trechen,
vb. ,
ziehen, schieben; das feuer bedecken. form. mhd. trechen,
ahd. nur im comp. participium pitrohhan
bezeugt, s. 2.
mnl. entspricht treken,
ist aber im präs. selten und meistens durch das schwache präs. trecken ersetzt, das dann weiter auf die flexion einwirkt, s. Franck
mnl. gramm.2 § 140, 1.
ähnlich wird mnd. das verbum im präsens meistens (A. Lasch § 428
anm. 1),
neund. gänzlich durch das intensivum trecken
repräsentiert, während die auszerpraes. formen zumeist stark gebildet werden (
vgl.trecken).
auf hochdt. gebiet gehört das vereinzelte part. trochen
in intransitiver bed. Wickram 5, 275
Bolte zum präsens trecken,
s. dort. die etymologie ist unsicher (
s. Walde-Pokorny 1, 801),
unklar auch das verhältnis zu dem gleichbed. starken vb. rechen (
teil 8, 340),
das in lat. regere (rogus, erogare)
seine sichere idg. entsprechung hat (
*trekan
aus at-rekan? Franck
et. wb. [1892] 1030).
zur flexion im hochdt. ist anzumerken die öftere präfixlose bildung des part. prät., z. b. Frisius (1556) 1226
a; Watt 2, 346; 3, 66
neben getrochen 1, 216.
im stamm des präsens ist der wechsel zwischen e
und i
bis ins 16.
jh. voll erhalten; ausnahmen sind selten, z. b.: ich treche Gretter
ep. Pauli a. d. Römer (1566) 412; sie trächet Fischart
Garg. 111, 7
ndr.; imp. trech!
schweiz. spiele d. 16.
jh. 1, 259
Bächtold. —
vereinzelt schwache flexion: gedrechet feur Dentzler
clav. (1697) 1, 729
b. —
das wort ist fast ganz auf das bair.-alem. beschränkt; im angrenzenden md. nur in vereinzelten spuren: Mathesius
Luther (1566) 53
a; Scheit
Grobianus 1551
ndr.; literarisch reicht es über das 16.
jh. nicht hinaus, wird aber noch im 18.
jh. vereinzelt notiert, z. b. Dentzler
clav. (1716) 288
a;
die obd. maa. haben es in der bedeutung 2
bis heute bewahrt. bedeutung. 11)
zumeist transitiv, etwas ziehen oder schieben: zehant der valk die tuben stiez, daz si gehort noch gesach: hin und her er si do trach, biz si im in die griffe wart Joh. v. Würzburg
Wilh. v. Österreich v. 7388
Regel; also trechent si unreht guot zesament
predigten 1, 70
Grieshaber; (
sie haben) die selben priester in iren gerichtszwange wellen trechen Keisersberg 21
artikel 11
Dacheux; gern auch von etwas unangenehmen, einer last, einem unglück: er wölte den eydgenossen ein rauch in die nasen richten, so hat er jhm selbs das feür auff die füss getrochen Stumpf
Schweizerchronik (1606) 738
a; ich förcht den mätzenknecht, das er nit etwas unglücks auff sein kopf träche Boltz
Terenz (1539) 147
a; es wäre leycht geschehen, das yemant vom volck sich zu deinem weyb geleget hette, und hettest also ein schuld auff uns getrochen
Zürcher bibel (1531)
1. Mos. 26
B; der kindisch bofel ... gibt ... anderem glauben die schuld und tricht all unglück auff sein widerpart wie die bäpstischen auff die luterischen, die luterischen auff den bapst S. Franck
weltbuch (1534) 38
a; so einr sin misstat uff eins andern sünd ze trechen fürnimpt
F. Riederer
spiegel d. waren rhetoric (1493) e 1
b; das die purdin des costens von den fursten und dem adel uff die stett getrochen ist und wurdet (1499)
urkdb. d. stadt Heilbronn 2, 659; und wenn wir pfaffen seind, das wir kayn kind zu versorgen haben, so haben wir doch vettren, brüder- oder schwesterkind, die tricht uns der teufel uff den hals, sie zu versorgen Keisersberg
trostspiegel (1510) g g 6
a; (
der '
niemand') müszte vil guots han uff erden, wenn er das alles zalen sölt, das man gern uff in trächen wölt R. Manuel
weinspiel 1770
ndr.; (
du) würdest mit solchen worten die schmach und ubel nachredung also glimpfig von dir leihnen und sie auff deine widersächer trechen Nic. Höniger
narrenschiff (1574) 151
b.
als feste redensart insbesondere: auf ein anderen die schuld trächen
culpam conferre in alterum Frisius
dict. (1556) 349
b,
vgl.auftrechen 2,
teil 1, 762; und wirt auch alle schuld auf den knecht getrochen H. Neidhart
Eunuchus 128
lit. ver.; wie wol er umb syner stäten rainigkait wegen syn aigen flaisch nicht an wolte regen, sonder alle schuld uff die frowen trechen Steinhöwel
Äsop 340
lit. ver.; tricht das wyb alle schuld uff die schlangen Bullinger
alt geloub (1544) a 8
a; treche also hiemit alle schuld auf die sünde, die in dem alten menschen stecket Gretter
ep. Pauli a. d. Römer (1566) 412;
so auch ohne specifisches object: id quod tu arguis das du im zuolegst, oder auff in trächen wilt Frisius
dict. (1556) 117
a; und was ir gschendend und zerbrächend, dasselbig ir dann morndes trächend (
als schuld schiebt) uff ander unverlümbdet lüt R. Manuel
weinspiel 3839
ndr. besondere aufmerksamkeit verdienen diejenigen fälle, in denen etwas ins feuer getrochen
wird, da sie der bed. 2 '
die asche ins feuer schieben, das feuer mit asche bedecken',
sehr nahe stehen und uns die entstehung dieser alten ellipse deutlich machen: so ist der wintermonet gehür: dann trichet man kesten (
kastanien) in das für Konr. Danckrotzheim
nambuch v. 316
Pickel; (
sie) legten die (
kuchen) an ein haissen ort auf die erden, der zuvor durch ein fewrlein erwärmet worten, trechen alsdann die kolen samt der äschen widerumb darauff und liessend die ... ausbachen Leonh. Rauwolff
aigentl. beschreib. (1583) 179. 22) das feuer trechen
es dämpfen, lindern durch bedecken mit asche, eigentlich: die asche auf das feuer trechen,
s. oben und vgl. auch vertrechen;
ahd. in der composition: (
igne)
reposto pitrohhanemo
ahd. gl. 2, 473, 37; 550, 74,
davon das intransitivum drehanēn
unter der asche glühen ahd. gl. 2, 434, 30; 39; 2, 663, 40; 2, 404, 49
s. Schatz ahd. gr. § 445;
ignis sopitus das trochen fheur, das nit mer brünnt Frisius
dict. (1556) 1226
a;
favilla aschen, in deren die gneist getrochen sind Calepinus
undecim ling. (1598) 551
a; getrochne glut Megiser (1603) 1, 528
a; wan es an dem abent ist, so machestu die kolen an dem herd zesamen und trichest das füer Keisersberg
brösamlin (1517) 2, 26
d; ains mals, da ich (
die magd) das feur wolt trechen, da thett ich in die kuchen gan
erzähl. aus altdt. hss. 223
Keller; (
die ehefrau) verwahret, das kein regen noch schnee ir haus schädige, trächet das fewer zusamen, beschleuszt thor und thür Fischart
Garg. 111
ndr.; absolut gebraucht: niemand in die kuchin zu lassen, bald zu trechen und nit lang prasz (
unnützes treiben) darinn halten, sunder die kuchin bald zu speren
schwäb. haushalt.-ordnung a. d. 16.
jh. bei Mone
anz. für kunde d. dtsch. vorzeit 4 (1857) 16.
bildlich und übertragen im sinne von '
abschwächen, besänftigen': sölich durchächtung erst under keiser Heinrichen dem fünften etwas getrochen und in die eschen bracht ward Watt
dtsch. schr. 1, 216; als nun diser unlust (
aufruhr) auch getrochen Mathesius
Luther (1566) 53
a; '
verbergen': welich erbärmlich und ellende tat dermaszen nit mocht trochen werden, dan dasz sie zeitlich, wie kein mord ... verschwigen bleibt, an den tag kam Watt
dtsch. schr. 3, 66. —
die bedeutung hält sich bis heute in der mundart: trechen
die glut auf dem herde mit asche bedecken Schöpf 753; Fischer
schwäb. 2, 339 ('
das wort ist mit der sache selbst jedenfalls seltener geworden');
das feuer, die glühenden kohlen auslöschen, mit asche bedecken; bildl. feierabend machen: mer wend träche '
wir wollen die arbeit bei seite tun' Stalder 1, 293,
vgl. auch drächt
teil 2, 1326
und oben trecheisen. 33)
als technischer ausdruck des weinbaus: die reben, stöcke, weinberge trechen
für den winter zur erde niederziehen und (
mit erde)
bedecken Fischer
schwäb. 2, 338;
accumulare vites humo die weinstöck trechen Weismann
lex. bipart. (1698) 2, 378; ein sehr grosze kälte erfolget, dasz die ungedrochene weingardten, auch diejenige, welche nicht recht gedrochen gewesen, grossen schaden genommen
beleg von 1730
bei Fischer 2, 338; an orten, wo das trechen oder eingraben der stöcke ... gebräuchlich ist Joh. Phil. Bronner
verbesserung d. weinbaues (1830) 55.