wams,
n. (
auch m.)
eng anliegende bekleidung des rumpfes, kamisol, koller u. s. w. 11)
herkunft und formen. 1@aa)
das wort tritt um 1200
im mhd. in den formen wambeis, wambois, wambîs
auf, wo es aber eine unter dem panzer angezogene dicke jacke bezeichnet. es beruht auf dem gleichbedeutenden afranz. wambais, gambais,
prov. gambais,
auch weitergebildet gambison, gambeson
u. s. w. das roman. wort wird gewöhnlich als eine ableitung zu germ. wamba '
bauch'
angesehen, also eig. '
bauchkleid' (
ähnlich gehört kitel,
mit der nebenform kütel,
wahrscheinlich zu got. qiþus '
bauch').
dem steht aber entgegen, dasz das germ. wamba
nirgends im romanischen erscheint. Baist (
verhandlungen der 49.
philologenversammlung 128)
denkt vielmehr an das byzantinische, schon bei Suidas belegte βαμβαξ '
baumwolle' (
auf gr. βομβυξ '
seidenraupe'
zurückgehend),
daher das gleichbedeutende ital. bambascia;
davon ist mlat. bombasium, bambasium '
die gesteppte bettdecke, der gesteppte rock unter dem panzer' (Du Cange 1, 719)
abgeleitet, woraus durch umgestaltung (
mlat. wambasium,
vgl. auch wammasin)
die roman. und mhd. formen hervorgegangen sind (
ähnlich geht das gleichbedeutende franz. hoqueton
auf das arab. al ḳoton '
baumwolle'
zurück).
der richtige zusammenhang wird schon von K. v. Megenberg 392, 27
hervorgehoben: diu paumwoll haiʒet bombax ze latein, dâ von kumt bombasium, daʒ haiʒet ain bammais, daʒ dar auʒ ist gemacht. aber limbasium haiʒt ain leinein bammais;
vgl. auch bombasium
bei Diefenbach (
b). noch Adelung
tritt für ableitung von βομβυξ ein. 1@bb)
im mhd. kommt auszer den oben angeführten, sich ans franz. anlehnenden formen auch noch (
mit anschlusz an mlat. wambasium) wambas
und (
mit abgeschwächtem vocal) wambes
vor (
M. v. Craon 828. 1557).
mnd. erscheint wambois, wambos, wambus, wambes Schiller-Lübben 5, 581,
ndl. wambuis.
im spätmhd. und frühnhd. sind wammas (
stadtbuch v. Augsburg 259, 3.
liedersaal 2, 473.
d. städtechron. 22, 261. 437. 23, 310, 29. 391. 34. Hug
Villinger chron. 150. Paumgartner
briefwechsel 21. 97. 160.
Zimmerische chron. [] 1, 224, 19
u. ö. Wickram 1, 20. H. Sachs 23, 97, 2)
und wammes
die gewöhnlichen formen; seltener erscheint wamwais
d. städtechron. 15, 407, 5; wambis
buch Weinsberg 1, 108
u. ö.; wammisz Fel. Platter 174
Boos; wambus Kluge
rotwelsch 1, 32 (
bubenorden um 1505); wammusz
urkundenbuch d. st. Magdeburg 2, 302 (1432);
auch das einsilbige wams (
meisterlieder 77, 2
Bartsch. Murner
narrenbeschw. 12, 61. Grunau
preusz. chr. 2, 376. 3, 324. Ringwald
laut. warh. 98)
kommt schon vor. daneben zeigt sich das auslaut. s
auch in sch
übergegangen (
vgl. harnisch
aus afranz. harnais),
was besonders in alemannischen und rheinischen quellen zu beobachten ist: wanweisch
voc. von 1474
bei Lexer 3, 666; wambisch
geschichtsfreund 31, 312; wambasch U. v. Zatzikhoven
Lanzelet 3811; wamisch Pauli
schimpf u. ernst 167; wambusch
urkunden u. akten z. gesch. d. st. Koblenz 237, 8; wambesch
minnesinger 2, 100
a.
ring 33
d, 38.
Straszburger zunftordnungen 292.
d. städtechron. 8, 452, 11; wammesch
Kölner zunfturkunden 2, 387, 26. Keisersberg
hell. löw 31
a.
brösamlin 1, 109
b. 2, 36
a. 49
a; wamsch
Alsfelder passionsspiel 5138; wambsch
Schlettstadter stadtrechte 2, 906. 7.
ferner kommt es vor, dasz die form wammes (wammas, wams)
durch t
erweitert wird (
vgl.palast
u. dgl.): wammast Fischart
Garg. 281
b; wamast
jahrb. f. Elsasz-Lothringen 21, 36; wammest
schweiz. schausp. 1, 146, 1008. Keisersberg
postill 4, 4
a. 14
a. Kirchhof
wendunm. 1, 353. Fischart
dicht. 2, 144
Kurz. groszmutter 569
Scheible. Garg. 113
b u. ö.; wamst Fischart
bienenk. 55
b. Schweinichen 1, 241 (
dazu wanszt
im hortulus animae 1505
bei Luther 10, II, 336
Weim. ausg.).
die mannigfaltigkeit der neben einander üblichen formen spiegelt sich auch in den glossaren und wörterbüchern wieder: bombasium, wambisz, wamboys, wammasz, wammisz, wammez, wamwesz, wammes, wammesch, wammusz, wanwasz, wams, bamaz, bombeis, bommais. Diefenbach
gl. 78
b; wambasz, wammas, wamsche, wombeis.
nov. gl. 57
a;
diplois, wammas, wammesz, wames.
gl. 183
b;
thorax, wammas, wambos.
gl. 588
a; wammesz,
thorax. Dasypodius 451
d; wammsz,
thorax. Alberus
dict. ii 4
a; wammest,
thorax. BB 2
b; wammest,
guippone. Hulsius 272; wammes,
thorax. Emmelius
nomencl. 337.
im 17.
und 18.
jahrh. kommt noch wammes (
Schlettstadter stadtrechte 2, 371 [1611]. Albertinus
Gusman v. Alfarche 102. Lehman 131, 10
u. ö. Harsdörffer
gesprechspiele 1, 30. 98.
Jucundissimus 41.
d. franz. kriegs-Simplicissimus 39.
Simplic. von 1684, 3, 754. Faszmann
d. gelehrte narr [1729] 85. Jablonski [1748] 1336
a)
und wammest (Sommer
ethographia E 7
a. Philander 2, 80), wambst (Ritter
gramm. 42. Philander 2, 13. Gryphius 1, 747.
Simpl. 3, 14, 7. Weise
comödienprobe 258. Meyfart
christl. erinnerung 217), wamst (
Schelmuffsky 30. Wiedemann
gefangenschaften 1, 11.
causenmacher 74. Kuhnau
music. quacksalber 157, 28)
neben wams
vor. von wörterbüchern haben Dentzler, Castelli, Rädlein, Kirsch, Rondeau
nur wammes, Krämer, Stieler, Ludwig
und Kramer
daneben die einsilbige form, nur wams Schottel, Frisch
und Nieremberger,
während bei Steinbach, Hederich
und im nouv. dict. 703
c auch noch die form wamst
angeführt wird. Adelung
und Campe
erwähnen nur wamms.
diese schreibung (
im 18.
jahrh. auch noch wambs,
wie auch Frisch 2, 420
c aus etymologischen rücksichten schreibt)
ist jetzt allgemein durch wams
ersetzt. die zweisilbige form wammes
findet sich aber noch bei Musäus
physiogn. reisen 4, 266. Rückert
werke 8, 265 (
s.wamme 2,
a ende). Immermann
Tristan 78.
sie ist auch in mundarten noch sehr üblich, so im österr. Loritza 140,
bair. Schmeller 2, 914 (
neben wambs),
in Nürnberg Gebhardt 74,
in der Pfalz Autenrieth 149,
in Handschuhsheim Lenz 52,
im hess. Vilmar 440,
thür. Hertel 253. Kleemann 25. Liesenberg 217,
in Luxemburg Gangler
2 474
und in nd. dialekten Strodtmann 278. Schambach 285 (
neben wams).
zeitschr. f. nd. sprachf. 35, 100 (
Eilsdorf bei Halberstadt). Woeste 314. Bauer - Collitz 111. Leihener 131.
die erweiterte form wammest
hat Ruckert 193. Döring 86. Liesenberg 217, wamst
neben wams Martin-Lienhart 2, 826
und Crecelius 891.
die form wamesch
führt Müller-Weitz 257
aus Aachen an. 1@cc)
der plur. ist im mhd. dem sing. gleich und wird auch noch im 16.
und anfang des 17.
jahrh. häufig endungslos gebildet, so wamisch Pauli
schimpf u. ernst 167; wamesch Keisersberg
brös. 2, 36
a; wammes Dreytwein
Eszling. [] chron. 50, 4. Liliencron
hist. volksl. 3, 376, 22 (1525); wams Grunau
preusz. chron. 2, 376; wambsch
Schlettstadter stadtrechte 2, 906; wammest Keisersberg
postill 4, 14
a.
schweiz. schausp. 1, 146, 1008. Fischart
Garg. 114
a. Sommer
ethographia E 7
a. Philander 2, 80.
daneben ist ein plur. auf -er
üblich, der aber z. th. ohne umlaut gebildet wird: wammaser Paumgarnter
briefw. 21. 97, wambisser
buch Weinsberg 2, 375, wameser
d. städtechron. 25, 369, 8. 11, wammeser Harsdörffer
gesprechsp. 1, 98, wammister
Potier d'Estain deutsch 9, wamser Harsdörffer
schaupl. 215.
meist mit umlaut: wämmeser
Simpl. (1684) 3, 754,
gewöhnlich zweisilbig wämster Fischart
dicht. 2, 158
Kurz. Garg. 114
a. Meyfart
christl. erinnerung 217. Kuhnau
music. quacksalber 157, 28
oder wämser.
diese form wird von Stieler 2427
und Bödiker
grundsätze d. d. spr. D 5
a angegeben, von Schupp, Weise
und den meisten späteren gebraucht. doch gibt noch Steinbach 2, 924 wämster
an, daneben wamste.
formen auf -e
sind nicht häufig (wamse Grunau
preusz. chron. 3, 324),
im 16.
jahrh. auch mit umlaut: wemmese
Magdeburger schöffensprüche 1, 270; wämbse Ringwald
laut. warheit 98.
die umgelauteten formen (
vgl. wemes Lenz 52)
gehen wol auf ein masc. wams
zurück, das auch sonst vorkommt; es wird jetzt aus dem Aargau Hunziker 286,
der Pfalz Autenrieth 149,
dem Elsasz (
neben n.) Martin - Lienhart 2, 826,
Handschuhsheim Lenz 52,
Hessen Pfister 329
und Luxemburg Gangler
2 474
angegeben. in der litteratur begegnet es bei Mittel- und Norddeutschen: Klinger 3, 160. Göthe 13, 125 (feierwamms). Grimm
märchen 1, 130; H. v. Kleist 3, 13. Arnim 1, 50. 3, 165. 13, 125
u. ö. daran schlieszt sich dann auch ein plur. wamse,
z. b. v. Peucker
kriegswesen 2, 105. 22)
bedeutung und gebrauch. 2@aa)
in den ritterzeiten ist das wams
eine unter dem panzer getragene jacke, die über die hüften reichte; sie war aus derbem stoff hergestellt und meist mit baumwollwatte gepolstert und abgesteppt: dô zôch er aller êrste an ein wambes von buggeran. dô hieʒ er im reichen einen vilz weichen und bant in für sîniu knie. alsô bewarte er sich
ie. zwô hosen wîʒ ûʒ îsen hieʒ er im ane brîsen ... dannoch zôch er ane mê einen halsberc wîʒ als der snê.
Moriz von Craon 828
Schröder; ein wambeis wart ime gesuocht von einem buckeram blanc, einer spannen von der gürtel lanc, under sînen halsperc. H. v.
d. Türlin
crone 2862; manic helt ze velde san, der sîn hosen schuohte an, dar über sîn schellier; ein wambeis und ein collier muost er haben dar nâch; ... sô muost ein halsperc wesen dâ bî. 18190; schilt, banier, îsenhuot, cleiniu wambasch, snelliu ros, daʒ si berc unde mos deste schierre mohten überkomen, diz moht in alleʒ niht gevromen. U. v. Zatzikhoven
Lanzelet 3811 wappenrok zuschliʒʒen, wammis zuriʒʒen, waren wider gemachet wol. Herbort v. Fritzlar 8710
Frommann; die halsberge wiʒʒe hiwen sie mit fliʒʒe durch den helm unz an den loc, wambois, wappenroc, man, ros unde phert. 9024; er schrôtet mangen îsenrinc und machet wambeis lære. Neidhart v. Reuenthal 92, 3.
doch wird ein solches wams
auch über dem panzer getragen als waffenrock: ein wambeis sol dar über sîn, oder ein wâfenroc sîdî
n. H. v.
d. Türlin
crone 18205; dar nach lait er ain pantzer dick under das wammas
an. liedersaal 2, 473,
v. 21. 2@bb)
bauern und andre geringe leute trugen auch das wams
für sich als schützendes obergewand, indem sie an den gefährlichsten stellen schienen von eisen oder leder aufnähten und es dadurch verstärkten: [] man siht in umb sînen kragen einen grôʒen bolster tragen (dâ sint keten inne und in dem wambeis über al). Neidhart v. Reuenthal 238, 47
Haupt; hât er (
der österreichische bauer) dar zuo ein wameiʒ guot — ze vehten stêt in der muot —, ein gollier an dem hals sîn, in diuht, er bestüend ein eberswî
n. Enikel
weltchronik 27553
Strauch; sô was daʒ ein schade grôʒ, daʒ er machen wolt genôʒ von arte edelen knehten gebûren süne ... die selben ouch vil baʒ snüeren kunden ir salzsecke, denn si die îsnîn flecke ûf diu wambîs kunden tuon. Ottokar
reimchron. 26186
Seemüller; die grôʒiu swert und wambîs tragent. Teichner
anm. 136
Karajan (
Wiener denkschriften 6, 132); armbrust, cheten, wanbeis, spieʒʒe unde bogen ... daʒ ist alleʒ erbegut.
stadtbuch v. Augsburg 151, 16 (1276); von dem wamwais und von dem harnasche. swem harnasch gepoten ist .., der sol den haben pei im unverchummert pei 1 ℔. und di purger, di wamwais süllen haben mit schilten auch pei 1 ℔.
d. städtechron. 15, 407, 5. 7 (
Mühldorfer stadtrecht 14.
jahrh.).
von den bauern wurde das wams wol auch als feierkleid getragen: sich huop ze beiden sîten dar ie der man in sînem wambas niuwen. Neidhart v. Reuenthal 171, 129
Haupt; seu (
die hochzeitsgäste) chament her geritten auf eseln und auf schlitten, yeder mit seym wambesch guot, zwäyn roten hosen und ein hut. Wittenweiler
ring 33
b, 38.
daneben finden wir das wams
als einen kurzen rock erwähnt, der der bequemlichkeit halber z. b. auf reisen angelegt und auch von rittern und bürgern getragen wurde: dirre kunig (
Rudolf) ... was ein demtiger herre: dovon bletzete er sin wambesch in einre reysen zuom aller ersten und ging in dem gebletzeten wambesche vor sinen dienern. Königshofen,
d. städtechron. 8, 452, 11; eʒ sol ouch dehein man deheinen kürtzern rock dragen, danne der für die knye abe get unde niht an den knuwen oder obewendig den knuwen windet, uʒgenomen wambesch, schopen, wapenröcke, harneschröcke unde riteröcke, die mag man wol kurtz tragen, mit namen obe harnesche oder so man über velt ritet oder get ... doch mag einre, der wil, ein harnesch-wambesch dragen.
zeitschr. f. die gesch. des Oberrheins 7, 61 (
Speier 1356); daʒ man deheinen rog noch wambesch kürzer tragen sol danne ein vierteil einre eln obewendig der knieschiben, so sie hie in der stat gänt, doch so sie riten wellent, so müget sie riten in reisigen wambeschen wie sie wellent.
Straszburger zunftordnungen 292
Brucker (1370). 2@cc)
seit der 2.
hälfte des 14.
jahrh. (
s. den vorausgehenden beleg)
findet sich das wams
als ein theil der bürgerlichen kleidung und ist als solches über 300
jahre üblich geblieben. anfangs ist das wams,
ein kurzer, enger rock mit kurzen schöszen, der vorn zugeknöpft wurde, neben dem eigentlichen, längeren rock
und der schecke,
einer ganz kurzen jacke, in gebrauch. im 16.
jahrh. und noch lange darnach ist das wams
ein unentbehrliches kleidungsstück bei bürgern und landsknechten; darüber pflegte allerdings noch ein oberrock (tapart, schaube, mantel)
getragen zu werden. man unterschied das deutsche
und das spanische (wälsche) wams.
das deutsche wams
hatte eine kurze taille, übereinandergehende brustblätter, am hals oft einen hohen, steifen kragen; die ärmel waren weit und bauschig, mit wülsten an den achselnähten und mit vorliebe zerschnitten. das spanische wams
dagegen hatte eine längere und engere taille, nur kleine schösze, mitten auf der brust zusammenstoszende brustblätter, starke wattirung auf der brust und dem bauche, ein aus zwei theilen zusammengesetztes rückenstück und enge ärmel, die am oberarm stark gepolstert waren. im 17.
jahrh. kam die ausstopfung des wamses
ab, die unteren knöpfe wurden offen gehalten, um das hemd zu zeigen, das wams
verlor sogar die taille gänzlich; die ärmel schlieszen an schulter und handgelenk, aber an der vordern seite öffnet sie ein schlitz in der vollen länge. gegen ende des jahrh. macht sich bereits die französische [] mode geltend, nach der das wams
zwar verlängert, aber immer unter dem rock getragen wird und so an bedeutung verliert, die ärmel werden eng, schlieszlich fallen sie ganz weg, ebenso die schösze, und das rückenstück wird aus geringerem stoff hergestellt. so entwickelte sich das wams
zur weste.
doch verschwindet es nicht ganz, sondern bleibt in bestimmten fällen im gebrauch, wenn kein rock getragen wird. 2@c@aα)
belege aus älterer zeit: die dri godde soln ein sin: das enkan nit kommen in den sinne min. doch ein schoppe und ein wamsch und ein troge ist auch drierlei, un dot es vor ein kleit
an. Alsfelder passionsspiel 5138; (
als meisterstück soll er schneidern) eynen gemeynen mans tabert und eyns mans wambusch mit gelenken oder ufglaichten armen, wie man das nent.
urkunden u. akten z. gesch. d. stadt Koblenz 237, 8 (1454)
Bär; cap, rock, hembd, hosen, wammesch und schuohe sind guot, wenn man ietlichs an das glid legt, dem es gemacht ist. Keisersberg
hellisch löw (1514) 31
a; hosen und wammes fein zusammengemacht, dasz sie geraum und gefüge seyn, ist ein nützlich kleyd, für die menner in allen ständen, und weisz nichts daran zu tadeln, ohne allein die lätze, die geben gar zu viel üppigkeyt von sich. Joh. Strausz
kleyderteuffel, theatrum diabolorum (1587) 2, 65
a. 2@c@bβ)
das wams
ist nebst den hosen die charakteristische männertracht: ein manswammesch ind einen vrauwenrock.
Kölner zunfturkunden 2, 387, 26 (
um 1450)
v. Loesch; wenn die hübsche der frauwen vergat, so legt sie des mans wammesch an und laufft also uber den bach, und weschet darin, der frauwen findet man vil dye mannlich seind ... und tragen ein degen
an. Keisersberg
brös. 2, 49
a. 2@c@gγ)
das wams
wurde an die hosen genestelt oder geknüpft: der schosz auf in ab und traf in auf die nestellechlach am wammesz bey dem nabel. Baumann
quellen z. gesch. d. bauernkrieges in Oberschwaben 31; als ich jüngst von im gangen bin, er in hosen und wammas sich gantz scharpff nestlen thet. Wickram 1, 20 (
Galmy cap. 5)
Bolte; das wammest mit dem gesesz (
den hosen) verbunden (
durch nestel). Fischart
groszmutter 569
Scheible; ob man die hosen an das wamst bind, oder das wamst an die hosen.
bienenk. (1581) 55
b; damals fieng die welt an die hosen an die wammest zuknipffen, und nicht die wämster an die hosen.
Garg. 114
a (173
Alsleben). 2@c@dδ)
das wams
wurde jetzt auch von seide, samt, atlas und andern kostbaren stoffen, einfachere aber von barchent, zwilch u. dgl., dauerhafte von leder hergestellt: von syden, dammest und karmasyn sind unsere wammest gmachet gsyn.
schweiz. schausp. 1, 146, 1008; der bischof in sime syden wambesche. Königshofen,
d. städtechron. 8, 452; eʒ sol dhein man ... sydiniu tuch tragen weder zu mentel, zu rocken, zu kappen, zu wammasen noch zu schoppen.
stadtbuch v. Augsburg 259, 3 (1385); daʒ des probst brueder hab ein sidin wambisch.
geschichtsfreund 31, 312 (
Luzern 1476); der (
bürgermeister) Schwartz hett ain schwartz sammatins wammas
an. Mülichs
Augsburger chron., d. städtechron. 22, 261, 15 (1478); es sol ouch keiner wambsch bi uns verkoufen .., die mer dan (von) einerlei barchat oder anderm duch gemacht sigen.
Schlettstadter stadtrechte 2, 906 (1488)
Gény; 1 firdung von einem wammesz von barchant, schlecht und gerecht. 8 schkot von einem zwilich wammesz. 8 schkot von einem lidern wammesz.
akten der ständetage Preuszens 5, 683 (1521); die von der herrn trinckstuoben, die waren alle in schwarz samaten wamesser und schwarcz hosen, alles zerschniten und weisse seiden darunder gefüttert. Senders
Augsburger chron., d. städtechron. 25, 369, 8 (1530); 1 zwilichenen wamast.
jahrbuch für Elsasz-Lothringen 21, 36 (
Colmar 1542); die (
trabanten) hatten alle gelbe mentel ... und gelb samet wamess und die ein seyt rot und weiss und mit carmassin seiden underfeytert und darnach ein gelb samet lieblein, under demselben auch rote seiden. Dreytwein
Eszlingische chronik 50, 4
Diehl; ein weysz ... atlases wammasz. Paumgartner
briefwechsel 160
Steinhausen; wie ich hie ein ehrlichen burger kant habe, welcher inn seinem damasken wammes gen hof kam. Mathesius
Sarepta (1571) 46
a; ein seiden wammest mit sammat und
[] schnüren beleget. Kirchhof
wendunm. 1, 353
Österley; zu seinem wammest nam man hundert acht dreitzehen saumballen weisen satins.
Garg. 113
b (172
Alsleben); die daffete wämser und kappen liesz ich nicht füttern. Ch. Weise
erznarren 76 (1673); geld zu einem sammeten wamste.
der schlimme causenmacher 74. buntes wams: ein ... parfuser mönch kompt ausz einem bundten wammes in eine graue kutten. Luther 33, 535, 15
Weim. ausg. 2@c@eε)
die wämser
waren gefüttert und mit knöpfen besetzt: für 2 futterparchet unter 2 wames. Tucher
baumeisterbuch 101; wöllest dir den von Paulus Scheürl 4 in 5 duzzet schwartzseidiner knopf geben und den schneyder an meine zway wammaser machen lassen. Paumgartner
briefwechsel 97
Steinhausen; die menner trugen jopen ader wams mit silbern malgen, das waren heffte von silber, obenen um den halsz einer hand breith alle zugleich, item an den ermeln der jopen ja funff par runde knepffel von silber. S. Grunau
preusz. chron. 2, 376
Perlbach; der hausvater in einem mit silbernen knöpfen besetzten wams. C.
F. v. Moser
beherzigungen3 134; (
Zacharias Pape's) wamms war mit knOepfen von buntem glase besetzt. Rabener
schriften 1 (1751), 104.
besonders war das zerschneiden der wämser
mode: gestochen wams,
thorax ocellatus. Stieler 2427; ein zerschnittenes wammes,
pourpoint tailladé. Rondeau; die hosen und das wams durch schnitten hinden vornan und do mitten. Murner
narrenbeschw. 12, 61; das ist wider die lumpenreüter, die jetzt in krieg ryten in zerhowenen röcken und wammesten, dorumb das man den harnesch und die wyssen hembder do durch sehen mög; das ist ein affenspil und ist narrenwerck. Keisersberg
postill 4, 14
a; es waren damals die zerschnittene wämbser sehr gemein. Schupp
schriften 376; wann du einen Schweden oder Teutschen gefangen bekombst, so hat der hurensohn das wambs so zerschnitten, dasz du nichts darausz machen kanst.
ebenda; ein aufgeschnittnes wams, die tracht der alten zeit, scheint nicht so lächerlich, als itzt die redlichkeit. v. Canitz
ged. (1734) 248; mit deutschheit sich zu zieren itzt hat jeder sein armes wamms zerschlitzt. Göthe 13, 54 (
das neueste v. Plundersweilern 254).
inwendig pflegten sie dick wattirt zu sein: weite, mit neun pfundt baumwollen gefüllete und drey dutzend kneuffen besetzte wammest. J. Sommer
ethographia mundi E 7
a; wämbster, die innwendig mit baumwollen, werck, haar oder fischbeinen dick auszgefüllet und wol vermachet seyn. Meyfart
christl. erinnerung 217; bald trägt man an dem leib ein wamst von drey querfingern, bald musz es wohl ein rock mit sechzehn falten seyn. Wiedemann
gefangenschaften 1, 11. 2@c@zζ)
überhaupt zeigte sich beim wams
viel modische üppigkeit: ja wan sie (
die Deutschen) noch bei einem bliebn und nicht so leichten wechsel triebn in röcken, wämbsen, stiffeln, hut, so gieng es hin und wer noch gut. Ringwald
laut. warh. (1598) 98; was für üppigkeit mit wammes und puff-jacken getrieben wirt, das sihet man, der leib am wammes, ob er wol fein glat angemacht wirdt, so musz er doch mit seiden durch und umb stöppet seyn, forne seltzame kneuffel dran, von stein, corallen, glasz, oder horn. oben einen kragen darauff, der weit hinausz starret. ermel dran, die einer, wegen der grösse und weite, kaum am armen tragen kan. ... diese ermel müssen forne auch eyngefalten seyn, dasz sie krösz gewinnen. Joh. Strausz
kleyderteuffel, theatrum diabolorum (1587) 2, 68
b; wie sie ein wählsch kleid ... wälsches wambst, wälsche hosen, wälsche strimpff ... mit nach hausz bringen mö
gen. Philander 2, 13; deine à la mode hosen und wammest. 2, 80; es hat denn mancher sich so trefflich ausgeputzt, dasz hos' und wammst an ihm auf echt französisch stutzt. Hoffmannswaldau
u. anderer Deutschen ged. 4, 325. 2@dd) wams
und hosen
werden als die beiden unentbehrlichsten männlichen kleidungsstücke häufig zusammen genannt: knecht mach mir die hosen, bletz mir das wammes. Montanus
wegkürzer 23, 33
Bolte; ess wurdend ... 36 gefangen, die wurdend uszgezogen bis in hosen und wammas. Hug
Villinger chronik 150
Röder; (
die priester) sind in
[] hosen und wamas gangen und haben keglot. Senders
Augsburger chronik, d. städtechron. 23, 391, 34; sasz da (
der im spiel alle seine kleider verloren hatte) bei dem Welser in hosen und wamas. 310, 29.
wer es sich bequem machte, ging in wams und hosen,
zu einer anständigen kleidung gehörten aber noch oberkleider: so zeuch den rock am ersten ausz, würff in dort in ein eck im hausz ... in hosen und wammes dich stell dort hin, so bist ein fein gesell. Scheidt
Grobianus 422
neudr.; was hat im haus gethon der jung, der itzt hinab in garten sprung in hosn und wamas an ain rock? H. Sachs 23, 97, 2
Keller-Götze; erstlich soll ein kirchwart ... gottsförchtig sein, nicht nur ein hosen und wammes, sondern fein ehrbarlich mit einem schwartzen leibrock und chorhemmet darüber angethan, seines angehörigen diensts ... pflegen.
Schlettstadter stadtrechte 2, 731 (1611)
Gény; (
es sollen) die schullehrer in den städten nicht nur in hosen und wamms, sondern in ihren mänteln, wenn sie lectiones zu verrichten haben, wie auch ausser der schulen auf der gassen, in einem erbaren und ihrem stande gemässen habit gehen. Th. Hayme
jur. lex. (1738) 454 (
kirchenrecht § 9, 54). wams
und hosen
in sprichwörtlichen wendungen: was ein wammesz seyn soll, dasselb nit zu hosen machen. Lehman (1640) 131, 10; da sie doch ausz ihrer ehre weder hosen noch wammesz können machen. 181, 24; es ist eine subtile frag, ob die hosen am wammesz hencken oder das wammesz an hosen. 758, 28; dasz zwar nicht unrecht gesagt, es weren die weiber gelehrt und verständig genug, wann sie den unterscheid zwischen dem wammes und den hosen wüsten. Harsdörffer
gesprechspiele 1, 30. wams und hosen
zusammen bezeichnen die ganze kleidung: brauchen sie (
die langen haupthaare) an statt hosen und wambst. Wiedemann
gefangenschaften 1, 27; mögtest mit Engländern und Franzosen bunt dir pletzen wams und hosen. Arndt
werke 5, 330; mit scheckigen wämsern und hosen, ihr kennt sie, die lust'gen gesell'n (
die narren). Freiligrath 1, 459.
früher auch den ganzen besitz: sitz offt ob eim spil, heist das losen, das frist mir oft wammes und hosen. H. Sachs 21, 77, 25
Keller-Götze; Ranzaw der mit-general denckt auch nicht auf diesen fall, spielt auf karten mit Franzosen und verliehret wambsz und hoszen.
gedicht auf den überfall bei Tuttlingen 1643
in: Württemberg. vierteljahrshefte n. f. 15, 491; jemanden hosen und wamms ausziehen, ihn seines ganzen vermögens berauben. Adelung. wams und hosen
bildlich für das männliche geschlecht: Rosalinde. ich wäre im stande meinen mannskleidern eine schande anzuthun, und wie ein weib zu weinen. aber ich musz das schwächere gefäsz unterstützen, denn wams und hosen (
doublet and hose) müssen sich gegen den unterrock herzhaft beweisen.
Shakespeare 4, 102 (
so wie es euch gefällt 2, 4). 2@ee)
im anfang des 18.
jahrh. wurde in der deutschen modischen tracht das wams
durch die ärmellose, nur mit kleinen oder auch gar keinen aufschlägen versehene weste
verdrängt. sache und wort (
zuerst 1716
bei Ludwig 2460 weste oder veste, das camisol oder unter-kleid)
stammen aus Frankreich. 1721
bemerkt Jablonski 846
a bei wammes '
ein stück der mannskleidung, so den obern leib bis an die hüfften bedeckt, mit ermeln und kurzen schössen. bey uns sind sie abgekommen'.
doch erhält sich wams
in der bäuerlichen tracht, ferner als bequemes hauskleid und als unterjacke. in den wörterbüchern findet sich das wort nicht nur im 17.,
sondern auch noch im 18.
jahrh.: wammes,
farsetto, guippone. Krämer 1207
b; wams,
amiculum superius, thorax dictum. Stieler 2427; wammes,
pourpoint. Rädlein 1028
b; wammes oder wambs,
a wast - coat or doublet. Ludwig 2376; wammes, wams, mutzen. Kramer (1719) 258
c; wamst,
sagulum, thorax, alicula. Steinbach 2, 924; brustbletz, wammes,
thorax laneus. Kirsch 1, 1195
a; wammes,
pourpoint, gilet. Rondeau.
dagegen sagt Adelung
[] '
seitdem die französische tracht in Deutschland üblich geworden, ist das wort gröszten theils veraltet, und wird nur noch zuweilen von solchen kurzen kleidungen unter dem volke, besonders bey dem männlichen geschlechte gebraucht; dagegen das ehemalige wamms
in den obern classen die weste, camisol,
und in andern fällen ein leibchen
genannt wird'.
in der litteratur kommt das wort auch in der neueren zeit nicht selten vor, besonders wenn von zuständen einer früheren zeit die rede ist: der priester hörts; mit schwerem kopf, das chorhemd in die queer, mit ofnem wams und hosenknopf flog er bestärkt daher. Pfeffel
poet. versuche (1802) 1, 60; er zog sein feinstes hemde mit spitzen an, ein wams von grünem atlasz mit schmalen goldnen spitzen besetzt und mit rosenfarbnem taffet gefüttert. Wieland 11, 94 (
don Sylvio 1, 11); das nächstemal, Georg. du sollst erst ein wamms haben, eine blechhaube und einen spiesz. Göthe 8, 10 (
Götz v. Berl. 1); schnallt mir den harnisch auf, und gebt mir mein wamms. die bequemlichkeit wird mir wohl thun. 8, 24 (42, 29 gebt mir meinen rock);
Mephistopheles. hast du vor'm rothen wamms nicht mehr respect? kannst du die hahnenfeder nicht erkennen? 12, 127 (
Faust 1.
th., v. 2485); ich ... warf ein hellrothes mäntelchen um die schultern, steckte mich in einen wamms von rauhen fellen des alps, legte ein krägelchen um den hals. Klinger 3, 160; dort im blauen seidnen wamms der! Fr. Müller 1, 284 (
die schaaf-schur); ich will mich braten lassen, wenn das nicht seine kappe, wamms und hosen sind. 3, 324 (
Golo u. Genovefa 4, 16); einer von diesen ergriff ihn bei den knöpfen seines wamms. 'Ferdinand!' schnaubte er ihn an, 'wirst du unterschreiben?' Schiller 8, 80 (30
jähr. krieg 1); von seinem wamms hatte er (
Egmont) selbst den kragen abgeschnitten. 9, 25 (
Egmonts leben u. tod); stecken wir uns in zwei lederne wämser und schürzen.
Shakesp., Heinr. IV., 2.
th. 2, 2; dem roszhändler schlug das herz gegen den wams. H. v. Kleist 3, 16 (
Kohlhaas); es war dies aber ein feines blaues wamms um die lenden gefaltet und gestutzt. Brentano 4, 5 (
chronika eines fahrenden schülers); so macht mein seidner wams kein aufsehen. Arnim 1, 50 (
Isabella); zehn ehrenketten beschwerten den schwarzen wamms. 15, 165 (
kronenw. 1); ich will mir das scharlachene wamms anziehen mit den goldenen borten. Immermann 16, 230
Hempel (
Petrarca 1); am jungen wurde nicht erschaut der kleinste fleck auf jack' und wammes.
Tristan 78; mein wamms von purpursammet, ich musz dich von mir thun. Geibel 1, 180; seine kräftigen handgelenke ragten weit aus den ärmeln des dürftigen wamses, denen er längst entwachsen war. C.
F. Meyer
Jenatsch 14.
eine als wams
bezeichnete kurze jacke wird vielfach vom militär getragen: zu einem mann ... kam ein rekrut mit blauem wamms und kleinem hut, pudriertem haar und hohlen wangen. Pfeffel
poet. versuche (1802) 2, 45; im huszarenwamms, vielfach geflickt, mit verblichenem golde reich gestickt. Lenau
ged. 2, 434.
sprichwörtlich: weisz wams und rote hosen schlagen kein feind. Wander 4, 1775.
darum auch eisernes wams:
kürassier. kein rock hat mir unter allen wie mein eisernes wams gefallen. Schiller 12, 52 (
Wallenst. lager 11). wams
des postillons: wenn mittwochs und freitags der postknecht durchfährt .., so ist bei mir jedermann rege und springt entgegen dem gelbwams, der zeitungen bringt. Sauter
ausgew. ged. 65
Kilian. wams
als knabenkleid (
s.wämschen): diese hohen hüte, die rund abgeschnittenen haare, die wämser in uniform (
der jungen philanthropisten). Nicolai
gesch. eines dicken mannes 1, 62. ledernes wams
als nachtkleid: und ich hatte oft lust, wie einer meiner vorgänger, mir ein ledernes wamms machen zu lassen, und mich zu gewöhnen im finstern, durch's gefühl, das was unvermuthet hervorbrach zu fixiren. Göthe 48, 14 (
aus meinem leben 16).
vgl. nachtwammes
[] Ludwig 2376;
elsäss. nachtwämstel, schlafwämstel Martin-Lienhart 2, 827. wollenes wams
als bequemes hauskleid: der Franzmann (
trödler) öfnet ihm ein ganzes magazin voll röcke nach dem neusten schnitte, vom frieswams bis zum galakleid. Pfeffel
poet. versuche (1802) 1, 79 wenn's regnete oder die abendkühle kam, schien ihm ... ein wollenes wams weicher als ein wolfspelz. Scheffel
Ekkeh. 242. 2@ff)
in der männlichen volkstracht der meisten deutschen gegenden hat sich ein wams
genanntes kleidungsstück, ein kurzer rock ohne taille und schösze, noch jetzt oder doch bis in die neuere zeit hinein erhalten. idiotika des 18.
jahrh. führen es als '
kleidungsstück, das eng um den leib schlieszt, kamisol, ärmelweste'
u. dgl. an. brem. wb. 5, 174. Dähnert 536,
auch die meisten neueren, wenigstens aus Mittel- und Norddeutschland, auch dem Elsasz. Martin-Lienhart 2, 826;
in Oberdeutschland scheint es sonst wenig mehr üblich zu sein (
nach Schmeller
2 2, 914 '
leibchen der weiber, ehmals auch beim männlichen geschlecht'): unter dem anliegenden, bis zu den hüften reichenden, meist offen getragenen und mit groszen metallknöpfen besetzten koller oder wams aus schwarzem oder blauem samtmanchester, blauem tuch oder leinwand, deckte den oberkörper der bis unter die magengegend reichende brustlatz (
in der mitte des 19.
jahrh.). E. John
aberglaube, sitte u. brauch im sächs. Erzgebirge 40; die brust bedeckt im winter ein wams aus schaffell, dessen rauhe seite nach innen gekehrt ist. im sommer wird dasselbe durch eine weisze oder blaue jacke ersetzt. Wittstock
volkstümliches der Siebenbürger Sachsen 59.
so auch litterarisch, wenn von der kleidung einfacher leute die rede ist: eine gesellschaft männer (
in Rom) in der sonntagstracht des gemeinen volkes, in kurzen wämsern mit goldbesetzten westen darunter. Göthe 29, 258 (
ital. reise); stosz ich schier an stein und stock, reisse wams und überrock. Schiller 1, 349 (
bauernständchen); und jeden sonntag land' ich bei meiner liebsten
an. mein neues wamms ergreif' ich, sie sagt, es steht mir gut, und eine pfauenfeder, die steck' ich auf den hut. Platen 25 (
lied. u. rom.). 2@gg)
seit etwa 1600
kommt das ursprünglich nur als männerkleid übliche wams
auch in der weiblichen tracht vor: amictorium mulierum, mieder, übermder, wamsz, goller. Diefenbach
gloss. 30
b (
aus Frischlin
nomencl. 1603); sie (
die Courage) hatte weder brust noch wams an ... ihr hemt war schneeweis, von reinem Auracher leinwath ... woraus sie hervor schiene wie eine heidelbeer in einer milch.
Simpl. 3, 168, 26 (
Springinsfeld 4.
cap.); 1680 ... trugen die weiber wämser mit kurzem leib voll fischbeinen, auch mit vielen gleichen und krummen näden, seer breite und kurtze hermeln, mit 4 kurzen schöhten 4 vinger breit lang. Hennings
sagen u. erzählungen, volkskunde aus dem hannoverschen Wendlande 117; wambs oder wämbstlein ist ein aus allerhand seidenen oder wollenen zeugen auf vielerley art verfertigter weiblicher ober-habit, mit ermeln und schösen versehen. Amaranthes (1715)
bei A. Schultz
alltagsleben einer deutschen frau 39;
ebenso Zedler 52, 1899; erstlich hat meine frau ihre schulmeisterschaube, kittelgen, röcke ... verkaufft, sich aber davor vornehme städtische kleider, als seidene wämster, röcke, florkappe ... angeschaffet. J. Kuhnau
music. quack-salber 157, 28
neudr.; dasz der zuschnitt ihrer (
der hausmägde) mützen und wämser ihnen eine vorzügliche leichtigkeit, munterkeit und achtsamkeit gebe. Möser
patr. phant. 1, 48; dasz jeder seine frau dazu nöthigen solle, den bettelstaat zu markte zu tragen, und ihre leinwandene wämser und schürzen ... und die ... halbwollenen zeug-röcke wieder hervor zu suchen. R.
Z. Becker
noth- und hülfs-büchlein3 (1789) 1, 176; Stillings töchter ... probirten öfters ihre neuen wämmser und röcke von feinem schwarzen tuch. Jung Stilling 1, 37; man überfaszt das busentuch mit einem kurztailligen leibchen, dem 'wams'; dies hat einen tiefen bogenförmigen ausschnitt und nur schmale achselstreifen. Hottenroth
volkstrachten aus West- u. Nordwest-Deutschland [] 8 (
Braunschweig); darüber (
über das mieder) wird der bis an den hals reichende ärmelspenser, das sogenannte wamesle angezogen .., mit kurzen schöszchen.
Bavaria 2, 1, 182 (
Oberpfalz); mich selber reizte diese scene weit weniger als eine bauerschöne in weiszem wamms und rock. Bürger 105
a; ein wamms, verbrämt mit schwanenfell, mit knöpfen von krystallen hell, ein röckchen weisz, aus zarter woll', aus lämmchenwoll', es tragen soll. 120
b.
jetzt wird wams
als ein theil der weiberkleidung ausdrücklich angegeben bei Martin - Lienhart 2, 826 ('
kurze jacke der mädchen und frauen'). Schmeller
2 2, 914. Vilmar 440. Döring 86. Schambach 285. Schütze 4, 335 ('
jäckchen der kremperinnen mit kurzer taille'). Frischbier 2, 454. 2@hh) wams
findet sich auch als unterjacke, die unter oder gleich über dem hemd getragen wird: alreleie vrauwenunderwambens van alden cleideren zo machen.
Kölner zunfturkunden 2, 390, 6 (1426); befalch dem hencker, das er mir in seiner gegenwertigkeit ein wammes under das hemmet gab. Albertinus
Gusman v. Alfarche 102; wämser trug man ehedem unter den mänteln, und noch jetzt zieht man sie unter leibröcke und oberröcke, worüber alsdann eine weste getragen wird. solche wämser (nur ohne ärmel) hat in neueren zeiten, das preuszische fuszvolk für den winter bekommen. Jahn 1, 97
Euler; '
unterjacke männlicher personen' Martin - Lienhart 2, 826; '
wollene unterweste, nachtjacke' Müller-Weitz 257; '
eng anliegendes, ärmelloses kleidungsstück des oberkörpers'.
zeitschr. f. nd. sprachf. 35, 100 (
Eilsdorf bei Halberstadt). 2@ii) wams
erscheint vielfach in festen verbindungen mit verben: das wams anziehen, ausziehen, aufmachen, zuknöpfen
u. s. w.; hosen und wammes anlegen. Ludwig 2376; sein wammes ausziehen. Kramer (1719) 1, 500
b; das wammes anlegen, zuknöpfen. Rondeau; ir ... thuon (
beim essen) die wamisch uff, und die gürtel, und den sack den buch, das vil darynn gang. Pauli
schimpf u. ernst 167; setzt er sich in der sonnen schein, zog ausz zu erst das wammest sein, zu halten da ein musterung under den läusen alt und jung. Fischart
dicht. 2, 144
Kurz (
des flohes zank 366); bald machten sie die wämster auf. 2, 158 (860); hat er das wammas nicht anlegen wellen ... und auch sein lebenlang darauf das wammes nie wieder angelegt.
Zimmerische chronik2 1, 224, 19. 22; zogen die wämster ab, warffen sie beyseits, auch die hüte. Philander 1, 597; sie hatten die wamser auszgezogen. Harsdörffer
schauplatz jämmerlicher mordgeschichte3 215; indeme ich mich fertig mache, mein wammes abziehe. Rist
das friedejauchtzende Teutschland (1653) 154 (2, 5); hernach machet er das wambsz auf, setzet den knopff (
des degens) an die brust ... Gryphius (1698) 1, 747 (
Squenz 2); als sie mir auch hosen und wambst angezogen.
Simpl. 3, 14, 7
Kurz (
Courage 2.
cap.); nachdem sie ihm das wamms vom leibe gerissen hatten. Pfeffel
prosaische versuche (1810) 5, 159. ins wams greifen, ins wams nähen: den leuten in die hosen und wemmese zu greiffen und das gelt daraus zu entwenden sich unterstanden.
Magdeburger schöffensprüche 1, 270
Friese-Liesegang (1593); 4 cronen in goldt, die neigt er mir in das wammisz. Fel. Platter 174
Boos. 2@kk)
in dergleichen wendungen zeigt sich auch vielfach eine übertragene bedeutung: he gift hum wat up't wams '
schlägt ihn'. ten Doornkaat Koolman 3, 504.
ebenso ein wams anmessen
u. dgl.: machte derowegen nit viel der wort mehr, weil ich besorget, er (
der edelmann) möchte mir mit seinem ehlenmäsz, daran oben ein grosz silberner knopf stund, ein neues wammes anmessen.
der frantzösische kriegs-Simplicissimus (1682) 39; de henger schall di dat wamms naien.
brem. wb. 5, 174; so giebts wirwar im haus, auch wohl zu zeiten staub, wenn die ehconsorten einander aufs wams greifen. Musäus
phys. reisen 2, 193; einem aufs wams kommen. Wander 4, 1775; einem das wammes wacker ausklopffen,
to curry one's coat well, to beat him soundly. Ludwig 2376; einem sein wammes wacker ausklopffen, den staub daraus klopfen. Kramer (1719) 500
b; einem das wammes ausklopfen,
épousseter quelqu'un à coups de bâton, battre. Rondeau; einem das
[] wammes ausklopffen heisset sprichwortweise prügeln. Jablonski (1721) 846; er suchte an allen orten und enden gelegenheit und ursache, mir, noch eh ich fähnrich wurde, das wams auszuklopffen, weil ich mich gegen ihm nicht wehren dörffte.
Simpl. 1, 289, 16
Kurz; ach wenn sich doch etliche soweit erbarmeten und den landesverderbern das wamst ausklopffeten. Ch. Weise
comödienprobe (1696) 257; ich wolte ihn in öffentlicher compagnie mit dem spanischen rohr das wamst auszkehren, und die ohrfeigen gedoppelt wiedergeben.
Schelmuffsky (1696) 30
neudr.; einem das wams austêwern, ausstäuben, ihn durchprügeln. Frischbier
preuszische sprichwörter 2, 192 (
nr. 2841). das wams anschneiden, zerschneiden: zFedersheim vor der pforten schnid man die wammes an, pauren woltents fürsten worten, und pliben doch nit stan! Liliencron
hist. volksl. 3, 376, 22 (1525); würden auch die gasten nit ohne blauwe augen und zurschnittene wammistern widerumb zuruck weichen müssen.
Potier d'Estain, theoria et praxis fortalitiorum (
Köln 1601) 9. aufs wams brennen
u. dgl.: einem aufs wammes brennen,
to give one a deadly wipe, to pinch, nip, bite, prick or sting him. Ludwig 2376; einen auf das wammes brennen,
tirer sur quelqu'un un coup à brûle-pourpoint. Rondeau; diesem nach lässet er ihn für die klinge fordern, mit bedrauen, dasz er ihn, wann er ihm nicht kommen wolte, das wambs mit prügeln wolte verbrennen lassen. Harsdörffer
schauplatz jämmerl. mordgeschichte3 576.
elsäss. eim s wämstel wärme. Martin-Lienhart 2, 826.
dazu kommen noch andre sprichwörtliche redensarten: das geht gegen das wams. Wander 4, 1775; das lob kund ein schusz ins wammest bekommen.
Garg. 267
a (427
Alsleben); es hilfft kein wammes für den galgen. A. Gartneri
dicteria proverbialia 49
a; es geht ihm umb den finger, und nicht drein, umbs wammesz, nicht ins hertz. Lehman (1640) 742, 2; er trägt kein eng wammesz, das ist, läst sich nichts anfechten.
ebenda; sein wammesz ligt so hart nicht an, er kan es auszthun, wann er will.
ebenda; damit er aber den ... frommen landtsknechten keyn eng wammes anlege, sonder so ein weyt gewissen mach. Franck
kriegsbüchlin des friedes 128
b; mittlerweil aber, als grave Jos also in der taglaistung zu Augspurg und seiner sachen halb ein engs wammas anhet (
in bedrängter lage war), do ruckt ain news jar herzu.
Zimmerische chron.2 3, 576, 32. das wams wird ihm heisz '
er kommt in aufregung': wie sie der bischof nachereilen ersehen, do ist im das wammas erst recht haisz worden, derhalben über die brucken und die langen gasen hinein, das im sein gesindt nit wol volgen kinden.
Zimmerische chron.2 3, 581, 25; Friedrich von Brandenburg, dem lange 'das wamms heisz war wider Baiern' führte das reichsbanner. Ranke
deutsche gesch. im zeitalter der reform. 1, 102; ich hab mich lange zeit gelitten, zuo widerschelten hoch vermitten; ietz wil das wames hon den ritten (
wird entwei gehn) wider schmach und manche schand mit truck gespreitet in dem land. Murner
luth. narr 33
Kurz; dat öss e ander wams, dat hefft schösskes. Frischbier
preusz. sprichw. 1, 276 (
nr. 3969); es ist ein ander ding mit mir ... es ist ein ander wambs,
c'est une autre paire de manches. Duez
le vray guidon (1657) 595; mit der tīd kümt Hans in 't wams '
eile mit weile'. Schambach 285 (allna gra kummt Jan in 't wams. Goldschmidt 106
bei Wander 4, 1775).
dagegen: met der tīt kömt Helmes en et wammes '
allmählich wird man wohlhabend'. Leihener 131; er hett wat in 't wams '
ist kräftig'. Wander 4, 1775. 2@ll) wams
kommt früher auch in der allgemeinen bedeutung von '
kleid'
vor: darum ich kenne schon den unbestand der weiber, die nicht so wol den mensch als nur das wams beschaun. Günther
ged. 560; hier krönt sie (
die muse) sich mit eichenlaub, bestreut ihr wamms mit heldenstaub. Pfeffel
poet. versuche 2, 30. rock und wams (
s. oben d hosen und wams): sonst würden unsre guten köpfe ... nicht so oft in den fall kommen rock und wammes zu versetzen, wenn ihnen iemand auf den kopf credit gäbe. Musäus
physiogn. reisen 4, 266.
vgl.gewäms
theil 4, 1, 5226.
[] rotes wams
für die glückshaube: (
bei der geburt eines kindes) ist angst und not, ee man das rot dammasten wammest under die stegen vergrab, in dem wir allesammen harkommen. Keisersberg
postill 4, 4
a; wir bringen allesamen ein rot wammesch uff erden (pellem secundinam), das muosz darnach der man under die stegen vergraben.
brös. 1, 109
b. 2@mm) wams
für einen der ein wams trägt in zusammensetzungen, s. oben e gelbwams; dik-wamms '
bei dem keine schläge fruchten'
brem. wb. 5, 174.
im elsäss. auch für sich '
kerl' Martin-Lienhart 2, 826. 2@nn) wams
oder wamst (
s. d.)
tritt in einigen dialekten für wamme
ein. vielleicht gehört dahin der folgende beleg: bis ich mich recht rund gesoffen und mein wammes auffgeloffen wie ein frische leber-wurst.
aus einem Jesuitendrama (
Aachen 1752)
im 6.
beiheft zum centralblatt f. bibliothekswesen s. 318.
auch im dänischen kommt vams
für '
dicker bauch'
vor.