unbehaglich,
adj. adv. ,
gegentheil von behaglich;
mhd. unbehegelich, unbehegelîchen, unbehagen Lexer 2, 1754;
mnl. onbehagelijc, onbehaechlijc
wb. 5, 222;
nl. onbehaaglijk
wb. 10, 958;
dän. ubehagelig
ordb. 7, 334
a;
schwed. obehaglig.
die verbreitung innerhalb der mundarten wird der von behaglich, behagen
entsprechen. schweiz. unbehaglich = unbehaglet
ohne vorwurf, tadel, unsträflich, makellos, unbehaglichi,
f., unsträflichkeit, schwäb. behagelich
weidlich (Staub-Tobler 2, 1078; Fischer 1, 769)
gehören nicht zu unserm wort. in der älteren schriftsprache tritt unbehäglich (Diefenbach
nov. gloss. 111
b)
stark hinter miszbehäglich, miszfällig
zurück; Schöpper
stellt miszfällig
syn. e 1
a. e 1
b wie Kramer (1700) 1, 72
a misbehäglich
voran, Kramer 1678, 1719, Stieler, Frisch
lassen unbehaglich
aus. erst Adelung (4, 832)
und Heynatz
beschäftigen sich ernstlicher mit dem inzwischen bedeutungsgeschichtlich sehr eingeengten worte; dieser schreibt die verbreitung der wortsippe des behagens (
antibarb. 1, 215)
neueren modeschriften zu, jener warnt vor allgemeiner verwendung (1, 809: '
in dem das behagen in seiner wahren bedeutung sinnlichen und uncultivirten menschen angemessener ist, als aufgeklärten').
unbehagend J. Grimm
kl. schr. 1, 120.
die früher vorwaltende, dann mehr mundartliche umgelautete form unbehäglich
kommt noch bei Chamisso 3, 199
vor. die synonymischen unterschiede von unbehaglich
und unangenehm (Eberhard-Lyon 1904
s. 852)
gehen darauf zurück, dasz unbehaglich
in der neueren sprache stärker auf gefühl und sinnlichkeit bezogen wird. 11)
in der älteren verwendung bedeutet unbehaglich
recht allgemein, was nicht wohlgefällig ist, displicitus, displicens, ingratus, invenustus; ungefellig, miszfällig, unbeheglich, widerzem, zuwider, widerig, unangenem Schöpper e 1
a.
ähnlichen begriffsumfang wahren noch heute die angeführten entsprechungen des nl., dän., schwed.: alles, das man genennen oder erdencken kan, ist nit wider got oder got unbeheglich
theologia deutsch 36
Mandel; Arndt
Thomas v. Kempis 22; darausz ieder beschlieszen kan, das ihr anbeten, eren, gelubd und verpindnis gott unbeheglich und innen schedlich ist Carlstadt
von gelübden c 2
a. 22)
im 17.
jh. veraltete diese bedeutung, behagen
und seine sippe trat in die mundarten zurück (Adelung 1, 809),
und aus diesen scheint auch die neuere, sehr eingeschränkte bedeutung von behaglich, unbehaglich
zu stammen. 2@aa)
sinnlich, mit nachdrücklicher beziehung auf empfindung und gefühl, besonders auf den hautsinn. unbehaglicher geruch, geschmack, ton, unbehagliches sehen, zahnweh
u. dgl. kann man im deutschen eigentlich nicht sagen, während im dän. und nl. diese beschränkung nicht stattfindet: ein ungemächlicher anzug macht unbehaglich Knigge
umg. 2, 248; es giebt .. kein unbehaglicheres gefühl als die kälte Schubert
verm. schr. 3, 25; du .. fühlst einen kleinen unbehaglichen schauer, wenn dich eine der unsauberen gestalten im vorübergehen anstreift Hauff 2, 175, 17; beim unbehaglichen bivouac Freytag 4, 79; der gedanke, minister des äuszern zu werden, war mir unbehaglich, etwa wie der eintritt in ein seebad bei kaltem wetter Bismarck
ged. 1, 338. 2@bb)
wie in dem letzten falle findet nun übertragung statt, der begriff erweitert sich wieder, mit schwachem einschlag der alten bedeutung 1. 2@b@aα)
kein behagen gewährend, unbequem, lästig, unerwünscht, verhaszt, incommodus, molestus, odiosus: reichthum ist oft unerträglich, hoher stand oft unbehäglich Weichmann
poesie d. Nieders. 4, 121; (
der polemische ton) ist der eigenliebe und dem selbstdünkel so unbehäglich! Lessing 11, 3; ein sehr unbehagliches lüftiges gerippe Herder 5, 457; mit einer unbehaglichen empfindung Göthe 22, 213, 3
Weim.; ein angestrengter unbehaglicher zustand Sturz 1, 133; zeiten Gutzkow
ges. w. 12, 7; lage Freytag 5, 8; schweigen 9, 122; heimweh Bismarck
br. a. s. braut 122;
litotes: eine nicht unbehagliche, wohlhäbige existenz Ranke 40, 90; sie (
arbeitshast) ist mir nicht gerade unbehaglich
brüder Grimm
an Benecke 129.
auch von personen: einen unbehaglichen zerstörer ihrer süszen unterredungen Zimmermann
eins. 4, 176; ehekonsorten Musäus
volksm. 1, 19; das unbehagliche geschlecht der ausleger .. wurde nothwendig Scherer
litg. 521. 2@b@bβ)
kein behagen empfindend: ich bedaure sehr, dasz der mann krank und unbehäglich ist Göthe IV 9, 204, 2
Weim.; Wilhelm .. trat .. wirklich recht unbehaglich auf I 22, 199, 26
Weim.; wie der tabacksdampf macht mich eine solche rede auf der stelle unbehäglich 32, 274
Weim.; nicht unbehäglich sein ist der behäglichste zustand Bode
Montaigne 3, 391; die unruhige, unbehagliche Julie Arnim 10, 18;
mit begründung durch präp. zusatz: ihr .. brief .. fand mich im bette, unbehaglich an einem vorübergehenden übel (
also nicht eigentlich krank) Göthe IV 29, 83, 6
Weim.; in Wien ist man sehr unbehaglich wegen ihrer Petersburger mission, weil man sie für principiellen gegner hält Bismarck
ged. 1, 238. 2@b@gγ)
nicht oder wenig comfortabel: das düstere .., unbehagliche zimmer Holtei
vierzig jahre 1, 222; seine unbehagliche residenz Justi
Winckelmann 1, 253. 2@b@dδ)
von festen verbindungen sind am häufigsten die mit sein
und werden: mir ist hier noch sehr unbehaglich J. Grimm
an Dahlmann 1, 68; es scheint fast, dasz ihm in seiner eigenen haut so unbehaglich ist Tieck
schr. 4, 1, 51 (1828); mir ist (wird) unbehaglich zu mute;
vgl. th. 6, 2787
f.; und ich musz gestehn, es wurde mir im himmel unbehaglich Heine 1, 260; dem herrn ward's unbehäglich Chamisso 3, 199.
mit finden, sich befinden, fühlen: höchst unbehaglich fand sich Wilhelm, das schöne bild .. entstellt zu sehen Göthe 21, 93, 11
Weim.; vgl. oben unbehagen
mit inf.; Göthe klagte, er habe sich bereits gestern .. unbehaglich gefühlt
gespr. 8, 154; ich befinde mich hier im allerhöchsten grade unbehaglich Hebbel
tageb. 2, 270.
subst.: das unbehagliche dieses zustands Wieland
Ag. 2, 65. —