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unbehaglich

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

unbehaglich adj. adv.

Bd. 24, Sp. 289
unbehaglich, adj. adv. , gegentheil von behaglich; mhd. unbehegelich, unbehegelîchen, unbehagen Lexer 2, 1754; mnl. onbehagelijc, onbehaechlijc wb. 5, 222; nl. onbehaaglijk wb. 10, 958; n. ubehagelig ordb. 7, 334a; schwed. obehaglig. die verbreitung innerhalb der mundarten wird der von behaglich, behagen entsprechen. schweiz. unbehaglich = unbehaglet ohne vorwurf, tadel, unsträflich, makellos, unbehaglichi, f., unsträflichkeit, schwäb. behagelich weidlich (Staub-Tobler 2, 1078; Fischer 1, 769) gehören nicht zu unserm wort. in der älteren schriftsprache tritt unbehäglich (Diefenbach nov. gloss. 111b) stark hinter miszbehäglich, miszfällig zurück; Schöpper stellt miszfällig syn. e 1a. e 1b wie Kramer (1700) 1, 72a misbehäglich voran, Kramer 1678, 1719, Stieler, Frisch lassen unbehaglich aus. erst Adelung (4, 832) und Heynatz beschäftigen sich ernstlicher mit dem inzwischen bedeutungsgeschichtlich sehr eingeengten worte; dieser schreibt die verbreitung der wortsippe des behagens (antibarb. 1, 215) neueren modeschriften zu, jener warnt vor allgemeiner verwendung (1, 809: 'in dem das behagen in seiner wahren bedeutung sinnlichen und uncultivirten menschen angemessener ist, als aufgeklärten'). unbehagend J. Grimm kl. schr. 1, 120. die früher vorwaltende, dann mehr mundartliche umgelautete form unbehäglich kommt noch bei Chamisso 3, 199 vor. die synonymischen unterschiede von unbehaglich und unangenehm (Eberhard-Lyon 1904 s. 852) gehen darauf zurück, dasz unbehaglich in der neueren sprache stärker auf gefühl und sinnlichkeit bezogen wird. 11) in der älteren verwendung bedeutet unbehaglich recht allgemein, was nicht wohlgefällig ist, displicitus, displicens, ingratus, invenustus; ungefellig, miszfällig, unbeheglich, widerzem, zuwider, widerig, unangenem Schöpper e 1a. ähnlichen begriffsumfang wahren noch heute die angeführten entsprechungen des nl.,n., schwed.: alles, das man genennen oder erdencken kan, ist nit wider got oder got unbeheglich theologia deutsch 36 Mandel; Arndt Thomas v. Kempis 22; darausz ieder beschlieszen kan, das ihr anbeten, eren, gelubd und verpindnis gott unbeheglich und innen schedlich ist Carlstadt von gelübden c 2a. 22) im 17. jh. veraltete diese bedeutung, behagen und seine sippe trat in die mundarten zurück (Adelung 1, 809), und aus diesen scheint auch die neuere, sehr eingeschränkte bedeutung von behaglich, unbehaglich zu stammen. 2@aa) sinnlich, mit nachdrücklicher beziehung auf empfindung und gefühl, besonders auf den hautsinn. unbehaglicher geruch, geschmack, ton, unbehagliches sehen, zahnweh u. dgl. kann man im deutschen eigentlich nicht sagen, während imn. und nl. diese beschränkung nicht stattfindet: ein ungemächlicher anzug macht unbehaglich Knigge umg. 2, 248; es giebt .. kein unbehaglicheres gefühl als die kälte Schubert verm. schr. 3, 25; du .. fühlst einen kleinen unbehaglichen schauer, wenn dich eine der unsauberen gestalten im vorübergehen anstreift Hauff 2, 175, 17; beim unbehaglichen bivouac Freytag 4, 79; der gedanke, minister des äuszern zu werden, war mir unbehaglich, etwa wie der eintritt in ein seebad bei kaltem wetter Bismarck ged. 1, 338. 2@bb) wie in dem letzten falle findet nun übertragung statt, der begriff erweitert sich wieder, mit schwachem einschlag der alten bedeutung 1. 2@b@aα) kein behagen gewährend, unbequem, lästig, unerwünscht, verhaszt, incommodus, molestus, odiosus: reichthum ist oft unerträglich, hoher stand oft unbehäglich Weichmann poesie d. Nieders. 4, 121; (der polemische ton) ist der eigenliebe und dem selbstdünkel so unbehäglich! Lessing 11, 3; ein sehr unbehagliches lüftiges gerippe Herder 5, 457; mit einer unbehaglichen empfindung Göthe 22, 213, 3 Weim.; ein angestrengter unbehaglicher zustand Sturz 1, 133; zeiten Gutzkow ges. w. 12, 7; lage Freytag 5, 8; schweigen 9, 122; heimweh Bismarck br. a. s. braut 122; litotes: eine nicht unbehagliche, wohlhäbige existenz Ranke 40, 90; sie (arbeitshast) ist mir nicht gerade unbehaglich brüder Grimm an Benecke 129. auch von personen: einen unbehaglichen zerstörer ihrer süszen unterredungen Zimmermann eins. 4, 176; ehekonsorten Musäus volksm. 1, 19; das unbehagliche geschlecht der ausleger .. wurde nothwendig Scherer litg. 521. 2@b@bβ) kein behagen empfindend: ich bedaure sehr, dasz der mann krank und unbehäglich ist Göthe IV 9, 204, 2 Weim.; Wilhelm .. trat .. wirklich recht unbehaglich auf I 22, 199, 26 Weim.; wie der tabacksdampf macht mich eine solche rede auf der stelle unbehäglich 32, 274 Weim.; nicht unbehäglich sein ist der behäglichste zustand Bode Montaigne 3, 391; die unruhige, unbehagliche Julie Arnim 10, 18; mit begründung durch präp. zusatz: ihr .. brief .. fand mich im bette, unbehaglich an einem vorübergehenden übel (also nicht eigentlich krank) Göthe IV 29, 83, 6 Weim.; in Wien ist man sehr unbehaglich wegen ihrer Petersburger mission, weil man sie für principiellen gegner hält Bismarck ged. 1, 238. 2@b@gγ) nicht oder wenig comfortabel: das düstere .., unbehagliche zimmer Holtei vierzig jahre 1, 222; seine unbehagliche residenz Justi Winckelmann 1, 253. 2@b@dδ) von festen verbindungen sind am häufigsten die mit sein und werden: mir ist hier noch sehr unbehaglich J. Grimm an Dahlmann 1, 68; es scheint fast, dasz ihm in seiner eigenen haut so unbehaglich ist Tieck schr. 4, 1, 51 (1828); mir ist (wird) unbehaglich zu mute; vgl. th. 6, 2787 f.; und ich musz gestehn, es wurde mir im himmel unbehaglich Heine 1, 260; dem herrn ward's unbehäglich Chamisso 3, 199. mit finden, sich befinden, fühlen: höchst unbehaglich fand sich Wilhelm, das schöne bild .. entstellt zu sehen Göthe 21, 93, 11 Weim.; vgl. oben unbehagen mit inf.; Göthe klagte, er habe sich bereits gestern .. unbehaglich gefühlt gespr. 8, 154; ich befinde mich hier im allerhöchsten grade unbehaglich Hebbel tageb. 2, 270. subst.: das unbehagliche dieses zustands Wieland Ag. 2, 65. —
5943 Zeichen · 106 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Unbehaglich

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Unbehaglich , -er, -ste, adj. et adv. der Gegensatz von behaglich. Das ist mir unbehaglich, unangenehm. So auch die Unbe…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    unbehaglich

    Goethe-Wörterbuch

    unbehaglich [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. Spezial
    unbehaglich

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    un|be|hag|lich adj. 1 (ungemütlich) scomot (-oc, -a) 2 (unangenehm) da sté ert. ▬ eine unbehaglich e Atmosphäre na atmos…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit unbehaglich

1 Bildungen · 1 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von unbehaglich 3 Analysen

un- + behaglich

unbehaglich leitet sich vom Lemma behaglich ab mit Präfix un-.

Alternativen: unbehagen+-lich un-+behag+-lich

unbehaglich‑ als Erstglied (1 von 1)

unbehaglichkeit

DWB

unbehaglich·keit

unbehaglichkeit , f. , gegentheil von behaglichkeit, mangel an behaglichkeit, unbehaglicher zustand; mnl. onbehaechlickheyt wb. 5, 222; nl. …