widerwart,
m. , '
feind, unangenehme person',
im nhd. seit dem 19.
jh. bezeugt (
s. u. 3),
vermutlich rückbildung aus widerwärtig;
ein direkter historischer zusammenhang (
im sinne einer worteinheit)
mit ahd. widarwert(o), -warto, -worto
und mhd. widerwert, -wart(e) (
unter 1
und 2)
liegt nicht vor; dagegen spricht auch der bedeutungsunterschied zwischen diesen älteren und den jüngeren belegen; vgl. gegenwart I 2
teil 4, 1, 2,
sp. 2281. 11) '
widersacher, feind'.
so zufrühest in einer ahd. gl.: aduersarios uuitharuuert (8.
jh.)
ahd. gl. 1, 245, 27
St.-S. 1@aa)
allg. '
adversarius': vuis gihengig thinemo uuidaruuorten (
esto consentiens adversario tuo, Matth. 5, 25), mit thiu thu bist in uuege mit imo
Tatian 27, 2
Sievers; ... uns widarwert ni merrit ('
schädigt') Otfrid
ad Ludowicum 73
Erdm.; d redete der widir warte (
Blanscandiz) der got nine uorchte
Rolandslied 549
Wesle; 'wol ûf!' rief dô Hartmuot, 'hie koment die grimmen widerwarten mîne' (2.
jahrzehnt d. 13. jhs.)
Kudrun 855, 4
Symons; wie tustu (
der teufel), bosewicht, also, daz du diz schiff dir lest entgan, sit si aldarinne han, Stephanum, unsern (
der bösen geister) widerwart (13.
jh.)
passional 48, 89
Köpke; dû (
Christus) woltest ouch widerwarten haben, die dir dîne rede verkêrten diniu werc unde dîniu zeichen beschulten David v. Augsburg in:
dt. mystiker 1, 346
Pfeiffer. der leib wird als widersacher gedacht: das der lip din (
des pilgers) wiederwert ist an allem guden das dir zu dunde ist (
hs. anf. d. 15. jhs.)
pilgerf. d. träum. mönchs 6294
Bömer. 1@bb)
im besonderen '
satan(
as)',
nicht über das mhd. hinaus bezeugt: satan uuidaruarto (10.
jh.)
ahd. gl. 1, 245, 26
St.-S. bei Otfrid
vorzugsweise in dieser verwendung: far hina, widarwerto,ni ruah in thero worto (
vade satanas, Matth. 4, 10) II 4, 93
Erdmann; gerota iuer (
der jünger) hartoselb ther widarwerto (
satanas expetivit vos, Luk. 22, 31)
ebda IV 13, 15;
in dieser verwendung auch I 2, 29; 11, 61; II 3, 60; 4, 104; V 2, 15;
hac nocte expetivit te satanas hinaht kereta din der uuideruuarto Notker 2, 439, 1
P.; der leidege widerwarte (
wahrsch. zw. 1200
u. 1220) Otto v. Freising
Laubacher Barlaam 6122
lit. ver. 22) Notker
übernimmt das wort als schw. m. im sinne von '
gegenteil'
in seine philosophische sprache: quantitatis nihil contrarium habebit nehabit îo quantitas (
z. b. michel, filo) neheinin uuideruuarten 1, 416, 12
P.; quodsi neque illic contrarii opinatio contraria est. ube aber in demo mûote der uuân dero einun affirmationis (mannolîh ist reht) uuideruuarto neist sînes uuideruuarten. ih meino des uuânes tero anderûn affirmationis (mannolih ist uureht) 1, 579, 27
P.; vgl. ebda 11
u. 12. 33)
die zeugnisse seit dem 19.
jh.; im folgenden beleg scheint widerwart
trotz des im ital. text dafür stehenden '
mal tempo'
konkret den gegner zu bezeichnen: ... sieht er (
Roland) dort das grosse volk vom berg herniedergehen und fahn' auf fahne folgen, fort und fort ... woher ist dieser widerwart gekommen? wo hätten wohl Marsil und all' sein land hülfsvolk in solcher menge hergenommen? sie stiegen, glaub' ich, aus dem höllenbrand Gries
Bojardos verliebter Roland (1835) 4, 144.
namentlich '
unangenehme, abstoszende, lästige person' (
vgl. widerwärtig 5 b): von widerwarten eine sorte kennen wir genau und haben ärgerlich sie oft belacht, ja einen eignen namen ihr erschufest du, ... doch nicht die affektierte fratze, nicht allein den gecken zeichnet dieses einz'ge wort, vielmehr, was sich mit selbstgefälligkeit bedeutung gibt (1841) Mörike
ges. schr. (1905) 1, 182
Göschen; (
der archäologe Furtwängler) ist freilich persönlich ein widerwart, aber unbestreitbar tüchtig Mommsen
an Wilamowitz briefw. 176; ist das ein widerwart! sagte Heiners mutter aufatmend, als er (
ein nachbar) gegangen war Emil Strausz
freund Hein (1925) 72; '
noch heute: widerwärtiger mensch' Fischer
schwäb. 6, 3416.
vgl. auch aus einer quelle v. j. 1872
bei Reuting
Höchst 49: weht ein widerwart von wind.