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trechen

mhd. bis Dial. · 8 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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10 in 8 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

trechen vb.

Bd. 21, Sp. 1572
trechen, vb. , ziehen, schieben; das feuer bedecken. form. mhd. trechen, ahd. nur im comp. participium pitrohhan bezeugt, s. 2. mnl. entspricht treken, ist aber im präs. selten und meistens durch das schwache präs. trecken ersetzt, das dann weiter auf die flexion einwirkt, s. Franck mnl. gramm.2 § 140, 1. ähnlich wird mnd. das verbum im präsens meistens (A. Lasch § 428 anm. 1), neund. gänzlich durch das intensivum trecken repräsentiert, während die auszerpraes. formen zumeist stark gebildet werden (vgl.trecken). auf hochdt. gebiet gehört das vereinzelte part. trochen in intransitiver bed. Wickram 5, 275 Bolte zum präsens trecken, s. dort. die etymologie ist unsicher (s. Walde-Pokorny 1, 801), unklar auch das verhältnis zu dem gleichbed. starken vb. rechen (teil 8, 340), das in lat. regere (rogus, erogare) seine sichere idg. entsprechung hat (*trekan aus at-rekan? Franck et. wb. [1892] 1030). zur flexion im hochdt. ist anzumerken die öftere präfixlose bildung des part. prät., z. b. Frisius (1556) 1226a; Watt 2, 346; 3, 66 neben getrochen 1, 216. im stamm des präsens ist der wechsel zwischen e und i bis ins 16. jh. voll erhalten; ausnahmen sind selten, z. b.: ich treche Gretter ep. Pauli a. d. Römer (1566) 412; sie trächet Fischart Garg. 111, 7 ndr.; imp. trech! schweiz. spiele d. 16. jh. 1, 259 Bächtold.vereinzelt schwache flexion: gedrechet feur Dentzler clav. (1697) 1, 729b. — das wort ist fast ganz auf das bair.-alem. beschränkt; im angrenzenden md. nur in vereinzelten spuren: Mathesius Luther (1566) 53a; Scheit Grobianus 1551 ndr.; literarisch reicht es über das 16. jh. nicht hinaus, wird aber noch im 18. jh. vereinzelt notiert, z. b. Dentzler clav. (1716) 288a; die obd. maa. haben es in der bedeutung 2 bis heute bewahrt. bedeutung. 11) zumeist transitiv, etwas ziehen oder schieben: zehant der valk die tuben stiez, daz si gehort noch gesach: hin und her er si do trach, biz si im in die griffe wart Joh. v. Würzburg Wilh. v. Österreich v. 7388 Regel; also trechent si unreht guot zesament predigten 1, 70 Grieshaber; (sie haben) die selben priester in iren gerichtszwange wellen trechen Keisersberg 21 artikel 11 Dacheux; gern auch von etwas unangenehmen, einer last, einem unglück: er wölte den eydgenossen ein rauch in die nasen richten, so hat er jhm selbs das feür auff die füss getrochen Stumpf Schweizerchronik (1606) 738a; ich förcht den mätzenknecht, das er nit etwas unglücks auff sein kopf träche Boltz Terenz (1539) 147a; es wäre leycht geschehen, das yemant vom volck sich zu deinem weyb geleget hette, und hettest also ein schuld auff uns getrochen Zürcher bibel (1531) 1. Mos. 26 B; der kindisch bofel ... gibt ... anderem glauben die schuld und tricht all unglück auff sein widerpart wie die bäpstischen auff die luterischen, die luterischen auff den bapst S. Franck weltbuch (1534) 38a; so einr sin misstat uff eins andern sünd ze trechen fürnimpt F. Riederer spiegel d. waren rhetoric (1493) e 1b; das die purdin des costens von den fursten und dem adel uff die stett getrochen ist und wurdet (1499) urkdb. d. stadt Heilbronn 2, 659; und wenn wir pfaffen seind, das wir kayn kind zu versorgen haben, so haben wir doch vettren, brüder- oder schwesterkind, die tricht uns der teufel uff den hals, sie zu versorgen Keisersberg trostspiegel (1510) g g 6a; (der 'niemand') müszte vil guots han uff erden, wenn er das alles zalen sölt, das man gern uff in trächen wölt R. Manuel weinspiel 1770 ndr.; (du) würdest mit solchen worten die schmach und ubel nachredung also glimpfig von dir leihnen und sie auff deine widersächer trechen Nic. Höniger narrenschiff (1574) 151b. als feste redensart insbesondere: auf ein anderen die schuld trächen culpam conferre in alterum Frisius dict. (1556) 349b, vgl.auftrechen 2, teil 1, 762; und wirt auch alle schuld auf den knecht getrochen H. Neidhart Eunuchus 128 lit. ver.; wie wol er umb syner stäten rainigkait wegen syn aigen flaisch nicht an wolte regen, sonder alle schuld uff die frowen trechen Steinhöwel Äsop 340 lit. ver.; tricht das wyb alle schuld uff die schlangen Bullinger alt geloub (1544) a 8a; treche also hiemit alle schuld auf die sünde, die in dem alten menschen stecket Gretter ep. Pauli a. d. Römer (1566) 412; so auch ohne specifisches object: id quod tu arguis das du im zuolegst, oder auff in trächen wilt Frisius dict. (1556) 117a; und was ir gschendend und zerbrächend, dasselbig ir dann morndes trächend (als schuld schiebt) uff ander unverlümbdet lüt R. Manuel weinspiel 3839 ndr. besondere aufmerksamkeit verdienen diejenigen fälle, in denen etwas ins feuer getrochen wird, da sie der bed. 2 'die asche ins feuer schieben, das feuer mit asche bedecken', sehr nahe stehen und uns die entstehung dieser alten ellipse deutlich machen: so ist der wintermonet gehür: dann trichet man kesten (kastanien) in das für Konr. Danckrotzheim nambuch v. 316 Pickel; (sie) legten die (kuchen) an ein haissen ort auf die erden, der zuvor durch ein fewrlein erwärmet worten, trechen alsdann die kolen samt der äschen widerumb darauff und liessend die ... ausbachen Leonh. Rauwolff aigentl. beschreib. (1583) 179. 22) das feuer trechen es dämpfen, lindern durch bedecken mit asche, eigentlich: die asche auf das feuer trechen, s. oben und vgl. auch vertrechen; ahd. in der composition: (igne) reposto pitrohhanemo ahd. gl. 2, 473, 37; 550, 74, davon das intransitivum drehanēn unter der asche glühen ahd. gl. 2, 434, 30; 39; 2, 663, 40; 2, 404, 49 s. Schatz ahd. gr. § 445; ignis sopitus das trochen fheur, das nit mer brünnt Frisius dict. (1556) 1226a; favilla aschen, in deren die gneist getrochen sind Calepinus undecim ling. (1598) 551a; getrochne glut Megiser (1603) 1, 528a; wan es an dem abent ist, so machestu die kolen an dem herd zesamen und trichest das füer Keisersberg brösamlin (1517) 2, 26d; ains mals, da ich (die magd) das feur wolt trechen, da thett ich in die kuchen gan erzähl. aus altdt. hss. 223 Keller; (die ehefrau) verwahret, das kein regen noch schnee ir haus schädige, trächet das fewer zusamen, beschleuszt thor und thür Fischart Garg. 111 ndr.; absolut gebraucht: niemand in die kuchin zu lassen, bald zu trechen und nit lang prasz (unnützes treiben) darinn halten, sunder die kuchin bald zu speren schwäb. haushalt.-ordnung a. d. 16. jh. bei Mone anz. für kunde d. dtsch. vorzeit 4 (1857) 16. bildlich und übertragen im sinne von 'abschwächen, besänftigen': sölich durchächtung erst under keiser Heinrichen dem fünften etwas getrochen und in die eschen bracht ward Watt dtsch. schr. 1, 216; als nun diser unlust (aufruhr) auch getrochen Mathesius Luther (1566) 53a; 'verbergen': welich erbärmlich und ellende tat dermaszen nit mocht trochen werden, dan dasz sie zeitlich, wie kein mord ... verschwigen bleibt, an den tag kam Watt dtsch. schr. 3, 66. — die bedeutung hält sich bis heute in der mundart: trechen die glut auf dem herde mit asche bedecken Schöpf 753; Fischer schwäb. 2, 339 ('das wort ist mit der sache selbst jedenfalls seltener geworden'); das feuer, die glühenden kohlen auslöschen, mit asche bedecken; bildl. feierabend machen: mer wend träche 'wir wollen die arbeit bei seite tun' Stalder 1, 293, vgl. auch drächt teil 2, 1326 und oben trecheisen. 33) als technischer ausdruck des weinbaus: die reben, stöcke, weinberge trechen für den winter zur erde niederziehen und (mit erde) bedecken Fischer schwäb. 2, 338; accumulare vites humo die weinstöck trechen Weismann lex. bipart. (1698) 2, 378; ein sehr grosze kälte erfolget, dasz die ungedrochene weingardten, auch diejenige, welche nicht recht gedrochen gewesen, grossen schaden genommen beleg von 1730 bei Fischer 2, 338; an orten, wo das trechen oder eingraben der stöcke ... gebräuchlich ist Joh. Phil. Bronner verbesserung d. weinbaues (1830) 55.
7854 Zeichen · 167 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    trëchenstv. I, 2.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +3 Parallelbelege

    trëchen stv. I, 2. BMZ intr. ziehen. hin und her sie dâ trach Wh. v. Öst. 16 b ; tr. ziehen, schieben, stossen: der mich…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Trechenv., trs, intrs

    Campe (1807–1813) · +2 Parallelbelege

    Trechen , v. I) trs . in der Schweiz 1) Ziehen; im N. D. trecken . 2) Das Feuer, glühende Kohlen auslöschen, dadurch daß…

  3. modern
    Dialekt
    trechen

    Schweizerisches Idiotikon · +2 Parallelbelege

    trechen Band 14, Spalte 687 trechen 14,687

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit trechen

12 Bildungen · 0 Erstglied · 8 Zweitglied · 4 Ableitungen

Ableitung von trechen 2 Analysen

tre + -chen

trechen leitet sich vom Lemma tre ab mit Suffix -chen.

Alternativen: tr+-e+-chen

trechen als Zweitglied (8 von 8)

betrëchen

Lexer

bet·rechen

be-trëchen stv. I, 2. BMZ scharrend bedecken (viur, gluot), verbergen Trist. Ms. Ls. sîn froude wirt gar betrochin Mart. 126, 46. diu rede w…

getrëchen

Lexer

get·rechen

ge-trëchen stv. I, 2. ziehen, schieben, häufen. wie er vil guotes über anander muge getrechen Griesh. 2,65 ;

leitrechen

KöblerMhd

leit·rechen

leitrechen , st. V. nhd. rächen E.: s. leit, rache W.: nhd. DW- R.: leitrechen vristen: nhd. Vergeltung aufschieben L.: Lexer 421c (leitrech…

vertrechen

DWB

vert·rechen

vertrechen , obd. verb., zu trechen ' ziehen '. mhd. vertrëchen ' überziehen, verbergen ' Lexer 3, 274 ; schweiz. Frisius ( s. unten ) ; Maa…

zertrechen

DWB

zer·trechen

zertrechen , verb. , zu trechen, nd. trecken ziehen; auseinanderziehen, zerreiszen; z. b. einen herd: erz. aus altd. handschr. 357 K.; Hugo …

ūftrechen

KöblerMhd

ūftrechen , st. V. nhd. jemandem etwas anrichten, jemandem etwas einbrocken Hw.: s. ūftrecken Q.: KvWPart (um 1277) E.: s. ūf, trechen W.: n…

ūztrechen

KöblerMhd

ūztrechen , sw. V. nhd. ausziehen Hw.: s. ūztrecken E.: s. ūz, trechen W.: nhd. DW- L.: Hennig (ūztrechen)

Ableitungen von trechen (4 von 4)

betrëchen

Lexer

be-trëchen stv. I, 2. BMZ scharrend bedecken (viur, gluot), verbergen Trist. Ms. Ls. sîn froude wirt gar betrochin Mart. 126, 46. diu rede w…

getrëchen

Lexer

ge-trëchen stv. I, 2. ziehen, schieben, häufen. wie er vil guotes über anander muge getrechen Griesh. 2,65 ;

vertrechen

DWB

vertrechen , obd. verb., zu trechen ' ziehen '. mhd. vertrëchen ' überziehen, verbergen ' Lexer 3, 274 ; schweiz. Frisius ( s. unten ) ; Maa…

zertrechen

DWB

zertrechen , verb. , zu trechen, nd. trecken ziehen; auseinanderziehen, zerreiszen; z. b. einen herd: erz. aus altd. handschr. 357 K.; Hugo …