schramme,
f. leichte wunde, streifwunde, ritz an der oberfläche. das wort ist auf das deutsche sprachgebiet beschränkt; dän. skramme
ist wol aus dem deutschen übernommen. auszerhalb desselben ist nur altn. skráma,
wunde, auch als verbum verwandt. ferner gehört schram dazu, vgl. daselbst. es liegt wol ein verlorenes verb. *skreman
mit der bedeutung '
einen länglichen risz oder einschnitt machen'
zu grunde. ein altgerman. *skramo,
wurfspeer, scheint durch einige mittellateinische bez. romanische formen gefordert zu werden, wenn die lesung sicher ist. so steht in der lex Wisigoth. 9, 2, 1: scutis, spatis, scramis, lanceis, sagittis (
daher altspan. escramo),
ferner bei Gregor v. Tours 4, 46: cum cultris validis, quos vulgus scramasaxos vocant,
s. Graff 6, 581. J. Grimm
kl. schr. 7, 272. Diez
etym. wb.4 448
f. schramme
ist erst in mhd. zeit bezeugt, s. Lexer
handwb. 2, 784 (schram, schramme
schwertwunde),
ebenso mnd. schramme Schiller - Lübben 4, 132
a (
selten, auch als masc., s. unter 4),
holl. schram.
cicatrix .. schram, schame (
l. schrame?) Dief.
gl. 117
a,
vgl. zum ganzen Weigand 2, 635
f. Kluge
5 336
a. Franck 863.
die flexion ist in der ältern zeit meist die schwache. neben dem fem. begegnet zuweilen ein masc., so sicher mhd., mnd. und im 16.
jahrh. (
bei S. Münster
s. 1, Gengenbach
s. 3),
sowie in einzelnen mundarten. ferner ist das masc. fest in bestimmten bedeutungen, s. schram.
mundartlich weit verbreitet, hd. besonders in den östlichen dialekten: schweiz. schramme Stalder 2, 349. Hunziker 230,
bair. schrame(n) Schm. 2, 601,
österr. schrma
idiot. Austr. 108. Castelli 251. Hügel 144
a,
tirol. Schöpf 645. Frommann 3, 15. 6, 204,
kärntn. Lexer 225,
thür.-obers. Hertel 42.
sprachsch. 220. Albrecht 206
b,
niederd. schramm Strodtmann 205. Dähnert 413
b. Mi 77
b, schramme
brem. wb. 4, 690. Schütze 4, 68. Frommann 4, 26 (
nordwestfäl.), schramme
oder schram ten Doornkaat Koolman 3, 144
a,
westfäl. als masc. schrm Woeste 231
b, sgrm Frommann 5, 74, 127.
bedeutung. 11)
in älterer zeit wunde überhaupt, besonders eine lange schmale fleischwunde, wie sie mit einem scharfen spitzen instrument eingerissen oder eingehauen wird. so gewöhnlich mhd., z. b.: dâ von wart geslagen manec schram.
Lohengr. 5562.
ebenso neuhochdeutsch, hauptsächlich in der ältern zeit: schramm, schmarr,
f. la coupure qu'on faict d'un coup de hache, d'espée, ou aultre instrument trenchant Hulsius 288
b; schramm,
f. incisura, cicatrix, vulnus, vibex, schmarr Schottel 1408; schramm,
et schramme, die,
cicatrix, vibex, incisus, est per metathes. à schmarr,
idemque notat Stieler 1865.
vgl. auch: schramme
vel barlaffe,
vulnus caesim inflictum Kilian: es (
das nashorn) luogt vor allen dingen das es dem helffanten under den bauch komm .. und so es jm mit dem horn darunder kompt, reiszt es jhm ein groszen schrammen in leib. S. Münster
cosm. 1414; so war doch unter ihnen .. so ein lärmen, dasz etliche herren grosze schrammen bekamen. Schweinichen 1, 130; haut mir ainer ain schrammen in kopff, so wird ich doll.
spec. vit. human. s. 7
neudr.; und schneidet ihr ein schrammen über das ganze angesicht. Harsdörfer
lust- und lehrreiche gesch. 1, 60; ich hab ein newgeschliffne klingen, darmit hawt ich sie durch jr schwarten und umb das maul schrammen und scharten. H. Sachs 4, 3, 51
a; Englmayr hat hindn ein schrammen nein, einr legt jm ein zwerg hand hinein. 51
c; so mögen sie der streich erwarten, auch davon tragen schrammen und scharten. Ayrer 1018, 21
Keller; auf seinen (
des teiches) rothen wogen schwammen zehntausend leichen voller schrammen. Pfeffel
poet. vers. 3, 208; um's goldne schwert hab' ich die schramme liebgewonnen. Rückert (1882) 5, 215 (
ghaselen 1, 30); dieser feind hat keinen gift'gen mord gemeint, als er mir schlug die böse schramme. Immermann 13, 152
Hempel; seltener von andern verletzungen, wie schlag-, bisz-, fall-wunden: da hastu einen kalen placken, und wol ein schrammen, drey oder vier, ob dirs mit flegeln geschlagen wer. B. Waldis
Esop 1, 56, 39; der wol erzauset und geschlagen ... zaigt im (
dem richter) die ricz, kricz, schramn und peuln, darmit in det sein gfater mewln. H. Sachs 21, 232, 19
Keller-Götze; den 11. dito hat mein liebes weib einen harten fall gethan; im haus auf der schwellen, also, dasz sie über ein knie eine grosze schramme gefallen. Schweinichen 2, 296.
im bilde: hats auch im sinn, er wöll Christum fressen, wie der wolf ein mucken, läszt sich auch dunken, er hab ihm schon nicht eine kleine schramme in den linken sporen gebissen. Luther
briefe 2, 164. 22)
jetzt meist von einer leichten verletzung, bei der nur die haut geritzt wird: als hett jhn ein dornheck gefetzt, ein schram ins angesicht gesetzt. Rollenhagen
froschm. P 3
b; doch in die fährte tropft schon schweisz, tropft rother schweisz von schrammen, rissen, so dorn und distel ihm gerissen. Immermann 13, 59
Hempel; im bilde: dieses schmerzengeld so vieler tausend schrammen und splitterungen der brust, und überhaupt millionen seelenwunden. J. Paul
Hesp. 3, 93;
in ausdrücklichem gegensatz zu wunden: der pfalzgraf Siegfried ist ein reicher mann, was wunden anbetrifft, ihm thut's nicht noth, dasz er die schrammen mitzählt, wie ein knapp. Hebbel (1891) 1, 123 (
Genov. 3, 8).
so auch in dem sprichwort: man musz nit schrammen mit wunden heilen. Lehmann 99. Simrock
sprichw. 9186. Wander 4, 331. 33)
die zurückbleibende spur einer ausgeheilten wunde, narbe, wundmal, vgl. die glossierungen mit cicatrix (
s. oben); schramme (die,
plur. schrammen)
cicatrix, incisum; eine tiefe schramme
alta cicatrix; wie die schramme ausweiset, musz er eine gute wunde bekommen haben. Steinbach 2, 501;
cicatrix, signum vulneris; voller schrammen,
cicatricosus Frisch 2, 222
b;
so auch nl. schramme
vel schrabbe,
vibex, cicatrix, signum vulneris Kilian,
s. ferner Stalder 2, 349.
idiot. Austr. 108. Castelli 251. Hügel 144
a. Schöpf 645. Frommann 3, 15. 4, 26: de heyt Mit der scrammen.
d. städtechron. 6, 70, 21 (
Braunschweiger fehdeb. zu 1381); wenn er einen schrammen hat und ungschaffen ist (
qui cicatricem habuerit et qui deformis est), so soll er desz priesterlichen ampts beroubet werden. Gengenbach
s. 179 (
pfaffensp. 476); als er dapffere starcke männer zu seiner leibguardi begerte, seyn jhm deren vier, welche man vor dapffere leuth rühmete, vorgeführet worden, weil sie voller schrammen und wundmahlen waren. Zinkgref
apophthegmata 1, 131; die schramme auf der stirne hat mir so was widriges, so was niedriges. Göthe 19, 197; dann zwischen seinen augenbraunen zeigt sich noch die schramme von einem harten fall. 57, 96 (
Iphigenie, 1.
entwurf 5, 6); ein kal haupt, wüst schrammen und masen. H. Sachs 1, 462
c; voll schrammen was sein kopff und backen. 538
d; war lang gewesen ein kriegsmonn, vol schramen, gar ein wilder hon. 17, 350, 1
Keller - Götze; dann überzeugt mich doppelt diese schramme, die ihm hier die augenbraune spaltet. Göthe 9, 95; liebe hat die wunden dir verbunden, doch zum angedenken blieb die schramme. Rückert (1885) 5, 230 (
ghasel. 2, 11); und fliehe die trägheit wie eine häszliche schramme! 11, 551 (42.
makame). —
im bilde: es ist eine ewige unart der menschen, dasz sie alle schrammen und pockengruben ausgestandener jahrhunderte, alle nachwehen und feuermäler der vorigen barbarei nie anders wegschaffen lassen als zweimal. J. Paul
Quint. Fixl. 8. 44)
verletzungen von gegenständen, meist leichte ritze auf der oberfläche, ritze an holz und bäumen Strodtmann 205,
ritze auf metallnen gegenständen, auf tellern, von messern und gabeln: de teller hett veele schrammen Dähnert 413
b.
vgl.: schramme
etiam dicitur rima, fissura, scissura, crena Stieler 1865: dort untersuchte er den absatz seines stiefels und fand, dasz wirklich eine kleine schramme in das glänzende leder gestoszen war. Keller 7, 192; der helm auf dem haupt war schramm an schramm. Rückert
Firdosi 2, 497.
mnd. als masc.: so ener in de taffel schnitt edder schrammet, so mennigen schramm, so mannigen penning.
livl. urk. von 1400
bei Schiller-Lübben 4, 132
b. 55)
in Kärnthen auch im sinne '
felsenschlucht' Lexer 225. Frommann 6, 204,
ebenso cimbr. schrema, schremma
kluft, spalt, schmale öffnung, engweg. cimbr. wb. 229
a,
vgl. dazu schram(m),
m., besonders 2. 66)
weitere besonderheiten. 6@aa)
nd. sprichwörtlich: (hei) kan nit oppem sgrme gn,
er ist trunken Frommann 5, 74, 127. 6@bb)
in der gaunersprache schrabben
oder schrammen,
kinder Avé-Lallemant 4, 604.