); stolz, vertrauen regte sich in jedes einzelnen brust Fontane 1, 217.
weitere geläufige wendungen: sich ins vertrauen stehlen, einschleichen; das vertrauen eines andern erschleichen. IV@22)
in besonderem sinne ist vertrauen '
credit'
und '
eintracht'. dieser mensch hat kein vertrauen,
cet homme là n'a point de crédit Schwan
dict. 2, 937
b;
ein kaufmann hat vertrauen,
wenn man ihm sein geld und geldeswerth in gewisser hoffnung, dasz es sicher bei ihm sein werde, übergiebt oder überläszt Campe; es ist besser, pfand in der kiste, als vertrauen (credit) auf der börse Kramer; ich bin ein huorenwirt .. aber also eins sehr guotten vertrauwens, als nienen keiner geweszt ist Boltz
Terenz deutsch 88
a; das er im das gelt uff die reüter lihe, welches im herr Ott auff guot vertreüwen seins vettern .. zuogesagt Münster
cosmographey 679.
ähnlich heute: das öffentliche vertrauen ist jetzt eine macht, deren niemand entbehren kann Florencourt
zustände in Deutschland (1840) 150; wann ein ausschuszmitglied ... das öffentliche vertrauen verloren hat
bankgesetz (14. 3. 1875) § 33
abs. 2. das gute vertrauen, vernehmen erhalten Schwan;
quelle bei Haltaus 1906; die weltlichen nemmen ab an frid und vertrauen Berthold v. Chiemsee
theologey 5; dem nachbarlichen und alten freundtlichen vertrauen nach nicht underlassen Sattler
phraseologey 370; dasz man das teutsche vertrauen mündlich und schriftlich wieder aufrichte, befördere, erhalte Neumark
palmbaum 102; das band der einigkeit und guten vertrauens zwischen chur-fürsten und ständen zu trennen Chemnitz
schwed. krieg 1, 3.
ähnlich heute: dasz ein band des vertrauens fürst und volk ... umschlieszen ... werde Bismarck
polit. reden 3, 8. IV@33)
bisweilen bedeutet vertrauen '
die sichere hoffnung der verschwiegenheit und des nichtmiszbrauchs' Campe (
zu II 4
sp. 1950); im vertrauen sagen, fragen Kramer; allein, im vertrauen! (
nämlich, sei das gesagt) er ist es nicht werth Adelung; da hört man offt im vertrauen die kindischen red Franck
sprüchw. (1541) 1, 108
a; ir herren, ich red gleich in vertrauen
Tirol. passionssp. 284
Wackernell; dann ich hab was zwischen uns beden mit ihm in vertrauen zu redn Ayrer
dramen 481, 26
Keller; der junge bringt mir so im vertrauen die zeitung Weise
comödienprobe 28; pst, herr Adrast! ein wort im vertrauen Lessing 2, 60 (
freigeist 1, 4); er sprach eines tages im gröszten vertrauen Göthe 25, 98
Weim. (
Meister). IV@44)
unter den zusammensetzungen mit dem subst. vertrauen
ist vertrauenerweckend
als adj. und subst. üblich geworden: fragte er mit so guter und vertrauenerweckender laune Keller 6, 193; dasz ich etwas vertrauenerweckendes in und an mir habe Raabe
Abu Telfan 1, 105. —
von den eigentlichen composita bucht Campe vertrauenvoll;
es findet sich bei Göthe
dreimal in dieser form (4, 7; 42
1, 200; IV 26, 127
Weim.)
und einmal in der üblichen vertrauensvoll (IV 31, 44),
in der es zuerst bei Henrici
um 1730
belegt ist. auszerdem bildet Göthe vertrauenswerth, vertrauenswürdig, Lichtenberg vertrauensgeheimnis.
alle übrigen composita gehören erst dem 19.
jh. an.