verspeien,
verb. form. ahd. farspîwan
respuere Graff
sprachschatz 6, 365;
respuit firspiuuit, farspiuuit Steinmeyer-Sievers
gloss. 1, 238, 30;
despumantes ... firspuwente 1, 797, 23;
mhd. verspîwen, verspîen
mhd. wb. 2, 2, 513
b, Lexer
mhd. handwb. 3, 245. 11)
der stamm geht ursprünglich nach der zweiten ablautklasse, endigt auf w (Wilmanns
d. gramm. 3, 39, § 22),
und für -iw-
stellt sich -iuw-
ein (3, 41, § 23
anm.);
die formen mit erhaltung des w
sind zwar ahd. noch vorherrschend (Braune
ahd. gramm.2 § 110
anm. 1),
aber überwiegen schon mhd. nicht mehr: daʒ si sîn minneclichez antlüte verspiuwen
deutsche pred. 1, 58
Grieshaber; daʒ sint die speichella mit den er verspiuwen wart 153.
die regelrecht daraus entwickelte nhd. form ist alemann. verspeu(w)en: einen verspeüwen und jm übel reden,
mores alicuius despuere Maaler 431
c; da erspieglent eüch wol und gnueg in seinem verschwollnen, verwunden, zerschlagnen, verspeüthen, güetigen, ellenten angesicht
Villinger chron. 52
lit. ver.; das durch sollich leren dem gottis wort kein nachteil noch yntrag geschehe, dan wo das geschehe, sol man es verwerffen, verspotten, verspewen, als gifft vnd selen mord Eberlin v. Günzburg
schriften 3. 16
neudr.; also dasz jetzt die welt anfing, entweder jhn zuachten gring, oder gleich ab seim plick zuscheuen vnd gäntzlich jhne zuverspeuen Fischart
jesuiterhütlein 1, 230, 16
Hauffen. noch mundartlich verspaüen,
jem. bespeien Martin-Lienhart
wb. d. elsäss. mundarten 2, 533
b;
daneben alem. verspüwen: die kranken, die nüts ynnemen wellend, weder das jnen schad ist, und was jnen heilsam ist, verspüwend sie Zwingli
werke (1828) 2, 4, 34. 22)
die form verspuwen
geht vermuthlich auf eine andere gestalt der wurzel zurück (Wilmanns
d. gramm. 3, 41 § 23
anm.)
; sie ist md. und ndd.: wie man in verspûwen unde kroenen solte mit einer dürnînen krônen
d. mystiker 292, 26;
despuere, verspuwen Diefenbach
gloss. 176
c;
conspuere, verspuwen 145
a;
afflixerunt per sanguineum fletum, verspuien 16
b; verspuwen, -spuien,
conspuere, despuere Diefenbach-Wülcker 567,
nld. verspuwen,
smaden, beschimpen, hoonen, uitjouwen Verdam
mndl. hdwb. 637
b;
daneben verspoen
ebd.; verspouwen
respuere, despuere, abominari Kilian (1599) 604
b.
doch auch obd.: nam darmit das papir vnd zerraisz das in manigfaltig stückli. vnd als sy oft mit jren füssen dar vf getrat ouch die verspuwt. warf sy in die äschen des füres Niclas von Wyle
translationen 34
Keller; mit geiszlen und schwacheiten gepynget, mit speichlen verspúwet, mit dornen gekrOenet
der ewigen wiszheit betbüchlin (
Basel 1518) 107
a.
die starke form des praet. und part. verspu(w)en
erklärt sich aus dem im mndl. üblichen, im obd. vereinzelten übertritt des verbs in eine andere klasse (
theil 10, 1,
sp. 2075): er hat menschens pildes niht, groses unreht im geschiht, sie hant in verspuen
schauspiele des mittelalters 1, 35
Mone; also verspotten vnd verspuwen sye Christum Eberlin v. Günzburg
schriften 2, 103
neudr. 33)
das innere w
wandelt sich im bair.-österr. häufig zu b (Weinhold
mhd. gramm. § 165): wie gar gedultic dû wære sô man dîn spotte und lästerte und schalt unde sluoc unde bant und versmâhte und verspeip David v. Augsburg
d. mystiker 1, 345, 36
Pfeiffer; ich wird verspiben und verspott
altd. passionsspiele aus Tirol 355
Wackernell; du hast uns vil zu laidt gethan: hast verspiben uns und unsere kind 412 (v. 2983);
auch die wandlung des w
zu palatalem g (j)
ist zu belegen (Weinhold § 222):
conspuere, verspeygen Diefenbach
gloss. 145
a, Diefenbach-Wülcker 567; dô lie sich got verspîgen an sîn antlüte
predigten 2, 63
Grieshaber. vorauszusetzen hierzu sind formen mit ausfall des w,
die dann die zwischenlaute entwickeln (Braune
ahd. gramm.2 § 110 a. 3). 44)
formen mit ausfall des w
finden sich ahd. besonders im alemannischen (Braune § 331 a. 3).
sie machen in mhd. zeit den mit w
gebildeten das feld streitig, um in der nhd. schriftsprache die herrschaft anzutreten; neben das alte prät. spê(o)
tritt eine jüngere form spei,
die dann der nhd. spie
weicht: mit allen iren sinnen den ungelouben si verspei
passional 414, 25
Köpke;
ein prät. mit r-
consonant (spirn)
ist für das compositum nicht zu belegen. verspihen, -speyhen Diefenbach
gloss. 1, 45
a; verspihen 219
b; verspyen Diefenbach-Wülcker 567; verspeyen,
voc. 1482 ii 8
b; verspeyen, verachten Maaler 431
c; Stieler 2082; besptzen, verspeyen Corvinus
fons latinitatis (1646) 826; Schottel 647
a; Kirsch 2, 313
b; Kramer
teutsch-ital. dict. 2, 861
b; verspiehen,
präs. ich verspeihe Steinbach 2, 625; Frisch 2, 299
a; Adelung
und Campe;
mnd. vorspîen Schiller-Lübben 6, 308
a;
nld. verspiën Verdam
mnld. hdwb. 637
a; verspyhen, veronwerdigen ..., blameren v.
d. Schueren
teuthonista 249
b Verdam;
ostfries. ferspêen, ferspêjen,
verspeien, verspucken ten Doornkaat Koolman 1, 466
a. 55)
schwache formen des verbs finden sich im mhd. neben den starken (Weinhold
mhd. gr. § 408): si quamen ouch gegangen mit blindelicher witze vor sin schone antlitze daʒ si an im virspieten sie ludemeten vnde schrieten
passional 62, 77. daʒ im sîn antlütze wart verspît Berthold v. Regensburg 254, 10;
besonders das part. prät. setzt sich in der schwachen form durch: verspeyet Diefenbach
gloss. 145
a, Diefenbach-Wülcker 567; verspeyet Maaler 431
c; verspeit Kirsch 2, 313
b;
starke und schwache form nebeneinander verzeichnet Kramer
teutsch-it. dict. 2, 861
b: verspeyet, verspyen;
die starke allein Steinbach 2, 625: verspiehen (
supin. ut adj.); Adelung
bezeichnet im gegensatz zum stammwort in dieser zusammensetzung die schwache, Campe
die starke als üblicher. Luther, H. Sachs, Fischart,
die schlesischen dichter und Herder
wenden nur die schwache form des part. prät. an, gewöhnlich in formelhafter verbindung mit synonymen verben; für Luther
ist daneben ein schwaches prät. zu belegen: die kriegsknecht aber ... verspeyten jn
Marc. 15, 19,
für Herder
ein starkes prät.: man sagte, sie verläugneten Christum, und verspieen das kreuz als ein teuflisches werkzeug
werke 15, 101 (
aus dem Teutschen Merkur 1782).
im 19.
jahrh. erlischt der gebrauch des wortes in der schriftsprache zu gunsten von anspeien, bespeien;
mundartlich ist es im oberdeutschen, schlesischen und ostfriesischen bezeugt. bedeutung und gebrauch. AA.
das verb bezeichnet zunächst das auswerfen des speichels und ist gebildet wie got. fra-letan, fra-wairpan (
von sich lassen, werfen)
; die grundbedeutung ist also '
ausspeien'
: exspuere, verspihen Diefenbach
gloss. 219
b;
despuere, verspuwen 176
c;
schwäb. verspeie
n,
speien Fischer
schwäb. wb. 2, 1343;
absolut: was ligt daran, wann schon die drei gelerten (wo sie es anderst lesen werden) verspeien (
mit dem nebenbegriff der verachtung) S. Franck
mor. encom. 95, 1
Götzinger; als ausdruck gehässiger gesinnung: diese dachten und jene schrien, diese lachten und jene verspien
F. Rückert
werke 12, 58, BB.
mit beziehung auf ein object. B@11)
eine person oder sache anspeien, mit speichel bewerfen, stets mit verächtlichem nebensinn: conspuere, verspihen, verspeyhen, verspeygen Diefenbach
gloss. 145
a; verspeyen,
conspuere, besptzen, verspeyen Corvinus
fons lat. 826; verspeien,
despuere, consputare Kirsch 2, 313
b; verspeyen,
sconsputacchiare, sputacchiare per dispetto e ignominia, sputar' etc. in viso Kramer
teutsch-it. dict. 2, 861
b; ich verspeihe,
consputo, inspuo ... er verspieh ihn,
sputo eum adspergebat Steinbach 2, 625; verspeyen,
consputare, inspuere Frisch 2, 299
a;
zum zeichen der verachtung anspeien Adelung
und Campe;
elsäss. verspäue
n,
jem. bespeien Martin-Lienhart
wb. d. elsäss. mundarten 2, 533
b;
ostfries. ferspêen, ferspêjen,
verspeien, verspucken ten Doornkaat Koolmann 1, 466
a. B@1@aa)
dinge anspeien: welcher mensch lobt sollich verbot der pfaffen ee vnnd hilfft handthalten ..., der thut nit kleyner sund, dan so er ein crucifix verspewet Eberlin v. Günzburg 2, 33
neudr.; das kreuz verspeien war der allbekannte übergang zum mahomedanismus Herder
werke 15, 86; die kirchenschätz seind all entwend, bildter vnd altar gar verbrend vnd das creutz Christi gar verspeit J. Ayrer
dramen 780, 2 (
Machumet IV)
lit. verein; in der literatur, besonders der älteren, wird verspeien
fast ausschlieszlich von der passion Christi gebraucht: mhd. wie diu klârheit des êwigen liehtes verspiuwen unde verspottet unde geitwîʒet wart?
d. mystiker 2, 183, 35
Pfeiffer; daʒ im sîn antlütze wart verspît Berthold v. Regensburg 1, 254, 10; daʒ si sîn minneclicheʒ antlütze verspiuwen
d. predigten 1, 58
Grieshaber; sein klares gesicht wird bedecket, verspeit, angeplärr't und beflecket, das haar zuraufft und zurissen, die wangen grimmig zuschmissen A. Gryphius
oden 4, 9, 10
Palm; und als ein lotterbub frech, garstig, ungescheuet, dir deinen bart geraufft, dein angesicht verspeyet. o weh, dasz unsre schuld dir ursacht solche pein, und unsre missethat musz so gebüsset seyn! S.
Dach 245
Oesterley; du edles angesichte! dafr sonst schrickt und scheut das grosze welt-gewichte, wie bist du so verspeyt? P. Gerhard
bei J.
V. Pietsch
schriften (1740) 382 (
Fischer-Tümpel 3, 413
hat bespeyt); o allerschOenstes angesicht, wie bistu zugericht! o sonne der gerechtigkeit, wie ist dein glantz verspeit! Scheffler
heil. seelenlust 68
neudr. B@1@bb)
eine person anspeien: mhd. daʒ sint die speichella mit den er verspiuwen wart
d. predigten 1, 153
Grieshaber; und gieng ûf den berg und gedâhte waʒ er lîden solte und wie man in verspûwen und kroenen solte mit einer dürnînen krônen
d. mystiker 1, 292, 26
Pfeiffer; vgl. auch den oben unter form' 2)
citierten beleg aus schausp. d. mitt. 1, 35, 114
Mone (
Marienklage).
in verbindung mit synonymen verben ist besonders beliebt die wendung verspeien und verspotten: einen verspeyen und verspotten,
sputtar' etc. uno in viso (
in faccia)
sconsputacchiarlo e schernirlo Kramer
teutsch-it. dict. 2, 861
b; einen verspeihen und verspotten
aliquem consputare et cavillari Steinbach 2, 625; wan er wirt geantwert den heiden, vnd er wirt verspot, vnd wirt gegaiselt, vnd angesput (
var. verspeyt)
cod. Teplensis 1, 108
c. 18
Huttler; vnd des menschen son wird vberantwortet werden den hohenpriestern vnd schrifftgelerten, vnd sie werden jn verdamnen zum tode, vnd vberantworten den heiden, die werden jn verspotten vnd geisseln, vnd verspeien, vnd tOedten
Marc. 10, 34; mit geiszlen und schwacheiten gepynget, mit speichlen verspúwet, mit dornen gekrOenet
der ewigen wiszheit betbüchlin (
Basel 1518) 107
a; also verspotten vnd verspuwen sye Christum Eberlin v. Günzburg
schriften 2, 103
neudr.; vnnd wann Christus alhie ain warer gott, vnd mensch nicht so gtigklich gelitten het, sich verspeyen, verspotten, schlagen vnnd tOedten lassen, so wAer kain wunder Joh. Nas
d. antipap. eins vnd hundert (1567f.) 2
L viij
a; da des menschen son muss auff erden den heyden uberantwort werden, da er muss von den schrifftgelerten, hohenpriestern und den verkerten verspot wirt werden und verhönet verspeit, gegeysselt und gekrönet H. Sachs
werke 11, 257, 25
Keller-Götze; er ward nicht allein auffgehangen, sondern erst wie ein dieb gefangen. verspeit, verschmehet vnd verhOent B. Krüger
aktion v. d. anfang und ende der welt (1580) E viij
a; ich werde nun gescheuet, verspottet vnnd verspeyet
Venusgärtlein 65, 21
neudr.; ich lasse mich mit dornen krönen, verspeyen, geisseln und verhönen, mit mördern gleich geschätzet stehn S. Dach 102
Oesterley; hOert! wie sie ihn, zu hAeuffung seiner pein, aufs allerschimpflichste verspotten und verspeyn Koenig
ged. (1745) 584. B@22)
die vorstellung des körperlichen anspeiens tritt allmählich zurück und der verächtliche sinn noch mehr in den vordergrund: verspeyen, verachten,
respuere, deridere; verspeyet,
derisus Maaler 431
c;
respuo, .., verspeien, verachten Aventinus
werke 1, 429, 9
Lexer (
rudimenta grammaticae); Jesus ist von den juden verspeyet worden, und wirds noch heut von christen Kramer
teutsch-ital. dict. 2, 861
b; verspeyen, bespotten
etc. mit spottgesichtern, oder spottmAeulern,
bespotten, uytjouwen, vergnyzen Kramer
hoch-ndd. dict. 247
b; verspeyen, ...
exspuendo contemnere Frisch
teutsch-lat. wb. 2, 299
a;
mit spott und verachtung behandeln Campe; verspeyen,
verspotten, verhöhnen Weinhold
schles. wb. 92
a. B@2@aa)
personen: versmohet es denne jenre (
der böses zugefügt hat) als ob er in verspúwe, dar umbe sol der mensche (
dem böses widerfahren ist) nút ablossen, er tuo ime einen sunderlichen dienst als verre er iemer vermag Tauler
pred. 381, 18
Vetter; potuisset aliud signum dare, cum ridiculum fuerit gentibus, die die juden verspeith haben propter hoc signum Luther 14, 271, 8
Weim.; et prociderunt (tyranni): postquam apostoli ceperunt praedicare, lagen sie wie die toten hund, sicut hodie: ubi euangelium praedicaum, verspeiet man sich (= sie), man darff sie nit schlahen 15, 521, 33; zu letzten ist es der guoten frawen auch fürkummen, die dann auch von manchem verspeit ward Wickram
rollwag. 119, 26; so nuhn da ein zwangnusz ist, wie kan man dann einen verachten, oder verspeyen, der solches thut? Paracelsus 1, 259 A (1616)
Huser; der himmel kan morgen vil gunsten verleyen dem schlechsten, den heute die grossen verspeyen Logau
sinnged. 153
lit. ver., alle, die dich jetzt verspeyen, werden Jesu! Jesu! schreyen B. Neukirch
ged. 66 (1744). B@2@bb)
sachen: noch darff der babst hie yn der jubil bullen mit der faulen, verlegen ... war, die alle menschen verlangst verspeyet, widder komen Luther 18, 255, 20
Weim.; euangelium est contempta res et verbum crucis; ... ideo sputo significatur, das mans wirt verspeihen 11, 168, 7. B@2@cc)
selten reflex. form: fleisz dich des grundts so du denselbigen kanst, du wirst dich selbs ab solcher bosselarbeit verspeyen Paracelsus
chir. schriften (1618) 170 b; drumb weil sie also farn dahin ist zu letzt schand vnd spot jhr gwin, nicht von andern leuten allein sondern auch sie sich selber verspeyn Agricola
musica instrumentalis deudsch 135
Eitner. B@33)
das anspeien drückt oft gehässige gesinnung aus. B@3@aa)
zunächst körperlich, mit giftigem speichel bewerfen: wie der Olaus in seiner histori von den hausschlangen meldt, welche wiewol sie erstlich zam ... doch zuletzt ... plOezlich jre milte art inn eyn wilde Aendern, ... vnd jedem der herzu nahet, ... widerstand thun vnd mit gifft sie verspeien vnd bestreiten Fischart
ehzuchtbüchlin 247, 2
Hauffen. B@3@bb)
in übertragner verwendung bei personen: einen verspeüwen und jm übel reden,
mores alicuius despuere Maaler 431
c; hat die tugend ihre hasser, die sie lAestern und verspeyn Stoppe
parnasz (1735) 229.
dann dient es zum ausdruck des fluches: Lucifer sprach, dasz er verspeyet werde Ayrer
proc. jur. 2, 11 (1600); siehst mich an für ein solches weib, dasz ich hab ander männer lieb, so sey verspeit, du ehrndieb! Jac. Ayrer
dramen 1314
lit. ver. (
Valentin u. Ursus 1). B@3@cc)
zum ausdruck des fluches bei sachen: etwas verspeyen und verfluchen,
sconsputacchiare una cosa per detestatione ed esecratione, e male dicendola Kramer
teutsch-it. dict. 2, 861
b; des cardinals name ward on vnser zuthun verspeiet vnd verdampt Luther
werke 6, 326
a Jen. ausg.; verspeyet vnnd vermaledeyet sey aller auffgewandter vnkosten Ayrer
proc. jur. (1600) 3, 1. B@44)
sinnesverwandt ist: verspeyen, ...
inspuendo faciem rejicere Frisch
teutsch-lat. wb. 2, 299
a mit dem sinn des abscheus und der entrüsteten zurückweisung; bisweilen kann es dabei auch auf die anschauung ausspeien, von sich speien
zurückgehen, etwas dem speichel ähnliches, unreinliches von sich geben,
besonders bei sächlichem object. B@4@aa)
bei personen: dawider genzlich in verspei ir tugenthafte kuscheit
passional 492, 70
Köpke; ja wrde Masanisz uns mit samt unsern flammen nach einst gebster lust nicht asz (!) ein gift verspein? Lohenstein
Sophonisbe 2, 297 (1689
s. 29); so birgst du endlich, grab, das ungeheuer, verspieen von der menschheit, wie der geier
aus einer flugschrift auf Napoleon angeführt bei Treitschke
hist. u. polit. aufsätze 1, 108
neue folge. B@4@bb)
mit sächlichem object: mit allen iren sinnen den ungelauben si verspei
passional 414, 25
Köpke; niemalen pflegt man etwas zuuerspeyen, es sey dann etwa ein greulich stinckendes ding Aeg. Albertinus
zeitkürtzer (1603) 151; hat der teuffel nicht gesagt: von den menschen kompt anders nichts als böses? so verspey ich dann die boszheiten die in meinem gemüth sind, aus furcht, des teüffels sage möchte wahr werden Olearius
persian. baumgarten 9, 13; verspeiet derhalben die corinthische hohe zatzenstifft, solonisch wolffshlen Fischart
Garg. 90
neudr. (
cap. 5); solche tolle trgereyen pflegt man eyfrigst zu verspeyen Hoffmannswaldau
ged. 4, 367 (1697
ff. Neukirch).
hier mag auch auf den bei Grimm
rechtsaltertümer2 2, 525 (882)
vermerkten brauch hingewiesen werden, dasz die schöffen beim urtheil ausspeien. B@55)
in oberdeutschen mundarten lebt verspeien
in der bedeutung von '
erbrechen'
und '
durch erbrechen verunreinigen': die kleinen kinder verspeien ihre kleider, ihre wärterinnen. das bett verspeie
n, ... verspucken, verkotzen Fischer
schwäb. wb. 2, 1343. CC.
substantivirter infinitiv: kaufte ers (
das kreuz) zum verspeien wieder? Herder
werke 15, 93
Suphan; dergleichen bestimmtere züge ... sind freilich aus dem erfolg in die reden Jesu hineingetragen; während andere, wie z. b. das verspeien (
Luc. 18, 32) aus der weissagung Jes. 50, 6 ... genommen wurden D.
F. Strauss
schriften 3, 297. DD.
das adj. gebrauchte part. prät. kommt im anschlusz an B 1 b
bis auf Herder
nur schwach vor (
vgl. unter form, abschnitt 5):
consputus, verspeyet Diefenbach
gloss. 145
a; Diefenbach-Wülcker 567; verspeit,
consputatus Kirsch 2, 313
b; da erspieglent eüch wol und gnueg in seinem verschwollnen, verwunden, zerschlagnen, verspeüthen, güetigen, ellenten angesicht
Villinger chron. 52
lit. verein; Pilatus nach dem Jesus numb, fürt in rausz zum volck widerumb, also gegeyselt und gekrönt, verspot, verspeyet und verhönt H. Sachs
werke 1, 310, 9
Keller; der mit der gantzen last des vaters vngenaden, vnd vnser bösen that hengt an dem holtz beladen, gepreszt, verspeyt, gedrückt, veracht, geschmäht, verspott, verlassen von der welt, vnd wegen jhr von gott Opitz
deutsche poemata 189
neudr.; so müssen wir verjagt, verhöhnt, verspeyt, verlacht, entzeptert, sonder trost und hoffen tag und nacht umirren, weil wir sind, und unter fremden füszen, ja rauer dienstbarkeit das harte leben schlieszen! A. Gryphius
Leo 3, 265 (86
lit. ver.); ob's besser sey beschimpfft, befleckt, entblOeszt, verspeiet, zerrissen, ausgelacht, geschAendet und entweihet, die blthen erster scham wie hure bssen ein, als eines kAeysers braut in seid und purpur seyn? Lohenstein
Ibrahim Sultan 4, 71 (1680
s. 73); vnd hast am kreutz als wie ein dieb vnd mörder da gehangen, verhöhnt, verspeyt und sehr verwundt P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 374
b; den wahren gottes sohn verfolgten sie sehr hart, dasz er nach ihrem wuntsch zu letzt gefangen ward, und hin und her geschleppt, von jedermann gehejet, mit schlAegen abgelohnt, gegeiszelt und verspeyet G. Treuer
deutscher Dädalus (1675) 1, 304; er ist wie ein lamm das vor seinem scheerer verstummet — verspottet, gegeisselt und verspeiet — auf Golgatha in einer dornenkrone ans kreuz geheftet worden
M. Claudius
werke 7, 268; der arme jude (Uriel Acosta) ... endigte damit, dasz er als ein neuaufgenommener in der synagoge seiner glaubensgenossen, schimpflichentblöszt, mit füszen getreten, gepeitscht, verspeiet, ... sich selbst den tod gab Herder
werke 17, 273
Suphan. vgl. auch verspeizen, verspeuzeln, verspeuzen, verspirzen, verspürzen, verspützen.