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wunderkind

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

wunderkind n.

Bd. 30, Sp. 1893
wunderkind, n. , seit dem späten 16. jh. 11) ein kind übernatürlicher herkunft und artung, im sprachgebrauch der religion und des mythos. als eine bes. in der erbaulichen sprache des 17. u. 18. jhs. sehr geläufige bezeichnung für Christus als kind, den Jesusknaben, z. t. wohl die bedeutung 2 einschlieszend: darumb so laufft jr menschen all, zu disem wunder kinde Ringwaldt evangelia (1581) D 4b; da Simeon, der alte fromme greisz, das wunderkind auff seinen armen hält Stockmann poet. schrifftlust (1668) 37; es ward aber disz wunderkind in einem stall gebohren Scriver seelenschatz (1737) 1, 26a; von ferner küste, unter Hellas heiterm himmel geboren, kam ein sänger nach Palästina und ergab sein ganzes herz dem wunderkinde Novalis schr. 1, 41 Minor; am zaun ein gedränge von männern und frauen, die gespannt mit brennenden augen auf das wunderkind hinstarren (auf einem altarbild) Dehio gesch. d. dt. kunst 2 (1921) 179. in mythologischem zusammenhang: Jacchos, den wir ... als das leuchtende fruchtbekränzte wunderkind ihres festzuges kennen Ed. Gerhard akad. abhandl. (1866) 2, 186. 22) kind, das übernatürliche wunder tun kann: was dis wunderkind (Christus als kind) ... in seiner jugent fürgehabt habe, ehe er öffentlich zu predigen und wundern angefangen Gigas postilla (1595) 1, 49b; das wunderkind hat nun auch viele durch streichen, anblasen und zupfen geheilt Grässe sagenbuch 1, 214. 33) nur vereinzelt für ein kind, an dem gott wunderbar handelt: meine kinder, die mir gott gegeben, waren vom ersten anfange, und wegen der erhaltung im mutterleibe, rechte wunderkinder, und sind es noch in ansehung dessen, was gott an ihnen gethan E. H. graf Henckel d. letzten stunden (1722) 2, 90; und weil gott das kind so unerwartet geschenkt hatte, ward es Reinald, das wunderkind, genannt br. Grimm kinder- u. hausmärchen (1812) 1, 372. [] 44) kind, das ein naturwunder oder naturkuriosum darstellt: was müste wol das für ein wunderkind sein, das sich selbst säugen oder die mutter lehren wolte, wie sie es säugen solte? J. Scheffler ecclesiologia (1735) 1, 194b; das ist ja das wunderkind, das keinen vater hat (ein uneheliches kind) O. Ludwig ges. schr. (1891) 2, 621. 55) vor allem für ein nach gaben und fähigkeiten ungewöhnliches, staunen erregendes kind, in grundsätzlichem anschlusz an wunder II E 6 b α. so in singulärer verwendung schon früh: recht schön an geists- und leibsgestalt bist du ein wunderkind gewesen ... dreyjährig kontest du schon lesen Weckherlin ged. 2, 440 Fischer. auf gleicher linie, wenn auch in uneigentlicher bedeutung des zweiten wortbestandteils: keiser Otto, welcher umb seiner weiszheit willen mirabilia mundi, der welt wunderkind genent ward Herberger d. geistl. wasserkrüglin (1610) 123. in festem, prägnantem, häufig appellativischem gebrauch nach Ladendorf hist. schlagwb. (1906) 347 seit 1726, zunächst mit bezug auf Christian Heineken aus Lübeck, doch vgl. die noch unspezifische umschreibung bei Adelung versuch 5 (1786) 302 (anders Campe 5 [1811] 786b). für intellektuell frühreife kinder: das Berlinische wunder-kind eines schmidts (vorher ist von Chr. Heineken die rede) J. D. Geyer müsziger reisestunden gute gedancken (1735) 18. discurs, s. 4; das Lübecker wunderkind, Christian Heineken getauft, das schon im ersten jahre mehr von der bibel auswendig konnte, als andere leute im letzten übertreten oder vergessen haben Jean Paul s. w. 27, 167 Reimer; Storm s. w. (1900) 7, 156; wie war der junge blosz früher ... ein reines wunderkind war er ... mit dreizehn jahren sekundaner. mit siebzehn hatte er's gymnasium durch Gerhart Hauptmann einsame menschen (1891) 40. bald dann auch in der bezeichnung künstlerischer, bes. musikalischer frühreife: William Crotsch, das musikalische wunderkind (das im alter von 3 jahren die orgel spielte) (1779) Lichtenberg verm. schr. (1800) 4, 434; 'die musikalischen wunderkinder', sagte er (Goethe), 'sind zwar hinsichtlich der technischen fertigkeit heutzutage keine seltenheit mehr, was aber dieser kleine mann (F. Mendelssohn) ... vermag, grenzt ans wunderbare' Goethes gespr. 4, 148 W. v. Bied.; sie ist nun nicht unähnlich der mutter eines wunderkindes, einer jungen virtuosin, die alltäglich konzertiert Werfel Bernadette (1948) 218. auf anderem gebiet: nicht als ob ich mir einbilden wollte, ein scharfsinnig polemisches wunderkind gewesen zu sein (mit dem widerwillen gegen das aufsagen von katechismusfragen); sondern es war einzig sache des angeborenen gefühls G. Keller ges. w. (1889) 1, 95. häufig in kritischer sicht: ein frühkluges wunderkind (ingenium praecox), wie in Lübeck Heinecke oder in Halle Baratier, von ephemerischer existenz, sind abschweifungen der natur von ihrer regel (1798) Kant s. w. (1839) 10, 245 Hart.; die wunderkinder (werden) in der regel flachköpfe Schopenhauer w. 2, 274 Gr.; mir war von jeher blosze fertigkeit sehr zuwider, und sogenannte wunderkinder machten mir jedes mal einen schmerz Stifter s. w. 4, 1 (1911) 85. anders, und nur vereinzelt, für ein ungewöhnlich schönes kind: man sah in ihm ein wunderbares, ja ein wunder-kind, höchst erfreulich dem anblick, an grösze, ebenmasz, stärke und gesundtheit Göthe I 20, 341 W.; vgl. 41, 1, 262. gelegentlich auch für ein dem kindesalter schon entwachsenes schönes mädchen: vettern und basen freuten sich, sie wiederzusehen, und gafften das (aus dem pensionat zurückgekehrte) wunderkind an W. Hauff s. w. (1890) 3, 10; W. Alexis ruhe (1852) 1, 270. oder sonst uneigentlich: ich bin ein sogenanntes wunderkind und unter der ganzen blase (von künstlern) ist nicht einer, der auch nur eine ahnung von verwandter richtung hätte Stauffer-Bern br. 56 Brahm; vgl. dazu vorw. 14. [] 66) übertragener gebrauch des wortes von verschiedenen gebrauchsweisen her. zu 1: die gottheit enthüllt ihr wunderkind, den inneren menschen Loeben lotosbl. (1817) 1, 11. entsprechend 4: wollen die hohen herrschaften vielleicht die nie dagewesene naturmerkwürdigkeit, das wunderkind beider (des reichsrates und des ministeriums in Wien), sehen — die östreichische freiheit? die östreichische einheit? Kürnberger siegelringe (1874) 82. zu 5: ein vogel mit goldschillerndem gefieder, des paradieses farb'ges wunderkind Gaudy s. w. (1844) 2, 31. —
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Wunderkind

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Das Wunderkind , des -es, plur. die -er, ein außerordentliches, wunderbares Kind.

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Wunderkind

    Goethe-Wörterbuch

    Wunderkind [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    Wunderkind

    Lothringisches Wb. · +2 Parallelbelege

    Wunderkind frühreifes Kind.

  4. Sprichwörter
    Wunderkind

    Wander (Sprichwörter)

    Wunderkind Wunderkinder werden selten Wundermenschen. Das Wunder entflieht, und das Kind bleibt.

  5. Spezial
    Wunderkind

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Wun|der|kind n. (-[e]s,-er) möt da n talënt particolar m.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit wunderkind

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Zerlegung von wunderkind 2 Komponenten

wunder+kind

wunderkind setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

wunderkind‑ als Erstglied (3 von 3)

wunderkindschaft

DWB

wunderkind·schaft

wunderkindschaft , f. , junge abstraktbildung zu wunderkind 5: vater Williguth würde die hochgeschraubte wunderkindschaft schon zu einem tüc…

wunderkind als Zweitglied (1 von 1)