zwiefach,
adj. ,
doppelt, mhd. zwivach,
vgl. zweifach: '
es ist in der edleren schreibart üblicher als im gemeinen leben und aus dem alten zwie
für zwey
gebildet, daher auch zweyfach
hin und wieder üblich ist' Adelung 5 (1786) 471.
vereinzelt mit epithetischem t: zwifacht (15.
jh.) Diefenbach
gl. 192
c; zwyfacht H. v. Eppendorf
Plinius (1543) 211;
d. keyserl. maiestat cammergerichtsordnung (1555) 19
b; Falckner
frantzös. chron. (1572) 1, 61;
mnd. twivacht Schiller-Lübben 4, 644
a.
in angleichung an die femininformen von zwei (
s. sp. 973)
sporadisch zwufach, zwofach: zwufach
städtechron. (16.
jh., Augsburg) 5, 369; zwofach H. Fabricius
auszzug bewerter hist. (1599) 862; J. v. Besser
schr. 1, 16
König. 11)
doppelt; an zahl oder menge: der sol daz gelt zwivach geben (14.
jh.)
zs. f. dt. altert. 7, 94; das sal ... zwifacht verbust werden (1449)
weist. 6, 32; was man in ain hausz bedorfft, kauffet er alles zwifach (1509)
Fortunatus 62
ndr.; das ist denn duppel und zwiefaches fasten, dasz ich esse und trinke und dennoch ohne lust Luther
tischr. 1, 141
W.; wan sie (
die heiden) vom judenthumb wider abfielen, so wurden sie zwifache sunder
ders., w. 47, 465
W.; die einige ehe lobet man, die zwyfache wird nur geduldet Barth
weibersp. (1565) q 1
b; sie hatten sie zwyfach bezahlt
buch d. liebe (1587) 150
b; welcher das ... zwifach creutzlein ... verzeichnet hat Wilphlingseder
musika (1561) b 4
a; zerren mit dem zwiefachen rr Gueintz
dtsche rechtschreib. (1666) 168; in häusern groszen nahmens blüht noch die herrlichkeit zwiefachen ehesaamens (
von einer zwillingsgeburt) Chr. Fr. Henrici
ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 2, 40; dasz niemand ... eine kirche in ihren gütern beschädigen solle, und wenn er es thue, dasz er der kirche den schaden zwiefach ersetzen solle
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 3, 274; dasz auch der alte tempel ... von einer dreyfachen säulenreihe gegen das forum und einer zwiefachen an den drey übrigen seiten umgeben Niebuhr
röm. gesch. (1811) 1, 308; zwiefacher mörder ward ich, ehe ich ihr henker werden konnte ... Hebbel
w. 1, 265
Werner; mit seinen talern hätt man mögen den markt wohl zwiefach pflästern und legen Mörike
ges. schr. (1905) 1, 198
Göschen; diese phänomene (
luftspiegelungen), wo sehr entfernte, sonst unsichtbare gegenstände zu gesicht kommen und andere oberwärts ein umgekehrtes, auch wohl zwiefaches bild über sich haben, bemerkte man nur an schwülen, gewitterhaften tagen Allmers
marschenb. (
31900) 61.
mit anspielung auf die bedeutung '
unehrlich'
unter 3: den (
gästen) wolt ich (
der wirt) geben ie das best von hüner, vögel, visch und hasen ... doch müsens auch dargegen leiden, das ich schreib mit zwifacher kreiden Hans Sachs 11, 367
K.-G.; vgl. dazu zwiefalt,
adj. 1
und teil 5, 2140.
schwäbisch und schweizerisch, von der vorstellung '
doppelt'
aus, zwiefach gehen '
gebückt gehen': gantz zwifach ginge sie daher (17.
jh.)
bei Fischer 6, 1454; sie ging fast zwifach daher (
um 1700)
ebenda; zwiefach '
von menschen, die so gebückt gehen, dasz das haupt beynahe auf den boden sich neigt' Stalder 2, 486;
schweizer. id. 1, 641;
s. auch zwiefalt,
adj. 1.
in zwei lagen gelegt: nimbs zwifach, ists einfach zu lang Seb. Franck
sprichw. (1541) 2, 113
b;
bei zwiefachem tuch
ist eher an doppelte lage als an ein doppelfädiges, zwillichartiges gewebe zu denken: szo nim ein zcwiffach tuch ... das nettze in dem szelbigen pappeln roszenn wasser ... vnd lege im das tuch vff denszelbigen schadenn (1460) H. v. Pfolspeundt
bündthertznei 35
Haeser-Middeldorpf; nachdem also (
die medizin) warm auff ein zwyfach thuch streichen Ruoff
hebammenbuch (1580) 62; alles zusammen vermischt auf ein zwiefaches tuch wol dick aufgestrichen v. Hohberg
georg. cur. (1682) 1, 277.
unsicher: ob du nimst ain zwifachen faden, vnnd jhm den inn den mund gibst zuohalten zwischen den zenen ... vnnd hab dann das ain ort in deiner linken hand, vnd der siech das ander ort zwischen seinen zenen H. Braunschweig
chirurgia (1539) 3
d;
zweiteilig, von kleidungsstücken oder anderen dingen, vgl. manicleata zwy vach cleyt (15.
jh.) Diefenbach
gl. 347
a: [nemet] keinen langen zwifachen mantel mit uch (1483)
bei Röhricht
pilgerreisen 124; ain zwyfachen purpurmantel Schaidenreiszer
Odyssea (1537) 81
b;
valva czwivach tor (15.
jh.) Diefenbach
gl. 606
a;
valvae thürladen oder fensterladen, welche zwifach in sich selber vffgeen Dasypodius (1537) 280
a; zwen zwifacht kaschten (
v. j. 1512)
ver. f. gesch. i. Hohenzollern 21, 121; die edlen und reisigen solten haben ein underschlagene oder zwifache laden zu ihren zedeln und namen Fronsperger
kriegsb. 1 (1565) 119
b;
von einem doppelbecher: marggraff Fridrichen von Brandenburg kurfürste ein vergulten zwifachen gewunden kopff, wag 5 marck ½ quinten (
Nürnberg 1444)
städtechron. 3, 400;
vgl. 396, 399
u. im glossar 442
b;
zweiseitig: mit einen zwiefachen spiesze J. Prätorius
d. abentheuerl. glückstopf (1669) 31;
beiderseitig gleich, symmetrisch: die jungen füllen ... sollen ... haben ... eynen zwifachen rucken Sebiz
feldbau (1579) 151. 22)
doppelt im sinne von '
zwei verschiedene arten habend',
oft mit folgender erklärung: ein zwifachin spîgel, wol gevazzit, der hatte uff einer sîten ein slechtiz glas, uff di ander sîten di martir unsers hern gemalet
leben d. hl. Ludwig 26
Rückert; wi Christi zkunfft zwifach sey, die erst inn peyn, darnach in eer J. v. Schwarzenberg
d. teutsch Cicero (1535) 154
b; andere thier, welche die alten eynes zwifachen lebens genant haben, das sein solche thier, so auff erden und im wasser sein Sebiz
feldbau (1579) 464; in zwifachten sprachen, zu latin und deutschen
M. Hafenreffer
concio secul. (1601) 11; die sinne sind zwiefach, innerlich und äuszerlich v. Hippel
lebensläufe in aufst. linie (1778) 2, 230; dasz im weltmeer ein zwiefaches leuchten, ein elektrisches und phosphorisches statt findet J. G. Forster
s. schr. 5, 150; ich will daher gleich anfangs von dem unterschiede dieser zwiefachen erkenntniszart handeln Kant 3, 33
akad.-ausg.; (
ich) bin über die zwiefache gesundheit des leibes und der seele dieser hohen dame erstaunt Göthe IV 31, 38
W.; und hat gebet nicht die zwiefache kraft, dem falle vorzubeugen, und verzeihung gefallnen auszuwirken?
Shakespeare 3 (1798) 266; es wurde künstlich ein zwiefaches interesse unterhalten, eines, das die regierung, eines, das die dynastie anging Gutzkow
ges. w. (1872) 6, 113; von der zwiefachen basis aus, die das Pothal und die makedonische landschaft darboten Mommsen
röm. gesch. 2 (1874) 166. 33)
gespalten; vereinzelt von einer sache, wenn nicht zu 1
gehörig: auch hatt das mörkalb die (
zunge) zwyfacht (
duplex) Eppendorf
Plinius (1543) 211.
meist, sofern gegensätzliches in einem ganzen vereinigt ist, vom einzelnen menschen, einer menschengruppe: ein weib gebar ein wundergestalt, ein kind zwiffachs leibs, vornen ein mensch, hinden ein hund Seb. Franck
chron. Germ. (
Augsb. 1538) 160
a; dasz ein jeder christ ein doppelter oder zwifacher mensch seye, einmal ein fleischlicher, darnach auch ein geistlicher mensch J. Gretter
epistel S. Pauli an d. Römer (1566) 456; es ist alles zwyfach, und immer eins gegen dem andern, denn wie ein jeder mensch einen besonderen schutzengel hat, also hat auch ein jeder mensch einen bösen engel, der ihm zuwieder ist Äg. Albertinus
Lucifer 10
Liliencr.; die gnostici hätten einen zwiefachen gott geglaubet G. Arnold
kirch. u. ketzer-hist. (1699) 72.
auf geistiges verhalten, ins gedankliche übertragen: nicht mehr zwiefaches entschlusses sein die olympischen götter, bewegt schon habe sie sämtlich Here durch flehn: und hinab auf Ilios schwebe verderben J. H. Voss
Ilias (1821) 37; der künstler hat zur natur ein zwiefaches verhältnisz: er ist ihr herr und ihr sklave zugleich Göthe
gespräche 6, 110
W. v. Biedermann. im frühnhd. zu der pejorativen bedeutung '
doppelzüngig, unaufrichtig'
entwickelt, die freilich sowohl in der vorstellung '
gespalten'
wie in der bedeutung '
doppelt'
rückhalt findet: von den wankelmütigen und zwifachen zungen Steinhöwel
Äsop 145
lit. ver.; du machest uns wol alle yrr mit deiner zwyfachen zungen geschirr H. Sachs 9, 182
Keller; der Tyrier betriegerey und ihr zwifache zung darbey war Veneri nit unbekant Spreng
Äneis (1610) 17
b; dem ungetrewen zwyfachen grafen U. Füetrer
bayr. chron. 268
Spiller; wee den zwifachen hertzen, die auff zweien straszen gehen Heyden
Plinius (1565) 249.
später ausgestorben. 44)
mit verblassen des zahlbegriffs steigernd, einen stärkeren grad ausdrückend, wie bei doppelt: swes der kunic die reinen vragete, daz was vol ant. zwivach man die wisheit vant in en vor allen clugen
Daniel 316
Hübner; dass dir dein schad nit zwifach wachsz durch unbillich rach, spricht Hans Sachs Hans Sachs 15, 208
K.-G.; werden zwyffacher gailer, wilder, ... denn sy vorhin gseyn seindt Eberlin v. Günzburg
s. schr. 2, 123
ndr.; alle frawen, die da gegenwärtig waren, mit zwyfachen klagen ... anhuoben zu weinen Montanus
schwankbücher 101
Bolte; damit nit also zwifachte arbeit auffgewendt werden müsse
cammergerichtsordn. (1555) 19
b; (
dasz) mir wieder scheinen werd auf dieses traurigsein ein glükk, das zwiefach ist, und gottes gnadenschein Neumark
musik.-poet. lustw. (1657) 1, 139; zwiefacher honig ist ihr mund Ramler
lyr. ged. (1772) 275; eine weite aussicht ist zwiefache hölle für einen gefangenen Schiller 4, 68
G.; hier stürzten zwiefache furchtbare donnerwetter herab Ritter
erdkde (1822) 2, 781; wobei ... das erwachen jedesmal zwiefach schmerzlich war G. Keller
ges. w. (1889) 3, 257.