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zwiefach

nhd. bis sprichw. · 6 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

zwiefach adj.

Bd. 32, Sp. 1142
zwiefach, adj. , doppelt, mhd. zwivach, vgl. zweifach: 'es ist in der edleren schreibart üblicher als im gemeinen leben und aus dem alten zwie für zwey gebildet, daher auch zweyfach hin und wieder üblich ist' Adelung 5 (1786) 471. vereinzelt mit epithetischem t: zwifacht (15. jh.) Diefenbach gl. 192c; zwyfacht H. v. Eppendorf Plinius (1543) 211; d. keyserl. maiestat cammergerichtsordnung (1555) 19b; Falckner frantzös. chron. (1572) 1, 61; mnd. twivacht Schiller-Lübben 4, 644a. in angleichung an die femininformen von zwei (s. sp. 973) sporadisch zwufach, zwofach: zwufach städtechron. (16. jh., Augsburg) 5, 369; zwofach H. Fabricius auszzug bewerter hist. (1599) 862; J. v. Besser schr. 1, 16 König. 11) doppelt; an zahl oder menge: der sol daz gelt zwivach geben (14. jh.) zs. f. dt. altert. 7, 94; das sal ... zwifacht verbust werden (1449) weist. 6, 32; was man in ain hausz bedorfft, kauffet er alles zwifach (1509) Fortunatus 62 ndr.; das ist denn duppel und zwiefaches fasten, dasz ich esse und trinke und dennoch ohne lust Luther tischr. 1, 141 W.; wan sie (die heiden) vom judenthumb wider abfielen, so wurden sie zwifache sunder ders., w. 47, 465 W.; die einige ehe lobet man, die zwyfache wird nur geduldet Barth weibersp. (1565) q 1b; sie hatten sie zwyfach bezahlt buch d. liebe (1587) 150b; welcher das ... zwifach creutzlein ... verzeichnet hat Wilphlingseder musika (1561) b 4a; zerren mit dem zwiefachen rr Gueintz dtsche rechtschreib. (1666) 168; in häusern groszen nahmens blüht noch die herrlichkeit zwiefachen ehesaamens (von einer zwillingsgeburt) Chr. Fr. Henrici ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 2, 40; dasz niemand ... eine kirche in ihren gütern beschädigen solle, und wenn er es thue, dasz er der kirche den schaden zwiefach ersetzen solle M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 3, 274; dasz auch der alte tempel ... von einer dreyfachen säulenreihe gegen das forum und einer zwiefachen an den drey übrigen seiten umgeben Niebuhr m. gesch. (1811) 1, 308; zwiefacher mörder ward ich, ehe ich ihr henker werden konnte ... Hebbel w. 1, 265 Werner; mit seinen talern hätt man mögen den markt wohl zwiefach pflästern und legen Mörike ges. schr. (1905) 1, 198 Göschen; diese phänomene (luftspiegelungen), wo sehr entfernte, sonst unsichtbare gegenstände zu gesicht kommen und andere oberwärts ein umgekehrtes, auch wohl zwiefaches bild über sich haben, bemerkte man nur an schwülen, gewitterhaften tagen Allmers marschenb. (31900) 61. mit anspielung auf die bedeutung 'unehrlich' unter 3: den (gästen) wolt ich (der wirt) geben ie das best von hüner, vögel, visch und hasen ... doch müsens auch dargegen leiden, das ich schreib mit zwifacher kreiden Hans Sachs 11, 367 K.-G.; vgl. dazu zwiefalt, adj. 1 und teil 5, 2140. schwäbisch und schweizerisch, von der vorstellung 'doppelt' aus, zwiefach gehen 'gebückt gehen': gantz zwifach ginge sie daher (17. jh.) bei Fischer 6, 1454; sie ging fast zwifach daher (um 1700) ebenda; zwiefach 'von menschen, die so gebückt gehen, dasz das haupt beynahe auf den boden sich neigt' Stalder 2, 486; schweizer. id. 1, 641; s. auch zwiefalt, adj. 1. in zwei lagen gelegt: nimbs zwifach, ists einfach zu lang Seb. Franck sprichw. (1541) 2, 113b; bei zwiefachem tuch ist eher an doppelte lage als an ein doppelfädiges, zwillichartiges gewebe zu denken: szo nim ein zcwiffach tuch ... das nettze in dem szelbigen pappeln roszenn wasser ... vnd lege im das tuch vff denszelbigen schadenn (1460) H. v. Pfolspeundt bündthertznei 35 Haeser-Middeldorpf; nachdem also (die medizin) warm auff ein zwyfach thuch streichen Ruoff hebammenbuch (1580) 62; alles zusammen vermischt auf ein zwiefaches tuch wol dick aufgestrichen v. Hohberg georg. cur. (1682) 1, 277. unsicher: ob du nimst ain zwifachen faden, vnnd jhm den inn den mund gibst zuohalten zwischen den zenen ... vnnd hab dann das ain ort in deiner linken hand, vnd der siech das ander ort zwischen seinen zenen H. Braunschweig chirurgia (1539) 3d; zweiteilig, von kleidungsstücken oder anderen dingen, vgl. manicleata zwy vach cleyt (15. jh.) Diefenbach gl. 347a: [nemet] keinen langen zwifachen mantel mit uch (1483) bei Röhricht pilgerreisen 124; ain zwyfachen purpurmantel Schaidenreiszer Odyssea (1537) 81b; valva czwivach tor (15. jh.) Diefenbach gl. 606a; valvae thürladen oder fensterladen, welche zwifach in sich selber vffgeen Dasypodius (1537) 280a; zwen zwifacht kaschten (v. j. 1512) ver. f. gesch. i. Hohenzollern 21, 121; die edlen und reisigen solten haben ein underschlagene oder zwifache laden zu ihren zedeln und namen Fronsperger kriegsb. 1 (1565) 119b; von einem doppelbecher: marggraff Fridrichen von Brandenburg kurfürste ein vergulten zwifachen gewunden kopff, wag 5 marck ½ quinten (Nürnberg 1444) städtechron. 3, 400; vgl. 396, 399 u. im glossar 442b; zweiseitig: mit einen zwiefachen spiesze J. Prätorius d. abentheuerl. glückstopf (1669) 31; beiderseitig gleich, symmetrisch: die jungen füllen ... sollen ... haben ... eynen zwifachen rucken Sebiz feldbau (1579) 151. 22) doppelt im sinne von 'zwei verschiedene arten habend', oft mit folgender erklärung: ein zwifachin spîgel, wol gevazzit, der hatte uff einer sîten ein slechtiz glas, uff di ander sîten di martir unsers hern gemalet leben d. hl. Ludwig 26 Rückert; wi Christi zkunfft zwifach sey, die erst inn peyn, darnach in eer J. v. Schwarzenberg d. teutsch Cicero (1535) 154b; andere thier, welche die alten eynes zwifachen lebens genant haben, das sein solche thier, so auff erden und im wasser sein Sebiz feldbau (1579) 464; in zwifachten sprachen, zu latin und deutschen M. Hafenreffer concio secul. (1601) 11; die sinne sind zwiefach, innerlich und äuszerlich v. Hippel lebensläufe in aufst. linie (1778) 2, 230; dasz im weltmeer ein zwiefaches leuchten, ein elektrisches und phosphorisches statt findet J. G. Forster s. schr. 5, 150; ich will daher gleich anfangs von dem unterschiede dieser zwiefachen erkenntniszart handeln Kant 3, 33 akad.-ausg.; (ich) bin über die zwiefache gesundheit des leibes und der seele dieser hohen dame erstaunt Göthe IV 31, 38 W.; und hat gebet nicht die zwiefache kraft, dem falle vorzubeugen, und verzeihung gefallnen auszuwirken? Shakespeare 3 (1798) 266; es wurde künstlich ein zwiefaches interesse unterhalten, eines, das die regierung, eines, das die dynastie anging Gutzkow ges. w. (1872) 6, 113; von der zwiefachen basis aus, die das Pothal und die makedonische landschaft darboten Mommsen m. gesch. 2 (1874) 166. 33) gespalten; vereinzelt von einer sache, wenn nicht zu 1 gehörig: auch hatt das mörkalb die (zunge) zwyfacht (duplex) Eppendorf Plinius (1543) 211. meist, sofern gegensätzliches in einem ganzen vereinigt ist, vom einzelnen menschen, einer menschengruppe: ein weib gebar ein wundergestalt, ein kind zwiffachs leibs, vornen ein mensch, hinden ein hund Seb. Franck chron. Germ. (Augsb. 1538) 160a; dasz ein jeder christ ein doppelter oder zwifacher mensch seye, einmal ein fleischlicher, darnach auch ein geistlicher mensch J. Gretter epistel S. Pauli an d. Römer (1566) 456; es ist alles zwyfach, und immer eins gegen dem andern, denn wie ein jeder mensch einen besonderen schutzengel hat, also hat auch ein jeder mensch einen bösen engel, der ihm zuwieder ist Äg. Albertinus Lucifer 10 Liliencr.; die gnostici hätten einen zwiefachen gott geglaubet G. Arnold kirch. u. ketzer-hist. (1699) 72. auf geistiges verhalten, ins gedankliche übertragen: nicht mehr zwiefaches entschlusses sein die olympischen götter, bewegt schon habe sie sämtlich Here durch flehn: und hinab auf Ilios schwebe verderben J. H. Voss Ilias (1821) 37; der künstler hat zur natur ein zwiefaches verhältnisz: er ist ihr herr und ihr sklave zugleich Göthe gespräche 6, 110 W. v. Biedermann. im frühnhd. zu der pejorativen bedeutung 'doppelzüngig, unaufrichtig' entwickelt, die freilich sowohl in der vorstellung 'gespalten' wie in der bedeutung 'doppelt' rückhalt findet: von den wankelmütigen und zwifachen zungen Steinhöwel Äsop 145 lit. ver.; du machest uns wol alle yrr mit deiner zwyfachen zungen geschirr H. Sachs 9, 182 Keller; der Tyrier betriegerey und ihr zwifache zung darbey war Veneri nit unbekant Spreng Äneis (1610) 17b; dem ungetrewen zwyfachen grafen U. Füetrer bayr. chron. 268 Spiller; wee den zwifachen hertzen, die auff zweien straszen gehen Heyden Plinius (1565) 249. später ausgestorben. 44) mit verblassen des zahlbegriffs steigernd, einen stärkeren grad ausdrückend, wie bei doppelt: swes der kunic die reinen vragete, daz was vol ant. zwivach man die wisheit vant in en vor allen clugen Daniel 316 Hübner; dass dir dein schad nit zwifach wachsz durch unbillich rach, spricht Hans Sachs Hans Sachs 15, 208 K.-G.; werden zwyffacher gailer, wilder, ... denn sy vorhin gseyn seindt Eberlin v. Günzburg s. schr. 2, 123 ndr.; alle frawen, die da gegenwärtig waren, mit zwyfachen klagen ... anhuoben zu weinen Montanus schwankbücher 101 Bolte; damit nit also zwifachte arbeit auffgewendt werden müsse cammergerichtsordn. (1555) 19b; (dasz) mir wieder scheinen werd auf dieses traurigsein ein glükk, das zwiefach ist, und gottes gnadenschein Neumark musik.-poet. lustw. (1657) 1, 139; zwiefacher honig ist ihr mund Ramler lyr. ged. (1772) 275; eine weite aussicht ist zwiefache hölle für einen gefangenen Schiller 4, 68 G.; hier stürzten zwiefache furchtbare donnerwetter herab Ritter erdkde (1822) 2, 781; wobei ... das erwachen jedesmal zwiefach schmerzlich war G. Keller ges. w. (1889) 3, 257.
9571 Zeichen · 217 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Zwīefách

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Zwīefách , adj. et adv. ein vermehrendes Zahlwort, zwey Mahl genommen, doppelt. Es soll dir zwiefach vergolten werden, d…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    zwiefach

    Goethe-Wörterbuch

    zwiefach [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. Sprichwörter
    Zwiefach

    Wander (Sprichwörter)

    Zwiefach Nimbs zwifach, ist's einfach zu lang. – Franck, II, 113 b ; Gruter, I, 62; Eyering, III, 267.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit zwiefach

10 Bildungen · 8 Erstglied · 0 Zweitglied · 2 Ableitungen

Zerlegung von zwiefach 2 Komponenten

zwie+fach

zwiefach setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

zwiefach‑ als Erstglied (8 von 8)

zwiefachel

DWB

zwiefachel , n. , m. (?), rockschosz, der unten zweigeteilt ist; im steir. ' zwickel ', als m. Unger-Khull 660 b ; bair.-österr. in der rede…

zwiefachen

DWB

zwie·fachen

zwiefachen , vb. , mhd. zwivachen; älter als zweifachen, in derselben bedeutung bezeugt, s. oben sp. 994; von Heynatz antibarb. 2 (1797) 686…

zwiefachheit

DWB

zwiefach·heit

zwiefachheit , f. : zwiefachheit ist dem genusze ... wesentlich allg. dtsche bibl. 54, 200; und eben diese zwiefachheit der beiden obersten …

zwiefachig

DWB

zwiefachig , zwiefachtig, zweifechtig , adj. , seit dem 13. jh. und bis ins frühe 17. jh. in denselben bedeutungen wie zwiefach bezeugt; vgl…

zwiefachigen

DWB

zwiefach·igen

zwiefachigen , vb. , im 16. jh. belegte bildung aus zwiefachig. im sinne von 1 ' verdoppeln ': da der pabst sollte wieder ins regiment komme…

zwiefachung

DWB

zwiefach·ung

zwiefachung , f. , verdoppelung: so wil hiebei nicht wol schickerlich sein, den leser mit zwifachung der me ze bekmern G. Alt buch der cro…

Ableitungen von zwiefach (2 von 2)

Verzwiefachen

Campe

Verzwiefachen , v. trs . zwiefach machen, verdoppeln. — so hätten durch Weisheit wir unsere Kräfte verzwiefacht . Sonnenberg. D. Verzwiefach…

zwiefach(e)

DWB

zwiefach(e) , m., f. , das doppelte, die verdoppelung, das duplikat: zwifacht die zwifachen nach seinen wercken ( duplicate duplicia secundu…