schnappen,
verb. mit dem munde oder sonst klappende bewegung machen; mhd. mnd. mnl. snappen,
intensivbildung neben mhd. snaben,
mnd. snaven, sneven,
welches, zu schnabel
und den dort (
sp. 1142)
genannten wortreihen gehörig, wie schnappen
auf dem grunde einer hastigen und klappenden bewegung verschiedene bedeutungen entfaltet, so die des schwatzens, prahlens: das sag ich dir on alles schnaben.
fastn. sp. 907, 13;
des schnaubens, schwer oder gierig athemholens: sô er iʒʒet, als ein swîn, und gar unsûberlîche snabet.
Tanhausers hofzucht, Haupts zeitschr. 6, 489, 43; wer sich über die schüsseln habt, und gar unsäuberlichen schnabt mit dem mund, als ein schwein.
Hätzlerin 2, 71, 94;
übertragen auf gieriges verlangen überhaupt: manic furste hât gesnabt ... nach ander liute guot. Ottokar
reimchron. 28981;
zu der bedeutung des darbenden verlangens umgeschlagen: das ir vertopelt, was ir mügt haben, und laszt da haim eur frauen schnaben.
fastn. sp. 651, 1;
endlich im sinne des zu boden schnellens, strauchelns, stürzens: cespitare snaben, snaven Dief. 116
a; sô daʒ er viel und snabte in sînir lâge stric. Ottokar
reimchron. 24643; iʒ (
das pferd) began starke snaben.
Braunschweiger reimchron. 4417.
in allen diesen bedeutungen hält sich snaben
nicht über das späte mittelalter hinaus; und das schon vorher sich zeigende snappen
nimmt seine stelle ein, zum theil unter entfaltung auch besonderen sinnes. 11)
seltener erscheint der laut der bewegung hervorgehoben, so bei einem eigenthümlichen tone der vögel mit dem schnabel: eulen schnappen.
Katzipor. D 3
a; schnappen, klatschen (
des auerhahns in der balzzeit). Jacobsson 4, 15
a; wenn der auerhahn in der palz sich rühret, so schnappet er anfangs dunkel, dann immer heller und geschwinder. Heppe
wohlr. jäger 265
a;
von andern vögeln, und auch auf menschliches schwatzen, plaudern übertragen: garrire snappen
l. kakelen Dief. 257
c;
altricari kyffen
l. snappen 26
c;
altercari snappen,
altricari schelten, chyfelen o. snappen unnücz
nov. gloss. 18
a;
mit ablautspiel: si (
ecclesia) enkan nicht dan snippen und snappen.
Alsfelder passionssp. 4536;
mundartlich bairisch schnappen,
kurz abgebrochen reden Schm.
2 2, 577;
niederd. snappen,
geschwind plaudern, eilfertig reden und die worte kurz abbeiszen, rasch im munde sein, sein naseweises klappermaul hören lassen. brem. wb. 4, 879;
niederländ. snappen,
garrire, blaterare, praerapide multumque loqui, intercipere verba alterius Kilian;
vgl.schnappern, schnapper
und schnepper. 22)
auf diese bedeutung (1)
ist bezogen die formel schnappen lassen,
schwatzen, ausplaudern, die sonst im 16.
jahrh. vom losdrücken (abschnappen)
der armbrust ausgehend, zum folgenden (3)
gehört: ehe er mit schrifften losgedrückt und schnappen lies, war es nicht on. Alberus
widder Witzeln G 8
b; sie standen in sorgen, er liesz schnappen. Kirchhof
wendunm. 435; lapp, lasz nicht schnappen. Pauli
schimpf 60
a; wenn wir jemandt warnen, dasz er schweige, und sprechen: Lepsch, lasz nit schnappen. Agr.
spr. 32
a; las nicht schnappen wo ich sey. Hayneccius
Hansoframea 1, 4.
vgl. auch verschnappen
theil 12, 1128. 33)
vorzüglich betont wird die bewegung, neben der der klappende laut nur nebensächlich oder auch gar nicht hervorgehoben erscheint, wenn schnappen
schnellen, wippen heiszt; von der bewegung eines vogels: bachsteltzen die mit dem ars nicht schnappen (
unter unauffindbaren dingen). Fischart
groszm. 54; der bachstelz thut oft schnappen und fängt der mücken viel.
wunderhorn 2, 525
Boxberger; von ähnlicher bewegung eines eiteln menschen: wir sehen, dasz ein schlechtes schreiberle auf hohen pantoffeln daher schnappt. Albertinus
landleben (1610) 87
a;
von einer fingerbewegung: mit den fingern schnappen,
crepitare digitis Stieler 1892; einem
[] vor der nase schnappen,
digitos conquassando aliquem provocare Steinbach 2, 472; dasz er .. mit der faust auf den tisch schlug, mit den fingern schnappte und grausam schwermte.
Salinde 302; ich schwippe mit der gerte, ich schnappe mit den fingern, ich schnalze mit der zunge. H. Heine 1, 287; mit der kanne schnappen,
klappern. Adelung
als oberdeutsch; ein junger gsell vor in her sapt und fast mit eyner geysel schnapt. H. Sachs 1, 508
a;
von dingen: ein schlosz schnappt,
wenn die feder den riegel mit schnellkraft fortstöszt. Adelung (
vergl. auch ab-, ein-, zuschnappen); ein bret schnappt in die höhe.
ebenda; wie ein taschenmesser schnappt, faszte sie mich in die locken, und das bübchen war ertappt. Göthe 3, 34;
bildlich: ach wie gerne wär ich darvon gewischt; aber weil ich sahe, wie der galgen hinden nach schnappte (
hinter einen fahnenflüchtigen), mochte ich meinen hals auch nicht gern in dergleichen ungelegenheit bringen. Chr. Weise
erzn. 40
neudruck; vgl. dazu schnappgalgen. 44) schnappen,
auf plötzliches hervorbrechen, räuberischen überfall, straszenraub bezogen (
vgl. dazu schnapp 4
und 5, schnappe 4, schnapphahn 1,
und erschnappen
theil 3,
sp. 967
fg.);
die bedeutung rührt auch an die unten 6
an: als ain groszer federhanns, ainer vom adel, in seinem land ob dem schnappen und uf der that ward ergriffen.
Zimm. chron. 2
2, 394, 38; ir drei ritten umb zu schnappen, verbutzt gar wol mit jren kappen. Wickram
bilg. 58
a. 55)
eingeengt auf die hastig auf- und zufahrende bewegung des mundes, in welcher bedeutung das wort der neueren sprache beinahe einzig noch genehm ist; in mehrfacher weise. 5@aa)
intransitiv, vom gierigen zufahren, beute zu erhaschen: nû snappe dar, ein hellehunt. R. v. Zweter 489, 157
Roethe; dô vûr ouch der unholde umme snappin als ein hunt, unz im ir (
einer frau, bei einem kampfe) dûme in den munt quam, den er ir abebeiʒ. Jeroschin 14773;
absolut: ein fisch, hund schnappt; eine mücke durch ein schnelles schnappen der lippen erquetschen wie die fliegenfalle. J. Paul
Tit. 2, 33; er litt nicht, dasz finger, an welche seine lippen mit allem schnappen nicht kommen konnten, sich um einen kalten messingleuchter legen sollten.
Siebenk. 1, 42; dem stummen schnappenden fisch den bauch aufzureiszen. Zachariä
tagesz. 26; angel schwebte lockend nieder; gleich ein fischlein streift und schnappt. Göthe 3, 34; der haifisch schnappt, die möwen schrein. Eichendorff (1864) 1, 247;
mit präpositionen: der hund schnappt um sich; er (
der hund) byszet ein wenig und schnappet umb sich. Keisersberg
bilg. 138
c; auswärts reckt sie (
die Skylla) die häupter hervor aus dem schrecklichen abgrund, schnappt umher und fischt sich, den fels mit begier umforschend, meerhund' oft und delphin'.
Odyssee 12, 95; nach etwas schnappen: alle bate helpet: de söge snappet na der muggen (
parva iuvant: culicem deprehendere sucula tentat). Tunnicius 434; so schnappet denn der teufel nach den menschen. Luther
tischr. 77
a; ein narr lässet sich den äuszerlichen schein bethören, dasz er, wie des Esopi hund, das warhaftige stück fleisch ausz dem munde fallen läst, und nach dem schatten schnappt. Chr. Weise
erzn. 223
neudruck; wann ein fisch an den angel kömmt, und nach dem köder am haacken schnappet.
öcon. lex. 97; der adler schnappet nicht nach fliegen,
aquila non captat muscas. Frisch 2, 211
b; seeungeheuer .. schnappen nach fliehenden nymphen. Bettine
briefe 1, 61; (
der fuchs) schnappte grimmig nach ihr (
der krähe) und risz das haupt ihr herunter. Göthe 40, 115; da krochs heran, regte hundert gelenke zugleich, will schnappen nach mir. Schiller 11, 225. 5@bb)
im besonderen, bei athemnot nach luft schnappen: nach der luft schnappen,
aërem captare Stieler 1892; wenn er zusammen gedrückt an dem schreibtische sasz und nach luft schnappte. Thümmel 6, 210; hier sitze ich und schnappe nach luft, suche mich zu beruhigen. Göthe 16, 81; man bemerkt nicht, dasz kein hunger dadurch gestillt wird, wenn man nach der luft schnappt. 19, 341; er musz heraus an die himmelluft und beständig nach ihr schnappen. J. Paul
Hesp. 1, 211;
[] fast erstickt vom übermasz der lust, schnappt er mit offnem munde nach kühler luft. Wieland 10, 179; sie stürzte zusammen und schnappte nach luft. Bürger 35
a; nach athem schnappen: die arme seelen so in der groszen hitz des fegfeurs nach jrem athem wie ein karpff nach dem wasser schnappen. Fischart
bienk. 112
b; nach dem letzten athem schnappen,
im todeskampfe: ein alter mann ja nicht lange leben kan; ey! er musz bald schnappen nach dem letzten athem ja.
Venusgärtlein 20
neudruck. 5@cc) nach etwas schnappen,
in mannigfachem bildlich gebrauch: nach einer erbschaft schnappen,
inhiare haereditati Steinbach 2, 472; jeder schnappte nach seinem besitz und bekümmerte sich nicht um die einrichtung des ganzen. Herder
zur theol. 3, 103; wie begierig der doktor nach diesem anlasz schnappt, seine belesenheit in den geistermährchen zu zeigen. Wieland 6, 59; die wiszbegierde schnappt begierig nach diesem entfernten gegenstande. Kant 8, 379; die geistlose leere schnappet nur aus noth .. nach frommen bildern. Möser
phant. 4, 191; bruder, wahre dich nur gegen eheweiber. schnappe einmal zum spasze nach einem rothen schminkläppchen von ihnen, flugs schieben sie dir die angelhaken in die rückenhaut. J. Paul
Tit. 2, 130; der ehrsucht schwillt die brust von wünschen nach der höh, und schnappt nach wind und rauche. Günther 421; hättest du mit krummen ränken nach des nachbars gut geschnappt. 866; was hilft es auch, nach weisheit schnappen, die oft dem wirbel wehe thut? Hagedorn 3, 51; diese landschmarutzer, die die füsze beständig unterm tisch des kaisers haben, nach allen benefizen hungrig schnappen. Schiller
hist.-krit. ausg. 12, 71 (
Piccol. 1, 2); auf etwas schnappen: so fühl ich auch nicht hitz auff hofegunst zu schnappen. Logau 1, 97;
von dingen, in gedachter belebung: dasz .. lauter fatale stachelschriften darin (
in dem buche) leben und weben, die nach dem menschen beiszen und schnappen. J. Paul
auswahl aus des teufels papieren 1, x; das der rabenstein nach jm schnappet. H. Sachs 3, 2, 118
c; (
zunder) gierig nach dem funken schnappend. Rückert 157. 5@dd)
transitives schnappen,
schnappend erlangen oder verzehren: gib einen kappen, einen trappen, und vier klappen, dasz wir die schnappen, ausz einer baierischen gemalten schussel.
Garg. (1590) 182,
vgl. dazu minnes. 3, 310
a Hagen, fliegen schnappen,
venari muscas Stieler 1892; wie ein derberer trinker etwa aus versehen ein gläschen süszen liqueurs schnappt, das gerade dasteht. G. Keller
werke 2, 213; da schnappte sie ihm das händlein in den mund und hielt es mit den lippen fest. Pestalozzi
Lienh. u. Gertr. (1831) 3, 44; lief er nach hühnern, er wuszte den ort, und schnappte sich eines. Göthe 40, 30; mög' er senden einen haifisch, der dich schnappt und wieder speit! Platen 284
a;
frei: so schnappt er ja an trankgeld baar zehn blinde, ohne rändchen (
Louisdor). Bürger 40
a; luft schnappen,
gern in scherzender rede auch für spazieren gehen; den letzten athem schnappen,
vgl. dazu oben b a. e.: das es (
das maulthier) den letzten athem schnapp. Rollenhagen
froschmäus. k 8
a;
mit adverbien: von Bock ... bringts (
das strumpfband) der prinzessin und schnappt mir glücklich das kompliment weg. Schiller
hist.-krit. ausgabe 3, 429 (
kabale 3, 2); es wirbelts (
das schiff) die welle dreimal umher, und hinunter schnappts der reiszende strudel. 1, 123;
vgl. auch aufschnappen
theil 1, 727. 66) schnappen,
auf hastiges bloszes zugreifen bezogen, wobei die beziehung des mundes sich verliert; die bedeutung greift nach der oben 4
aufgeführten über; mit nach: es wird ihm des nachts im schlafe vorkommen: er wird darnach schnappen und in die luft greifen. Wieland 8, 264 (
Danischm. 31);
transitiv: (
der landsknecht) det darmit hintern ofen weisen auf den hangenden doten hon (
hahn). als der wirt der hel zw wart gon, wolt den hon von dem nagel schnappen, maint der dewffel, wolt nach im dappen. H. Sachs
fab. 1, 448, 79
Götze. [] 77) schnappen,
hinken, ist kein anderes wort, sondern die übertragung des schnellens (
oben 3)
auf die entsprechende bewegung des fuszes; die ältere bedeutung ist, wie bei snaben (
vgl. im eingang dieses artikels)
wanken, straucheln: cespitare snappen Dief. 106
a; dis buch hats mit viel exempl gelernht, das man den heiligen nicht soll nachvolgen in allen werken, dan got lessit zcu zeytten die heiligen auch schnappen und strauchlen. Luther
krit. ausg. 9, 586, 10;
auch stürzen: (
der du) nun, ein blindenleiter, tapst, und eh du meinst in dhellen schnapst. Kirchhof
wendunm. 358
a;
die bedeutung hinken tritt jünger auf: schnappen,
claudicare, hinkelen,
boiter Schottel 1405;
geht aber durch mehrere mundarten; in der Wetterau schnappen,
mit einem kürzeren fusze gehen, was bei jedem tritte klappt Kehrein 359;
hessisch schnappen
hinken Vilmar 360; (
der graf) ist mit 'nem giftigen pfeil im schenkel verwundet, kann dir kaum schnappen; läuft dir nicht weg, wenn du schon ein halb stündchen später kommst. Fr. Müller 3, 222. 88) schnappen,
mundartlich auch nicken, ein schläfchen im sitzen machen, unterrheinisch Kehrein 359;
in der grafschaft Katzenellenbogen schnappen
oder schneppen Pfister
nachträge 262;
in der Schwalm flöhe, läuse schnappen,
knicken ebenda; in der Wetterau es ist ihm etwas dawider geschnappt,
er ist verdrieszlich, weil ihm etwas nicht nach wunsch gegangen ist Kehrein
a. a. o.; an das letztere rührt auch das bei Steinbach 2, 472
als mundartlich verzeichnete schnappe,
damno afficior.