tuck,
m. ,
vgl. auch duck
teil 2, 1489
f. herkunft und form. 11)
auf das hochdeutsche (
ober- und mitteldeutsche)
beschränktes wort, seit dem 12.
jh. belegt. für den anlaut, der seit den ältesten belegen zwischen d
und t
schwankt, scheinen zwar diejenigen obd. maa., die beide laute scheiden, wie die ma. von Imst, t =
germ. d
als das echte zu erweisen (Schatz
ma. v. Imst § 90);
doch könnte bei dem expressiven charakter des wortes ähnlich wie in tausend
und tosen
auch anlautsverschärfung eingetreten sein und unter dieser voraussetzung wäre verknüpfung mit idg. teug- '
schlagen'
in ai. tujáti '
drängen, stoszen, treiben',
an. þoka '
rücken, schieben',
norw. tokka, tukka,
schw. dial. tokka '
zur seite drängen, rücken'
möglich, vgl. Walde-Pokorny 2, 616, Falk-Torp 1268, Torp 793, Hellquist
3 1199.
dagegen bestehen gegen die von Weigand-Hirt 2, 1083
erwogene zusammenstellung mit tucken, ducken '
untertauchen, niederdrücken'
semasiologische bedenken, wenn auch gelegentlich sekundär beide worte zusammengebracht sein mögen, vgl. duckmäuser
und tückisch 2 c.
völlig abzulehnen ist die daneben von Weigand-Hirt
und Walde-Pokorny
a. a. o. empfohlene auffassung von tuck
als nd. lehnwort =
hd. zuck,
da tuck
im nd. nur als '
zuck'
und '
verwirrung, verwirrter faden'
begegnet; vielmehr ist umgekehrt mnl. mnd. tuk '
schelmenstreich, tückischer anschlag'
als entlehnung aus dem hd. zu fassen. ob nd. duckes '
prügel'
der plural unseres tuck
in der ursprünglichen bedeutung '
stosz, schlag'
ist oder zu ducken
gehört, bleibt zweifelhaft. das md. und vereinzelt obd. neben duck
stehende tucks (ducks),
m., '
hinterlistiger streich, hinterlist' (
vgl. Crecelius
oberhess. 307, Spiesz
Henneberg 47, Hertel
Thür. 248, Schmeller-Fr. 1, 490 (
Wetterau), Fischer
schwäb. 2, 105
s. v. dauches)
beruht wohl auf vermengung mit ducks,
s. teil 2, 1496
f.; vgl. auch duchs, duks Schottel 1306
und nd. duks Dähnert 94
b. 22)
neben tuck
steht (
seltener und erst seit dem 16.
jh. häufiger bezeugt) tück,
vgl. auch dialektisch Hofmann
niederhess. 242, Hertel
Thür. 248, Fischer
schwäb. 2, 441, Schröer
ungr. bergl. (1858) 47.
wenig verbreitet ist der übergang in das schw. masc., vgl. tucke Klein
prov.-wb. 2, 200
und der tücken (16.
jh.): darumb aber das ihm (
der milz) auch der tücken liebt, den leib zu zerbrechen und ist sein boszheit in dem dasz es generirt durities Paracelsus
op. 1, 320
H.; neben dem plur. tücke, tück
steht seltener tucke, tuck,
vgl. Fischer
a. a. o. —
formen mit d
erscheinen md., häufiger in ostfrk., rhfrk., schwäb. und elsäss. denkmälern als duck
und dück (
bes. bei H. Sachs, Murner, Fischart, Seb. Franck),
ebenso mundartlich z. t. neben t,
vgl. Unger-Khull 180, Schmeller-Fr. 1, 490, Crecelius
oberhess. 307, Regel
Ruhla 179.
die wenigen nd. und nfränk. zeugnisse des 17.
jhs. zeigen ausschlieszlich t-
anlaut. in der nhd. literatursprache verschwinden die formen mit d
seit der 2.
hälfte des 17.
jhs. 33)
die ältesten belege erscheinen um 1200
im thür. und rhfrk., seltener bleibt das wort zunächst im obd.;
in der 2.
hälfte des 13.
jhs. wird die bezeugung häufiger, namentlich im östlichen Mitteldeutschland und Oberdeutschland. in der vorlutherischen deutschen bibel fehlt das wort bis auf die erste dtsche bibel 5, 316 (
3. kön. 16, 20),
wo die ersten drucke (
bis [] Augsb. 1473)
das altertümliche lagen
haben, das dann durch heimlichen tuck
verdrängt wird. in Luthers
bibelübers. finden sich tuck
und tücke (
m. pl. oder f. sing., s. u.)
bereits häufiger, und durch ihn gewinnt das wort seine gesicherte stellung in der nhd. literatursprache. seit 1527
läszt sich bei ihm eine zunehmende verwendung von tuck, tücke
und ein zurückdrängen anderer, früher gebrauchter wendungen beobachten, während die von ihm abhängigen übersetzer, sowohl freunde (
wiedertäuferbibel 1527,
Wormser bibel 1529,
Zürcher bibel 1531,
Lübecker bibel 1533)
wie gegner (Emsers
n. test. 1527, Joh. Dietenberger 1534, Eck 1537
und Caspar Ulenberger 1630),
das wort möglichst meiden und nur in wenigen fällen dem vorbild Luthers
folgen; mundartlich ist tuck,
m., in fast allen teilen des hochd. gebietes, meist in der redensart einen tuck (an)tun
bezeugt. bedeutung und gebrauch. 11)
die mhd. noch bezeugte bedeutung '
stosz, schlag, heftig ausgeführte bewegung'
stellt sich wohl als die ursprünglichste dar, vgl. die glossierung von tuck
durch '
tactus, ictus, pulsus frontis' Kilian
etym. (1605) 569
b.
als stosz mit der faust, schlag mit dem stock, dem schwert u. ähnl.: der münich gap dem verien ein ungefügen duk
rosengarten 722
v. d. Hagen-Prim., variante der Heidelb. hs. für herten druc; 'du enphindest mîner tücke'; si vienc daz überrücke und swanc ez von der hende
die böse frau 471
Schröder; dû redest alsam ein kint, ... du enweist, wie des Bernæres tücke sint
Rabenschlacht 946
v. d. Hagen-Prim.; sînem kampfgesellen was er gram, daz schein an sînen dücken Heinrich v.
d. Türlin
crone 6349
Scholl; übertragen auf den blitzschlag: durch den luft eins arn fluc und auch des snellen blickes tuc ... wer zeiget mir der aller ganc?
tochter Syon 118
Schade. von dieser bedeutung aus verstehen sich auch noch gewisse verwendungen in mundartlicher sprache, so schwäb. tuck '
eindruck in die oberfläche eines körpers' Fischer 2, 440,
elsäss. tuck '
hastige bewegung, griff',
z. b.: 's keind kännt e tuck dun und die ampel umgehejen (=
umwerfen) Martin-Lienhart 2, 673
a. 22)
in älterer sprache reicher vertreten ist die abgezogene bedeutung '
anschlag, angriff'
in feindlicher absicht, doch unter fehlen des für 4
charakteristischen merkmals heimtückischer gesinnung bei dem angreifenden; ähnlich bereits: diu frou gît nieman tuc gein ir, man sol daz gelouben mir, dwerhe blick sint ir unkunt
Seifried Helbling 1378
S.; du held, nu gürt dein schwert umb dich, die dein zu schützen vor den tücken H. Sachs 6, 256
lit. ver.; ein gantz mannhafter ritter, vnd der so gewaltig einen tuck in der noth auffhalten kondte
Amadis 94
K.; aber unsers Gurgelstrossa lastmaul rach allen unbill —, und dasselbige mit eim solchen duck, dessen sie sich am minsten versehen hatten Fischart
Garg. 230
ndr.; durch disen tuck wurden die Grauwpündter ... zun waaffen bewegt Stumpf
Schweizerchron. (1606) 622; dem feind einen tuck zu beweisen Grimmelshausen
Simpl. 125
Scholte; muszt ihr schon leiden manchen tuck und weichen oft ein weng zuruck
bei Opel-Cohn
dreiszigjähr. krieg 369. 33)
auf anderer linie liegen fälle, in denen tuck
objektiv die aus dem bereich des normalen oder erlaubten herausfallende handlung bezeichnet, '
streich, exzess': wan ich schon ein duck wage und ein excess tue Luc. Osiander
gnadenwahl 22; manchmal gibts gelegenheit, dasz einer wol in geheim ein tuck wagen kunte Dannhawer
catech.-milch (1657) 1, 266; diser (
gastwirt) hat ein weib, welche gar zu gerne fremdes brod kostete (
mit [] fremden männern verkehrte), fürnehmlich aber wann ihr man nicht zu hause war, und sie seiner abwesenheit halber ein tuck thun konte Melissus
Salinde (1713) 308.
im schwäb. bewahrt als einen tuck tun, vorhaben '
einen harmlosen excess tun' Fischer 2, 441.
vielleicht ist hier anzuknüpfen auch die alte wendung: einen tuck in die hölle tun,
wobei mit J. Grimm an eine bedeutung '
plötzlicher fall'
zu denken wäre (
s. auch unten 4),
obschon auch eine beziehung zu ducken (
s. teil 2, 1491
f.)
möglich bleibt: daz geschach ouch mir trûtgeselle, sie tet einen tuc in d' helle. du hâst dicke wol vernomen ze paradis mac nieman komen ern müeze der helle ê bekorn, dô hât sie hût und hâr verlorn
Reinhart fuchs 910
Grimm; dasz er nicht allein für uns den zeitlichen tod leiden, sondern auch ... ein tuck in die hölle thun wellen Jac. Andreä
pred. zu Wachendorf (1566) 101.
ähnlich als kluger, listiger kunstgriff, kniff: diser grave ... kont sonst solche dück (
seiner ehefrau) maisterlich verschlagen
Zimmer. chron. (
21881) 3, 318
B.; und hinfüro hat im (
dem herrn) der narr kein söllichen bösen tuck mehr gethon
ebda 2, 347. 44)
breit entwickelt und bis in die heutige mundart hinein gängig ist tuck
im sinne '
hinterlistiger, aus boshafter oder verbrecherischer absicht hervorgehender anschlag, schlimmer streich, übeltat, tort'. 4@aa)
noch vielfach mit einer pejorativen bestimmung durch ein absprechendes adj.: so ez der allerbest solt sin so tut er aines wolfes zuck. ach den ungetriuwen tuck solt got selber rechen
liedersaal 2, 424
Laszberg; sie (
die juden) seiten uf in (
Jesus) mengen luck unde ougten mengen bosen tuck Hugo v. Langenstein
Martina 34, 29;
dasz für Luther
die ursprünglich neutrale bedeutung noch fühlbar ist, ergibt sich aus der häufigen verbindung mit bose, falsch
u. ähnl.: da er manchen bösen tück beyde von seinen nachbarn und sonst allenthalben leyden must 19, 646
W.; disen bösen tuck des teufels sehen unsre gar wenig 15, 36; da solcher falscher tuck auch ausbrach (
offenbar wurde) 50, 571;
noch spät bezeugt: dasz es nichts als ein boshaftiger tuck ist, wenn das glück in einer lustigen laune einen armen teufel aufbläst Zimmermann
v. d. nationalstolze (1758) 379.
besonders in pluralischer verwendung häufig: nu wil ich williklichen von ir scheiden unt wil ir niemer wesen undertan, sit mir ir valsche tük so sere leiden der ich ofte vil enpfunden han Neidhart v. Reuental
bei v.
d. Hagen
minnesinger 3, 225
a; sprich, er sey unstätt. dir sey vil wol gesät was er valscher dück treib, er gang zu ainem andern weib
liederbuch d. Hätzlerin 231
Haltaus; wiederum häufig bei Luther: (
der teufel) thutt uns allentthalben viel böser tück 15, 77
W.; die tyrannen mgen wol viel böser tck und bundnis furnemen 30, 2, 47; (
die welt), die uns gefer ist und al schalkeit und heimliche tuck anlegt 45, 251; der Jüden bosheit, die allezeit mit bösen tücken umbgangen 53, 581; die bosen tuck der welt vorstehen und hindern
tischr. 3, 618; qui in sua malitia ita se titillavit solche schlimme tucke mussen wir von den papisten gewartten
tischr. 5, 548; hat ye ein kayser mit bäpsten können umbgen, so hat es kayser Friedrich der dritt gekönnet, noch dann habent sye im vil böser dück bewisen U. v. Hutten
opera 5, 380
Böck.; erfar ich der bösen dück mehr von dir, so mustu es mit der haut bzahlen Joh. Pauli
schimpf u. ernst 2, 94
Bolte; der teuffel — braucht all seine meisterstück durch falscher leut untrewe dück Fischart
s. dicht. 2, 366
Kurz; (
du wirst) aller bösen tücke lauff gewaltig hintertreiben Paul Gerhardt
in: Fischer-Tümpel 3, 414
b.
[] 4@bb)
pejorativer sinn ergibt sich bereits in verhältnismäszig frühen bezeugungen aus dem sinnzusammenhang auch ohne determinierendes attribut; besonders in der wendung einen tuck tun
u. ähnl., vgl. schon: si sprach 'truz, diu rede von iu belîbe. ir hânt mir leides dicke vil gesprochen; ich sach iuch ein abenttückelîn begân, tumber gouch, daz ist noch ungerochen' Reinmar
d. ä.
bei v.
d. Hagen
minnesinger 1, 81
a; von Beheim kunic Wenzlâ tet einen beheimischen tuc — und von tugenden einen ruc Ottokar
österr. reimchr. 22445
Seem.; vgl. ebda 2136; ain ander statt ist mir genent, als ir wol wist, in üwerm brieff, ob ich da selbst im glouben schlieff und tet ain tuck nauch schwebscher art Hermann v. Sachsenheim
mörin 5855;
mit dativobject: der slehte ruc, der weiche zuc mir leisten müezen vollen kluc; und tet diu spæhe im einen tuc, sus mües sîn ger weid erren sich, daz er ir niht bekæme Heinrich v. Meiszen 169, 15
E. in dieser verwendung mundartlich verbreitet, vgl. impostor gschwind und listig, eim ein tuck zethuon Frisius
dict. (1556) 661; tuk '
böser streich' Streiff
Glarner maa. 90; '
schelmenstreich' Wipf
Visperterm. 121: einem n duck ta Schmeller-Fr. 1, 490; einen tuk anthun Schöpf
Tirol 775: einen tucken anthun (
elsäss.) Klein
prov.-wb. 2, 200; einen tuck tun Fischer
schwäb. 2, 441; n tuck athua Sartorius
Würzburg 127; aam ən tuk tau Meisinger
Rapp. 216; än dûk gedû Regel
Ruhla 179;
daher: wenn er ihm nicht dazu verhelfe, so wolle er ihm noch einen gröszern tuck thun H. Kurz
sonnenwirth (1855) 206; dem racker tu ich doch noch einmal einen tuck
ebda 138.
die häufige ablösung der älteren verbindung einen tuck tun
durch andere verben kennzeichnet den übergang von der konkreten bedeutung zu der übertragenen und die fortschreitende entsinnlichung; begegnen anfangs neben tun
noch verben wie beweisen, fürbringen, pflegen, begehen (
mhd. begân), wagen,
so treten dann verben wie erfinden, erdenken, versuchen, beschlieszen, umgehen mit, brauchen, verüben
u. a. auf: denn sie wollen mir einen tück beweisen, und sind mir hefftig gram
ps. 55, 4 (
bis 1525: übelthat an mir begehen); diesen tuck (
anschlag) kann der teufel auch frommen herzen beweisen
tischr. 4, 358;
vgl. bei Luther
weiter noch 27, 90, 3; 26, 296, 12
W.; eins möcht ich wünschen noch zum endt, dieweil d'lauberhütten schier vollendt, ob mir dem christen volckh mit list ein duckh beweisen kündten frisch
Endinger judenspiel 24
ndr.; dasz sie nach ihres lusts gefallen an mir verüben ihren tück Weckherlin
ged. 2, 100 (
ps. 27, 19)
F.; geräth ihm dann nicht dieses stuck, so braucht er bald ein andern tuck
bei Opel-Cohn
dreiszigj. krieg 406; das in haimlich vertros; ein duck pey im peschlos Hans Sachs 22, 463
lit. ver.; der keiser Julianus ... erdacht ... disen neuen tuk, ehr liess sie zu kheiner regirung khomen Melanchthon
anrichtung d. lat. schulen (1543) 64
a; so viel tausend ander fremde dinge, die er täglich in Rom verübete, ... machten mich stets einen tuck besorgen A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 2, 33. 4@cc)
bis in das 18.
jh. hinein erscheint auch der plur. tücke
in dieser bedeutung; '
üble streiche', '
arglistige machenschaften, ränke': o welt, daz sint dein tüche, dein valschait ist so vlüche pey fursten und pey herren Peter Suchenwirt
nr. 21, 119
Prim.; [] doch het mein frau ir tück gespart mit valschem winken all gen dem herbst Oswald v. Wolkenstein 86, 28
Schatz; für eur e. k.
f. g. (
Joach. II. v. Brandenburg, von dem verlautete, dasz er die Juden begünstige) hab ich wol grosse sorge, das die Juden ein mal yhr judische tücke mochten beweisen Luther
br. 11, 51
W.; er meynt ich solts nit han beschribben, das ir (
der schelmen) dück verborgen belibben Murner
schelmenzunft 3, 42
Spanier; ein ieder hie ein beyspiel schaut, wie groszen leuten hab gegraut für unbestendigkeit des glücks und seinen tücken hinderrücks Kirchhof
wendunmuth 2, 24
Öst.; (
schnöde welt) du wirst mit deinen tükken mich nun nicht mehr berükken Angelus Silesius
hl. seelenlust 21
ndr.; du dichtest wol in deinem raht noch neue dück, dein böse that für frembden augen zu beschönen Weckherlin
ged. 1, 343
F.; ich bitte dich, sag an, was sinds für tücke, was ist für gifft, das Sybaris so liebt Morhof
unterricht v. d. dt. sprache (1682) 1, 794.
blasser ,heimlichkeiten': (
obgleich nun) Hieronymus die verliebten tücke mit der jungfer heimlicher trieb Kortum
Jobsiade cap. 24,
v. 35.
andererseits auch als '
meucheltat': (
David) hatte eynen heubtman mit namen Joab, der thett zween böse tück und erwürget verrethersch zween frumme heubtmenner, da mit er zwey mal den todt redlich verdienet hatte Luther 11, 276
W.; im 16.
und 17.
jh. gern in formeln, so tücken und practiken: und meinen ..., der heilige geist merke und sehe solche jhre (
der papisten) falsche tücke und practika nicht (1542) Luther 53, 409
W.; (
der papst) wird ihn berücken und hinterschleichen mit hinderlisten und heimlichen tücken und practiken
ders., tischr. 5, 460; wir aber wollen gott bitten, dasz er seine (
des Türken) practiken und tücke zu schanden mache
tischr. 1, 456; es ist nütz und gut, dasz man wisse des teufels kunststücke, tücke und practiken
w. 1, 66
W.; häufiger tück und stück,
bei Luther
durchweg mit charakterisierendem adjektiv böse,
während in den wendungen list und tücke, tücke und schalkheit,
bei denen wohl das f. tücke
anzusetzen ist (
s. u.),
das charakterisierende adj. fehlt, vgl. 1, 390; 2, 100; 6, 615; 15, 304; 30, 3, 242; 32, 504; 54, 393;
tischr. 3, 650; 5, 668
W.; man findt ietzt der knecht one zal im land hin und her uberal, die sich von iren herren reiszen, vil boser tück und stück sich fleiszen H. Sachs 15, 74
lit. ver.; ebenso: in summa, er war gar verschmitzt auff stück und tück, was nur gelt trug
ebda 9, 490
lit. ver.; er als ein verschmitzter welt- unnd eiszvogel, flick auff stück unnd tück Fischart
Garg. 335
ndr.; deszgleichen Hans Sachsz in seinen gedichten, so etliche desz eulenhelden dück und stück ... hat anzudeuten fürgenommen Fischart
w. 2, 12
H. 4@dd)
vereinzelter bleibt die bedeutung '
arglistiger kunstgriff',
auch geradezu in '
betrug, betrügerei'
übergehend, vgl. fallacia bschisz, trug, falsch, dück Frisius
dict. (1556) 541
b;
von der minne: ey aller hertzen maisterin! nu maht eht du der tücke din aber nicht gelazen Johann v. Würzburg
Wilh. v. Östr. 839
R.; so si gen markt sol gan, si mag ir bösen dük nit lan
des teufels netz 12299
B.; ein kauffmann mit falschen stücken gleicht sich aim dieb mit diebischen tücken Petri
d. Teutschen weiszheit (1605) 2, X 3
a;
[] bey etlichen gerbern ... ist ein falscher tück, mit dem sie ... den bauern hinters licht führen Abr. a
s. Clara
etwas f. alle (1699) 1, 439. 55)
einem anderen bedeutungszweig nähern sich die fälle, in denen der plur. tücke
die '
gedanklichen bösen anschläge, absichten'
bezeichnet, die potentiell in wesen und charakter einer person liegend die sinnesrichtung des handelnden kennzeichnen; mit charakterisierenden adjektiven: swaz er (
der falsche) valscher tücke und valscher rede mac gepflegen, die machet er sô sigehaft Heinrich v. Meiszen 252, 7
E.; bœser tücke ist mir nicht kundt Ulrich v. Singenberg
bei Walther v. d. V. nebst Ulrich v. Singenberg 225
Wackernagel-Rieger; und überwant dîn güete sîn übellîch gemüete und al sîn argen tücke Konrad v. Würzburg
goldene schmiede 1309
Schr.; wallen hât etswâ bœse tücke mit vil manigerleie dingen diu ich nicht alliu wil vürbringen Hugo v. Trimberg
renner 13648
Ehrism.; (
er gab ihm einen schlag) das im vergen sein valsche tück, des er nicht mag gelachen Oswald v. Wolkenstein 83, 55
Schatz; weh denen, die schaden zu thun trachten, und gehen mit bösen tücken umb auff irem lager
Micha 2, 1; (
Scaliger) schilt sehr die hund von falschen dücken und lehrt das sie mehr untrew seind, dann das sie seind des menschen freund Fischart
flöhhatz 66
ndr.; auch sagt mir vor mein hertz in leyd dieweil wir haben glübd vnd eyd gebrochen gar mit falschen tücken es werd uns nimmermehr gelücken! Joh. Spreng
Ilias (1610) 90
a; von Brandenburg markgraf Friedrich, ... lasz dich die pauren nit trücken mit iren falschen dücken (
v. j. 1494)
bei Liliencron
hist. volksl. 190, 34.
seltener ohne adjektivische kennzeichnung: was aber für tücke dahinter stecken, kann ich nicht errathen v. Petrasch
s. lustsp. (1765) 1, 155; schrecken ängstigen dich, und tücke gegen ihn treiben sich in deiner seele herum W. Heinse
s. w. 3 (1908) 424;
nur vereinzelt im sing.: ob dir vergeben werden möchte der tuck deines hertzen
apostelgesch. 8, 22; der anfang dazu (
zur sünde) ist jedweder tük des herzens Zinzendorf
von d. mutter amt d. hl. g. (1748) 46. 66)
auf die charakterliche qualität der handelnden person übertragen in der bedeutung '
arglistige sinnesart, bosheit'
und verwandte eigenschaften wie '
fehler, launen, feindseligkeit, groll'
u. ähnl. 6@aa)
der sing. bleibt im ganzen unhäufiger, weil die vorstellung von einer summe einzelner äuszerungen der arglistigen sinnesart meist noch im vordergrund steht, doch ist er nicht nur älterer sprache eigen, vgl. tuck '
böse gewohnheit, hinterlist' Unger-Khull
steir. 180: nû seht durch got, welh ein tuc an geistlichen liuten, wie si die schrift bediuten, diu des niht enhilt Ottokar
österr. reimchron. 1244
Seem.; doch wolt ich ân allen tuk die sælde vür daz gelücke han, so würde ich ein heilic man Heinrich
d. Teichner 67
Karajan; Unfalo aus eim falschen tück wolt versuchen weiter sein glück
Teuerdank 71, 1
Göd.; (
die pharisäer) dazu den schendlichen tück und unflat an sich hetten Luther 32. 408
W.; wenigstens darf ein kluger fragen, wie kommt — stiefmütterlicher tück und ein brautgeschenk zusammen? Musäus
physiogn. reisen (1778) 4, 239; denen (
den Schwaben) so ein kleiner tück im gemüt und charakter nicht abzusprechen ist S. Schröder
br. (1910) 98;
in ähnlicher richtung liegt die mundartl. redensart [] einen tuck auf jem. haben '
geheimen groll gegen jem. hegen',
vgl. Hofmann
niederhess. 242 Schröer
ungr. bergld. (1858) 47: (
Napoleon) aber hatte, wie ihr wiszt, einen alten tück auf Ruszland von wegen des bescheides, da er auf freiersfüszen ging G. Jahn
d. dtschen freiheitskr. (1863) 69. 6@bb)
namentlich im plur. häufig; noch mit kennzeichnenden adjektiven: wan di zwene vurgenant van der kunegine hant Alexandra ein hovestat mit iren snoden tucken vrat ze Jerusalem behilden
hist. der alden ê 5473
Gerhard; mocht aber die bösen dück nit verborgen lassen, sunder hieng sich an etlich dorechte lüt, so sich lutherischer yrrung undernamen H. Gebweiler
beschirm. d. lobs Mariä (1523) 26
b; allein die lasterhaften tücke entweichen weit von ihr zurücke Triller
poet. betr. (1750) 4, 518; er hat verdammte tücke an sich, die alles wieder verderben Bode
Yoricks empf. reise (1768) 1, 8;
ebenso auch absolut, doch ist die zugehörigkeit der folgenden fälle zum plur. tücke
nicht überall zu beweisen, sondern ergibt sich meistens nur aus wortgeographischen erwägungen: swen aber nu der smertzen glut im vellet uf den rucke, so werden syne tucke und syne bosheit offenbar
paraphr. des buches Hiob 2937
K.; der künc pfligt der tücke noch, der er ie gepflegen hât Johann v. Würzburg
Wilh. v. Östr. 2818
R.; der herren tücke bewîst du mich und wilt dich selber swachen Albrecht v. Kemenaten
Eckenliet 88, 17; hie sichstu aber den jüdischen somen sine dück nit haben wellen lassen Zwingli
v. d. freiheit der sp. 9
ndr.; arglistigkeit ist nicht weisheit und der gottlosen tücke sind keine klugheit
Jes. Sir. 19, 19; da ich die alt erstlich beschawt, het ich ir der dück nit vertraut H. Sachs 21, 25
lit. ver.; so sy doch alle sindt mit ein uber einen leisten geschlagen und ire dück verborgen tragen Murner
narrenbeschw. 183, 8
ndr.; soll mir das verarget werden, dasz ich ihre tück kan entdecken Paracelsus
opera (1616) 1, 255
b Huser; denn recht unnd gründtlich werden seyne tücke nimmer mehr erkannt in diesem leben
theatr. diabol. (1569) 173
b; da stehet er (
der teufel) in groszen schanden und werden seine tücke offenbahr J. Böhme
s. w. 6, 434
Schiebler. 6@cc)
etwas anders stellt sich tuck
als bezeichnung für einen aus hinterhältiger, böswilliger oder störrischer sinnesart hervorgehenden '
charaktermangel, fehler',
auch '
laune'
dar, vgl. tuk '
verborgener fehler' Überfelder
kärnt. 84, tuck '
fehler' Lexer
kärnt. 74, Unger-Khull 180; tücke,
pl., '
verborgene schlimme mängel' Reinwald
Henneb. 174;
so namentlich alem. von pferd, esel usw.: so sy (
die gottlosen papisten) us den dryen riglen nit entspringen mögend und doch als ein untrüw rosz mit allen tücken tobend (1523) Zwingli
dt. schr. 1, 251
Schuler-Sch.; nun wie ers pferdt hett lang beschawt, doch letzlich er der kunst nit trawt, sonder stelt es dem kauffmann heim, dasz er im sag sein tück und träüm Fischart
w. 2, 404
Hauffen; so er aber drauf (
auf das pferd) kommt und mit sporn ansticht, da erfinden sich täglich neue tück
ders. 3, 230; tücke,
pl. tantum, '
launen vom esel' Stucki
Jaun 260; (
da) die Preuszen wol besoffen waren, begundten sich die alten tücke zu regen C. Schütz
hist. rerum Prussic. (1592) 1, F 3
b. 77)
in einer verwendung neutraleren charakters bezeichnet der plur. tücke
ganz allgemein die '
pläne, anschläge, absichten',
[] ohne dasz das hauptgewicht auf deren negativer bewertung liegt: villeicht haben mein tück zu im vil bessers glück
Teuerdank 60, 31
Göd.; der gottlose ist so stoltz und zornig, das er nach niemand fraget: in allen seinen tücken helt er gott für nichts
ps. 10, 4 (
bis 1528: alle seine anschlege sind an gott); denn yhr habt nu bey zehen iaren zun diesen sachen ewr weisheit wol versucht mit so viel reichstagen, mit so viel ratschlegen, mit so viel tücken und praktiken Luther 30, 2, 271
W.; die wiszheit dyser welt ist ein thorheit by got, dann es steht geschriben: ich würd begryffen die wysen in iren thücken
bei O. Clemen
ref.-flugschr. 1, 231; nu brauche du, glücke, die listigen tücke; gefället Apollo mein wesen so ist der poete genesen Tscherning
dt. getichte früling (1642) 600; ausz gerechter verordnung des erzürneten gottes, welcher die klugsüchtigen in ihren tücken ergreift Schottel
friedenssieg 11
ndr.; geheime tücke warten, die flinte wacht J. G. Jacobi
w. (1807) 6, 92. 88)
eine andere bedeutung neutraler natur ist spezifisch mhd. sprachgebrauch eigen; der zusammenhang mit der bedeutung '
stosz, schlag'
ist nicht klar, es bleibt zu erwägen, ob nicht eine gemeinsame vorstufe '
ruckartige bewegung' (
vgl. 1
schlusz)
die beziehung vermittelt; aber sichtbar wird nur die abstraktere bedeutung '
handlungsweise, gebahren, benehmen',
insoweit sich diese in einzelnen gebärden und bewegungen ausdrücken, daher meist im plural. 8@aa)
eine art übergangsstellung bieten vielleicht noch: ein agelester sprach (dêst lanc) zer tûben, 'lêrt mich iuwern ganc'. diu tûbe sprach 'ich lêre iuch gân, muget ir die alten tücke lân' Freidank 143, 2
Grimm; dîn ringen ist unfröuwelich und alliu din gebærde, mir wahset grôz beswærde von dînen wilden tücken Konrad v. Würzburg
troj. krieg 16 764
K.; ouch stuont sô der palas, daz Gînover und die vrouwen her abe mohten schouwen ir ieglîcher tücke Heinrich v.
d. Türlin
crône 712
Scholl; die kemphen liezen schouwen vil ritterlîche tücke Konrad v. Würzburg
schwanritter 95, 9
Schr. 8@bb)
in der regel ist aber eine konkrete anschauung nicht mehr erkennbar: der von Karle was erborn der begienc dâ Karles tücke, daz was Gyburge gelücke Wolfram v. Eschenbach
Willehalm 184, 29; ich wil aber vor mit dir bejagen und dich mynre dücke underwijsen
pilgerfahrt des tr. mönches 9216
Bömer; billîch solt ich lâzen sîn die mînen jungen tücke; ez wær mîn gelücke, liez ich tumpheit under wegen Seifried Helbling 9, 43
Seem.; durch daz man in (
Amor) so kintlich schribet; er hat kindescher tükke vil
d. wilde Alexander in: v.
d. Hagen
minnes. 2, 365
a. 8@cc)
mehr als ausdruck der im charakter ruhenden '
sinnesart, eigenheit': do wiseten sa ir tucke die heilgen, als von tugenden gat
passional 501, 50
K.; ichn weiz deheinen orden da man so ofte vinde sô riuwec ingesinde. die tücke ich an der minne spür Heinzelin v. Konstanz 104, 101;
[] hier tritt auch der singular auf: ein ieglîcher tuc (
gemütsstimmung) hât sin gebærd ... swer hât den rât daz ers erkennt und auch den sin Thomasin v. Zirclaria
d. wälsche gast 919; alter nimt hasen und fühsen iren tuc Hugo v. Trimberg
renner 23030
E.; bei eim vollen man darf sich kainer rainigkeit versehen, noch keines redlichen tucks Hermann v. Sachsenheim 95. 8@dd)
dann im sinne von '
gewohnheit',
namentlich in verbindung mit alt: dest ein gebiurscher tuk swer hirzen vnde geizen gelicher werde gan der kanzler
in: minnesinger 2, 388; ich waihs wol, wen der degen werd dis wunder alles sichtig wird, der junge denne nicht verbirt, er öget sinen alten tuck, gegen den schwerten tüt er zuck
Göttweiger Trojanerkrieg 1565
K.; den kneht begreif sîn alter tuk Seifried Helbling 8, 1234
Seem.; entsprechend auch pluralisch: an die alden tucke ist er getreten als da vor
passional 240, 88
Hahn; den schaft mit kraft er an die brust zwanc, sinr alten tück er pflac Johann v. Würzburg
Wilhelm v. Österr. 15714
R.; se is heimlich na oren olden thuckenn wech gegan (1500)
bei Schiller-Lübben 4, 627.