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tupfen

ahd. bis Dial. · 13 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

tupfen vb.

Bd. 22, Sp. 1823
tupfen, vb. , benetzen; sprenkeln; leicht stoszend berühren. herkunft und form. 11) im ahd. als j-bildung in einer Prudentiusglosse tupfta lavit (doch vgl. 2). im engl., nl. und nd. in der bedeutung 'etwas eintauchen': ags. dyppan; engl. dip; nl. dippen; nd. dippen, düppen, daraus entlehntn. dyppe, s. Falk-Torp 172; im nord. als deverb. ō-verb: norw. duppa, aschw. schw. doppa 'tauchen, untertauchen'. diese wortgruppe gehört zur germ. sippe *deup-, *daup-, *dup- und stellt sich somit zu tief und taufen, vgl. teil 11, 1, 188; 479. die ō-formen weisen auf eine vorstufe mit intensivierender verdoppelung des wurzelschluszkonsonanten, vgl. Wissmann nom. postverb. 186. die bedeutung 'eintauchen' kommt dem hd. tupfen in der schriftsprache nicht mehr zu; sie ist lexikalisch bis zum beginn des 18. jhs. verzeichnet und hält sich im obd. noch mundartlich (s. u. 1). im hd. hat sich vielmehr tupfen in seiner bedeutung durch stupfen beeinflussen lassen, vielleicht gefördert durch das alte nebeneinander von topho und stopho 'punctum', vgl. den synon. gebrauch von tupfen und stupfen in der rechtssprache (s. u. 3 b u. stupfen teil 10, 4, 562), bei Kramer hd.-nd. (1719) 216, und die zwillingsformel tupfen und stupfen bei Stelzhamer dicht. (1884) 4, 124. von topho ist abgeleitet getophot 'gepunktet' (s. u. 2 und tupf sp. 1814), das im Wallis als gitupfud fortlebt (s. PBB 64, 284). durch das fehlen von belegen im mhd. wird ein einblick in die bedeutungsentwicklung im hd. erschwert. im nd. steht neben dippen 'eintauchen' das lautlich anklingende tippen 'berühren' mit dem synon. stippen 'stechen, leicht stoszend berühren, tunken', dem hd. tupfen-stupfen entsprechend. im md. sind dippen und tippen bedeutungsmäszig nicht mehr scharf geschieden: dibbe tupfen Autenrieth pfälz. id. 33; dippen, tippen leise anrühren Albrecht Leipzig 102; spezielle bedeutungen des hd. tupfen werden auf tippen [] übertragen, vgl. u. Happel hist. mod. Europae (1692) 301b; Müller Aachen 245. 22) in der schriftsprache hat sich wie bei anderen intensiva die umlautlose form durchgesetzt, die möglicherweise auf ein im ahd. nicht nachweisbares, aber durch die nord. formen nahegelegtes ō-verb zurückgeht, vgl. Wissmann nom. postverb. 172. in den wörterbüchern hält sich tüpfen neben tupfen bis in das 19. jh., s. Adelung (1793) 4, 723; Campe (1807) 4, 912; Mozin dt.-frz. (1856) 4, 877; literarisch zuletzt bei E. M. Arndt schr. f. u. an s. l. Deutschen (1845) 3, 141; zu einer begriffsscheidung beider formen im schweiz. vgl. Stalder 2, 415. der umgelautete stammvokal begegnet im hd. auch in der entrundeten form: dipfe bad. wb. 1, 598; tipfen Adelung (1793) 4, 723; Schnabel insel Felsenb. (1731) 4, 449. 33) formen mit anlautendem d sind im md., vor allem aber im alem. bezeugt: Crecelius 311; Schmitz Eifler volk 1, 223b; Martin-Lienhart 2, 704; Fischer 2, 473; Schmidt Straszb. 30; Halter Hagenau 148; Mone bruhrain. id. 134; bad. wb. 1, 598; Alemannia 19, 76; Seiler Basel 91; Friedli Bärndütsch 4, 394; 416. im md. und angrenzenden nd. und obd. gebieten sind danebenwohl mit tippen vermischtformen mit anl. t häufig; am Mittelrhein überwiegt tuppen: wb. d. Elberf. ma. 166; wb. d. lux. ma. 445; Leithäuser Barmen 161; Müller Aachen 245; Rovenhagen Aachen 149; Kisch Nösner ma. 227; Follmann Lothr. 112; tupən Leihener Cronenberg 127, im thür. tüppen: Stieler (1691) 2258; Reinwald Henneberg 175; Keller thür. waldgeb. 46. literarisch und lexikalisch haben sich mit d anlautende formen bis an das ende des 18. jhs. gehalten: Kessler sabbata 107 hist. ver. v. St. Gallen; Frisius (1556) 383a; Maaler (1561) 93d; Gäbelkover artzneyb. (1596) 1, 155; 2, 97; Schönsleder prompt. (1618) L 8b; Würtz wundartzney (1624) 56; Duez (1664) 2, 108a; Weismann (1698) 92a; Rädlein (1711) 205b; Frisch (1741) 395a; Miller Siegwart (1777) 1, 153. Adelung scheidet dupfen von tupfen: dupfen mit einem stumpfen oder weichen körper leicht anstoszen oder berühren ...; ist der körper, womit solches geschieht, härter, oder der stosz stärker, so heiszt es tupfen und tüpfen (1793) 1, 1580. 44) eine nasalierte form tumpf ist im schweizerischen (Brienz) bezeugt, vgl. PBB 18, 323. bedeutung und gebrauch. die vorgeschichte des wortes weist auf zwei verschiedene bedeutungslinien, von denen die eine auf ursprüngliches tupfen 'eintauchen' (ags. dyppan), die andere auf (s)tupfen 'stoszen, berühren' zurückgeht (s. o.). beide haben sich früh beeinfluszt und können in den historischen belegen begrifflich nicht immer getrennt werden. als neuer gemeinsamer kern läszt sich die mit der hand wiederholt und leicht ausgeführte bewegung erkennen, die im gegensatz zu dem kontinuierlichen auftragen, streichen den gegenstand nur kurz trifft. 11) das erste zeugnis im sinne von 'benetzen, anfeuchten' zeigt das moment des eintauchens nur noch insofern, als es die berührung mit einer flüssigkeit meint: tupfta, nazta (arvina posthinc igneum inpressa cauterem) lavit (11. jh.) ahd. gl. 2, 429, 1 St.-S. (glosse zu Prudentius perist. 5, 230). 1@aa) flüchtig einsenken, dabei einen gegenstand oder den finger benetzen; die feder in die dinte dupffen Duez dict. (1664) 2, 108a; immergere digitum Stieler (1691) 2258; tuncken, eintuncken Kramer hochniderdt. (1719) 1, 371c; in's dintefass dupfe Martin-Lienhart 2, 704; ins wasser tupfen (mit dem finger) Fischer schwäb. 2, 473; eintauchen Lessiak ma. v. Pernegg, s. PBB 28, 112: also tüpffte er mit seinem mittelfinger in die milch grillenvertreiber (1670) 1, 242; Cynthia tüpfte nunmehr, die dampfende quelle versuchend kek ihr lilienfüszchen hinein Baggesen Parthenais (o. j.) 13; wenn du dir wieder ein hündchen ziehen willst, so tupfe mit dem finger in den roten schaum, der auf dem hute [] (des pilzes) liegt und netze das mit deinen lippen! Storm s. w. 5, 167 Köster.den finger oder einen gegenstand kurz einsenken (in ein gefäsz, salz oder dgl.), ohne dasz die bedeutung 'benetzen' im wortsinn enthalten sein musz: auch haben die auf der stein galera selten warme speiss, ohn bisweilen schnecken in der asch gebraten, die auss den häusslein gezogen, in salz getupft, und so verschluckt (1573) Lubenau beschr. d. reisen 217 Sahm; der hat ins handbecken tupfet Kirchhofer schweiz. sprichw. (1824) 257; il ne faut pas dépendre de ses sujets! sagte der hofmarschall, in sein spanioldöschen mit dem finger tupfend Alexis Isegrim (1854) 1, 270; sie schob die papiere zur seite, tupfte mit dem finger in die kleine goldene spanioldose, die neben dem briefe lag, und führte den tabak mit einer gewissen zierlichkeit zur nase Höfer auf deutscher erde 2 (1860) 69. — aus einer geste bei gemeinsamer verabredung entstand die redewendung in der rechtssprache: 'in den huet tupfen sich zusammen verschwören' qu. bei Schmeller 1, 615; vgl.zusammendupfen obligare se dextris, seu, sacramento dexterarum obstringere fidem suam punctis digitorum Schönsleder prompt. (1618) L 8b; dupften zusammen (zeigt der amtsknecht an) und bedienten sich mithin der fisch im herrenbach — sie wurden bestraft — solte jeder für das kartengeld 3 fl. bezahlen qu. in Alemannia 10, 176; zesamentupfen einen anschlag miteinander machen Schmeller a. a. o.; weitere belege ebda; Lexer Kärnten 77 (vgl.stupfen teil 10, 4, 562). 1@bb) ein trinkgefäsz, ein getränk leicht mit den lippen berühren, um zu kosten, nippen: delibare blosz an ein ding dupffen, ein wenig mit den läfftzen versuchen Frisius dict. (1556) 383a; Maaler 93b; glich so ainen durstigen ain becher mit kuolem wasser dargeraicht und fürgstelt und, sobald er daran dupft und versucht, behend widerumb entzogen wirt J. Kessler Sabbata 107 hist. ver. St. Gallen; den wein antüpffen oder nur blosz ein wenig versuchen pitissare, parum vini paulatim, et quasi tentandi gratia Calepinus (1598) 1097a. in neuerer zeit halten sich reste dieses früher weiter verbreiteten gebrauchs nur noch mundartlich, vgl. ein glas austupfen austrinken Schöpf Tirol 776. 1@cc) einen gegenstand durch leichtes berühren anfeuchten, benetzen: benetzend berühren Lenz Handschuhsheim 72b; mach ein pulver, binds in ein tüchlein, lasz's in wein stehen übernacht, darnach dupff die bläterlin wol mit dem büschelin Gäbelkover artzneyb. (1595) 2, 97; 1, 155; Wilibald! tupfe nunmehr mit fressendem scheidewasser J. H. Voss s. ged. (1802) 2, 189; aus der erde kocht, unsichtbar, die empfangene nässe, die stirn mir tupfend Liliencron s. w. (1896) 8, 73; verschiedenartig geflecktes ... papier wird erhalten, wenn man mit einem ... schwamme ... das papier tupft Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 2, 173. vereinzelt auch für 'auftragen': auch tupft man wohl ...mit gummiwasser angemachten porzellanschlicker mittelst eines spitzen hölzchens ... auf die gewünschten stellen der gewandung der figur Muspratt chemie 8 (1905) 465; den firnisz (mit der hand oder dem tupfbällchen) tupfen Mozin dt.-frz. (31856) 4, 877. 22) frühzeitig bildet sich die verwendung des wortes für 'punktieren, sprenkeln, farbflecke machen' heraus; der häufige gebrauch des part. perf. läszt erkennen, dasz sich hier der wortsinn bald von dem vorgang in das ergebnis der tätigkeit verlagert; vgl. tupf 2. 3 sp. 1815/6 u. ahd. getopfôt: (helina) tiedir getopfote mit sternahten ougon manige skimen durhskinen (stellantibus oculis interstinctos) Notker 1, 2, 741 Piper; fone demo lozta in manega uuîs ketopfotiu ioh kefehtiu fareuua, also in lenzen diu erda getan ist (coloribus notulis variata pictura) ebda. 2@aa) einen oder mehrere punkte machen, farbflecke oder kleckschen machen: ich redt hie von solchen puncten und linien die mit der nadel oder spitzigen federn getupfet [] vnd gerissen werden an eim richtscheit Dürer menschl. proportion (1520) O 3a; maculare Stieler (1691) 2258; puntare, puntecchiare, puntigliare, punzecchiare, dipignere di miniatura ò miniare Kramer t.-ital. 2 (1702) 1162b; getupftes gemäl, getupfte arbeit pittura miniata, fatta di miniatura ebda 1162c; linea puntata eine getupffte lini ders., it.-teutsch (1693) 908c; far un punto Rädlein (1711) 205b; mit tüpflein sprengen oder besprengen Kramer hochniderdt. (1719) 1, 371c. 2@bb) losgelöst von der vorstellung der manuellen tätigkeit (a) hat das part. perf. getupft die bedeutung 'mit farbflecken versehen sein, gesprenkelt, punktiert'; von stoffen: man müsse sich nur sommerkleider dazu denken, getupfte oder geblümte Waggerl Wagrainer tageb. (1936) 79; in einem hellen rohleinenjackett mit einer blauseidenen, weiszgetupften krawatte Fr. Wolf zwei a. d. grenze (1948) 87. vgl. hierzu eine bedeutungsübertragung auf das lautlich anklingende tippen (s. o. sp. 1823): darauf (kam) ihre maj. die königin, mit scepter, kron, reichs-apffel, in einem violblau-sammeten rock, mit güldenen frantzen bordiret, mit weissem futter und schwartz getippt Happel hist. mod. Europae (1692) 301b. von der färbung der haut, insbesondere von sommersprossen, vgl. tupf 3a, tüpfel 5, tüpfeln 2: vollkommen runden, gedupften angesichts qu. v. 1799 in: Alemannia 19, 76; schwarz gedupften angesichts, solcher augen und haare ... weisslechten, etwas gedupften a ... qu. bei Fischer schwäb. 2, 473; (Blondine:) da sprossen hundert bräunlich rothe flecken, die zum verdrusz die weisze haut bedecken. ein mittel! (Mephistopheles:) schade! so ein leuchtend schätzchen, im mai getupft wie eure pantherkätzchen Göthe I 15, 1, 76 W. (Faust II); jetzt dachte er an sein rundes, von sommersprossen getupftes gesicht, wie an eine liebe, für immer versperrte landschaft A. Seghers d. siebte kreuz (1950) 74. von der gesprenkelten färbung des tier- und pflanzenkleides: ain dupffeter hund Fischer schwäb. 2, 474; wie wunderbar sind sie (die tulpen) gemenget! getüpft, gestrichelt und gesprenget! Triller poet. betracht. (1750) 1, 226. lustig herbei nun ihr freunde! hier dampfen getupfte forellen Matthisson ged. 2, 15 lit. ver.; schwein mit niederen höckern als beinen; getupft Furtwängler vasenbeschreib. (1885) 155. 2@cc) in impressionistischer darstellungsweise zur wiedergabe von fleckenartigen licht- und schattenwirkungen: wenn der herbst die ersten farben in das satte sommergrün tupft Timm Kröger wohnung d. glücks (1906) 121; ein sonnenfinger griff durchs zerlöcherte dach ... und tupfte scharf auf seine (des bauern) brille qu. a. d. j. 1923; aber die kippel (alte nomadengrabhügel) tupften die steppe — wie von der hand stummer geschichte ausgesäte riesenkörner fanden sich die kurgane im lande qu. a. d. j. 1933; unter der mittagssonne funkelte die nasse stadt ... fahnen, kleider, hüte und blumen tupften farben in die straszenzüge Carossa winterl. Rom (1947) 31. 33) in anderer richtung verläuft die entwicklung in einer bedeutungsgruppe, die auf das blosze berühren einer oberfläche zielt, ohne dasz das hinterlassen einer farbspur zum vorstellungsgehalt gehört. 3@aa) leicht, flüchtig berühren, besonders mit der spitze eines gegenstandes oder mit dem finger: libare digitis Schönsleder prompt. (1618) L 8b; mit dem finger dupffen toucher ou picotter du doigt Duez dict. (1664) 2, 108a; summo digito attingere Stieler (1691) 2258; toccare leggiermente colla punta di qualche cosa Kramer t.-ital. 2 (1702) 1162b; tupfen, stupfen mit dem finger ders., hochniderdt. (1719) 216c; toccar col dito Rädlein (1711) 205b; mit der spitze eines dinges stoszen oder berühren Adelung (1774) 4, 1104; es belaydigen gott all die jenige, welche seynd wie ein orgl, die man kaum darff ein wenig tupffen, so schreyts gleich Abr. a s. Clara Judas (1686) 1, 47; [] tipfte jeden hund mit ihrem weissen stabe auf den kopf Schnabel Felsenburg (1731) 4, 449; ich meine da — wo ich itzt mit dem zeigefinger hin tupfe Bode Tristram Schandi (1776) 8, 11; auf dasz kein armer erdensohn sich seines glückes überhebe ..., lauscht immer eine böse fey am nest der brütenden, und tüpft auf jedes ey Gotter ged. (1787) 1, 332; der offizier fühlte sich auf die schulter getupft und sah seinen gefährten vom kreuze (grabstein) herabsteigen Goldammer Litthauen (1858) 96; Rothköpfchen muszte erst das vögelchen noch etliche male mit dem finger der andern hand tupfen und stupfen, dasz es bisz und krabbelte Stelzhamer ausgew. dicht. (1884) 4, 124; eine weidengerte berührte mit mahnendem tupfen seine schulter Cl. Viebig d. schlaf. heer (1904) 2, 321; es gibt viele berühmte und lustige seiltänze in unsern vaterländischen bergen, wo einem der tod mit dem kleinen finger kalt in den rücken tupft Federer berge u. menschen (1911) 160; Klaus leckte in gedanken seinen zeigefinger an und tupfte auf die plätte Kluge Kortüm (1938) 72. mit dem finger die stirn berühren: aber Cynthia, rief Toni und tupfte sich an die stirn — ein mensch musz doch hundertmal schwerer zu zeichnen sein als so ein kleines ding (schmetterling) Carossa d. arzt Gion (1931) 156. 3@bb) die nase, die augen, die stirn u. dgl. mit einem taschentuche trocknen: sie tupfte ... mit ihrem taschentuch über die stirn hin Fontane ges. w. (1905) I 4, 157; dann plötzlich ein ruck, ein kerzengerader sprung, ein tupfen mit dem mundtuch über stirn und hand qu. a. d. j. 1927; der wanderer, der ... den hut in der einen hand, mit dem tuche in der andern einen leichten schweisz von der stirne tupfte Ponten rhein. zwischensp. (1937) 72; man war ergriffen ... eine dame tupfte sich mit dem gestickten ausgeh-tüchlein ein auge Th. Mann Faustus (1948) 654; eine wunde tupfen nettoyer une plaie en la touchant légèrement avec du linge Mozin dt.-frz. (1856) 4, 877; eine wunde mit charpie dupfe Schmidt Straszburg 30; schaffet den zorn aus eurer seele, bat sie, mit dem schwamm auf seine wunde tupfend G. Freytag ges. w. 12 (1887) 25; Kurt, dem Sanna die wunde tupfte, murrte ein geständnis qu. a. d. j. 1937; vgl. hierzu folgende präfigierte formen: auftupfen: indem er (Göthe) einige brösel und kügelchen einzeln mit dem ringfinger auftupfte Th. Mann Lotte in Weimar (1946) 455. austupfen: einen tintenklecks mit dem finger austupfen Crecelius 311. forttupfen: damit erhob er sich zum weitergehen, und Mathilde tupfte ihr tränlein fort und folgte ihm qu. a. d. j. 1938. wegtupfen: und sie (die weiber) tupften mit dem zackigen wischtüchlein die zähren weg qu. a. d. j. 1923. 3@cc) speziell pulver mit brennender kohle oder der lunte berühren und dadurch zur entzündung bringen; mettre le feu au canon Mozin dt.-frz. (1856) 4, 877; tupfen, tüpfen mit der brennenden lunte eine kanone losbrennen Stalder schweiz. id. 1, 328: leg aber solches (pulver) auff ein rein weisz breit thuch oder papyr vnd tupffe dann mit einem gelinden kol dareyn Fronsperger kriegsb. 1 (1578) 152b. vgl. hierzu den ausruf: vorn auf dem hügelchen steht so ein bocksfusz bei der kanone, sein stets rauchender schwanz dient ihm als lunte dabei. ... aber der kerl ist feige; denn während langsam der schweif sich nach dem zündloch bewegt, hält er die ohren sich zu ... krümmt sich, und — tupf! folgt der entsetzliche knall Mörike ges. schr. 1, 130 Göschen. 3@dd) beim vogelfang die vögel mit der leimrute berühren: dupfen heiszt der fang mit einer langen dünnen stange, an die eine leimrute gebunden ist, vermittelst derer man harmlose vögel ... verfolgt, bis man einen nach dem andern mit dem leim berührt Meyer lex. 620, 210. 3@ee) übertragen im sinne von 'zeigen, hinweisen, deuten, nahekommen', wobei die vorstellung des berührens vom gegenständlichen auf das optische und gedankliche übergreift: [] tüppen mit der spitze des fingers oder griffels drauf deuten Reinwald Henneberg 1, 175; halt, wenn du mit dem finger dort vom Wettingerhause, das am wasser steht, über das gewirre der dächer aufwärts fährst, so tupfst du auf das sogenannte grüne schlosz G. Keller ges. w. (1889) 6, 23; wie du nun die offenbarung gottes in Christo und in der natur nach deiner weise, und ich möchte sagen und du selbst tüpfest darauf, nach Friedrich Schlegels weise in dem weiland heiligen römischen reiche deutscher nation am vollkommensten und in den mannigfaltigsten bildern abgeprägt findest, ... darüber liesze sich viel hübsches und viel trauriges sagen E. M. Arndt schr. f. u. an s. l. Deutschen (1845) 3, 141. 44) in den mundarten findet sich das wort in weiterer bedeutungsentfaltung, wobei der ausgangspunkt der bezeichnung jedoch vorwiegend in der unter 3 entwickelten bedeutung 'leicht stoszend berühren' liegt. 4@aa) im gegenständlichen bereich: 4@a@aα) verschiedene arten einer stärkeren berührung bezeichnend: pochen, klopfen Müller Aachen 250; Rosenhagen Aachen 149; Follmann Lothr. 112; klopfen, hauen, schlagen wb. d. lux. ma. 445; schlagen, stoszen, prügeln Martin-Lienhart 2, 704; einen durch schlagen oder sonstige gewalt bändigen Crecelius 311; einem auf die finger tupfen Fischer schwäb. 2, 473; schlagen, durch schläge demütigen Lenz Handschuhsheim 72b; es ist ein student von Dillingen, und vermuthlich hat er einen gedupft oder umgebracht Miller Siegwart 1 (1777) 153. nahestehend, doch wohl fachsprachlich: ein stein tupfen (mit der spitze des hammers) rustiquer une pierre, la tailler rustiquement Mozin dt.-frz. (1856) 4, 877. 4@a@bβ) von kinderspielen, insbesondere von dem aneinanderschlagen der ostereier (vgl. atlas d. dt. volkskunde, karte 30): dies (eier-)spiel ist in unserem ganzen gebiete verbreitet und führt die verschiedensten namen: tippen, antippen (im Egerland) stutzen, anstutzen, tupfen (Plauer bezirk) John sitte, brauch u. volksglaube (1905) 60; im eierspiel die eier, bes. die gefärbten ostereier, prüfend auf einander schlagen Martin-Lienhart elsäss. 2, 704; Fischer schwäb. 2, 473; dübfe bad. wb. 1, 598; düpfe, dupfe Seiler Basel 91; tüpfe Hunziker Aargau 65; düpfen, düpsen Friedli Bärndütsch 4, 416; tupfen, tüpfen Mozin dt.-frz. (1856) 4, 877. mit bedeutungsübertragung auf das nd. tippen (s. o.): man gebraucht ... tippen von dem aneinanderstoszen der ostereier Müller Aachen 245. ball werfen: im ballspiel wird der fehler des gegners festgestellt durch den ruf: 1-2-3 gedupft, wobei der ball auf den boden getatscht wird bad. wb. 1, 598; düpfen Meisinger Wiesental 17. 'steine über eine wasserfläche hüpfen lassen' bad. wb. a. a. o. 4@a@gγ) ausgehend von der bedeutung 'mit der spitze eines gegenstandes berühren' (s. 3 a), wird das wort im bair.-österr. für das impfen der kinder verwendet: ein kind tupfen ihm die kuhpocken einimpfen Schmeller 1, 615; ein kind tupfen es impfen Schöpf Tirol 776. vgl.: mit einem spitzen werkzeuge etwas berühren, daher intupfún die schutzpocken einimpfen Lexer Kärnten 77. 4@a@dδ) coire: Lexer Kärnten 77; Jakob Wien 198; bad. wb. 1, 598. 4@bb) übertragen; in verschiedener hinsicht in der bedeutung 'im gespräch eine empfindliche seite des gesprächspartners berühren': auf etwas anspielen, sticheln Stalder Schweiz 328; picoter, pointiller. Mozin dt.-frz. (1856) 4, 877; zur ruhe bringen, zurechtweisen Crecelius 311; durch eine schlagfertige antwort abführen Martin-Lienhart 2, 704; gehörig die meinung sagen Follmann Lothr. 112; schimpfen, durch anzüglichkeiten reizen, beleidigen Fischer schwäb. 2, 473; jemandes schwache seite berühren, ihm einen treff geben bad. wb. 1, 598; einen bloszstellen, abfahren lassen ebda; auch umgangssprachlich: denn wer sich ärgerte (über die xenien), freute sich auch, dasz ein anderer getupft war Zelter in: briefw. zw. Göthe u. Zelter 5, 238 Riemer.betrügen: Fischer schwäb. 2, 473; antupfen Martin-Lienhart 2, 704; vgl.tuppe, betuppe Rovenhagen Aachen 149; betuppen Woeste westf. 30.
21569 Zeichen · 446 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    tupfensw. V. (1a)

    Köbler Ahd. Wörterbuch

    tupfen , sw. V. (1a) nhd. betupfen, benetzen ne. stain (V.), moisten ÜG.: lat. lavare Gl Q.: Gl (11. Jh.) E.: germ. *dup…

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    tupfenstm., n.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +4 Parallelbelege

    tupfen stm. n. topf Hpt. arzb. 44. Wiesb. gl. 174 u. anm. der tuppen Schm. Fr. 1,614. daʒ duppen Karlm. 6,2. Erf. fzo. 3…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Tupfen

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Tupfen , verb. regul. act. & neutr. im letztern Falle mit dem Hülfsworte haben, mit der Spitze eines Dinges stoßen oder …

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    tupfen

    Goethe-Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    tupfen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Tupfen

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Tupfen ( Dupfen ), s. Vogelsang .

  6. modern
    Dialekt
    Tupfen

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    Tupfe n [Tùpfə allg.; Tùpə Lützelstn. ; Typə Wh. ; Pl. ebs., doch Tìpfə Roppenzw. , Tepfə u. Tùpfə Dü. ; Demin. Tîpfli O…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit tupfen

59 Bildungen · 4 Erstglied · 52 Zweitglied · 3 Ableitungen

tupfen‑ als Erstglied (4 von 4)

tupfenglich

ElsWB

tupfen·glich

tupfe n glich Adj. gleich bis auf den Tupfen, Punkt, völlig gleich Pfetterhsn.

Tupfens Tüpfiⁿs

Idiotikon

Tupfens Tüpfiⁿs Band 13, Spalte 987 Tupfens Tüpfiⁿs 13,987

tupfen als Zweitglied (30 von 52)

Übertúpfen

Campe

Übertúpfen , v. trs . ich übertupfe, übertupft, zu übertupfen , auf der ganzen Oberfläche betupfen. D. Übertupfen. D. — ung .

Úmstupfen

Campe

Х Úmstupfen , v. trs . ich stupfe um, umgestupft, umzustupfen , stupfend umstoßen. D. Umstupfen. D. — ung .

Únterstupfen

Campe

Х Únterstupfen , v. trs . ich stupfe unter, untergestupft, unterzustupfen , unter etwas stupfen. D Unterstupfen .

a(n)stupfen

Idiotikon

a(n)stupfen Band 11, Spalte 1186 a(n)stupfen 11,1186

abstupfen

PfWB

abs·tupfen

ab-stupfen schw. : ' durch Stoßen abschlagen '. Des Eck, z. B. von einem Möbelstück, is schun ganz abgestuppt [Kaislt NW-Elmst ]; vgl. PfWB …

ABTUPFEN

DWB2

DWB2 ABTUPFEN vb. DWB2 DWB2 DWB2 1 DWB2 etwas tupfend reinigen, von blut, schweiß u. dgl. befreien: 1846 dass die wunde, während der operate…

anne tupfen

ElsWB

anne·tupfen

anne tupfe n etwas andeuten, was ein anderer verheimlichen will Ndrröd.

antupfen

DWB

antupfen , pangere, pacisci, beim vertrag stupfen, anstupfen, antippen, vgl. RA. 151. 604. 605. s. DWB andupfen , DWB abdupfen .

aufstupfen

DWB

auf·stupfen

aufstupfen , digito tundere, was zumal beim eingehen von verträgen geschah, vgl. rechtsalt. 604: entstehet alle aufruor ausz trunkenhait, do…

auftupfen

DWB

auf·tupfen

auftupfen , in doppelter bedeutung, 1 1) digitis leviter attingere, was auftippen, aufstüpfen. Stieler 2258 auftüppen. 2 2) attingendo sicca…

austupfen

DWB

aus·tupfen

austupfen , intingendo siccare: eine wunde, ein geschwür austupfen.

b(e)stupfen

Idiotikon

b(e)stupfen Band 11, Spalte 1187 b(e)stupfen 11,1187

betupfen

DWB

betupfen , betüpfen , leviter digitis, vel penicillo attingere, betippen: es wird gar bald, wenn wirs nur leicht betüpfen, uns durch die fin…

daranstupfen

PfWB

daran·stupfen

daran-stupfen schw. : dass. Er hot draⁿgstuppt, do esch das Glas umgfalle [ BZ-Dernb ]; vgl. PfWB darantupfen 1. —

darantupfen

PfWB

daran·tupfen

daran-tupfen , daran-tüpfen schw. : 'berühren', vgl. PfWB antupfen , PfWB -tüpfen . 1. 'mit den Fingern anrühren', draⁿdippe [ LU-Altr .]. D…

darauftupfen

PfWB

darauf·tupfen

darauf-tupfen schw. : 'mit dem Finger tupfend berühren', auch 'mit dem Finger auf etwas hinweisen', druf-, drofduppe [verbr.]; vgl. PfWB dar…

druf stupfen

ElsWB

druf·stupfen

druf stupfe n draufstossen. Der Kërl hört un d g e si ch t nit, bis dass m e r um d i e Nas druf stup f t! Altw.

einstupfen

DWB

eins·tupfen

einstupfen , intundere, vgl. ahd. stupfan Graff 6, 659 und stupfen bei Schmeller 3, 651 , eigentlich mit dem finger einstupfen, wofür sich h…

gestupfen

KöblerMhd

ges·tupfen

gestupfen , sw. V. nhd. einstechen E.: s. ge, stupfen W.: nhd. DW- L.: Hennig (gestupfen)

herab stupfen

ElsWB

herab·stupfen

he rab stupfe n mit einer Stange herabstossen K. Z. Stupf m i r au ch e Bir he ro b ! Geud. Ingenh.

hertupfen

PfWB

her·tupfen

her-tupfen schw. : 'auf etwas tupfend zeigen', -duppe [ LU-Altr ]; vgl. PfWB tupfen 1 a α . —

herum stupfen

ElsWB

herum·stupfen

h erum stupfe n 1. herumstossen. Ech hon d Keste n im Owe n he rum(er) g e stup f t [ktypt] Wh. 2. an etwas erinnern, von etwas reden. Er h…

herumtupfen

GWB

herum·tupfen

* herumtupfen ‘an jdm h.’ metaphor für sich an jds (geistigem) Porträt versuchen Gespr (FfA II 12,166,10) Eckerm 25.12.25 Rüdiger Welter R.W…

Ableitungen von tupfen (3 von 3)

betupfen

DWB

betupfen , betüpfen , leviter digitis, vel penicillo attingere, betippen: es wird gar bald, wenn wirs nur leicht betüpfen, uns durch die fin…

tupfené

LDWB1

tupfené [tup·fe·nę́] vb.tr. (tupfenëia) betupfen, mit Tupfen versehen.

vertupfen

ElsWB

vertupfe n prügeln Str. ‘Wenn d'Buewe sich verschlaaue ... Dis heisse sie vertupft’ Kettner So sin m'r halt 159.