kurzweil,
f. zeitvertreib, vergnügen, lust. II.
Formen und entstehung. I@11) kurzweil
ist der gegensatz zu langweile,
was die lange weile
oder zeit zu einer kurzen
macht, z. b.: einen tanz si danne trâten mit hôchvertigem gesange, daʒ kurzt die wîle lange.
Helmbr. 942,
in der Berliner hs. kurzt in die wîle lange,
zu der stellung wîle lange
vgl. bair. weillang
langweile Schm. 4, 56 (
wie auch zeitlang 293);
vgl. einem die weile kürzen
sp. 2847
und kurze weile
sp. 2833
fg. scherzhaft umgekehrt in einer lügenpredigt: sît daʒ ich kan machen kurze wîle lange. Pfeiffers
altd. übungsb. 154.
ebenso entsprechen sich kurzweilig
und langweilig,
kurzweilen und langweilen. I@22)
aber die beiden substantiva haben keineswegs eine gleiche entwickelung und bildung. I@2@aa)
gegenwärtig sind kurzweil
und die vorwiegende schriftdeutsche form langeweile (
die zugleich die der md. rede ist)
verschieden genug, jenes nur kúrzweil
betont, dieses noch langewéile
oder genauer lange weile
gesprochen und mit noch lebendigem adjectiv, vor langer weile, bei aller langen weile
u. dgl., während zu kurzer weile
u. dgl. ganz ungebräuchlich ist, obschon ich nicht zweifle, dasz es sich vereinzelt finden lassen wird. kurzweil
ist längst oder von je her (
s. c)
éin wort, lange weile
noch zwei (die lang weil Ayrer 793, 3),
und wenn mans jetzt als eins behandelt, auch das adj. darin immer häufiger als todt behandelt, z. b. aus langweile,
oder gar aus langeweile,
so flieszt das hauptsächlich aus der rein äuszerlichen rücksicht auf die schreibung, weil man in verlegenheit ist, wo man den groszen anfangsbuchstaben des subst. setzen soll, bei weile
oder bei lang,
oder weil man die in sich noch lebendigen wörter überhaupt nicht liebt; gar manches langeweile
oder langweile
als gen. oder dat. hat in der druckerei seinen ursprung, nicht beim schriftsteller. I@2@bb)
allerdings ist lángweil
doch auch entwickelt, in oberd. mundarten oder denen überhaupt, die das -e
gern abstoszen, z. b. bair. lankweil Schm. 4, 56,
schon im 16.
jh., z. b. zu vertreibung der langkweil Schaidenreiszer
Odyss. 1570 225
a (
wie unentbehrlich und lehrreich ist hier das -gk); dein langweil allhie zu erbrechen mit jagen, rennen und mit stechen und ander kürzweil aller summ. H. Sachs 4, 2, 7
c.
Daher erscheinen besonders bei oberd. schriftstellern auch in neuerer zeit beide wörter auf gleichen fusz gestellt: er war ein rüstiger mann, dem .. nichts langweile machte, als kurzweile. J. Paul
Tit. 1, 79 (1800 1, 126); da ihre kurzweile eben in der abkürzung und abwechslung ihrer langweile besteht. 3, 196.
und schon im 17.
jh. strebte man kurzweile
voll zu erhalten oder wiederherzustellen (
wie im 18.
bei Ludwig, Adelung): diese schädliche kurzweile. Butschky
Patm. 320; eine kurzweile anstellen .. dieser kurzweile (
dat.). Schuppius 125;
auch im 16.
jahrh. noch einzeln, z. b. im reime: triben vil kurzweile (: eilen) Soltau 2, 269,
v. j. 1553,
aber nicht von einem Oberdeutschen, sondern einem Braunschweiger. Die wbb. geben vorwiegend nur kurzweil
und lange weile,
so Stieler, Rädlein, Steinbach (
auch lange weil), Frisch,
selbst der Schweizer Denzler kurzweil
und lange weil (Aler
beides, lange weil
und lang-weil, Maaler
überhaupt nur kurzweil),
während der Baier Schönsleder
neben kurzweil
doch langweile
hat, aber für die langweil i 3
a (
und weillang Nn 5
a),
M. Krämer im
teutsch-it. wb. Nürnb. 1678
für die lange weile 715
b und langweil 718
a. I@2@cc)
schon mhd., wo lange wîle
überhaupt noch nicht geläufig ist, erscheint kurzewîle
nur als éin wort, soviel bis jetzt bezeugt ist (
vergl. übrigens unter 1),
obwol auch kurze wîle
geschrieben vorkommt, z. b. Nib. 33, 4
in B, aber auch dann im gen. und dat. mit unverändertem kurze,
z. b.: sich fliʒʒen kurzewîle die künege und ouch ir man.
Nib. 129, 1 (kurzwîle 130, 2); vil maniger kurzwîle man im zen êren dâ began. 1300, 4
B; vil herter kurzewîle lêrt in Schŷron ein wunder. Konrad
troj. kr. 6174; swie daʒ sî mit kurze wîl (
so). Teichner
s. 66
Kar. ganz geläufig auch schon im 13.
jh. kurzwîle. I@33)
Häufig aber mhd. und noch nhd. mit umlaut kürzewîle, kürzwîle, kürzweil. I@3@aa)
mhd. weit häufiger als die wbb. und die ausgaben, wo meist voreilig und bequem geändert ist, erkennen lassen (
in den wbb. nur kürzwîle Licht. 338, 5,
Wh. 466, 20),
z. b.: si sâʒen gên den lüften und heten kürzewîle grôʒ.
Nib. 1260, 4
Lachm.; Rüedigêr und sîne vriunde heten kürzewîle guot. 1304, 4;
auch in B z. b. 494, 2. 753, 3
nach Lachmanns zählung (
s. dessen anm.),
und ebenso als zeitwort kürzewîlen 555, 2
B, 862, 4
B, 348, 7
C (
die hs. zverzewilen,
s. sp. 4
unter 4,
c, wo die zahl zu berichtigen), kürzwîlen 307, 2
C; kürzewîle
Walther 46, 12
in E; dar was durch kürzwîl komen ich. Lichtenstein 396, 10. I@3@bb)
auch nhd. noch im 15. 16.
jahrh. (
auch kürzweilen, kürzweilig): das alter nimpt alle kürzweil hin.
fastn. sp. 738, 15; das andern frauen ein kürzweil was. 1421; damit do hat er kürzweil vil. 1424; vil kürzweil kan sie machen. Schades
bergreien s. 84; Socrates het zu gast gebeten guot freund, dasz sie ein kürzweil hetten. Scheit
grob. II 3
a; und laszt uns guote kürzweil han. K 4
b; ewr herr könig kommet mit ehrn, der kan euch frewd und kürzweil mehrn. H. Sachs 4, 2, 7
c; mich frewt auch gar kein kürzweil mehr. 7
b,
s. auch unter 2,
b; aller kürzweil, thurnieren, tanzen.
Amadis 298; von thurnieren und allerhand neuwer kürzweil. 312; dorinnen der adl sein kürzweil suecht. Kiechel
reisen 17.
s. auch nd. körtewyl
unter 5, körtwylich. I@3@cc)
der umlaut musz guten grund haben. schwerlich ist er eine wirkung des î.
eher zeigt sich darin die nebenform kürze
gleich kurz (
s. d. I,
d),
oder kürzewîle
ist urspr. imperativische bildung zu die wîle kürzen (
sp. 2847),
gleich dem nachherigen zeitkürzung.
das fehlen des art. könnte bei entstehung noch in ahd. zeit nicht auffallen, vor allem begriffe sich daraus völlig, dasz es gleich anfangs und immer als éin wort auftritt trotz des zweiwortigen lange weile
zur seite. dasz man es daneben und je länger je mehr auch als '
kurze weile'
auffaszte, zeigt das unterliegen der umlautsform. ein längweile
aber neben langweile
scheint gar nicht versucht zu sein; hier war ja eben die zeit selbst das fühlbare und der hauptbegriff, dort das was die zeit unfühlbar machte, sodasz beide innerlich doch sehr verschieden sind. I@44)
Zur form ist aber noch mehr zu erinnern. I@4@aa)
es erscheint auch andres geschlecht, im gen. und dat. unkenntlich ob m. oder n.: kurzweils gnug vor diesen abend, wir sind müder vom lachen als vom zusehen. A. Gryphius
P. Squenz 1663
s. 42 (1698 1, 752); scherzt nicht, o herr! mit diesen armen leuten! ihr seht sie bleich und zitternd stehn — so wenig sind sie kurzweils gewohnt aus eurem munde. Schiller
Tell 1804
s. 137 (3, 3); dasz du ernst dem kurzweil vorziehst. Claudius 8, 132; schiebt meine vernunft nicht im kurzweil herum. Schiller
Fiesco 1, 12 (
hist. kr. ausg. 3, 38),
spielt nicht mit meiner vernunft. in Kants
anthropologie handelt § 58 von der langen weile und dem kurzweil (
Königsb. 1820
s. 172).
so nd.: ick hebbe dit allhier thom kortzwil' uthgedacht. Lauremberg,
anh. 106 (
s. 128
Lapp.).
unsicher, ob nicht doch f., in zusammens., z. b.: mancherleier kurzweils-spiele. Wesenigk
böse spiel-sieben (1702) 16. I@4@bb)
bezeugt sind aber m. wie n.: der kurzweil möchte langweilig werden. Claudius 8, 176; nach Pestalozzis vortrefflichen volksschriften bildete sich in Zürich eine moralische gesellschaft von jungen männern, die den kurzweil der jugend leitete ... Gervinus
nat. lit. (1844) 5, 346.
das n.: hat die hölle eine neue finte ersonnen, ihr satanisches kurzweil mit mir zu treiben? Schiller
räuber, trauersp. 5, 7 (
hist.-kr. ausg. 2, 330),
sodasz auch im kurzweil
unter a als n. gemeint ist. Unsicher ist ein kurzweil,
da ein
noch im 17.
jh. wie mhd. für eine
f. galt, z. b.: ich verbiete etwas von eingelegter ... schreinerarbeit machen zu lassen, das viel kostet, es ist nur eine wohnung der wandleuse (
wanzen), ein kurzweil der mäuse.
Simpl. 1684 3, 131,
wo doch das eine
in der nähe das n. wahrscheinlich macht; bei Göthe
in alterthümelndem deutsch: im vordergrund sind zwei feine knaben, die gar ein artig kurzweil haben. 13, 54 (
das neueste von Plund.).
Beim n. kann gedachtes spiel
unterliegen, woher aber das m.? auch bair. heiszt es sowol die
als der zeitlang (
vergl. unter 1),
lange weile Schm. 4, 293,
wo aber der
eig. gen. zu zeit
sein mag, vgl. tirol. weillang
m. oder derweillang,
langweile, heimweh Schöpf 808
und das genitivische, eigentlich partitivische der weil haben
u. ä. Schm. 4, 55, nicht der zeit haben 292. I@4@cc)
der pl. (
vgl. II, 2,
a)
ist theils schwach theils stark. letzteres: die schon zu Veltheims zeiten .. gedruckten komödienzettel lieferten .. oft eine ausführliche beschreibung der theaterverzierungen, verwandlungen, hauptspäsze und kurzweile der pickelhäringe. J. Fr. Schütze
hamb. theatergeschichte 42,
wohinter sein nordd. masc. kurzweil, korzwîl (
s. u. a)
stecken wird (
doch auch andre kurzweil 17).
auch blosz kurzweil
pl., endungslos: andere kurzweil vergehen einmal, musica die schwebet und lebet in gottes saal. S. Völkel
bei Hoffmann v. Fall.,
gesellschaftslieder 243.
In schwacher form, als f.: die kindische kurzweilen mit ernsthafter arbeit verwechselen. Fischart
ehz. 480
Sch.; als bei selbtem (
banket) nach allerhand zugelassener (
erlaubter) kurzweilen man endlich .. Gryphius 1, 182. I@55)
Auszer dem hd. nd., im 16.
jh. körtewyl Chytraeus
c. 53;
aber gewöhnlich vielmehr kortzwyl Lauremberg (1670) 88, darmit man sine lust und sine kortzwyl drifft (
treibt) 91,
bei Lapp. s. 73. 75,
und noch jetzt körzwil Dähnert 247
b, korzwiel Schütze 2, 327.
Ebenso älter nl. zwar auch kortwijl,
s. Oudemans 3, 510,
aber daneben kortswijl 509,
bei Kil.
nur kortswylig,
im verb. kortwylen
und kortswylen,
jetzt blosz kortswijl
f., kortswijlen, kortswijlig.
das wort musz im hd. seine eigentliche entwickelung gehabt und von dort nach norden gegriffen haben. Auch im norden hat es sich vorübergehend geltend gemacht, früher dänisch kortvillig, kortvillighed
kurzweil, aber nur als fremdwort, wie schwedisch kortvillig, kortvillighet,
in beiden sprachen wieder beseitigt, doch schwed. noch landsch. Rietz 347
b. IIII.
Gebrauch und bedeutung. II@11)
Das kurzweilen, unterhaltung, zeitvertreib, auch zeitkürzung
genannt (
mhd. kürzunge der zît Jeroschin 99
d): es ist fürwar ein grosze kurzweil und zeitkürzung ihnen zuzuhören. Fischart
bien. 1588 213
a.
der voc. inc. teut. erklärt kurzweil
mit solatium, recreatio, jenes wie mhd. trôst (
älter it. solazzo). II@1@aa)
so z. b. im folg.: stehe auf und lasz uns kurzweil in den grünen feldern suchen.
buch d. liebe 250
c; di kinder hab wir lieb und wert ... und laszent in all lust und gir, vil kurzweil haben darvon wir. Schwarzenberg 127
a; den teufel wil ich uns pannen, das er uns kurzweil musz aufspannen.
fastn. sp. 1174; wan ich .. zwischen besagten wichtigen .. geschäften kaum eine angenehmere, dan dise (mir natürliche) ergötzung und kurzweil genommen (
das dichten). Weckherlin
vorr. zu den weltl. ged., auch ergötzung
ist eigentlich nur erholung von arbeit und not; ein (
mechanisches) huhn, das, durch ein uhrwerk, kurzweil machte. Gökingk 2, 153; gebt mir diesen da, der mir gefällt, zur kurzweil und gesellschaft. Schiller 462
b (
jungfr. v. Orl. 2, 2).
auch geistliche kurzweil,
so heiszt z. b. ein buch von J.
V. Andreae
Straszb. 1619. II@1@bb)
der vortretende begriff der von haus aus blosz zeitlichen bezeichnung ist natürlich freude, lust, vergnügen, daher auch mit freude
u. ä. gesellt: der kan euch frewd und kürzweil mehrn. H. Sachs 4, 2, 7
c; macht euch freud und kurzweil.
buch der liebe 237
a; mein kurzweil und fröud,
deliciae meae. Maaler 259
a; zur kurzweil junger leut. Rompler 101; zu ehr, nutz und kurzweil gemeiner christenheit. Göthe 13, 57 (
fastnachtsp., titel); die schaubühne ist die stiftung, wo sich vergnügen mit unterricht, ruhe mit anstrengung, kurzweil mit bildung gattet. Schiller 705
b (
die schaub. als eine mor. anst. am ende).
Es hiesz kurzweil haben, '
sich amüsieren': und laszt uns guote kürzweil han. Scheit
grob. K 4
b;
aber auch eine kurzweil: Socrates het zu gast gebeten guot freund, dasz sie ein kürzweil hetten. H iij
a,
und seine kurzweil haben,
wie jetzt seinen spasz
u. ä.: was aber die .. scherzworte anbelanget, damit meine hochgebietende frau abermal ihre kurzweil hat ..
Simpl. 1685 2, 533; und seht die knaben, die in der ecke ihre kurzweil haben. Göthe 13, 50. II@1@cc)
besonders auch spasz, scherz, witz u. ä. (
vgl. unter I, 4,
c hauptspäsze und kurzweile
der pickelhäringe): und gleich wie schlaf dem leib wol thut, so kompt kurzweil dem gmt zu gut. Fischart
Garg., rückseite des titels; Taubmanni kurzweil reizete niemanden. Brandt
ber. vom leben Taubmanns 27; kurzweil in worten,
des plaisanteries. Rädlein 574
a, kurzweil
dicta jocosa, ridicula Aler 1259
b; oft hat ein kurzer spruch ... was sonst kein witz (
d. i. geist) vermocht, durch kurzweil ausgeführet. Drollinger 50,
sätze in gang gebracht durch witzige, spaszhafte fassung. kurzweil treiben,
seinen spasz treiben: die fursten ranten (
ritten) einander an, triben vil kurzweile. Soltau 2, 269,
herzog Moritz und landgraf Philipp, die einander begegnen und ihrer freude darüber mit scherz und spasz luft machen; wirstu viel kurzweil, scherz mit deinem knechte treiben, so wird er sein dein herr und du sein diener bleiben. Olearius
pers. ros. 5, 1; wärst du zu hause geblieben, hättest kurzweil mit deim schätzle getrieben, hättest du dein schätzele noch. E. Meier
schwäb. volksl. s. 292; kurzweil mit einem treiben,
einen vexieren Rädlein. es ist keine kurzweil damit,
kein kinderspiel, pas de bagatelles. ders. II@1@dd)
aber auch verinnerlicht kurzweil
im herzen: vil kürzweil kan sie machen dem jungen herzen mein. Schades
bergreien s. 84,
so singt einer von seinem lieb. daher auch vom geliebten selber: gesegne dich gott, mein herzliebster gemahel, mein aufenthaltung, mein kurzweil und schimpf.
buch d. liebe 276
d. II@1@ee)
bemerkenswert ist noch, wie die schwesterwörter sich begegnen in den wendungen für kurzweil
und für die lange weile
und ähnl., z. b.: der schultheisz ladet mist für kurzweil.
Garg. 185
b (
Sch. 342),
es könnte eben so gut heiszen für die lange weile, vor langer weile; etwas für kurzweil ausschreiben,
chartis illudere. Maaler; 's goht um nüt, mer mache für churzwil. Hebel
alem. ged. 1820
s. 69,
vom kartenspielen nicht um geld; es ist, als ob diese sterne für kurzweil bei den andern herum spatzierten.
dess. schatzkästl. 94.
ebenso: der folgt mir nicht vor langer weile. Lessing 2, 214,
nicht zwecklos, '
nicht für nichts und wieder nichts',
wie man auch sagt (
als wäre es auch aus dem spiele); eine frage .. die nicht so ganz für die lange weile sein dürfte. 8, 364.
auch aus kurzweil Schönsl. h 6
b, zur kurzweil Stieler 2475, in kurzweile Ludwig 1092. II@22)
Natürlich auch von dem, was die kurzweil macht, selber. II@2@aa)
daher auch im plur.: Dietrich von Bern .. ist mildt und ehrenreich gewesen mit haltung groszer spiel, mummereien, pankatieren und fechten, laufen, rennen und stechen, denn in solchen und dergleichen kurzweilen ist er gleich worden den alten Römern. Aventin
chr. 293
a,
die aufgezählten sind eben die ihm aus seiner zeit geläufigen kurzweilen; bei allen festiviteten, kurzweilen und fröligkeiten. Butschky
Patm. 436; eine komödie, die kein ende nimmt, ist die langweiligste unter allen kurzweilen. Wieland 19, 62.
s. auch unter I, 4,
c. II@2@bb)
singularisch: manig kurzwîl von rôsen sach ich dô ûf ir houbet.
lieders. 2, 223,
lustigen, hübschen kopfputz; nu schweigt, ir hern, und seit mit ru, und hört einer hübschen kurzweil zu.
fastn. sp. 391, 5,
vom spiele selber; mit jagen, rennen und mit stechen und ander kürzweil aller summ. H. Sachs 4, 2, 7
c; mich frewt auch gar kein kürzweil mehr. 7
b; mit was kurzweil, herr marschalk, passiren wir den vorstehenden abend! A. Gryphius 1, 727 (
P. Squenz); diese schädliche kurzweile (
das spielen). Butschky
Patm. 320; das stallausmisten (war) seine adliche kurzweile und turnier-spiel.
Simpl. 1, 3. II@2@cc)
es hiesz in diesem sinne eine kurzweil anrichten, anstellen
u. ähnl.: also hielten sie ein grosz fest und freude durch das ganze land. da richtet man mancherlei kurzweil an ..
buch d. l. 44
b; da hat vielleicht eine jede dem könige zugefallen wollen eine kurzweile anstellen. da wird der alte Salomo dieser kurzweile beigewohnt haben. Schuppius 125; ich wuszte ausz der erfahrung, dasz wann er grillen im kopf habe, pflegt er eine kurzweil anzustellen.
ders. in Wackern.
leseb. 3
1, 743. II@33)
Zu erinnern ist noch, dasz das wort aus der mhd. zeit her als höfisches modewort noch im 16.
jahrh. und länger erscheint, nachher eben auch vom hofe aus durch andere, seit dem 17. 18.
jahrh. besonders durch französische oder ital. wörter abgelöst, wie divertissement, amusement,
sodasz wir im geläufigen deutsch nun die lange weile
wol noch haben (ennui
ist doch nicht durchgedrungen, wol aber ennuyieren),
die kurzweil
aber nicht mehr. II@3@aa)
daher auch von minnelust und freude, oft in mhd. gedichten, und noch später, z. b. (
vgl. kurzweilen 2,
f): dâ die gelieben under in friuntlîche beide lâgen und mit ein ander pflâgen liebe und kurzewîle (
gen.) vil.
Engelh. 3221, setz dich ein kleine weil nieder und mach mir ein kleine kurzweil. Herders
volksl. 1, 38 (Uhland 168),
in einem der von Göthe im
Elsasz im jahre 1770
gesammelten volkslieder; mit einem mädchen im grünen kurzweil treiben,
cajoler une fille sur l'herbe. Rädlein 574
a. II@3@bb)
besonders auch von ritterlichen übungen aller art, hauptsächlich kampfspielen (
vgl. adliche kurzweil 2,
b a. e.),
s. auch kurzweilen 2,
e: allerlei bungen und kurzweil so auf offnen plätzen beschähend, als ringen, rennen, fächten
etc., circenses ludi. Maaler 259
a; edler ritter, mein vatter hat einen groszen gefallen in allem euwerem züchtigen (
d. h. höfischen) wesen, auch von wegen ewerer ritterlicher thaten. darum bitte ich euch, kompt oft her, kurzweil zu machen.
buch d. liebe 33
a; sich mit aller kurzweil auf dem lustplatz dummeln. 235
a; dasz beide jüngling auf dem lustplatz ir kurzweil übeten.
das.; aller kürzweil, turnieren, tanzen ...
Amadis 298; Achilles war hoch von statur, in aller kurzweil wol geübet. Weckherlin 370 (
od. 1, 6).
das hiesz denn mhd. auch hübsch herte,
harte kurzewîle,
z. b. in der erziehung des Achilles: vil herter kurzewîle lêrt in Schŷron ein wunder. daʒ er genas dar under, daʒ was ein grôʒ unbilde (
beispiellos), Konrad
troj. kr. 6174. II@3@cc)
daher, echt ritterlich, förmlich auch auf kampf und schlacht erstreckt, schon im 12.
jh., vermutlich früher: gewisse fuor ich einen vanen, der churze wîle mit mir sol wonen (
gewohnt werden).
Alex. 221, 18
Diemer; also lieszen die von Regenspurg etwa vil gueter und entlicher man, wol angelegt, die sich rais und solcher kurzweil auch genietet hetten, ausz der statt zu den Bairn (
die sie vor der mauer dazu herausgefordert), dasz sie mit in scharmützlen solten.
Augsb. chr. 2, 42,
es ist aber ein blutiger strausz, nur um er und knhait
zu erwerben; viel kurzweil und kampf.
Amadis 312; schawt das ir euch bei tag und nacht zu dieser kurzweil fertig macht. Ringwald
laut. warh. (1621) 339,
an die kriegsleute,
in der überschrift prosaisch ausgedrückt 'wenns zur häuptschlacht kömpt',
nachher heiszt es auch diese scharfe kirmes.