zelge,
f. ,
selten m., gleiches stammes wie 1zelge,
m.; actionsnomen des ahd. verbums *zelgen
und des dieses wol unmittelbar fortsetzenden nhd. bair.-alem. zelgen (
s. u.) '
den boden bearbeiten, pflügen'
; diese bedeutung verhält sich zu der ursprünglichen des zu grunde liegenden germ. verbums *telgjan '
holz (
und steine)
behauen, bearbeiten, beschneiden' (
erhalten in altn. telgja;
weitere verwandte und abkömmlinge s. unter 1zelge,
m.)
wie die von lat. dolābra
als '
hacke, haue für den ackerboden' (
neben der eines geräthes zur holzbearbeitung)
zu lat. dolāre '
holz (
und steine)
behauen'
und läszt sich leicht unmittelbar aus der bedeutung '
theilen, spalten'
der idg. wurzel del-
ableiten. ein abwegiger deutungsversuch ist bei zelgen (
s. u.)
vermerkt. im gegensatz zu 1zelge,
m., reicht z.
nicht über das bair.-alem. gebiet nebst der Oberpfalz (
und theilen Ostfrankens)
und dem Egerland hinaus; doch hat es Thüringen ehedem besessen (
s. die belege unter 3
und 4
b)
; am reichsten ist es in Schwaben nachgewiesen. 11)
die bestellung des ackers, die pflugarbeit zur saat: aratura celga
ahd. gloss. 3, 645
22, zelga 647
19, zelge 649
29; zu den ... zeiten, auszgenommen in der zelg oder ackerpaw (
Sonthofen 1544) Schmeller-Fr. 2, 1117,
der diesen sinn auch als modern aus dem Allgäu berichtet; das gleiche melden H. Fischer 6, 1116 (
auch zeit des pflügens im frühling), Martin-L. 2, 903
a und Unger-Kh. 647
b; 22)
stärker entwickelt und reicher bezeugt ist der begriff des gepflügten und bestellten feldes, der sich aus dem umstande, dasz stets nur theile der gemeinschaftsflur unter den pflug genommen wurden, leicht ergeben konnte; dieser mag in den ahd. glossen celga
regio 2, 683
19 und zelga
regio, plaga 2, 626
41 (
beide zu Vergil georg. 1, 53:
quid quaeque ferat regio)
vorliegen, tritt aber deutlich erst in den angaben der dialekwörterbücher zutage, so bei Schmeller-Fr. ('
das bestellte feld, besonders insoferne es nach der üblichen dreifelderwirtschaft den dritten theil der gesamtflur ausmacht'), Unger-Kh., Jos. Blumer
nordwestböhm. mda. 96
a, Seiler 324
a, Tobler 460
a, Hunziker 308, Martin-L.; 33)
nach der einführung der dreifelderwirtschaft der dritte, mit der gleichen frucht bestandene theil der ackerflur einer gemeinde; syn. norddeutsch schlag (
s.schlag V 2,
th. 9, 332)
und für verschiedene bezirke, in der regel aber nur in der zss., esch (
th. 3, 1140), feld (
s.feld 4,
th. 3, 1476)
und flur (
s.flur 1,
th. 3, 1851),
ags. gedálland,
adän. vang;
ältester beleg aus dem st. Galler klostergebiet vom jahre 780: (...
tritt sein gut an das kloster ab) in ea ... ratione, ut pro annis singulis censum exinde solvat, hoc est XV siclas de cervisa et maltram de chernone (
kern, spelt) et in omni zelga iornale unum (
ein tagwerk, einen morgen) arare et III dies asecare et III amadere Neugart
cod. diplom. Alemanniae et Burgundiae 1, 71;
ferner aus demselben bezirk vom jahre 818: ut ad proximam curtem
s. Galli unum iuchum arem et cum semine meo seminem annis singulis in unaquaque celga Goldast
alamann. rer. script. 2, 73;
sodann noch die bair. glosse des 9.
jahrh.s inzella (
in agris)
ahd. gloss. 2, 341
1,
schreibfehler für in zelga (
lat.: majores ... diviserunt ... terratorii [
güter]
in agris)
; aus mhd. und nhd. zeit: ad quamlibet culturam, que vulgariter dicitur zelge (1265)
württ. urk. 6, 215; unseren hofe, der hat in jeder zelg 12 morgen ackers (
schwäb. 1328) H. Fischer 6, 1115; der schultheis sol och geben drü pflugysen, ze ieglicher z-n eins (
els. 1339;
die abschrift des 16.
jahrh.s weisth. 4, 184
bietet: zu jeder zellen eins;
s. 4
b) Schöpflin
Alsatia diplom. 2, 163; daz si úns dienun sont mit den pflgen ... zu den drin zelgun ze brachind, ze valgind und zur sat (1350)
württ. geschichtsqu. 9, 296; darumb so hat der hof zu B. zu den 3 zelgten zu ieglicher zelg bei 16 jucharten ackers und bei 30 mannwerk matten (
els. 1450)
weisth. 5, 364; ouch dasz er solt rechtsame haben in allen z-n, weiden, allmenden, hölzern und welden
bibl. ält. schriftw. d. Schweiz I 1, 150; wir haben auch verkauft den zehent ... und uber den Haghof in den drüten zelg di zwo garb (
bair. 1402)
mon. boica 27, 119; item so hat mein herr das recht, das im die leut ... die z-n pauen schullen und absneiden (15.
jahrh.)
öst. weisth. 10, 122; die pauern dienen jeder alle z. ein tag (
schwäb. 1454) H. Fischer; der vogt ... hinderte, neue feuerstellen auf den z-n auszer dem dorf zu errichten Pestalozzi
s. schr. 2, 306; Tonele kriegt fünf jauchert ackers in einer zelg Auerbach
dorfgesch. 1, 96;
bildl.: ein meister sprichet, daz guot habe drie z-
n. diu êrste z. ist nutz, diu ander z. ist lust, diu dritte z. ist zimelecheit meister Eckhart 58
Pf.; und also das unkraut nicht nur etliche stcklein und felder, sondern die gantze zelg des gOettlichen ackers eingenommen
F. Wagner
evang. censur (1640) 54. —
die z-n
wurden nach der bestellung eingezäunt: item welliche zelg korn hat, da sol sant Martins tag der efad vermacht sin (
schweiz.)
weisth. 1, 91; item es sönd auch die winterzelgen ze st. Martistag gefridet sein und die haberzelg ze meyen (
schweiz. 1484) 1, 139. 149; 4, 284; eefaden sind die zeün, welche die zAelgen von einander scheidend, als die kornzAelg von der haberzAelg und die haberzAelg von der braach Frisius
dict. 1207
a; Pictorius 96;
neuerdings Stalder 2, 468;
nach der fruchtfolge wurden unterschieden winterzelge (
schweiz., weisth. 1, 139; 4, 284)
oder kornz. (1, 90. 149)
oder dinkelz. (5, 116), haberz. (1, 90. 116; 5, 115;
erst in jüngerer zeit sommerz.
genannt, s. H. Fischer 5, 1444)
und brache (
z. b. weisth. 5, 115;
auch die benennung brachz.
ist erst jüngeren datums, s. H. Fischer 1, 1338);
vgl. noch Schmeller-Fr., Westenrieder 686, Seiler, Adelung. —
eine eigenartige mischung der bedeutungen 1
und 2
bietet die vb. nach der z. '
je nachdem die z.
bebaut ist',
welche H. Fischer 6, 1115
f. vielfach belegt, z. b. davor usz gat ain malter korns nach der z-n, wez denne daruf wachst (1386); den morgen jeder z. oder den garben nach rechnen (1565);
die abgeerntete ackerflur meint ein schweiz. beleg des kantons Zürich: (
wer in der vogtei nicht angesessen ist und keinen ackerbau in ihr treibt) sol ... denn niena da weiden in der ess, denn wenn brauch (
brache) ist oder z-n usgang
weisth. 1, 55. —
lagebezeichnung: die zelg uff G. genampt ... die ober zelg (
schweiz. 1396)
weisth. 1, 122; am Mädenbrunner zelg (
schweiz. 1605) 1, 90; in Schwbertinger mark und z-n gelegen (1466)
urk. d. st. Stuttgart 266;
weitere angaben bei H. Fischer 6, 1116. —
lexikalische zeugnisse: Diefenbach-W. 912; Frisch 2, 471
b; Adelung
2 4, 1681; 44)
grammatisches, a)
ableitungen: zelgete, f., mit dem roman. diminutivsuffix -etta (
wie zeilete,
f.), '
bestellung des ackers'
; els. beleg von 1450
weisth. 5, 364 (
s. 3); '
zeit des feldbaus' (
Allgäu) H. Fischer 6, 1116; gezelge,
f., gleich zelge 3,
s. bei H. Fischer 3, 641. — b)
lautliches: zelle
für zelge
beruht auf bloszem schreibfehler ahd. gloss. 2, 341
1 und wol auch weisth. 4, 184 (
s. die belege ob. 3),
ist dagegen aus lautwandel von -lg- > -ll-
zu erklären in folgenden fällen: die markzell und andre hutweiden der stadt sollen von den benachbarten mit ihrem vieh unbehütet und unbetrieben bleiben. es sollen die markzelgüter oder diejenigen güter, so in der markzell der stadt gehören, ... keinem, der nicht ein bürger ist, verkauft werden (
ostfränk., Culmbach u. a.) Schmeller-Fr. 1, 1644;
auch Buck
flurnamenb. 307
gibt marchzell (
woher?)
an; nordwestböhm.: zelche
und zelle
feldparzelle Jos. Blumer
nordwestböhm. mda. 96
a;
ferner osthür.-osterländ.: (
dasz dieses viertel landes) nach ackerbaues arth und zellen ordnunge zu gebrauchen (
für ihn sich nicht eigne) (1535)
urk. d. klost. Pforta 2, 540. zelle
gleich zellgut
s. unter 2zelle 3
b. — c)
zusammensetzungen: