tupfen,
vb. ,
benetzen; sprenkeln; leicht stoszend berühren. herkunft und form. 11)
im ahd. als j-
bildung in einer Prudentiusglosse tupfta
lavit (
doch vgl. 2).
im engl., nl. und nd. in der bedeutung '
etwas eintauchen'
: ags. dyppan;
engl. dip;
nl. dippen;
nd. dippen, düppen,
daraus entlehnt dän. dyppe,
s. Falk-Torp 172;
im nord. als deverb. ō-
verb: norw. duppa,
aschw. schw. doppa '
tauchen, untertauchen'.
diese wortgruppe gehört zur germ. sippe *deup-,
*daup-,
*dup-
und stellt sich somit zu tief
und taufen,
vgl. teil 11, 1, 188; 479.
die ō-
formen weisen auf eine vorstufe mit intensivierender verdoppelung des wurzelschluszkonsonanten, vgl. Wissmann
nom. postverb. 186.
die bedeutung '
eintauchen'
kommt dem hd. tupfen
in der schriftsprache nicht mehr zu; sie ist lexikalisch bis zum beginn des 18.
jhs. verzeichnet und hält sich im obd. noch mundartlich (
s. u. 1).
im hd. hat sich vielmehr tupfen
in seiner bedeutung durch stupfen
beeinflussen lassen, vielleicht gefördert durch das alte nebeneinander von topho
und stopho '
punctum',
vgl. den synon. gebrauch von tupfen
und stupfen
in der rechtssprache (
s. u. 3 b
u. stupfen
teil 10, 4, 562),
bei Kramer
hd.-nd. (1719) 216,
und die zwillingsformel tupfen und stupfen
bei Stelzhamer
dicht. (1884) 4, 124.
von topho
ist abgeleitet getophot '
gepunktet' (
s. u. 2
und tupf
sp. 1814),
das im Wallis als gitupfud
fortlebt (
s. PBB 64, 284).
durch das fehlen von belegen im mhd. wird ein einblick in die bedeutungsentwicklung im hd. erschwert. im nd. steht neben dippen '
eintauchen'
das lautlich anklingende tippen '
berühren'
mit dem synon. stippen '
stechen, leicht stoszend berühren, tunken',
dem hd. tupfen-stupfen
entsprechend. im md. sind dippen
und tippen
bedeutungsmäszig nicht mehr scharf geschieden: dibbe
tupfen Autenrieth
pfälz. id. 33; dippen, tippen
leise anrühren Albrecht
Leipzig 102;
spezielle bedeutungen des hd. tupfen
werden auf tippen
[] übertragen, vgl. u. Happel
hist. mod. Europae (1692) 301
b; Müller
Aachen 245. 22)
in der schriftsprache hat sich wie bei anderen intensiva die umlautlose form durchgesetzt, die möglicherweise auf ein im ahd. nicht nachweisbares, aber durch die nord. formen nahegelegtes ō-
verb zurückgeht, vgl. Wissmann
nom. postverb. 172.
in den wörterbüchern hält sich tüpfen
neben tupfen
bis in das 19.
jh., s. Adelung (1793) 4, 723; Campe (1807) 4, 912; Mozin
dt.-frz. (1856) 4, 877;
literarisch zuletzt bei E.
M. Arndt
schr. f. u. an s. l. Deutschen (1845) 3, 141;
zu einer begriffsscheidung beider formen im schweiz. vgl. Stalder 2, 415.
der umgelautete stammvokal begegnet im hd. auch in der entrundeten form: dipfe
bad. wb. 1, 598; tipfen Adelung (1793) 4, 723; Schnabel
insel Felsenb. (1731) 4, 449. 33)
formen mit anlautendem d
sind im md., vor allem aber im alem. bezeugt: Crecelius 311; Schmitz
Eifler volk 1, 223
b; Martin-Lienhart 2, 704; Fischer 2, 473; Schmidt
Straszb. 30; Halter
Hagenau 148; Mone
bruhrain. id. 134;
bad. wb. 1, 598;
Alemannia 19, 76; Seiler
Basel 91; Friedli
Bärndütsch 4, 394; 416.
im md. und angrenzenden nd. und obd. gebieten sind daneben —
wohl mit tippen
vermischt —
formen mit anl. t
häufig; am Mittelrhein überwiegt tuppen
: wb. d. Elberf. ma. 166;
wb. d. lux. ma. 445; Leithäuser
Barmen 161; Müller
Aachen 245; Rovenhagen
Aachen 149; Kisch
Nösner ma. 227; Follmann
Lothr. 112; tupən Leihener
Cronenberg 127,
im thür. tüppen: Stieler (1691) 2258; Reinwald
Henneberg 175; Keller
thür. waldgeb. 46.
literarisch und lexikalisch haben sich mit d
anlautende formen bis an das ende des 18.
jhs. gehalten: Kessler
sabbata 107
hist. ver. v. St. Gallen; Frisius (1556) 383
a; Maaler (1561) 93
d; Gäbelkover
artzneyb. (1596) 1, 155; 2, 97; Schönsleder
prompt. (1618) L 8
b; Würtz
wundartzney (1624) 56; Duez (1664) 2, 108
a; Weismann (1698) 92
a; Rädlein (1711) 205
b; Frisch (1741) 395
a; Miller
Siegwart (1777) 1, 153. Adelung
scheidet dupfen
von tupfen: dupfen
mit einem stumpfen oder weichen körper leicht anstoszen oder berühren ...; ist der körper, womit solches geschieht, härter, oder der stosz stärker, so heiszt es tupfen
und tüpfen (1793) 1, 1580. 44)
eine nasalierte form tumpf
ist im schweizerischen (
Brienz)
bezeugt, vgl. PBB 18, 323.
bedeutung und gebrauch. die vorgeschichte des wortes weist auf zwei verschiedene bedeutungslinien, von denen die eine auf ursprüngliches tupfen '
eintauchen' (
ags. dyppan),
die andere auf (s)tupfen '
stoszen, berühren'
zurückgeht (s. o.). beide haben sich früh beeinfluszt und können in den historischen belegen begrifflich nicht immer getrennt werden. als neuer gemeinsamer kern läszt sich die mit der hand wiederholt und leicht ausgeführte bewegung erkennen, die im gegensatz zu dem kontinuierlichen auftragen, streichen
den gegenstand nur kurz trifft. 11)
das erste zeugnis im sinne von '
benetzen, anfeuchten'
zeigt das moment des eintauchens nur noch insofern, als es die berührung mit einer flüssigkeit meint: tupfta, nazta (
arvina posthinc igneum inpressa cauterem)
lavit (11.
jh.)
ahd. gl. 2, 429, 1
St.-S. (
glosse zu Prudentius perist. 5, 230). 1@aa)
flüchtig einsenken, dabei einen gegenstand oder den finger benetzen; die feder in die dinte dupffen Duez
dict. (1664) 2, 108
a;
immergere digitum Stieler (1691) 2258;
tuncken, eintuncken Kramer
hochniderdt. (1719) 1, 371
c; in's dintefass dupfe Martin-Lienhart 2, 704; ins wasser tupfen (
mit dem finger) Fischer
schwäb. 2, 473;
eintauchen Lessiak
ma. v. Pernegg, s. PBB 28, 112: also tüpffte er mit seinem mittelfinger in die milch
grillenvertreiber (1670) 1, 242; Cynthia tüpfte nunmehr, die dampfende quelle versuchend kek ihr lilienfüszchen hinein Baggesen
Parthenais (
o. j.) 13; wenn du dir wieder ein hündchen ziehen willst, so tupfe mit dem finger in den roten schaum, der auf dem hute
[] (
des pilzes) liegt und netze das mit deinen lippen! Storm
s. w. 5, 167
Köster. —
den finger oder einen gegenstand kurz einsenken (
in ein gefäsz, salz oder dgl.),
ohne dasz die bedeutung '
benetzen'
im wortsinn enthalten sein musz: auch haben die auf der stein galera selten warme speiss, ohn bisweilen schnecken in der asch gebraten, die auss den häusslein gezogen, in salz getupft, und so verschluckt (1573) Lubenau
beschr. d. reisen 217
Sahm; der hat ins handbecken tupfet Kirchhofer
schweiz. sprichw. (1824) 257; il ne faut pas dépendre de ses sujets! sagte der hofmarschall, in sein spanioldöschen mit dem finger tupfend Alexis
Isegrim (1854) 1, 270; sie schob die papiere zur seite, tupfte mit dem finger in die kleine goldene spanioldose, die neben dem briefe lag, und führte den tabak mit einer gewissen zierlichkeit zur nase Höfer
auf deutscher erde 2 (1860) 69. —
aus einer geste bei gemeinsamer verabredung entstand die redewendung in der rechtssprache: 'in den huet tupfen
sich zusammen verschwören'
qu. bei Schmeller 1, 615;
vgl.zusammendupfen
obligare se dextris, seu, sacramento dexterarum obstringere fidem suam punctis digitorum Schönsleder
prompt. (1618) L 8
b; dupften zusammen (
zeigt der amtsknecht an) und bedienten sich mithin der fisch im herrenbach — sie wurden bestraft — solte jeder für das kartengeld 3 fl. bezahlen
qu. in Alemannia 10, 176; zesamentupfen
einen anschlag miteinander machen Schmeller
a. a. o.; weitere belege ebda; Lexer
Kärnten 77 (
vgl.stupfen
teil 10, 4, 562). 1@bb)
ein trinkgefäsz, ein getränk leicht mit den lippen berühren, um zu kosten, nippen: delibare blosz an ein ding dupffen, ein wenig mit den läfftzen versuchen Frisius
dict. (1556) 383
a; Maaler 93
b; glich so ainen durstigen ain becher mit kuolem wasser dargeraicht und fürgstelt und, sobald er daran dupft und versucht, behend widerumb entzogen wirt J. Kessler
Sabbata 107
hist. ver. St. Gallen; den wein antüpffen oder nur blosz ein wenig versuchen
pitissare, parum vini paulatim, et quasi tentandi gratia Calepinus (1598) 1097
a.
in neuerer zeit halten sich reste dieses früher weiter verbreiteten gebrauchs nur noch mundartlich, vgl. ein glas austupfen
austrinken Schöpf
Tirol 776. 1@cc)
einen gegenstand durch leichtes berühren anfeuchten, benetzen: benetzend berühren Lenz
Handschuhsheim 72
b; mach ein pulver, binds in ein tüchlein, lasz's in wein stehen übernacht, darnach dupff die bläterlin wol mit dem büschelin Gäbelkover
artzneyb. (1595) 2, 97; 1, 155; Wilibald! tupfe nunmehr mit fressendem scheidewasser J. H. Voss
s. ged. (1802) 2, 189; aus der erde kocht, unsichtbar, die empfangene nässe, die stirn mir tupfend Liliencron
s. w. (1896) 8, 73; verschiedenartig geflecktes ... papier wird erhalten, wenn man mit einem ... schwamme ... das papier tupft Karmarsch-Heeren
techn. wb. (1876) 2, 173.
vereinzelt auch für '
auftragen': auch tupft man wohl ...mit gummiwasser angemachten porzellanschlicker mittelst eines spitzen hölzchens ... auf die gewünschten stellen der gewandung der figur Muspratt
chemie 8 (1905) 465; den firnisz (mit der hand oder dem tupfbällchen) tupfen Mozin
dt.-frz. (
31856) 4, 877. 22)
frühzeitig bildet sich die verwendung des wortes für '
punktieren, sprenkeln, farbflecke machen'
heraus; der häufige gebrauch des part. perf. läszt erkennen, dasz sich hier der wortsinn bald von dem vorgang in das ergebnis der tätigkeit verlagert; vgl. tupf 2. 3
sp. 1815/6
u. ahd. getopfôt: (
helina) tiedir getopfote mit sternahten ougon manige skimen durhskinen (
stellantibus oculis interstinctos) Notker 1, 2, 741
Piper; fone demo lozta in manega uuîs ketopfotiu ioh kefehtiu fareuua, also in lenzen diu erda getan ist (
coloribus notulis variata pictura)
ebda. 2@aa)
einen oder mehrere punkte machen, farbflecke oder kleckschen machen: ich redt hie von solchen puncten und linien die mit der nadel oder spitzigen federn getupfet
[] vnd gerissen werden an eim richtscheit Dürer
menschl. proportion (1520) O 3
a;
maculare Stieler (1691) 2258;
puntare, puntecchiare, puntigliare, punzecchiare, dipignere di miniatura ò miniare Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1162
b; getupftes gemäl, getupfte arbeit
pittura miniata, fatta di miniatura ebda 1162
c;
linea puntata eine getupffte lini
ders., it.-teutsch (1693) 908
c;
far un punto Rädlein (1711) 205
b;
mit tüpflein sprengen oder besprengen Kramer
hochniderdt. (1719) 1, 371
c. 2@bb)
losgelöst von der vorstellung der manuellen tätigkeit (a)
hat das part. perf. getupft
die bedeutung '
mit farbflecken versehen sein, gesprenkelt, punktiert'
; von stoffen: man müsse sich nur sommerkleider dazu denken, getupfte oder geblümte Waggerl
Wagrainer tageb. (1936) 79; in einem hellen rohleinenjackett mit einer blauseidenen, weiszgetupften krawatte Fr. Wolf
zwei a. d. grenze (1948) 87.
vgl. hierzu eine bedeutungsübertragung auf das lautlich anklingende tippen (
s. o. sp. 1823): darauf (
kam) ihre maj. die königin, mit scepter, kron, reichs-apffel, in einem violblau-sammeten rock, mit güldenen frantzen bordiret, mit weissem futter und schwartz getippt Happel
hist. mod. Europae (1692) 301
b.
von der färbung der haut, insbesondere von sommersprossen, vgl. tupf 3a, tüpfel 5, tüpfeln 2: vollkommen runden, gedupften angesichts
qu. v. 1799
in: Alemannia 19, 76; schwarz gedupften angesichts, solcher augen und haare ... weisslechten, etwas gedupften a ...
qu. bei Fischer
schwäb. 2, 473; (
Blondine:) da sprossen hundert bräunlich rothe flecken, die zum verdrusz die weisze haut bedecken. ein mittel! (
Mephistopheles:) schade! so ein leuchtend schätzchen, im mai getupft wie eure pantherkätzchen Göthe I 15, 1, 76
W. (
Faust II); jetzt dachte er an sein rundes, von sommersprossen getupftes gesicht, wie an eine liebe, für immer versperrte landschaft A. Seghers
d. siebte kreuz (1950) 74.
von der gesprenkelten färbung des tier- und pflanzenkleides: ain dupffeter hund Fischer
schwäb. 2, 474; wie wunderbar sind sie (
die tulpen) gemenget! getüpft, gestrichelt und gesprenget! Triller
poet. betracht. (1750) 1, 226. lustig herbei nun ihr freunde! hier dampfen getupfte forellen Matthisson
ged. 2, 15
lit. ver.; schwein mit niederen höckern als beinen; getupft Furtwängler
vasenbeschreib. (1885) 155. 2@cc)
in impressionistischer darstellungsweise zur wiedergabe von fleckenartigen licht- und schattenwirkungen: wenn der herbst die ersten farben in das satte sommergrün tupft Timm Kröger
wohnung d. glücks (1906) 121; ein sonnenfinger griff durchs zerlöcherte dach ... und tupfte scharf auf seine (
des bauern) brille
qu. a. d. j. 1923; aber die kippel (
alte nomadengrabhügel) tupften die steppe — wie von der hand stummer geschichte ausgesäte riesenkörner fanden sich die kurgane im lande
qu. a. d. j. 1933; unter der mittagssonne funkelte die nasse stadt ... fahnen, kleider, hüte und blumen tupften farben in die straszenzüge Carossa
winterl. Rom (1947) 31. 33)
in anderer richtung verläuft die entwicklung in einer bedeutungsgruppe, die auf das blosze berühren einer oberfläche zielt, ohne dasz das hinterlassen einer farbspur zum vorstellungsgehalt gehört. 3@aa)
leicht, flüchtig berühren, besonders mit der spitze eines gegenstandes oder mit dem finger: libare digitis Schönsleder
prompt. (1618) L 8
b; mit dem finger dupffen
toucher ou picotter du doigt Duez
dict. (1664) 2, 108
a;
summo digito attingere Stieler (1691) 2258;
toccare leggiermente colla punta di qualche cosa Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1162
b; tupfen, stupfen mit dem finger
ders., hochniderdt. (1719) 216
c;
toccar col dito Rädlein (1711) 205
b;
mit der spitze eines dinges stoszen oder berühren Adelung (1774) 4, 1104; es belaydigen gott all die jenige, welche seynd wie ein orgl, die man kaum darff ein wenig tupffen, so schreyts gleich Abr. a
s. Clara
Judas (1686) 1, 47;
[] tipfte jeden hund mit ihrem weissen stabe auf den kopf Schnabel
Felsenburg (1731) 4, 449; ich meine da — wo ich itzt mit dem zeigefinger hin tupfe Bode
Tristram Schandi (1776) 8, 11; auf dasz kein armer erdensohn sich seines glückes überhebe ..., lauscht immer eine böse fey am nest der brütenden, und tüpft auf jedes ey Gotter
ged. (1787) 1, 332; der offizier fühlte sich auf die schulter getupft und sah seinen gefährten vom kreuze (
grabstein) herabsteigen Goldammer
Litthauen (1858) 96; Rothköpfchen muszte erst das vögelchen noch etliche male mit dem finger der andern hand tupfen und stupfen, dasz es bisz und krabbelte Stelzhamer
ausgew. dicht. (1884) 4, 124; eine weidengerte berührte mit mahnendem tupfen seine schulter Cl. Viebig
d. schlaf. heer (1904) 2, 321; es gibt viele berühmte und lustige seiltänze in unsern vaterländischen bergen, wo einem der tod mit dem kleinen finger kalt in den rücken tupft Federer
berge u. menschen (1911) 160; Klaus leckte in gedanken seinen zeigefinger an und tupfte auf die plätte Kluge
Kortüm (1938) 72.
mit dem finger die stirn berühren: aber Cynthia, rief Toni und tupfte sich an die stirn — ein mensch musz doch hundertmal schwerer zu zeichnen sein als so ein kleines ding (
schmetterling) Carossa
d. arzt Gion (1931) 156. 3@bb)
die nase, die augen, die stirn u. dgl. mit einem taschentuche trocknen: sie tupfte ... mit ihrem taschentuch über die stirn hin Fontane
ges. w. (1905) I 4, 157; dann plötzlich ein ruck, ein kerzengerader sprung, ein tupfen mit dem mundtuch über stirn und hand
qu. a. d. j. 1927; der wanderer, der ... den hut in der einen hand, mit dem tuche in der andern einen leichten schweisz von der stirne tupfte Ponten
rhein. zwischensp. (1937) 72; man war ergriffen ... eine dame tupfte sich mit dem gestickten ausgeh-tüchlein ein auge Th. Mann
Faustus (1948) 654; eine wunde tupfen
nettoyer une plaie en la touchant légèrement avec du linge Mozin
dt.-frz. (1856) 4, 877; eine wunde mit charpie dupfe Schmidt
Straszburg 30; schaffet den zorn aus eurer seele, bat sie, mit dem schwamm auf seine wunde tupfend G. Freytag
ges. w. 12 (1887) 25; Kurt, dem Sanna die wunde tupfte, murrte ein geständnis
qu. a. d. j. 1937;
vgl. hierzu folgende präfigierte formen: auftupfen: indem er (
Göthe) einige brösel und kügelchen einzeln mit dem ringfinger auftupfte Th. Mann
Lotte in Weimar (1946) 455. austupfen: einen tintenklecks mit dem finger austupfen Crecelius 311. forttupfen: damit erhob er sich zum weitergehen, und Mathilde tupfte ihr tränlein fort und folgte ihm
qu. a. d. j. 1938. wegtupfen: und sie (
die weiber) tupften mit dem zackigen wischtüchlein die zähren weg
qu. a. d. j. 1923. 3@cc)
speziell pulver mit brennender kohle oder der lunte berühren und dadurch zur entzündung bringen; mettre le feu au canon Mozin
dt.-frz. (1856) 4, 877; tupfen, tüpfen
mit der brennenden lunte eine kanone losbrennen Stalder
schweiz. id. 1, 328: leg aber solches (
pulver) auff ein rein weisz breit thuch oder papyr vnd tupffe dann mit einem gelinden kol dareyn Fronsperger
kriegsb. 1 (1578) 152
b.
vgl. hierzu den ausruf: vorn auf dem hügelchen steht so ein bocksfusz bei der kanone, sein stets rauchender schwanz dient ihm als lunte dabei. ... aber der kerl ist feige; denn während langsam der schweif sich nach dem zündloch bewegt, hält er die ohren sich zu ... krümmt sich, und — tupf! folgt der entsetzliche knall Mörike
ges. schr. 1, 130
Göschen. 3@dd)
beim vogelfang die vögel mit der leimrute berühren: dupfen
heiszt der fang mit einer langen dünnen stange, an die eine leimrute gebunden ist, vermittelst derer man harmlose vögel ... verfolgt, bis man einen nach dem andern mit dem leim berührt Meyer
lex. 620, 210. 3@ee)
übertragen im sinne von '
zeigen, hinweisen, deuten, nahekommen',
wobei die vorstellung des berührens vom gegenständlichen auf das optische und gedankliche übergreift: [] tüppen
mit der spitze des fingers oder griffels drauf deuten Reinwald
Henneberg 1, 175; halt, wenn du mit dem finger dort vom Wettingerhause, das am wasser steht, über das gewirre der dächer aufwärts fährst, so tupfst du auf das sogenannte grüne schlosz G. Keller
ges. w. (1889) 6, 23; wie du nun die offenbarung gottes in Christo und in der natur nach deiner weise, und ich möchte sagen und du selbst tüpfest darauf, nach Friedrich Schlegels weise in dem weiland heiligen römischen reiche deutscher nation am vollkommensten und in den mannigfaltigsten bildern abgeprägt findest, ... darüber liesze sich viel hübsches und viel trauriges sagen E.
M. Arndt
schr. f. u. an s. l. Deutschen (1845) 3, 141. 44)
in den mundarten findet sich das wort in weiterer bedeutungsentfaltung, wobei der ausgangspunkt der bezeichnung jedoch vorwiegend in der unter 3
entwickelten bedeutung '
leicht stoszend berühren'
liegt. 4@aa)
im gegenständlichen bereich: 4@a@aα)
verschiedene arten einer stärkeren berührung bezeichnend: pochen, klopfen Müller
Aachen 250; Rosenhagen
Aachen 149; Follmann
Lothr. 112;
klopfen, hauen, schlagen wb. d. lux. ma. 445;
schlagen, stoszen, prügeln Martin-Lienhart 2, 704;
einen durch schlagen oder sonstige gewalt bändigen Crecelius 311; einem auf die finger tupfen Fischer
schwäb. 2, 473;
schlagen, durch schläge demütigen Lenz
Handschuhsheim 72
b; es ist ein student von Dillingen, und vermuthlich hat er einen gedupft oder umgebracht Miller
Siegwart 1 (1777) 153.
nahestehend, doch wohl fachsprachlich: ein stein tupfen (mit der spitze des hammers)
rustiquer une pierre, la tailler rustiquement Mozin
dt.-frz. (1856) 4, 877. 4@a@bβ)
von kinderspielen, insbesondere von dem aneinanderschlagen der ostereier (
vgl. atlas d. dt. volkskunde, karte 30): dies (
eier-)spiel ist in unserem ganzen gebiete verbreitet und führt die verschiedensten namen: tippen, antippen (im Egerland) stutzen, anstutzen, tupfen (Plauer bezirk) John
sitte, brauch u. volksglaube (1905) 60;
im eierspiel die eier, bes. die gefärbten ostereier, prüfend auf einander schlagen Martin-Lienhart
elsäss. 2, 704; Fischer
schwäb. 2, 473; dübfe
bad. wb. 1, 598; düpfe, dupfe Seiler
Basel 91; tüpfe Hunziker
Aargau 65; düpfe
n, düpse
n Friedli
Bärndütsch 4, 416; tupfen, tüpfen Mozin
dt.-frz. (1856) 4, 877.
mit bedeutungsübertragung auf das nd. tippen (
s. o.): man gebraucht ... tippen von dem aneinanderstoszen der ostereier Müller
Aachen 245.
ball werfen: im ballspiel wird der fehler des gegners festgestellt durch den ruf: 1-2-3 gedupft, wobei der ball auf den boden getatscht wird
bad. wb. 1, 598; düpfe
n Meisinger
Wiesental 17. '
steine über eine wasserfläche hüpfen lassen'
bad. wb. a. a. o. 4@a@gγ)
ausgehend von der bedeutung '
mit der spitze eines gegenstandes berühren' (
s. 3 a),
wird das wort im bair.-österr. für das impfen der kinder verwendet: ein kind tupfen
ihm die kuhpocken einimpfen Schmeller 1, 615; ein kind tupfen
es impfen Schöpf
Tirol 776.
vgl.: mit einem spitzen werkzeuge etwas berühren, daher intupfún
die schutzpocken einimpfen Lexer
Kärnten 77. 4@a@dδ)
coire: Lexer
Kärnten 77; Jakob
Wien 198;
bad. wb. 1, 598. 4@bb)
übertragen; in verschiedener hinsicht in der bedeutung '
im gespräch eine empfindliche seite des gesprächspartners berühren'
: auf etwas anspielen, sticheln Stalder
Schweiz 328;
picoter, pointiller. Mozin
dt.-frz. (1856) 4, 877;
zur ruhe bringen, zurechtweisen Crecelius 311;
durch eine schlagfertige antwort abführen Martin-Lienhart 2, 704;
gehörig die meinung sagen Follmann
Lothr. 112;
schimpfen, durch anzüglichkeiten reizen, beleidigen Fischer
schwäb. 2, 473;
jemandes schwache seite berühren, ihm einen treff geben bad. wb. 1, 598;
einen bloszstellen, abfahren lassen ebda; auch umgangssprachlich: denn wer sich ärgerte (
über die xenien), freute sich auch, dasz ein anderer getupft war Zelter in:
briefw. zw. Göthe u. Zelter 5, 238
Riemer. —
betrügen: Fischer
schwäb. 2, 473; antupfe
n Martin-Lienhart 2, 704;
vgl.tuppe, betuppe Rovenhagen
Aachen 149; betuppen Woeste
westf. 30.