triefeln,
vb. ,
fasern, schleiszen, trans. und intrans.; zu driefeln 1-3 (
s. teil 2, 1407)
ist zu ergänzen: spätmhd. ûftrifeln
wohl aus *trifilon,
vgl. dazu ohne erweiterung auftrifen (
s. teil 1, 764).
germ. wurzel tref, traf
in an. trǫf,
n. pl., '
fasern, fransen', trefja '
zerfasern', trefill '
faser',
norw. trave,
m., '
fetzen, lappen', treve,
m., trevel,
m., '
faser, kleiner fetzen',
dän. trevl '
faser',
sowie mit dehnstufe und gr. wechsel mhd. trâben,
pl., '
fimbriae'
; auszergerm. gehört zu dieser wurzel slav. drapati '
kratzen, zerreiszen',
slovenisch drapa '
fetzen',
s. Berneker 220.
idg. drep-
erweiterung von der- '
schinden, spalten',
wozu mit anderer erweiterung auch dres-
in norw. schwed. trasa '
fetzen, lappen'
und dred-
in ahd. trâdo '
fimbria' (
vgl. auch trasse, trase
teil 11, 1, 1, 1273),
spätmhd. (
Nürnberg) trôdel '
holzfasern im hanfe, werg'
gehören, vgl. Walde-Pokorny 1, 797
ff. formen im ältern nhd.: trifeln Folz
meisterlieder 178
Mayer; Rosenblüt
bei Liliencron
volksl. 1, 507; Spreng
Ilias (1610) 248
a; Abele
gerichtshändel (1654) 608. trflen S. Roth
teutsch. dict. (1572) f 8
b; triffeln Petri
d. Teutsch. weish. (1605) 2, B b b 2
b; trifflen Abele
a. a. o. 641; drifeln Folz
a. a. o. 200.
mit bezeichnung des gelängten vokals: trieffelen Mathesius
Sarepta (1578) 89
a. —
in den mundarten z. teil mit kurzem vokal: triffeln Unger-Khull
steir. 173
a; tröffeln Keller
Thür. 46.
überwiegend mit langem: trīflen Schöpf
tirol. 756; Fischer 2, 381; triefeln Müller-Fraureuth
obersächs. 1, 249; drīfn Gerbet
Vogtl. 427.
bedeutung und gebrauch. der nur dem deutschen eigene transitive gebrauch geht von dem begriff '
faserdrehen'
aus und hat daraus eine doppelte bedeutung entwickelt: die faser aufdrehen und sie zusammendrehen (
s. 2).
die auch im nord. vorhandene reflexive und intrans. anwendung als '
sich zerfasern, auflösen'
tritt demgegenüber zurück (
s. 1).
die reflexive erscheint hauptsächlich in der schriftspr. des älteren hd., während der transitive gebrauch sich fast ausschlieszlich in den modernen hd. maa. entfaltet. seit dem ende des 17.
jh. verliert sich triefeln
gänzlich aus der schriftsprache. 11)
reflex. sich triefeln
zerfasern, schleiszen: wenn der strick reissen wil, so triffelt er sich Petri
d. Teutsch. weish. 2 B b b 2
b; Mathesius
Sarepta (1578) 89
a; Höfer
österr. (1815) 3, 239. —
intransitiv: drīfln '
in fransen aufgehen (
stoff),
sich aufdrehen' Gerbet
Vogtland 427;
ausfransen von stickereien, nähwerk K. Reiser
sagen d. Allgäus 2, 741. —
bildlich in den frühesten belegen (15.
jh.): die pfaffen pinden mit den guldein reifen, das hilfet nicht, wie eben sie ein kneifen, ir knoten sich auf trifeln (
auflösen) Rosenblüt (1458)
bei Liliencron
volksl. 1, 507; wan wo der reich dem armen wil genossen und mit im hoch wil possen (
mit hohem einsatz kegeln), der wirt von in gelossen, ob sich sein ende trifelt gar Folz
meisterlieder 178
Mayer. übertragen: wan wo die schaff sich strewen und selber hirt sein wellen, do drifellt sich ir schar Folz
meisterlieder 200
Mayer. 22)
transitiv. 2@aa)
aufdrehen, hauptsächlich seil, schnur, faden; genähtes zertrennen: explicirn ... auff trlchen oder trflen ... zerlegen Simon Roth
teutsch. dict. (1572) f 8
b;
zerfetzen: alt hadern, zertriflete saill
quelle v. 1591
bei Schmeller-Fr. 1, 652. —
die mundarten zeigen besonders deutlich das iterative; bair.-öst.: trìflen
gedrehtes auflockern Schöpf
tirol. 756; Brenner-Hartmann
Bayerns ma. 1, 79; Joh. Micko
Muttersdorf (
Böhmen) (1933) 34
b.
schwäb.: trifle
n Fischer 2, 381.
ostfränk. triifln Neubauer
Egerl. 51.
ostmd.: tröffeln '
gespinst wieder aufwickeln' Keller
thür. 46; triefeln Müller-Fraureuth 1, 249. 2@bb)
fäden zusammendrehen: Fischer 2, 381. —
daraus im rotwelsch '
spinnen': Fischer
nachtrag 1775; drifflen Kluge
rotwelsch 1, 345
a;
dazu: driffelspitz
spindel ebda; triflet
gespinst ebda 340; drifekitt
zuchthaus (
vgl. spinnhaus)
ebda 488
b. 2@cc)
zwischenglied zu a
und b
ist '
hin- und herdrehen': e awá räuspert und thuet als wann á nix hérát, streicht und trifelt sein bart Franz Stelzhamer
ausg. dicht. (1884) 2, 68
Rosegger; Unger-Khull
steir. 173. 2@dd)
übertragen. α)
eine sache hin- und herwenden, ausspüren (
s. driefeln 3,
teil 2, 1407): öffters ... getrifleten materi Abele
gerichtshändel (1654) 608; ursachen und gründe auftriefeln
polit. hasenkopf (1683) 306; Schmeller-Fr. 1, 652. — '
einen hart mitnehmen' Höfer
österr. 3, 239.
β)
aus der vorstellung des langsamen zertrennens (
s. 2 a): '
langsam arbeiten' Fischer
schwäb. 2, 381. —
vgl. auch andriefeln
teil 1, 316, antriefeln
ebda 506, auftriefeln
ebda 764.